Näher

Sie können den Moment, in dem sie sich für ein paar Tage von dir verabschieden, kaum erwarten.

Sie finden es peinlich, wenn du sie noch einmal umarmen willst, bevor sie wegfahren.

Sie lachen dich aus, wenn du sagst, sie sollten gut auf sich aufpassen.

Sie lachen erst recht, wenn du fragst, ob sie dich vielleicht doch ein kleines bisschen vermissen werden.

Sie geben dir das Gefühl, ohne dich sei ihr Leben so viel spannender und lustiger.

Und doch greifen sie, kaum sind sie ein paar Stunden von zu Hause weg, zum Handy, um dir zu erzählen, was sie tagsüber alles erlebt haben. 

Manchmal bist du ihnen halt einfach näher, wenn sie etwas weiter weg sind.

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Die Glucke macht mal wieder Theater

Keine Angst, ich werde euch nicht wieder mit einer dieser endlosen GluckenDiskussionen langweilen. Ihr wisst ja inzwischen, wie wir zwei uns in die Haare geraten, wenn mal wieder loslassen gefragt ist. Der „arme kleine“ Karlsson – es geht bei der Glucke fast immer um ihn, denn als Ältester ist er gewöhnlich auch der Erste, der etwas Neues wagt – dieser „arme kleine“ Karlsson also ist ihrer Meinung nach stets vollkommen überfordert mit dem, was wir ihm zumuten. Viel lieber möchte er bei Mama und Papa bleiben, aber wir sind ja so kalt und herzlos und zwingen ihn dazu, hilflos flatternd das sichere Nest zu verlassen. Die ewig gleiche Leier halt…

Das aktuelle Theater dreht sich um Karlssons erste Auslandreise ohne elterliche Begleitung. Nach Italien? Eine ganze Woche lang? Ganz ohne Verwandte, nur in Begleitung von Lagerleitern, die selber fast alle noch grün hinter den Ohren sind? Wie können wir unserem armen Kleinen bloss so etwas zumuten?

Seit Tagen nun geht das schon so und heute hatte ich endgültig die Nase voll von ihrem Gejammer. „Vielleicht erinnerst du dich, dass ich exakt so alt war, wie Karlsson heute ist, als ich zu meinem Austauschjahr in die USA aufbrach. Ganz ohne Begleitung und mit damals noch ziemlich rudimentären Englischkenntnissen.“

Für einmal konnte mir die Glucke nichts entgegnen. Im Weggehen hörte ich sie aber brummen: „Ich hätte mich halt schon bei Karlssons Grosseltern etwas öfter einmischen müssen, dann würden ihn seine Eltern vielleicht jetzt nicht einfach so ziehen lassen.“

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Ein bisschen Selbstbeweihräucherung

Wenn man, wie ich, ziemlich selten unter die Leute kommt, vergisst man so leicht, dass man auch ein paar herausragende Fähigkeiten hat. Um nicht auf die Idee zu kommen, ich sei ein ganz und gar untalentiertes, nutzloses Mitglied unserer Gesellschaft, habe ich angefangen, im Alltag speziell darauf zu achten, in welchen Punkten ich die lieben Menschen, mit denen ich mein Haus teile, um Längen übertreffe.

Ich könnte jetzt natürlich damit anfangen, die offensichtlichen Dinge wie das Aufschrauben von herumliegenden Zahnpastadeckeln oder das Abwimmeln von Telefonverkäufern nennen, aber da mir „Meiner“ in diesen zwei Disziplinen inzwischen dicht auf den Fersen ist, kann ich mich damit leider nicht mehr so richtig brüsten. Klar, ab und zu landet bei ihm noch ein „Candida“-Deckel auf einer „Elmex“-Tube, was dann natürlich eine Sauerei gibt, aber dafür ist er inzwischen noch gerissener als ich, wenn es darum geht, unliebsame Werbeanrufe abzuklemmen. Er gibt jetzt einfach vor, er spreche kein Deutsch und falls mal jemand auf die Idee kommt, ihm auf Italienisch zu antworten, tut er so, als glaube er, mit dem Pizzalieferdienst zu reden, was die Anrufer komplett verwirrt.

