Wie hätte es auch anders sein können?

Das mit der käferfreien Reise hat sich einmal mehr als netter Wunsch herausgestellt. Okay, die meisten von uns haben es zumindest geschafft, den guten alten Noro auf Sparflamme zu halten, aber den FeuerwehrRitterRömerPiraten hat es erwischt wie seit Jahren nich mehr. Das arme Kind verbrachte heute den ganzen Tag entweder schreiend auf dem WC oder dösend im Bett. Und so war heute Morgen eben zuerst die Apotheke dran und nicht der Prager Zoo. Mit Händen und Füssen sowie der Hilfe einer netten Kundin schaffte ich es, dem Apotheker klar zu machen, dass ich leider kein Tschechisch spreche, worauf er seine Englisch sprechende Mitarbeiterin herbeirief, die mir ein paar Medikamente verkaufte, von denen ich hoffe, dass sie gegen Durchfall helfen. Um dies herauszufinden gibt es zwei Möglichkeiten: Beobachten, ob sich beim FeuerwehrRitterRömerPiraten endlich eine Besserung einstellt, oder aber ganz schnell Tschechisch lernen, damit ich den Beipackzettel verstehen kann. Momentan habe ich den Eindruck, dass ich mit Tschechisch lernen schneller ans Ziel käme, denn von einer Besserung ist weit und breit nichts zu sehen. Ich habe schon mal angefangen, mich nach einem ärztlichen Notfalldienst umzusehen. Und nach einem Tschechisch-Kurs, damit ich den Arzt auch verstehen würde, falls wir einen aufsuchen müssten.

Nun, wenn ein Kind krank ist, kann man nicht gut von allen anderen erwarten, dass sie den ganzen Tag in der Wohnung sitzen, so schön diese auch sein mag. Also doch in den Zoo. Ich ganz alleine mit den vier gesunden Kindern mit U-Bahn und Bus. Zwei von diesen vier Kindern musste ich zuerst mal erklären, was eine U-Bahn ist und ich glaube „Meiner“, der danebenstand und den Rucksack für unseren Ausflug packte, zweifelte einen Moment lang dran, ob er Frau und Kinder je wieder sehen würde, oder ob sie irgendwo zwischen vystúp und nàstup verloren gehen würden.

Wir gingen natürlich nicht verloren. Wie denn, wo doch die Prager U-Bahn übersichtlicher ist als unser Vorratsschrank zu Hause? Und ausserdem verhielten sich unsere Kinder, als hätten sie seit ihrem ersten Lebenstag nichts anderes getan als U-Bahn fahren. Es wurde ein ganz und gar gelungener Familienausflug mit Eis essen, Lieblingstieren anschauen – Eisbären für Karlsson, Flamingos für Luise, Elefanten für den Zoowärter und „Tiger ist sooooooo cool“ für das Prinzchen -, mit einem Besuch beim Baby-Nilpferd, mit einem Riesenkrach, weil wir nicht mit der Sesselbahn fahren konnten, weil der Zoowärter Angst hatte und ich auf dem kleinen Sessel nicht zwei kleine Jungs auf den Schoss hätte nehmen können, mit müden Beinen, sich paarenden Riesenschildkröten – „Mama, findest du doof, was die zwei Schildkröten da machen?“ -, mit Gedränge auf der Rutschbahn und „Nein, Prinzchen, nicht über den Zaun klettern!“. Ein Familienausflug, wie er im Buche steht, wunderschön und anstrengend zugleich.

Ein Familienausflug, den wir unbedingt werden wiederholen müssen. Denn der FeuerwehrRitterRömerPirat will den Zoo ja auch noch sehen. Sobald die Medikamente endlich gewirkt haben und er nicht alle drei Minuten aufs WC rennen muss. So es denn überhaupt Medikamente gegen Durchfall und nicht gegen Verstopfung sind…

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Geht doch

Morgen früh verreisen wir nun endlich auch in die Ferien und jetzt solltet ihr euch bitte irgendwo festhalten, denn das, was ich jetzt schreibe, ist beinahe nicht zu glauben: Wir sind bereit. Nein, nicht bloss im Kopf. Die Koffer sind gepackt – bis auf denjenigen von „Meinem“, aber der musste heute noch Plakate malen – , das Auto ist beladen, die Kühlschränke sind nahezu geräumt und sogar die Reiseunterlagen inklusive gültige Identitätskarten für alle sieben liegen bereit. Ich habe es sogar fertig gebracht, eine Tasche mit Gummistiefeln und Regenjacken zu packen, weil ich irgendwo am Rande mitgekriegt habe, dass es in Prag derzeit auch ziemlich nass sein soll. Mag sein, dass dies in den Augen meiner Leserschaft nichts Besonderes ist, aber ich muss leider darauf hinweisen, dass es so etwas im Hause Venditti seit mindestens sechs Jahren nicht mehr gegeben hat. Ich glaube, mich vage daran erinnern zu können, dass wir das damals, als Karlsson und Luise noch sehr klein waren, auch schon hingekriegt haben, aber spätestens seit der Geburt des FeuerwehrRitterRömerPiraten herrschte ein heilloses Durcheinander wann immer wir verreist sind. Eigentlich erstaunlich, dass wir kaum je etwas zu Hause vergessen haben. Wo doch unsere Reisevorbereitungen eher Fluchtversuchen gleich kamen. 

