Debattieren wir ruhig weiter…

Internationaler Frauentag. In den Medien toben einmal mehr die Debatten um Lohngleichheit, Vereinbarkeit von Familie und Beruf, die gerechte Aufteilung von Hausarbeit. Jede Zeitschrift, die etwas auf sich hält, liefert eine Strickanleitung für den „Pussy Hat“ und als ein Ewiggestriger behauptet, Frauen könnten nun mal besser putzen als Männer, brandet eine Welle der Empörung durch die Sozialen Medien. Die Dinge müssten sich endlich ändern, fordern Frauen und Männer im Chor. 

Am Ende dieser Woche kehrt der FeuerwehrRitterRömerPirat aus dem Skilager nach Hause. Er sei gelobt worden, weil er in der Küche so gut geholfen habe, erzählt er. Die meisten Jungs in seiner Gruppe hätten gesagt, sie müssten im Haushalt nie mithelfen. Von den Mädchen hingegen müsse eigentlich jede zu Hause mit anpacken. 

Da können wir am Frauentag noch lange weiter debattieren…

Familienbeobachtungen

Ist ein Kind für ein paar Tage verreist, wird es nicht ruhiger im Haus. Die anderen füllen einfach die Lücke, die durch die Abwesenheit entsteht, mit umso mehr Geplapper. Soll bitte keiner behaupten, die dauerquasselnden Geschwister müssten eben die einmalige Gelegenheit nutzen, auch mal endlich zu Wort zu kommen. Diese Regel gilt nämlich auch, wenn das abwesende Kind zur schweigsamen Sorte gehört. 

Im Normalfall klingt die Geschwisterallergie sofort ab, wenn zwischen dem Bruder und der Schwester, die einander gerade nicht ausstehen können, eine genügend grosse Distanz liegt. Bei ausgeprägter Unverträglichkeit zeigt die räumliche Trennung leider keinerlei Wirkung. Schon die Nennung des Namens des abwesenden Kindes löst ein zorniges Knurren aus. Sieht ganz so aus, als müsse man in solch schweren Fällen mit der Behandlung der Allergie zuwarten, bis die Pubertät durchgestanden ist.

Manche Kinderfilme wirken auf den ersten Blick vollkommen harmlos, entfalten aber im Nachhinein eine derart beängstigende Wirkung, dass Schlafen im eigenen Bett für mindestens eine Woche ausgeschlossen ist. 

Wenn zwei durch einen Film dauerhaft verängstigte Kinder in einem Bett schlafen, um einander gegenseitig die Angst zu nehmen, sind die Kinder nach kurzer Zeit nicht mehr verängstigt. Dafür stehen bald einmal verärgerte Eltern im Zimmer. 

So weit sind wir jetzt also schon

Es ist kurz vor Mittag und weil im Kühlschrank gähnende Leere herrscht, hetze ich noch schnell in die Migros. Wie immer, wenn ich Essen für die Familie einkaufe, flüstert mir eine leise Stimme ins Ohr: „Mehr Poulet! Du weisst doch, wie sehr sie das lieben. Und unbedingt zwei Becher Crème Fraîche. Einer reicht nie und nimmer. Willst du nicht ein ganzes Kilo rote Bohnen nehmen? Die mögen sie doch auch so gern. Halt! Stop! Mehr Käse! Mehr Mais! Mehr Oliven! Und mehr Tortillas! Himmel, nun greif schon zu. Die hungrige Meute wird das innert Sekunden vertilgt haben.“

Fünfzehn Minuten später stehe ich am Herd und rühre in den Töpfen. Luise kommt nach Hause, wenig später der Zoowärter, dann keiner mehr. Ach so, ist ja Mittwoch. Prinzchen wird also wie immer bei seinem besten Freund essen. Der FeuerwehrRitterRömerPirat ist im Skilager. „Meiner“ ist in der Stadt, um dem Zoowärter eine neue Jacke und mir neues Henna zu besorgen. Karlsson bleibt an seinem freien Nachmittag in der Schule. Er hat sich vorgenommen, mit Freunden zu lernen,  was – wenn ich mich recht erinnere – bei Gymnasiasten meist zu einer ausgedehnten und äusserst unterhaltsamen Diskussionsrunde führt. Vor fünf ist nicht mit ihm zu rechnen.

