Träume ich?

Nach Jahren der Stagnation, nach unzähligen Misserfolgen, nach der beinahe-Resignation unternimmst du einen verzweifelten Versuch, dir einen Tritt in den Hintern zu geben. Und plötzlich stehst du vor einer offenen Tür. Ohne dass du zuerst zehnmal laut hast dagegen poltern müssen. Ohne dass du jemandem den Schlüssel hast entwinden müssen. Ohne, dass dir Obelix zu Hilfe gekommen wäre und sie für dich eingeschlagen hätte. Einfach so.

Kann das wirklich sein? Oder schnappt die Türe im letzten Moment wieder zu und klemmt dir die Finger ein? Hast du es noch nicht vollständig verlernt,  an das Gute im Leben zu glauben und nicht nur an das Frustrierende? Glaubst du noch daran, dass man manchmal im Leben auch etwas geschenkt bekommt, ohne dafür kämpfen zu müssen? Wagst du es, dem ungewohnten Terrain unter deinen Füssen zu trauen und mutige Schritte zu tun? Wenn du es herausfinden willst, wird dir nichts anderes übrig bleiben, als vorwärts zu gehen.

Und wenn ihr wissen wollt, worum es geht, dann müsst ihr euch noch ein kleines bisschen länger gedulden. Zumindest so lange, bis die Tinte auf dem Vertrag trocken ist. Erst dann wage ich es wirklich zu glauben, dass ich keinen Schritt ins Leere getan habe.

Auf zur zweiten Runde!

Noro ist zurück. Oder war er etwa noch gar nicht weg? Auch egal. Nicht egal ist aber, dass der Zoowärter sein Abendessen wieder von sich gegeben hat, obschon er Erbrechen doch „schteigruusig“ findet. Aber mich geht das ja eigentlich wenig an. Seitdem sich „Meiner“ damit brüstet, die einzig wahre Technik zum Aufwischen von Erbrochenem entwickelt zu haben, kümmere ich mich nur noch ums Trösten der Kinder. Und nein, ihr könnt „Meinen“ nicht ausleihen, damit er das Erbrochene eurer Kinder auch beseitigt. Bei uns zu Hause gibt’s genug aufzuwischen.

Führungsschwach

Wenn Mama Venditti eine junge Frau im Hause hat, die ihr dabei hilft, das Chaos zu beseitigen, dann schämt sie sich fürchterlich dafür, dass ihre Kinder nicht so brav sind wie im Erziehungsratgeber, dass man der Wohnung ansieht, dass übers Wochenende alle krank waren, dass die Wäscheberge herumliegen. Mama Venditti entschuldigt sich dafür, dass nicht alles perfekt ist, und vergisst dabei a) dass sie ja Hilfe geholt hat, weil sie die Berge beseitigen will, b) dass es der jungen Frau wohl ziemlich egal ist, wie es bei Vendittis aussieht, weil sie ja zum Arbeiten gekommen ist und nicht weil es so schön ist hier, und c) dass die junge Frau irgendwann vielleicht froh sein wird, sich daran erinnern zu können, dass bei Vendittis auch nicht alles perfekt war, als die Kinder klein waren.


Wenn Mama Venditti eine junge Frau im Hause hat, die ihr dabei hilft, das Chaos zu beseitigen, dann erteilt sie die Anweisungen so:

„Hättest du vielleicht schnell Zeit, auf das Prinzchen aufzupassen? Ich muss schnell in den Keller gehen.“

Oder so: „Würde es dir etwas ausmachen, mit den Kindern ein Spiel zu spielen? Du kannst aber auch diesen Schrank hier aufräumen, wenn du lieber möchtest.“

Oder so: „Stört es dich, wenn ich das hier schnell erledige, währenddem du mit Karlsson das Zimmer aufräumst?“


Wenn Mama Venditti eine junge Frau im Hause hat, die ihr dabei hilft, das Chaos zu beseitigen, dann delegiert sie nichts, aber auch gar nichts. Warum nicht? Weil sie alles selber machen will, damit es perfekt ist? Nein, weil sie dabei immer wieder denkt: „So eine elende Drecksarbeit kannst du niemandem zumuten. Das musst du selber machen. Die junge Frau ist ja nicht dein Sklave, der jeden Mist für dich erledigen muss.“

Noch irgendwelche Fragen, weshalb es Mama Venditti beruflich auf keinen grünen Zweig gebracht hat?

