Fleischgelüste

Hätte ich nein sagen sollen? Ich meine, die Chance, dass ich als Vegetarierin die perfekte Pastete mit Sülze und allem drum und dran hinkriege, ist gering. Alleine schon vor der Auswahl des Fleisches graut mir, geschweige denn vor dem Moment, wenn das Zeug aus dem Fleischwolf quillt. Ach ja, und dann muss ich für die Kamine auch noch Alufolie anschaffen, etwas, was in meiner Küche gewöhnlich absolut nichts zu suchen hat. Und wenn das Ding in sich zusammenfällt? Dann stehe ich einmal mehr da wie der letzte Idiot.

Aber wie hätte ich nein sagen sollen, wo es doch ein Geburtstagswunsch ist? Karlsson wird nur einmal zwölf und wer garantiert mir, dass er nicht plötzlich über Nacht zu einem Fast Food – verschlingenden Monstrum mutiert? Wer fordert mich dann noch heraus, zu kochen, was ich nie im Leben essen würde? Vielleicht ist dies die Gelegenheit, um aller Welt zu beweisen, dass auch ich am Bravourstück Fleischpastete scheitere.

Und was die Ekelgefühle angeht: Schlimmer als bei der Leberpastete – ohne Teig und Sülze -, die sich Karlsson in den vergangenen Jahren gewünscht hatte, kann es ja wohl nicht sein. Immerhin ist Geflügelfleisch nicht ganz so eklig anzusehen wie die Leber, die ich an den letzten drei Karlsson-Geburtstagen durch den Fleischwolf drehen musste.

Ich denke, ich nehme die Herausforderung an. Vielleicht aber sollte ich mich allmählich anschicken, Karlssons schlechtes Gewissen zu trainieren. Damit ich ihm dereinst, wenn er mich ins Altersheim abschieben will, sagen kann: „Wie kannst du mir so etwas antun? Wo ich dir doch Jahr für Jahr mit grosser Liebe und viel Ekel die widerlichsten Schweinereien zum Geburtstag serviert habe.“

20121115-141716.jpg

Natürlich verstehe ich das

Natürlich hat Karlsson ein Recht darauf, seinen Geburtstag mit ein paar Freunden zu feiern und wenn er möchte, dass die Freunde bei ihm übernachten dürfen, habe ich volles Verständnis dafür. Ich kann aber auch sehr gut nachvollziehen, dass „Meiner“ bei diesem Anlass lieber nicht dabei wäre, weil er den Betrieb nicht ertragen kann. Und selbstverständlich haben die kleinen Geschwister ein Anrecht darauf, bei dem ganzen Spass dabei zu sein.

Aber klar sollen das Prinzchen, der Zoowärter und der FeuerwehrRitterRömerPirat auch bei schlechtem Wetter wilde Spiele spielen dürfen, also drinnen. Auch dass Luise gleichzeitig ungestört an ihren Hausaufgaben arbeiten will, kann ich bestens nachvollziehen. Und natürlich soll „Meiner“ jederzeit schlafen können, wenn er Erholung braucht.

Es freut mich, dass „Meiner“ wieder Lust zum Malen hat und mich darum in den Baumarkt schickt, um neue Malunterlagen zu kaufen. Es ist rührend, dass sich Luise und der Zoowärter jetzt auch Selbstgestricktes von mir wünschen und dass Karlsson von seinem werdenden Pullunder so hingerissen ist, dass er von mir lernen will, wie man Zopfmuster strickt. Toll, dass der FeuerwehrRitterRömerPirat jetzt schon weiss, was er unter dem Tannenbaum finden will und natürlich habe ich gar nichts dagegen einzuwenden, dass das Prinzchen meine Hilfe beim Puzzeln möchte.

