Noch mehr bunte Smarties

265 Posts habe ich bis heute geschrieben, dieser hier ist der 266. In dieser Zeit habe ich darüber geschrieben, wie gerne ich Mutter bin, wie oft ich mich als völlige Versager-Mama fühle, habe von meiner Überforderung berichtet, von meinem Ärger über die kinderunfreundliche Schweiz, habe über Absurditäten gespottet, ein wenig von meinen Glauben preisgegeben,  habe davon erzählt, wie unglaublich witzig und lieb unsere Kinder sind, habe von „Meinem“ geschwärmt und ab und zu auch ein wenig politisiert. Und was lesen meine überaus geschätzten Leser aus diesem Sammelsurium am Liebsten? Meinen kleinen, banalen Eintrag über Kindergeburtstage und Viele viele bunte Smartieskuchen.

Keine Ahnung, was diesen Text so beliebt macht, aber seit Wochen hält er sich hartnäckig unter den meist gelesenen Beiträgen meines Blogs. Weil ich ein Mensch bin, der immer wissen muss, weshalb etwas ist, wie es ist, habe ich mir inzwischen eine Theorie zurecht gelegt, um mir zu erklären, weshalb ausgerechnet dieser Beitrag so oft gelesen wird: Das Kind hat Geburtstag, die Mama überlegt sich, was sie backen soll, denkt „Smarties wären doch süss! Und erst noch bunt.“, Mama sucht im Internet nach einem Rezept, meint, bei mir gebe es eines und liest den Beitrag. Fragt sich bloss, was sie für einen Kuchen backt, nachdem sie bei mir gelesen hat, dass alle Mamas Smarties-Kuchen backen…

Und fragt sich, weshalb der Beitrag von Juni bis September nie, seit Anfang Oktober aber täglich gelesen wurde. Irgendwo müssen Smarties in einem unglaublich günstigen Sonderangebot erhältlich sein…

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Was darf’s denn sein, mein Prinzchen?

Des Prinzchens erster Geburtstag naht und so langsam wird es Zeit, dass ich mich mal bei Ricardo umschaue. Nur so als Inspiration. Ich habe ja keine Ahnung, was man einem Einjährigen schenken könnte…

Tja, bei Ricardo gäbe es da so einiges. Zum Beispiel das „Hüpfpferd, Hüpf-Pferd. Hüpf Pferd“. Ist in perfektem Zustand, aber wenn das Ding genauso sprunghaft ist wie die Orthographie des Verkäufers ist das wohl nichts für unser Prinzchen. Der steht ja noch nicht einmal ganz sicher auf seinen Beinchen. Vielleicht wäre der „Winnie the Pooh auf fahrende Schildkröte“ besser geeignet, da bestimmt etwas langsamer. Sieht aber nicht nur langsam, sondern auch langweilig aus. Noch langsamer ist bestimmt der „Spielzeug schneck“. Aber vielleicht kriegt das Prinzchen einen Schreck, wenn wir ihm einen Schneck schenken. In der Menagerie der Spieltiere gibt es auch noch das „Lernlauf Hündli“. Was aber, wenn das Lauflern-Tier einen Leerlauf hat und das Prinzchen auf wackeligen Beinchen stehen lässt? Lassen wir’s lieber bleiben, suchen wir weiter.

Da wäre ein „Schwein mit Lärm“ günstig abzugeben. Normalerweise wird Lärm bei Spielzeugen ja so wunderbar euphemistisch umschrieben: „Spielt zehn verschiedene Melodien“, oder „lustige Töne auf Knopfdruck“, oder „fördert die musikalische Früherziehung“. Wenn aber der Verkäufer das Ding bereits „mit Lärm“ anbietet, muss es wirklich laut sein. Also nichts für unsere sonst schon eher laute Familie. Dann kaufe ich vielleicht doch lieber „viele spielzeug für kleine kind“. Oder was halten Sie von folgendem Angebot: „Kinder bis 36 Mte. Fr. 1.-, gebraucht“? Da erzählt man den Kindern immer, sie wären unbezahlbar und ein anderer bietet seine für einen Franken bei Ricardo an? Nein, so schlimm ist es nicht. Wenn man ganz genau hinsieht, findet man den Vermerk „wagen den man zusammenklappen kann (barbiespielzeug)“.