Ist das die Lösung?

Da wagte das „Migros-Magazin“ vergangene Woche eine Familie zu portraitieren, die mit acht Kindern glücklich lebt. Ja, die Eltern tönten gar an, dass sie nicht abgeneigt wären, ein neuntes Kind zu haben, würden die Platzverhältnisse im Haus stimmen. Und was liest man diese Woche in den Leserbriefspalten?  Sätze wie diesen: „… ist es sinnvoll, hunderte von Jahren Umweltbelastung auf hohem Niveau in unsere sterbende Umwelt zu bringen?“ Oder wie diesen: „Man stelle sich vor, jedes fruchtbare Paar würde so viele Kinder zeugen wie die Schlattingers. Allein diese Vorstellung genügt, um die Antwort darauf zu geben, warum dieses Beispiel nicht unbedingt Schule machen sollte.“ Grund für diese Aussage auch hier die belastete Umwelt und die Überbevölkerung.

Solche Sätze lassen mich erschaudern. Was stimmt nicht mehr mit der Menschheit, dass man ein Kind mit den Worten „hunderte von Jahren Umweltbelastung“ umschreibt? Klar, auch ich weiss, dass die Welt ein paar Probleme hat, die dringend zu lösen sind. Aber muss man denn gleich mit der Problemlösung beginnen, indem man das Natürlichste der Welt in Frage stellt? Wäre es nicht sinnvoller, erst mal Absurditäten wie die unbegrenzte Mobilität, den übermässigen Fleischkonsum, die ungerechte Verteilung der Nahrungsmittel, die Energieverschwendung, ja, den modernen Lebensstil als Ganzes, zu hinterfragen? Denn die Umweltbelastung ist ja eigentlich nicht der Mensch, sondern all der Mist, der inzwischen völlig selbstverständlich zum Menschsein dazugehört: „Kinder“-Überraschungseier, Wegwerf-Handys, überfüllte Kleiderschränke, immer verfügbare Autos und dergleichen. Sollte man nicht eher darauf verzichten, als auf das Schönste, was das Leben zu bieten hat? Dazu müsste man allerdings ein paar Bequemlichkeiten opfern. Doch wer will das schon? Da schaffen wir doch lieber die Grossfamilie ab. Wo doch Kinder ohnehin nur quengeln, nerven und Dreck machen.

Jetzt mal ganz ehrlich 

Findet ihr mich humorlos? So langsam weiss ich nämlich nicht mehr, was ich von mir selber denken soll. Immer, wenn ein Buch oder ein Film als besonders witzig gerühmt wird, freue ich mich wie ein Kind darauf und dann, wenn ich das Buch lese oder mir den Film anschaue – etwa zehn Jahre, nachdem er im Kino zu sehen war -, warte ich verzweifelt auf die erste Gelegenheit zum Lachen. Und sie kommt nicht. Nehmen wir zum Beispiel den Film „Little Miss Sunshine“. Jeder hat mir vorgeschwärmt, wie lustig der Film sei, wie charmant, wie leichtfüssig und wie all die doofen Beschreibungen sonst so lauten. Und dann sass ich da und fand den Film zum Heulen.

Das Gleiche ist mir jetzt wieder passiert bei dem Buch „A Short History of Tractors in Ukrainian“ von Marina Lewycka. Das Buch hat mir „Meiner“ zu Weihnachten geschenkt und ich habe die Noro-bedingte Pause damit verbracht, es zu lesen. Man verstehe mich nicht falsch: Das Buch hat mir gefallen. Sehr sogar. Ich habe es geradezu verschlungen. Aber was, bitte sehr, ist „uproariously funny“ an der Geschichte eines beinahe senilen Immigranten, der von einer geldgierigen jungen Frau ausgenommen und misshandelt wird? Was ist „hilarious“ daran, wenn man dazwischen die tragischen Erlebnisse der ukrainischen Bevölkerung in der Folge der Russischen Revolution erzählt bekommt? Mir fallen einige Adjektive ein, mit welchen ich das Buch rühmen könnte, doch „uproariously funny“ und „hilarious“ gehören nicht gerade dazu. Auch wenn die eine oder andere Szene durchaus tragisch-komisch ist. Aber mit tragisch-komisch bringt man mich einfach nicht zum Lachen.