Selbstverständlich darf Luise in unserem Zimmer schlafen, wenn nachts die Angst angeschlichen kommt. Wenn der Zoowärter plötzlich Monster unter seinem Bett entdeckt, soll er eben auch zu uns kommen und wenn sich der FeuerwehrRitterRömerPirat deswegen einsam fühlt, rücken wir eben noch etwas näher zusammen, auch wenn der Schlaf dadurch gestört wird. Notfalls haben wir ja noch ein Sofa.

Jedes dieser Bedürfnisse ist gerechtfertigt, jeder Wunsch verständlich. Bloss, wie ich all dem in diesen Tagen gerecht werden soll, ist mir ein grosses Rätsel.

20121113-212658.jpg

Sechzehn einfache Schritte zur eigenen Sauna

1. Sauna geschenkt bekommen, sich riesig über das Geschenk freuen und die Elemente in der Garage zwischenlagern, bis die Zeit reif ist, nicht alleine an Erholung zu denken, sondern auch etwas dafür zu tun.

2. Fünfzehn Monate später: Sauna-Elemente mit zornesrotem Kopf vor die Haustüre schleppen, damit „Meiner“ endlich glaubt, dass es mir Ernst ist mit Wellness im eigenen Keller.

3. Einen Samstag lang für genügend Essen und Getränke sorgen, damit „Meiner“ und mein Bruder beim Aufbau nicht verhungern und verdursten.

4. Erkennen, dass sich die Saunatüre nicht öffnen lässt, wenn der Waschtrog im Wege steht. Vier Monate warten, bis „Meiner“ Zeit findet, den Trog umzuhängen.

5. Schüchtern nachfragen, ob der Elektriker in der Verwandtschaft eventuell einmal in nicht allzu ferner Zukunft und natürlich nur, wenn es ihm auch Freude macht und selbstverständlich als ganz gewöhnlicher Auftrag ohne Verwandtenrabatt, die Stromversorgung einrichten könnte.

6. Sich auf einen entspannenden Saunaabend freuen und dann feststellen, dass noch die Saunasteine fehlen.

7. Das Internet nach Lieferanten für Saunasteine durchforsten. Eine Liste erstellen mit allen Baumärkten in der Gegend, die in Frage kommen.

8. Beim ersten – und grössten – Baumarkt erfahren, dass das „umfassende Sauna- und Wellnessangebot“ aus einigen Holzkesseln, einer Massagebürste und zwei oder drei verschiedenen Aufguss-Düften besteht. Ach ja, einen Whirlpool für nur 4999.90 hätte es auch noch gehabt, aber uns fehlte gerade das nötige Kleingeld. Die Saunasteine waren „leider alle schon ausverkauft“, wie man uns beschied, als wir es endlich schafften, uns todesmutig einem rasenden Mitarbeiter in den Weg zu stellen, um ihn zu fragen.

9. Beim zweiten Baumarkt – der mit dem „breitgefächerten Angebot an Sauna- und Infrarot-Kabinen“ – feststellen, dass es wohl feuerfeste Dekosteine für den Holzofen gibt, nicht aber Saunasteine. Der Versuch, zu fragen, ob diese auch für die Sauna geeignet wären scheiterte daran, dass sich die Mitarbeiter aus lauter Angst vor den Kunden hinter Türen mit der Aufschrift „Zutritt nur für Personal“ flüchteten, sobald man sich ihnen auf zehn Schritte näherte.

10. Beim dritten Baumarkt schiefe Blicke ernten, weil man jeden Sack mit Steinen ganz genau mustert und dann doch ohne Steine aus dem Laden geht.

11. Beim vierten Baumarkt – einer grösseren Filiale von Baumarkt Nummer zwei – erfahren, dass man bis vor einem Jahr noch ein grosses Sauna-Sortiment hatte, jetzt aber leider gar nichts mehr anbietet.

12. Auf der Heimfahrt rätseln, ob man vielleicht doch noch bei Baumarkt Nummer fünf vorbeischauen soll, weil er ja gerade am Weg liegt. „Aber einen Einkaufswagen nehmen wir nicht. Die werden ja ohnehin keine Steine haben“, entscheide ich, als wir schliesslich mit wenig Hoffnung auf Erfolg vor dem Eingang stehen.

