Wehrt euch, Papas!

Da wage ich zu erwähnen, dass Papas sogleich Hilfe angeboten bekommen, kaum zeichnet sich ab, dass Mama mal ein paar Stunden ausser Hause ist. Und was bekomme ich zu hören von allen Frauen im Umkreis von 1000 Kilometern? Zig Geschichten von Schwägerinnen, Tanten, ledigen Arbeitskolleginnen und dergleichen, die über Jahre hinweg ungerührt dabei zugesehen haben, wie Mama am Anschlag läuft und die dann, wenn Papa den Laden mal alleine schmeissen sollte, jede erdenkliche Hilfe anbieten: Zoobesuche, Essen vorkochen, Kinder zum Übernachten einladen und  dergleichen. Ja, man munkelt gar von (Schwieger)müttern, die ihrem (Schwieger)sohn sofort zu Hilfe eilen,  damit er nicht alleine Windeln wechseln, Mittagessen kochen, Böden fegen und – Gott bewahre! – Erborchenes aufputzen muss, während sie bei der (Schwieger)tochter das alles ganz normal fanden und ihr höchstens ein paar doofe Ratschläge um die Ohren hauten, wenn sie mal wieder erin wenig jammern wollte. Sonderbarerweise habe ich noch nie von einem Mann gehört, der es für nötig gehalten hätte, einem vorübergehenden Single-Papa unter die Arme zu greifen…

Wäre ich ein Papa, ich wäre zutiefst beleidigt, dass man mich für unfähig hält, mein  eigenes Fleisch und Blut liebevoll zu umsorgen. Deshalb würde ich mutig hinstehen und sämtliche Hilfsangebote ablehnen, um zu beweisen, dass ich sehr wohl im Stande bin, den Job ebenso gut zu machen wie Mama. Und natürlich würde ich den Helferinnen sagen, sie seien herzlich willkommen, mitzuhelfen. Später dann. Wenn Mama wieder zurück ist…

Liebe Schulleitung

Bitte nehmen Sie es mir nicht übel, dass ich Ihnen diesen Brief schreibe. Ich tue dies nämlich nicht aus freien Stücken.Im Gegenteil: Ich werde geradezu gezwungen dazu. Jeden Morgen um sieben Uhr und zwar von meiner fast siebenjährigen Tochter Luise: „Diese blöde Schulleitung! Schreib denen einen Brief und sag ihnen, dass ich nicht so früh aufstehen will.“ Und so schreibe ich Ihnen eben diesen Brief, mit der Bitte, die Kritik meiner Tochter zur Kenntnis zu nehmen. Aber zur Kenntnis nehmen reicht, machen Sie bitte nicht mehr daraus.

Leiten Sie diesen Brief zum Beispiel auf keinen Fall an die SVP weiter. Die würden ihn bloss als eine Aufforderung ansehen, dafür zu kämpfen, dass die Schule wieder wird wie Anno dazumal. Sie würden sich sofort dafür stark machen, dass die Mütter wieder schön brav zu Hause bleiben müssen, damit sie den einen Sprössling um sieben, den nächsten um acht, die anderen um neun in die Schule schicken können; damit sie den ersten Sprössling um zehn wieder in Empfang nehmen können, den Zweiten um halb elf und die anderen beiden um Viertel vor zwölf. Die SVP würde ein Bild von unserer morgenmuffeligen Tochter schiessen und es an alle Plakatwände pappen mit dem Spruch: „Ich will nicht so früh aufstehen! Nieder mit den Blockzeiten“. Oder so ähnlich.

Aber genau hier liegt der Haken: Luises Meinung ist nicht repräsentativ, nicht einmal in unserer Familie. Das Kind machte schon als Zweijährige die Nacht zum Tag und verpennte danach den ganzen Morgen. Wenn sie dies aus irgend einem Grund nicht tun konnte, dann war sie morgenmuffelig. Und so ist sie geblieben und deshalb hegt sie einen Groll gegen Sie, liebe Schulleitung. Die Sache ist also vollkommen subjektiv. Alle anderen Kinder in unserer Familie sind sehr zufrieden mit den fixen Schulzeiten von acht bis zwölf, insbesondere das Prinzchen und der Zoowärter, die froh sind, wenigstens am Morgen Ruhe vor den grossen Geschwistern zu haben. Also, liebe Schulleitung, nehmen Sie sich Luises Kritik bitte nicht  allzu sehr zu Herzen.

