Wie sag‘ ich’s diesem Kinde?

Da habe ich mir mal wieder etwas Schönes eingebrockt: Ohne nur eine Sekunde daran zu denken, dass Luise mit ihrem verstauchten Finger wohl besser nicht zur Akrobatik-Schnupperstunde gehen sollte, habe ich vor zwei Tagen einer Mutter versprochen, dass ich ihr Kind ebenfalls mitnehmen werde, da ich ja ohnehin fahren würde. Heute aber redete mir meine Schwester, die als Krankenschwester in medizinischen Sachen einen viel besseren Durchblick hat als ich, ins Gewissen und so entschloss ich mich, Luises Schnupperstunde abzusagen. Fahren musste ich trotzdem, denn eine andere Transportmöglichkeit für das Kind zu suchen wäre weitaus komplizierter gewesen, als mich selber schnell hinter das Steuer zu setzen.

Und so kam es, dass ich zwischen Mittagessen und Sitzungstermin mit diesem kleinen Jungen zur Akrobatik-Schnupperstunde fuhr. Wir redeten über dieses und jenes und irgendwann bemerkte er, es sei doch schon eigenartig, dass ich schon fünf Kinder in meinem Bauch gehabt hätte, das könne er sich fast nicht vorstellen. Ich musste lachen und meinte, mir komme das manchmal auch ein wenig sonderbar vor, aber ich hätte mich daran gewöhnt. Wir redeten noch ein wenig über unsere überdurchschnittlich grosse Familie, als der Junge auf einmal wissen wollte: „Wie sind die fünf Kinder eigentlich in deinen Bauch gekommen? Wie geht das denn überhaupt?“

Nun muss man wissen, dass ich solche Fragen keineswegs scheue. Ich bin der Meinung, dass Kinder wissen sollen, was sie wissen wollen. Immer ihrem Alter angemessen, versteht sich. Bei politischen Fragen wie „Warum wählst du nicht den Blocher?“ oder bei Glaubensfragen wie „Findest du den lieben Gott wirklich lieb?“ oder bei Fragen nach dem Kontostand wie „Mama, sind wir arm oder reich?“ werde ich ja auch nicht rot und winde mich um eine offene, kindergerechte Antwort herum. Also versuche ich den Kindern auch dann offen und ehrlich Antwort zu geben, wenn sie völlig entsetzt von mir wissen wollen: „Mama, bist du tatsächlich schon fünfmal mit dem Papa im Bett gewesen? War das nicht furchtbar?“

So sehe ich das, zumindest, wenn es um meine Kinder geht. Was aber sage ich zu einem Kind, das ich nicht gut genug kenne, um zu wissen, wie viel es schon weiss; dessen Eltern ich nicht gut genug kenne, um zu wissen, wie sie denn auf die Frage antworten würden? Ich will ja nicht, dass das Kind völlig geschockt nach Hause geht und meint: „Mama, Luises Mama hat mir etwas ganz Schreckliches erzählt….“. Also tat ich für einmal, was ich bei meinen eigenen Kinder nie tun würde: Ich murmelte etwas von „Da musst du deine Eltern fragen“ und wechselte ganz schnell das Thema.

Ich hoffe mal, dass der Junge heute Abend bei seinen Eltern noch mal nachgefragt hat, warum Vendittis denn so schrecklich viele Kinder haben.

Flashback

Es war einer jener Tage, wie ich sie früher fast täglich durchstehen musste: Nicht mehr krank, aber auch noch nicht gesund, zu spät aus dem Bett gekrochen, Karlsson fast zu spät zum Speckstein-Kurs geschickt, das Prinzchen pitschnass, weil die Windel nicht dichtgehalten hat, der Zoowärter und der FeuerwehrRitterRömerPirat im Dauerstreit, Luise grantig, weil die Nacht, die sie bei ihrer grossen Freundin verbracht hatte, zu kurz war, an der Hautür der Postbote mit einem eingeschriebenen Brief, auf dem Küchentisch eine halbfertige Einkaufsliste, gähnende Leere im Kühlschrank und im Magen, dazwischen immer wieder das Telefon und obendrein ein schmutziger Küchenfussboden. Etwas später dann endlich mit dem Prinzchen und Luise in der Migros, um wenigstens der Leere im Kühlschrank Abhilfe zu schaffen, der Zoowärter und der FeuerwehrRitterRömerPirat derweilen bei meiner Mutter untergebracht, wo sie sich wohl weiter die Köpfe einschlugen. Im Laden dann der erste richtig grosse Trotzanfall des Prinzchens. Ein nervtötendes Geschrei, zuerst, weil er keine Banane bekam, danach weil das Brötchen noch bezahlt werden musste und schliesslich, weil er keinen Bagger haben durfte. Nichts Neues eigentlich für eine fünffache Mutter, aber deswegen nicht weniger anstrengend, da die anderen Kunden mit bösen Blicken und gehässigen Bemerkungen nicht eben sparsam umgingen. Wir Mütter kennen das ja….