Nun, mitten in all dem Kram finde ich dann doch noch einige Angebote, die mir zusagen. Pessimistisch, wie ich nun mal bin, biete ich auf alle. Bleibt zu hoffen, dass ich beim einen oder anderen überboten werde. Sonst ersäuft das Prinzchen am ersten Geburtstag in seinen Geschenken.

Wobei. Eigentlich möchte ich nicht überboten werden. Denn das Babyzeug ist so unglaublich hübsch (hätte fast „süss“ geschrieben, aber ganz so schlimm steht’s noch nicht um mich), dass ich unbedingt alles haben muss.

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In kulinarischen Tiefen

Weil er heute Geburtstag hat, darf „Meiner“ auswählen, wo wir zu Mittag essen. Ich, die ich sonst an jedem Lokal etwas auszusetzen habe, verspreche hoch und heilig, mitzukommen, wo immer er hin will. Und den Kindern verbiete ich jedes Gemotze. Zur Wahl stehen Crêperies, Brasseries, Cafés, Chinesische, Japanische,  Italienische und Indische Restaurants, Sandwich-Bars, Raclette oder Fondue. Und McDonald’s. Die Kinder sind zu jedem Abenteuer bereit, sie würden sogar bei „Super U“ einen lebenden Hummer kaufen, Sushi  kosten oder mit einem trockenen Sandwich Vorlieb  nehmen. Aber „Meiner“ kann sich einfach nicht entscheiden, druckst herum und irgendwann gesteht er mir, – auf Englisch, damit die Kinder nichts verstehen,- dass er eigentlich am liebsten zu McDonald’s gehen würde.

Ich traue meinen Ohren nicht. Das darf doch nicht wahr sein! Da befinden wir uns mitten im Schlaraffenland der Savoyischen Küche  und „Meiner“ will Fast Food. Ein verspäteter Trotzanfall? Eine sich anbahnende Midlife-Crisis? Zaghaft bereite ich die Kinder darauf vor, dass ihnen ein Essen bei McDonald’s bevorsteht. Betretenes Schweigen von Seiten der Kinder. „Wenn ihr einen besseren Vorschlag bringt, lässt sich Papa vielleicht umstimmen“, versuche ich sie zu trösten. Aber „Meiner“ lässt sich von nichts überzeugen, nicht einmal von dem hübschen Lokal mit dem riesigen Plüscheisbären im Eingang, der unsere Kinder magisch anzieht. Schliesslich landen wir doch beim Fastfood-Riesen, die Kinder trotteln etwas betreten hinter „Meinem“ her, bestellen artig ihr Happy Meal und zeigen sogar so etwas wie Freude an dem Spielzeug, das sie in fünffacher Ausführung mit nach Hause nehmen. Weil keiner das Geburtstagskind enttäuschen will, spielen wir alle artig mit. Das ist eine Regel, die bei uns für alle Geburtstagskinder gilt, und seien die Wünsche noch so abwegig.

Wenigstens, meinen Karlsson und Luise, als wir im strömenden Regen zurück zur Ferienwohnung gehen, sei dies die schönste McDonald’s-Filiale gewesen, die sie je gesehen hätten. Na, immerhin etwas…

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The Baby-Whisperer oder ein Loblied auf „Meinen“

Wie macht er das bloss? Da plage ich mich Stunde für Stunde mit einem schlaflosen Prinzchen ab, suche Nuggis, Schmusetücher  und Schoppenflaschen, flüstere beruhigende Worte, streichle ihm übers Haar und das Prinzchen heult weiter. Wer mich kennt, weiss, dass ich in Sachen schlaflose Babys vollkommen unerfahren bin und dies trotz fünf Kindern. Da bin ich also, völlig entnervt, mitten in der Nacht und weiss nicht mehr ein noch aus. Die volle Windel ist entsorgt, das Prinzchen wieder trocken angezogen, pappsatt und bestens umsorgt. Und dennoch heult der Kleine weiter.