Und noch eine Bitte, und zwar eine flehentliche: Kommen Sie ja nicht auf die Idee, die Blockzeiten je wieder abzuschaffen, bloss, weil Luise nicht glücklich ist damit. Nicht nur, solange ich noch Schulkinder habe, sondern überhaupt gar nie mehr. Auch die Eltern kommender Generationen werden Ihnen unendlich dankbar sein dafür. Ja, ich wage zu behaupten, dass sogar Luise  dereinst einmal froh sein wird, wenn sie nicht die Sklavin des Stundenplans ihrer Kinder sein wird. Falls sie es bis dahin morgens aus den Federn schafft und die Frühschicht nicht dem Papa ihrer Kinder überlässt. Auch wenn sie das heute noch nicht begreifen will und mich jeden Morgen bedrängt, Ihnen endlich diesen Brief zu schreiben.

Was ich somit erledigt hätte.

Die Putzfrau und ich

Ja, ich weiss, man nennt das heutzutage nicht mehr Putzfrau. Aber Hausfrauen nennt man heute auch nicht mehr Hausfrauen und dennoch werden wir noch immer nicht für voll genommen, genauso wenig wie die Putzfrauen. Also können wir die alten Begriffe getrost weiter verwenden, solange man mit Euphemismen die Geringschätzung zu kaschieren sucht. Merkt ihr’s? Ich habe mal wieder einen akuten Anfall von Hausfrauenfrust. Dabei hatte ich fest damit gerechnet, dass heute Vieles besser sein würde. Nein, natürlich nicht vollkommen besser. Ich bin doch kein Phantast, der glaubt, mit dem neuen Jahr werde alles besser. An meinem Vollpensum als Hausfrau hat sich ja nichts geändert. Aber zumindest hatte ich damit gerechnet, dass meine Putzfrau heute wieder aus den Ferien zurück ist.

Ist sie aber nicht. Und deshalb hätte ich heute selber putzen müssen. Was aber nicht möglich war. Weil das Prinzchen immer dann auf den Arm genommen werden wollte, wenn ich gerade den Besen zur Hand nehmen wollte. Weil der Zoowärter heute hundertmal die Geschichte von Felix hören wollte. Weil ich eine volle Stunde mit einem Kerl von Sunrise am Draht hing, weil er versuchte, unsere Internet-Verbindungsprobleme zu lösen und irgendwann entnervt aufgeben musste, weil er sich „mit Mac leider nicht so gut“ auskennt. Hätte mich ja gleich am Anfang fragen können, ob ich einen PC oder einen Mac habe. Ja, und dann gab es noch tausend andere Hindernisse, die sich in den Weg stellten, so dass unsere Wohnung mal wieder einem Rattenloch gleicht.

Und so wird mir einmal mehr bewusst, dass ich ohne Putzfrau nicht mehr leben könnte. Klar, ich breche nicht mehr in Tränen aus, wenn sie mal nicht kommt. Das ist mir vor einem Jahr, als ich kräftemässig am Tiefpunkt war, durchaus mal passiert. Aber auch wenn ich heute nicht mehr heule vor lauter Sehnsucht  nach ihr, so weiss ich doch sehr zu schätzen, dass es da einen Menschen gibt, der bereitwillig unseren ganzen Dreck beseitigt und dennoch die Achtung vor uns nicht verloren hat. Nein, ich meine jetzt nicht Achtung im Sinne von Unterwürfigkeit, sondern Achtung im Sinn von: sie redet noch mit mir, auch wenn unter unserem Bett so wahnsinnig viel Staub liegt. Sie nimmt meine Kinder auf den Arm, auch wenn sie fast immer eine laufende Nase oder klebrige Finger haben. Sie übernimmt meine Kochrezepte, auch wenn sie sieht, dass meine Küche versinkt im Chaos. Kurz: Sie nimmt mich, wie ich bin, mit all meinen Schwächen und Stärken. Ich vergöttere diese Frau!