Zu Hause dann das Vergnügen, die Einkäufe zu verstauen, das Prinzchen ins Bett zu stecken, wieder einen Anruf entgegenzunehmen, die ewigen Streithähne auseinander zu halten, Karlssons Speckstein-Schmuckstück zu bewundern, Mittagessen zu kochen, den Geschirrspüler einzuräumen und das alles sofort, weil eine Stunde später eine Kindergruppe bei „Meinem“ einen Malkurs hatte. „Du meine Güte“, fuhr er mir plötzlich durch den Kopf, „so war mein Leben früher immer. Damals, als ich noch keinen Bürojob hatte, den ich von zu Hause aus erledigen kann. Damals, als noch kein Au-Pair da war, die mir hilft, das Chaos in den Griff zu kriegen. Wie habe ich das bloss alles geschafft, dazu noch mit all den Schwangerschaften?“

Kaum habe ich den Gedanken fertig gedacht, ertappe ich den Zoowärter und den FeuerwehrRitterRömerPiraten dabei, wie sie sich vor dem Mittagessen wie die Heuschrecken über die eben gekauften Getreideriegel hermachen und dann stehe ich plötzlich wieder vor dieser altbekannten Frage: Soll ich gleich jetzt losheulen, oder soll ich vorher lieber noch eine Runde herumschreien, bis ich heiser bin und dann erst heulend ins Schlafzimmer rennen? Und dann wird mir bewusst, dass ich es damals eben nicht geschafft habe, dass Tage wie heute damals zwar die Regel waren, dass Herumschreien und Türen knallen damals aber schon fast so alltäglich waren wie Kinder umarmen und Geschichten erzählen.

Damals habe ich mir fast täglich vorgeworfen, was für eine Versagermama ich doch sei. Heute weiss ich zum Glück, dass es unter gewissen Umständen mit meinem Temperament gar nicht möglich ist, die Ruhe zu bewahren. Und seitdem ich dies weiss, schreie ich deutlich weniger, knalle ich die Tür nur noch, wenn es wirklich nicht mehr anders geht. Vor allem aber weiss ich, dass diese elende letzte Schulferienwoche mit „Meinem“ bereits wieder an der Arbeit, dem Au-Pair in den Ferien und den Kindern im Widerstand schon zur Hälfte um ist und ich deshalb hoffentlich nicht mehr allzu oft die Fassung verlieren muss.

Aus dem Alltag mit kleinen Menschen

Ein paar kleine Episoden, die zwar keinen eigenen Post Wert sind, die ich aber dennoch ganz amüsant finde:

Dass kleine Menschen sich vor der Dunkelheit fürchten, ist mir nicht neu. Dass sie hin und wieder abends noch einmal aus dem Bett gekrochen kommen, weil sie Angst haben, es hocke ein Räuber unter ihrem Bett oder eine Hexe auf der Lampe, überrascht mich nicht. Aber warum um Himmels Willen kommt der Zoowärter abends um halb elf ins Wohnzimmer geschlichen, weil er Angst hat, Carla Bruni habe sich in seinem Schrank versteckt? Gut, wenn ich mit Sarkozy verheiratet wäre, würde ich mich in diesen Tagen auch verstecken, aber doch nicht in Vendittis Kleiderschrank.

Luise geht heute mit einer Gruppe von Kindern die Schule für Blindenhunde anschauen. Eines der Kinder, ein Junge aus ihrer Klasse, kommt sie heute Morgen abholen. Das Chaos bei Vendittis scheint ihn leicht zu überfordern, aber endlich sieht er etwas, was ihn an zu Hause erinnert: Das Bügeleisen und einen Berg Wäsche daneben. „Du bist genau wie meine Mama“, sagt er zu mir. „Die muss in der Nacht auch immer die Wäsche bügeln. Meine Mama bügelt immer.“ Leider muss ich dem Jungen klar machen, dass ich eben nicht bin wie seine Mama, denn das Bügeleisen liegt nur deshalb zufällig neben dem Wäscheberg, weil Karlsson seine Seidentücher, die er gemalt hat, bügeln will und weil „Meiner“ gestern Abend mit dem Wäschefalten nicht fertig geworden ist. Wenn bei uns überhaupt einer bügelt, dann ist es Karlsson und um die Wäsche kümmert sich, wer gerade Zeit hat, also eigentlich niemand.

Karlsson hat fürchterliches Mitleid mit mir, weil ich krank bin. Inzwischen hat sich zwar Gott sei Dank herausgestellt, dass es keine Magen-Darm-Seuche ist, dass es wohl reiner Zufall war, dass Karlssons Bauch gerade dann schmerzte, als mir übel wurde und vor allem, dass der Käfer exklusiv für mich bestimmt war und alle anderen nichts davon abkriegen. Was bedeutet, dass eine schlappe, kranke Mama sich um fünf kerngesunde, quietschfidele Kinder kümmern sollte. Zum Glück kommt Karlsson auf die Idee, dass eigentlich er das Mittagessen kochen könnte. Der Junge verzieht sich mit einem Berg von Kochbüchern, währenddem ich versuche, die anderen halbwegs ruhig zu halten. Schön, dass mein Sohn Spaghetti kochen wird. Oder vielleicht Blumenkohl mit Reis. Oder Ofenkartoffeln.

