So nie mehr

Aufräumen, damit die Putzfrau sauber machen kann, drei Schulbesuche innert zwei Stunden, Mittagessen auf den Tisch bringen, dann fast sofort los zum Zwischendurcheinkauf, danach am ehemaligen Arbeitsort mit einer Horde von Kindern Osterfladen backen, weil ich dies vor einem halben Jahr so versprochen habe, saubermachen, kurz nach Hause, um alles wegzuräumen und gleich wieder los in den Schwedischkurs, dann mit Verspätung zur Ausstellung um Luises Kunstwerk zu bewundern und schliesslich nach Hause, wo ein paar ziemlich aufgedrehte Kinder ins Bett zu bringen sind. Eigentlich wären jetzt noch Rechnungen zu bezahlen, die Küche müsste schon wieder aufgeräumt werden und vermutlich wartet auch eine Ladung Wäsche darauf, aufgehängt zu werden, aber irgendwann muss Feierabend sein.

Es ist noch nicht allzu lange her, da sahen fast alle meine Tage so aus. Ein unablässiges Gehetze von einem Ort zum anderen, immer auf dem letzten Drücker, immer mit dem unguten Gefühl, zu wenig vorbereitet, zu überlastet, zu schusselig zu sein. Damals, als ich mich noch unablässig in diesem Hamsterrad bewegte, fiel mir kaum auf, wie überdreht und sinnlos das Ganze war. Wie auch, wo ich doch stets nur damit beschäftigt war, den Überblick nicht vollends zu verlieren, die Dinge irgendwie doch noch auf die Reihe zu kriegen? Klar, ich war müde und abgekämpft, reizbar und ungeduldig, aber da dies zum Dauerzustand geworden war, machte ich mir schon längst keine Gedanken mehr darüber. 

Mein Leben ist auch heute noch nicht beschaulich, muss es auch nicht sein, denn dazu bin ich eindeutig noch zu jung. Aber es ist nicht mehr ganz so überladen, innehalten und nachdenken liegen wieder drin, manchmal sogar süsses Nichtstun. Tage wie heute sind inzwischen die grosse Ausnahme und wenn ich dann abends vollkommen ausgepumpt auf dem Sofa sitze, wird mir klar, dass ich so nie wieder will. Und Gott sei Dank auch gar nicht mehr kann, weil weder Seele noch Körper auf die Dauer mitspielen würden.

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