Herr H. und der Zucker

Herr H. leidet an Diabetes. Seit 20 Jahren schon, sagt er. Der Arzt habe es einfach erst jetzt herausgefunden. Doch man brauche sich nicht um ihn zu sorgen, die Krankheit sei kontrollierbar. Er hätte für seine Arbeit halt einfach zu oft zu- und wieder abnehmen müssen, das sei für seine Gesundheit wohl nicht gerade förderlich gewesen.

Überall können wir die Geschichte von Herrn H. in diesen Tagen lesen, mal in kürzerer, dann wieder in längerer Version. Mal hat Herr H. „gestanden“ an der Krankheit zu leiden, dann wieder hat er einfach „erzählt“, gerne garniert man das Ganze mit Ausrufezeichen, um der Sache einen dramatischen Touch zu verleihen. Damit wir nicht auf die Idee kommen, die Nachricht als banal abzutun, steht da manchmal noch die Warnung, unbehandelt könne Diabetes gravierende Folgen haben.

Himmel, was geht es uns denn an, dass Herr H. Diabetiker ist? Ich nehme nicht an, dass wir um seine medizinische Versorgung bangen müssten. Er wird ja wohl genug Geld angehäuft haben, um sich die besten Ärzte leisten zu können. Für Herrn H. wird es kein Problem sein, die beste Behandlung auf dem neuesten Stand der Forschung zu bekommen. Er wird mit seinem Leiden klarkommen, da mache ich mir keine Sorgen.

Mich beschäftigt eher die Frage, was mit den Menschen geschieht, die zwar das gleiche Leiden haben wie Herr H., nicht aber die gleiche medizinische Versorgung. Von diesen Menschen soll es weltweit immer mehr geben, aber die haben halt nie in einem Film mitgespielt und darum kümmert es uns auch einen Dreck, dass die Krankheit bei ihnen zu gravierenden Folgen führen wird, weil keiner da ist, der sie richtig behandelt.

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