Barbaren

„Meiner“ hat vor ein paar Tagen gelesen, dass die modernen Jungs einfach nicht mehr auf ihre Kosten kommen würden. Schuld daran seien natürlich mal wieder wir Frauen. Wir wollten nicht, dass die Jungen kämpfen, prügeln, schiessen und herumbrüllen. Wir wollten sie zu kleinen Pazifisten erziehen, obschon das gar nicht in ihrer Natur liege. Nun ja, in unserer Familie ist „Meiner“ fast gleich pazifistisch eingestellt wie ich und auch von den typischen Männlichkeitsritualen wie Biersaufen, Herumballern und Fussballschauen hält er herzlich wenig. Und auch das Fischen aus einem vollen Fischteich, das einzig und allein dazu dienen soll, zu beweisen was für ein toller Hecht man ist, findet „Meiner“ nicht gerade toll.

Trotzdem beschlossen wir, dass „Meiner“ heute Morgen mit den Kindern zum Angeln mitgehen sollte, damit sie einmal einen typischen Männermorgen erleben dürften. Luise wollte zuerst auch mit, doch als sie hörte, dass die Fische nach dem Angeln auch getötet wurden, zog sie es vor, mit mir Trivial Pursuit zu spielen. Während Luise und ich spielten, zogen Karlsson, der FeuerwehrRitterRömerPirat und der Zoowärter einen Fisch nach dem anderen an Land und der FeuerwehrRitterRömerPirat erschlug den Fang eigenhändig. Der machohafte Tischnachbar, der bestimmt alle typischen Männlichkeitsrituale mitmacht und schon zig mal Fischen gegangen war, wurde gelb vor Neid, weil bei ihm einfach nichts anbeissen wollte.

 Nach zwei Stunden kamen die Männer mit stolzgeschwellter Brust und einem Sack voller toter Fische zum Hotel zurück. Sogar „Meiner“ strahlte wie ein Neandertaler auf der Heimkehr von der Jagd. Und was war die Anerkennung, die ihnen für ihre Heldentat zuteil wurde? Mama kreischte, Luise heulte zum Steinerweichen, weil sie soviel Mitlieid hatte mit den armen armen Fischlein. 

Vielleicht ist doch etwas dran an diesem Geschwätz über Frauen, die nicht verstehen können, warum die Männer von Zeit zu Zeit den Barbaren rauslassen müssen…

Das also ist der Haken

Irgend etwas kann da doch nicht stimmen. Für fast nichts verbringen wir hier zu siebt zehn erholsame Ferientage. Und zwar inklusive Essen, Wellness und Kinderbetreuung. Nun ja, der Hotelbesitzer hatte ja versucht, nach der Buchung den Preis von „fast nichts“ auf „ein kleines Bisschen“ zu erhöhen, aber „Meiner“ hat gekämpft wie ein Löwe und deshalb blieb es bei „fast nichts“.

Misstrauisch, wie wir nun mal sind, rechneten wir damit, dass die Sache einen Haken haben würde. Doch wir konnten lange keinen finden. Das Essen ist gut und reichlich, das Kinderprogramm so toll, dass wir unsere Kinder zu vermissen beginnen, weil sie nichts mehr von uns wissen wollen, die Umgebung traumhaft, das Hallenbad neu und blitzsauber und die Sauna einfach perfekt. Nun ja, das Zimmer ist nicht gerade schön, zumindest nicht in den Augen von „Meinem“ und mir. Wir hätten nichts gegen eines der renovierten Zimmer gehabt. Aber die Kinder sind hin und weg von dem muffeligen Siebzigerjahre-Charme.

