Protokoll

7:00 Uhr: zum ersten Mal des Zoowärters Gekotztes aufgeputzt und nebenbei den anderen das Frühstück serviert

8:15 Uhr: Krach mit dem FeuerwehrRitterRömerPiraten, der sich, anstatt in den Kindergarten zu gehen, hinter dem Kleiderständer versteckt hat

8:30 Uhr: Zoowärter in seine neue Winnie the Pooh-Latzhose gesteckt. Zoowärter sieht zum Anbeissen aus!

8:45 Uhr: Zoowärter wegen akuten Durchfalls wieder aus der Latzhose geschält. Zoowärter sieht jetzt nicht mehr zum Anbeissen aus.

8:50 Uhr: Zoowärter und Prinzchen nehmen ein „Dreckspatz-Bad“ mit Rose und Vanille. Hach, wie die zwei duften!

9:10 Uhr: Zoowärter kotzt. Duftet nicht mehr.

9:15 Uhr: Lese folgendes Zitat auf der Frontseite der Tageszeitung: „Unsere geschätzten Patientenzahlen waren zwar zu hoch, aber nicht völlig daneben.“ Patrick Mathys, Bundesamt für Gesundheit, über die eigenen Voraussagen zur Schweinegrippe vom vergangenen Sommer

9:20 Uhr: Während ich das frisch gebadete Prinzchen aus seiner eben noch sauberen Kleidung schäle und ihn danach dusche, um die Spuren seines akuten Durchfalls zu beseitigen, zerbreche ich mir den Kopf darüber, warum man ein solches Geschrei gemacht hat um H1N1, wo doch Noro viel mühsamer ist.

10:00 Uhr: Prinzchen schläft, Zoowäter schläft fast, ich lese  im „Beobachter“ folgende Sätze zum Thema Managerlöhne: „Genauso lehnt Hostettler fixe Obergrenzen ab. ‚Sie hinterlassen ein dumpfes Gefühl der Eingeschränktheit und durchbrechen das positive Prinzip des Mehrs.‘ Mehr zu wollen und sich nicht mit dem Status quo zufriedenzugeben sei schliesslich das Erfolgsmodell, auf dem unserer Wirtschaftsordnung fusse. Dieses Prinzip dürfe wergen der jüngsten Lohnexzesse nicht leichtfertig geopfert werden.“ Ich verdrücke ein paar Tränchen für die armen Manager, die darum fürchten müssen, an einem „dumpfen Gefühl der Eingeschränktheit“ leiden zu müssen.

11:00 Uhr: Der Zoowärter ist wieder fit und will singen. Das heisst, der Zoowärter wählt das Bild aus und ich singe dazu. 10 mal „Backe backe Kuchen“, fünf Mal „Heut‘ ist ein Fest bei den Fröschen am See“, drei Mal „Auf unsrer Wiese gehet was“, ein halbes Mal „Lobe den Herren“, acht Mal „Chämifäger schwarze Maa“ und dazwischen wird gekocht, aufgeräumt und gewickelt. Der Zoowärter ist traurig, dass der Winnie the Pooh auf der Windel nichts mehr sieht, wenn er in der Hose eingesperrt wird.

12:00 Uhr: Das Essen steht auf dem Tisch, Karlsson, Luise, das Prinzchen, der Zoowärter und ich starren hungrig auf die Schüsseln, doch der FeuerwehrRitterRömerPirat ist nicht da.

12:15 Uhr: Noch immer keine Spur von FeuerwehrRitterRömerPiraten. Karlsson und Luise gehen ihn suchen.

12:20 Uhr: Draussen heult der FeuerwehrRitterRömerPirat, weil Luise ihm eine übergebraten hat, weil er sich mit seinem Freund eine Schneeballschlacht geliefert hat, anstatt nach Hause zu kommen.

13:10 Uhr: Luise muss jetzt augenblicklich ein Tütü haben. Weil das alte tatsächlich zu klein ist, bestelle ich ihr jetzt augenblicklich eines und bezahle am Ende mehr fürs Porto als fürs Tütü

14:30 Uhr: Der FeuerwehrRitterRömerPirat landet für längere Zeit mit einem Buch auf dem Sofa, wo er bleiben muss, bis er sich beruhigt hat. Was er getan hat? Nun, die Reihenfolge weiss ich nicht mehr, ich weiss nur noch, dass das Prinzchen, Luise, Luises Freundin und der Zoowärter wegen ihm geheult haben. Und dann hat er noch eine Bastelarbeit von Luise zerstört und die Salontische umgechmissen. Das reicht.

