Auf ins neue Leben!

Ja, ich bin dankbar, dass keines der Kinder über die Feiertage krank war. Keine fieberglänzenden Augen beim Auspacken der Geschenke, kein Erbrochenes unter dem Tannenbaum, keine Zwiebelwickel für schmerzende Ohren. Einfach nur fröhliche, überdrehte Kinder, die sich des Lebens und des gemütlichen Wohnzimmers freuten und das vierzehn Tage lang. So soll es sein, auch wenn es mir offen gestanden lieber gewesen wäre, die fünf hätten sich hin und wieder mal im Wald ausgetobt anstatt bei mir auf dem Sofa, wo ich mich mit Grippe, Zeitschriften und iPad dauerhaft niedergelassen hatte. 

„Morgen wird es wieder ruhiger und dann spielt es keine Rolle mehr, ob ich nun krank oder gesund bin, dann wird einfach geschrieben“, sagte ich gestern Abend hoffnungsfroh zu „Meinem“. Heute nämlich hätte mein neues Leben beginnen sollen, das war fest so eingeplant. Alle Kinder den ganzen Montag ausser Haus, sogar über Mittag, „Meiner“ zum ersten Mal seit Monaten wieder bei der Arbeit, ich ganz alleine zu Hause. Nur ich, mein neu ersteigertes Occasions-MacBook, die Schreibprojekte, die in den vergangenen Wochen den Weg zu mir gefunden haben und ein Überrest von Grippe. Besser kann ein neuer Lebensabschnitt nicht beginnen…

Aber eben, der Start in den neuen Lebensabschnitt wurde verschoben. Zoowärter hat sich heute krank gemeldet, liegt im Wohnzimmer auf dem Sofa und kann sich nicht entscheiden, ob er sich vor dem kleinen Drachen Kokosnuss fürchten soll oder ob er doch lieber das Hörbuch zu Ende hören will, weil es so spannend ist. Und ich kann mich nicht entscheiden, ob der Zoowärter wirklich krank ist, oder ob er von seinem gestrigen Einsatz als Sternsinger – die Protestantin in mir hat beinahe der Schlag getroffen, als er im Ministrantengewand vor der Haustüre stand – derart ausgelaugt ist, dass nicht mal die Aussicht auf ein Wiedersehen mit seinen Freunden ihn in den Kindergarten locken konnte.

Schreiben werde ich trotzdem. Oder ich werde es zumindest versuchen, sobald sich der Zoowärter entschieden hat, ob er jetzt vielleicht doch lieber „Das kleine Gespenst“ hören will.

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Glucke auf Friedensmission

Okay, ich liebe Königskuchen, aber das ganze Theater darum, wer die Krone bekommt, habe ich tüchtig satt. Noch einmal ein Jahr mit fünf Kuchen à sieben Brötchen mache ich nicht mit; dem Familienfrieden zuliebe alle tagelang mit süssen Weissbrötchen vollstopfen geht einfach nicht. Aber vier enttäuschte Gesichter – vielleicht gar fünf, falls einer von uns Eltern König wird – erträgt mein butterweiches Gluckenherz auch nicht. Weiss ich doch, wie unendlich schmerzhaft es ist, wenn immer ein anderer König wird. Bei mir hatte das gravierende Auswirkungen: Als ich mir im Alter von etwa zwölf Jahren endlich mal die Krone aufsetzen durfte, hielt ich mich für Napoleon – damals mein zu kurz geratenes Vorbild –  und setzte sämtliche Familienmitglieder als Könige meiner eroberten Ländereien ein. Muss mal meine Mutter fragen, ob sie die Liste, die ich damals erstellt habe, aufbewahrt hat.

Eine solche Liste werde ich morgen wieder vorbereiten, denn ich habe entschieden, dass bei uns am Sonntag sieben Könige gekrönt werden. Je nach Farbe der Hochzeitsmandel, die man im Kuchenstück findet, wird man dann eben König des Nordens, Königin des Amazonas oder so. Damit wir den Dreikönigstag für einmal in Frieden und Harmonie feiern können.

Nun ja, vielleicht muss ich mit Lebensmittelfarbe nachhelfen, für den Fall, dass der Zuckerguss der Mandel nicht genügend abfärbt und es plötzlich Streit gibt, wer nun über welches Gebiet herrschen darf. Ach ja, und dann muss ich „Meinen“ noch dazu bringen, sieben Kronen zu basteln, denn wenn ich das machen muss, werde ich diejenige sein, die sonntags mies drauf ist und Streit anfängt.