Bin ich denn der einzige Mensch auf Erden, der hin und wieder mal unbeschwert lachen möchte und zwar nicht über Schenkelklopfer-Witze und alberne Szenen? Muss Humor entweder seicht oder tragisch-komisch sein? Ich will Humor, der mir vor lauter Lachen die Tränen in die Augen treibt und nicht vor lauter Weinen. Ich will Satire, die ins Schwarze trifft und nicht dieses plumpe Zeugs, das mir bei „Giacobbo / Müller“ unter dem Namen Satire angedreht  wird. Sind meine Vorstellungen von Humor und Satire altmodisch? Oder ist das, was gemeinhin unter diesem Label verkauft wird, blosser Etikettenschwindel?

Oder bin ich tatsächlich ein humorloser Mensch?

Liebe

Gestern war ich ja ziemlich benebelt beim Schreiben über die Nacht mit dem Norovirus. Heute bin ich zwar noch immer benebelt, aber nicht mehr ganz so schlimm wie gestern. Und darum muss ich da noch etwas klarstellen, bevor ich unter den Familien-Bloggerinnen als diejenige gelte, die wegen einer kleinen Magen-Darm-Seuche Zweifel bekommt, ob der Entscheid, eine Familie zu gründen, wohl richtig gewesen sei. Wenn ich meine noch kinderlosen Leser davor gewarnt habe, weiterzulesen, dann deshalb, weil mir auch schon Leute gesagt haben, sie hätten Zweifel bekommen, ob sie denn tatsächlich Kinder haben möchten, nachdem sie bei mir gelesen hätten, wie das Familienleben auch sein kann. Und andere davon abhalten, eine Familie zu gründen, ist nun wirklich nicht meine Absicht. Deshalb verkünde ich hier einmal mehr laut und deutlich: Ich vergöttere meine Familie. Ich möchte auf keinen Tag mit meiner Bande verzichten, auch wenn mein Leben bestimmt beschaulicher, planbarer und ordentlicher wäre. Aber wer will den schon ein beschauliches, planbares und ordentliches Leben? Ich nicht. Zumindest nicht vor der Pensionierung.

Das alles ist mir gestern mal wieder so deutlich bewusst worden, als ich mitten im Chaos völlig belämmert auf dem Sofa lag, umschwirrt von meinen Kindern. Mal kam Luise, um mich zu streicheln, mir Tee zu bringen und den lieben Gott zu bitten, dass er doch bitte die Mama ganz schnell wieder gesund machen würde. Dann wieder kam Karlsson, um mir zu sagen, dass ich die liebste Mama der Welt sei und dass er immer wisse, dass ich ihn liebe, auch wenn ich manchmal streng sei mit ihm. Zwischendurch legte das Prinzchen sein Köpfchen an meine Brust und rief liebevoll „Maaamma!“, der FeuerwehrRitterRömerPirat kam, um Händchen zu halten und der Zoowärter suchte mich immer wieder, um sicher zu sein, dass ich noch da war. Dann wieder wischte ich mit revoltierendem Magen das Erbrochene der Kinder auf und dachte bei mir, dass ich dazu nie fähig wäre, wenn ich die fünf nicht so unendlich lieben würde. Denn wenn es darum geht, Erbrochenes aufzuwischen, bin ich eine absolute Memme.

Ja, ich vergöttere die Bande, auch wenn sie mir mal wieder den Noro ins Haus geschleppt haben. Auch wenn ich ohne sie wohl nicht einmal wüsste, wer Noro überhaupt ist, weil ich von ihm verschont geblieben wäre, bis ich ins Altersheim eingeliefert worden wäre. Doch was würde ich im Altersheim bloss anfangen ohne all die Erinnerungen an die Turbulenzen mit meinen Knöpfen?