Aber diesmal ist wirklich alles anders. So anders, dass wir sogar daran gedacht haben, uns die Magen-Darm-Seuche, die wir uns gewöhnlich im Urlaub leisten, in diesem Jahr bereits zu Hause zu geniessen. Ja, ich weiss, das ist nun wirklich ein wenig übertrieben, aber wo wir schon mal am Durchorganisieren waren, haben wir uns gedacht, dass wir das mit der Planung für einmal bis ins kleinste Detail durchziehen sollten.

Johann Sebastian sei Dank

Der gute alte Johann Sebastian ist und bleibt der Beste. Was ich in zwei nervenaufreibenden Stunden nicht hinkriege, schafft er innert Minuten. Nichts half, weder singen, kuscheln noch drohen. Das Prinzchen, der Zoowärter und der FeuerwehrRitterRömerPirat wollten heute Abend einfach keine Ruhe geben und irgendwann war es auch mit meiner Ruhe vorbei, so dass ich nicht mehr ganz die nette Mama war, die ihre Kinder singend in den Schlaf begleitet. Irgendwann war ich an dem Punkt, an dem ich nur noch lauthals schimpfen konnte, sogar mit dem FeuerwehrRitterRömerPiraten, der den ganzen Tag fiebernd auf dem Sofa gelegen hatte und dennoch abends so lieb war, mich bei meinen erfolglosen Versuchen, die zwei Jüngsten zum Schweigen zu bringen, zu unterstützen.

Ich war schon fast den Tränen nahe, weil es mal wieder ganz klar darauf hinauslief, dass ich erst die ganz böse Mama würde spielen müssen, ehe die übermüdeten Kinder endlich schlafen würden. Da hatte ich den rettenden Einfall, es mal wieder mit Johann Sebastian zu versuchen. Und siehe da, der alte Knabe hat unsere Söhne noch immer bestens im Griff. Kaum erklangen die ersten Takte, hörte das Prinzchen auf, mich mit kleinen, fiesen Schubsern zu provozieren, fünf Minuten später lag sein Kopf friedlich auf meinem Schoss und bald schon schlief er tief und fest. Auch der FeuerwehrRitterRömerPirat liess nur noch einen tiefen Seufzer hören, dann liess auch er sich von der Musik in den Schlaf lullen. Der Zoowärter brauchte etwas länger als seine zwei Brüder, was wenig verwunderlich ist, wo er doch heute Abend einer der drei Chipmunks war und meines Wissens sind die nicht wegen ihres phlegmatischen Wesens berühmt geworden. Aber auch der kleine Chipmunk wurde deutlich ruhiger und schon bald einmal verkündete er, er werde sich jetzt in seine Chipmunk-Höhle zurückziehen um tief und fest zu schlafen. 

Es gibt viele gute Gründe, Johann Sebastian zu verehren, in meinen Augen aber ist seine grösste Leistung eindeutig die, dass er es fertig bringt, unsere aufgedrehten Söhne abends zu beruhigen. Nun ja, eigentlich gibt es etwas, wofür ich ihn fast noch ein wenig mehr verehre: Er schafft es, auch mich wieder zu beruhigen, nachdem die aufgedrehten Söhne mich mal wieder zur Weissglut getrieben haben. Und glaubt mir, wenn ich mich mal aufrege, bin ich gar nicht so leicht zu beruhigen und deswegen bitte ich euch, dem guten alten Herrn Bach einen tosenden Applaus zu geben.

Armes Prinzchen

Allmählich nähert sich das Prinzchen seinem dritten Geburtstag und so langsam kommt bei mir das Mitleid auf, das ich immer empfinde für die Dreijährigen. Nun ja, es dauert noch gute drei Monate, bis der grosse Tag da ist, aber als jüngstes Kind ist das Prinzchen immer etwas schneller als die anderen es waren. Und darum zeichnet sich bei ihm jetzt schon ab, was früher oder später kommen muss: Die Schonzeit nähert sich ihrem Ende. 

Es fängt damit an, dass nicht mehr alle „ach, wie süüüüüüüüss“ kreischen, wenn das Prinzchen einem seiner Geschwister eins überbrät. Plötzlich heisst es „Prinzchen, du nervst!“ und der arme Junge ist ganz verdattert. Warum sind sie plötzlich nicht mehr entzückt, wenn er den Grossen zeigt, wer hier der Meister ist? Vielleicht hat es etwas damit zu tun, dass seine Schläge inzwischen ganz schön schmerzhaft sind und das ist nun mal nicht mehr besonders süss.