Ja, das Zimmer, das ist offenbar der Haken. Gleich nach unserer Ankunft hätten wir merken können, was der Wirt mit seinem Deal im Schilde führte: Luise verdunkelte das Zimmer und schon war das Rollo kaputt. Am nächsten Tag ging Luises Nachttischschublade drauf, am Übernächsten die Nachttischlampe, dann der Seifenspender und jetzt beginnt so langsam unser Bett zu wackeln. Die Überlegung ist glasklar: Wir, die Schweizer mit der Horde ungezogener Kinder, wohnen fast gratis. Im Gegenzug beginnen wir schon mal mit debm Abbruch des Mobiliars, damit im Winter die Renovation schneller vonstatten geht. Wir demolieren, sie renovieren. Clever, nicht wahr? Bloss finde ich das Ganze etwas unfair. Wir sind ja nicht zum Arbeiten da, sondern zum Ferienmachen.

Verwöhnt

Angefangen hat damit schon Karlsson. Kaum war das Kind einen Monat alt, schlief es zwölf Stunden am Stück, nach sechs Monaten ass es alles, was wir ihm vorsetzten und war fast rund um die Uhr zufrieden. Luise war dann zwar zeitweise etwas anstrengender, doch im Grossen und Ganzen bemühten sich alle unsere fünf Kinder nach Kräften darum, ihre Eltern zu verwöhnen.

Ja und jetzt, wo sie vollkommen verweichlichte Eltern haben, müssen sie ausbaden, was sie angerichtet haben. Das Prinzchen, für gewöhnlich das friedlichste Kind auf Erden, wird schon gar nicht mehr fertig mit uns, so verzogen sind wir. Zur Zeit hält er nämlich Ramadan. Wir haben ihm schon zig Mal gesagt, dass wir Christen sind und dass auch die Muslime momentan nicht am Fasten sind. Das hindert ihn aber nicht daran, tagsüber fast sämtliche Nahrung abzulehnen und nachts zu schlemmen.

Uns verwöhnte Eltern werfen schon zweimal Aufstehen um ihm das Fläschchen zu geben aus der Bahn. Doch jetzt, wo das Kind auch noch am Zahnen ist, wissen wir uns schon gar nicht mehr zu helfen. Dass der Junge Zahnschmerzen, eine volle Windel und einen wunden Po haben könnte, kommt uns erst in den Sinn, nachdem wir ihn an den Rand eines Nervenzusammenbruch gehätschelt haben. Wir streicheln, küssen, knuddeln und trösten und merken nicht, dass das arme Kind eine frische Windel, ein Zäpfchen und ein bisschen Salbe haben will. Das, was durch kurze Nächte gestählte Eltern als Erstes abchecken, fällt uns verweichlichten Memmen erst ein, nachdem wir völlig entnervt und ratlos auf das brüllende Kind starren.

Ja ja, so kommt es eben, wenn man den Eltern nicht  täglich mit aller Konsequenz die Grenzen ihrer Bequemlichkeit aufzeigt.

Der Herr von Tisch fünf hat was durcheinander gebracht

Wie hiess sie nochmal, die alte Säuferwahreit? „Bier auf Wein, das lasse sein, Wein auf Bier…“ und den Rest weiss ich nicht mehr. Spielt für mich ja auch keine Rolle. Mir genügen ein paar Schlucke Holunderblütensekt zum elften Hochzeitstag und schon lache ich Tränen, bloss weil ich glaube, die Mutter am Nebentisch habe ihren Sohn „Pavian“ anstatt „Fabian“ gerufen. Oder weil die Chefin den Lehrling zum hundertsten Mal ermahnt: „Die Dame am Disch drai is´wegedorisch.“ Da lasse ich lieber die Finger von Bier und Wein, egal, in welcher Reihenfolge.

