Die Sache mit der Geduld

Liebe Kinderlein, heute möchte ich euch etwas zum Thema Geduld weitergeben. Der Volksmund behauptet gerne, die Geduld einer Mutter kenne keine Grenzen und ein paar ganz irregeleitete Menschen haben sogar mir unterstellt, äusserst geduldig zu sein, aber leider muss ich euch mitteilen, dass mütterliche Geduld sehr wohl begrenzt ist, in meinem Fall sind die Grenzen sogar ziemlich eng gesteckt. Oft marschiert ihr trotz klarer Markierung frisch und fröhlich über diese Grenzen hinweg und wenn’s dann irgendwann zur grossen Explosion kommt, reibt ihr euch erstaunt die Augen und klagt lauthals über eure böse Mama. Wie, meine Ausführungen sind euch zu theoretisch? Dann schauen wir uns doch an einem taufrischen Praxisbeispiel an, wie man meinen Geduldsfaden so lange strapaziert, bis er schliesslich mit grossem Donnerwetter reisst. 

Meist fängt es abends gegen neun Uhr an, wenn sich mein Organismus allmählich auf Feierabend einstellt und ihr euch weiterhin standhaft weigert, dies zu respektieren. Ob ihr nun mit freudigen Nachrichten wie „Mama, ich hab in zwei Stunden ein ganzes Buch gelesen“, mit Schreckensnachrichten wie „Mist, morgen haben ich einen Test und noch überhaupt nichts geübt“ oder mit Nöten wie „Ich hab plötzlich so grossen Hunger, weil ich nichts essen mochte, als es Abendessen gab“ aus dem Bett geschlichen kommt, fällt nicht so sehr ins Gewicht. Ich bin dann einfach nicht mehr ganz fit und darum entsprechend kurz angebunden, wenn auch durchaus bereit, euch zu helfen, wenn es angebracht ist. 

Schwieriger wird es, wenn es um halb elf noch immer Streit zu schlichten, Monster zu verscheuchen und vermeintliche Schrammen zu verarzten gilt. Vielleicht merkt ihr, dass ich dann nicht mehr allzu nett bin, aber vermutlich schert ihr euch einen Dreck darum, denn ihr könnt einfach nicht verstehen, weshalb ich so altmodisch auf Nachtruhe bestehe. 

Natürlich stehe ich bereitwillig auf, wenn nachts um halb eins die Angst ins Kinderzimmer geschlichen kommt, auch wenn ich innerlich frustriert seufze. Wenn ich mir dann aber neunzig Minuten lang das Geheule anhören muss, die Wohnungstür stehe noch immer offen, obschon ich sie eigenhändig geschlossen habe, nachdem sich Kater Leone endlich zum Drinnenbleiben hat durchringen können, dann zerrt das ganz schön an meinen Nerven. Ja, ich weiss, die Angst ist eine nahezu unüberwindbare Macht, aber wenn ich sage, ich hätte die Tür geschlossen, dann könntet ihr mir das getrost glauben.

Brüllt einer von euch morgens um halb fünf seine Geschwister an, weil sie ihm den Platz im Bett streitig machen, versuche ich so gut als möglich, dies zu ignorieren. Was kann ich denn dafür, dass ihr darauf besteht, euch das Bett zu teilen, wo doch jeder sein eigenes hat? Meiner Nachtruhe und damit meiner Geduld kommt es natürlich trotzdem nicht zugute, wenn der Streit schon im Halbschlaf losgeht.

Ab sieben Uhr kommen dann unzählige Kleinigkeiten hinzu, die meinen Geduldsfaden weiter strapazieren: Einer will partout nicht wach werden, was auch kein Wunder ist, wo er doch abends dem Schlaf so lange widerstanden hat, eine behauptet, nichts anzuziehen zu haben, zwei streiten sich um eine Tasse Kakao, einer überhört meine hundertste Ermahnung, sich jetzt endlich anzuziehen, eine will eine Unterschrift, die sie schon vor drei Wochen hätte einholen müssen, vier ignorieren meine dringende Bitte, das Prinzchen nicht zu wecken, einer weigert sich, die Hose anzuziehen, die sauber gefaltet im Schrank lag und will stattdessen jene, die noch feucht am Wäscheständer hängt, einer wünscht ein Gebet gegen die Prüfungsangst, zwei wollen gleichzeitig haarklein ihre endlosen Träume erzählen, aber keiner will der Erste sein, der zuhören muss, einer kippt in der Eile die Milchschale der Katzen um und will es nicht gewesen sein…