Bis „Meiner“ die Szene betritt. Er, der wegen seines heutigen Geburttags eigentlich gar nicht aufstehen dürfte, bringt dem Baby eine Gummiente, murmelt ein paar nette Worte und das Prinzchen ist still. Solange, bis er merkt, dass Papa wieder weg ist. Dann geht das Geheul wieder los. Bis „Meiner“ wieder da ist. So geht das immer weiter, bis der Morgen graut und „Meiner“ das Prinzchen zu einem Frühspaziergang mitnimmt.

Ja, er ist ein wahrer Superman, „Meiner“. Und dieses Prachtsexemplar von einem Mann feiert heute seinen 35. Geburtstag. Endlich – sonst müsste ich mir noch lange die doofen Sprüche über mein forttgeschrittenes Alter anhören. Weil „Meiner“ also heute Geburtstag hat, hier mein Loblied: Ohne ihn hätte ich nicht so viele Kinder. Nicht bloss, weil kein anderer dazu bereit gewesen wäre, so viele mit mir zu zeugen, sondern, weil kein anderer ein so guter Vater wäre. Und vor allem,  weil kein anderer es schaffen würde, mir immer wieder auszuhelfen, wenn ich mal wieder mit den Nerven am Ende bin, mir immer wieder zu bestätigen, dass noch mehr in mir steckt als eine Mama, die nicht alles im Griff hat.

Aber natürlich hat auch Superman seine Schattenseite: Hätte „Meiner“ gestern Abend den richtigen Sauger auf des Prinzchens Flasche geschraubt, wäre das Baby heute nacht auch nicht so nass geworden und wir hätten uns das ganze Drama sparen können. Aber wir wollen nicht kleinlich sein, sondern zu Ehren des Tages alle Fehlerchen übersehen und „Meinen“ so richtig feiern. Er hat es verdient.

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Klamauk in der Ruhezone

Wenn ich mich alle Schaltjahre einmal in eine kinderfreien Zone begebe, werde ich innert Sekunden zum Kinderfeind. Man sollte es nicht für möglich halten, dass ich, die ich dafür plädiere, dass Kinder jeden hintersten Winkel dieses heruntergewirtschafteten Planeten beleben, mich je über kleine Menschen aufregen könnte. Aber ich kann es. Zum Beispiel, wenn man mir verspricht, dass in der Sauna nur Personen über fünfzehn Jahren Zutritt haben. Dann will ich dort keine Personen unter fünfzehn Jahren sehen, so gerne ich sie an allen anderen Orten auch sehen mag. Und erst recht will ich sie nicht hören. Und schon gar nicht herumschreien, lachen und blödeln hören. Dann will ich einfach meine Ruhe haben.

Noch mehr als herumblödelnde Kinder in der Sauna nerven mich die Mamas, die dies ihren Sprösslingen erlauben, die nicht einmal einschreiten, wennn es in der Ruhezone wirklich unerträglich laut wird. Brauchen die denn nie eine Verschnaufpause von ihren Kindern? Ist es denn wirklich zuviel verlangt, dass man sich an diese eine simple Regel hält? Ich schleppe ja meinen Nachwuchs auch nicht mit in die Sauna. Auch nicht dann, wenn sie mich auf Knien darum anflehen. Mütter müssten doch wissen, dass andere Mütter zuweilen ganz froh sind um einige Momente der Ruhe. Warum gönnen sie die einem dann nicht? Vielleicht deshalb, weil sie selber die Sauna auch nicht als einen Ort der Entspannung sehen.  Sondern als einen Ort, an dem man mit der Busenfreundin den neusten Tratsch austauscht.

Und jetzt ist fertig gejammert. Der Rest meines Geburtstags ist nämlich äusserst angenehm verlaufen.