16:00 Uhr: Karlsson will mit „Google Earth“ auf Reisen gehen. Ich bin „die beste Mama der Welt“, weil ich mitmache und mit ihm die Freiheitsstatue und Ayers Rock ansehe.

16:50 Uhr: Luise kotzt zum ersten Mal.

17:10 Uhr: „Meiner“ kommt nach Hause und überrascht mich mit einem Gutschein zum Kaffeetrinken. Damit ich morgen mal ausspannen kann.

18:00 Uhr: Abendessen. Luise will unbedingt Broccoli essen. Wir sagen ihr, sie solle es für einmal besser bleiben lassen.

18:05 Uhr: Wir haben kein Pepsi mehr und die Magen-Darm-Seuche ist gerade erst ausgebrochen

18:15 Uhr: Luise kotzt.

18:30 Uhr: Luise kotzt noch einmal.

18:45 Uhr: Luise kotzt noch einmal.

19:00 Uhr: Drei Kapitel „Kinder aus Bullerbü“. Der Zoowärter ist schon auf dem Sofa eingeschlafen.

19:30 Uhr: Ich erwache völlig benebelt auf dem Sofa. Wo sind all die Kinder? Und warum hat „Meiner“ die Küche ohne mich aufgeräumt? Und was für ein Tag ist heute überhaupt?

20:00 Uhr: Luise kotzt wieder.

20:10 Uhr: Der FeuerwehrRitterRömerPirat klagt über Bauchschmerzen.

20:15 Uhr: „Komm lieber Mai und mache“ für Karlsson, „Schlaf mein Kind, ich wieg‘ dich leise“ für den FeuerwehrRitterRömerPiraten

20:35 Uhr: Luise kotzt wieder.

20:55 Uhr: Mir ist kalt. Und übel. Und ich habe Bauchschmerzen. Was das wohl sein könnte?

Die Putzfrau und ich

Ja, ich weiss, man nennt das heutzutage nicht mehr Putzfrau. Aber Hausfrauen nennt man heute auch nicht mehr Hausfrauen und dennoch werden wir noch immer nicht für voll genommen, genauso wenig wie die Putzfrauen. Also können wir die alten Begriffe getrost weiter verwenden, solange man mit Euphemismen die Geringschätzung zu kaschieren sucht. Merkt ihr’s? Ich habe mal wieder einen akuten Anfall von Hausfrauenfrust. Dabei hatte ich fest damit gerechnet, dass heute Vieles besser sein würde. Nein, natürlich nicht vollkommen besser. Ich bin doch kein Phantast, der glaubt, mit dem neuen Jahr werde alles besser. An meinem Vollpensum als Hausfrau hat sich ja nichts geändert. Aber zumindest hatte ich damit gerechnet, dass meine Putzfrau heute wieder aus den Ferien zurück ist.

Ist sie aber nicht. Und deshalb hätte ich heute selber putzen müssen. Was aber nicht möglich war. Weil das Prinzchen immer dann auf den Arm genommen werden wollte, wenn ich gerade den Besen zur Hand nehmen wollte. Weil der Zoowärter heute hundertmal die Geschichte von Felix hören wollte. Weil ich eine volle Stunde mit einem Kerl von Sunrise am Draht hing, weil er versuchte, unsere Internet-Verbindungsprobleme zu lösen und irgendwann entnervt aufgeben musste, weil er sich „mit Mac leider nicht so gut“ auskennt. Hätte mich ja gleich am Anfang fragen können, ob ich einen PC oder einen Mac habe. Ja, und dann gab es noch tausend andere Hindernisse, die sich in den Weg stellten, so dass unsere Wohnung mal wieder einem Rattenloch gleicht.