Ein weiteres Anzeichen, dass es für unseren Jüngsten langsam ernst gilt: Der Satz „Ach lass ihn doch. Er ist noch so klein und versteht noch gar nicht, dass er kein Eis haben darf, wenn er bereits Gummibärchen genascht hat“ fällt deutlich seltener. So langsam entwickelt unser Prinzchen ein Gefühl für den Tagesablauf und von einem Kind, das schon ziemlich gewieft mit den Begriffen „heute“ und „morgen“ jongliert, erwartet man automatisch, dass es damit leben kann, dass es erst morgen wieder etwas Süsses gibt. Natürlich weiss ich, dass der Junge trotz seiner grossen Worte noch keinen Zeitbegriff hat, aber wer sagt denn, dass Mütter sich immer schön brav an das halten, was sie wissen? Oh ja, es fällt mir durchaus schwer, bei dem herzigen Bengel konsequent zu bleiben, wo er doch im Vergleich zu seinen Geschwistern tatsächlich noch sehr klein ist, aber irgendwann muss er wohl lernen, dass er hier nicht im Schlaraffenland lebt. 

Ja, und da wäre natürlich noch die Sache mit dem Chaos. So langsam ist es einfach nicht mehr süss, wenn das Prinzchen wie ein Wirbelsturm durch die Wohnung fegt. Er braucht gerade mal so lange, wie Mama auf dem WC sitzt, um den Küchenschrank leer zu räumen, eine halbe Tüte Mehl zu verschütten und den Brotteig mit bunten Zuckerstreuseln zu verzieren. Ja, ich weiss, ihr denkt jetzt, ich würde wohl den halben Vormittag im Badezimmer verbringen und glaubt mir, die Versuchung ist gross, eben dies zu tun, um das Durcheinander, das unser Jüngster innert Kürze anrichtet, nicht sehen zu müssen. Aber weil ich inzwischen die unzähmbare Neugierde unseres Jüngsten und deren desaströse Folgen für Mobiliar, Bastelarbeiten und Lebensmittelvorräte kenne, wage ich kaum mehr, die Tür zum Badezimmer zu schliessen, aus Angst, ich würde ausgerechnet in dem Moment weg sein, in dem er beschliesst, das iPad aus dem Fenster zu werfen oder Karlssons Zeugnis etwas bunter zu gestalten. Und sagt jetzt nicht, wir müssten die Dinge eben prinzchensicher verstauen. In den vergangenen Monaten mussten wir durch diverse schmerzhafte Erfahrungen lernen, dass es so etwas wie Prinzchensicherheit nicht gibt, das Kind kommt überall hin, wenn er es sich nur fest genug in den Kopf setzt. Und weil man ein solches Kind nicht bremst, indem man ihm sanft ins Ohr säuselt „Mein lieber kleiner Schatz, willst du das nicht lieber bleiben lassen? Mama ist ganz traurig, wenn du jetzt diesen Blumentopf vom Balkon schmeisst“, kommt es hin und wieder vor, dass wir ziemlich laut und ernst werden müssen, ehe er von seinem Tun ablässt.

Wenn ich lese, was ich bis jetzt geschrieben habe, frage ich mich, weshalb ich diesen Text mit „armes Prinzchen“ überschrieben habe. Sind nicht wir anderen die Armen? Immerhin versuchen wir den lieben langen Tag mit mässigem Erfolg zu verhindern, dass der kleine Lausebengel unser Leben noch vollends auf den Kopf stellt. Aber ich bleibe dabei, dass nicht wir die Armen sind, sondern er. Denn währenddem wir wissen, dass sich das alles wieder legen wird, wenn der Verstand des Prinzchens anfängt, mit seinem Können Schritt zu halten, hat er keine Ahnung, weshalb es immer öfters „Prinzchen neeeeeiiiiiiiin! Jetzt hörst du sofort auf damit!“ heisst und nicht mehr „Ach schau mal wie süss! Jetzt hat er schon wieder den ganzen Sirup ausgekippt, weil er versucht hat, sich selber einzuschenken.“

Antworten auf nicht gestellte Fragen

In letzter Zeit habe ich öfters mal drauflos gebloggt, ohne meinen Lesern später auch die Fortsetzung oder das Ende der Geschichte zu liefern. Mein Leben rast weiter, bringt mir weitere Absurditäten, Tiefschläge, Höhenflüge und Stolpersteine über die ich schreiben will und ich denke nicht weiter an die losen Enden, bis jemand aus meinem Leserkreis mich auf diese oder jene Geschichte anspricht und wissen möchte, wie die Sache denn ausgegangen sei. Heute also ein kleiner Aufwisch über Ferienlager, Rattenbesuche und dergleichen:

  • Ja, wir haben das Schuljahresende mehr oder weniger schadlos überstanden, die Lehrerinnen haben alle ihr Geschenk gekriegt, Luises Brille ist wieder aufgetaucht und ihr Schmusetier auch. Soweit ist also alles wieder in Butter, wir müssen jetzt nur noch endlich all die Schulhefte und Kinderzeichnungen archivieren, die ausgelatschten Finken – nein, nicht die Vögel, die Hausschuhe – entsorgen und die Turnkleider aussortieren, dann können wir das Schuljahr 2010/11 endgültig abschliessen und uns dem Schuljahr 2011/12 widmen, d. h. neue Finken kaufen, zu klein gewordene Turnkleider durch grössere Turnkleider ersetzen und das, was noch brauchbar ist, dem kleinen Bruder weiterreichen, Stundenpläne aktualisieren, mit Musiklehrern und Therapeuten verhandeln, welches Venditti-Kind wann noch ein freies Zeitfenster für den Unterricht hat, Karlsson davon überzeugen, dass ihm der neue Lehrer nicht den Kopf abreissen wird, dem FeuerwehrRitterRömerPiraten versichern, dass er mit seinen Lehrerinnen bestimmt gut klarkommen wird, auch wenn Luise in ihrem Temperament nicht nur nette Dinge über sie gesagt hat, dem Zoowärter klarmachen, dass der Kindergarten eine ganz tolle Sache ist, auch wenn er jetzt zwei Jahre lang jeden Tag miterleben musste, wie die Mama den widerstrebenden FeuerwehrRitterRömerPiraten aus dem Haus getrieben hat… Aber was erzähle ich da von all den Dingen, die noch vor uns liegen? Ich wollte doch Altes aufwischen, nicht Neues anreissen. Dann also weiter mit den losen Enden:
  • Ja, Karlsson und Luise sind gut zu Hause angekommen. Okay, der eine oder andere Kratzer sieht etwas schlimm aus, aber was wäre ein Zeltlager ohne ein paar blaue Flecken und Kratzer? Karlsson hatte hin und wieder Heimweh, Luise nicht. Dafür zieht sich Karlsson jetzt, wo er uns wieder hat, gerne in die Ruhe seines Zimmers zurück, während Luise die Nähe, die sie nicht vermisst hat, jetzt umso mehr sucht. Also alles bestens, die beiden lieben uns noch immer, einfach jeder auf seine eigene Art. Die Glucke hat die Woche übrigens auch ziemlich gut überstanden, sie scheint sich so langsam mit dem Gedanken anzufreunden, dass Kinder gewöhnlich keinen Schaden nehmen, wenn sie einmal ein paar Tage ohne Mama und Papa auskommen müssen. Oder dürfen.
  • Die Ratte ward seit einigen Wochen nicht mehr gesehen. Was noch lange nicht heissen muss, dass sie nicht mehr da ist. Aber seitdem wir kein Au Pair mehr haben, ist auch niemand mehr im Haus, der sie sehen könnte, denn meistens kam das Vieh ja vormittags. Ich rede mir jetzt einfach mal ein, sie habe sich aus dem Staub gemacht und hoffe, dass ich eines Morgens nicht eines Besseren belehrt werde. Wie? Ihr fragt, ob denn der Kammerjäger nichts habe ausrichten können? Ach ja, der Kammerjäger. Den hätte ich beinahe vergessen. Der kam mal schnell, schaute sich unseren Balkon an, lief einmal um unser Haus, brummte dann, da könne er nun wirklich nichts tun und weg war er. Nun ja, zumindest hat er keine Rechnung geschickt…
  • Ach ja, und dann war da noch die Sache mit den Katzen, die der Ratte den Garaus machen sollten. Inzwischen habe ich mir sagen lassen, dass sich Ratten einen Dreck um die Anwesenheit einer Katze scheren, aber wir haben dennoch beschlossen, uns zwei anzuschaffen, denn eigentlich war das mit dem Rattenvertreiben  ohnehin nur ein Vorwand, um endlich eine Ausrede zu haben, uns Katzen zuzulegen. Morgen gehen wir sie zum ersten Mal besuchen. Luise und ich können den Augenblick kaum erwarten, die anderen sehen das etwas gelassener, aber sogar „Meiner“ musste gestehen, dass sie auf den Bildern wirklich zum Anbeissen aussehen.
  • Und dann noch kurz dies: Nein, die Kinder gönnen uns die Nachtruhe noch immer nicht, in diesem Moment schlafen drei Stück in unserem Schlafzimmer, nur zwei in ihren eigenen Betten, nein, das Schreiben kommt leider nicht so voran, wie ich mir dies wünschen würde und unser Umbauprojekt „neue Arbeitsteilung“ stockt weiterhin,  ja, die Ferien sind inzwischen mehr oder weniger fertig geplant und wenn alles gut kommt, reisen wir am Samstagmorgen ab, nein, der Zoowärter hat noch nicht vergessen, dass er in Prag ein neues Schwert bekommen soll und ja, in unserer Wohnung herrscht noch immer das pure Chaos, aber wir arbeiten dran, ohne Unterbruch und man sieht dennoch nichts davon…
Damit bin ich am Ende meines Aufwisches angelangt. Sollte ich etwas nicht erwähnt haben, fragt bitte nicht nach, denn wahrscheinlich habe ich nichts davon geschrieben, weil ich die Sache verdrängt habe…