„Mama, haben wir Lab?“, will Karlsson plötzlich wissen. „Wozu um Himmels Willen brauchst du denn Lab?“, frage ich. „Ich habe da ein tolles Käsekuchen-Rezept im Astrid Lindgren-Kochbuch gefunden und das wäre doch ein perfektes Mittagessen. Schau mal, wir haben alle Zutaten da, ausser dem Lab.Wo bekomme ich Lab….“ Nun, mein lieber Karlsson, ich finde es wirklich toll, dass du Käsekuchen backen willst und ich traue dir das auch zu, aber zum Mittagessen wären Spaghetti vielleicht besser. Oder vielleicht Blumenkohl mit Reis. Oder Ofenkartoffeln.

Es gab dann übrigens etwas ganz anderes, denn Karlsson musste mit seinen Brüdern Robin Hood schauen und hatte leider keine Zeit mehr, sich ums Kochen zu kümmern. Irgend einer muss ja aufpassen, dass die Kleinen beim Filme schauen keinen Mist bauen, nicht wahr?

Irgendwie schaffte ich es auch ohne Karlssons Hilfe, ein Mittagessen auf den Tisch zu bringen, was das offenbar halb verhungerte Prinzchen besonders freut. Kaum sieht er die Schnitzel, die ich braten will, dreht er fast durch vor lauter Freude: „Chani Fleisch? Chani Fleisch?“, fragt er unablässig und ist zutiefst empört, dass ich das Fleisch zuerst braten will, bevor er es haben darf. Und dann, als das Fleisch endlich gebraten ist, mache ich diesen ganz dummen Fehler, den eigentlich keine Mama, die schon ein Zweijähriges Kind gehabt hat, je machen sollte: Ich zerschneide das Fleisch in mundgerechte Stücke. Worauf das Prinzchen empört aufschreit „Fleisch chabott! Nei, Fleisch chabott!“ und natürlich keinen Bissen von dem „kaputten Fleisch“ anrührt und sich schliesslich ohne Mittagessen im Bauch zum Mittagsschlaf verabschiedet. Himmel, wie blöd bin ich denn? Habe ich tatsächlich schon wieder vergessen, dass Zweijährige es nie und nimmer dulden, dass man ihnen zerschnittenes Essen vorsetzt? Dabei ist es doch gar nicht so lange her, seitdem ich zum letzen Mal einen zweijährigen Perfektionisten zu erziehen hatte….

McDonaldisierung

Währenddem die McDonaldisierung unserer Gesellschaft ziemlich weit fortgeschritten ist, scheint sie in unserer Familie nicht vom Fleck zu kommen. Ja, ich würde gar soweit gehen und sie im Falle unserer zwei ältesten Kinder für gescheitert zu erklären. Karlsson, der an seinem Geburtstag am liebsten neben hausgemachter Leberpastete und hausgemachten Nudeln an Morchelsauce auch noch hausgemachte Blutwurst, hausgemachte Luxemburgerli und hausgemachte Truffes essen würde, ist ein bekennender Anhänger der Slow-Food-Bewegung. Ausserdem ist er in die Weltgeschichte eingegangen als das einzige Kind, das losgeheult und dann während des ganzen Essens leise geschluchzt hat, als es einmal bei McDonald’s essen musste.

Luises Haltung gegenüber dem Fastfood ist zwar nicht ganz so extrem ablehnend, aber auch sie kehrt lieber woanders ein, mit Vorliebe in einem romantischen Tea-Room, wo sie sich an geblümten Tassen, liebevoll dekorierten Tischen und mit Sahne verzierten Törtchen erfreut. Von solchen Erlebnissen schwärmt sie monatelang und die von ihr heiss geliebten Frauentage – ein Tag alleine mit Mama oder mit Mama und Au-Pair, wenn’s sein muss noch mit dem Prinzchen, aber andere Männer werden nicht geduldet – enden meist mit einem Besuch in einem Café oder Tea-Room. Man sieht also, auch hier hat es Ronald McDonald nicht so richtig geschafft, ein Kinderherz zu erobern.

An sich könnten „Meiner“ und ich mit diesem Resultat ganz zufrieden sein, denn genau dieses Ziel wollten wir erreichen, als wir uns vor vielen Jahren schweren Herzens dazu entschlossen hatten, unseren Kindern Besuche im Fast-Food-Tempel Nummer 1 nicht zu verwehren. Wir wollten, dass sie erkennen, dass vor lauter Fett triefendes, geschmackloses Essen nie und nimmer den Genuss bietet, den Essen eigentlich bieten könnte. Wären Karlsson und Luise unsere einzigen Kinder, wir könnten die Sache also ad Acta legen. Bekanntlich haben wird aber noch weitere Kinder und bei denen bleibt noch Einiges zu tun, bevor sie gleich weit sind wie die Grossen. Und so statteten wir Ronald McDonald heute nach dem Gottesdienst mal wieder einen Besuch ab. Gut, ich geb’s ja zu, es waren nicht alleine erzieherische Gründe, die uns dorthin geführt hatten. Ich hatte nämllich ausnahmsweise wirklich keine Lust auf Kochen und noch viel weniger auf das Aufräumen der Küche. Aber wenn ich schon die schlampige Mama hervorkehrte, dann sollte das Ganze wenigstens einem höheren Ziel dienen.