Und so wird mir einmal mehr bewusst, dass ich ohne Putzfrau nicht mehr leben könnte. Klar, ich breche nicht mehr in Tränen aus, wenn sie mal nicht kommt. Das ist mir vor einem Jahr, als ich kräftemässig am Tiefpunkt war, durchaus mal passiert. Aber auch wenn ich heute nicht mehr heule vor lauter Sehnsucht  nach ihr, so weiss ich doch sehr zu schätzen, dass es da einen Menschen gibt, der bereitwillig unseren ganzen Dreck beseitigt und dennoch die Achtung vor uns nicht verloren hat. Nein, ich meine jetzt nicht Achtung im Sinne von Unterwürfigkeit, sondern Achtung im Sinn von: sie redet noch mit mir, auch wenn unter unserem Bett so wahnsinnig viel Staub liegt. Sie nimmt meine Kinder auf den Arm, auch wenn sie fast immer eine laufende Nase oder klebrige Finger haben. Sie übernimmt meine Kochrezepte, auch wenn sie sieht, dass meine Küche versinkt im Chaos. Kurz: Sie nimmt mich, wie ich bin, mit all meinen Schwächen und Stärken. Ich vergöttere diese Frau!

Dabei hatte ich mich anfangs so sehr gesträubt dagegen, eine Putzfrau anzustellen. Das Ganze roch mir zu sehr nach Überheblichkeit. Nach Menschen, die glauben, etwas Besseres zu sein und sich deswegen die Finger nicht schmutzig machen wollen Doch irgendwann musste ich mir eingestehen, dass ich schlicht zu unbegabt bin, um den Haushalt zu schmeissen. Dass da ein Experte ran muss; jemand, der weiss, wie man einen Besen in die Hand nimmt und nicht schreiend zusammenbricht, wenn der Boden mal wieder so übersät ist mit Spielzeug, dass man ihn nicht mehr sehen kann. Ein Profi eben, nicht so ein schäbiger Möchtegern wie ich. Wobei ich ja nicht einmal ein Möchtegern bin, weil ein Möchtegern ja gerne möchte. Und das möchte ich nicht…

Ich möchte nur einmal….

… aufs WC gehen können, ohne vorher die Spuren meiner Söhne beseitigen zu müssen, ohne das Ding entstopfen zu müssen, ohne vorher eine neue Rolle WC-Papier suchen zu müssen, ohne dass jemand an die Tür poltert, weil er mir unbedingt jetzt etwas sagen muss.

… in den eben gerade geputzten Spiegel schauen können, ohne hinter den Fingerabdrücken meiner Tochter mein Gesicht nicht mehr erkennen zu können.

… die Hände waschen können, ohne vorher die Zahnpastaspuren sämtlicher Kinder zu beseitigen, ohne nach dem Handtuch suchen zu müssen, ohne zuerst die Badeenten aus dem Lavabo schmeissen zu müssen.

…. ein Bad nehmen können, ohne vorher die Wanne vollständig putzen und entrümpeln zu müssen.

Ist das den wirklich zu viel verlangt?

Es komme mir jetzt keine jener allwissenden Mütter und ermahne mich, ich müsste eben meine Kinder besser dressieren. Dressur ist nichts für mich; ich versuche es lieber mit Erziehung, auch wenn es anstrengender ist. Und es komme mir jetzt kein Single daher, der mir sagt, ich solle dankbar sein dafür, dass mein WC nicht immer sauber, mein Spiegel nicht immer blank, mein Handtuch nicht immer an seinem Platz ist. Ich bin unendlich dankbar für fast alles. Aber nicht dafür.

Mist! Das war wohl kein besonders erbauender Start ins neue Jahr. Aber es musste einfach mal gesagt sein…

Schweizer Qualitätskinder?