Amtsschimmel & Glucke

Glaubt mir, ich habe keinen Vorwand gesucht, um meine Kinder im Jungscharlager besuchen zu können. Im Gegenteil, ich hatte mir fest vorgenommen, unseren zwei Ältesten die Woche ohne Mama, Papa und kleine Brüder zu gönnen. Klar, es fiel mir schwer, aber ich habe mir sagen lassen, dass Kinder jeweils von schrecklichem Heimweh geplagt sind, wenn die Eltern mal kurz in der Mitte der Woche zu Besuch kommen, um zu sehen, ob alles in Ordnung ist. Hätte uns nicht der Schweizer Amtsschimmel dazu gezwungen, hätten wir das also bleiben lassen, ganz ehrlich. Aber der Amtsschimmel wollte für ein amtliches Dokument die Unterschriften von Karlsson und Luise und weil es Ende Woche nicht mehr gereicht hätte, musste die Unterschrift der beiden her und zwar sofort. Ist ja schon absurd: Unterschreiben dürfen die zwei noch gar nichts, aber für gewissen Dokumente geht es doch nicht ohne die typischen krakeligen Kinderunterschriften. Was blieb uns da anderes übrig, als heute mal kurz im Lager vorbeizuschauen, bewaffnet mit schwarzem Stift, den zu unterschreibenden Dokumenten, zwei Kilo Schokolade für die Leiter und ein paar Süssigkeiten für unsere beiden Grossen?

Wir blieben wirklich nur ganz kurz, aber es reichte doch, um der Glucke in mir zu beweisen, dass für die Kinder bestens gesorgt ist. Ihr könnt mir glauben, eine derart gut ausgerüstete Zeltstadt habe ich in meinem Leben noch nie gesehen. Okay, so viele habe ich noch nicht gesehen, aber immerhin habe ich auch ein paar Jahre Jungscharerfahrung und daher eine blasse Ahnung davon, wie Zeltstädte auch noch aussehen könnten. Eine mit Wasserturm, Solaranlage und Dusche gab es zu unseren Zeiten auf alle Fälle noch nicht. Das allein hat die Glucke schon mächtig beeindruckt. Als sie dann sah, dass Karlsson und Luise nicht nur wohlgenährt und verletzungsfrei, sondern auch sehr zufrieden sind, atmete sie hörbar auf. Und als man ihr auch noch erzählte, in der Nacht, in welcher ein heftiges Gewitter über das Land gezogen ist, hätten die Kinder auf dem nahe gelegenen Bauernhof übernachtet, da war sie derart erleichtert, dass sie sich ohne den geringsten Widerstand vom Zeltplatz führen liess.

Okay, auf dem Heimweg hat sie dann doch noch ein wenig gejammert, die Glucke. Sie beklagte sich darüber, dass Luise nicht das geringste Anzeichen von Heimweh gezeigt hat. Karlsson tat ihr immerhin den Gefallen, zu erzählen, er hätte bereits alle seine Heimweh-Bonbons aufgegessen, aber Luise sagte nur mal knapp hallo und verschwand dann wieder so schnell sie konnte. Ziemlich hart für die Glucke, das muss ich zugeben. Zumal sie ziemlich darunter zu leiden scheint, dass sie eine ganze Woche lang die einzige Henne unter vier Hähnen sein muss. 

Protokoll einer heissen Juli-Nacht

21 Uhr: Alle Kinder sind im Bett, es sieht ganz danach aus, als könnte heute noch ein Film drin liegen. Ein ganzer, ohne Unterbrüche.

21:10 Uhr: Der FeuerwehrRitterRömerPirat kann nicht schlafen. Warum, weiss ich auch nicht, also darf er noch Wasser trinken.

21:55 Uhr: In den Kinderzimmern herrscht jetzt absolute Ruhe. Ob wir jetzt den Film schauem sollen?

22:05 Uhr: Karlsson kann nicht schlafen. Ich schlage ihm vor, etwas zu lesen, aber dazu ist er zu müde. Dann soll er eben eine CD oder eine Schallplatte hören, aber das will er auch nicht. Dann eben singen? Nein, will er auch nicht. Dann soll er sich doch einfach ins Bett legen und Schäfchen zählen. Hat bei mir zwar auch nie gewirkt, aber ich will jetzt endlich Feierabend haben. Karlsson zieht sich in sein Zimmer zurück.

22:06 Uhr: Ob wir jetzt den Film schauen sollen?

22:08 Uhr: Karlsson ist wieder da. Er hat drei Minuten lang Schäfchen gezählt und kann noch immer nicht schlafen. Ich sage lange Zeit nichts, höre in mich hinein, um herauszufinden, ob ich jetzt schon explodieren soll, oder ob ich das erst beim nächsten Mal, wenn Karlsson wieder runter kommt, tun soll. Schweren Herzens entschliesse ich mich gegen das sofortige Explodieren und sage – ganz nett und aufrichtig übrigens – Karlsson solle sich doch auf die Matratze in unserem Zimmer legen und dort schlafen. Karlsson findet das eine gute Idee, holt sich Decke, Kissen und Eisbär David und legt sich in unser Zimmer.

