Zehn Dinge, die dir heutzutage keiner mehr verzeiht

1. Du kommst zu spät, weil du dich verfahren hast. „Was um Himmels Willen ist bloss passiert? Ist Ihr GPS ausgestiegen? Wie? Sie haben kein GPS?“

2. Du erziehst dein Kind einsprachig, obschon du es zweisprachig hättest erziehen können.

3. Du gibst einem Bettler einen Zweifränkler, obschon er dir nicht die nötigen Dokumente vorlegen kann, die belegen, dass er alles Menschenmögliche unternommen hat, um aus eigener Kraft wieder zu einem voll funktionstüchtigen Mitglied der Gesellschaft zu werden.

4. Du lässt dir ganze zwei Stunden Zeit, um eine Mail zu beantworten.

5. Du wagst es, offen dazu zu stehen, dass dir Grammatik etwas bedeutet.

6. Du rennst nicht zum Therapeuten, obschon dein Kind nun schon zum dritten Mal in diesem Jahr das Bett genässt hat.

7. Du erdreistest dich, über eine Idee laut nachzudenken, bevor du dazu ein zwölfseitiges Konzept, einen umfangreichen Businessplan und eine ansprechende Power Point Präsentation erarbeitet hast.

8. Du mutest deinem Haustier zu, dass es Dinge, die seine Artgenossen während Jahrtausenden ohne menschliche Hilfe getan haben, weiterhin selber tut, obschon es heutzutage doch so viele interessante Möglichkeiten gäbe, das Tier vom Menschen abhängiger zu machen.

9. Du vertrittst allen Ernstes die Meinung, dass auch Menschen, die nicht in der Schweiz geboren worden sind, das Recht haben, sich nach einem besseren Leben zu sehnen. Ja, du wagst es gar, daran zu erinnern, dass vor gar nicht allzu langer Zeit Wirtschaftsflüchtlinge aus unserem Land ausgezogen sind, um andernorts ihr Glück zu suchen.

10. Die grösste aller Sünden: Du bist nicht erreichbar, weil du das Haus ohne funktionstüchtiges Handy verlassen hast.

 

Fotoromanzo

Nach einem himmeltraurigen Regensamstag voller Missgeschicke zum Tagesabschluss eine herzerwärmende Foto-Lovestory:

Die Hauptdarsteller:

Bio-Milch und vegetarisches Lab &  

Dass die zwei zusammenkommen mussten, war natürlich schon von Anbeginn klar, doch wie so oft in der Liebe, ging es auch hier nicht ohne einige hitzige Phasen…

 

… Zerreissproben…

 

…  und schmerzhafte Veränderungsprozesse.

 

Schliesslich aber fanden die beiden zueinander…

 

und am Ende vermählten sie sich zu einer zart schmelzenden Burrata:

 

Und wenn sie „Meiner“ inzwischen nicht verspeist hat, schwelgen sie noch immer in ihrer himmlischen Zweisamkeit.

 

Basiskurs

Ich bin verzweifelt auf der Suche nach einem Weiterbildungsangebot und weil ich bis anhin nicht fündig geworden bin, hier meine Vorstellung, wie der Kurs aussehen sollte:

Teenie-Mama, Basiskurs
Zielgruppe: Einsteigerinnen im Bereich Teenagerkunde
Kursziel: In neun einfachen Schritten von der blutigen Anfängerin zur halbwegs kompetenten Teenie-Mama

Schritt 1
Was ist noch kindlich und was ist bereits pubertär? Mithilfe eines umfassenden Tests erörtern wir, ob Ihr Kind das kritische Alter bereits erreicht hat.

Schritt 2
Einführung in die Teenagerkunde: Wir lernen die unverzichtbaren Gadgets kennen und haben die Gelegenheit, diese auszuprobieren. Wir lernen den Unterschied zwischen „cool“ und „Vergiss es, Mama!“ kennen. Ausserdem befassen wir mit unseren eigenen falschen Vorstellungen, dass wir die Teenager verstehen könnten, weil wir selber mal welche waren.

Schritt 3
Intensivtraining in Reaktionsvermögen. Lernen Sie, den Stimmungsumschwung vorauszuahnen, damit Sie nicht jedes Mal wie ein begossener Pudel dastehen, wenn ihr Teenager sich vom sanften Lämmchen zur wütenden Furie und wieder zurück wandelt.

Schritt 4
Heute dreht sich alles um die Musik. Wir führen Sie ein in die hochstehende Welt der brandaktuellen Teenie-Hits, zeigen Ihnen, wie man Peinlichkeiten vermeidet, wenn man als Anstands-Wauwau zum Justin Bieber Konzert mitgehen muss und lassen Sie das unbeschreibliche Gefühl erleben, Gespräche nur noch mit Musikstöpseln im Ohr anhören zu müssen.