Luise und Karlsson schlafen auswärts, was bedeutet, dass wir „nur“ drei Kinder hatten heute Nachmittag. Ausserdem hatten wir noch einen Ikea-Gutschein und ein wenig Schwiegermama-Weihnachtsgeld und somit war klar, wo Vendittis den beinahe kinderfreien Tag verbringen würden. Es wurde eine vollkommen entspannte Sache. Der Zoowärter hatte keine Fieberkrämpfe wie beim letzten Ikea-Besuch, das Prinzchen setzte sich einer wildfremden Frau auf den Schoss und begann, ihre Pommes Frites aufzuessen und der FeuerwehrRitterRömerPirat spielte Marienkäfer. Als wir unsere Einkäufe erledigt hatten, kam eine ältere Dame auf uns zu: „Ach, sind die süss, die drei Jungen!“, schwärmte sie. „Das ist aber schön, dass sie so eine grosse Familie haben.“ Wir hätten noch zwei weitere von diesen süssen kleinen Dingern erzählte ich ihr, worauf sie meinte: „Fünf Kinder! Das ist aber eine Leistung. Und Sie sind wirklich Schweizer?“ Nun ja, wenn man mal von den italienischen Wurzeln von „Meinem“ absieht, dann könnte man uns durchaus als Schweizer bezeichnen. Wie schön es doch sei, wenn Schweizer bereit seien, diese grosse Arbeit auf  sich zu nehmen, um fünf Kinder grosszuziehen; sonst sehe man ja fast nur noch Ausländer, die viele Kinder hätten, meinte die Frau.

Und jetzt bin ich ganz verwirrt. Wären unser Kinder weniger „süss“, wenn sie keinen Schweizerpass hätten? Wäre unsere Arbeit weniger Wert, wenn „Meiner“ nicht eingebürgert und ich keine Schweizerin wäre? Hätten wir vielleicht gar weniger Arbeit mit den Kindern, wenn wir Ausländer wären? Wäre letzteres der Fall, dann würde ich mich nämlich sofort ausbürgern lassen.

Schwiegermamas Weihnachtsfest

Die Schwiegermama wollte doch noch Weihnachten feiern mit uns und zwar auf ihre Art: Sich ins Ausverkaufs-Getümmel stürzen und den Kindern etwas kaufen, was sie dringend brauchen. Eine Winterjacke zum Beispiel. Oder einen Pullover und eine Hose. Eigentlich hätte sie schon vor Weihnachten gehen wollen, aber da haben „Meiner“ und ich nur auf den vollen Kalender geschaut und losgebrüllt vor lauter Lachen. Dann haben wir probiert, ihr die Sache auszureden, denn meistens schonen solche Einkaufstouren zwar unser Budget, nicht aber unsere Nerven und die sind bei uns meist noch knapper als das Geld. Aber Schwiegermama bestand auf ihrem Vorschlag und so haben wir ihr Traum-Weihnachtsfest eben heute nachgeholt: Morgens um halb neun die Kinder aus dem Bett gezerrt, sie schnell schnell verköstigt und in die Kleider gezwängt. Dann mit dem Zoowärter eine Ewigkeit darüber diskutiert, warum I-Ah nicht mitkommen könne und schliesslich doch nachgegeben, weil der Kleine so geheult hat. Irgendwann standen sie da, die fünf: geputzt, gestriegelt und vollkommen lustlos. Ich kann gar nicht verstehen, warum sie sich nicht aufs Kleiderkaufen freuten…

Auf dem letzten Zacken schafften wir es, den Bus zu erwischen und in die Stadt zu fahren, wo Schwiegermama bereits wartete. Dann also mal ab in die Läden. Im ersten schnappte sich der FeuerwehrRitterRömerPirat einen „Wickie“-Pyjama und damit war die Sache für ihn erledigt, mochte die Schwiegermama ihn noch so sehr anflehen, doch noch einen Pullover, eine Grosspackung Unterhosen oder ein Paar Socken auszuwählen. Luise konnte sich derweilen nicht zwischen der rosaroten und der geblümten Hose entscheiden und war überhaupt eingeschnappt, dass sie sich Hosen kaufen musste und nicht eines jener gerüschten Kleidchen. Der Zoowärter heulte, weil er  einen Winnie the Pooh haben wollte, aber nicht konnte, weil sein kleines gelbes Idol bei „C & A“ bloss Dekoration war. „Meiner“ und ich wühlten uns derweilen durch einen Haufen Baby-Bodies, um für das Prinzchen die passende Grösse zu finden, die aber leider praktisch ausverkauft war.