Eines muss ich aber trotz allem festhalten: So wie mir diese Seuche vor Augen geführt hat, wie sehr ich meine Bande liebe, so deutlich wurde mir auch bewusst, wie Recht doch der Zoowärter hatte, als er vor zwei Tagen mit in die Luft gereckter Faust und wildem Gesichtsausdruck die folgende Erkenntnis in die Welt hinaus schrie: „Chörble isch so schteigruusig!“, was zu gut Deutsch etwa so viel bedeuten soll wie „Sich erbrechen ist so furchtbar und abscheulich.“ Wo er Recht hat, hat er Recht…

Die Nacht der Nächte

Wer sich mit dem Gedanken trägt, sich demnächst fortzupflanzen, soll jetzt bitte nicht weiterlesen. Es wird nicht mein romantischster Blogeintrag. Andererseits kann es ja nichts schaden, mit offenen Augen an das Abenteuer Kinder heranzugehen. Also, ihr noch-Kinderlosen: Entscheidet selbst, ob ihr euch diesen Post über die schlimmste Nacht meines Lebens antun wollt. Aber gebt danach nicht mir die Schuld, wenn ihr euch gegen Kinder entscheidet. Ihr habt euch selber fürs Lesen entschieden.

Nachdem wir gestern völlig unerwartet vom Norovirus heimgesucht wurden, hing schon bald auch ich über der Kloschüssel. Unwesentlich später war auch „Meiner“ dran, und dazwischen immer mal wieder Luise. War das ein Gedränge! Ich entschied mich, auf dem Sofa zu nächtigen, um einen Vorsprung aufs WC zu haben. Was dazu führte, dass ich zur ersten Anlaufstelle wurde für alle, die etwas loswerden wollten. Um ein Uhr nachts stand Luise da, kreideweiss und völlig elend. Ich schickte sie zu Papa ins Bett, weil ihr Bett…., nun ja, nennen wir es leicht schmutzig, war. Vierzig Minuten später war der FeuerwehrRitterRömerPirat da, von oben bis unten vollgekotzt. Irgendwie schaffte ich es, mich vom Sofa aufzurappeln, sein Bett sauber zu machen und ihm ein neues Pyjama zu bringen. Wiederum zwanzig Minuten später stand der Zoowärter heulend auf der Matte und verlangte, eine CD hören zu dürfen. Durfte er aber nicht. Nachts um halb drei machen wir das gewöhnlich nicht. Dafür aber durfte der Zoowärter sich vollkommen entkleiden und eine Dusche nehmen, weil seine Windel…. Nun ja, sie war mehr als voll, wenn ihr wisst, was ich meine. Während ich den Zoowärter reinigte, hing „Meiner“ mal wieder über der Kloschüssel.

Danach herrschte Ruhe. Bis gegen sechs Uhr früh Karlsson erschien. Er, der seit langer Zeit nichts mehr dergleichen tut, hatte sein Bett nass gemacht. Ab in die Badewanne mit dem Jungen und weiter dösen. Bis ein leichenblasser FeuerwehrRitterRömerPirat wünschte, neben Mama weiterzuschlafen. Etwas später dann ein Prinzchen mit ebenfalls viel zu voller Windel, dann wieder ein Zoowärter, ebenfalls nicht im saubersten Zustand. Dazu eine jammernde Luise und ein ziemlich lädierter „Meiner“, der es aber immerhin schaffte auf die Füsse zu kommen, was mir wegen der elenden Gliederschmerzen nicht mehr gelingen wollte. Na ja, irgendwie hatte ich mir das Wochenende etwas anders vorgestellt. Zumindest hat uns „Meiner“ inzwischen mit Cola und Zwieback eindecken können.

Wundert sich noch jemand, dass ich jeglicher Art von Fäkal-„Kunst“ nichts abgewinnen kann? Die „Künstler“, die meinen, sie müssten mit dem Verschmieren von Körpersäften und Fäkalien provozieren sollen sich bitte ein paar Kinder anschaffen. Dann werden sie bald erkennen, dass man damit niemanden provoziert. Zumindest nicht so provoziert, wie sie zu provozieren meinen.

