Soweit reicht mein Glaube nicht

Es gibt viele Dinge in diesem Leben, die mich aggressiv werden lassen – die Plakatkampagnen der SVP, zum Beispiel, oder Gesprächsfetzen, wie ich sie neulich gehört habe: „Der Chinese, der hält seinen Yuan ja künstlich billig, der Spanier ist zu faul zum Arbeiten, der Schweizer muss jetzt wegen dem starken Franken seine Firmen schliessen und der fleissige Deutsche ist mal wieder der Dumme.“ Auch wenn mir jemand klagt, er sei nun schon seit drei Jahren auf Stellensuche, habe aber nie eine Chance gekriegt „aber ich sehe nicht ein, wozu ich diese Weiterbildung hätte machen sollen, ich bin doch jetzt auch schon sechsundzwanzig“ kann ich mich nur mit grosser Mühe zurückhalten. Und wenn man erst zu klagen anfängt, der Atomausstieg würde unseren hohen Lebensstandard gefährden…

Ja, das alles kann mein Blut ganz schön in Wallung bringen, nichts, aber auch wirklich gar nichts treibt mich jedoch derart in Rage, wie ein Wohnungsputz. Ich kann mir noch so sehr einreden, das alles sei gar nicht so schlimm und in wenigen Stunden erledigt, ich kann mir noch so viele Strategien ausdenken, wie ich diesmal die grosse Wut umgehen kann, kaum halte ich Putzlappen und Feger in der Hand, kocht in mir dieser unbändige Zorn hoch, der sich gegen alles richtet, das mir in die Quere kommt, sei es nun eine harmlose Stubenfliege oder ein noch harmloserer „Meiner“, der wissen will, ob er mal ganz schnell den Staubsauger haben kann, damit wir schneller fertig werden mit dieser elenden Putzerei. Mit sowas muss man mir in dem Moment nicht kommen, so berechtigt das auch Anliegen sein mag, denn mit Putzlappen in der Hand werde ich zur Furie, die sich selber nicht mehr ausstehen kann.

Da helfen weder die Klassische, noch die Anbetungsmusik, die ich zu meiner Besänftigung jeweils laufen lasse. Im Gegenteil, das macht alles nur noch schlimmer, vor allem die Anbetungsmusik, denn das passt ja mal wieder wunderbar zusammen: Giftige Bemerkungen auf der Zunge, ein hasserfüllter Blick auf den elenden Dreck und dazu fromme Musik. Ich kann mir jetzt schon lebhaft vorstellen, wie unsere Kinder dereinst stöhnen werden, wenn sie erwachsen sind. „Putztage waren einfach schrecklich. Die Mama fegte wie ein wild gewordener Bulle durch die Wohnung, motzte jeden an, der ihr in die Nähe kam und dazu hörte sie diese fromme Musik, die wie die Faust aufs Auge passte…“

Das Schlimmste an der Sache ist, dass ich nicht an eine Besserung glaube. Mein Glaube reicht weit – ich habe zum Beispiel die Hoffnung noch nicht aufgegeben, dass die gesamte Christenheit dereinst erkennen wird, dass (Fremden)Hass und Gewalt im Namen Gottes nicht passen zu „liebe deinen Nächsten“ und erst recht nicht zu „liebet eure Feinde und tut Gutes, denen die euch hassen.“ Dass ich aber eines Tages vor dem Putzeimer stehen und zu mir sagen werde „Ist doch alles halb so schlimm, bringen wir’s doch einfach hinter uns“, daran glaube ich immer weniger. Und so kommt es, dass ich mir während der Putzerei all diese Gedanken zur mangelnden Nächstenliebe auf dieser Welt mache und gleichzeitig mache ich meinen allerliebsten Nächsten das Leben schwer, bloss weil ich mich noch immer nicht damit abfinden kann, dass der Dreck weg muss.