Irgendwie schafften wir es, fast alle Wünsche zu befriedigen und zogen danach weiter zum Warenhaus, wo Karlsson sich eine Winterjacke auswählen durfte. Während Karlsson in aller Seelenruhe Jacken anprobierte, verkrochen sich der Zoowärter und der FeuerwehrRitterRömerPirat unter die Regale und das Prinzchen, das bei Papa in der Rückentrage sass, begann, die oberen Regale leer zu räumen. Irgendwann hatte die Schwiegermama eine zündende Idee: Sie lotste den Zoowärter und den FeuerwehrRitterRömerPiraten an einen Ort, wo sie keinen Schaden anrichten konnten, nämlich in die Spielzeugabteilung! Wo ich sie beiden mit hunderttausend Versprechen, dass sie sich den singenden Winnie the Pooh und das Spiel mit den Rittern und den Lerncomputer und die Playmobil-Pyramide ganz bestimmt zum Geburtstag wünschen dürften. Während Karlsson und „Meiner“ sich weiter um die Jacke kümmerten und die Schwiegermama das ganze Treiben gleichmütig beobachtete, mutierte ich so langsam aber sicher zu einer jener Albtraum-Mütter, wie man sie in Warenhäusern so gerne sieht: „Komm sofort her, Zoowärter! Und fass mir ja nichts mehr an! Nein, Prinzchen, nicht die Dekoration herunterreissen! Hierher, FeuerwehrRitterRömerPirat, und zwar Dalli! Nein, das kaufe ich euch nicht. Das ist zu teuer. Wo bist du jetzt schon wieder, Luise? Zowääääääärter, neeeeeiiiiiiiiin!“ Irgendwann wusste ich mir nicht mehr anders zu helfen, als den Rabauken Zuckerstangen zu kaufen. Worauf der Streit losging, wer welche Farbe bekommen sollte. Worauf ausgerechnet die  Zuckerstange, die alle haben wollten, zerbrach. Worauf noch einmal eine neue Zuckerstange hermusste, weil zerbrochene Zuckerstangen bekanntlich ungeniessbar, ja, sogar giftig sind.

Irgendwann waren die Einkäufe geschafft, „Meiner“, die Kinder und ich auch. Nur Schwiegermama stand ganz entspannt daneben und meinte, das sei doch jetzt alles ganz glatt gelaufen. Ach ja, und wer hat sich eigentlich die ganze Zeit über liebevoll um I-Ah gekümmert und ihn mitgeschleppt, wenn er zwischen den Regalen liegenblieb?

Na, wer wohl?

„Meiner“ & ich

Ich muss da mal etwas klarstellen. „Meiner“ findet, ich würde ihn zu positiv darstellen in meinem Blog und vielleicht hat auch schon der eine oder die andere gedacht, ich würde mich aufführen wie ein verliebter Teenager. Und darum muss ich jetzt mal sagen, wie es ist: „Meiner“ ist grossartig. Und hat dennoch seine Fehler. Er lässt zum Beispiel überall seine schwarzen Socken herumliegen und jammert dann, er habe nie saubere Socken. Er ist auch, trotz seiner Fähigkeiten als Hausmann, komplett unfähig, die Wäsche anständig zu falten. Und wenn er kocht, dann versinkt die Küche im Chaos.

Natürlich hat „Meiner“ auch ein paar andere Fehler, solche, die ich nicht in aller Öffentlichkeit diskutieren will, denn sie gehen nur mich und vielleicht die Kinder etwas an. Das Schöne an „Meinem“ ist aber, dass er zu diesen Fehlern steht. Noch bevor wir uns damals, vor 18 Jahren, ineinander verliebt hatten, wusste ich schon Bescheid über seine Leichen im Keller. Und er über meine. Die haben wir einander nämlich einmal, als wir an einem schönen Sommernachmittag im Park sassen, gebeichtet. Wie bitte? Siebzehnjährige haben keine Leichen im Keller und haben sich demnach auch nichts zu beichten? Nun, zumindest „Meiner“ und ich hatten welche. Und wenn wir sie einander nicht gebeichtet hätten, dann hätten sie wohl früher oder später ganz grässlich zu stinken begonnen. So aber haben wir uns mit offenen Augen aufeinander eingelassen, haben zuerst einmal genau hingeschaut und uns erst dann Hals über Kopf verliebt.