Dabei hatte ich mich anfangs so sehr gesträubt dagegen, eine Putzfrau anzustellen. Das Ganze roch mir zu sehr nach Überheblichkeit. Nach Menschen, die glauben, etwas Besseres zu sein und sich deswegen die Finger nicht schmutzig machen wollen Doch irgendwann musste ich mir eingestehen, dass ich schlicht zu unbegabt bin, um den Haushalt zu schmeissen. Dass da ein Experte ran muss; jemand, der weiss, wie man einen Besen in die Hand nimmt und nicht schreiend zusammenbricht, wenn der Boden mal wieder so übersät ist mit Spielzeug, dass man ihn nicht mehr sehen kann. Ein Profi eben, nicht so ein schäbiger Möchtegern wie ich. Wobei ich ja nicht einmal ein Möchtegern bin, weil ein Möchtegern ja gerne möchte. Und das möchte ich nicht…

Und ich hatte geglaubt…

… ich hätte heute nichts zum Bloggen. Bis ich heute am späten Nachmittag in mein „wunderschönes neues Büro“ ging, das leider nicht mehr so ganz „wunderschön“ war, sondern so aussah:

Nein, das ist kein Blut. Wir leben noch alle. Es handelt sich um  magentafarbene Tinte, die ich in einem Anflug von Idealismus gekauft hatte. Ich hatte nämlich geglaubt, dass auch Leute mit Kindern die Tintenpatronen nachfüllen könnten, um so Geld zu sparen. Leider hat sich dies aber als grosser Irrtum erwiesen, wie man sieht. Magenta auf dem neuen Computer, Magenta auf dem neuen Schreibtisch, Magenta auf der neuen Mausmatte, – gut, die hatte nur 95 Rappen gekostet,- und Magenta auf dem alten, unversiegelten Riemenboden. Der Schuldige war schnell gefunden: Wir mussten nur kontrollieren, wer magentafarbene Finger hatte. Und da der FeuerwehrRitterRömerPirat sich gestern bereits wegen schwarzer Finger hatte ertappen lassen, war er auch der Erste, der heute seine Händchen zeigen musste. Und sonderbarerweise nicht wollte…

Wie kann ein Kind, das sich mit fünf das Lesen und Schreiben beibringt, ein Kind, das dir Fakten über Römer, Pharaonen und Ritter herunterbeten kann, ein Kind, das die Namen der sieben Bundesräte kennt, so dumm gedankenlos sein, an zwei Tagen hintereinander Mamas Büro mit Tinte zu verwüsten? Wie kann dieses Kind dann nicht einmal wissen, weshalb es dies getan hat? Wie kann dieses Kind unbeschwert zu den Nachbarn gehen um zu spielen, anstatt den Eltern die Missetat sogleich zu beichten? Wie kann dieses Kind dann auch noch heulen, weil es nach dem Abendessen nur noch kurz das Zimmer aufräumen „darf“ und dann ohne Geschichte ins Bett marschiert? Und ist das wirklich das gleiche Kind wie jenes, das mir gestern Morgen Tee und Joghurt ans Bett brachte?

Ja, manchmal ist er für mich ein einziges Fragezeichen, der FeuerwehrRitterRömerPirat. Aber morgen wird alles anders sein; er hat’s versprochen: „Morgen“, sagte er mir mit ernster Mine, nachdem ich ihn fertig ausgeschimpft hatte, „morgen werde ich es nicht mehr tun.“ Nein, wird er wirklich nicht, denn ich habe die Tinte weggeschmissen…

Man muss nur wissen, was man will…

„Meiner“ und ich haben bekanntlich die Nase gestrichen voll von nächtlichen Kinderbesuchen in unserem Bett. Was dem FeuerwehrRitterRömerPiraten herzlich egal ist. „Ich träume heute so schlecht“, verkündete er gestern Abend, noch bevor er die Zähne geputzt hatte. „Darf ich auf eurem Bett einschlafen?“ Nein, darf er nicht. Denn es ist doch so: Schläft er oben, träumt er schlecht, wir hingegen sehr gut. Schläft er bei uns, träumt er gut, wir hingegen träumen gar nicht. Also schickten wir ihn in sein Bett. Zehn Minuten später stand er wieder da: „Ich träume so schlecht.“ „Dann hör eben die CD vom Zwergen ‚Gimli'“. Er zog ab mit dem CD-Player und dem Zwergen. Eine halbe Stunde später stand er wieder da: „Bei der zweiten Geschichte von ‚Gimli‘ habe ich schlecht geträumt.“ Wann bitte hatte das Kind überhaupt Zeit zum Träumen gefunden? Es war ja noch hellwach. „Soll ich mit dir beten?“ Eifriges Nicken und nach dem Gebet war dann endlich Ruhe.