Sechzig Minuten Hochbetrieb, die locker zu schaffen wären, hätte ich abends und nachts dienstfrei gehabt. Weil ich aber mal wieder ziemlich anspruchsvollen Bereitschaftsdienst  hatte, der nur in den wenigsten Fällen auch wirklich notwendig gewesen wäre, bin ich morgens nicht taufrisch, sondern bereits am Ende mit meiner Geduld. Irgendwann in diesen sechzig Minuten fällt der Tropfen, der das Fass zum Überlaufen bringt, ich werde laut, wütend, vielleicht auch ungerecht, weil sich das Gewitter über dem Falschen entlädt. Ich bin die böse, launische Mama und ihr seid die armen, hilflosen Kinder, die obendrein auch noch zur Schule gehen müssen und alles ist so furchtbar unfair. 

Seht ihr, Kinderlein, so kommt es, wenn ihr wieder und wieder an meinem Geduldsfaden zerrt und so sehr ich euch wünschte, ihr hättet eine endlos geduldige und gütige Mama aus dem Märchenbuch, ihr werdet dennoch dazu gezwungen sein, euch mit eurer äusserst ungeduldigen Mama, die obendrein auch noch hormonellen Schwankungen unterworfen ist, zu arrangieren. Glaubt mir, wenn ihr dieser Mama spätabends und nachts so viel Ruhe wie möglich gönnt und sie während dieser Zeit nur im Ernstfall beansprucht, reisst ihr Geduldsfaden deutlich später, als wenn ihr pausenlos an ihm herumzerrt. 

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Pfingstwochenende

Mit Luise neun neue Wachteln gekauft, eine alte Wachtel beerdigt.

Dreimal das Tomatenhaus aufgebaut und die Sache schliesslich aufgegeben, weil bei diesem Wind nichts stehen bleibt.

Einen neuen Nymphensittich gekauft, weil Boris sich auf und davon gemacht und die arme Doris damit in eine tiefe Depression gestürzt hat. Der Neue ist sehr hübsch, heisst Loris, Doris ist überglücklich und wir alle fragen uns, ob Karlsson dereinst bei der Namensgebung seiner Kinder ähnlich vorgehen wird.

Drei Stunden auf dem Fussballplatz totgeschlagen, weil Luise trotz mangelnder Begeisterung beim Fussballturnier mitmachen wollte. Dabei für drei Portionen Pommes Frites länger angestanden, als meiner Tochter beim Fussballspielen zugeschaut, weil sie kaum je zum Einsatz kam. Oder weil sie nicht zum Einsatz kommen wollte?

Zahlreiche Setzlinge in ein neues Zuhause vermittelt.

Mir darüber den Kopf zerbrochen, ob ich dem FeuerwehrRitterRömerPiraten den schon lange gehegten Wunsch nach einem Besuch der Zahnfee erfüllen soll, oder ob ich es bleiben lasse, weil die Sache sonst früher oder später ausufert. Was, wenn Karlsson und Luise für jeden ausgefallenen Zahn rückwirkend auf  Zahnfee-Besuche bestehen?

Eine Nacktschnecke auf der falschen Seite des Schneckenzauns erwischt und aus lauter Empörung Zetermordio geschrien.

Ein feierliches Wachtelbegräbnis mit anschliessendem Apéro besucht, das unsere Kinder organisiert haben.

Chauffiert, chauffiert, chauffiert, chauffiert…

Liebe Menschen getroffen.

„Meinem“ auf die Nerven gefallen und er mir. Aber ich bin trotzdem stolz auf ihn, weil er gerade ganz grossartige  Illustrationen zu meinen Texten macht. 

Nicht eine einzige Nacht durchgeschlafen, weil unsere Kinder noch immer nicht verstehen wollen, dass man nach dem dritten Geburtstag kein Recht mehr hat, den Eltern den Schlaf zu rauben. 

In Prinzchens Apotheke Medikamente für den von Ohrenschmerzen geplagten FeuerwehrRitterRömerPiraten gekauft. Beim zweiten Mal musste ich das Zeug klauen, weil das Prinzchen zu tief schlief, um mir etwas verkaufen zu können.

Ziemlich darunter gelitten, dass meine Schreiberei bei dem vollen Programm keinen Schritt weitergekommen ist, obschon die Zeit drängt. Gut, eigentlich ist alles geschrieben, aber ich sehe noch zu viele Mängel. 

