Reisenotizen

Der Dänische Kondukteur kann mich zusammenstauchen, weil ich es versäumt habe, die Tickets schön brav in der von ihm gewünschten Reihenfolge zu ordnen. Ob unser Anschlusszug in Hamburg auf uns warten wird und wie viel Verspätung wir haben werden, kann er mir aber leider nicht sagen. Ist ja auch nicht weiter wichtig. Hauptsache, die Tickets sind schön geordnet.

Die sommerliche Völkerwanderung scheint einem Zweiwochen-Rhythmus zu folgen. Wer vor zwei Wochen auf dem gleichen Weg wie wir gereist ist, kommt heute auf dem gleichen Weg wie wir wieder zurück. Und sowas nennt sich „Individualreise“.

Interessant, einem Schweden und einem Kanadier dabei zuzuhören, wie sie das Wesen der Schweizer ergründen. In der Schweiz waren sie übrigens beide noch nie. Dennoch lagen sie gar nicht so sehr daneben mit ihren Ausführungen. Nur in der Interpretation „unserer“ Eigenschaften waren sie meiner Meinung nach etwas zu gnädig mit „uns“.

Die Deutsche Bahn hat also doch klimatisierte Wagen. Hätte auf der Hinreise den Glauben daran beinahe verloren.

Wenn sich einer auf unsere reservierten Plätze setzt, reagiere ich zu meinem eigenen Entsetzen ziemlich kleinkariert. Peinlich, wenn ich feststellen muss, dass das gar nicht unsere Plätze waren…

Egal, wie viel mehr wir nach Hause bringen, als wir mitgenommen haben, wir bringen es jedes Mal fertig, alles in die gleichen Koffer zu stopfen. Möchte bloss wissen, weshalb wir immer einen oder zwei Koffer ruinieren, wenn wir reisen.

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Småland-Gewitter

Ich kenne das noch aus meiner Kindheit: Wenn ein Gewitter naht, sofort alle Stecker ziehen, bevor es gefährlich wird. „Wir müssen ausziehen!“, brüllte ich jeweils und rannte panisch in die Küche, um den grossen Stecker des Kochherds zu ziehen. Soweit war ich also vorbereitet auf das Gewitter am Waldrand.

Alles andere traf mich heute früh eher überraschend. Die Blitze, die fast pausenlos rund um das Haus zuckten, das Krachen, wenn es wieder irgendwo einschlug, das fast endlose Grollen des Donners, die Lichtblitze, die im Wohnzimmer an der fest installierten Lampe zuckten und gespenstisches Licht an den Wänden aufleuchten liessen, der brenzlige Gestank, der vom Kochherd ausging.

Momente, in denen man froh wäre, man hätte in der Schule besser aufgepasst, als es um Blitz und Donner ging. Momente, in denen man sich zwar nicht fürchtet, aber doch wieder einmal eine gewaltige Ehrfurcht vor den Kräften der Natur empfindet. Momente, in denen man sich überlegt, was zu tun wäre, wenn das Haus zu brennen anfinge, was hierzulande in den letzten Tagen offenbar öfters geschehen ist, wenn man den reisserischen Schlagzeilen Glauben schenken kann. Momente auch, in denen mal wieder das eine oder andere Kind Schutz suchend ins elterliche Bett gekrochen kommt.

Ein Gutes hat so ein Sommergewitter am Waldrand aber doch, wie das Prinzchen treffend bemerkt hat: „Wenn es so blitzt, kommen ganz sicher keine Räuber. Die können nämlich nicht aus ihren Autos ins Haus kommen, weil sie sonst unter den Bäumen durch müssten und das wäre gefährlich.“

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Kleine Pause

Seien wir doch ehrlich: Trotz aller unvergesslichen Erlebnisse stellen Familienferien die Nerven ganz schön auf die Probe. Oh ja, es ist wunderbar, unbeschwerte Tage mit deinen Liebsten zu verbringen, aber wenn plötzlich alle rund um die Uhr ein gemeinsames Programm haben sollten, wird alles irgendwie,… na ja, sagen wir… kompliziert.

