Konservenbloggen

Hier sitzen wir also, irgendwo, weitab von allem, was uns gewöhnlich umgibt, weitab von Arbeit, Wohnung aufräumen, Stundenplänen, Mailbox checken und Internetverbindung. Und dennoch erscheint hier ein neuer Text. Warum bloss? Bin ich jetzt schon so übergeschnappt, dass ich glaube, die Welt könne nicht mehr ohne meinen Senf, den ich dazu gebe? Oh nein, ganz so schlimm steht es noch nicht mit mir. Oder vielleicht doch. Klar, ich weiss, die Welt kann ohne mein Geblogge, aber kann ich  noch ohne? Ich fürchte nicht. Da mag ich mir noch so sehr vornehmen, mal eine Woche aufs Schreiben zu verzichten, aber so, wie ich mich kenne, werde ich spätestens nach vierundzwanzig Stunden nervös und nach achtundvierzig mache ich mich auf, mitten im Nirgendwo einen Wireless-Hotspot ausfindig zu machen. Damit dies nicht geschieht, habe ich mal wieder vorgebloggt. Um meinen eigenen Schreibzwang zu überlisten. „Du hast ja heute bereits gebloggt“, werde ich zu mir sagen können, wenn die Finger zittrig werden und der Kopf anfängt, Sätze zu bauen. Und dann werde ich mich genüsslich zurücklehnen, das Buch, das ich zu Ende lesen möchte, zur Hand nehmen und das süsse Nichtstun geniessen. 

Nun ja, so ganz traue ich mir dennoch nicht. Das iPad kommt mit. Für den Fall, dass es doch nicht ohne schreiben geht. Und für den Fall, dass ich doch irgendwo per Zufall auf einen Hotspot treffe. Wobei ich mir da in Italien nicht allzu grosse Hoffnungen mache…

Tapetenwechsel

Ganz ehrlich, wir hatten nicht vor, in diesem Jahr noch einmal zu verreisen. Okay, zwei oder dreimal haben wir schon gen Himmel geseufzt, dass wir schon wieder reif sind für eine Verschnaufpause. „Wir würden ja nur zu gerne, wenn bloss dieses Konto sich nicht so standhaft querstellen würde…Italien wäre doch ganz hübsch, aber eben, leider ganz und gar unmöglich…“ Und dann, zwei oder drei Tage später diese Einladung: Eine Woche Piemont, die ganze Horde, einfach so geschenkt. Fast wie im Märchen, bloss real.

Nun sind wir also unterwegs, fest entschlossen, diese überraschende Verschnaufpause irgendwo zwischen Alba und Nirgendwo in vollen Zügen auszukosten. Habe ich eben „geniessen“ gesagt? Nun ja, bis jetzt war’s eher ein Gehetze, aber das ist ja auch nicht anders zu erwarten, wenn man morgens um sechs mit fünf Kindern und sieben Koffern durch die Dunkelheit hetzt. Aber wir haben es geschafft, der Zug nach Mailand rollt, wir alle sitzen drin und so langsam kommt diese unbändige Freude auf, dass wir so ganz unerwartet zu einem Tapetenwechsel kommen.

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Grässlich, diese Erwachsenen

Allmählich komme ich in ein Alter, in dem es immer weniger Spass macht, den eigenen Geburtstag zu feiern. Nun gut, ich bin ja noch nicht alt, aber so langsam steigt das Bewusstsein, dass man sich schneller auf die Lebensmitte zubewegt, als einem lieb sein kann. Folglich fällt es mir immer schwerer, meinen Kindern eine befriedigende Antwort zu liefern, wenn sie wissen wollen, ob ich mich auf meinen Geburtstag freue. Kinder, das weiss ich noch aus der eigenen Erinnerung, können es nicht verstehen, wenn Erwachsene seufzen: „Schon wieder Geburtstag? So ein Mist, ich wünschte, ich könnte das Rad der Zeit zurückdrehen. Oder zumindest alles ein wenig verlangsamen.“ Wie kann man bloss so doof und abgelöscht sein, sich nicht über den eigenen Geburtstag – das Highlight des Jahres – zu freuen wie ein kleines Kind? Und dann erst dieses „Ach weisst du, mein Kind, ich wünsche mir gar nichts zum Geburtstag. Ich hab‘ doch schon alles…“ Haben die denn gar keine Träume mehr, diese Erwachsenen? Grässlich, nicht wahr? Zumindest in den Augen eines Kindes.