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Bereicherung

Prinzchen, Luise und „Meiner“ schaffen im Schulzimmer Ordnung, weil „Meiner“ am Montag wieder zur Arbeit geht, Teilzeit vorerst einmal, weil noch nicht klar ist, ob er schon fit genug ist für das volle Pensum. Die Kinder helfen beim Aufräumen und Einrichten. Als „Meiner“ findet, es sei jetzt Zeit, nach Hause zu gehen, meint das Prinzchen begeistert: „Ja, und dann räumen wir das Kinderzimmer auf!“ Was sie dann auch tun, bis „Meiner“ die Nase voll hat vom Aufräumen, worauf das Prinzchen eben ins Badezimmer weiterzieht, wo es nach dem Bad seiner grossen Geschwister so einiges wegzuräumen gibt.

Mal wieder starte ich das Jahr mit einer Magen-Darm-Seuche und mal wieder findet das Prinzchen, dies sei so was von daneben. (Ich übrigens auch, aber mich fragt ja keiner.) Weil es ihn langweilt, dass ich schon wieder im Bett liege, fängt er an, über mich zu springen, hin und zurück mit viel Anlauf, leider aber auch mit harten Landungen auf meinen ohnehin schon schmerzenden Bauch. Einige Male lasse ich ihn gewähren, irgendwann aber reicht es mir. „Prinzchen, du machst das ganz toll, aber könntest du jetzt bitte aufhören?“, flehe ich, aber offenbar kann unser Jüngster mich mit zittriger Stimme nicht ganz ernst nehmen. Er springt weiter. „Prinzchen, hörst du jetzt bitte sofort auf“, sage ich ein wenig lauter und bestimmter. Beleidigt zieht er sich unter seiner Decke zurück. „Gerade eben haben Luise und ich so toll das Badezimmer aufgeräumt und jetzt fängst du an, mit mir zu streiten!“, grummelt er. Nun ja, wenn er das streiten nennt…

Wenig später wäre eigentlich Schlafenszeit, aber das Prinzchen findet, seine Arbeit sei noch nicht getan. „Ich muss noch diese Abfallsäcke wegräumen und das Altpapier und dann sollte man den Vorratsschrank mal wieder aufräumen…“ Eifrig wetzt er durch die Wohnung, murrt über seine Familie, die einfach nicht ordentlich sein kann und lässt sich kaum bremsen. Erst als „Meiner“ verspricht, morgen würden sie dann den Rest der Unordnung im Kinderzimmer beseitigen, kann Prinzchen das Unerledigte sein lassen und sich zur Ruhe begeben.

Wüsste ich nicht, dass der Kleine gar nicht weiss, dass ein neues Jahr angefangen hat, würde ich denken, er hätte einen guten Vorsatz gefasst, der in zwei oder drei Tagen wieder verflogen ist. Weil er aber von Vorsätzen keinen Schimmer hat, ist stark davon auszugehen, dass hier allmählich ein Charakterzug sicht- und erlebbar wird. Ich bin mir nicht ganz sicher, ob dieser Charakterzug zu den Charakterzügen der übrigen Familienmitglieder passt, aber es ist spannend, mal auf vollkommen neue Weise bereichert zu werden.

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Ein Tag ganz nach euren Wünschen

Meine lieben Kinderlein

Heute Morgen waren wir zusammen im Naturama. Wir hatten sogar zwei eurer Lieblingscousins und eine eurer Lieblingstanten dabei. Wir sahen Dinoskelette, lebensechte Mammuts und bunte Fische, am Ausgang durftet ihr euer Taschengeld für pädagogisch wertvollen Krimskrams verschleudern. Danach gingen wir zwar nicht wie versprochen ins Hallenbad, dafür aber in einen jener verwerflichen Fast Food-Tempel, wo ihr euch mit Müll vollstopfen durftet. Schliesslich gab es Spiel und Spass bei den Cousins, Abendessen ohne Tischabräumen, warmen Kakao und für einige von euch sogar noch dreissig Minuten Lieblingsserie.