Klingt unromantisch? War es auch. Aber dennoch nicht die schlechteste Art, eine Beziehung zu starten, wenn ich auch nie behaupten würde, es sei die einzig Richtige. Wenn nämlich heute, im Trubel des Grossfamilienlebens plötzlich eine schlechte Eigenschaft von „Meinem“ an die Oberfläche kommt, brauche ich mir nicht erstaunt die Augen zu reiben. Auch wenn ich mich furchtbar über solche Dinge aufregen kann, es bricht dennoch nicht eine ganze Welt für mich zusammen, weil mein rosarotes Bild Kratzer bekommen hätte. Ich brauche „Meinen“ nicht zu idealisieren, weil ich seine schlechten Seiten kenne. Und deshalb fällt es mir wohl auch ein wenig leichter, seine guten Seiten zu sehen und hemmungslos von ihm zu schwärmen, wenn er es verdient hat. (Und ebenso hemmungslos mit ihm zu streiten, wenn er mir mal wieder auf die Nerven fällt…)

Hurra! Wir werden reich!

„Meiner“ und ich haben beschlossen, eine neue Einnahmequelle zu erschliessen. Wer uns anstarrt, weil wir mit fünf Kindern unterwegs sind, zahlt. Und zwar ab sofort.  Bis Ende Jahr gilt für alle der gleiche Einführungspreis: Fünf Franken für fünf Minuten starren. Nächstes Jahr werden wir dann abgestufte Preise verlangen, je nachdem, wer auf welche Weise starrt. Hier die Preisliste, gültig ab 1. 1. 2010:

Menschen, die nur hin und wieder einen verstohlene Blick riskieren, bezahlen 50 Rappen pro Blick.

Menschen, die uns anschauen und dabei freundlich lachen bezahlen 2 Franken pro fünf Minuten, für eine nette Bemerkung gibt’s einen Franken Rabatt.

Menschen, die mit dem Finger auf uns zeigen bezahlen 10 Franken für jeden Fingerzeig.

Menschen, die uns unentwegt und mit gehässigem Blick anstarren, bezahlen 15 Franken pro fünf Minuten.

Menschen, die uns unentwegt und mit gehässigem Blick anstarren und dazu auch noch giftige Bemerkungen fallen lassen, wenn eines unserer Kinder einen Pieps von sich gibt, bezahlen 25 Franken pro Bemerkung, zuzüglich zu den 15 Franken .

Man unterstelle mir wegen der hohen Preise in den zwei letzten Kategorien bitte keine Seniorenfeindlichkeit. Die älteren Damen und Herren, die noch immer glauben, wer mehr als zwei Kinder habe, wisse nicht, dass es die Pille gibt, sind selber Schuld, dass wir sie zur Kasse bitten müssen. Mit ihrer Gehässigkeit haben sie uns schon so manchen Ausflug versaut, dass wir Schadenersatz verlangen müssen.

Wenn wir uns jetzt auch noch dazu aufraffen können, uns täglich mit unserer Rasselbande unters Volk zu mischen, dann gehören finanzielle Engpässe der Vergangenheit an. Wird zwar anstrengend, ständig unterwegs zu sein, aber Geld verdienen war noch nie einfach.

Ich könnte ja, ….

…. ein einziges Mal nur, mein protestantisches Gewissen ignorieren und den zweiten Teil des Vormittags mit einem heissen Bad einläuten. Der Zoowärter schläft nämlich noch selig, das Prinzchen wieder. Den Abfall habe ich bereits vor die Tür gestellt, das Chaos ist heute, an einem Donnerstag (oh, wie hasse ich doch Donnerstage!) ohnehin nicht zu bewältigen und ein beruhigendes Melissenbad wäre genau das Richtige in der hektischen Adventszeit. Ich glaube, meine Familie wird mir dankbar sein, wenn ich mich für einmal in der Badewanne entspanne, anstatt wie eine wütende Wespe durchs Leben zu surren. Ja, ich glaube ich gebe mir den berühmten Tritt in den Hintern und befördere mich ins Bad.