Und sie haben mal wieder Recht, die kleinen Menschen. Was ist denn schon schlimm dabei, ein Jahr älter zu werden? Ist doch eigentlich ein Geschenk, dass man überhaupt da sein darf, nun ja, zumindest, wenn man es schafft, den ganzen Irrsinn auf diesem Planeten auszublenden. Ist doch wunderbar, von Menschen umgeben zu sein, die einen feiern wollen. Und auch wenn man tatsächlich nichts braucht, schön ist es doch trotzdem, dass es Menschen gibt, die einem etwas schenken, nicht, weil sie müssen, sondern weil sie wollen. Ja, sie haben Recht, die Kinder, wenn sie fordern: „Dein Geburtstag wird ebenso gefeiert wie der unsere. Es muss Kuchen geben und Geschenke und gutes Essen, sonst wird das nichts.“ 

Und weil ich von meinen Kindern lernen will, habe ich heute, an dem Tag, an dem ich 37 Jahre alt geworden bin, beschlossen, dass ich in Zukunft nicht mehr über Geburtstage jammern werde. Ich will sie feiern, sie geniessen und dankbar sein, dass ich leben darf. 

Ich hoffe bloss, dass ich meinen Entschluss nächstes Jahr nicht bereits wieder vergessen habe. In meinem Alter kann man sich da nicht mehr so sicher sein.

Alte böse Hexe?

Ein beliebtes Sujet aus dem Märchenbuch: Die alte, bucklige Hexe mit der krummen Nase, die ihre Katze auf dem Buckel spazieren führt. Alles Märchenkram, dachte ich früher jeweils, doch seitdem Kater Leone bei uns eingezogen ist, habe ich erkennen müssen, dass selbst in diesem Bild ein Körnchen Wahrheit steckt. Leone hat mich nämlich so sehr in sein Katerherz geschlossen, dass er am liebsten ganz nah bei mir ist. Nachts schläft er auf meinem Rücken, wenn ich schreibe, sitzt er auf dem Drucker, um jede meiner Bewegungen zu beobachten und wenn ich aus irgend einem Grund weder liegen noch sitzen kann, dann ergreift er die erstbeste Gelegenheit, um es sich auf meiner Schulter bequem zu machen. Da sitzt er dann schnurrend und schaut mir gebannt dabei zu, wie ich in den Kochtöpfen rühre.

Natürlich fühle ich mich geschmeichelt, bin ich doch die Einzige in der Familie, bei der er dies tut. Und doch stellt sich mir die bange Frage, ob ich inzwischen schon so alt und bärbeissig geworden bin, dass ich in den Augen eines kleinen, naiven Katers als böse Hexe durchgehe.

Ich mach‘ da nicht mit!

Da klagt Mama seit dem ersten Tag des neuen Schuljahres darüber, wie streng doch die Schule geworden sei und was tun die Kinder an ihrem ersten Herbstferientag? Richten sich im Garten ein Schulhaus ein, küren den Strengsten unter ihnen zum Lehrer – wo es in der richtigen Schule für zehn bis fünfzehn Regelverstösse eine Zeugniseintrag gibt, gilt es hier schon nach fünfen ernst – und schreiben freiwillig Tests, die „Meiner“ und ich dann auch noch unterschreiben sollten. Wir haben die Kinder spielen lassen, aber die Unterschrift habe ich verweigert. Wenn sie unbedingt auch in den Ferien Schulstress haben wollen, dann sollen sie von mir aus. Ich hingegen gönne mir ganz ohne schlechtes Gewissen eine Pause von all dem Druck, der mir offenbar mehr zusetzt als ihnen. 

Ach ja, und neuerdings gilt auch noch die Regelung, dass jeder, der drucken oder kopieren will, 5 Rappen pro Ausdruck zahlen muss. So langsam werden sie mir unheimlich, meine Kinder.