Selbstverständlich gibt es aber andere Bereiche, in denen ich nicht zu übertreffen bin. So bin ich zum Beispiel die einzige Person im Hause, die in der Lage ist, eine WC-Papierrolle zu wechseln. Ich weiss, das schüchtert euch jetzt ein wenig ein, denn das ist nun wirklich eine Sache, die kaum ein Mensch auf diesem Planeten richtig beherrscht, aber ich kann das tatsächlich. Wenn’s sein muss sogar bei ganz unterschiedlich konstruierten Rollenhaltern. Zuweilen gar mehrmals täglich, ganz ohne Ermüdungserscheinungen. Jawohl, so gut bin ich in dieser Disziplin.  Und ich kann die Rollen nicht nur wechseln, ich kann die leeren Kartonröllchen auch am richtigen Ort entsorgen. Ich schmeisse die Dinger  nicht in die Badewanne oder unter das Regal, das neben der Toilette steht, sondern ich bringe sie in die Küche, wo der Sack mit dem Altpapier steht.

Noch so ein Bereich, in dem ich unangefochtene Meisterin bin: Leere Seifenspender auffüllen. Der Einfallsreichtum meiner Mitbewohner kennt keine Grenzen, wenn es darum geht, diese Herkulesaufgabe zu vermeiden. Manche bedienen sich bei leerem Seifenspender schamlos am Duschgel, das nebenan bei der Badewanne steht, andere nehmen den Umweg zur Küche auf sich, um ihre Hände doch noch mit Seife in Berührung zu bringen, wieder andere glauben, ohne Seife könne man das ganze Theater mit dem Händewaschen gleich bleiben lassen. Hauptsache, sie müssen sich nicht mit mir in der Kunst des Nachfüllens messen. Sie hätten ja ohnehin keinen Stich gegen mich, wo ich doch so unglaublich begabt bin auf diesem Gebiet.

Es gibt noch viele weitere Dinge, die ich so viel besser kann als meine Mitbewohner: Zwetschgensteine wegwerfen, die WC-Bürste bedienen, leere Flaschen in den Entsorgungseimer schmeissen, die Butter in den Kühlschrank legen, Stühle zum Tisch schieben, heruntergefallene Handtücher aufheben und wieder an ihren Platz hängen, vor dem Essen Untersetzer für die heissen Pfannen bereitlegen, Schuhe ins Regal stellen und noch ganz viele andere Dinge. Kaum zu glauben, wie vielseitig ich bin.

Als echter Profi ist mir aber die Nachwuchsförderung sehr am Herzen gelegen. Bei allem Stolz auf die oben genannten Fähigkeiten hätte ich doch nichts dagegen, meinen Podestplatz mit den anderen zu teilen. Darum bemühe ich mich nach Kräften darum, mein Wissen und meinen reichen Erfahrungsschatz mit meinen Mitbewohnern zu teilen.

Leider ist „Meiner“ bis anhin der einzige, der ehrgeizig genug ist, um meinen Podestplatz ernsthaft zu gefährden. 

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So, wie wir nie sein wollten…

Schwimmkurs-Saison, wie wir sie uns vorstellen:
Am späten Mittwochnachmittag karren wir die Kinder, die noch Schwimmunterricht benötigen, zum Schwimmbad, sorgen dafür, dass sie sich umziehen und machen uns dann aus dem Staub, um zu erledigen, was sich innerhalb von vierzig Minuten eben so erledigen lässt. Pünktlich zum Kursende sind wir wieder zurück, um die nassen Kinder in Empfang zu nehmen. Vielleicht schaffen wir es gelegentlich auch mal ein paar Minuten früher, so dass wir kurz zuschauen können, wie das so läuft im Schwimmkurs.

Schwimmkurs-Saison, wie sie sich das Prinzchen – unser letzter Nochnichtganzschwimmer – vorstellt:
Am späten Mittwochnachmittag karren „Meiner“ und ich das Prinzchen zum Schwimmbad, begleiten ihn zum Umziehen, setzen uns dann zu allen anderen Eltern an den Rand des Schwimmbeckens, um jede einzelne Bewegung unseres selbstverständlich überaus talentierten und zum Olympiasieger prädestinierten Wunderkindes zu bewundern. Nach dem Kurs gibts haufenweise Lob und ein Brötchen für den völlig entkräfteten zukünftigen Superstar.