Schritt 5
Wir schauen die Filme, die sich die Teenager anschauen, wenn sie bei Freunden übernachten, spielen die Games, die sie mit ihren Freunden spielen und unterhalten uns in der Sprache, die Ihre Kinder sprechen, wenn Sie nicht dabei sind. Auf Wunsch können Sie sich am Ende des Abends von unseren erfahrenen Psychologen betreuen lassen.

Schritt 6
Wir zeigen Ihnen, wie Sie Ihren Teenager auf Unangenehmes aufmerksam machen können, ohne sein fragiles seelische Gleichgewicht zu erschüttern.

Schritt 7
Wir zeigen Ihnen, wie Sie ohne Gefahr für Ihr fragiles seelisches Gleichgewicht die ungeschminkten Wahrheiten ertragen können, die Ihnen Ihr Teenager ganz offen ins Gesicht sagt.

Schritt 8
Heute sind Sie dran! Lernen Sie, nicht mehr so schrecklich peinlich zu sein. Wir helfen Ihnen dabei, ein Ja zu Ihrem Alter zu finden und entwerfen mit Ihnen einen Beschäftigungsplan für die einsamen Abende, wenn Ihr Nachwuchs ohne Sie weggeht.

Schritt 9
Wir erlernen eine todsichere Methode, wie Sie Ihr Kind davor bewahren können, auf die schiefe Bahn zu geraten, ohne später das Gefühl zu entwickeln, etwas verpasst zu haben. Unsere Erfolgsquote liegt bei 100%, alle Kinder, die in den letzten hundert Jahren nach unserer Methode durch die Teenagerjahre begleitet worden sind, sind heute erfolgreiche, glückliche Menschen, die ihr Leben mit Bravour meistern.

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Auch ein blindes Huhn…

Eigentlich hätte ich ja Mandarinen-Joghurt machen wollen, weil mir gerade dieses unwiderstehliche Mandarinen-Purée in die Finger gekommen ist. Nun ist es eben Mandarinen-Frischkäse geworden, inklusive durchaus trinkbarer Mandarinen-Molke. Somit erkläre ich mich zur stolzen Erfinderin der halbwegs gesunden Alternative zu diesen unsäglichen Petit Suisses, Fruchtzwergen & Co.

Und bei dieser bahnbrechenden Erfindung ist nicht mal die Küche dreckig geworden…

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Kindergarten-Elternabend Nr. 8

Die Eltern, die mit mir angefangen hatten, sind schon längst nicht mehr dabei. Ihre Kinder sind inzwischen alle in der Schule, währenddem ich noch immer auf den winzigen Stühlchen sitze und mich darüber informieren lasse, dass die Kinder ein gesundes Znüni mitnehmen müssen, dass es vollkommen normal ist, wenn ein Kind in den ersten Wochen Mühe mit dem Loslassen hat, dass die Bibliotheksbücher bitte nach einer Woche wieder zurückgebracht werden sollen. Noch immer setze ich mich nach dem Informationsteil an eines der winzigen Tischchen, um eine Überraschung für mein derzeitiges Kindergartenkind zu basteln, noch immer bemühe ich mich darum, die Fragen der Neulinge ernst zu nehmen, auch wenn es mir nicht immer leicht fällt.

Natürlich, die Elternabende könnte ich mir schenken. Viel Neues erfahre ich nicht mehr, den Anschluss zu den meisten neuen Kindergarteneltern finde ich nicht mehr so einfach, weil meine Themen oft noch nicht die ihren sind, die Kindergärtnerin und ich müssen uns nicht mehr kennen lernen. Dennoch käme es mir nicht in den Sinn, den Anlass zu schwänzen. Weil es meinem Kindergartenkind wichtig ist, dass ich sehe, was es im Kindergarten macht. Weil es sich unendlich grosse Mühe gegeben hat, etwas Gutes zum Knabbern vorzubereiten und beinahe platzt vor lauter Stolz. Weil ich die Eltern der Kinder, mit denen mein Kind den halben Tag verbringt, treffen möchte. Und weil ich hin und wieder dem irrsinnigen Glauben verfalle, ich müsse beweisen, dass ich mir auch für das vierte und das fünfte Kind noch Zeit nehme.