Zurück an den Herd, aber schnell

Wildschweingulasch, Gâteau du Vully, Gelée aus den Scheinquitten, die so lange unbemerkt in unserem Garten wuchsen – sie hat mich wieder, die Kochleidenschaft. Es müssen nicht mal Dinge sein, die ich selber essen will, Hauptsache ich darf in den Töpfen rühren. Dass ich sie jemals verlieren könnte, diese Leidenschaft, das hätte ich nie erwartet. Natürlich, man hatte mich gewarnt, wie man mich vor so vielem warnte, als wir eine Familie gründeten. „Du wirst sehen, wenn die Kinder erst mal grösser sind, dann wird dir das Kochen um Hals raushängen. Immer nur noch Spaghetti, Milchreis und Fischstäbchen. Glaub mir, ich weiss, wovon ich rede.“

Und so kam es dann auch, irgendwie. Obschon die Kinder keine Schuld trifft an der vorübergehenden Misere. Die geben sich nämlich keineswegs zufrieden mit Spaghetti, Milchreis und Fischstäbchen. Oh ja, sie haben auch ihre Momente, in denen sie nicht wollen, was ich serviere, aber grundsätzlich sind sie Neuem gegenüber sehr aufgeschlossen und weder Exotischem noch Scharfem abgeneigt. Nein, das Problem lag bei mir. Mehr und mehr wurde mir die Kocherei zur lästigen Pflicht, die man eben auch noch irgendwann zwischen aufräumen, einkaufen, Kinder abholen, Büroarbeit und Windeln wechseln erledigen muss. Noch schlimmer war es mit dem Essen. Anstatt zu geniessen war da nur noch der Kampf, auch noch  etwas zwischen die Zähne zu bekommen, irgendwann zwischen dem Aufwischen des verschütteten Apfelsafts und dem Trennen der Streithähne, die mit den Gabeln aufeinander losgingen. Na ja, vielleicht lag’s eben doch auch ein wenig an den Kindern…

Jetzt aber ist die alte Leidenschaft wieder da, auch wenn es bei uns am Tisch noch längst nicht so gesittet zugeht, wie man sich dies als wahrer Geniesser wünschen mag. Ein paar Monate, während denen vorwiegend ein Au Pair am Herd stand, Tage, an denen „Meiner“ das Kochen übernimmt und dies so wunderbar, dass mir nur das Geniessen, nicht aber die Arbeit bleibt, einige Stresstage, an denen mehr als Brot, Käse und Obst nicht drinliegt und schon ist da wieder Raum für neue Ideen und für alte Rezepte, die schon so lange darauf warten, ausprobiert zu werden. Und dann ist da noch dieses Kochbuch, das ich zum Geburtstag bekommen habe mit all diesen köstlichen Herbstrezepten…

Ich will zurück an den Herd und zwar schnell! Aber nur an den Herd, der Rest des Haushalts kann mir weiterhin gestohlen bleiben.

Hassliebe

„Meiner“ hat mir ja schon lange in den Ohren gelegen, dass er wiedermal nach Italien reisen wolle. Italien, das Land, aus dem seine Eltern ausgewandert sind, das Land, in dem er jeden Sommer vier endlose, langweilige Wochen verbringen musste, weil seine Eltern dort ein Haus bauten, das Land, von dem er sich als Zwanzigjähriger wünschte, es möge im Meer versinken, weil er es so satt hatte. Heute ist er etwas milder geworden in seinem Urteil, wohl weil er schon sehr lange nicht mehr dort war. Und das liegt vor allem an mir.

Eigentlich müsste ich das Land ja lieben, bietet es doch alles, was mir gefällt: Küche, Landschaft, historische Stätten, Sprache, alles einfach perfekt. Und doch sind da zuerst die schlechten Erinnerungen, wenn ich an meine bisherigen Besuche in Italien denke. Die Hühnerhälse, die man mir bei einem Verwandtenbesuch vorgesetzt hat. Der epochale Krach, den „Meiner“ und ich uns einmal in irgend einem Kaff fernab von jeder Tankstelle wegen eines leeren Benzintanks lieferten. Die Details sind mir entfallen, ich weiss nur noch, dass das Ganze mit einem Wutanfall meinerseits und einer zersprungenen Windschutzscheibe geendet hat. Da waren die zerstochenen Pneus in Lucca, als „Meiner“ und ich mal mit Freunden durch die Toscana reisten. Es war das Auto meiner Mutter und keiner von uns vieren verdiente eigenes Geld. Keine Ahnung mehr, wie wir damals die neuen Reifen bezahlt haben. Da waren die zwei Wochen in Sardinien, die doch eigentlich ein Traum hätten werden sollen und dann sassen „Meiner“ und ich am dritten Tag frustriert am Strand und wussten nicht, was wir hier noch anfangen sollten, weil wir uns so schrecklich langweilten. Wir entschieden uns, zu bleiben und sämtliche Museen der Insel abzuklappern, was eine sehr schlechte Idee war, denn die meisten Museen waren entweder geschlossen oder zwar offen, aber nur teilweise, weil der Rest gerade renoviert wurde. Da war später eine der ersten Ferienreise mit Karlsson. Sie führte ins Piemont. Wir hatten ein Studio gemietet und erst bei der Ankunft kam uns in den Sinn, dass wir ganz vergessen hatten, dass es in einem Studio mit Kind etwas eng werden könnte. Karlsson  schlief dann im Badezimmer, wo es ausserordentlich feucht war. Hätte er länger dort geschlafen, er wäre wohl schimmlig geworden, der arme Kleine. Aber auch ich war arm dran, denn ich war gerade mit Luise schwanger und da war mir rund um die Uhr so speiübel, dass ich kaum ein Glas Wasser runterbrachte, geschweige denn all das köstliche Essen. Noch heute dreht sich mein Magen um, wenn ich an jenes Trüffelrisotto denke. Ach ja, und da war da noch die Geschichte mit der Notbremse, als ich mal fürchtete, „Meiner“ stehe noch auf dem Perron, als der Zug den Bahnhof von Pescara verliess. Aber davon wollen wir jetzt nicht reden.