Jetzt, wo wir mit diesem eigenartigen Gefühl von Übersättigung und nagendem Hunger nach richtigem Essen wieder zu Hause angekommen sind, kann ich voller Freude verkünden, dass wir auf bestem Wege sind, auch die drei Jüngeren über kurz oder lang davon zu überzeugen, dass ein Leben ohne Fast Food ganz in Ordnung ist. Kaum waren wir angekommen, wollte der FeuerwehrRitterRömerPirat, der ein Langsamesser ist, besorgt von mir wissen: „Mama, darf man denn hier auch langsam essen?“ Aber natürlich darf man das, mein Sohn. Es ist bloss so, dass kalte Pommes Frites noch schlechter schmecken als heisse Pommes Frites und deswegen empfiehlt es sich, das Zeug so rasch als möglich in sich hinein zu schaufeln. Was der FeuerwehrRitterRömerPirat aber gar nicht kann, weshalb er ziemlich schnell den Spass am Essen verlor und sich viel lieber mit dem Prinzchen um das Herumschieben der Kinderstühle kümmerte.

Schön, der Dritte ist also auf gutem Wege, unser Erziehungsziel zu erreichen. Aber was ist mit dem Zoowärter, der momentan in dem Alter ist, in dem man sich für alles begeistert, was grellbunt und künstlich ist? Nun, der Zoowärter machte sich mit Begeisterung über das Essen her, erlebte dann aber eine herbe Enttäuschung, als er sein Spielzeug auspackte. Was sollte er bloss mit diesem langweiligen violett-braunen Vogel anfangen, wo es doch in der Vitrine dieses tolle, knallgrüne Etwas zu sehen gab? Wer schon mal versucht hat, einem Dreijährigen zu erklären, dass das, was in der Vitrine steht, wohl erst nächste Woche in der Happy-Meal-Schachtel liegen wird und dass die das extra machen, um die Kinder auch nächste Woche wieder anzulocken, der weiss, dass man ebenso gut einem Verdurstenden erklären könnte, er solle keine eisgekühlte Cola trinken, weil das Zeug zu klebrig und überhaupt nicht durstlöschend sei. Mir ist klar, dass es noch ein paar Jährchen dauern wird, bis auch der Zoowärter von McDonald’s die Nase voll hat, aber ich denke, mit dieser ersten niederschmetternden Enttäuschung ist schon mal ein guter Anfang gemacht.

Bleibt noch das Prinzchen, das im Moment weder für noch gegen Fast Food ist. Solange er ungehindert herumtoben kann, ist ihm Einerlei, ob das Essen gut oder schlecht, das Spielzeug schön oder hässlich ist. Und da Herumtoben bei McDonald’s bedeutend weniger problematisch ist als im Gourmet-Tempel, fürchte ich, dass des Prinzchens Herz in den nächsten Jahren für Chicken Nuggets, Pommes Frites & Co. schlagen wird.

Ach ja, wo wir gerade beim Thema sind: Hätte vielleicht jemand Zeit und Lust dazu, das kinderfreundliche, preiswerte, zentral gelegene Fast Food-Restaurant mit vollwertbiogesundaberschmackhaft Essen zu erfinden, das den Kindern pädagogisch wertvolle und garantiert nicht in Kinderarbeit hergestellte Spielsachen mit nach Hause gibt, das auch sonntags geöffnet ist und das natürlich seine Angestellten anständig entlöhnt? Die Idee geistert schon lange in meinem Kopf herum, aber ich habe gerade keine Zeit dazu und da wäre es doch nett, wenn sich jemand anders um die Sache kümmern könnte.

Zeit

Ist ja schon eine tolle Sache, eine Woche Familienferien. Nicht nur, weil das Wetter traumhaft ist und wir zum ersten Mal, seitdem wir Kinder haben, auf eine Art und Weise durch die Gegend streunen, die man schon fast „wandern“ nennen könnte. Nein, das veränderte Umfeld erlaubt uns auch andere Blicke auf unsere Kinder.