Ihr seht also, ich habe euch einen Tag geboten, wie ich ihn euch nie hatte bieten wollen. Nun ja, mal abgesehen von Museum, lieben Verwandten und warmem Kakao. Ich bin also sehr weit über meinen eigenen Schatten gesprungen, damit ihr nach Herzenslust auf meinen Erziehungsgrundsätzen herumtrampeln konntet. Nun bitte ich euch, für mich dasselbe zu tun und endlich Ruhe zu geben – auch wenn dies voll und ganz gegen eure Prinzipien ist -, damit ich endlich tun kann, was mir Spass macht: In den Keller gehen kann, um die Lichtschranke der Heizung zu reinigen. Die ist zu meiner Freude ausgerechnet jetzt hat ausgestiegen, wo sich euer Papa mit Karlsson eine Auszeit in Bern gönnt. Endlich darf ich auch mal ran!

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Versprochen ist versprochen

„Wenn ihr heute Abend brav ins Bett geht“, versprach ich unseren drei Jüngsten, „dann gehen wir morgen zusammen schwimmen und vielleicht auch noch ins Museum. Wir sind ja nur zu viert, dann können wir uns mal einen richtig schönen Tag machen. Aber ihr müsst mir versprechen, dass ihr früh Feierabend macht.“ Ob mir die drei überhaupt zuhörten? So wild, wie sie durch die Wohnung tanzten, einander piesackten und meine Aufforderungen, jetzt endlich ihre Butterbrote aufzuessen überhörten, machte ich mich auf einen anstrengenden Abend gefasst – und auf einen gemütlichen Tag morgen, ohne Hallenbad und Museum. Ich hätte ihnen getrost das Blaue vom Himmel herab versprechen können, so aufgedreht wie sie waren, würden sie mich bestimmt bis abends um elf auf Trab halten.

Da sieht man mal wieder, wie schlecht ich mich nach all den Jahren mit Kindern auskenne. Kaum war nämlich das Licht im Kinderzimmer gelöscht, wurden sie ruhig und nachdem das letzte Schlaflied verklungen war, lagen sie lammfromm in ihren Betten. „Na ja, das wird genau zehn Minuten lang gutgehen“, brummte ich, als ich mich in die Küche zurückzog. Tatsächlich kam nach zehn Minuten der Zoowärter raus. Er habe sich wehgetan, klagte er, aber anstatt wie üblich lauthals zu heulen und damit das Prinzchen aus dem Halbschlaf zu wecken, liess er sich mit wenigen Worten beruhigen. Einige Augenblicke später machte sich der FeuerwehrRitterRömerPirat bemerkbar. Er könne nicht schlafen, wenn die Zimmertüre offen stehe, ich sei einfach zu laut da draussen. Also schloss ich eben die Tür, damit er sich nicht mit anhören müsste, wie ich Rechnungsbeträge in den Computer eintippte. Das war es dann mit Tohuwabohu für heute Abend.

Okay, die drei haben also wirklich vor, morgen zu bekommen, was sie sich verdienen mussten. Zum Glück habe ich ihnen keinen Flug ins Weltall versprochen…

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Fast schon wie früher

Da bin ich also wieder, bestens ausgeruht, mit zahlreichen guten Vorsätzen ausgerüstet – früher ins Bett, weniger Koffein, mehr Grüntee, mehr Gelassenheit, mehr Geduld und weniger Stress – und bereit, wieder meinen Teil zum Familienleben beizutragen. Also morgens um vier mit „Meinem“ das Prinzchenbett von Katzenkot befreien, Weihnachtsmenü aus dem Ärmel schütteln, überdrehte Kinder beruhigen, Baum schmücken, Playmobil zusammenbauen – was halt so dazugehört, wenn man einen Tag vor Heilig Abend nach Hause kommt. Nun ja, das mit dem Katzenkot ist zum ersten Mal passiert, aber das Prinzchen zeigte sich verständnisvoll. Die Katzen hätten eben Angst gehabt, ihr Geschäft in der Katzenkiste im dunklen Wohnzimmer zu verrichten. Im Kinderzimmer war es zwar genauso dunkel, aber lassen wir das wenig festliche Thema für heute.

Bereits jetzt ahne ich, dass der Familienalltag sich meinen Vorsätzen gegenüber wenig sensibel zeigen wird, aber ich kann gut damit leben. Wenn ich bedenke, dass wir vor zwei Monaten noch fürchteten, „Meiner“ werde vielleicht nie wieder ganz sich selber sein, dann bin ich einfach nur dankbar, dass es bei uns schon fast wieder so ist wie früher und dass wir unser übliches turbulentes, möchtegern-feierliches Weihnachtsfest mit hier einem Stimmungseinbruch und dort einem Glanzlicht feiern durften.

Frohe Weihnachten allerseits!

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Jetzt bloss nicht zurücklehnen!