Bei all diesen Erinnerungen ist es mir wohl kaum zu verargen, dass ich jahrelang nichts mehr von Italien wissen wollte. Ob es diesmal anders sein wird? Ich weiss es noch nicht, aber ich hoffe es doch sehr. Denn eigentlich würde das Land ja wirklich alles bieten, was mir gefallen würde. Nun ja, die Politik und einen gewissen äusserst peinlichen Ministerpräsidenten blenden wir hier mal aus…

Konservenbloggen

Hier sitzen wir also, irgendwo, weitab von allem, was uns gewöhnlich umgibt, weitab von Arbeit, Wohnung aufräumen, Stundenplänen, Mailbox checken und Internetverbindung. Und dennoch erscheint hier ein neuer Text. Warum bloss? Bin ich jetzt schon so übergeschnappt, dass ich glaube, die Welt könne nicht mehr ohne meinen Senf, den ich dazu gebe? Oh nein, ganz so schlimm steht es noch nicht mit mir. Oder vielleicht doch. Klar, ich weiss, die Welt kann ohne mein Geblogge, aber kann ich  noch ohne? Ich fürchte nicht. Da mag ich mir noch so sehr vornehmen, mal eine Woche aufs Schreiben zu verzichten, aber so, wie ich mich kenne, werde ich spätestens nach vierundzwanzig Stunden nervös und nach achtundvierzig mache ich mich auf, mitten im Nirgendwo einen Wireless-Hotspot ausfindig zu machen. Damit dies nicht geschieht, habe ich mal wieder vorgebloggt. Um meinen eigenen Schreibzwang zu überlisten. „Du hast ja heute bereits gebloggt“, werde ich zu mir sagen können, wenn die Finger zittrig werden und der Kopf anfängt, Sätze zu bauen. Und dann werde ich mich genüsslich zurücklehnen, das Buch, das ich zu Ende lesen möchte, zur Hand nehmen und das süsse Nichtstun geniessen. 

Nun ja, so ganz traue ich mir dennoch nicht. Das iPad kommt mit. Für den Fall, dass es doch nicht ohne schreiben geht. Und für den Fall, dass ich doch irgendwo per Zufall auf einen Hotspot treffe. Wobei ich mir da in Italien nicht allzu grosse Hoffnungen mache…

Tapetenwechsel

Ganz ehrlich, wir hatten nicht vor, in diesem Jahr noch einmal zu verreisen. Okay, zwei oder dreimal haben wir schon gen Himmel geseufzt, dass wir schon wieder reif sind für eine Verschnaufpause. „Wir würden ja nur zu gerne, wenn bloss dieses Konto sich nicht so standhaft querstellen würde…Italien wäre doch ganz hübsch, aber eben, leider ganz und gar unmöglich…“ Und dann, zwei oder drei Tage später diese Einladung: Eine Woche Piemont, die ganze Horde, einfach so geschenkt. Fast wie im Märchen, bloss real.

Nun sind wir also unterwegs, fest entschlossen, diese überraschende Verschnaufpause irgendwo zwischen Alba und Nirgendwo in vollen Zügen auszukosten. Habe ich eben „geniessen“ gesagt? Nun ja, bis jetzt war’s eher ein Gehetze, aber das ist ja auch nicht anders zu erwarten, wenn man morgens um sechs mit fünf Kindern und sieben Koffern durch die Dunkelheit hetzt. Aber wir haben es geschafft, der Zug nach Mailand rollt, wir alle sitzen drin und so langsam kommt diese unbändige Freude auf, dass wir so ganz unerwartet zu einem Tapetenwechsel kommen.