Mehrmals den Entschluss gefasst, Waldmeister sammeln zu gehen und die Idee dann doch wieder verworfen Das Prinzchen ist ziemlich böse auf mich deswegen.

Fast geplatzt vor lauter Stolz, weil der Zoowärter sein erstes Buch gelesen hat.

Der Tatsache ins Gesicht gesehen, dass die Zeit der Schlaflieder wohl endgültig vorbei ist, weil Zoowärter und Prinzchen nur noch Geschichten hören wollen. 

Mit Karlsson nach der perfekten Sportart gesucht und noch keine gefunden. Gibt es sie überhaupt, die perfekte Sportart?

Alle paar Minuten das Programm geändert, obschon es eigentlich gar kein Programm gab.

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Monolog

„Mama, hast du gesehen, wie schrecklich die angezogen war? Diese scheussliche Hose und dazu die Tussi-Schuhe, einfach peinlich. Und die Katharina hat auch so schreckliche Schuhe, rosarot mit Glitzerherzchen und Sternen drauf. So etwas würde ich nie anziehen. Gestern in der Schule war Mario voll frech zu mir, er hat gesagt, ich könne nicht Fussball spielen, dabei kann er es nicht viel besser als ich. Und im Volleyball ist der voll schlecht. Sieh mal, Mama, die Braut dort. Hässlich, diese Frisur, nicht wahr? Also wenn ich mal heirate, will ich eine perfekte Frisur, nicht so ein Besen. Das Kleid ist zwar noch schön, aber diese Frisur… So ein doofer Hund, voll schlecht erzogen. Der Hund von Barbara übrigens auch, kläfft immer und springt an den Leuten hoch. Und stinken tut der… Der Roland sollte sich wirklich mehr waschen, hat sogar die Lehrerin gesagt, aber er tut es trotzdem nicht. Seine Mutter müsste ihm doch mal ein Deo kaufen. Iiiih, hast du diese Wurst gesehen? Schmeckt sicher scheusslich und die Leute dort vorne haben sie gerade in ihren Einkaufswagen gelegt. Bei denen möchte ich nie essen müssen. Mann, die Verkäuferin an der Kasse war voll unfreundlich. Hat nicht mal guten Tag gesagt. Du, Mama, das Mädchen dort drüben ist voll frech. Hat uns die längste Zeit angestarrt, mit dem Finger auf uns gezeigt und dann etwas zu ihrer Mama gesagt. Ich habe zwar nicht verstanden was, aber so etwas tut man doch nicht, gell Mama?“

Nein, so etwas täte man wirklich nicht, mein Kind, aber ich bin mir nicht sicher, ob du dieser Wahrheit auch wirklich ins Gesicht sehen magst.

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Hätten wir keinen Garten…

…dann hätte ich heute Morgen nach Frühstück, Zeitungslektüre und Prinzchengeplauder lustlos die Küche aufgeräumt, Wäsche gefaltet, ab und zu einen traurigen Blick auf das traurige Wetter geworfen, Mittagessen gekocht, die Kinder angemotzt, hinter ihnen hergewischt, vielleicht eine Tasse Kaffee getrunken und abends „Meinem“ die Ohren voll gejammert.

Weil wir aber einen Garten haben, trieb mich das Regenwetter nach draussen, denn hätte ich nicht ganz schnell eingegriffen, hätten die Schnecken meinen liebevoll gehätschelten Setzlingen einen frühen Tod bereitet. Mit Schere, Nematoden, Schneckenzaun und Bierfallen gingen das Prinzchen und ich auf Schneckenjagd, ich führte ihn ein in die Welt der biologischen Schädlingsbekämpfung, er spürte für mich noch die winzigste aller Schnecken auf. Anfangs jammerten wir noch über Regen und Kälte, doch irgendwann merkten wir wohl beide, dass schlechtes Wetter vom Fenster aus betrachtet trüber ist, als wenn man sich draussen bewegt, die Vögel zwitschern hört und den Flieder riecht. Wären wir drinnen geblieben, hätten wir wohl erst spät bemerkt, dass die Wolkendecke allmählich löcherig wurde, so aber waren wir mittendrin, als das Wetter sich allmählich besserte.

Hätten wir keinen Garten, dann wäre ich heute drinnen versauert, aber weil wir einen Garten haben, war der heutige Tag ganz nett. Ich glaube, das Prinzchen würde mir beipflichten, hätte er nicht vor lauter frischer Luft sehr früh sehr tief geschlafen.