Gleiche Geschenke für alle

Endlich haben wir sie erreicht, die Gleichberechtigung. Da stöbere ich heute Nachmittag nach einem ergänzenden Geburtstagsgeschenk für „Meinen“, entdecke, dass einer dieser Öko-Anbieter jetzt auch einen Katalog speziell für Männer hat und denke, dass ich dort vielleicht fündig werden könnte. Und siehe da, man findet alles, was der moderne Mann sich zum Geburtstag wünschen könnte: Saftpressen, Handmixer, Kaffeekocher und Römertöpfe. Endlich können wir uns rächen für all die Jahre, in denen uns die Männer mit praktischen Geschenken für den Haushalt beglückt haben. Wenn der erstaunte Gatte wissen möchte, wie wir auf die Idee gekommen sind, ihm ausgerechnet einen Handmixer zu schenken, dann können wir voller Stolz antworten: „Das habe ich aus einem Katalog, den sie eigens für Männer zusammengestellt haben. Sag‘ Schatz, freust du dich denn nicht? Schau doch mal wie praktisch. Damit wir dir jedes Soufflée gelingen…“

Nun, ich habe dann doch darauf verzichtet, „Meinem“ etwas aus diesem Katalog zu bestellen. Ausser diesem einen Ausrutscher mit dem Brotbackautomaten hat er mich nie mit praktischen Geschenken genervt und deshalb sehe ich keinen Grund, weshalb ich mich mit einem Handmixer oder einer Saftpresse rächen sollte. Wobei, vielleicht sieht er Haushaltgeräte gar nicht als Strafe an. Wenn ich mich recht erinnere, hat er sich vor drei Jahren riesig über die Nähmaschine gefreut.

Ob ich vielleicht doch…

Nicht mehr ganz jung

Heute im Park. Eine junge Mutter, das Baby an der Brust, daneben der kleine grosse Bruder, der das Baby gerne mal halten möchte, der grosse grosse Bruder, der lieber schon weitergehen möchte, die grosse Schwester, die sich an die Mama schmiegt. „Wie schafft die Frau das bloss?“, fragt „Meiner“. Na wie wohl? So ähnlich wie wir noch vor ein paar Jahren, nur mit einem Kind weniger. 

Heute am MAG – einer Mischung aus Herbstmarkt und Messe. Wir zum ersten Mal mit allen fünf Kindern, ohne Kinderwagen, die grossen Kinder mit eigenem Taschengeld ausgerüstet, so dass sie uns nicht mehr fragen müssen, ob sie kaufen dürfen, sondern nur noch, ob sie sich das Ding der Träume auch leisten können. Kaum zu glauben, dass wir inzwischen schon soweit sind. „Meiner“ geniesst die neue alte Freiheit. Ich auch und schaue doch voller Wehmut in jeden Kinderwagen, in dem ein Neugeborenes friedlich schlummert. Obschon ich mit den armen Eltern, die den Wagen durch das Gedränge schieben müssen, nicht tauschen möchte. Ich persönlich würde in einem solchen Fall ja zum Tragtuch greifen…

Heute Abend ein Abstecher in verschiedenste Online-Schuhläden. Ich komme jetzt in das Alter, in dem Schuhe nicht nur schön, sondern auch bequem sein müssen. „Meiner“ blickt mir über die Schultern, kommentiert, was ihm gefällt und was nicht: „Nein, die kannst du nicht nehmen. Die sind für Vierzigjährige.“ Sein Standardspruch, wenn er etwas ganz schrecklich altmodisch findet. Nun, mein lieber Mann, du musst dir wohl allmählich einen neuen einfallen lassen. Ein paar Jahre noch und dann sind wir auch soweit…

 

Doch kein Silberstreifen

Schon der deutliche Entscheid zum Atomausstieg vor zwei Tagen stimmte mich milde optimistisch. Als ich dann heute beim Abchecken der Mails auch noch mitbekam, dass das Schweizer Fernsehen in Zukunft auf die Ausstrahlung der Miss Schweiz Wahlen verzichtet, weil sich einfach keiner mehr für diesen Schwachsinn interessiert, da dachte ich einen kurzen Moment lang allen Ernstes, die Zukunft unseres Planeten sei vielleicht doch nicht so düster, wie man gemeinhin denkt. Ob es ihn doch gibt, den berühmten Silberstreifen am Horizont? Dann aber, als ich noch etwas weiter im Internet surfte, stach mir ein pinkfarbenes Werbebanner ins Auge. Eine Werbung für irgend einen billigen Prosecco? Oder vielleicht für einen neuen Lippenstift? Weit gefehlt. „4-jähriges Mädchen verstümmelt!“, stand da und ich fragte mich, wie besoffen wohl der Content-Manager dieser Website gewesen sein muss, als er diese schreckliche Botschaft mit einem zuckersüssen Hintergrund versehen hat. 