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Kinderprogramm

Vielleicht sind hier doch nicht alle so nett. Ich zumindest finde es nicht besonders nett, wenn der Vergnügungs- und Kletterpark geschlossen ist und bis zum Tag unserer Abreise geschlossen bleiben wird, obschon auf dem Werbeprospekt steht, er sei bis zum 4. November täglich geöffnet. Ich finde es auch nicht nett, dass die Schlittschuhbahn ebenfalls den ganzen Oktober geschlossen ist, das Schwimmbad erst nachmittags um vier öffnet und die Minigolfanlage jeweils von acht Uhr abends bis zwei Uhr morgens offen ist. Nicht gerade die Tageszeit, zu der wir mit unseren Kindern unterwegs sind. Und ich finde es erst recht nicht nett, dass unsere Kinder im Café zurechtgewiesen werden, sie dürften die Spatzen nicht füttern, während der ältere Herr am Nebentisch dies ungestraft tun darf. Okay, wie bekommen dafür einen Schleckstengel geschenkt und der ältere Herr nicht, aber ob es nett war, Kindern Schleckstengel zu schenken, zeigt sich jeweils erst, wenn der Zahnarzt später auch keine Löcher in den Gebissen der Kinder findet.

Eigentlich weiss doch jeder, dass ein ansprechendes Kinderprogramm  das A und O eines gelungenen Ferientages ist. Weil dies heute aber partout nicht klappen will, müssen wir eben zum Erwachsenenprogramm übergehen: Tee und Törtchen in einer romantischen Konditorei. Sehr gemütlich. Bis Luise ihren Durst unter dem Tisch zu stillen beginnt. Das Personal soll ja nicht sehen, dass wir eine angefangene Limonadenflasche vom Mittagessen ins Lokal geschmuggelt haben. Dummerweise bemerkt der Zoowärter, dass er auch durstig ist, will aber nicht verstehen, dass er heute nur unter dem Tisch trinken darf. Wo es doch sonst immer heisst, er dürfe nicht unter dem Tisch essen und trinken. Da verstehe einer diese Eltern! Natürlich gibt es ein Geschrei, in welches alsbald das Prinzchen einstimmt, weil er hundemüde ist und ausserdem eine volle Windel hat. Gäste und Personal atmen hörbar auf, als wir das Lokal fluchtartig verlassen.

Das also war die erste Hälfte meines 35. Geburtstags. Bleibt zu hoffen, dass die zweite Hälfte besser wird. Immerhin ist es schon hart genug, dass ich mich jetzt endgültig nicht mehr jung nennen darf. Aber um diesen Schmerz zu lindern habe ich von „Meinem“ heute Morgen eine Mini-Weiterbildung und eine Flasche Tonic-Water geschenkt bekommen und das tröstet über Vieles hinweg…

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Die perfekte Party

Dass es Eltern gibt, die für ihre Sprösslinge die perfekte Geburtstagsfete auf die Beine stellen, indem sie für 2000 Franken einen Party-Planner engagieren, ist mir eigentlich nichts Neues. Wenn man mir dies aber am Vorabend des fünften Geburtstags des FeuerwehrRitterRömerPiraten im „Zehn vor Zehn“ unter die Nase reibt, dann ärgere ich mich grün und blau über die armen Irren, die meinen mit Geld kaschieren zu können, dass sie einfach zu faul sind dazu, um Mitternacht noch Eisbärchen aus Marzipan zu formen oder nach der Fete die Sahnetorte von den Wänden zu kratzen. Wenn ich mich mitten in der hitzigsten Endphase der Post-it-Tage mit einer Horde von Fünfjährigen herumgeschlagen habe, um vorfeiern zu können, weil nachher alle in den Ferien sind. Wenn ich halb Österreich nach der perfekten Tortendekoration abesucht habe. Wenn ich auf der Heimfahrt von den Ferien einen Abstecher zu „Toys r us“ in Kauf nehme (Als ob „Toys r us“ nicht schon ohne Heimfahrtsstress schlimm genug wäre!). Wenn ich nach der Heimkehr alle Wäscheberge und Umzugskartons links liegen lasse, um doch noch das perfekte Geschenk aufzutreiben. Und wenn ich mich mitten in den Sommerferien trotz sich ankündigender Erkältung bereits um halb acht aus dem Bett zwinge, damit alles bereit ist, wenn der FeuerwehrRitterRömerPirat erwacht.