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Nein, ich bin wirklich nicht Frau Hamchiti

Luise reicht mir das Telefon. „Irgendeine Frau“, sagt sie.

„Füglistaller, Buchhaltungsabteilung von Ackermann“, stellt sich die Frau vor und fährt dann gleich fort: „Sie sind im Rückstand mit Ihren Ratenzahlungen.“

„Ratenzahlungen?“, frage ich verdutzt, denn ich kann mich beim besten Willen nicht daran erinnern, irgendwo etwas auf Raten gekauft zu haben.

„Aber sicher doch“, sagt Frau Füglistaller bestimmt. „Sie haben einen offenen Betrag von Fr. 176, bezahlbar in Monatsraten von Fr. 21. Sie sind im Rückstand…“

„Moment“, unterbreche ich, als mir endlich dämmert, worum es gehen könnte. „Suchen Sie vielleicht Frau Hamchiti?“

„Ja, Frau Hamchiti, das sind Sie, nicht wahr?“

„Nein, die bin ich nicht. Familie Hamchiti hatte früher mal unsere Telefonnummer und seither…“

Frau Füglistaller glaubt mir offenbar nicht, denkt wohl, ich wollte mich herauswinden. „Aber sie wohnen doch an der Quartierstrasse 3?“

„Nein, wohne ich nicht.“

„Aber warum haben Sie denn diese Telefonnummer?“

Ich erzähle die gleiche Geschichte, die ich jedem erzähle, der mich für Frau Hamchiti hält und wissen will, wie ich zu der zweifelhaften Ehre gekommen bin, alle ihre unangenehmen Anrufe entgegenzunehmen. Gewöhnlich lachen die Leute dann, einige haben auch Mitleid und raten mir an, mal das Gespräch mit der Swisscom zu suchen, manchmal entschuldigen sie sich unterwürfig für die Störung, die doch gar nicht ihr Fehler ist. Frau Füglistaller lacht nicht, sie hat kein Mitleid und eine Entschuldigung gibt’s auch nicht. Sie ist Buchhalterin, will Geld und hat keine Lust, mit Mama Venditti über die absurde Situation zu quatschen. Anstatt Frau Hamchiti ins Gewissen zu reden, muss sie meine Personalien aufnehmen, damit beim nächsten Zahlungsrückstand nicht wieder bei uns das Telefon klingelt und das nervt sie so sehr, dass ich mich fast schuldig fühle, nicht die Gesuchte zu sein. 

Meine liebe Frau Hamchiti, wenn Sie schon nicht bereit sind, den Leuten Ihre aktuelle Telefonnummer bekannt zu geben, darf ich Sie dann zumindest bitten, Ihre Raten pünktlich zu bezahlen? Ich kann wirklich nicht auch noch Ihre offenen Rechnungen im Auge behalten.

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Mittwochsleere

Morgen ist Mittwoch und das überfordert mich diesmal schon fast ein wenig. Gewöhnlich bedeutet Mittwoch ein Termin nach dem anderen. Augentests, Musikproben, Arzttermine, Geburtstagsparties, Elterngespräche, Besuche bei Therapeuten, Schwedischkurs, alles muss am Mittwochnachmittag Platz finden, denn dann haben sowohl „Meiner“ als auch die Kinder schulfrei. Heute aber, beim Blick auf den Familienplaner musste ich feststellen, dass morgen gerade mal ein einziger Termin ansteht. 

Ja, ich weiss, ihr glaubt jetzt, ich würde mich über die ungewohnte Leere im Kalender freuen, aber in Wahrheit fürchte ich solche Leerstellen. Nein, nicht weil ich nichts mit meiner Zeit anzufangen wüsste, im Gegenteil, ich werde wieder zu viel darin unterbringen wollen: Tomatenhäuser aufstellen, Setzlinge pflanzen, den Wäscheberg abtragen, mittagsschlafen, Kaffee trinken, Wocheneinkauf, Korrekturarbeiten, Zeit finden für jedes Familienmitglied… Einfach alles, was ich am Mittwoch gerne täte, wären da nicht jede Woche die unzähligen Termine. Weil aber ein Mittwochnachmittag gerade mal fünf Stunden dauert und ich ja nicht alleine darüber bestimme, was während dieser fünf Stunden läuft, ist der Frust programmiert. 

Vielleicht sollte ich jetzt einfach beschliessen, morgen gar nichts zu tun, denn der Alltag wird ganz bestimmt einen Weg finden, die Leere im Kalender zu füllen.