Und dann war da heute noch das Erlebnis, das Karlsson und ich im Shopping Center machten. Ja, ich geb’s zu, wir waren im Shopping Center, aber nur, weil wir gerade in der Region waren und ich die Gelegenheit nutzen wollte, ein Geburtstagsgeschenk für „Meinen“ zu kaufen. Da fuhren also mein Sohn und ich friedlich plaudernd auf einer nahezu leeren Rolltreppe in Richtung Bücherladen, Karlsson auf beiden Seiten auf das Geländer abgestützt. Leider bemerkten wir zu spät, dass ein gehetzter Rentner an Karlsson vorbeizukommen wünschte. „Das machst du wohl mit Absicht?“, herrschte er Karlsson an, stiess seinen Arm unsanft zur Seite und als ich es wagte, den netten Herrn darauf aufmerksam zu machen, dass mein Sohn gänzlich ohne böse Absichten die gesamte Breite der Rolltreppe in Anspruch genommen hätte, bekamen wir noch so einiges zu hören, was ich lieber nicht hören möchte. Ich möchte das nicht hören, weil ich sehr genau spüre, wann mein Kind etwas aus böser Absicht tut und wann nicht. Ich möchte es aber auch nicht hören, weil in meinen Augen die Haltung „In jedem Kind steckt ein unerträglicher Rotzbengel, der nur darauf aus ist, den Erwachsenen das Leben zu versauen“ absolut lebensfeindlich ist. 

Nach überstandenem Shopping-Trip – eine ziemlich ernüchternde Angelegenheit, denn inzwischen hat auch noch der letzte unabhängige Laden mit originellem Sortiment einer der unzähligen Ladenketten Platz gemacht – , noch einmal ein Abstecher ins Internet. Und was lese ich dort? Der Gemeindeamman eben jener Gemeinde, in der wir shoppen waren, tritt zurück. Er war bedroht worden, offenbar weil er es gewagt hatte, am Schweizer Fernsehen auszusagen, das Zusammenleben mit vielen „Ausländern“ sei eine ganz grosse Bereicherung. So eine Unverschämtheit. Da wagt doch tatsächlich einer anzudeuten, dass man auch mit Menschen fremdländischer Herkunft ganz gut klarkommen kann.

Ich weiss, all die Dinge, über die ich hier schreibe, hängen nicht wirklich zusammen, aber sie alle machen mir klar: Auch wenn es hin und wieder mal eine positive Nachricht geben mag, das mit dem Silberstreifen am Horizont war nur ein netter Traum.