Nun, der Herr am Tisch fünf hätte sich vielleicht die alte Säuferwahrheit zu Herzen nehmen sollen. Bestellt hat er beides, Bier und Wein. In welcher Reihenfolge er das getrunken hat, weiss ich nicht, aber es war bestimmt falsch herum. Das merkt man schon bald. Zuerst weist er lauthals seine Söhne zurecht, dann demütigt er seine Frau so dass es alle hören: „Du bist die Einzige im ganzen Speisesaal, die sich nicht umgezogen hat. Das gehört sich nicht.“ Nun, erstens stimmt das nicht, ich trage auch noch das Gleiche wie am Morgen. Und zweitens hätte es keiner gemerkt, da ohnehin alle mit ihren Sprösslingen beschäftigt sind und jede Mama froh ist, dass die am Nebentisch noch übrenächtigter aussieht als sie selber. Doch das ist erst der Anfang. Bald schon brüllt er laut: „En Guete mitenand im schöne Schwizerland!“ und das etwa dreimal hintereinander. Hat der Kerl noch nicht gemerkt, dass wir hier in Österreich sind? Zumindest fügt er nicht noch an „de Tisch isch abenand“ sonst hätte ich ihm die Klappe zubinden müssen. Dafür beginnt er jetzt lauthals „Knowing you and knowing me“ von Abba zu singen und das um sieben Uhr abends, bevor seine Frau – ich nehme nicht an, dass er dabei behilflich ist – die Kinder zu Bett gebracht hat.

Wenn der Kerl doch bloss Russisch sprechen würde. Oder Mandarin. Dann würde ich sein  Geschwätz wenigstens nicht verstehen.

Hab´ ich´s nicht gesagt?

Es ist wie immer: Der Hotelprospekt verspricht dir Wireless-Lan im Zimmer, du glaubt den ganzen Mist und schleppst neben Schönwetterkleidung, Schlechtwetterkleidung, Badehhosen, Reiseapotheke, Stofftieren, Reisespielen und Windeln auch deinen Laptop mit. Das Handbuch für Besucher bestätigt dir noch einmal, dass du vom Hotelzimmer aus gratis Zugang zum Internet hast. Alles was du tun müssest sei, an der Reception dein Passwort azubholen. Hoffnungsfroh schickst du „Deinen“ zur Reception, wärhrend du mit den grossen Kindern im kalten Hallenbad am Planschen bist. „Deiner“ findet derweil heraus, dass leider leider der Internetzugang in den Zimmern ausser Betrieb sei. Doch selbstverständlich dürfe man den Computer in der Lobby jederzeit gratis benützen. „Blah blah blah!“, denkst du. Denn du weisst ja, dass dieser Computer entweder kaputt oder von Workaholics belagert ist.

Doch siehe da: Der Computer ist neu, er funktioniert und es hat weit und breit keine Workaholics. Mal abgesehen von dieser Schweizerin mit den fünf Kindern, die es nicht mal vierundzwanzig Stunden ohne Internetzugang aushält…

Uffffff!

So, die Koffer sind schon fast gepackt, die letzen Post-its abgeräumt (natürlich erst nachdem alles erledigt ist), die Akkus aufgeladen, die Kleider gewaschen, der Abfall entsorgt und und und. Jetzt muss nur noch der Laptop abgeräumt werden, denn der kommt natürlich mit. Ob ich in Österreich dann aber auch wirklich bloggen kann, hängt davon ab, ob der im Reiseprospekt versprochene gratis-Internetzugang auch tatsächlich existiert.

Meist wird ja viel versprochen. Doch wenn man ankommt, entpuppt sich der versprochene Internetzugang als klapprige alte Kiste in der Lobby, die sich im Dauerstreik befindet. Sollte sie zufälligrweise mal für ein paar Stunden funktionieren, wird sie sofort von irgendwelchen Workaholics in Beschlag genommen, die ihre Arbeit verrichten, vor der sie eigentlich hatten flüchten wollen. Am Tag vor der Abreise findet man dann per Zufall heraus, dass da noch so ein klitzekleiner Anschluss im Zimmer versteckt gewesen wäre. Aber dann ist es ja schon zu spät.

Also dann, mal sehen. Wenn der Reiseprospekt sein Versprechen hält, wird weiter gebloggt. Ansonsten haben meine Leser zehn Tage Ruhe vor mir und meiner Bande.