13. Drei Minuten später zum Eingang hetzen, um einen Einkaufswagen zu holen, währenddem ein Kind die letzten vier Kartons mit Saunasteinen bewacht, damit sie uns keiner wegschnappt.

14. Saumässig viel bezahlen für vierzig Kilo ganz banale Steine, aber nach dieser Odyssee spielt der Preis keine Rolle mehr.

15. Wieder zu Hause, die Steine in den Keller schleppen, den Ofen auffüllen und hoffen, dass die fünf kleinen Vendittis abends um halb sieben darum betteln, ins Bett gehen zu dürfen, weil sie sooooooooo müde sind.

16. Saunadüfte, die seit einer Ewigkeit auf dem Schrank darauf warten, gebraucht zu werden, von Staub und Spinnweben befreien und hoffen, dass sie nach all den Monaten noch duften.

20121112-143631.jpg

Windstille

Karlsson, Luise und der FeuerwehrRitterRömerPirat in der Schule, der Zoowärter im Kindergarten und das Prinzchen in der Krippe. Die nasse Wäsche ist aufgehängt, Geschirrspüler und Waschmaschine laufen, die Wohnung ist aufgeräumter als gewöhnlich. Von draussen die üblichen Alltagsgeräusche, drinnen einzig das Ticken der Uhr und das Schnurren der Katzen. Zwei Stunden noch bis das Mittagessen auf dem Tisch stehen muss, bis dahin einfach nur Ruhe.

Diese heiligen Zeiten der absoluten Windstille gäbe es nicht, hätten nicht Herbststürme unser Leben durcheinander gewirbelt. Ich bin unendlich dankbar für diese Momente, ich bin aber ebenso dankbar, dass unser Leben nicht immer so still ist wie oben beschrieben.

20121110-235248.jpg

Ganz der Papa

Nein, Helena und der Zoowärter haben noch immer keinen Termin für ein Treffen gefunden. Davon geredet haben sie zwar schon oft, aber meist scheitert es daran, dass bei Helena keiner das Telefon abnimmt, wenn der Zoowärter anrufen will. Das Mädchen ist wohl einfach zu beschäftigt. Kein Grund für den Zoowärter, Trübsal zu blasen. Es gibt ja noch andere Mädchen. Joanna, zum Beispiel, mit der man es immer so lustig hat. Oder Matilda, mit der er diese Woche schon dreimal gespielt hat und die er morgen schon wieder einladen will.
Ganz klar, der Zoowärter liebt Mädchen. Er, der mit seinen Freunden und Brüdern so laut und wild ist, zeigt sich bei seinen Freundinnen von der sanften, verspielten Seite. Da wird gemalt, gebastelt und Schule gespielt. Für Matilda darf es kein gewöhnliches Zvieri sein, da muss ein bunter Früchteteller her. Neben Matilda stürmt man auch nicht einfach achtlos die Treppe hoch, sonst könnte sie am Ende noch hinfallen. Vor allem aber will er sich ungestört mit ihr unterhalten können. „Prinzchen, sei nicht immer so laut“, heisst es dann. „Matilda und ich können bei diesem Lärm gar nicht miteinander reden.“
Ich kenne einen Mann, der genau auf diese Weise das Herz seiner heutigen Frau erobert hat und mir scheint, dass der Zoowärter diesem Mann nicht nur sehr ähnlich sieht, sondern dass er auch seine Art geerbt hat.

Eingescannt

Natürlich musste ich die Sache mit dem Self-Scanning sogleich ausprobieren, als ich erfuhr, dass jetzt auch mein Detailhändler das System anbietet. Als leidenschaftliche Futtersammlerin muss ich mitreden können, wenn beim nächsten Kaffeeklatsch die Rede auf den Einkauf mit dem Handscanner kommt. Nicht, dass ich oft mit Frauen zusammenkomme, die über nichts anderes als Einkauf, Trockenwerden und Putzmittel reden, aber man sollte zumindest vorbereitet sein. Jetzt also könnte ich mitreden, wenn ich denn müsste, also tue ich es.