Ach und übrigens: Herzlichen Dank für alle guten Wünsche. Im Moment sind wir noch nicht auf dem Damm, aber wir arbeiten dran…

Protokoll

7:00 Uhr: zum ersten Mal des Zoowärters Gekotztes aufgeputzt und nebenbei den anderen das Frühstück serviert

8:15 Uhr: Krach mit dem FeuerwehrRitterRömerPiraten, der sich, anstatt in den Kindergarten zu gehen, hinter dem Kleiderständer versteckt hat

8:30 Uhr: Zoowärter in seine neue Winnie the Pooh-Latzhose gesteckt. Zoowärter sieht zum Anbeissen aus!

8:45 Uhr: Zoowärter wegen akuten Durchfalls wieder aus der Latzhose geschält. Zoowärter sieht jetzt nicht mehr zum Anbeissen aus.

8:50 Uhr: Zoowärter und Prinzchen nehmen ein „Dreckspatz-Bad“ mit Rose und Vanille. Hach, wie die zwei duften!

9:10 Uhr: Zoowärter kotzt. Duftet nicht mehr.

9:15 Uhr: Lese folgendes Zitat auf der Frontseite der Tageszeitung: „Unsere geschätzten Patientenzahlen waren zwar zu hoch, aber nicht völlig daneben.“ Patrick Mathys, Bundesamt für Gesundheit, über die eigenen Voraussagen zur Schweinegrippe vom vergangenen Sommer

9:20 Uhr: Während ich das frisch gebadete Prinzchen aus seiner eben noch sauberen Kleidung schäle und ihn danach dusche, um die Spuren seines akuten Durchfalls zu beseitigen, zerbreche ich mir den Kopf darüber, warum man ein solches Geschrei gemacht hat um H1N1, wo doch Noro viel mühsamer ist.

10:00 Uhr: Prinzchen schläft, Zoowäter schläft fast, ich lese  im „Beobachter“ folgende Sätze zum Thema Managerlöhne: „Genauso lehnt Hostettler fixe Obergrenzen ab. ‚Sie hinterlassen ein dumpfes Gefühl der Eingeschränktheit und durchbrechen das positive Prinzip des Mehrs.‘ Mehr zu wollen und sich nicht mit dem Status quo zufriedenzugeben sei schliesslich das Erfolgsmodell, auf dem unserer Wirtschaftsordnung fusse. Dieses Prinzip dürfe wergen der jüngsten Lohnexzesse nicht leichtfertig geopfert werden.“ Ich verdrücke ein paar Tränchen für die armen Manager, die darum fürchten müssen, an einem „dumpfen Gefühl der Eingeschränktheit“ leiden zu müssen.

11:00 Uhr: Der Zoowärter ist wieder fit und will singen. Das heisst, der Zoowärter wählt das Bild aus und ich singe dazu. 10 mal „Backe backe Kuchen“, fünf Mal „Heut‘ ist ein Fest bei den Fröschen am See“, drei Mal „Auf unsrer Wiese gehet was“, ein halbes Mal „Lobe den Herren“, acht Mal „Chämifäger schwarze Maa“ und dazwischen wird gekocht, aufgeräumt und gewickelt. Der Zoowärter ist traurig, dass der Winnie the Pooh auf der Windel nichts mehr sieht, wenn er in der Hose eingesperrt wird.

12:00 Uhr: Das Essen steht auf dem Tisch, Karlsson, Luise, das Prinzchen, der Zoowärter und ich starren hungrig auf die Schüsseln, doch der FeuerwehrRitterRömerPirat ist nicht da.

12:15 Uhr: Noch immer keine Spur von FeuerwehrRitterRömerPiraten. Karlsson und Luise gehen ihn suchen.

12:20 Uhr: Draussen heult der FeuerwehrRitterRömerPirat, weil Luise ihm eine übergebraten hat, weil er sich mit seinem Freund eine Schneeballschlacht geliefert hat, anstatt nach Hause zu kommen.

13:10 Uhr: Luise muss jetzt augenblicklich ein Tütü haben. Weil das alte tatsächlich zu klein ist, bestelle ich ihr jetzt augenblicklich eines und bezahle am Ende mehr fürs Porto als fürs Tütü

14:30 Uhr: Der FeuerwehrRitterRömerPirat landet für längere Zeit mit einem Buch auf dem Sofa, wo er bleiben muss, bis er sich beruhigt hat. Was er getan hat? Nun, die Reihenfolge weiss ich nicht mehr, ich weiss nur noch, dass das Prinzchen, Luise, Luises Freundin und der Zoowärter wegen ihm geheult haben. Und dann hat er noch eine Bastelarbeit von Luise zerstört und die Salontische umgechmissen. Das reicht.