Da fällt einem zum Beispiel plötzlich wieder ganz neu auf, wie verloren sich Luise zuweilen zwischen all ihren Brüdern fühlt. Seit einiger Zeit hatte ich ja angefangen zu glauben, dass ich mir nur einbilde, dass Luise eine Schwester fehlt. Vielleicht projiziere ich ja nur meinen Wunsch nach einer zweiten Tochter in sie hinein? Sind wir in unserem gewohnten Umfeld, wo genügend Freundinnen und Cousinen um uns herum sind, dann fällt der Mangel kaum mehr auf. Doch kaum sind wir mal ganz unter uns, kommt die große Einsamkeit, die Sehnsucht nach einer Spielkameradin, die abends nicht nach Hause gehen muss und die ob der neusten Errungenschsft aus der Sylvanian Family ebenso ins Schwärmen gerät wie Luise und ihre Mama

Doch nicht alleine Luises Bedürfnisse treten hier klarer zu Tage, auch die Sehnsucht nach Ruhe, die den Zoowärter immer wieder dazu bringt, lauthals zu schreien, fällt hier mehr auf. Zu Hause, wo die Grossen oft ihr eigenes Programm haben, findet er immer wieder Möglichkeiten, sich zurückzuziehen, aber hier, wo wir alle rund um die Uhr beisammen sind, ist das arme Kind vollkommen überfordert. Und weil wir uns natürlich alle nach Ruhe und Erholung sehnen – warum sonst sollte man sich denn sonst den Stress machen, in die Ferien zu fahren- zerrt das zoowärtersche Wutgeschrei auch mehr an den Nerven und man fragt sich, wie man als Grossfamilie das Ruhebedürfnis eines Dreijährigen stillen kann, ohne alle anderern dazu zu verknurren, den ganzen Tag zu flüstern und zu schleichen.

Ein Familienurlaub bietet aber auch Gelegenheiten, einem einzelnen Kind besonders nahe zu sein. Zum Beispiel heute Nachmittag, als ich alleine mit dem Prinzchen nach Saas Fee fuhr, um eine Fondue-Mischung zu kaufen. Wann habe ich zum letzten Mal eine geschlagene Stunde gebraucht, um vom Parkplatz ins nahe gelegene Ortszentrum und wieder zurück zu gelangen? Weil das Prinzcheneben  jeden „Maa“, jede „Fauu“, jedes „ou, lueg Velooo“, jedes „loss“ genau anschauen wollte. Einfach wunderbar, wiedermal in die Welt eines Zweijährigen einzutauchen!

Aber auch zum Eintauchen in die Gedankenwelt unserer größeren Kinder bleibt mehr Zeit. Zum Beispiel, wenn man mit Karlsson, Luise und dem Au-Pair den Kapellenweg von Saas Fee nach Saas Grund unter die Füsse nimmt und –  angeregt durch die auf dem Weg dargestellten Szenen aus der Kreuzigungsgeschichte –  erfährt, wie die Kinder glauben, wie sie sich Gott vorstellen und wie den Himmel. Sehr spannend, aber auch leicht erschütternd, weil die Kinder mit Gott offenbar nicht ausschliesslich positive Dinge in Verbindung bringen, obschon wir uns doch sehr darum bemühen, dem frommen Druck, mit dem ich gross geworden bin, keinen Raum zu geben.

Ja, und dann hat man auch Zeit, sich anzuhören, wovon, der FeuerwehrRitterRömerPirat träumt, was in seinen Augen das perfekte Weihnachtsgeschenk ist, wie schwierig es für einen Sechsjährigen sein kann, ein Souvenir auszuwählen, weil man nie sicher sein kann, ob man nicht im nächsten Laden  noch etwas Schöneres findet.

Vergleiche ich diese Ferienwoche mit den Herbstferien vor einem Jahr, dann wird mir auch klar, dass da ein Rollenwechsel im Gange ist. Waren  „Meiner“ und ich letztes jahr noch die Animateure, werden wir jetzt immer mehr zu Coaches, die den Kindern die Sicherheit geben, dass wir für sie da sind. Den Rest des Programms meistern sie schon ziemlich selbständig. Ob sie nun unter der Führung von Karlsson das Frühstück zubereiten, sich eine abenteuerliche Verfolgungsjagd ausdenken, oder alle zusammen lauthals singend auf dem Spielplatz herumtollen – was übrigens vielen Einheimischen hier ziemlich sauer aufzustossen scheint – Eines ist immer gleich: „Meiner“ und ich dürfen uns immer öfter zurücklehnen und das Familienleben genießen.

Schön, das zwischen der anstrengenenden Baby- und Kleinkindphase  und den wohl nicht minder anstrengenden Teenagerjahren eine Zeit der Entspannung liegt.

Talking Tom

Man sollte ja wirklich erwarten können, dass eine mehr oder weniger erfahrene Mutter nicht so blöd ist, „Talking Tom“ auf ihr iPad zu laden, um ihren Kindern die Reise in die Ferien zu verkürzen. Nun, die meisten sind wohl nicht so blöd; ich aber schon.

Und seither haben unsere Kinder weder Augen für die schöne Bergwelt, noch für die Lamas vor dem Haus, noch für die Eishockeyspieler gegenüber. Sie wollen nur noch das Eine: Talking Tom, die Katze, die alles, was man ihr erzählt, mit Quietschstimme wiederholt, die Katze, die hemmungslos furzt, wenn man den richtigen Knopf drückt, die Katze, die einen mit Torten bewirft und die sich von zornigen kleinen Kindern k.o. schlagen lässt und danach doch wieder selig schnurrt, wenn man sie streichelt.