Die barfüssige Irre ist wieder da

Heute in der Früh wurde sie wiedermal gesichtet, die barfüssige Irre. Es ist schon eine ganze Weile her, seit man sie zum letzten Mal gesehen hatte, wie sie mit einem Kind im Schlepptau durchs Dorf hastete, ungekämmt, ungeduscht und mit ungeputzten Zähnen, mit irrem Blick und laut zeternd: „Jetzt mach schon mal! Ich kann die Kleinen nicht so lange alleine lassen. Du wärst doch jetzt wirklich gross genug….“ Den Rest versteht man nicht mehr, denn sie ist schon längst um die nächste Hausecke verschwunden.

Heute war sie zumindest geistesgegenwärtig genug gewesen, um sich noch schnell in die Kleider zu stürzen, bevor sie aus dem Haus ging. Auch schon wurde sie im Pyjama gesichtet. Aber eben, das ist ein paar Jahre her. Um genau zu sein vier. Es war in den ersten fünf Kindergartenwochen eines gewissen Karlsson vom Dach. Der kleine Karlsson hatte etwas Mühe damit, morgens sein Elternhaus zu verlassen und deshalb brauchte er etwas Hilfe von seiner Mama. Manchmal hatte seine Mama den Tag im Griff und dann trat sie, frisch geduscht, sauber gekleidet und gut gelaunt vor die Haustür. Im Schlepptau eine blitzsaubere Luise, im Kinderwagen einen friedlich schlafenden FeuerwehrRitterRömerPiraten, an der Hand einen traurigen, aber sauberen Karlsson.

An vielen Tagen aber hatte Karlssons Mama die Sache nicht so im Griff. Und dann schickte sie jeweils eine barfüssige Irre, die ihren Erstgeborenen begleiten sollte. Keiner weiss, weshalb eine normalerweise durchaus vernünftige Mama ihr kostbares Kind dieser Irren jeweils anvertraute. Doch während mehrerer Wochen begleitete diese unmögliche Frau den armen kleinen Karlsson fast täglich bis zur Kindergartentür und schwatzte auf ihn ein. Mit der Zeit wurde die sie zum Glück  immer seltener gesichtet, dann verschwand sie ganz. Karlsson ging jetzt selbstbewusst alleine zum Kindergarten und später in die Schule. Man hätte schon fast glauben können, die Irre sei weggezogen.

Doch heute, kurz vor acht hatte sie wiedermal einen Auftritt. Karlssons letzter Schultag in der zweiten Klasse war eine wichtige Angelegenheit. Und wie so oft bei wichtigen Angelegenheiten, verhielt sich Karlsson etwas unkooperativ.  Zwar wollte er auf jeden Fall Nutella, Honig, Halva-Brotaufstrich, Fruchtspiesschen für die ganze Klasse und zwei Bibliotheksbücher mitschleppen. Aber wie die ganze Ladung ins Schulhaus kommen sollte, hatten weder er noch sein Papa, der ihm alles eingepackt hatte, sich im Detail überlegt. Und ohne all die Dinge ging Karlsson nicht. Wenn er schon mal in der Schule frühstücken darf, muss das mit Stil und allem Drum und Dran vonstatten gehen. Zum Schluss, nachdem sie sich den Mund fusselig geredet hatte, blieb der Mama nichts anderes mehr übrig, als wieder mal die barfüssige Irre mit Karlsson auf den Schulweg zu schicken.

Ob das alles wahr ist, weiss allerdings niemand so genau. Die barfüssige Irre wurde nämlich heute nur ganz kurz gesichtet. Schon auf dem Heimweg von der Schule verwandelte sie sich wieder in eine ganz normale Mama, die mit zuckersüssen Anweisungen ihre anderen vier Kinder für den langen Tag bereit machte.

Spieglein, Spieglein an der Wand…

… aber natürlich, mein Prinzchen, du bist das schönste Baby im ganzen Land – zumindest für deine Mama. Das heisst aber trotzdem nicht, dass du stundenlang selbstverliebt vor dem Spiegel sitzen musst, um dich selbst zu bewundern. Natürlich siehst du bezaubernd aus mit deinen blonden Locken und deinem unwiderstehlichen Lächeln. Aber Jünglinge, die in ihr eigenes Spiegelbild verliebt sind, kommen im Allgemeinen nicht so gut weg in der Literatur.