Genau so lange, bis „Meiner“ und ich uns endlich für einen Film entschieden hatten, den wir beide nicht bloss entspannend, sondern auch unterhaltsam fanden. Kaum hatten wir es uns auf dem Sofa so richtig bequem gemacht, hörten wir, dass die Türe aufging. Und gleich wieder zu. Dann hörten wir schnelle Kinderfüsse auf der Treppe. Das Kerlchen hatte wohl geglaubt, er könne sich unbemerkt in unser Bett schleichen und war dann so erschrocken, dass wir noch wach waren, dass er die Flucht nach oben ergriff. Um eine halbe Stunde später wieder dazustehen: „Ich träume noch immer schlecht.“ Wie schafft man es bloss, so fröhlich auszusehen, wenn man schlecht träumt? Weil der Film jetzt aber richtig interessant geworden war, gaben wir es auf. Der FeuerwehrRitterRömerPirat legte sich in unser Bett und drei Sekunden später waren die schlechten Träume vergessen. Haben wir nicht ein wundervolles Bett?

Nach dem Film waren „Meiner“ und ich natürlich zu müde, um das Kerlchen noch nach oben zu schleppen. Und so schliefen „Meiner“ und der FeuerwehrRitterRömerPirat bald schon eng aneinander gekuschelt in unserem Bett, während ich mich noch kurz – es dauerte wirklich nicht viel länger als eine Stunde –  auf die Jagd nach Ferienhäusern für den Sommer machte. Der FeuerwehrRitterRömerPirat gab sich alle Mühe, diesmal kein Zitteraal zu sein und wäre nicht das Prinzchen gewesen, hätte die Nacht ganz gemütlich werden können. Wenn doch bloss das Prinzchen am sehr frühen Morgen nicht sein Fläschchen hätte haben wollen. Weil er noch eines im Bett hatte, reichte ich ihm dieses. Welches er verschmähte und zu brüllen anfing. Was hatte es bloss, das arme Kind? Verzweifelt suchte ich nach dem Knopf, um das Brüllen abzustellen, doch ich konnte ihn nicht finden. „Musst seine Milch warm machen“, murmelte „Meiner“, der auf diesem Gebiet Experte ist, im Halbschlaf. Das Kind werde doch wohl keinen Unterschied machen zwischen zimmerwarmer und handwarmer Milch, dachte ich bei mir. Dass die Milch lactosefrei sein muss, kann ich ja noch verstehen, aber die exakte Temperatur wird ja im zarten Alter von vierzehn Monaten und drei Tagen noch keine Rolle spielen. Doch weil ich eine folgsame Ehefrau bin, trottete ich in die Küche, um die Milch zu wärmen. Und siehe da. „Meiner“ hatte Recht gehabt: Zufrieden nuckelte das Prinzchen an seiner Flasche und es herrschte himmlische Ruhe.

Und jetzt wurde mir auch wieder schlagartig bewusst, warum gewöhnlich „Meiner“ aufsteht, um die Milch zu wärmen. Während er jeweils drei Sekunden später wieder schnarcht und am Morgen von allem nichts mehr weiss, muss ich erst mal eine Runde bloggen, bevor ich weiter träumen kann. Aber da ich in diesen Tagen auch in meinen Träumen blogge, macht das ja keinen grossen Unterschied.

Armer Mann?

„Meiner“ hat sich ein Ei gelegt. Hat meine vier Tage im Ländli gebucht, bevor er kontroliert hat, ob er und die Kinder zur gleichen Zeit Ferien haben. Haben sie nicht, aber mein Aufenthalt ist bereits gebucht und ich gebe ihn nicht mehr her. Was bedeutet, dass „Meiner“ Anfang Februar nicht mit den Kindern ausschlafen  und sie den ganzen Tag im Pyjama herumlümmeln lassen kann. Nein, er wird den ganzen Trubel des Schulalltags voll auskosten dürfen. Und zwar ohne dass er von mir abends entlastet wird. Weil ich ja nicht da sein werde. Offen gestanden: Er tut mir leid. Ich weiss ja, was auf ihn wartet: Endlose Tage von sieben Uhr früh bis irgendwann, wenn endlich Ruhe herrscht, zig Termine, die man nicht durcheinander bringen darf, das elende Gefühl, den ganzen Tag zu schuften wie ein Knecht ohne je einen Erfolg zu sehen. Und abends nicht einmal eine Schulter, an der er sich ausheulen darf. Klar, ich werde ihn anrufen, damit er mir sein Herz ausschütten kann. Aber es ist eben nicht dasselbe, als wenn man tröstend in den Arm genommen wird.