Weil Mama aber nur ein iPad zum Geburtstag geschenkt gekriegt hat, ist Talking Tom leicht überfordert mit den Ansturm, der da herrscht. Wie soll er denn wissen, was er zu tun hat, wenn Luise ihm Milch geben will, Karlsson ihm ein Lied singt, der FeuerwehrRitterRömerPirat auf ihn eindrischt, der Zoowärter ihn streichelt, das Prinzchen hundertmal „Hallo Büsi!“ruft, „Meiner“ zetert, sie sollten das iPad in Ruhe lassen und ich versuche, eine Ordnung ins Chaos zu bringen.

Weil mir der arme Tom etwas leid tut – und ich zudem nicht sicher bin, ob mein iPad für so viel Rummel geschaffen ist -, habe ich angefangen, Einzelsitzungen mit Tom anzubieten. Ein Kind nach dem anderen darf Tom und mich im Bad besuchen, wir schließen die Tür ab und dann darf das Kind mit Tom tun, was immer es möchte. Und während das Kind sich mit Tom befasst, erhasche ich ein paar Einblicke in das Wesen unserer Kinder.

Der Zoowärter zum Beispiel quatscht ohne Punkt und Komma, probiert verschiedene Tonlagen aus, erzählt ihm von seinem Leben und lacht sich halb krank über Toms Imitationen. Der FeuerwehrRitterRömerPirat hingegen kann nicht genug davon kriegen, das arme Tier k.o. zu schlagen und es dann dazu zu bringen, sich durch Zerkratzen der Scheibe zu rächen. Luise sorgt danach dafür, dass Tom seine Streicheleinheiten bekommt und lässt ihn wissen, was für ein süßes Tier er doch sei. Karlsson schliesslich macht Stimmübungen mit Tom, probiert aus, wie es sich anhört, wenn er den Kater anbrüllt und ob das Tier auch tatsächlich seine höchsten Töne noch höher imitieren kann.

Einzig das Prinzchen hat noch keine speziellen Vorlieben im Umgang mit Tom gezeigt. Er vergöttert das Tier so sehr, dass er nicht mehr genug bekommen kann von all dem Spass. Und deshalb muss ich mich jetzt jedesmal, wenn ich mein iPad ganz für mich alleine haben will, ins Bad einschliessen, weil sonst das Prinzchen brüllt „Nei, miiiine Büsi!“ und mir das iPad entreißt.

Und so kommt es, dass ich die meiste Zeit unserer Ferien im Bad eingeschlossen verbringe.

Eins ist klar: Die Hippos, Igel und anderen Viecher, die mit Tom unter einer Decke stecken, werden nicht auf meim iPad geholt. Und dies nicht alleine, weil sie im Gegensatz zu Tom etwas kosten.

Ach, wie nett

Um eines vorweg klar zu stellen: Ich finde es nicht in Ordnung, wenn eines meiner Kinder mitten auf dem Spielplatz des Ferienhauses pinkelt. Um noch eines klar zu stellen: Ich habe meinen Kindern schon mehrmals verboten, auf irgend welchen öffentlichen Plätzen zu pinkeln. Und um noch etwas klar zu stellen: Von mir haben sie das nicht.

Jetzt, wo diese drei Dinge geklärt sind, kann ich ja erzählen, wie sehr es mich nervt, wenn die Mutter des Ferienhausbesitzers zuerst unsere Kinder zur Schnecke macht und dann „Meinen“ und mich anschnauzt, dass das nicht angehen könne, dass unser Sohn sowas tue. Dass sie noch nie so etwas Unerhörtes erlebt habe und dass unsere Kinder gefälligst alle Spielsachen auf dem Spielplatz wegräumen sollten, obschon sie noch mitten im Spiel waren. Und dann kann man uns ja gleich noch anmotzen, wir hätten unser Auto falsch geparkt.

Wirklich ein netter erster Kontakt mit der Vertretung unseres Vermieters. Dass der kleine Wildpinkler noch keine vier Jahre alt ist, dass seine grossen Geschwister ihn mit aller Überredungskunst davon abhalten wollten, dass sich unsere Kinder bis anhin außer dieser kleinen Episode nichts haben zu Schulden lassen kommen, dass uns bei unserer Ankunft keiner gesagt hat, wo wir unser Auto hinstellen müssten, dass wir eine „familienfreundliche“ Ferienwohnung gemietet haben, dass diese Wohnung die ganze Woche leer stehen würde, hätten wir uns nicht in letzter Minute ihrer erbarmt, all dies hat die gute Frau geflissentlich übersehen.