22:15 Uhr: Karlsson muss nur noch schnell aufs WC und einen Schluck Wasser trinken, dann herrscht tatsächlich Ruhe, aber zum Film schauen sind wir jetzt zu müde.

23:59 Uhr: Ich weiss zwar nicht so genau weshalb, aber irgendwie haben „Meiner“ und ich uns die Stunden bis Mitternacht um die Ohren geschlagen. Vielleicht ist es einfach nur unter unserer Würde, noch am gleichen Tag zu Bett zu gehen, an dem wir morgens aus dem Bett gekrochen sind.

00:15 Uhr: Alles schläft….

00:30 Uhr: Luise kommt ins Elternschlafzimmer geschlichen. Sie hat Angst. Ich rücke an den Bettrand, damit sie sich zwischen „Meinen“ und mich quetschen kann. 

01:13 Uhr: Luise steht auf, um sich aufs Sofa zu legen, weil es ihr zu heiss ist zwischen „Meinem“ und mir.

01:25 Uhr: Luise ist wieder zurück. Auf dem Sofa hat sie die Angst wieder gepackt. Dann schon lieber heiss als ängstlich. Aber so heiss wie vorher auch wieder nicht. Mal sehen, ob sie beim Prinzchen unterkommt. Aber das Prinzchen will Luise nicht in seinem Bett haben. Luise, die weiss. wie sie ihren jüngsten Bruder rumkriegen kann, versucht es zuerst mit Betteln und weil dies nichts bringt, redet sie ihm ins Gewissen: „Du bist ein ganz böses Prinzchen, wenn ich nicht zu dir ins Bett kommen darf.“ Ich habe ja nicht gewusst, dass man flüsternd überhaupt schimpfen kann, aber Luise kann es und zwar so wirkungsvoll, dass das Prinzchen schliesslich widerwillig zur Seite rückt und der grossen Schwester Platz macht.

01:40 Uhr: Alles schläft…

06:10 Uhr: Von allen ausser von Karlsson unbemerkt kommt der FeuerwehrRitterRömerPirat ins Elternschlafzimmer geschlichen. Später, als ich den Jungen nicht finden kann, wird Karlsson zu Protokoll geben, dass der FeuerwehrRitterRömerPirat im Zimmer einen Schlafplatz suchte und sich, als er sah, dass nichts mehr frei war, aufs Sofa zurückgezogen hat. Dort fand ich ihn dann tatsächlich auch, später, als ich mich endlich von meinem Kissen losgerissen hatte.

06:45 Uhr: Tagwache. Luise schläft quer in Prinzchens Bett, die Beine an die Wand gelehnt, als sei sie bei der Gymnastik eingeschlafen. Das Prinzchen reibt sich verdutzt die Augen, weil plötzlich die halbe Familie im Zimmer ist. Karlsson drängt „Meinen“ und mich dazu, endlich aufzustehen und ich versuche vergeblich, ihm klar zu machen, dass ich ebenso grosse Mühe mit dem Wachwerden habe, wie er jeweils mit dem Einschlafen. 

07:30 Uhr: Die ganze Familie sitzt am Frühstückstisch. Die Ganze Familie? Nein! Ein unbeugsamer kleiner Zoowärter hat sich dem Gruppendruck widersetzt und die ganze Nacht in seinem eigenen Bett geschlafen. Und weil es sich dort weitaus besser schläft als eng aneinander gedrängt in einem stickigen Schlafzimmer, ist er der Einzige, der morgens nicht verzweifelt aus dem Bett geflüchtet ist, sondern sich noch eine weitere halbe Stunde Schlaf gönnt.

Wo bleiben denn die Post-its?

Träume ich, oder haben wir die alljährlichen Post-it-Tage in diesem Jahr überstanden, ohne auch nur ein einziges Mal tatsächlich eine Haftnotiz schreiben zu müssen, um  ja nichts zu vergessen? Ich wage es kaum zu schreiben, aus Angst, dass man mir nicht glauben könnte, aber in diesem Jahr war alles ein wenig anders, viel ruhiger und geordneter als gewöhnlich, und da morgen die Sommerferien anfangen, kann ich heute mit absoluter Sicherheit sagen, dass kein Elternbrief mehr ins Haus flattern wird, der die ganze unerwartete Ruhe noch stören könnte. Und dies in einem Jahr, in dem gleich vier Kinder einen Lehrerwechsel vor sich haben. 