Ja, „Meiner“ tut mir leid und dennoch weiss ich, dass er es schaffen wird. Einiges wird ihm leichter fallen als mir, anderes wird er nicht hinkriegen. Er wird schimpfen, lachen, verzweifeln, sich wieder aufrappeln, den Überblick verlierern und Sekunden später wieder voll professionell die richtigen Entscheide fällen. Er wird sich vergeblich danach sehnen, zwischendurch mal die Füsse hochlegen zu können, doch als Entschädigung wird er gemütliche Kuschelstunden mit dem Zoowärter auf dem Sofa verbringen. Er wird sich die Haare raufen und sich kringeln vor lauter Lachen. Kurz: Er wird das tun, was ich schon seit Jahren mit zweifelhaftem Erfolg tue. Und am Ende dieser vier Tage wird er noch besser vertstehen, warum ich manchmal einfach genug habe von allem und ins Ländli fahren muss. Wenn er bloss nicht auf die Idee kommt, danach auch eine Auszeit zu fordern…

Was mich an dem Ganzen aber masslos ärgert: „Meiner“ muss nur erwähnen, dass er im Feburar vier Tage allein sein wird mit den Kindern, und schon bekommt er Hilfe angeboten. Nicht, weil er dies möchte, sondern weil man dem armen Mann doch nicht zumuten kann, dass er diesen Knochenjob für vier Tage alleine meistern muss, bloss weil seine Frau sich einfach so zum Vergnügen mal erholen will. Während Unsereiner zuerst einmal zusammenbrechen musste – okay, ich habe auch erst dann zugeben können, dass ich es alleine nicht schaffe -, bekommt „Meiner“ nicht einmal die Chance, zu erahnen, was es heissen kann, den ganz normalen Alltag zu meistern ohne den Verstand zu verlieren. Es sei denn, er lehne die Hilfsangebote ab. Doch wer  – ausser mir  –  wäre denn schon so blöd, dies zu tun?

Ich möchte nur einmal….

… aufs WC gehen können, ohne vorher die Spuren meiner Söhne beseitigen zu müssen, ohne das Ding entstopfen zu müssen, ohne vorher eine neue Rolle WC-Papier suchen zu müssen, ohne dass jemand an die Tür poltert, weil er mir unbedingt jetzt etwas sagen muss.

… in den eben gerade geputzten Spiegel schauen können, ohne hinter den Fingerabdrücken meiner Tochter mein Gesicht nicht mehr erkennen zu können.

… die Hände waschen können, ohne vorher die Zahnpastaspuren sämtlicher Kinder zu beseitigen, ohne nach dem Handtuch suchen zu müssen, ohne zuerst die Badeenten aus dem Lavabo schmeissen zu müssen.

…. ein Bad nehmen können, ohne vorher die Wanne vollständig putzen und entrümpeln zu müssen.

Ist das den wirklich zu viel verlangt?

Es komme mir jetzt keine jener allwissenden Mütter und ermahne mich, ich müsste eben meine Kinder besser dressieren. Dressur ist nichts für mich; ich versuche es lieber mit Erziehung, auch wenn es anstrengender ist. Und es komme mir jetzt kein Single daher, der mir sagt, ich solle dankbar sein dafür, dass mein WC nicht immer sauber, mein Spiegel nicht immer blank, mein Handtuch nicht immer an seinem Platz ist. Ich bin unendlich dankbar für fast alles. Aber nicht dafür.

Mist! Das war wohl kein besonders erbauender Start ins neue Jahr. Aber es musste einfach mal gesagt sein…

Die letzten Absurditäten des alten Jahres

Bevor ich 2009 ad Acta lege, muss ich noch ein paar Absurditäten loswerden. Es wäre schade, sie mit ins neue Jahr zu nehmen. Hier also sind sie:

Da kaufe ich mir heute eine Amaryllis zum halben Preis und was muss ich auf der Verpackung lesen, als ich mir eine feine Mahlzeit daraus zubereiten will? „Achtung! Nicht zum Verzehr geeignet.“

Wie meine treuen Leserinnen und Leser wissen, ist der Zoowärter wieder auf Windeln umgestiegen, kaum dass er trocken war. Wochenlang habe ich mir  vergeblich den Kopf darüber zerbrochen, warum dies geschehen ist.  Schwiegermama hingegen schaut das Kind zwei Sekunden an und weiss den Grund: „Ha la schiena debole“ – Er habe eben einen schwachen Rücken. Aha, darum also habe ich wieder zwei Wickelkinder.