Es ist ja schon erstaunlich, wie jedes Kind seine eigene Strategie hat, um sich wieder zu beruhigen, wenn etwas schiefläuft. Karlsson zieht sich mit seinem Eisbären zurück, Luise knallt die Tür und brüllt, dass die Wände wackeln, der FeuerwehrRitterRömerPirat lässt den Kopf hängen und vergiesst still ein paar Tränen, dem Zoowärter muss man „Heile heile!“ singen und „tschougigong“ sagen auch wenn man unschuldig ist an seinem Unglück. Und das Prinzchen muss sein Speigelbild betrachten. Und weil beim Prinzchen jetzt, wo er sitzt und krabbelt und sich hochziehen will, ziemlich viel schiefläuft, verbringt er derzeit den halben Tag vor dem Spiegel. Am liebsten vor dem doppeltürigen Spiegelschrank. Da sitzt er dann und hält eine Selbstmitleidssitzung mit seinen zwei Spiegelbildern ab.

Ein Artikel bei Wikipedia klärt mich darüber auf, dass ich mir noch keine Gedanken über Narzissmus machen muss. Das alles gelte noch als primärer Narzissmus.  Was aber, wenn das Prinzchen 16 ist und sich in seinem ersten Liebeskummer noch immer mit seinem Spiegelbild tröstet?  Dann werden wir wohl oder übel den Sigmund fragen müssen, was er davon hält…

Auf dem Zahnfleisch

Man könnte ja glauben, uns würde nichts mehr aus den Socken hauen. Immerhin haben wir ja Erfahrung. Was ist schon eine Geburtstagsparty mit acht Zwei- bis Sechsjährigen? Immerhin hat Karlsson auch schon eine Fete mit vier überdrehten Freunden gefeiert, die bei uns übernachteten. Und dies knappe zwei Wochen nach der Geburt des Prinzchens. Ein ander Mal überstanden wir eine Geburtstagsparty mit zwei Autopannen und drei Stunden in einer Turnhalle. Auch die Prinzessinnenparty mit zwei kranken Gästen, von denen sich eine am Ende übergeben musste, haben wir ohne weitere Schäden hinter uns gebracht.

Ob wir aber je wieder eine Party mit einer Gruppe von Vorschulkindern feiern werden, ist fraglich. Es ist nicht etwa so, dass sich die Buben daneben benommen hätten. Nein, sie waren alle äusserst lieb. Doch wer einmal an einem sehr heissen Sommertag eine Horde  von testosteronstrotzenden kleinen Jungen gehütet hat, weiss, dass diese sich nicht besonders auffällig benehmen müssen, um einen an den Rand des Nervenzusammenbruchs zu treiben. Jeder ist der Schnellste, der Stärkste, der Beste, der Schönste, der Klügste. Jeder braucht eine Waffe. Und wenn die Gastgeber so blöd sind, vor dem grossen Umzugstermin alle Spielzeugwaffen in den Keller zu räumen, müssen eben Stecken, Bananen und Schwingbesen als Waffen herhalten. Sollte es trotz unserer heutigen Erschöpfung ein nächstes Mal geben, lassen wir nur noch Bewaffnete ins Haus.

Nach zwei Stunden Party sind „Meiner“ und ich nudelfertig, während für die Kinder die Fete erst so richtig in Schwung kommt. Immerhin haben „Meiner“ und ich im Teamwork so ziemlich alle bisherigen brenzligen Situationen gemeistert: Das Feuer, das zuerst nicht brennen wollte, die Eistorte, die trotz Smarties nicht bei allen Kindern ankam, das Würstchen, das noch nicht gar war, der Gast, der sich für den Allerstärksten hält und dies den anderen Allerstärksten beweisen muss. Doch jetzt, wo ich so ziemlich auf dem Zahnfleisch gehe und nur noch sehnsüchtig nach der Uhr schiele, macht sich „Meiner“ aus dem Staub. Zahnarzttermin. Ich soll die Meute noch eine halbe Stunde lang alleine bändigen, währenddem er es sich auf dem Zahnarztsessel wohlsein lassen kann! Immer hat er den ganzen Spass und ich muss schuften!