Wie der Kompromiss aussieht:
„Meiner“ lädt mich auf dem Weg zum Schwimmbad bei der Migros ab, damit ich schon mal mit dem Wocheneinkauf anfangen kann und karrt dann das Prinzchen zum Kursort, wo das Kind sich selbständig umziehen und in die Schwimmhalle begeben muss. Danach kaufen „Meiner“ und ich gemeinsam ein und weil wir inzwischen so geübt sind darin, unseren Einkaufswagen mit dem Nötigen zu füllen, schaffen wir es gerade noch, während der letzten zehn Minuten des Schwimmkurses mit allen anderen Eltern am Beckenrand zu sitzen, um so zu tun, als würden wir jede einzelne Bewegung unseres ganz und gar durchschnittlich begabten Nochnichtganzschwimmers zu bewundern.

Das Prinzchen ist glücklich mit diesem Kompromiss, denn so muss er nicht das einzige Kind in der Gruppe sein, das ohne elterliche Bewunderung schwimmen lernt. Wir hingegen fühlen uns wie die letzten Deppen, weil wir eigentlich der Meinung sind, unser Kind könne auch ohne unser andauerndes „Bravo, gut gemacht, Prinzchen!“ lernen, sich über Wasser zu halten.

Und trotzdem sitzen wir da und starren mit verzücktem Lächeln aufs Wasser…

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Mitfühlen

„Heute beim Spielen erzählte eines der Kinder, dass es von seinen Eltern geschlagen wird“, berichtete einer unserer Söhne neulich, als er nach Hause kam. „Immer, wenn es im Sport nicht so gut ist, oder wenn es seine Hausaufgaben nicht gut gelöst hat, wird es bestraft. Manchmal sogar, wenn es etwas haben möchte, was die Eltern nicht so toll finden.“ Sie hätten dem Kind vorgeschlagen, die Schule zu informieren, aber davor habe es Angst. Auch einen Anruf bei der Notfallnummer wolle es nicht machen, denn wenn das auskäme, würde alles noch viel schlimmer. „Am liebsten wären wir alle gleich zum Haus dieser Eltern marschiert, um ihnen zu sagen, dass sie nicht schlagen dürfen“, erzählte unser aufgebrachter Sohn weiter. „Das arme Kind tut mir so leid. Man müsste doch etwas tun können, um ihm zu helfen.“

Es dürfte den Spielkameraden wohl tatsächlich schwer fallen, dem Kind zu helfen, ohne seine Situation zu verschlimmern. Dass sie es ermutigt haben, die Sache nicht einfach hinzunehmen und mit ihm überlegt haben, wo Hilfe zu holen wäre, hat mich aber tief berührt. Ich glaube, wenn in meiner Generation ein Kind erzählt hätte, dass es zu Hause geschlagen wird, hätten nicht wenige in der Gruppe resigniert mit dem Kopf genickt und gesagt: „Ich auch.“

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Nervensäge

„In deinem Alter ist man eigentlich nicht so richtig sich selber. Du kannst mir glauben, ich rede da aus Erfahrung.“

„Mach bloss keine Witze über mein Alter. Zweimal blinzeln und du bist auch schon vierzig.“

„Wenn du mal Kinder hast, wirst du mich verstehen.“

„Das nennst du modern? Genau so liefen wir in den Neunzigern auch rum.“

„Eines Tages wirst du wünschen, du hättest die viele Zeit noch, die du heute sinnlos vergeudest.“

„Du solltest dir wirklich Zeit nehmen für ein richtiges Frühstück. Glaub mir, der Tag wird so viel besser, wenn du etwas Gesundes im Magen hast. Wie? Du hast keine Zeit dafür? Dann steh doch einfach zehn Minuten früher auf.“

„Fang frühzeitig an zu lernen. Ich habe ja viel zu spät begriffen, was man mit Lernen alles erreichen kann, also mach nicht den gleichen Fehler wie ich.“

Manchmal, wenn ich mir beim Moralisieren zuhöre, sage ich nachher zu mir selber: „Ich glaube, wenn ich ein Teenager wäre, ginge ich mir ziemlich auf den Geist.“

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Lauter dummes Geschwätz

Mein Favorit beim Einkaufen: „Hallo. Bist du auch hier?“ (Ich? Hier? Nein, gewiss nicht. Siehst du mich etwa irgendwo?)

Noch besser, ebenfalls beim Einkaufen: „Was tust du denn hier?“ (Na, was wohl? Meine Zehennägel schneiden natürlich.)

Morgens um Viertel vor neun am Telefon: „Grüezi Frau Venditti. Ist Ihr Mann zu Hause? Ich müsste ihn in einer dringenden schulischen Angelegenheit sprechen.“ (Natürlich. Er sitzt neben mir am Frühstückstisch und liest die Zeitung, während seine Schüler das Schulzimmer auf den Kopf stellen.)