„So fängt das also an“, murmle ich vor mich hin, als der Zoowärter, Luise und ich hinter einem riesigen Berg Essen am fast unbesetzten Tisch sitzen.

Tja, ich fürchte, bald werden sie über mich lachen, so wie wir jeweils über unsere Mutter gelacht haben, wenn sie für die Neun kochte, die früher am Tisch sassen, anstatt für die Zwei, die tatsächlich zum Essen erschienen.

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Peinlich? Mir doch egal!

Man legt uns Müttern nahe, unsere Teenager nicht mehr in aller Öffentlichkeit zu umarmen, wenn sie ein gewisses Alter erreicht haben. Peinlich sei das für die Kinder und vielleicht auch ein Anzeichen von Überbehütung. Als ich heute den FeuerwehrRitterRömerPiraten zum Reisecar begleitete, der ihn ins Skilager bringt, habe ich ihn trotzdem umarmt, bevor er das Treppchen hochstieg. 

Erstens, weil er mein Kind bleibt, auch wenn er mich inzwischen um gute sieben Zentimeter überragt. Das ändert aber nichts daran, dass er mir fehlen wird, wenn er fünf Tage lang nicht hier ist, um auf meinen Nerven herumzutanzen, also lasse ich es mir nicht nehmen, ihn noch einmal in den Arm zu nehmen und insgeheim ein bisschen sentimental zu werden, weil er jetzt auch schon so gross ist. 

Zweitens, weil er jetzt in dem Alter ist, in dem Eltern vordergründig nicht mehr viel zu bieten haben. Als Mass aller Dinge gilt die Meinung der Schulfreunde. Als Vorbild dienen offiziell die Stars und Sternchen, inoffiziell die Klassenlehrer und Leiter verschiedener Freizeitangebote. Brauchen sie mal jemanden, dem sie das Herz ausschütten können, kommen Grossmütter, Tanten und Gotten zum Zug. Was bleibt mir da als Mutter noch zu tun? Nur eines: Für diese kleine Prise Peinlichkeit in ihrem Leben zu sorgen. Damit sie jetzt bei ihren Freunden etwas zum Lästern haben und später dann – wenn ich in ihren Augen schon längst nicht mehr peinlich, sondern so etwas wie eine Heilige bin – ein paar Erinnerungen, die sie hemmungslos verklären können. 

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Er wollte doch nur mal tanzen

Ein einziges Mal nur wollte er es seinen Brüdern gleich tun. Irgend so eine sinnlose Dummheit anstellen, bei der man sich fragen muss, ob das Denkorgan überhaupt zu Rate gezogen wurde. Eines dieser fiesen Ärgernisse, mit denen man die Eltern so wunderbar auf die Palme treiben kann. Missetaten, die, wenn sie ans Licht kommen, mit einem entrüsteten „Ich war das bestimmt nicht!“ dem „anderen“ in die Schuhe geschoben werden. 

Mit einem kleinen Loch in der vollen Milchflasche wollte er testen, ob auch er, der gewöhnlich immer so seriös und perfektionistisch unterwegs ist, für ein wenig Action im Haus sorgen könne. 

Nun, man weiss ja, wie es kommt, wenn Ungeübte sich mit Streichen versuchen. Meistens scheitert die Sache schon daran, dass sie nicht kaltblütig genug sind, um so zu tun als wüssten sie von nichts. So war es auch bei ihm. Das Loch wurde entdeckt und drei Minuten später wussten wir, dass er der Schuldige war. Weil sein Sündenregister noch nicht sehr umfangreich ist, wäre ihm schnell verziehen gewesen. Leider verstaute aber „Meiner“ den Krug mit der Milch, die er hatte retten können, so ungeschickt im Kühlschrank, dass sie sich heute Morgen über meine Füsse ergoss, bevor ich nur eine Spur von Koffein intus hatte. So kam es, dass derjenige, der die Sache ins Rollen gebracht hatte, im Morgengrauen ein mütterliches Donnerwetter über sich ergehen lassen musste. 