 

Schlechte Gesellschaft

Mit der diesjährigen Themenwahl für das Sommerlager haben uns die Jungscharleiter einen Bärendienst erwiesen. Eine Woche lang waren die Kinder als Mafiosi unterwegs und seither ist die Mafia für unsere Jüngsten nicht mehr eine ganz üble Sache, sondern eine äusserst faszinierende Angelegenheit. Vor allem der Zoowärter sieht sich seither gerne in der Rolle eines „Mafia“, wie er das nennt.

Als „Mafia“ kann er nun plötzlich auch wieder mit dem Prinzchen und seinem besten Freund auf der Baustelle mitspielen, wo er als Ritter oder als Tyrannosaurus Rex nicht willkommen war. Jetzt aber hört man im Garten plötzlich Folgendes: „Ich wäre ein Mafia und ich hätte euch beim Bauen geholfen. Kommt, wir mischen noch mehr Sand in den Beton, dann hält die Mauer besser.“

Mafia? Mehr Sand im Beton? Mitmischen beim Bauen? Irgendwie kommt mir das bekannt vor. Aber doch nicht aus unserem Garten…

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Möbelhaus

Es gab eine Zeit, da liebte ich es, mit „Meinem“ durch die Möbelhäuser zu ziehen, mir alles ganz genau anzuschauen, Preise zu vergleichen und vor allem natürlich einzukaufen. Schwierig war bloss, dass die Kinder nicht mitspielten. Mal waren sie noch zu klein für das Kinderparadies, mal wollten sie sich nicht abgeben lassen, mal wollten sie, aber durften nicht mehr, weil sie schon zu gross waren, mal mussten sie mit in die Möbelausstellung, weil sie mitbestimmen wollten, in welchem Bett sie in Zukunft schlafen würden. Als dann eines Tages der Zoowärter vor lauter Anstrengung mitten im Möbelgeschäft einen Fieberkrampf bekam und mit der Ambulanz ins Spital gefahren werden musste, dämmerte uns endlich, dass unsere Kinder nicht möbelhaustauglich sind. Von daher ging nur noch entweder „Meiner“ oder ich, wenn wir überhaupt Kinder mitnahmen, dann jene, die entweder schon gross genug zum Mithelfen oder noch klein genug, um den Einkauf zu verschlafen waren.

Diese Zeiten sind nun vorbei. Inzwischen können wir problemlos am Samstag ins Möbelhaus fahren. Karlsson, Luise und der FeuerwehrRitterRömerPirat sind in der Jungschar, der Zoowärter und das Prinzchen gehen liebend gerne ins Kinderparadies, weil sie dort noch kaum je waren. Und so können „Meiner“ und ich vollkommen unbeschwert durch die Ausstellung gehen.

Zu dumm, dass wir inzwischen gar keine Lust mehr auf Möbelkauf haben. Zu viele Leute, die nur zum Spass einkaufen gehen und nicht, weil sie ganz dringend einen Tisch brauchen, an dem fünf immer grösser werdende Kinder Platz finden. Zu viel Lärm, zu viele schreiende Kinder, die keine Lust darauf haben, von ihren Eltern durch den Laden geschleppt zu werden. Zu viel Billigware, bei der man nicht dran denken darf, unter welchen Bedingungen sie wohl entstanden ist. Zu genervt, dass schon wieder etwas Neues her muss, weil man einfach keine Qualität mehr geliefert bekommt und zwar unabhängig davon, ob etwas billig oder teuer ist. Zu angewidert von der ewig gleichen Massenware.

Der Möbelkauf hat für uns seinen Reiz verloren. Ausgerechnet jetzt, wo unsere Kinder allmählich auf den Geschmack kommen. Luise zumindest war ziemlich enttäuscht, als sie erfuhr, dass sie nicht mitkommen kann.

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Ich bleibe draussen – oder so

Wie ist das eigentlich mit den Katzen? Darf man die auch mit in ein Geschäft nehmen? Bei den Hunden ist das ja eindeutig geregelt. Wenn es erlaubt ist, steht nichts, wenn es verboten ist, hat es ein Verbotsschild und einen Haken, an dem der Hund angeleint werden kann.

Ob für Katzen das gleiche gilt? Ich hätte es zu gerne gewusst, heute Morgen, als das Prinzchen und ich am Bankschalter standen und plötzlich von draussen her ein klägliches Miauen hörten. So kläglich miaut nur einer, das war mir sofort klar und deswegen war ich keineswegs erstaunt, als ich Kater Leone vor der automatischen Türe stehen sah. Einen äusserst verzweifelten Kater Leone, denn wenn er mich sieht und doch nicht zu mir gelangen kann, dann dreht der Arme fast durch.