Es ist wohl eine der grössten Illusionen, wenn Eltern glauben, die Kinder brauchten einen weniger, wenn sie grösser werden. Klar, nachts aufstehen muss man selten bis nie, in Körperpflege und Terminplanung werden die Knöpfe immer selbständiger, die Zeiten, zu denen keiner im Haus ist, werden länger. Wehe aber dem, der daraus schliesst, dass er sich jetzt entspannt zurücklehnen und eigenen Projekten zuwenden kann.

Das Gegenteil ist der Fall: Jetzt gilt es erst recht, bei der Sache zu sein. Konnte man beim Stillen, in den Schlaf wiegen und Windelwechsel noch eigenen Gedanken nachhängen, ist volle Aufmerksam gefragt, wenn der Teenager abends um halb elf über seine Bedenken bezüglich Übertritt an die Oberstufe reden möchte. Ein Dreijähriger gibt sich noch mit einer einfachen Antwort zufrieden, eine Zehnjährige bohrt nach, bis es richtig persönlich wird und man sich sehr gut überlegen muss, was man jetzt sagt, damit man dem Kind das weitergibt, was einem wirklich am Herzen liegt. Meinungsverschiedenheiten lassen sich nicht mehr mit einem „Davon verstehst du noch nichts“ vom Tisch wischen, sie wollen ausgetragen sein.

Ganz klar, die Auseinandersetzungen werden anspruchsvoller, Mama und Papa müss(t)en sich noch mehr darüber austauschen, wie sie ihre Kinder begleiten wollen. Dennoch halte ich weiterhin nichts vom abgedroschenen Spruch von den kleinen Kindern und den kleinen Sorgen. Ich bleibe bei meiner Meinung, dass jede Zeit ihre ganz eigenen Herausforderungen, aber auch ihre eigenen Glanzlichter hat. Ich ahne, dass sich die Herausforderung dann am besten meistern lassen, wenn man es immer wieder aufs Neue schafft, sich über die Glanzlichter zu freuen, ob es nun ein zahnloses Lächeln nach einer durchwachten Nacht ist oder ein wohlwollendes „Mama, du bist eigentlich ganz cool“ nach einem heftigen Krach mit Türknallen und Wutgeschrei.

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Kapitales Versäumnis

Es hat durchaus sein Gutes, dass wir derzeit lahmgelegt sind. Ging vorher so manches im Trubel unter, sind wir jetzt geradezu vorbildlich im Erledigen von Kleinigkeiten. Die Zeit reicht gar nicht mehr aus, Formulare, die ins Haus geflattert kommen, mit Kakaoflecken zu verzieren, weil wir sie sofort ausfüllen und zurückschicken. Die Kinder haben keine Chance mehr, etwas zu Hause zu vergessen, weil Mama und Papa morgens kontrollieren, ob auch wirklich alles im Schulsack ist. Die Katzen müssen nicht mehr miauen, um Futter zu bekommen, weil einer von uns beiden den Futternapf füllt, wenn nur schon das Halsband-Glöckchen im Treppenhaus zu hören ist. Sogar die Winterreifen sind inzwischen montiert, drei von fünf Kindern haben neue Winterstiefel und die anderen zwei bekommen sie morgen. Ziemlich beeindruckend, nicht wahr?

Wäre da bloss nicht dieses eine kapitale Versäumnis: Wir haben keinen Samichlaus. Der gute Wille war zwar da, aber ausgerechnet in diesem wichtigen Punkt waren wir so spät dran wie zu unseren schlimmsten Zeiten und da haben wir eben keinen mehr bekommen. Wir haben uns zwar eingehend darüber unterhalten, wie wichtig wir es finden, dass Zoowärter und Prinzchen ihren Samichlausbesuch bekommen, auch wenn Karlsson und Luise allmählich etwas zu gross sind dafür. Wir haben uns Gedanken gemacht, was der gute Mann zu jedem unserer Kinder sagen sollte, aber wir haben zu lange gezögert, zum Telefon zu greifen und so war es eben zu spät, als wir es endlich doch taten.

Vielleicht hätte ich mir dieses Versäumnis verzeihen können, hätte mir nicht der FeuerwehrRitterRömerPirat mit leuchtenden Augen verkündet, er wolle dem Samichlaus sein erstes Liedchen auf der Trompete vorspielen. Wie soll ich es übers Herz bringen, diese Vorfreude zu zerstören? Ich glaube, es würde mir leichter fallen, allen Kindern dieser Welt ein für alle Mal klar zu machen, dass es den Samichlaus nicht gibt, als meinen Kindern zu gestehen, dass er dieses Jahr nicht zu uns kommen wird, weil wir ihn zu spät eingeladen haben. Wie nur sollen wir nach diesem Versagen das Vertrauen unserer Kinder wieder zurückgewinnen?