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Zeitdiebe

„Ich bin von der Solothurnischen Informationszentrale und habe den Auftrag, die Krankenkassenverträge der Bevölkerung zu überprüfen“, sagte er. „Sie klingen so jung, sind Sie sicher, dass Sie fünf Kinder haben? Und Ihren Mann, haben Sie den in der Schule kennen gelernt? Schön, solche Leute trifft man selten heutzutage. Irgendwelche chronischen Krankheiten? Und wie hoch ist denn Ihre Prämie? Ach so, ganz akzeptabel für eine siebenköpfige Familie. Hätten Sie dennoch morgen oder übermorgen Zeit, damit wir Ihre Unterlagen einmal genauer studieren können? Ich bin mir sicher, dass es da noch Sparpotential gibt, Ihre Krankenkasse ist eine der Teuersten im Kanton. Wie, Sie haben keine Zeit? Aber Sie wollen doch bestimmt Geld sparen. Wer möchte das denn nicht?“

„Hören Sie mal“, unterbrach ich den Redeschwall, „ich weiss sehr wohl, dass Krankenkassen keine Telefonwerbung mehr machen dürfen, wenn bei der Nummer ein Stern steht, also versuchen Sie eben, mit einer ‚unabhängigen Beratung‘ das Gesetz zu umgehen. Aber für solche Spässe habe ich keine Zeit.“

„Wollen Sie wirklich kein Geld sparen?“

„Nein, in diesem Fall will ich das nicht. In diesem Fall spare ich mir lieber die Zeit, die bedeutet mir mehr.“

Jetzt, wo mein Umfeld endlich begriffen hat, dass mein Montag ganz dem Schreiben gehört, haben die Krankenkassen einen Weg gefunden, mir meine kostbare Zeit zu stehlen.

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Wollt ihr mich nun feiern oder nicht?

Wohlverstanden, ihr müsst nicht, ihr könnt ruhig sagen: „Wir pfeifen auf das ganze Muttertagstheater und tun so, als wäre es ein Sonntag wie jeder andere.“ Ich könnte damit leben, ehrlich, ich zweifle nicht an euerer Liebe zu mir. Von mir aus können wir die Sache also bleiben lassen. Aber das wollt ihr ja nicht, ihr besteht darauf, mich am Muttertag zu feiern und das ist auch okay für mich, ich sage ganz bestimmt nicht nein dazu, wenn ihr mich unbedingt verwöhnen wollt.

Genau hier aber ist der Haken: Am frühen Morgen mit liebevoll gestalteten Geschenken und Frühstück im Bett anfangen und dann wie jeden Tag mit „Mama, wo ist schon wieder….?“, „Ich will aber nicht den Tisch decken. Wir sind doch nicht deine Sklaven!“ und „Mama, sie hat schon wieder…“ weiterfahren, das geht nicht. Entweder, wir feiern Muttertag und ich habe den ganzen Tag nichts zu tun mit Spülbürste, schmutzigen Hintern und Hausaufgaben, die am Sonntagabend noch kurz erledigt werden müssen, oder aber wir lassen die Sache bleiben und ich tue weiterhin das, was ihr meist zu Recht und manchmal zu Unrecht von mir erwartet. Mit diesem Zwischending von ein bisschen Muttertag und ein bisschen Alltag treibt ihr mich auf die Palme.

Ihr habt jetzt genau ein Jahr Zeit, um euch zu überlegen, ob ihr mich am Muttertag feiern wollt oder nicht. Die Entscheidung liegt bei euch, ich mache keinen Druck. Ihr müsst euch einfach im Klaren sein, dass ich beim nächsten Mal das volle Programm erwarte, solltet ihr euch dazu entscheiden, die Tradition beizubehalten. 

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Schlaf Töchterlein, schlaf!

Sie war schon als Kleinkind besonders gut darin, sich die Nächte um die Ohren zu schlagen. Meist schlief sie abends um sechs innert Minuten ein, erwachte dann so gegen Mitternacht und setzte die Küche unter Wasser, schlafwandelte zur Grossmama ins Parterre oder fütterte ihre Brüder mit Schokolade bis sie morgens gegen sechs Uhr erschöpft einschlief. Um zehn oder elf erwachte sie wieder, war für den Rest des Tages quengelig und ungeduldig und schlief schliesslich meist vor dem Abendessen wieder tief und fest. So ging das zwei Jahre lang, irgendwann sass ich heulend im Sprechzimmer der Kinderärztin, aber auch sie konnte mir nicht weiterhelfen. Dann kam der Zoowärter zur Welt und seit jenem Tag schläft Luise mit wenigen Ausnahmen wie ein Murmeltier.