Nach dem gemütlichen Abendessen am Meer noch kurz in den Wald, um ein paar Blaubeeren zu pflücken? „Ich esse nur gewaschene Blaubeeren! Noch nie etwas vom Fuchsbandwurm gehört?“ „Ohne Zeckenspray setze ich keinen Fuss in diesen Wald!“ „Ich möchte aber unbedingt auf den Hochsitz!“ „Und wann sehen wir endlich Elche?“ Es sind natürlich nicht nur die anderen, die sich so aufführen, auch ich trage meinen Teil zum Stimmengewirr bei: „Himmel, kann man denn nicht einmal ein paar Minuten ungestört in den Wald gehen und Beeren sammeln?“

So geht das pausenlos, egal, ob es ums Essen geht, um den Strand, ums Museum oder um den Feierabend. Familientheater ohne Unterbruch, zum Glück mit erstaunlich wenig Streit. Sonst müsste ich am Ende noch die Menschen verstehen, die ihrer Familie nach den Sommerferien den Rücken kehren.

Nun, ich habe keineswegs vor, meiner Familie den Rücken zu kehren, doch ein paar Stunden ohne sie weiss ich dennoch zu schätzen. Darum war ich ganz dankbar, dass ein kaputter Schuh – „Mit diesen kaputten Schuhen kann ich auf gar keinen Fall in den Wald!“ – mich heute Morgen dazu zwang, ins nächst gelegene Einkaufszentrum zu fahren. Ein paar Stunden lang nur ich, meine Gedanken, Georg Friedrich Händel – und Hunderte von Schweden, die sich die Zeit an einem gewitterhaften Sonntag offensichtlich am liebsten mit. Shopping vertreiben.

Na ja, immerhin kann ich getrost weghören, wenn die sich mit ihren Blagen darüber zanken, ob man bei Ikea isst, oder erst später zu Hause.

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Eigenarten

Gehst du nach vier Uhr nachmittags an den Strand, triffst du dort mit ziemlicher Sicherheit keinen einzigen Schweden, denn gegen vier Uhr brechen alle Schweden wie auf ein geheimes Zeichen hin auf und lassen Deutsche, Holländer und Schweizer alleine am Strand zurück. Das ist jeden Tag so, auch samstags.

Egal, wie weit im Nirgendwo du dich auch befinden magst, solange es einen Wegweiser dorthin gibt, wirst du am Ziel auch ein WC finden. In 99% der Fälle ein sauberes.

Wenn ihr mich fragt, haben die Schweden die Briten in Sachen Understatement längst abgehängt. Je grossartiger eine Sache ist, umso bescheidener wird darauf hingewiesen. Du liest irgend eine Beschreibung, suchst verzweifelt, wie du dorthin gelangen könntest und wenn du endlich am Ziel bist, findest du dich in einem Museum wieder, das deine Kinder nie mehr verlassen wollen, weil es so toll ist. Oder in einer kleinen, feinen Kunstausstellung. Oder in einem traumhaften Café. Oder in einem verwunschenen Garten, der einem verschrobenen Künstler gehört. Oder an sonst irgend einem himmlischen Ort, den du beinahe verpasst hättest, weil die Schweden wenig Lärm um viel machen.

Schwedische Kinder brüllen und toben nie, wenn ich zugegen bin. Ich könnte daraus natürlich den voreiligen Schluss ziehen, schwedische Kinder würden gar nie brüllen und toben, weil die das nicht nötig haben, da sie als selbstverständlicher und wichtiger Teil der Gesellschaft akzeptiert sind. Ich ziehe es vor, zu glauben, die schwedischen Kinder hätten sich alle gegen mich verschworen und würden brav wie die Lämmer, sobald ich mich nähere, damit ich mich als miserable Mutter fühle.

Nirgendwo auf der Welt gibt es so ehrliche Lokalpolitiker wie hier. Die verschenken den Kindern Bonbons, die aussen herrlich süss, innen aber abscheulich nach Salmiak schmecken.