Self-Scanning beim Zwischendurch-Einkauf, das geht. Ist zwar langweilig, aber es erinnert mich an meinen Studentenjob an der Kasse, als ich die Chef-Verkäuferin beeindruckte, weil ich fast so schnell scannte wie die Profis. Einer meiner grössten beruflichen Erfolge…

Self-Scanning und Wocheneinkauf geht zwar auch, wird aber schon deutlich schwieriger. Wie soll man sinnvoll einpacken können – Schweres und Hartes unten, Leichtes und Weiches oben -, wenn alles sogleich in die Einkaufstaschen wandert, zuerst die Kakis und erst viel später die Milchflaschen? Aber eben, es geht. Zumindest, wenn man den Verstand nicht vollends ausschaltet, was man beim Einkauf ohnehin nie tun sollte, sonst weiss man zu Hause nicht mehr, weshalb man auf die hirnverbrannte Idee gekommen ist, Trüffelöl zu kaufen, wo doch ausser Karlsson keiner von uns Trüffel mag.

Self-Scanning und FeuerwehrRitterRömerPirat ist geradezu erholsam. Vor lauter scannen vergisst der Junge, Süssigkeiten und Spielsachen zu betteln. Vielleicht spürt er auch einfach, dass betteln jetzt noch zweckloser ist als gewöhnlich. Wenn man zwischendurch mal kurz nachschauen kann, wie viel Geld man am Ende ausgeben wird, wird das Neinsagen so viel einfacher.

Was aber auf gar keinen Fall geht: Self-Scanning und Prinzchen. Mal löscht er mir die eben eingescannten Artikel, dann wieder setzt er mir fröhlich ein paar zusätzliche Raclette-Käse auf die Rechnung, weil es so viel Spass macht, die Plus-Taste zu drücken. Hin und wieder fällt das Gerät zu Boden, weil er es nicht mehr aus den Händen geben will und beim Bezahlen kommt das Geschrei, weil wir nicht bei der Kinderkasse mit dem Treppchen anstehen, sondern bei einer dieser kühl wirkenden Bezahlstationen.

Mag sein, dass ich hie und da wieder zum Scanner greifen werde, aber solange die Bezahlstation nicht mehr zu mir sagt als „Akzeptieren Sie die allgemeinen Geschäftsbedingungen“ und „Geben Sie Ihren PIN-Code bitte verdeckt ein“, wird sich das System bei mir nicht durchsetzen. Ein Grosseinkauf ohne Schwatz mit der Kassiererin ist nichts für mich.

Mama schläft (nie so ganz)

Zwölf lange Jahre habe ich trainiert, beim Mittagsschlaf nie so tief wegzutauchen, dass man direkt neben mir das Haus in Brand stecken könnte. Oh ja, ich habe einige kleinere Katastrophen verschlafen – Bad unter Wasser, Fingerfarbenschmierereien und dergleichen -, aber wenn es wirklich gefährlich zu werden drohte, weckte mich mein mütterliches Alarmsystem immer rechtzeitig. Ich glaube, die Kinder haben inzwischen begriffen, dass es sich nicht lohnt, grosse Dummheiten anzustellen, weil Mama Venditti auch im Schlaf kaum etwas entgeht.