Ob es daran liegt, dass unsere Kinder inzwischen so gross sind, dass die meisten Abschiedsfeste ohne Eltern und von Eltern zubereiteten Kuchen stattfinden? Haben die Kinder diesmal so viele Dinge selbständig erledigt, dass ich mir weniger Zeit nehmen musste dafür? Oder lag es vielleicht daran, dass „Meiner“ aus gesundheitlichen Gründen in den vergangenen Wochen beruflich etwas kürzer treten musste und dafür mehr Zeit hatte, Papa zu sein? Habe ich mich am Ende so sehr an den alljährlichen Schuljahresendstress gewöhnt, dass ich ihn inzwischen als weniger schlimm empfinde? 

Was auch immer der Grund ist, eins kann es bestimmt nicht sein: Dass ich selber so durchorganisiert geworden bin, dass das alles einfach reibungslos läuft. Denn eine Mama, die es noch nicht geschafft hat, die Identitätskarten der Kinder erneuern zu lassen und die die Frage, womit es denn in zwei Wochen nach Prag gehen werde mit „Wir schauen mal…“ beantwortet, kann man ja wohl kaum als durchorganisiert bezeichnen, nicht wahr? Nun ja, immerhin weiss ich schon, dass wir ganz bestimmt nicht fliegen werden und es ist ja schon mal gut, wenn man weiss, wie man nicht reisen wird.

Familienharmonie

Dass Vendittis Familienleben selten so beschaulich und harmonisch ist wie in der Fernsehwerbung dürften die meisten meiner Leser inzwischen mitgekriegt haben. Oh ja, wir haben sehr wohl unsere Sternstunden – an gewissen Tagen auch nur unsere Sternminuten -, aber die sind so eng verwoben mit dem ganz banalen Alltag, dass man oft erst abends beim Einschlafen erkennt, wie kostbar dieser oder jener Moment war. Nun ja, dann gibt es natürlich auch die Tage, an denen man sich mit Sternsekunden zufrieden geben muss. Es sind die Tage, an denen alles irgendwie so schräg zusammenkommt, dass man nur noch hinter den zusammengebissenen Zähnen hervorpressen kann: „Ich weiss, dass es der richtige Entscheid war, eine Familie zu gründen und ich weiss, dass ich meine Kinder über alles liebe, aber spüren werde ich das alles erst wieder, wenn sie alle schlafen und dieser elende Tag endlich vorbei ist.“ Momentan haben wir das zweifelhafte Vergnügen, gleich mehrere solcher Tage zu erleben. 

Die Voraussetzungen sind geradezu perfekt:

– Da wäre erstens einmal diese schwüle Hitze, die sowohl aus Eltern als auch aus Kindern diese einmalige Gereiztheit hervorruft, die man nur hinkriegt, wenn man einerseits wünschte, man könnte das sonnige Wetter geniessen, es aber andererseits keine Sekunde an der prallen Sonne aushalten mag. 

– Die Hitze zieht eine bleierne Müdigkeit nach sich, die man nur durch Schlafen kurieren könnte, aber schlafen geht nicht, weder für Eltern noch Kinder. Tagsüber nicht, weil weder bei der Arbeit noch in der Schule die Sommerpause begonnent hat, nachts nicht, weil wahlweise die Mücken summen, der Donner grollt oder das Kind, das es sich im Elternschlafzimmer bequem gemacht hat, einen ständig gegen den Bauch tritt. 

Soweit die meteorologischen Bedingungen. Aber Übermüdung alleine reicht noch nicht aus, um den Familienfrieden ernsthaft zu gefährden. Wie hätten wir denn sonst die vergangenen zehn Jahre überstanden? Nein, das Wetter bildet nur die Kulisse zu dem Drama, das sich auf schulischer Ebene abspielt:

– Da wäre zum Beispiel irgend ein sadistischer Bürokrat, der entschieden hat, dass die Sommerferien im Kanton Solothurn erst am 8. Juli beginnen. Und dies, obschon jeder weiss, dass die kindlichen Batterien spätestens am 3. Juli entladen sind. 

– „Das Schuljahr ist noch nicht zu Ende, also nützen wir die verbleibende Zeit für ein paar Lernzielkontrollen“, scheint sich die Lehrerschaft zu sagen. „Und wo wir schon dabei sind, könnten wir ja gleich noch einen Elternabend abhalten. Ach ja, und dann veranstalten wir noch ein paar Abschiedsfeste. Aber die Einladungszettel verteilen wir erst ein letzter Minute.“ Und schon bist du eingedeckt mit Lernzielkontrollen, die du noch unterschreiben musst, mit Stundenplänen für das neue Schuljahr und mit Elternbriefen, die über Schulausflüge, Abschiedsfeste, Schulhausfeste und dergleichen informieren. Oh, den Anmeldezettel für das „gesunde Znüni“, dem jeweils ein Franken fünfzig beigelegt werden muss, den darfst du auch nicht vergessen. Und bitte schön in dreifacher Ausführung, denn schliesslich wollen alle drei schulpflichtigen Kinder die letzte gesunde Zwischenverpflegung des Schuljahres bekommen.