Bedenke ich all das, könnte ich sie alle auf den Mond schicken, die Party-Planner mitsamt den faulen Eltern und ihrer verwöhnten Brut. Man könnte jetzt fragen, wozu ich mir all den Stress mache und warum „Meiner“ mir dabei nicht hilft. Die zweite Frage ist leicht zu Beantworten: Als Einzelkind hat „Meiner“ keine Ahnung, wie man es anstellt, einem Grossfamilienkind einen ganzen Tag lang das Gefühl zu vermitteln, dass es trotz der vielen Geschwister etwas ganz Besonderes ist. Ich hingegen habe als Jüngstes von sieben Kinder zahlreiche schöne Geburtstags-Überraschungen und auch ein paar herbe Geburtstags-Enttäuschungen in lebhafter Erinnerung. Somit kann ich aus dem Vollen schöpfen, wenn es ums Feiern geht. Ausserdem will ich „Meinen“ nicht zu sehr auslaugen mit den Vorbereitungen. Ich brauche ihn nämlich jeweils, wenn es darum geht, die aufgedrehten Gäste unter Kontrolle zu behalten, einzuschreiten, wenn ein Eifersüchtiger versucht, das Geburtstagskind zu erschlagen oder für Ordnung zu sorgen, wenn beim Basteln alle den gleichen Pinsel haben wollen.

Ja, aber warum all der Stress? Warum nicht einfach ein kleiner Kuchen, ein paar Kerzen und zwei oder drei Geschenke?Auch das ist eigentlich ganz einfach: Weil mir keiner 2000 Franken bezahlt für das Organisieren der Party. Also muss ich mir einen anderen Lohn erarbeiten: Strahlende Kinderaugen. Und diesen Lohn bekomme ich nicht, wenn irgend ein fremder Party-Planner in irgend einer Konditorei sündhaft teure Marzipan-Ferraris bestellt, die Kinder ein wenig anmalt und sie durch einen Bobby-Car-Parcours hetzt. Den bekomme ich erst, wenn ich auf dem Zahnfleisch gehe, weil ich mich nach Kräften darum bemüht habe, jeden erdenklichen Geburtstagswunsch zu erfüllen, den ich meinen Knöpfen im Laufe des Jahres von den Augen abgelesen habe.

Auf dem Zahnfleisch

Man könnte ja glauben, uns würde nichts mehr aus den Socken hauen. Immerhin haben wir ja Erfahrung. Was ist schon eine Geburtstagsparty mit acht Zwei- bis Sechsjährigen? Immerhin hat Karlsson auch schon eine Fete mit vier überdrehten Freunden gefeiert, die bei uns übernachteten. Und dies knappe zwei Wochen nach der Geburt des Prinzchens. Ein ander Mal überstanden wir eine Geburtstagsparty mit zwei Autopannen und drei Stunden in einer Turnhalle. Auch die Prinzessinnenparty mit zwei kranken Gästen, von denen sich eine am Ende übergeben musste, haben wir ohne weitere Schäden hinter uns gebracht.

Ob wir aber je wieder eine Party mit einer Gruppe von Vorschulkindern feiern werden, ist fraglich. Es ist nicht etwa so, dass sich die Buben daneben benommen hätten. Nein, sie waren alle äusserst lieb. Doch wer einmal an einem sehr heissen Sommertag eine Horde  von testosteronstrotzenden kleinen Jungen gehütet hat, weiss, dass diese sich nicht besonders auffällig benehmen müssen, um einen an den Rand des Nervenzusammenbruchs zu treiben. Jeder ist der Schnellste, der Stärkste, der Beste, der Schönste, der Klügste. Jeder braucht eine Waffe. Und wenn die Gastgeber so blöd sind, vor dem grossen Umzugstermin alle Spielzeugwaffen in den Keller zu räumen, müssen eben Stecken, Bananen und Schwingbesen als Waffen herhalten. Sollte es trotz unserer heutigen Erschöpfung ein nächstes Mal geben, lassen wir nur noch Bewaffnete ins Haus.