Seitdem er mich an seinem ersten Tag bei uns zu seiner Mama erkoren hat, jammert er wie ein kleines Kind, wenn ich mich zu weit von ihm entferne. Nun gut, er darf natürlich gehen, wie ihm beliebt, er ist ja ein Kater. Ich aber soll gefälligst bleiben, wo ich bin, jederzeit verfügbar für traute Zweisamkeit auf Mamas Kopfkissen. Wenn ich nicht bin, wo ich seiner Meinung nach sein sollte – haben Katzen überhaupt eine Meinung? -, dann sucht er mich eben. Im Garten, im Büro, an der Bushaltestelle, bei Nachbars oder eben in der örtlichen Filiale einer sehr verrufenen Schweizer Bank.

Gewöhnlich lasse ich mich von ihm finden, aber heute liess ihn dann draussen warten, obschon es mir fast das Herz zerriss, als er so kläglich nach mir rief. Weil ich aber nicht den Verdacht erwecken wollte, Kater Leone sei mein Komplize bei einem auf unschuldig getrimmten Banküberfall – „Kaltblütige Mama im rosa Kleidchen mit herzigem Kleinkind und anhänglichem Kater übertölpelt unbescholtene Bankangestellte“ -, unterdrückte ich meinen Katzenmutter-Instinkt. Ich glaube, Kater Leone war ziemlich eingeschnappt. Erst ein heftiges Gewitter am sehr späten Abend konnte ihn dazu bewegen, heim zu Mama zu kommen.

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Endlich redet mal einer

Vor acht Jahren:
Mama: „Karlsson, wie war es denn in der Spielgruppe?“
Karlsson: „Weiss nicht.“
Mama: „War es schön?“
Karlsson: „Weiss nicht.“
Mama: „Was habt ihr denn gemacht?“
Karlsson: „Alles.“
Mama: „Was denn alles?“
Karlsson: „Weiss nicht.“

Vor vier Jahren:
Mama: „FeuerwehrRitterRömerPirat, wie war es denn in der Spielgruppe?“
FeuerwehrRitterRömerPirat: „Schön.“
Mama: „Was habt ihr denn gemacht?“
FRRP: „Weiss nicht.“
Mama: „Habt ihr eine Geschichte gehört?“
FRRP: „Ja“
Mama: „Welche denn?“
FRRP: „Weiss nicht.“
Mama: „Was habt ihr sonst noch gemacht?“
FRRP: „Weiss nicht.“

Vor zwei Jahren:
Mama: „Zoowärter, wie war es denn in der Spielgruppe?
Zoowärter: „Weiss nicht.“
Mama: „Hat es dir gefallen?“
Zoowärter: „Ja.“
Mama: „Was habt ihr denn gemacht?“
Zoowärter: „Alles.“
Mama: „Was hat dir denn am besten gefallen.“
Zoowärter: „Weiss nicht. Alles.“

Heute:
Mama: „Prinzchen, wie war es denn in der Spielgruppe.“
Prinzchen: „Toll. Wir haben gesungen, eine Geschichte gehört, Znüni gegessen, Wasser getrunken und gespielt.“
Mama: „Hat es dir gefallen?“
Prinzchen: „Ja, aber wir haben kein Feuer gemacht. Machen wir nächstes Mal ein Feuer?“
Mama: „Ich weiss es nicht.“

Okay, ich weiss, ein Kind fehlt. Aber ihr glaubt doch nicht etwa, ich könnte mich nach all den Jahren noch an die vielen Details aus Luises Spielgruppenberichten erinnern?

Wer braucht denn schon Hitzeferien?

Wenn der FeuerwehrRitterRömerPirat abends um halb acht fragt, ob er ins Bett gehen dürfe, das Prinzchen den lieben langen Tag in Gummistiefeln und Velohelm herumrennt, der Zoowärter nicht heult, wenn es keinen Blumenkohl mehr hat, Luise ein ganzes Kapitel der „Unendlichen Geschichte“ hört, ohne ein einziges Mal aufzuspringen, „Meiner“ auf dem Sofa einschläft, bevor die Wohnung blitzblank ist, Karlsson ohne Hausaufgaben von der Schule nach Hause kommt und ich dreimal am Herd stehe und darauf warte, bis das Wasser siedet, ohne zu bemerken, dass die Herdplatte ausgeschaltet ist, dann sind dies untrügliche Anzeichen, dass Hitzeferien angesagt wären. Nur macht man sowas heutzutage natürlich nicht mehr. Wo kämen wir denn hin, wenn wir uns von der Natur vorschreiben liessen, wann wir den Fuss vom Gaspedal nehmen sollen?