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Grässlich, diese Erwachsenen

Allmählich komme ich in ein Alter, in dem es immer weniger Spass macht, den eigenen Geburtstag zu feiern. Nun gut, ich bin ja noch nicht alt, aber so langsam steigt das Bewusstsein, dass man sich schneller auf die Lebensmitte zubewegt, als einem lieb sein kann. Folglich fällt es mir immer schwerer, meinen Kindern eine befriedigende Antwort zu liefern, wenn sie wissen wollen, ob ich mich auf meinen Geburtstag freue. Kinder, das weiss ich noch aus der eigenen Erinnerung, können es nicht verstehen, wenn Erwachsene seufzen: „Schon wieder Geburtstag? So ein Mist, ich wünschte, ich könnte das Rad der Zeit zurückdrehen. Oder zumindest alles ein wenig verlangsamen.“ Wie kann man bloss so doof und abgelöscht sein, sich nicht über den eigenen Geburtstag – das Highlight des Jahres – zu freuen wie ein kleines Kind? Und dann erst dieses „Ach weisst du, mein Kind, ich wünsche mir gar nichts zum Geburtstag. Ich hab‘ doch schon alles…“ Haben die denn gar keine Träume mehr, diese Erwachsenen? Grässlich, nicht wahr? Zumindest in den Augen eines Kindes.

Und sie haben mal wieder Recht, die kleinen Menschen. Was ist denn schon schlimm dabei, ein Jahr älter zu werden? Ist doch eigentlich ein Geschenk, dass man überhaupt da sein darf, nun ja, zumindest, wenn man es schafft, den ganzen Irrsinn auf diesem Planeten auszublenden. Ist doch wunderbar, von Menschen umgeben zu sein, die einen feiern wollen. Und auch wenn man tatsächlich nichts braucht, schön ist es doch trotzdem, dass es Menschen gibt, die einem etwas schenken, nicht, weil sie müssen, sondern weil sie wollen. Ja, sie haben Recht, die Kinder, wenn sie fordern: „Dein Geburtstag wird ebenso gefeiert wie der unsere. Es muss Kuchen geben und Geschenke und gutes Essen, sonst wird das nichts.“ 

Und weil ich von meinen Kindern lernen will, habe ich heute, an dem Tag, an dem ich 37 Jahre alt geworden bin, beschlossen, dass ich in Zukunft nicht mehr über Geburtstage jammern werde. Ich will sie feiern, sie geniessen und dankbar sein, dass ich leben darf. 

Ich hoffe bloss, dass ich meinen Entschluss nächstes Jahr nicht bereits wieder vergessen habe. In meinem Alter kann man sich da nicht mehr so sicher sein.

Alte böse Hexe?

Ein beliebtes Sujet aus dem Märchenbuch: Die alte, bucklige Hexe mit der krummen Nase, die ihre Katze auf dem Buckel spazieren führt. Alles Märchenkram, dachte ich früher jeweils, doch seitdem Kater Leone bei uns eingezogen ist, habe ich erkennen müssen, dass selbst in diesem Bild ein Körnchen Wahrheit steckt. Leone hat mich nämlich so sehr in sein Katerherz geschlossen, dass er am liebsten ganz nah bei mir ist. Nachts schläft er auf meinem Rücken, wenn ich schreibe, sitzt er auf dem Drucker, um jede meiner Bewegungen zu beobachten und wenn ich aus irgend einem Grund weder liegen noch sitzen kann, dann ergreift er die erstbeste Gelegenheit, um es sich auf meiner Schulter bequem zu machen. Da sitzt er dann schnurrend und schaut mir gebannt dabei zu, wie ich in den Kochtöpfen rühre.

Natürlich fühle ich mich geschmeichelt, bin ich doch die Einzige in der Familie, bei der er dies tut. Und doch stellt sich mir die bange Frage, ob ich inzwischen schon so alt und bärbeissig geworden bin, dass ich in den Augen eines kleinen, naiven Katers als böse Hexe durchgehe.

Ich mach‘ da nicht mit!