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Strandgut

Was so alles zusammenkommt, wenn die zwei jüngsten Vendittis sich eine Stunde lang am Strand tummeln:

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Nur mal schnell, solange ich Empfang habe…

Es gibt sie noch, diese wunderbaren Orte, an denen du keine Möglichkeit hast, ins Internet zu gelangen und so kommt es, dass die virtuelle Welt ein paar Tage lang Ruhe hatte vor diesen quasselnden Vendittis. Sie bekam nichts mit von dem Drama, als in Hamburg eine Menschentraube versuchte, sich in einen winzigen Zug zu zwängen, was dem Zugpersonal die unangenehme Aufgabe bescherte, diejenigen wieder rauszuwerfen, die nicht reserviert hatten (Wir hatten reserviert und konnten trotzdem nicht alle sitzen.). Sie blieb verschont vor meinem Gejammer, als wir mit Sack und Pack auf die Fähre umsteigen mussten, weil der Zug „aus technischen Gründen“ nicht auf die Fähre fahren konnte. Sie musste sich auch nicht anhören, wie ich in Kopenhagen die Zicke der Autovermietung ankeifte, weil sie unseren im Voraus bezahlten Wagen nicht rausrücken wollte und unseren Ferien damit beinahe ein frühzeitiges Ende bescherte. Gut also, dass ich erst jetzt von diesen Dingen berichten kann, wo sie beinahe schon vergessen sind und mein Ärger verflogen ist.

Die virtuelle Welt bekam aber auch nichts von meinen Schwärmereien zu hören. Kein Lobgesang auf das „Blå Huset“, das so abgeschieden auf einer Wiese steht, umgeben von Blumen und Bäumen und uns die Ruhe bietet, die wir gesucht haben. Kein Schwelgen in „Kräm“, „Fil“, „Blåbärssoppa“ und „Polarbröd“. Keine schönen Worte über Öland, die Nächte, die noch immer hell sind, über das Rauschen des Windes in den Bäumen, über das Meer, das sich hier so unaufgeregt aufführt, als wäre es ein ganz gewöhnlicher See.

Die virtuelle Welt wird nicht ärmer, wenn sie von all dem nichts erfährt und ausnahmsweise kann auch ich ganz gut damit leben, nicht immer gleich über alles zu schreiben. Zumindest, solange ich keinen Empfang habe…

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Warum wir uns das antun

Jetzt ist er also da, der Moment, in dem man sich fragt, weshalb man sich das alles antut. Dem Haus-, Tier- und Gartensitter letzte Infos weitergeben, Gepäck schleppen, auf dem Bahnperron Brötchen belegen, Passagiere von unseren Sitzplätzen vertreiben, endlose Stunden mit leicht schmuddeligen jungen Erwachsenen, die hoffentlich im Laufe der Nacht nicht angeheitert werden, einen schlecht gekühlten Zugwaggon teilen, die Kinder in Schach halten, damit sie den Mitreisenden nicht auf die Nerven fallen, im Zugklo die Zähne putzen und dabei aufpassen, keiner die Zahnbürste aus lauter Gewohnheit unter den Wasserhahn hält…

Die Frage, ob sich der Aufwand lohnt, stellt man sich immer nur auf der Hinreise. Auf der Heimreise weiss man gewöhnlich, wie wertvoll es war, wegzugehen. Sogar dann, wenn nicht alles so schön wird, wie man es sich erträumt hat, wird man Jahre später noch von den Dingen reden, die man zusammen erlebt hat. Familienfeiern sind für uns die einzige Gelegenheit, mal nur unter uns zu sein, keine Pflichten, kein Alltagskram, keine Ablenkungen – einfach nur wir sieben mit all unseren Stärken und Macken. Dass das ein paar Nerven kostet, nehmen wir gerne in Kauf.

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Fast schon reisefertig

Nach drei Tagen Dauerlesen habe ich heute mal einen Moment lang von meiner Sommerlektüre aufgeblickt und mit Erstaunen festgestellt, dass wir morgen in die Ferien fahren. Irgendwie eigenartig, eben war doch noch Februar und wir überlegten uns, ob wir dieses Jahr überhaupt Ferien machen und wenn ja, wie lange und wo. Und jetzt plötzlich sollten wir bereit sein, damit wir morgen Abend den Zug nicht verpassen. Na dann, lese ich halt in Schweden weiter und erledige, was vor den Sommerferien so alles erledigt sein will:

  • Steuererklärung ausfüllen: Ja, ihr lieben Streber, ich weiss, dass die schon Ende März fällig gewesen wäre, aber da war gerade der Drucker kaputt und als wir endlich wieder einen Drucker hatten, konnte ich mein Handy nicht mehr finden, das mir Zugang zum Online-Banking verschafft hätte, wo ich einen Kontoauszug hätte finden müssen und dann musste auch noch ein Beleg von der Krankenkasse her, den sie dir ja heute auch nicht mehr ins Haus liefern. „Vor den Ferien muss die Steuererklärung vom Tisch“, sagte ich irgendwann resolut, denn sonst werfen sie uns am Ende noch vor, Ferien würden wir uns leisten, aber Steuern zahlen würden wir nicht und weil heute der letzte Tag vor den Ferien ist, habe ich mich eben durch die Papiere gequält. 
  • Katzenfutter anschleppen: Ich hoffe wirklich, die 100 Portionen Nassfutter und die 2 Kilo Trockenfutter reichen für die gefrässige Bande. Vielleicht hätte ich doch besser auf „Meinen“ gehört, der vorgeschlagen hatte, die Kätzchen noch vor den Ferien zu ihren neuen Besitzern umziehen zu lassen. Aber die neuen Besitzer sind wohl ohnehin alle noch alle in den Ferien….
  • Spielkarten basteln: Man wird es nicht für möglich halten, aber ich habe doch tatsächlich ein Kartenspiel für die Zugreise gebastelt. Die Kinder mussten mir nur etwa drei Jahre in den Ohren liegen, bis ich mich endlich dazu durchringen konnte. Nun ja, ich war schon mehrmals drauf und dran, die Sache in Angriff zu nehmen, aber dann fehlte mir wieder die Zeit und als ich endlich Zeit hatte, war der Drucker kaputt (Wie ihr seht, liebe Steuerbehörden, seid ihr nicht die Einzigen, die warten mussten). Jetzt also sind die „Hallo Karlsson“-Karten endlich fertig und hätte „Meiner“ sie nicht so furchtbar schief ausgeschnitten, wäre ich schon fast in Versuchung, auf meine Leistung stolz zu sein.
  • Schwiegermama meinen Garten gezeigt: „Konnte das nicht bis nach den Ferien warten?“, fragt ihr. Nein, konnte es nicht, denn bis Schwiegermama das nächste Mal zu Besuch kommt, befindet sich mein Garten schon längst im Winterschlaf. 
  • Mir den Kopf zerbrochen, ob ich dem Vermieter unseres Ferienhauses unsere Ankunftszeit auf schwedisch mitteilen soll, oder ob ich mich damit vollkommen lächerlich mache. 
  • Mit Karlsson Vorabendfernsehen geschaut: Fragt mich nicht, wie der junge Mann plötzlich auf die Idee kommt, fernsehen zu wollen, aber er wollte. Unbedingt. Weil er ja nie fernsehen darf. Und weil ich fest davon ausgehe, dass dieser Spleen nach zwei Wochen Schweden wieder vorbei sein wird, habe ich eben mitgeschaut. Der Junge weiss doch gar nicht, wie man den Fernseher bedient, wo er doch nie schauen darf…
  • „Meinem“ gesagt, wen er noch alles anrufen muss bevor wir verreisen, was wir auf gar keinen Fall zu Hause lassen dürfen, wo vor noch Ordnung machen sollten, was es noch einzukaufen gibt und welches Essen für die Hinreise vorgesehen ist. Ich hoffe mal, er hat verstanden und macht sich an die Arbeit. Irgend einer muss sich ja um diesen Kleinkram kümmern. 

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Der männliche Teenager während der Schulferien

Morgens schläft er meist sehr lange aus, was durchaus angenehm ist, wenn du kein bestimmtes Tagesprogramm vorgesehen hast und ganz froh bist, wenn du den Tag in Ruhe angehen kannst. Irgendwann – meist wenn du dich gerade der Zeitungslektüre zugewendet hast oder mit „Deinem“ gemütlich frühstücken möchtest – kommt er angeschlurft, verschlafen, aber ausserordentlich gut gelaunt. Er schnappt sich ein Frühstück, setzt sich zu dir an den Tisch und fängt an, Nonsens von sich zu geben. Zugegeben, dieser Nonsens ist ganz amüsant, doch leider verträgt er sich schlecht mit der vertieften Analyse der politischen Landschaft, die du gerade lesen möchtest. Nachdem der Magen gefüllt ist, verzieht sich der Teenager wieder in sein Zimmer. Wenn du Glück hast, stellt er vorhin noch sein schmutziges Frühstücksgeschirr in die Küche. Hast du Pech, tut er es nicht und du musst ihn herbeizitieren, was meist zu einer kleinen Meinungsverschiedenheit führt.