„Meiner“ hingegen glaubte bis heute Nachmittag noch allen Ernstes, er könne tun, was der Arzt verboten hat, bloss weil ich gerade im Land der nachmittäglichen Albträume unterwegs war. Aber wenn ich mitten in meinen Albträumen die Satzfetzen „nur kurz nach Olten“, „Mama schläft ja noch“ und „geht schon mal zum Auto“ höre, dann bin ich aus dem Bett, bevor ich ganz wach geworden bin. Da will der gute Mann doch tatsächlich für einen Besuch im Brockenhaus sein Leben aufs Spiel setzen, bloss weil ihm die Decke auf den Kopf fällt, wenn er wochenlang zu Hause bleiben muss. Dass ihm die Decke auf den Kopf fällt, kann ich ja nur zu gut verstehen, aber mit heftigem Schwindel, übermässiger Lärmempfindlichkeit und Gleichgewichtsstörungen setzt man sich nun mal nicht ans Steuer. Schon gar nicht mit zwei Kindern auf der Rückbank.

Und so bekam „Meiner“ eben zu hören, was jeder zu hören bekommt, der meinen Mittagsschlaf stört: „Kann man sich denn in diesem Haus nicht mal ein halbes Stündchen hinlegen, ohne dass einer auf dumme Gedanken kommt?“

20121106-204553.jpg

Gute alte Bestechung

Irgendwann ist genug herumgebrüllt, gedroht, gebettelt, an den Verstand – oder gar an das Mitgefühl für die arme, übermüdete Mama- appelliert. Irgendwann hilft nur noch eins,  nämlich Bestechung. Nun ja, so offen gibt das kaum einer zu, aber machen wir uns nichts vor: Wer für zehn Einheiten Wohlverhalten einen Hallenbadbesuch, für zwanzig Einheiten Wohlverhalten einen Museumsbesuch und für dreissig Einheiten Wohlverhalten eine Überraschung verspricht, besticht seine Kinder. 

Oh ja, Belohnungssysteme sind äusserst wirksam. Das beweisen die zahlreichen Kundenkarten, die wir allzeit griffbereit halten. Egal wie klein der Gewinn, wenn man uns eine Belohnung in Aussicht stellt, müssen wir sie haben und zwar so schnell als möglich. Bei den Kindern ist dies nicht anders und so tun sie für ein paar Wochen brav das, was wir uns von ihnen wünschen. Kaum aber sind die Belohnungen eingesackt, ist der alte Schlendrian zurück.

Warum also gestalte ich dennoch für jedes Kind seinen eigenen Plan mit individuell formulierten Zielen? Ich tue es, weil ich eine Verschnaufpause brauche. Weil das Gezerre um jede kleinste Gefälligkeit zu viele Nerven kostet. Weil ich Zeit gewinnen will, um mir Gedanken zu machen, wie wir die Kinder wieder besser begleiten sollen, damit wir in Zukunft auf die billige Bestechung verzichten können.    

A ram sam sam

Das Prinzchen hat’s in der Krippe gelernt und singt es andauernd.

Der Zoowärter hat’s im Kindergarten gelernt und singt es ebenfalls andauernd.

Der FeuerwehrRitterRömerPirat hat es von den kleinen Brüdern gelernt und probiert aus, wie viel schneller es noch geht.

Luise muss es auf der Querflöte üben.

Karlsson klimpert es auf dem Klavier, weil er Luise begleiten möchte.

Ich frage mich, ob denn keiner an die armen Mütter denkt, die pausenlos das gleiche banale Liedchen hören müssen.

20121104-213240.jpg

Window-Shopping

Endlich weiss ich, was mich in diesen Tagen fast zur Verzweiflung bringt. Es ist meine Projektlosigkeit, die mir die Lebensfreude raubt. So viele Möglichkeiten und so wenig Energie. Ich fühle mich wie ein London-Tourist, der bis auf ein paar Pfund alles für kitschige Royals-Souvenirs ausgegeben hat und nun mit sehnsüchtigen Blicken vor den Schaufenstern von Selfridges steht.