Gleich nachdem ich den Geschirrspüler ausgeräumt habe. Und das schmutzige Geschirr wieder eingeräumt habe. Und die herumliegende Wäsche eingesammelt habe. Und die Bilderbücher im Regal verstaut habe. Und den Tisch geputzt habe. Und dann noch die alten Zeitungen im Altpapier versorgt habe. Dann, ich verspreche es, werde ich mich sogleich in die Wanne stürzen. Falls der Zoowärter dann noch schläft. Denn falls er wach ist, werde ich ihn anziehen, eine kurze Dusche nehmen und dann mit den zwei Jüngsten in die Stadt hetzen, wo ich unbedingt den siebenspaltigen Kalender fürs nächste Jahr abholen muss. Denn so langsam häufen sich die Termine all der Dinge, die man aufs nächste Jahr verschoben hat, weil in diesem Jahr kein Platz mehr war im Kalender. Und diese Termine muss ich ganz dringend eintragen. Ehe ich sie vergesse.

Vielleicht nehme ich mein Bad doch besser erst am Nachmittag. Oder vielleicht am Abend. Oder am Wochenende.

Einen schönen guten Morgen allerseits

Und das, noch bevor ich Zeit hatte, zu frühstücken. Ratet mal, warum ich heute keinen rechten Appetit hatte. Und wie oft ich heute früh schon die Tür geknallt habe.

Wie das passiert ist? Da fragt man ab besten das Prinzchen und den Zoowärter. Mir selber ist es nämlich ein wenig zu schnell gegangen, als dass ich die Details rekonstruieren könnte. Es hat irgend etwas zu tun mit dem Prinzchen, das  auf den Esstisch geklettert war und dem Zoowärter, der damit nicht einverstanden war.

Aber was rege ich mich denn auf? Zumindest ist alles farblich abgestimmt…

Happy Birthday, Karlsson!

Wenn wir mit anderen Leuten über unsere doch eher grosse Familie reden, bekommen wir immer etwa das Gleiche zu hören: „Wahnsinn! Da habt ihr aber viel Arbeit.“ Auch wir selber denken meistens daran, dass unsere Wäscheberge höher, unsere Einkaufswagen und Abfallsäcke voller, unsere Konti hingegen leerer sind. Auch wir sind uns dessen bewusst, dass wir viele viele Stunden unseres Lebens aufopfern um zu wickeln, den Kindern bei den Hausaufgaben zu helfen, Zimmer aufzuräumen, aufgeschürfte Knie zu verarzten und so weiter. Was man bei alldem so leicht vergisst: Wir feiern auch mehr. Kaum sind die Girlanden des letzten Geburtstags verschwunden, hängen schon wieder die nächsten. Kaum haben wir die letzte Torte verdaut, steht schon die nächste auf dem Tisch. Und das ist doch einfach schön. Auch wenn es unserer schlanken Linie nicht sonderlich gut bekommt. Aber wer will denn schon an sowas denken, wenn gefeiert wird?

Und gefeiert wird, trotz Schweinegrippe, Halsschmerzen und Müdigkeit. Denn am Geburtstag soll das Geburtstagskind spüren, dass es nicht einfach Eines von Vielen ist, sondern dass es etwas ganz Besonderes ist. Es soll so richtig schwelgen in Liebe und Anerkennung. Es soll wissen, dass es eine grossartige Sache ist, dass ausgerechnet er oder sie Teil unserer Familie geworden ist.

Wie das konkret aussieht? Nun, bei jedem Kind etwas anders, je nach Vorlieben. Bei Karlsson zum Beispiel bedeutet es, dass Mama morgens um sechs aufsteht, um Berliner zu backen für die Schulklasse. Dass am Mittag Morcheln auf dem Tisch stehen und Süssigkeiten in rauhen Mengen konsumiert werden dürfen. Und natürlich bedeutet es auch, dass es frische Leberpastete gibt, auch wenn Mama dies zu verdrängen versucht. Wenn Karlsson seinen grossen Tag hat, wird nicht geknausert, denn der Junge ist ein Feinschmecker durch und durch. Und weil wir alle uns so sehr freuen, dass Karlsson ist wie er ist, werden wir tüchtig mitfeiern. Und mitschlemmen.

Nur auf die Leberpastete verzichten wir gerne. Die darf er alleine essen.