Nach zwei Stunden Party sind „Meiner“ und ich nudelfertig, während für die Kinder die Fete erst so richtig in Schwung kommt. Immerhin haben „Meiner“ und ich im Teamwork so ziemlich alle bisherigen brenzligen Situationen gemeistert: Das Feuer, das zuerst nicht brennen wollte, die Eistorte, die trotz Smarties nicht bei allen Kindern ankam, das Würstchen, das noch nicht gar war, der Gast, der sich für den Allerstärksten hält und dies den anderen Allerstärksten beweisen muss. Doch jetzt, wo ich so ziemlich auf dem Zahnfleisch gehe und nur noch sehnsüchtig nach der Uhr schiele, macht sich „Meiner“ aus dem Staub. Zahnarzttermin. Ich soll die Meute noch eine halbe Stunde lang alleine bändigen, währenddem er es sich auf dem Zahnarztsessel wohlsein lassen kann! Immer hat er den ganzen Spass und ich muss schuften!

Wie? Behauptet hier jemand, er würde lieber hundert Parties mit acht Kleinkindern feiern, als eine Stunde beim Zahnarzt zu verbringen? Wer das glaubt, ist herzlich eingeladen, die Party zu schmeissen, wenn der Zoowärter vier wird. Spätestens nach einer Stunde wird er seinen Zahnarzt  auf den Knien anflehen, ob er nicht jetzt gleich einen Termin für eine Wurzelbehandlung haben könne…

Viele viele bunte Smarties-Kuchen

Eigentlich wäre der Terminplan während der Post-it-Tage ja bereits randvoll. Da würde man liebend gerne auf Geburtstagsparties verzichten. Doch weil der FeuerwehrRitterRömerPirat eines jener bedauernswerten Kinder ist, die mitten in den Sommerferien Geburtstag haben, müssen wir eben vorfeiern. Ja, ich weiss, ich mache mich damit schuldig. Ich zwinge andere Mütter dazu, ein Geschenk zu besorgen, sich einen weiteren Termin zu merken, ein weiteres Post-it aufzukleben. Und dies zwischen Schulschlussfeiern, Jugendfesten, Ferienvorbereitungen und Sommerschlussverkauf.

Aber was soll ich tun? Ich kann doch den Geburtstag des FeuerwehrRitterRömerPiraten nicht einfach ignorieren. Immerhin ist nicht er schuld daran, dass er im Juli zur Welt gekommen ist. Jetzt müssen „Meiner“ und ich eben ausbaden, dass wir damals nicht besser geplant haben. Eine Bedingung habe ich dem FeuerwehrRitterRömerPiraten – und übrigens auch allen anderen Kindern – gestellt: Ich backe keinen Smarties-Kuchen. Da mögen sie mich beknien so lange sie wollen, Smarties-Kuchen gibt es nicht. Wenn sie Smarties-Kuchen wollen, müssen sie ihn selber backen oder sich eine andere Mutter suchen.

Was ich gegen Smarties-Kuchen habe? Eigentlich nichts. Aber fragen Sie mal ihr Kind nach einer Geburtstagsfeier im Kindergarten oder in der Schule, was denn das Geburtstagskind mitgebracht habe. In 99,9 Prozent aller Fälle wird das Kind antworten: „Smarties-Kuchen natürlich!“. So zumindest tönt es bei uns und dies schon seit vier Jahren. Ach ja, manchmal gibt es als Variation auch Smarties-Muffins, oder vielleicht M&M’s-Kuchen. Aber das war’s dann auch schon mit der Abwechslung.

Natürlich, die Kinder mögen Smarties und es sieht ja auch ganz hübsch aus. Aber denkt denn niemand an die armen Lehrerinnen, die vor lauter Smarties den Kuchen nicht mehr sehen mögen? Nun ja, es hat sich noch nie eine Lehrerin bei mir beklagt. Aber ich stelle mir vor, dass es doch ziemlich öde sein muss, zwanzig bis dreissig Mal im Jahr Smarties-Kuchen zu essen. Da stehe ich doch lieber morgens um halb sieben auf und backe Laugenbrötchen für den FeuerwehrRitterRömerPiraten. Sieht zwar nicht besonders festlich aus, ist aber garantiert Smarties-frei. Und morgen gibt’s gar keinen Kuchen, sondern eine Ritterburg aus Vanille- und Aprikosenglace. Womit ich die dekoriere? Mit Smarties natürlich. Es sind ja keine Lehrerinnen eingeladen.