Irgendwie tat mir das Prinzchen fast leid. Er wollte doch nur mal testen, ob er auch ein paar Tanzschritte auf den elterlichen Nerven wagen darf.

Ich glaube, er weiss jetzt, dass er es besser bleiben lässt. Ihm fehlt nicht nur die Übung, er ist auch nicht abgebrüht genug, um eine geballte Ladung mütterlichen Zorns mit einem gekonnten Schulterzucken von sich abzuschütteln.

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Fastenfragen

Da wir die Zügel in Sachen gesunder Ernährung in letzter Zeit etwas haben schleifen lassen, habe ich die beginnende Fastenzeit für pädagogische Zwecke missbraucht und für die kommenden Wochen ein generelles Süssigkeiten-, Dessert-  und Colaverbot verhängt. Seither werde ich mit sonderbaren Fragen konfrontiert:

„Dürfen wir jetzt bis Ostern nur noch Wasser trinken?“

(Natürlich. Es gibt auf diesem Planeten ja nur zwei Getränke: Wasser und Cola.)

„Muss ich auch im Skilager aufs Dessert verzichten?“

(Aber klar doch! Ich werde deine Mitschüler dafür bezahlen, dir ganz genau auf die Finger zu schauen und mir jeden Regelverstoss umgehend zu melden. Für jeden Bissen Dessert wird die Fastenzeit um eine Woche verlängert. Aber nur für dich. Wir anderen essen dann wieder Kuchen.)

„Sind Früchte noch erlaubt? Die enthalten doch auch Zucker…“

(Früchte? Lasst um Himmels Willen die Finger von diesem Zuckerzeugs! Immer, nicht bloss in der Fastenzeit!)

„Aber Luise bekommt trotzdem eine Geburtstagstorte?“

(Warum denn? Luise kann ja nächstes Jahr wieder feiern. Vorausgesetzt, ihr Geburtstag fällt nicht wieder in die Fastenzeit.)

„Warum hast du Lasagne mit Fleisch gekocht? Das ist ist doch jetzt nicht mehr erlaubt.“

(Ihr glaubt also, die Vegetarierin, die euch noch nie dazu gezwungen hat, es ihr gleich zu tun, würde euch jetzt plötzlich dazu verdonnern, Pilzlasagne zu essen? Vergesst es! Dieses Gemotze würde ich nicht aushalten.)

„Müsstest du nicht auch auf Kaffee verzichten?“

(Liebe Kinderlein, ihr möchtet doch nicht im Ernst riskieren, dass eure ohnehin schon launenhafte Mama gänzlich auf Koffeinentzug kommt? Das Colaverbot ist mir Herausforderung genug.)

Himmel, die glauben allen Ernstes, mir sei der gesunde Menschenverstand abhanden gekommen. Dabei will ich doch bloss, dass wir uns wieder mit etwas mehr Verstand ernähren.

Was nicht auf dem Einkaufszettel steht

Wenn du zur falschen Zeit einkaufen gehst, kann es dir passieren, dass du nur mit der Hälfte der Dinge, die auf deiner Liste stehen, heimkehrst. Dafür schleppst du eine Menge Sachen mit nach Hause, die man in den Regalen nicht finden kann:

Müttersorgen

Pausenhofstreitereien

Krankengeschichten

Nachbarschaftskonflikte

Lehrerversagen

Die schmutzige Wäsche wildfremder Leute

Ehekräche

Generelle Überforderungen

Zuweilen kommt es gar vor, dass du um einige Ratschläge erleichtert nach Hause gehst, obschon du die deinen Gesprächspartnern doch gar nicht aufbürden wolltest, denn du weisst, wie sauer die andern aufstossen können.

An solchen Einkäufen schleppe ich ganz schön schwer. Wie elend muss einem Menschen zumute sein, dass er mir – einer Wildfremden – zwischen Butterzöpfen und Fischstäbchen sein ganzes Leid klagt?

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Das könnte uns jetzt nicht interessieren

Wer heute in seiner Küche etwas Frittiertes zubereitet, tut dies nicht, ohne sich vorher eingehend mit der Frage auseinanderzusetzen, ob das erlaubt ist, erst recht, wenn die Speise neben viel Fett auch noch eine gehörige Portion Zucker enthält. Da gilt es zu überlegen…

… wie viel Fett und Zucker die Kinder in den vergangenen sechs Tagen bereits konsumiert haben. 