Na ja, bis vor Kurzem schlief sie, seit einiger Zeit macht sie wieder immer öfter die Nacht zum Tag. Meist fängt es damit an, dass ihr abends irgend eine schlimme Sache in den Sinn kommt, die ihr den Schlaf raubt, irgendwann lässt sie sich dann aber doch ins Land der Träume entführen. Dort findet sie aber offenbar keine Ruhe und deshalb findet sie meist mitten in der Nacht den Weg ins Elternschlafzimmer oder zu einem ihrer Brüder. Ob sie dabei auch wirklich wach ist, oder ob sie erst erwacht, wenn wir aus dem Tiefschlaf hochschrecken und fragen, was denn los sei, ist weder ihr noch uns ganz klar. Auf alle Fälle kommt irgendwann der Moment, wo sie wieder hellwach ist, wenn eigentlich Schlafenszeit wäre. Wie früher eben, ausser dass sie heute keine Überschwemmungen mehr veranstaltet. Manchmal findet sie den Schlaf nicht mehr, dann steht sie frühmorgens in unserem Zimmer und schimpft, wir würden alle immer schlafen, das sei so langweilig. Manchmal schläft sie im Morgengrauen wieder ein und will dann verständlicherweise nicht aus dem Bett kommen, wenn es Zeit wäre. Manchmal wird sie erst am späten Nachmittag vom Schlaf übermannt, was dann natürlich wieder das Einschlafen am Abend erschwert. Mit guter Laune ist da verständlicherweise nicht mehr zu rechnen.

Wir sind derzeit ziemlich ratlos, wie wir die Sache diesmal in den Griff bekommen können, denn die Methode von früher lässt sich heute nicht mehr anwenden. Eines aber weiss ich: Den Gedanken, mit grösseren Kindern würden die Nächte wieder ruhiger, können wir uns allmählich abschminken, denn ist Luises Schlafproblem erst mal gelöst, werden wir schon bald aufbleiben müssen, bis Karlsson nach Hause kommt.

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„Meiner“

Ich glaube, ich muss da mal etwas klarstellen: Wenn ich öfters mal über „Meinen“ und seine ziemlich schrägen Einfälle berichte, ist dies nicht als Gejammer über meinen Mann, der sich einfach nicht in mein Schema pressen lässt, zu verstehen. Er ist weder mein sechstes Kind, noch mein soziales Projekt und schon gar nicht mein Gegner, ich habe nicht das Gefühl, ihn erziehen oder gar domestizieren zu müssen. 

Ja, er geht die Dinge anders an als ich und manchmal fällt er mir damit ziemlich auf die Nerven, aber ich sehe keinen Grund, ihm beibringen zu müssen, wie man „es richtig macht“. Ich bin doch nicht seine Chefin und bloss weil ich mehr zu Hause bin, heisst das noch lange nicht, dass ich ihm über die Schultern schauen und ihn korrigieren müsste. Ich sehe es übrigens auch nicht als besonders erwähnenswert an, dass er ganz selbstverständlich zu Lappen, Besen und Kochlöffel greift. Ich weiss, es gibt noch immer Frauen, die dies als äusserst bewundernswert und heldenhaft ansehen, aber er ist ja nicht bloss zu Gast hier, meine Kinder sind auch seine Kinder, meine Unordnung ist auch die Seine. Es käme keinem Menschen in den Sinn, zu mir zu sagen: „Wahnsinn, du verdienst tatsächlich Geld, damit ‚Deiner‘ nicht alleine die Familie ernähren muss. Hut ab!“ Dafür aber sagt man öfters: „Wahnsinn, ‚Deiner‘ kocht tatsächlich Abendessen. Das ist aber auch keine Selbstverständlichkeit.“

„Meiner“ und ich sind gemeinsam unterwegs, wir tragen beide unseren Teil dazu bei, den Karren zu ziehen und auch wenn wir uns nicht immer einig sind, so verspüre ich doch nicht das geringste Bedürfnis, in Frauenrunden – und im Blog –  über ihn herzuziehen, denn wenn mir etwas an ihm nicht passt, dann sage ich ihm das direkt. Ach ja, und „Meiner“ nenne ich ihn hier nicht, weil er mein Besitz wäre, sondern weil er und ich es absolut lächerlich finden, wenn Frauen ihren Partner als „Ihren“ bezeichnen. 

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