Wie? Behauptet hier jemand, er würde lieber hundert Parties mit acht Kleinkindern feiern, als eine Stunde beim Zahnarzt zu verbringen? Wer das glaubt, ist herzlich eingeladen, die Party zu schmeissen, wenn der Zoowärter vier wird. Spätestens nach einer Stunde wird er seinen Zahnarzt  auf den Knien anflehen, ob er nicht jetzt gleich einen Termin für eine Wurzelbehandlung haben könne…

Viele viele bunte Smarties-Kuchen

Eigentlich wäre der Terminplan während der Post-it-Tage ja bereits randvoll. Da würde man liebend gerne auf Geburtstagsparties verzichten. Doch weil der FeuerwehrRitterRömerPirat eines jener bedauernswerten Kinder ist, die mitten in den Sommerferien Geburtstag haben, müssen wir eben vorfeiern. Ja, ich weiss, ich mache mich damit schuldig. Ich zwinge andere Mütter dazu, ein Geschenk zu besorgen, sich einen weiteren Termin zu merken, ein weiteres Post-it aufzukleben. Und dies zwischen Schulschlussfeiern, Jugendfesten, Ferienvorbereitungen und Sommerschlussverkauf.

Aber was soll ich tun? Ich kann doch den Geburtstag des FeuerwehrRitterRömerPiraten nicht einfach ignorieren. Immerhin ist nicht er schuld daran, dass er im Juli zur Welt gekommen ist. Jetzt müssen „Meiner“ und ich eben ausbaden, dass wir damals nicht besser geplant haben. Eine Bedingung habe ich dem FeuerwehrRitterRömerPiraten – und übrigens auch allen anderen Kindern – gestellt: Ich backe keinen Smarties-Kuchen. Da mögen sie mich beknien so lange sie wollen, Smarties-Kuchen gibt es nicht. Wenn sie Smarties-Kuchen wollen, müssen sie ihn selber backen oder sich eine andere Mutter suchen.

Was ich gegen Smarties-Kuchen habe? Eigentlich nichts. Aber fragen Sie mal ihr Kind nach einer Geburtstagsfeier im Kindergarten oder in der Schule, was denn das Geburtstagskind mitgebracht habe. In 99,9 Prozent aller Fälle wird das Kind antworten: „Smarties-Kuchen natürlich!“. So zumindest tönt es bei uns und dies schon seit vier Jahren. Ach ja, manchmal gibt es als Variation auch Smarties-Muffins, oder vielleicht M&M’s-Kuchen. Aber das war’s dann auch schon mit der Abwechslung.

Natürlich, die Kinder mögen Smarties und es sieht ja auch ganz hübsch aus. Aber denkt denn niemand an die armen Lehrerinnen, die vor lauter Smarties den Kuchen nicht mehr sehen mögen? Nun ja, es hat sich noch nie eine Lehrerin bei mir beklagt. Aber ich stelle mir vor, dass es doch ziemlich öde sein muss, zwanzig bis dreissig Mal im Jahr Smarties-Kuchen zu essen. Da stehe ich doch lieber morgens um halb sieben auf und backe Laugenbrötchen für den FeuerwehrRitterRömerPiraten. Sieht zwar nicht besonders festlich aus, ist aber garantiert Smarties-frei. Und morgen gibt’s gar keinen Kuchen, sondern eine Ritterburg aus Vanille- und Aprikosenglace. Womit ich die dekoriere? Mit Smarties natürlich. Es sind ja keine Lehrerinnen eingeladen.