Stammkunden

Okay, jetzt haben wir endgültig den Stammgast-Status erreicht. „Waren Sie nicht auch schon hier?“ „Sie kommen mir so bekannt vor?“ „Ich glaube, Sie habe ich schon mal gesehen, aber war nicht ein anderes Kind dabei?“, fragen sie. Aber klar war letztes Mal ein anderes Kind dabei. Nur die Mutter, die stundenlang daneben sitzt, Sirupbecher reicht, Kissen aufschüttelt und auf die Klingel drückt, wenn die Schmerzen zunehmen, ist seit Jahren schon die gleiche. Wüsste ich im Voraus, wann es jeweils wieder soweit ist, könnte ich ja schon mal das Zimmer reservieren, aber eben, das mit der Planbarkeit müssen wir noch ein wenig üben. Bis jetzt kommen die Aufenthalte im Kinderspital immer genau dann, wenn wir sie am wenigsten brauchen können.

Diesmal ist Luise dran. Schuld ist eine Ampel, die zulässt, dass Autofahrer und Fussgänger gleichzeitig grün haben. Schlimm ist es Gott sei Dank nicht, nur eine Gehirnerschütterung und ein verstauchter Fuss, aber im Spital finden sie halt doch, Luise müsse noch ein wenig beobachtet werden. Seit gestern Abend beobachten sie also fleissig, Luises Schädel brummt weiter und ich vertrödle meine Zeit mit Kleinkram, der zu Hause immer liegen bleibt, weil sich die grossen, wichtigen Dinge stets vordrängen. Wie immer halt, wenn der medizinische Notfall meine Routine durcheinander bringt. So normal kommt mir das inzwischen alles vor, dass ich mich frage, wann die hier endlich ein Treuprogramm mit netten Prämien für Stammkunden wie uns einführen.

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6 Gedanken zu “Stammkunden

  1. Was für ein Schreck! Gute Besserung!
    (Doch doch, es gibt Abos…du bekommst so Marken und wenn das Büchlein voll ist, dann kommst du in den Lostopf. Wer dies gewinnt, der wird zur Mutter des Jahres gekürt und darf die Auszeichnung ( und natürlich Verantwortung, Pflichten etc) ganze 24 Std. pro Tag, 7 Tage die Woche und das alles 52 Wochen pro Jahr tragen. Best Price ever! Da Beste dran: es gibt keine Verlierer, alle bekommen denselben Preis! *lächel*
    Lg Carmen

  2. Ich frage mich immer nach dem Sinn. Wodurch trage ich dazu bei. Nicht Schuld oder sowas. Mein Autounfall hat mich aus einer erdrückenden Routine befreit. Jetzt, ein halbes Jahr danach, kann ich wieder mit Freude mobil sein und setze auch andere Schwerpunkte. Diese Zeit habe ich mir gegönnt. Für alle wurde so eine neue Blickrichtung möglich.

  3. Danke, allmählich geht es besser. Manchmal bin ich fast froh um solche „kleinen“ Unfälle, denn sie führen einem vor Augen, dass es viel schlimmer hätte kommen können.

  4. Gute Besserung! Auch für die Mama, die einen Schreck nach dem anderen zu verdauen bekommt! (Ich stelle mir die Planbarkeit von Unfällen vor. Wie gut, dass sie einen eher überraschen!)(Auch wenn sie im Nachhinein den einen oder anderen Sinn machen, von dem man meinen könnte, dass man das hätte kommen sehen können müssem.)

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