16:00 Uhr: Karlsson will mit „Google Earth“ auf Reisen gehen. Ich bin „die beste Mama der Welt“, weil ich mitmache und mit ihm die Freiheitsstatue und Ayers Rock ansehe.

16:50 Uhr: Luise kotzt zum ersten Mal.

17:10 Uhr: „Meiner“ kommt nach Hause und überrascht mich mit einem Gutschein zum Kaffeetrinken. Damit ich morgen mal ausspannen kann.

18:00 Uhr: Abendessen. Luise will unbedingt Broccoli essen. Wir sagen ihr, sie solle es für einmal besser bleiben lassen.

18:05 Uhr: Wir haben kein Pepsi mehr und die Magen-Darm-Seuche ist gerade erst ausgebrochen

18:15 Uhr: Luise kotzt.

18:30 Uhr: Luise kotzt noch einmal.

18:45 Uhr: Luise kotzt noch einmal.

19:00 Uhr: Drei Kapitel „Kinder aus Bullerbü“. Der Zoowärter ist schon auf dem Sofa eingeschlafen.

19:30 Uhr: Ich erwache völlig benebelt auf dem Sofa. Wo sind all die Kinder? Und warum hat „Meiner“ die Küche ohne mich aufgeräumt? Und was für ein Tag ist heute überhaupt?

20:00 Uhr: Luise kotzt wieder.

20:10 Uhr: Der FeuerwehrRitterRömerPirat klagt über Bauchschmerzen.

20:15 Uhr: „Komm lieber Mai und mache“ für Karlsson, „Schlaf mein Kind, ich wieg‘ dich leise“ für den FeuerwehrRitterRömerPiraten

20:35 Uhr: Luise kotzt wieder.

20:55 Uhr: Mir ist kalt. Und übel. Und ich habe Bauchschmerzen. Was das wohl sein könnte?

Begegnung

Neulich hatte ich nichts mehr anzuziehen. Und zwar nicht so, dass ich vor dem vollen Schrank stand und mit nichts zufrieden war, sondern so, dass alles entweder zu eng, zu weit, zu lang, zu kurz, zu löchrig oder zu abgetragen war. In der Verzweiflung griff ich zu den einzigen Kleidern, die irgendwie noch passten: Ein magentafarbener Rock mit orangefarbenem Abschluss, dazu eine knallbunt gemusterte Bluse, hauptsächlich in Violett und Orange gehalten und eine pinkfarbene Strumpfhose. Ich schlüpfte in die Kleider und plötzlich sah ich im Spiegel nicht mehr mich, sondern mich.

Zuerst war ich ein wenig baff ob meines Anblicks, doch als ich die Fassung wieder erlangt hatte, fragte ich mich mit leisem Vorwurf in der Stimme: „Wo hast du all die Jahre bloss gesteckt? Ich habe dich bestimmt seit sechzehn Jahren nicht mehr gesehen.“ „Und das verwundert dich?“, fragte ich ziemlich eingeschnappt zurück und fuhr dann, ohne eine Antwort von mir zu erwarten, fort: „Das war ja nicht mehr auszuhalten mit dir. Du hast das Versprechen gebrochen. Du bist nicht die, die ich sein wollte.“ „Versprechen? Welche Versprechen denn?“, wollte ich wissen. „Erinnerst du dich vielleicht noch an die Zeit, als es mein ganz grosser Stolz war, dass in meinem Schrank kein einziges schwarzes Kleidungsstück hing? Und an das Versprechen, dass es auch so bleiben würde. Auch dann, wenn ich Hausfrau und Mutter sein würde? Und was ist daraus geworden? Hä? Dein Schrank quillt über vor braunen Pullovern, schwarzen Hosen und dunkelblauen T-Shirts. Ja, du hast sogar einen schwarzen Mantel.“Der ist grau“, warf ich zu meiner Verteidigung ein. „Grau? Noch schlimmer! Du weisst genau, was ich von Grau halte“, entrüstete ich michIch errötete. Ja, ich hatte Recht, es war anders gewesen, damals, als ich noch jung und idealistisch war. Doch auch wenn ich die Wahrheit sagte, es war dennoch nicht fair von mir, dass ich mir solche Vorwürfe machte und deshalb verteidigte ich mich mit ziemlich weinerlicher Stimme: „Du weisst ja gar nicht, was ich durchgemacht habe in den letzten Jahren. Endloser Stress, keine Zeit für mich, finanzielle Engpässe, Depression, Hausfrauenfrust,Glaubenskrisen …“