Bundespräsidentin Doris Leuthard habe ihre Neujahrsansprache mit schwarzen Nägeln und im dunklen Blazer gehalten, erfahre ich heute in der Tageszeitung. Seither zerbreche ich mir den Kopf darüber, welche Farbe die Fingernägel von Hans-Rudolf Merz hatten, als er letztes Jahr die Neujahrsansprache hielt. Auch an die Farbe von Pascal Couchepins Nagellack im Jahr davor kann ich mich nicht mehr erinnern. Oder könnte es gar sein, dass man auch am Ende der Nullerjahren noch immer alleine den Politikerinnen so genau auf die Fingernägel schaut?

In der Migros wollen sie, dass ich schon wieder Fasnachts-Chüechli kaufe. Und dabei habe ich noch immer zwei Christstollen, die darauf warten, verschlungen zu werden. Und die Weihnachtsguetzli sind auch noch nicht weniger geworden. Himmel, warum müssen die einen immer so hetzen?

Karlsson und Luise waren heute mit ihrer Tante bei Starbuck’s, wo es heisse Schokolade und Donuts gab. Danach waren sie noch im Süssigkeitenladen, wo sie auslesen durften, was ihr Herz begehrt. Der Zoowärter und der FeuerwehrRitterRömerPirat haben gestern bei Ikea ein winziges Stofftierchen auswählen dürfen. Ratet mal, wer wem aufs Dach gegeben hat, weil die anderen so viel mehr bekommen haben. Kleiner Tipp: Es waren nicht diejenigen, die tatsächlich weniger bekommen haben.

So, nun lasse mich meine geschätzten Leser in Ruhe für dieses Jahr. Es hat mir Spass gemacht, euch hin und wieder den Alltag zu versüssen und es war mir ein Vergnügen, zu lesen, dass ich nicht die einzige durchgeknallte Mama auf diesem Planeten bin. Ich freue mich darauf, auch im neuen Jahr wieder zu bloggen und von euch zu lesen. Allen Mamas & Papas wünsche ich, dass sie Silvester irgendwie hinter sich bringen, ohne von einer Tischbombe erschlagen zu werden, und allen zusammen, auch denen, die nicht Mamas & Papas sind, wünsche ich ein gesegnetes neues Jahr.

Werbung

Ich mache das ja selten, aber wenn eine Novemberschreiberin zu bloggen beginnt, dann muss ein bisschen Werbung einfach sein. Seit drei Tagen gibt es die „Schreibschaukel“ und ich schaukle dort so gerne mit, dass ich sie einfach weiterempfehlen muss!

Schweizer Qualitätskinder?

Luise und Karlsson schlafen auswärts, was bedeutet, dass wir „nur“ drei Kinder hatten heute Nachmittag. Ausserdem hatten wir noch einen Ikea-Gutschein und ein wenig Schwiegermama-Weihnachtsgeld und somit war klar, wo Vendittis den beinahe kinderfreien Tag verbringen würden. Es wurde eine vollkommen entspannte Sache. Der Zoowärter hatte keine Fieberkrämpfe wie beim letzten Ikea-Besuch, das Prinzchen setzte sich einer wildfremden Frau auf den Schoss und begann, ihre Pommes Frites aufzuessen und der FeuerwehrRitterRömerPirat spielte Marienkäfer. Als wir unsere Einkäufe erledigt hatten, kam eine ältere Dame auf uns zu: „Ach, sind die süss, die drei Jungen!“, schwärmte sie. „Das ist aber schön, dass sie so eine grosse Familie haben.“ Wir hätten noch zwei weitere von diesen süssen kleinen Dingern erzählte ich ihr, worauf sie meinte: „Fünf Kinder! Das ist aber eine Leistung. Und Sie sind wirklich Schweizer?“ Nun ja, wenn man mal von den italienischen Wurzeln von „Meinem“ absieht, dann könnte man uns durchaus als Schweizer bezeichnen. Wie schön es doch sei, wenn Schweizer bereit seien, diese grosse Arbeit auf  sich zu nehmen, um fünf Kinder grosszuziehen; sonst sehe man ja fast nur noch Ausländer, die viele Kinder hätten, meinte die Frau.

Und jetzt bin ich ganz verwirrt. Wären unser Kinder weniger „süss“, wenn sie keinen Schweizerpass hätten? Wäre unsere Arbeit weniger Wert, wenn „Meiner“ nicht eingebürgert und ich keine Schweizerin wäre? Hätten wir vielleicht gar weniger Arbeit mit den Kindern, wenn wir Ausländer wären? Wäre letzteres der Fall, dann würde ich mich nämlich sofort ausbürgern lassen.