… mit welchen Massnahmen man diesen Frevel in den kommenden Tagen zu kompensieren gedenkt.

… mit welchen Worten man den Kindern verständlich macht, dass dies eine ganz böse, Sache ist, die man sich nur ausnahmsweise mal gönnen darf, weil Frittiertes fast so gefährlich ist wie illegale Drogen.

… wie man das schlechte Gewissen zum Schweigen bringt, das einem einreden will, wer seinen Kindern Frittiertes vorsetze, könne sie auch gleich vergiften.

Ist all dies zu Ende gedacht, wird es Zeit für die Vorbereitungen. Als erstes gilt es natürlich,  die Fritteuse zu finden, die irgendwo im hintersten Winkel verborgen ist, weil sie erstens nur etwa einmal alle zwei Jahre im Einsatz ist und zweitens auf gar keinen Fall strenggläubigen Gästen, die jeglichen Fettkonsum aufs Strengste verurteilen, unter die Augen kommen darf. Danach werden alle Fensterläden geschlossen, damit die Nachbarn nicht mitkriegen, welches Verbrechen da gerade begangen wird. Und natürlich muss man sich auch ein paar kluge Ausreden zurechtlegen für den Fall, dass unverhofft jemand reinschneit, wenn man gerade an der Fritteuse steht. 

Ist man schliesslich an dem Punkt angelangt, an dem man endlich loslegen könnte, braucht man eines nicht: Eine Rezept-Homepage, die unterhalb des Rezeptes unter „Das könnte Sie auch interessieren“ ein Buch anpreist: „Fit und Schlank – Drei Kilo abnehmen in drei Wochen“

Das interessiert uns dann wieder, wenn die Kalorienbombe verdaut ist…

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Stimmbürger in den Startlöchern

Prinzchen schaut sich eine alte Ausgabe des „Nebelspalters“ an. Ein wiederkehrendes Thema ist die Volksabstimmung „Ja zur grünen Wirtschaft“, die damals gerade aktuell war.

Prinzchen: „Grüne Wirtschaft? Soll man da Ja oder Nein stimmen?“

Ich: „Ich habe Ja gestimmt, denn ich finde es wichtig, dass wir die Umwelt schützen.“ 

Prinzchen: „Dann ist diese Abstimmung also schon vorbei?“

Ich: „Ja und die Mehrheit hat Nein gestimmt.“

Prinzchen (zu sich selber): „Dann hätte ich hier unbedingt Ja stimmen müssen, wenn ich schon abstimmen dürfte.“

Nur noch zehn Jahre, dann darf er…

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Hitzige Debatte, dreistimmig

Vor nicht allzu langer Zeit schrieb ich, wie schön ich es finde, wenn die Kinder anfangen, das Familienleben mitzugestalten. Dass mich Karlsson beim Wort nehmen und mir ein paar Tage später ein Heft mit dem Titel „Kleine Vortragsstücke für die Altblockflöte“ aus dem Brockenhaus mitbringen würde, ahnte ich damals natürlich nicht. „Das könntest du doch üben und ich könnte dich am Klavier begleiten“, meinte er und als ich ein paar Tage später noch keinen Ton gespielt hatte, liess er mich wissen, er habe das ernst gemeint mit dem gemeinsamen Musizieren. Da ich ein typisches Kind meiner Zeit bin, lieferten sich darauf drei innere Stimmen eine erbitterte Debatte:

1. Stimme (panisch): „Altblockflöte? Nein, bitte nicht! Ich bin noch immer traumatisiert von dieser schrecklich langweiligen Lehrerin, die mich dazu gezwungen hat, die Sopranblockflöte aufzugeben.“

2. Stimme (genervt): „Nun hab dich mal nicht so. Hast du es nicht immer und immer wieder bereut, dass du die Musik komplett aufgegeben hast? Das ist deine Chance, endlich wieder dort anzuknüpfen, wo du vor Jahren aufgehört hast.“