Ist doch nett, dass unsere Kinder sich bereits am zweiten Ferientag nicht mehr auf den Spielplatz trauen. Und dass ich mir zum ersten Mal in meinem Leben überlege, ob ich diese Woche vielleicht lieber bei Coop einkaufen soll, auch wenn wir die Migros im Hause haben. Denn da die nette Frau in der Migros arbeitet, habe ich ein kleines bisschen Angst, dass ich beim Einkauf etwas falsch machen könnte. Und eine kalte Dusche pro Ferienwoche reicht mir eigentlich vollauf.

Heute lachen wir darüber

Da liegt er nun vor mir, der hellblaue Teller, der „Meinem“ vor fünf Jahren als Unterlage für ein Kunstexperiment gedient hatte. Der aber vom Sturm, diesem Kunstbanausen, in die Dachrinne geweht wurde und seither nicht mehr gesehen ward. Zumindest nicht im Inneren der Wohnung, sondern nur vom Badezimmerfenster aus, gut sichtbar, aber leider unerreichbar. Dank der Hilfe des Dachdeckers fand der Teller heute aber den Weg zurück in sein angestammtes Revier, die Küche. Bloss was war es, was da auf diesem Teller lag?  Ein undefinierbares schimmliges Etwas, das unmöglich das Kunstexperiment von „Meinem“ sein konnte. Lange starrte ich auf den Teller, ohne herauszufinden, was da lag. Ein alter Rock von Luise vielleicht? Oder ein Lappen, der aus dem Fenster geflogen und auf dem Teller gelandet war? Irgendwann dämmerte es mir: Es war eine Windel, die der FeuerwehrRitterRömerPirat vor langer Zeit mal aus dem Fenster geschmissen hatte.

Und plötzlich war sie wieder da, die Erinnerung an die Zeiten, als der FeuerwehrRitterRömerPirat fast täglich eine Windel aus dem Dachfenster schmiss. Man mochte ihm hundertmal sagen, er dürfe das nicht tun, am nächsten Morgen lag da trotzdem wieder eine Windel im Garten. Oder eben in der Dachrinne. Und das Schlimmste an der Sache war: Man musste noch erleichtert sein, wenn er bloss die Windel rausgeschmissen hatte, hin und wieder kam es nämlich auch vor, dass der feste Inhalt der Windel in der Gegend herumflog. Meistens schafften wir es, diese stinkenden Geschosse wieder aufzuspüren und sachgerecht zu entsorgen, aber einmal übersahen wir eines davon und ausgerechnet, als wir der Italienischen Verwandtschaft voller Stolz unser Zuhause präsentieren wollten, tauchte es wieder auf.

All diese Erinnerungen waren wieder da, als ich diese vergammelte Windel auf dem Teller liegen sah. Und nicht nur die Erinnerungen, auch die Gefühle, die ich damals empfunden hatte, waren wieder da. Wie schämte ich mich doch jeweils, dass unser Dritter mit Windeln und Exkrementen um sich warf. Von anderen Kindern hörte ich nie solche Geschichten. Würde unser Sohn je so vernünftig sein, dass er damit aufhören würde? Und würden wir ihn überhaupt je aus den Windeln bekommen, oder würde ich ihn dereinst kurz bevor er zum Traualtar marschiert, noch einmal wickeln müssen? Waren wir totale Versager, weil unser sonst so schlaues Kind einfach nicht einsehen wollte, dass man nicht ewig in den Windeln bleiben kann und dass Windeln in der Dachrinne nichts zu suchen haben?

Heute können wir zum Glück lachen über jene Zeit, aber damals war die Sache für mich mit ein Grund, weshalb ich mich als Mutter so völlig unfähig fühlte, weshalb ich hin und wieder zum Himmel schrie: „Gott, was hast du meinen Kindern bloss angetan, indem du ihnen eine solche Versagermama zugemutet hast?“

Hätte ich damals gewusst, was ich heute weiss, ich hätte die Sache wohl etwas entspannter ansehen können: Sie kommen alle aus den Windeln. Die einen etwas früher, die anderen später. Und je weniger Druck man macht, umso schneller geht’s.

Ach ja, und so sieht es übrigens aus, das Relikt aus der windelrebellischen Phase des FeuwerwehrRitterRömerPiraten:

Es geht auch ganz anders

Nachdem ich gestern voller Freude von den Entwicklungsschritten unserer Kinder berichtet habe, präsentiere ich heute die Kehrseite. Die ist zwar nicht ganz so glänzend, hat aber einen hohen Unterhaltungswert. Zumindest wenn man sich den ganzen Tag im Büro verschanzen kann und nur durch die verschlossene Tür mitkriegt wie

– „Meiner“ den FeuerwehrRitterRömerPiraten und den Zoowärter dazu verknurrt, zum Mittagessen Nutellabrot, Bonbons und Schokolade zu essen, weil sie sich drei Minuten bevor das vollwertige Mittagessen auf den Tisch gekommen wäre über den Vorratsschrank hergemacht haben. Die beiden um wenigstens ein ganz kleines bisschen Rösti und Salat betteln zu hören, weil sie nicht nur von diesem ekligen süssen Zeug essen wollten, war das reinste Vergnügen.

