Überzuckert

Fertig, Schluss, aus! Ich mache nicht mehr mit bei dem unsinnigen Wettlauf um den buntesten, zuckrigsten und perfektesten Geburtstagskuchen. Nicht dass ich je ernsthafte Chancen gehabt hätte, in diesem Bereich zu glänzen, dazu habe ich weder das nötige Geschick, noch die Ausbildung, noch den Küchenschrank voller angesagter, überteuerter Gadgets. Mitgemacht habe ich aber trotzdem irgendwie. Weil ich gerne backe. Weil meine Kinder schrecklich beeindruckt waren von den Eisenbahnen, Piratenköpfen und Beinahe-Hochzeitstorten, die sie bei ihren Freunden vorgesetzt bekommen. Und weil das Zeug, das meine talentierten Bekannten auf Facebook posten, halt schon beeindruckend aussieht.

Mein Zeug sieht nie so perfekt aus, egal, wie sehr ich mich ins Zeug lege dafür, was zu ziemlich viel Frust über misslungene Kreationen geführt hat. Aber der Grund, weshalb ich nicht mehr mitmache, ist ein anderer: Ich habe diese übertriebene Süsse satt. Mein Gaumen hat genug von diesen dicken, zuckrigen Fondant-Schichten, die all die feineren Aromen, die eine Torte in sich haben sollte, überdecken. Mein Magen rebelliert frühestens nach drei Bissen, weil er nicht verdauen mag, was da kunstvoll auf die Tortenplatte geschichtet steht. Mein Auge, das sonst kräftigen Farben ganz und gar nicht abgeneigt ist, mag den ganzen Kitsch nicht mehr sehen.

Immer öfter ertappe ich mich dabei, wie ich mir beim Herunterwürg…  – äääähm, ich meine natürlich beim Essen -eines solchen Kunstwerks wünschte, ich hätte ein Stück des simplen Gâteau Breton meiner Mutter auf dem Teller.  Der sah wahrlich nicht sonderlich beeindruckend aus in seiner Schlichtheit aus Butter, Zucker, Ei und Mehl. Er war flach, gelbbraun und einzig mit ein paar Gabelstrichen verziert, doch er hatte etwas, was den Fondant-Träumen ganz und gar abgeht, nämlich das volle Aroma natürlicher Zutaten. Und weil man weder beim Rezept noch beim Verzieren irgend etwas falsch machen konnte, sass ganz bestimmt keine übellaunige Mutter am Tisch, die sich darüber ärgerte, dass ihre Kreation nicht ganz genau so aussah, wie sie sich das vorgestellt hatte. Ausserdem hatte der Kuchen den Vorteil, dass man ihn auch wirklich essen wollte. Dieses klebrige Fondant-Zeug bleibt ja doch immer angebissen auf den Tellern liegen, weil es sogar für Kinder zu süss ist. 

Ich glaube, ich rufe einen neuen Trend ins Leben und serviere beim nächsten Kindergeburtstag Gâteau Breton. 

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4 Kommentare zu “Überzuckert

  1. Klingt eindeutig gemütlicher als das ganze übertriebene Zeugs. Obschon: Buttercreme mag ich. Wenn’s nicht zu viel ist.

  2. Auch hier kein Fondant. Ich mag auch keine Buttercreme auf Cupcakes….uärks….gruusig!
    Ich habe auch keine Zeit und Geduld wochenlang vorher einen Kindergeburtstag zu planen,und einen sweet Table herzurichten. Die Kinder dürfen sich zwei Sorten Kuchen wünschen, gefeiert wird im Wald mit Schlangenbrot, Würsten und Kuchen.
    lg Carmen

  3. Mach das! Ich mag dieses Fondant-Zeugs auch nicht. Obwohl ich mich sonst zu den *ziemlich Süssen* zähle. Aber wie Du schreibst: nach ein paar Bissen von diesem künstlich süssen Zeugs verweigert sich mein Körper, noch mehr davon aufzunehmen. Da kann es noch so toll aussehen. Für uns habe ich den Mittelweg gefunden: eine ganz normale Torte (Rüebli oder Schoggi) mit entsprechender Glasur. Und dann fertige ich aus Fondant ein paar Figürchen an (ich liebe modellieren) und stelle die darauf. So hat der Geburtstagskuchen ein individuelles Erscheinungsbild, aber man kann ihn trotzdem essen. Die Kinder nehmen meist einen Bissen von den Fondant-Figuren um danach zu befinden, dass das ja so gaaaar nicht fein sei. Und dann wandern die Figuren in den Kübel, wohingegen der Kuchen gerne noch bleiben darf ;-)…
    E‘ ganz e‘ gueti Wuche u e‘ liebe Gruess * Céline.

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