– Weil „Meiner“ und ich ein besonderes Flair für stressige Situationen haben, haben wir bei der Familienplanung streng darauf geachtet, dass alle unsere Kinder gleichzeitig einen Lehrerwechsel haben. So kommen wir alle zwei Jahre in den Genuss von Kindern, die einerseits geplagt sind von Abschiedsschmerz, andererseits vor lauter Angst vor der neuen Situation, die sie nach den Sommerferien erwartet, nicht mehr schlafen können. Das bedeutet, dass unser Sofa abends um halb elf noch immer von weinenden Kindern bevölkert ist, die sich zwar inzwischen mir der Hitze abgefunden haben, die aber ihr Schlafmanko weiter kultivieren, indem sie allerlei Ängste und Sorgen dann mit den Eltern besprechen wollen, wenn sie eigentlich darüber schlafen sollten. Und auch wir Eltern arbeiten weiter fleissig an unserer Übermüdung, denn wenn die Kinder erst um elf Ruhe geben, bedeutet das, dass unser Feierabend auch erst dann beginnt und was ist denn schon ein Tag ohne Feierabendlektüre?

Man sieht also, die Schule trägt beträchtlich dazu bei, dass es bei Vendittis nicht allzu harmonisch zu und her geht. Aber weil auch das noch nicht reicht, gönnen wir uns noch ein paar Extras:

– Wir sorgen dafür, dass Luise weder ihre Brille noch ihr Schmusetier finden kann und deswegen vollkommen aus dem Tritt gerät.

– Wir planen noch kurz vor den Sommerferien die alljährliche Vorgeburtstagsparty für den FeuerwehrRitterRömerPiraten. Weil an seinem richtigen Geburtstag alle seine Freunde in den Ferien sind.

– Wir verknurren unsere Kinder dazu, ihre Zimmer aufzuräumen, weil wir nicht wollen, dass sich so kurz vor den Ferien jemand ein Bein bricht, wenn er versucht, sich einen Weg durch das Chaos zu bahnen.

– Wir zerbrechen uns den Kopf darüber, was die Lehrerinnen zum Abschied geschenkt bekommen sollen. Denn das Geschenk, das die Kinder zusammen mit ihren Klassenkameraden gebastelt haben, reicht uns natürlich nicht. Was ja auch verständlich ist, wissen wir doch aus eigener Erfahrung, dass Schülergeschenke für den Lehrer etwa die gleiche Bedeutung haben wie der Bonus für den Banker. 

– Ich begehe den grossen Fehler, unsere Kinder ausgerechnet jetzt in die hohe Kunst des Monopoly-Spiels einzuführen. Was bekanntlich in keiner Familie ohne Tränen und Streit vor sich geht. Ist ja auch kein Wunder, bei diesem Kapitalistenspiel.

Glaubt mir, wir würden alle ganz furchtbar liebenswürdig und geduldig miteinander umgehen, wenn es denn bloss nicht so heiss wäre. Und wenn bloss dieses Schuljahresende endlich da wäre. Und wenn wir endlich all diese Extras aufgearbeitet hätten. Ach ja, und dann sollten wir auch noch zum Fotografen. Wir brauchen ganz dringend neue Passbilder für die Sommerferien. Das werden bestimmt ganz reizende Familienbilder, fast wie in der Fernsehwerbung…

 

 

Ein Kandidat für den Tischlerschuppen

Wie schafft es ein Kind, das noch keinen Meter hoch ist, auf das Dach einer Garage zu klettern? Nein, ich meine keine Spielzeug-Garage, ich meine eine echte, in der zwei ausgewachsene Autos Platz finden.

Wie schafft es dasselbe Kind, mal schnell eine Honigmelone in sich hineinzustopfen, während Mama kurz auf dem WC ist. Nein, ich meine nicht einen Schnitz einer Honigmelone, ich meine eine ganze. Nun gut, Karlsson hat auch ein kleines Stück abgekriegt, aber den Rest hat der Kleine alleine vertilgt.

Wie schafft es dieses kleine, zart gebaute Männlein, seine grossen Geschwister zum Weinen zu bringen? Nein, ich meine nicht dieses künstliche Weinen, das grosse Geschwister so gerne einsetzen, um dem Kleinen das Gefühl zu geben, er hätte die Grossen besiegt. Ich meine echte Tränen und echtes Gejammer à la „Mama, ich trau mich nicht. Ich will nicht, dass das Prinzchen mich schlägt.“

Wie schafft es dieses Kind, einfach so, aus lauter Freude an der Sache, mit dem Besen die Lampe im Elternschlafzimmer von der Decke zu holen und die Energiesparlampe zu ruinieren? Nichts da mit 10’000 Stunden Leuchtdauer, wenn ein Prinzchen in der Nähe ist. 

Und wie um Himmels Willen sollen wir es schaffen, diesem kleinen Menschen beizubringen, dass das alles so nicht geht? Wo er doch so hinreissend aussieht, wenn er uns stolz davon erzählt, was er wieder ausgefressen hat? Ob wir uns auf unsere alten Elterntage noch einen Tischlerschuppen zulegen müssen?