Noch einmal am Telefon: „Frau Venditti, Sie erinnern sich bestimmt noch an mich. Ich habe Sie vor einem halben Jahr schon einmal wegen unseres sensationellen Luftreinigungssystems angerufen und Sie haben mir damals gesagt, ich dürfe mich später noch einmal bei Ihnen melden. Wie ich Ihnen damals schon erklärt habe…“ (Himmel, die glaubt doch nicht im Ernst, ich wüsste noch, wer mich vor einem halben Jahr angerufen hat? Ist ja eine Ewigkeit her. War ich da überhaupt schon auf der Welt?)

Am Rand des Schwimmbeckens, wo die Kinder gerade unter fachkundiger Anleitung lernen, sich über Wasser zu halten: „Es tut mir jedes Mal weh, wenn ich die hundertsechzig Franken für den Schwimmkurs locker machen muss.“ (Ja ja, die Kunst, nicht abzusaufen ist eindeutig überbewertet…)

Zuweilen bekommt man auch ganz tolle Mails: „Dürfen wir Sie zu unserer Präsentation in Paris einladen? Wir freuen uns, Sie am kommenden Montag von 9:30 bis 11:30 im XVII-ième Arrondissement zu begrüssen, um Ihnen unsere Produkte vorzustellen.“ (Wissen die eigentlich, wie weit es von hier nach Paris ist? Da bin ich nie und nimmer rechtzeitig zurück, um das Mittagessen auf den Tisch zu bringen.)

Dann natürlich überall, ob in den sozialen Medien oder im direkten Gespräch, das Gejammer, das mich immer mehr auf die Palme treibt: „So ein Mist! Morgen soll es regnen. Und das im September. Wir sollten doch jetzt Sommerwetter haben!“ (Seit wann ist Regen im Sommer verboten? Und will man jetzt dem Sommer auch noch verbieten, sich in seinen allerletzten Tagen allmählich davonzuschleichen, um dem Herbst Platz zu machen? Und was habt ihr Sommerfanatiker eigentlich gegen Regenabende, an denen ihr es euch mit einem dicken Schmöker, einer Tasse Tee und einer weichen Decke gemütlich machen könnt?)

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Schluss mit den heiligen Pfannen

Bitte erzählt Schwiegermama nichts von dem Frevel, den ich heute begangen habe: Ich habe damit begonnen, ihre Pfannen auszumisten.

Jawohl, die heiligen Pfannen, die sie für viel Geld erstanden hat, um sie ihrem einzigen Sohn an seinem 15. Geburtstag zu überreichen. 

Die Pfannen, in denen eines Tages das nette italienische Mädchen, das er bestimmt irgendwann kennen lernen würde, Pasta Bolognese, Osso Buco und Frittata zubereiten würde, um dafür zu sorgen dass der viel zu dünne junge Mann endlich ein bisschen Fleisch auf die Knochen bekäme. 

Die Pfannen, die niemals in die Hände dieser kleinen, vorlauten Schweizerin hätten geraten dürfen, die sich standhaft weigerte, ausschliesslich italienische Kost darin zu kochen.

Die Pfannen, die gemäss dem Versprechen des Herstellers ein Leben lang halten sollten, die dann aber doch nach Jahren der intensiven Nutzung ihre Griffe fallen liessen. (Was vielleicht nur daran lag, dass sie in die Hände der falschen Frau geraten waren…)

Die Pfannen, die ich leidenschaftlich hasste, weil sie mir nicht gestatteten, so zu kochen, wie es mir entspricht. Und weil sie mich täglich daran erinnerten, wie sehr „Meiner“ und ich uns in den Anfängen unserer Beziehung um des lieben Friedens Willen durch Schwiegermama bevormunden liessen.

Die Pfannen also, die ich schon so lange gerne losgeworden wäre, die ich aber auf gar keinen Fall loswerden durfte, weil sie sozusagen die Mitgift waren, die „Meiner“ in die Ehe gebracht hat. (Wobei ich natürlich mit leeren Händen dastand, da meine Eltern nicht weitsichtig genug gewesen waren, mir zum Fünfzehnten ein Pfannenset zu schenken. Die schickten mich lieber in ein Austauschjahr.)

Es blieb mir also nichts anderes übrig, als mich mit den ungeliebten Pfannen zu arrangieren. 