– die ganze Familie völlig entnervt vom erfolglosen Herbstschuhkauf zurückkommt und man sich glücklich schätzen darf, dass man das Drama um „Ich will aber die rosaroten Schuhe und nicht die hellblauen!“ und „Wenn ich die Schuhe nicht bekomme, laufe ich den ganzen Herbst barfuss“ wenigstens einmal nicht hat miterleben müssen. Dass morgen der zweite –  hoffentlich erfolgreichere – Versuch ansteht und dass man dann nicht mehr wird kneifen können, muss man in solchen Momenten der Schadenfreude einfach ausblenden können.

– das Prinzchen sich in der Bibliothek eine halbe Stunde lang fast die Augen aus dem Kopf heult, weil der Bagger, den er dort gefunden hat, leider einem anderen Kind gehört und sich die Mama dieses anderen Kindes dummerweise daran erinnern konnte, dass der Bagger, den das Prinzchen nun für sich haben will, in der Bibliothek geblieben ist. Gut, ich geb’s zu, ich habe im Büro nicht gehört, wie das Prinzchen in Aarau gebrüllt hat, aber alleine die Erzählung hat mir gereicht um erleichtert zu seufzen: „Gott sei Dank durfte ich heute ein Personalreglement, ein Lohnreglement und ein Pflichtenheft verfassen und musste mich nicht in der Bibliothek mit einem brüllenden Prinzchen rumschlagen.“

– sogar dem sonst so geduldigen Au-Pair irgendwann der Geduldsfaden reisst so dass die Kinder für einmal nicht vor dem „bösen Papa“ in ihre Arme flüchten können. Und schon gar nicht vor der „bösen Mama“, denn die war ja heute im Büro und konnte deswegen gar nicht so böse zu den Kindern sein.

Ja, sie können auch ganz anders, unsere lieben Kinder. Und „Meiner“, das Au-Pair und ich können auch ganz anders, als immer nur geduldig und friedlich sein. Und so kommt es, dass ein Tag, an dem man sich acht Stunden lang pausenlos mit knochentrockenem Papierkram rumschlägt sich schon fast ein wenig anfühlt wie Wellness.

Entwicklungsschritte

Karlsson, der am Sonntagnachmittag einfach mal schnell den perfekten Hefezopf bäckt und zwar ganz ohne elterliche Hilfe.

Luise, die daneben sitzt, eine Bouillon zubereitet und mit Leidenschaft Petersilie für die Suppe schnippelt.

Was spielt es da für eine Rolle, dass die Küche nach der Aktion der beiden ausgesehen hat wie ein Schlachtfeld? Und dass der Enthusiasmus beim Aufräumen nicht mehr ganz der Gleiche war wie beim Kochen und Backen, das verstehen wir natürlich bestens. Wir waren doch auch mal Kinder….

Der FeuerwehrRitterRömerPirat, der endlich begreift, dass es ihn nicht umbringt, wenn er von jedem Essen ein ganz kleines bisschen probieren muss. Und der dann die Grösse hat, zuzugeben, dass es eigentlich ganz gut schmeckt, den ganzen Teller leerputzt und dann auch noch um einen Nachschlag bittet.

Der Zoowärter, der beim Anziehen der Schuhe hin und her überlegt, welcher Schuh an welchen Fuss gehört und der es dann meistens schafft, den rechten Schuh am rechten Fuss, den linken Schuh am linken Fuss zu tragen.

Das Prinzchen, das nicht mehr nur Lieder hören will, sondern sie auch selber singt. Zum Beispiel „buuuuhbä pumpedimumpedi!“, was ganz eindeutig eine Kleinkinderversion des Zoowärters Lieblingsliedes „Pooh Bär, wir mögen dich sehr. Rumpedibumpedi kommt er daher“ ist.

Dass das Prinzchen seine Stimmbänder nachts um halb eins in Betrieb nimmt, stört mich nicht im Geringsten. Ich finde es einfach nur hinreissend und schmelze schlaftrunken dahin.

Das Schönste am Ganzen ist, dass hier nicht die Erziehungskünste von „Meinem“ und mir endlich zum Blühen kommen, sondern dass die Kinder sich ganz von selbst zu entfalten beginnen. Einfach, weil die Zeit jetzt reif ist dafür und sie bereit sind, einen Schritt weiterzugehen. So langsam bekomme ich den Eindruck, dass es den Kindern reicht, zu wissen, dass sie diese Schritte gehen dürfen und dass sie, sollte etwas schief gehen, von uns aufgefangen werden.

Und wieder einmal wird mir bewusst, weshalb ich trotz aller Ermüdungserscheinungen, die der Job zwangsläufig mit sich bringt, so unglaublich gerne Mutter von mehreren Kindern bin.

Ach und übrigens: Das Bild, das in meinen Augen so perfekt zum Text passt, hat ausnahmsweise nicht „Meiner“ gemacht, sondern Luise, die so langsam ganz der Papa wird.