„Halt!“, schrie ich und stopfte mir die Finger in die Ohren. „Ich mag dein Gejammer nicht mehr hören. Natürlich hattest du es nicht immer leicht in den vergangenen Jahren. Aber musst du dich denn deswegen gleich derartig gehen lassen, dass man dir die frustrierte Hausfrau schon aus zehn Kilometern Distanz ansieht? Und das, was man von aussen sieht, spiegelt nur das wider, was in dir steckt: Eine Frau, die sich selber verloren hat.“ Das sass. „Mag ja sein, dass du Recht hast“, gab ich etwas kleinlaut zu. „Aber es war wirklich nicht immer einfach, ich zu sein, während so Vieles anders lief, als ich es mir vorgestellt hatte. Und ich habe mir in den vergangenen Monaten wirklich Mühe gegeben, wieder mehr ich zu werden.“ „Darum bin ich ja zurückgekommen“, sagte ich. „Komm, wir gehen Shoppen!“. Ich zog mich zum Computer, loggte uns bei La Redoute ein und bestellte grüne Strumpfhosen, einen knallroten Mantel, violette Hosen, und orangefarbene Unterwäsche.

„So gefällst du mir schon besser“, sagte ich zu mir, als heute Morgen die Kleider geliefert wurden. „Wenn du es jetzt auch noch schaffst, das Innere mit den Äusseren abzustimmen, dann passen ich und du wieder zusammen. Dann bist du wieder ich und ich erkenne mich in dir wieder.“

Das Ganze war ein wenig verwirrend, aber ich glaube, die Begegnung mit mir hat mir gut getan.

Eigentlich…

… handelt dieser Beitrag davon, was für ein wunderbares Kind das Prinzchen doch ist. Ein Kind, das zwar schreit, wenn es nicht das Stofftier vom grossen Bruder ungehindert an sich reissen darf, das sich heftig dagegen wehrt, wenn es ausnahmsweise mal nicht auf dem Tisch sitzen darf, das losbrüllt wenn es die Zähne geputzt bekommen sollte, das aber keinen Pieps von sich gibt, wenn es sich die besagten Zähne wachsen lässt. Am Abend legst du ein Kind mit acht Schneidezähnen ins Bett und am Morgen holst du es mit zwei nagelneuen Backenzähnen, die sich heimlich, still und leise zu den andern Zähnen gesellt haben, wieder aus dem Bett. Kein Gesabber, kein Gebrüll, kein wunder Po und die Zähne sind trotzdem da. Endlich ein Kind, das weiss, wie man richtig zahnt! Habe ich ihn nicht gut hingekriegt, meinen Prinzen?

Habe ich nicht, zumindest nicht, was das Zahnen betrifft. Und für den äusserst gut gelungenen Rest kann ich mir wohl auch keine Lorbeeren holen. Ich habe das grossartige Menschlein ja bloss ausgebrütet, mehr nicht. Aber beim Zahnen, da habe ich nun ganz eindeutig keinem Wunderkind das Leben geschenkt: Das Kind brüllt nämlich nicht dann die halbe Nacht, wenn der Zahn am Durchbrechen ist, nein, es brüllt in der Nacht danach. Und dann auch noch in der Nacht nach der Nacht danach. Und in der Nacht nach der Nacht nach der Nacht danach.

Oder ist das vielleicht schon der nächste Zahn, der durchdrückt? Ich weiss es nicht so recht. Ich habe ja auch fast gar keine Erfahrung mit dem Thema….