1. Stimme (jammernd): „Aber ich kann doch nicht! Diese Griffe verwirren mich komplett. Das habe ich schon damals nicht geschafft und wenn ich mir heute diese Grifftabelle ansehe, wird mir ganz mulmig zumute. Sopranblockflöte ginge ja noch. Aber Altblockflöte? Das schaffe ich nie und nimmer. Ich hab dir doch gesagt, ich bin traumatisiert. Ohne Therapie kriege ich das nicht hin…“

3. Stimme (mahnend): „Stichwort Therapie: Was glaubst du, was Karlsson tun wird, wenn du dich verweigerst?“

1. Stimme (etwas kleinlaut): „Er wird vielleicht ein bisschen sauer sein…“

3. Stimme (entrüstet): „Ein bisschen sauer? Weisst du denn nicht mehr, was junge Menschen tun, wenn sie von ihren Eltern enttäuscht werden? Die rennen zum Therapeuten und jammern ihm die Ohren voll über ihre herzlosen Eltern, die ihnen mit der kaltblütigen Ablehnung ihrer Passion fast das Herz aus der Brust gerissen haben. Wenn dir Karlsson etwas bedeutet, machst du dich gleich morgen ans Üben.“

1. Stimme (kläglich): „Aber ich kann doch nicht. Ich bin total blockiert.“

3. Stimme (drohend): „Du willst doch wohl nicht riskieren, dass er dich eines schönen Tages ins Altersheim abschiebt…“

1. Stimme (schluchzend): „Nein, aber ich kann doch nicht… Glaub mir doch bitte, diese Flötenstunden waren der reinste Horror. Mir rinnt jetzt noch der kalte Schweiss über den Rücken, wenn ich dran denke.“

2. Stimme (beschwichtigend): „So schlimm war das nun auch wieder nicht. Okay, diese Lehrerin war tatsächlich eine Schlaftablette und du warst ja auch mitten in der Pubertät und hattest andere Sorgen. Aber später dann, am Gymnasium, hat dir das Flötenspiel doch wieder richtig Spass gemacht.“

1. Stimme (kleinlaut): „Schon, aber…“

3. Stimme (barsch): „Kein Aber! Denk ans Altersheim…“

1. Stimme (ängstlich): „Du machst mir Angst. Ich kann das doch nicht. Karlsson wird mich auslachen. Er hat mich in Sachen Musik doch längst überholt.“

3. Stimme (belehrend): „Das scheint ihm aber nichts auszumachen. Er will mit seiner Mutter musizieren und wenn du ihm diesen Wunsch nicht erfüllst, landet er auf der Couch des Psychiaters und dann kannst du ja sehen, ob du deine Enkelkinder jemals zu Gesicht bekommst.“

1. Stimme (flehend): „Nun hör doch endlich auf, den Teufel an die Wand zu malen. So schaffe ich das erst recht nicht. Unter Druck kriege ich nichts zustande, das weisst du doch.“

3. Stimme (angewidert): „Ich kann es ja nicht fassen, dass du noch immer dieses Psychogeschwätz aus den Neunzigern drauf hast. Man sollte meinen, das Leben mit fünf Kindern hätte dich gelehrt, Hürden zu meistern. Stattdessen ziehst du jammernd den Schwanz ein.“

1. Stimme (wehklagend): „Ich gebe mir doch jede erdenkliche Mühe und mit neuen Herausforderungen werde ich ja auch irgendwie fertig. Aber wie soll ich meistern, was ich in meiner Jugend schon nicht geschafft habe? Ich kann das einfach nicht…“

3. Stimme (spöttisch): „Pffff! Wer lässt sich denn schon von einer Grifftabelle kleinkriegen?“

2. Stimme (resolut): „Könnt ihr wohl endlich die Klappe halten? Ich muss mich konzentrieren. Ich mag eine Niete sein auf der Altblockflöte, aber irgendwie habe ich richtig Lust bekommen, es noch einmal zu versuchen. Macht doch bestimmt Spass, mit Karlsson zu musizieren und vielleicht kann ich von ihm ja noch ein paar Dinge lernen. Also lasst mich gefälligst in Ruhe diese Grifftabelle studieren, damit ich bald mit Üben anfangen kann. Karlsson wird allmählich ungeduldig…“

So schwer kann das ja wohl wirklich nicht sein…

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