Es sei denn, ich hätte eine Ausrede… 

Zum Beispiel einen Induktionsherd…

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Life Advice aus Mama Vendittis Küche

Fühlst du dich irgendwie unzufrieden? Fällt es dir schwer, dich an den kleinen Dingen im Leben zu freuen? Möchtest du endlich wieder so etwas wie ein Erfolgserlebnis haben? Dann habe ich heute eine kleine Übung für dich und die geht so:

  1. Sorge dafür, dass die Wasserversorgung in der Küche den Dienst quittiert. Auf welche Weise du das tust, ist mir eigentlich egal. Hauptsache, es wird wirklich mühsam, die alltäglichen Arbeiten zu erledigen.
  2. Ändere mindestens zwei Wochen lang nichts an diesem Zustand. 
  3. Entschliesse dich dazu, während dieser zwei Wochen möglichst viel einzumachen, komplizierte Gerichte zu kochen oder vielleicht sogar Gäste einzuladen. Du könntest auch den Geschirrspüler ausser Gefecht setzen, um den Lerneffekt der Übung zusätzlich zu steigern. 
  4. Wenn du diesen Zustand so richtig satt hast, sorge dafür, dass er sich noch mindestens drei oder vier Tage länger aufrecht erhalten lässt.
  5. Bring jetzt deine Wasserversorgung dazu, wieder das zu tun, was man von einer Wasserversorgung in westlichen Ländern gemeinhin erwartet. Ich verspreche dir, dass du dich wie neu geboren fühlen wirst. Du wirst wie auf Wolken durch deinen Alltag schweben, immer wieder staunend den Wasserstrahl bewundern, der dein Spülbecken im Nu füllt und alle werden dich fragen, warum du wie ein Honigkuchenpferd grinsend durch die Gegend läufst. 
  6. Falls du den Geschirrspüler ausser Gefecht gesetzt hast: Verzichte noch ein paar Tage ganz bewusst darauf, ihn wieder in Gang zu setzen, um endlich wieder einmal das unbeschreibliche Gefühl von ungetrübter Vorfreude zu erleben. 

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Geht doch…

Als Luise in der dritten Klasse zum ersten Mal Französischunterricht hatte, verflog die Freude schon nach kurzer Zeit. Weil die Kinder mit Spiel und Spass an die Sprache unserer Landsleute herangeführt werden sollten, verzichtete das Lehrmittel auf alles, was nur im Entferntesten an Büffeln erinnern könnte und so hatte unsere arme Tochter bald ein unglaubliches Wirrwarr im Kopf. Trotz grundsätzlicher Befürwortung des frühen Sprachunterrichts, begannen „Meiner“ und ich am Sinn der Französischlektionen zu zweifeln.

Beim FeuerwehrRitterRömerPiraten sah es leider nicht viel anders aus und so fing „Meiner“ an, kritische Fragen zu stellen. Er müsse dem Lehrmittel eben eine Chance geben, meinte die Lehrerin, dann werde sich der Lernerfolg schon einstellen. Wir blieben trotzdem skeptisch, denn es wollte uns nicht einleuchten, weshalb unsere Kinder zwar wussten, was „Lautmalerei“ und“Verkehrskreisel“ auf französisch heisst, jedoch nach zwei Jahren nicht sagen konnten, wie sie heissen, wo sie wohnen und was sie gerne tun. 

Beim Zoowärter sah es im ersten Jahr nicht viel anders aus. Das Kind erledigte seine Hausaufgaben mit Widerwillen, verstand kein Wort und hatte im Grunde genommen keine Ahnung, was das alles sollte. Dann bekam er eine neue Lehrerin und plötzlich kam Bewegung in die Sache. Wenn einer fragt, was das Wort „Cocktail“ bedeutet, weist er darauf hin, das müsse doch etwas mit „le coq“ zu tun haben, auf einfache Fragen weiss er eine Antwort und inzwischen sieht es gar so aus, als würde ein für die ganze Klasse verbindlicher Grundwortschatz aufgebaut. (Nein, so etwas ist leider nicht mehr selbstverständlich. Macht ja keinen Spass, Vokabeln zu büffeln.) Und weil er jetzt zu verstehen beginnt, was das alles soll, kommt allmählich die Freude an der Sprache auf. 

Sieht ganz danach aus, als könne man auch mit schlechten Lehrmitteln guten Frühfranzösich-Unterricht machen. 

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