Ob es hilft, wenn ich mir ganz viel Asche aufs Haupt streue? Dann ginge ich am Donnerstag zumindest als Schmutzli durch.

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Startschwierigkeiten

Theoretisch hätte heute ein neuer – und zugleich auch alter – Lebensabschnitt angefangen. Fast-Vollzeithausfrau und freischaffende Schreibende war ich schon mal und so wie es aussieht, werde ich es auf absehbare Zeit auch bleiben, diesmal mit dem erklärten Ziel, dem Schreiben den Raum zu geben, den es verdient. Um dem Ganzen zumindest eine Chance auf Professionalität zu geben, bleibt das Prinzchen vorerst einen Tag pro Woche in der Krippe. Es ist nämlich gar nicht so einfach, den roten Faden eines Textes zu behalten, wenn das Prinzchen mit dem Feuerwehrauto durch die Wohnung kurvt und in jedem Winkel einen Brand zu löschen hat. Also haben wir den Montag zu meinem offiziellen Schreibtag erklärt und dies sowohl den Kindern als auch der Putzfrau mitgeteilt.

Leider nimmt die Schule auf solche Pläne keine Rücksicht und so stand heute Mittag plötzlich Karlsson auf der Matte. Er hätte am Nachmittag schulfrei, ob ich das denn vergessen hätte. Ach ja, die Weiterbildung. An die hatte ich tatsächlich nicht mehr gedacht. Zehn Minuten später erschien Luise, um mich daran zu erinnern, dass sie heute eine Stunde früher nach Hause kommen würde. Ebenfalls Weiterbildung, ebenfalls vergessen. Tja und so versuchte ich eben, meine Ideen zu skizzieren und gleichzeitig Karlsson zuzuhören, der mir ausgerechnet heute unglaublich viel zu erzählen hatte. Nun gut, immerhin liess er sich dazu hinreissen, die wenigen Zeilen, die ich zu Papier brachte, zu lesen und mir ein Feedback zu geben, aber ansonsten war seine Anwesenheit meiner Arbeit nicht gerade förderlich. Nach und nach trudelte auch der Rest der Horde ein und so beschloss ich schliesslich schweren Herzens, den Beginn meines neuen Lebensabschnittes auf den kommenden Montag zu verschieben. Wobei, das geht gar nicht, dann muss Karlsson zum Arzt und ich auch. Na dann eben übernächste Woche oder vielleicht auch erst nächstes Jahr…

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Ein paar Kleinigkeiten noch…

Allmählich werde ich mir selbst unsympathisch. Da ärgere ich mich ein halbes Leben lang über Menschen, die sich Ende November zurücklehnen und süffisant lächelnd verkünden, dass abgesehen vom Baumschmücken alles erledigt sei. Und jetzt bleiben auch mir nur noch zwei oder drei Geschenke zu organisieren, ein paar Guetzli zu backen und mit den Kindern Lehrergeschenke fertigzustellen. Die Weihnachtsvorbereitungen sind so erschreckend weit fortgeschritten, dass ich in Versuchung komme, Dummheiten anzustellen. Zehn Sorten Pralinen machen, zum Beispiel, Baumschmuck aus gefärbtem Isomalt oder ein üppig verziertes Weihnachtsfenster. Am Ende fange ich noch an zu basteln…

Mag sein, dass ich mich zu aktiveren Zeiten danach gesehnt habe, dem festlichen Geschehen nicht immer zwei Schritte hinterherzuhinken. Zuweilen verspürte ich vielleicht sogar einen Hauch von Neid wenn ich sah, wie perfekt organisiert andere sind. Was war ihr Geheimnis? Eine spezielle Begabung fürs Feiern? Ausgeklügelte Checklisten oder gar eine Ausbildung?

Heute habe ich eine Ahnung davon, welche Voraussetzungen es braucht, damit das Fest gelingt: Kinder, die aus dem Gröbsten raus sind, ein Job als Vollzeithausfrau und keine namhaften Pflichten ausser Hause. So sollte es klappen. Die Frage ist bloss, ob ich bereit wäre, diesen hohen Preis zu bezahlen, nur damit alles reibungslos läuft.

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