„Wow, beeindruckend, dieser Käser-Lehrgang! Den nähme ich sofort. Wenn der bloss nicht so zeitintensiv wäre. Aber vielleicht dieser Fünftageworkshop? Ist zwar nicht die ganz grosse Sache, aber mit etwas gutem Willen würde ich es vielleicht hinkriegen? Mist, da steht, dass man zuerst einen Basiskurs in Milchverarbeitung machen muss und das dauert ja auch wieder seine Zeit. Wird wohl nichts daraus… Aber dort hinten, diese niedliche, kleine Tauschbörse für Hausgemachtes. Kostet gar nicht so viel, ein paar Anrufe, ein bisschen Werbung auf Facebbook, zwei oder drei motivierte Freundinnen… Ich glaube, das könnte ich noch zusammenkratzen… Bloss, wer kümmert sich dann um die Kinder? Und was, wenn alles, was keinen Abnehmer findet, bei mir liegen bleibt? Und wenn sich alle aus dem Staub machen, bevor aufgeräumt ist. Wird wohl doch nichts draus… Aber es wäre doch soooooo niedlich….“

„Das dort drüben ist der absolute Hammer! Ein umwerfendes Buchprojekt, das nehme ich, koste es, was es wolle… Äääähm, okay, an die durchwachten Nächte habe ich dabei natürlich nicht gedacht und die freien Stunden für ungestörtes Arbeiten… Na ja, wenn ich mich ein wenig anstrengen würde, könnte es klappen… Aber mir brummt noch der Schädel von der letzten schlaflosen Nacht und da habe ich nicht mal geschrieben. Ist wohl doch noch etwas zu früh für grosse Schreibereien… Aber dieses sensationelle Ablagesystem für gute Ideen, das kann ich mir vielleicht leisten. Wie, dazu müsste ich mein Büro auf Vordermann bringen? Wo ich doch gerade so knapp meinen Haushalt schaffe, wenn „Meiner“ mehrheitlich ausfällt… Wird wohl auch nichts draus. Zumindest noch nicht jetzt.“

‚Ha, aber das dort drüben, das muss einfach klappen. Das Kätzchen, das sich Karlsson zum Geburtstag wünscht, das muss doch einfach drin liegen. Wo zwei Katzen sich wohl fühlen, wird auch eine dritte glücklich sein. Ach so, ja, die zwei müssten Nummer drei auch noch akzeptieren. Und wenn Leone oder Henrietta dies nicht täten? Würde dann eine davon sich aus dem Staub machen? Die Kinder würden das Karlsson und mir nie verzeihen… Aber es wäre doch so tröstlich, etwas Kleines, Lebendiges zu haben…. Nein! Auf gar keinen Fall hinschauen! Du weisst, dass das nicht in Frage kommt…Nun ja, ein einziger, verstohlener Blick wird wohl nicht schaden…es ist ja nur ein Blick… Mist! Jetzt hat es mich schon wieder erwischt, dabei weiss ich doch ganz genau, dass das auf gar keinen Fall drin liegt. Ob es vielleicht eine Nummer kleiner ginge? Ein Tageskind vielleicht, nur ein paar Stunden pro Woche, vielleicht auch nur ein oder zweimal im Monat… Ach, vergiss es, du weisst genau, dass das weder für das Kind noch für dich gut wäre…“

„Dann machen wir eben eine Reise. Einfach mal weg aus dem ganzen Trott, Neues erkunden, Vergangenes hinter sich lassen, neue Lebensperspektiven gewinnen… Nun gut, zuerst müsste „Meiner“ mal wieder auf die Füsse kommen. Und dann müsste man schauen, wie das mit der Schule zu lösen wäre. Ach so, ja, die Finanzen… Vergessen wir das Ganze gleich wieder…“

So stehe ich da, bewundere die Auslage und denke, dass ich wohl erst einmal sparen muss, ehe wieder an Projekte zu denken ist. Aber ich weiss schon, was ich mir als erstes anschaffe, wenn es dann soweit ist. Bis dahin stricke ich mal an Karlssons Pullunder weiter. Ist ja auch eine Art Projekt…

20121103-105051.jpg