Erst gegen ein Uhr bekommst du den Teenager wieder zu Gesicht. Er steckt noch immer im Pyjama und will wissen, was es zum Mittagessen gibt. „Na ja, ich dachte, weil du erst gerade gefrühstückt hast…“ „Aber ich hab Hunger!“, unterbricht er dich und mit seiner Hilfe bringst du irgend etwas auf den Tisch, was nicht zu viel Arbeit macht. Nach dem Mittagessen verschwindet er wieder in seinem Zimmer, das er erst am späten Nachmittag wieder verlässt, noch immer im Pyjama. Wenn er Pech hat, läuft er „Deinem“ in die Arme, der findet, a) solle sich der Teenager endlich anziehen und b) könne er sich doch ein wenig nützlich machen, wo er doch ganz offensichtlich nichts zu tun habe. Der Teenager ist entrüstet, dass da einer versucht, seine heilige Freizeit anzutasten und verschwindet wieder auf seinem Zimmer, im schlimmsten Fall unter Türeknallen.

Dort bleibt er genau so lange, bis du glaubst, du könnest jetzt die Küche für heute schliessen und allmählich an den Feierabend denken. Dann kommt der Teenager runter, frisch geduscht und sauber angezogen. Zuerst schmiert er sich ein paar Brote, vergisst die Krümel und fragt, ob man heute vielleicht auch mal was mache. Was er denn machen wolle, fragst du und gähnst. „Weiss nicht. Einen Film schauen, vielleicht“, kommt die Antwort. Die nächsten 45 Minuten verbringt der Teenager damit, den perfekten Film zu finden, dann, so gegen zehn Uhr, wirft er sich mit ein paar Katzen aufs Sofa und fragt: „Wollt ihr auch mitschauen?“ Du sagst nein, „Deiner“ sagt ja und du begreifst, dass ein Teenager im Haus die eheliche Zweisamkeit weit mehr gefährdet als die fünf sehr kleinen und kleinen Kinder, die du vor ein paar Jahren noch zu betreuen hattest.

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Balkontomaten

Heute zwischen ganz viel Nichtstun – lesen, ab und zu ein paar Abschnitte schreiben, „Meinem“ und den Kindern auf die Nerven fallen, mit meinen Tomaten quatschen und schlafen – ist mir aufgefallen, dass meine diesjährige Balkonbepflanzung ganz gut geraten ist. Dabei war es eine reine Verzweiflungstat, weil ich im Mai noch so viele Setzlinge hatte, die ich nicht sterben lassen wollte, auf unserem altersschwachen Balkon aber nicht in schweren Töpfen unterbringen konnte. Weil gerade ein grosses Stück dickes Vlies herumlag und ich ein oder zwei Sack Erde übrig hatte, wagte ich den Versuch: Das Balkongeländer, das für Blumenkistchen vorgesehen wäre, mit Vlies ausgelegt, Erde eingefüllt und Tomaten gepflanzt. Nach einiger Zeit zeigte sich, dass die Pflänzchen dort ganz gut gedeihen und weil inzwischen die ersten Tomaten reifen, wage ich, so zu tun als wäre ich eines jener Garten-Genies, die anderen sagen können, wie sie mit wenig Aufwand viel Ertrag bekommen. 

Na ja, solange es hell ist, sieht das Ganze nicht so spektakulär aus, aber wenn ihr jetzt sehen könntet, wie das nachts aussieht, wenn die Vögel leuchten, die mir im schwedischen Möbelhaus zugeflogen sind, dann würdet ihr jetzt ganz bestimmt ein wenig neidisch. Und wenn „Meiner“, der hier für das Fotografieren zuständig ist, meine schönste orangefarbene Tomate ins Bild gekriegt hätte, würde euch jetzt das Wasser im Munde zusammenlaufen. 

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