Da klagt Mama seit dem ersten Tag des neuen Schuljahres darüber, wie streng doch die Schule geworden sei und was tun die Kinder an ihrem ersten Herbstferientag? Richten sich im Garten ein Schulhaus ein, küren den Strengsten unter ihnen zum Lehrer – wo es in der richtigen Schule für zehn bis fünfzehn Regelverstösse eine Zeugniseintrag gibt, gilt es hier schon nach fünfen ernst – und schreiben freiwillig Tests, die „Meiner“ und ich dann auch noch unterschreiben sollten. Wir haben die Kinder spielen lassen, aber die Unterschrift habe ich verweigert. Wenn sie unbedingt auch in den Ferien Schulstress haben wollen, dann sollen sie von mir aus. Ich hingegen gönne mir ganz ohne schlechtes Gewissen eine Pause von all dem Druck, der mir offenbar mehr zusetzt als ihnen. 

Ach ja, und neuerdings gilt auch noch die Regelung, dass jeder, der drucken oder kopieren will, 5 Rappen pro Ausdruck zahlen muss. So langsam werden sie mir unheimlich, meine Kinder.

Gleiche Geschenke für alle

Endlich haben wir sie erreicht, die Gleichberechtigung. Da stöbere ich heute Nachmittag nach einem ergänzenden Geburtstagsgeschenk für „Meinen“, entdecke, dass einer dieser Öko-Anbieter jetzt auch einen Katalog speziell für Männer hat und denke, dass ich dort vielleicht fündig werden könnte. Und siehe da, man findet alles, was der moderne Mann sich zum Geburtstag wünschen könnte: Saftpressen, Handmixer, Kaffeekocher und Römertöpfe. Endlich können wir uns rächen für all die Jahre, in denen uns die Männer mit praktischen Geschenken für den Haushalt beglückt haben. Wenn der erstaunte Gatte wissen möchte, wie wir auf die Idee gekommen sind, ihm ausgerechnet einen Handmixer zu schenken, dann können wir voller Stolz antworten: „Das habe ich aus einem Katalog, den sie eigens für Männer zusammengestellt haben. Sag‘ Schatz, freust du dich denn nicht? Schau doch mal wie praktisch. Damit wir dir jedes Soufflée gelingen…“

Nun, ich habe dann doch darauf verzichtet, „Meinem“ etwas aus diesem Katalog zu bestellen. Ausser diesem einen Ausrutscher mit dem Brotbackautomaten hat er mich nie mit praktischen Geschenken genervt und deshalb sehe ich keinen Grund, weshalb ich mich mit einem Handmixer oder einer Saftpresse rächen sollte. Wobei, vielleicht sieht er Haushaltgeräte gar nicht als Strafe an. Wenn ich mich recht erinnere, hat er sich vor drei Jahren riesig über die Nähmaschine gefreut.

Ob ich vielleicht doch…

Nicht mehr ganz jung

Heute im Park. Eine junge Mutter, das Baby an der Brust, daneben der kleine grosse Bruder, der das Baby gerne mal halten möchte, der grosse grosse Bruder, der lieber schon weitergehen möchte, die grosse Schwester, die sich an die Mama schmiegt. „Wie schafft die Frau das bloss?“, fragt „Meiner“. Na wie wohl? So ähnlich wie wir noch vor ein paar Jahren, nur mit einem Kind weniger. 

Heute am MAG – einer Mischung aus Herbstmarkt und Messe. Wir zum ersten Mal mit allen fünf Kindern, ohne Kinderwagen, die grossen Kinder mit eigenem Taschengeld ausgerüstet, so dass sie uns nicht mehr fragen müssen, ob sie kaufen dürfen, sondern nur noch, ob sie sich das Ding der Träume auch leisten können. Kaum zu glauben, dass wir inzwischen schon soweit sind. „Meiner“ geniesst die neue alte Freiheit. Ich auch und schaue doch voller Wehmut in jeden Kinderwagen, in dem ein Neugeborenes friedlich schlummert. Obschon ich mit den armen Eltern, die den Wagen durch das Gedränge schieben müssen, nicht tauschen möchte. Ich persönlich würde in einem solchen Fall ja zum Tragtuch greifen…

Heute Abend ein Abstecher in verschiedenste Online-Schuhläden. Ich komme jetzt in das Alter, in dem Schuhe nicht nur schön, sondern auch bequem sein müssen. „Meiner“ blickt mir über die Schultern, kommentiert, was ihm gefällt und was nicht: „Nein, die kannst du nicht nehmen. Die sind für Vierzigjährige.“ Sein Standardspruch, wenn er etwas ganz schrecklich altmodisch findet. Nun, mein lieber Mann, du musst dir wohl allmählich einen neuen einfallen lassen. Ein paar Jahre noch und dann sind wir auch soweit…