Liebe unter erschwerten Bedingungen

„Warum hast du denn schon wieder nicht dran gedacht…?“ „Wie, nicht dran gedacht? Du hast doch vergessen…“ Ich vergessen? Nie! Wenn ich überhaupt etwas vergesse, dann nur, weil du nicht…“ „Ach so, ich soll also mal wieder Schuld sein an allem. Als ob nicht du gestern genauso…“ „Gestern! Gestern! Gestern! Immer kramst du den alten Mist hervor, wenn dir die Argumente ausgehen. Was gestern war, ist doch egal, wir reden jetzt von heute. Aber wenn du schon mit gestern kommen willst, darf ich dich dann an vorgestern erinnern? Da hast du doch auch wieder…“ „Ha! Von wegen! Das von vorgestern war ganz alleine dein Fehler. Ich hätte das ja ganz anders gemacht und dann wäre es auch nicht derart schief gelaufen. Aber du weisst es ja immer besser als ich.“ „Das sagst ausgerechnet du. Wer muss immer darauf bestehen, dass niemand besser weiss als du…“ „Ich sag‘ ja nicht, dass es niemand besser weiss als ich, aber es ist nun mal so, dass meine Methode viel effizienter ist als deine…“ „Effizienter? Ich würde ja sagen unsorgfältiger und chaotischer, aber wenn du das unbedingt Effizienz nennen willst…“ „Chaotisch? Höre ich wirklich das Wort chaotisch? Aus deinem Mund? Wo du es noch nicht mal fertigbringst, die…“ „Das ist mal wieder typisch für dich: Ausgerechnet meinen einen grossen Schwachpunkt musst du herauspicken, um mir eins gegen das Schienbein zu treten. Du weisst genau, dass ich mit diesem Bereich einfach nicht klarkomme, das habe ich dir schon unzählige Male gesagt…“ „Oh ja, das hast du, jedes Mal, wenn du dich vor der Sache drücken wolltest. Weisst du überhaupt, wie ich es hasse, diesen Mist zu erledigen? Aber weil es ja dein „Schwachpunkt“ ist, bleibt die Sache jedes Mal an mir hängen…“ „Na und? Ich übernehme dafür immer den anderen Mist für dich, weil dir angeblich beinahe übel wird, wenn du es mal ausnahmsweise tun müsstest…“ „Jetzt kommst du wieder damit. Wie oft muss ich dir noch sagen, dass du darin einfach viel besser bist als ich und dass ich die Sache deshalb lieber dir überlasse…“ „Dankeschön, wie grosszügig von dir. Du lässt mir die Drecksarbeit und glaubst, ich würde das als Kompliment auffassen, weil ich das ja soooooo viiiiel besser mache als du. Dann verleih mir doch eine Auszeichnung für meine meisterhafte Erledigung der Drecksarbeit…“ „Ach so, jetzt wünscht man auch noch Applaus für seine grossartigen Taten. Ich mache das ja alles ganz selbstverständlich und ohne einen Dank zu erwarten. Aber wenn du das machst, ist es natürlich etwas ganz Besonderes…“ „Jetzt hör schon auf damit. Wir führen uns ja auf wie ein altes Ehepaar…“ „Nun ja, wir sind ja auch ein Ehepaar und alt… na ja, man ist so alt wie man sich fühlt, sagt man und ich für meinen Teil fühle mich im Moment ausgesprochen alt. Weil du nie…“ „Können wir jetzt bitte endlich aufhören damit. Eigentlich hätte ich dich ja nur fragen wollen, ob du daran gedacht hast…Weisst du, wenn du daran gedacht hättest, dann hätten wir jetzt endlich mal wieder ein wenig Zeit nur für uns zwei. Mir scheint, wir haben uns in den vergangenen Wochen ein wenig auseinandergelebt…“ „Zeit nur für uns zwei? Das wäre himmlisch! Könntest du bitte damit aufhören, mir auf die Nerven zu fallen, dann mache ich uns einen schönen Tee…“ „Wer fällt hier wem auf die Nerven? Du hast doch vergessen…“ „Hab‘ ich nicht. Du hast doch…“ „Hab‘ ich nicht…“ „Hast du doch…“ „Ach, lass das doch endlich. Wir sind schon bald so, wie wir nie haben werden wollen…“

Die Fahne bleibt

Es kommt nicht oft vor, dass ich mit dem Bundesparlament einig gehe, heute aber haben mich die Damen und Herren Ständeräte freudig überrascht, als sie den Entscheid zum Atomausstieg bekräftigten. Die Anti-AKW-Fahne bleibt trotzdem am Balkon hängen – auch wenn meine Mutter findet, etwas stilvoller dürfte der Stofffetzen, hinter dessen Botschaft sie voll und ganz steht, schon sein -, denn es wird ja doch noch ein paar Tage dauern, bis Gösgen & Co. auch tatsächlich vom Netz gehen. Und wer weiss denn schon, ob der Wille zum Ausstieg nach den Wahlen noch gleich gross sein wird wie jetzt, wo alle darauf aus sind, wieder nach Bern gewählt zu werden? Die Fahne also bleibt, auch wenn ich hoffe, dass ich sie eher früher denn später im Mottenschrank verschwinden lassen kann. Hübsch ist sie nämlich wirklich nicht.

Kühltürme aber sind noch hässlicher.