Geht doch

Morgen früh verreisen wir nun endlich auch in die Ferien und jetzt solltet ihr euch bitte irgendwo festhalten, denn das, was ich jetzt schreibe, ist beinahe nicht zu glauben: Wir sind bereit. Nein, nicht bloss im Kopf. Die Koffer sind gepackt – bis auf denjenigen von „Meinem“, aber der musste heute noch Plakate malen – , das Auto ist beladen, die Kühlschränke sind nahezu geräumt und sogar die Reiseunterlagen inklusive gültige Identitätskarten für alle sieben liegen bereit. Ich habe es sogar fertig gebracht, eine Tasche mit Gummistiefeln und Regenjacken zu packen, weil ich irgendwo am Rande mitgekriegt habe, dass es in Prag derzeit auch ziemlich nass sein soll. Mag sein, dass dies in den Augen meiner Leserschaft nichts Besonderes ist, aber ich muss leider darauf hinweisen, dass es so etwas im Hause Venditti seit mindestens sechs Jahren nicht mehr gegeben hat. Ich glaube, mich vage daran erinnern zu können, dass wir das damals, als Karlsson und Luise noch sehr klein waren, auch schon hingekriegt haben, aber spätestens seit der Geburt des FeuerwehrRitterRömerPiraten herrschte ein heilloses Durcheinander wann immer wir verreist sind. Eigentlich erstaunlich, dass wir kaum je etwas zu Hause vergessen haben. Wo doch unsere Reisevorbereitungen eher Fluchtversuchen gleich kamen. 

Aber diesmal ist wirklich alles anders. So anders, dass wir sogar daran gedacht haben, uns die Magen-Darm-Seuche, die wir uns gewöhnlich im Urlaub leisten, in diesem Jahr bereits zu Hause zu geniessen. Ja, ich weiss, das ist nun wirklich ein wenig übertrieben, aber wo wir schon mal am Durchorganisieren waren, haben wir uns gedacht, dass wir das mit der Planung für einmal bis ins kleinste Detail durchziehen sollten.

Johann Sebastian sei Dank

Der gute alte Johann Sebastian ist und bleibt der Beste. Was ich in zwei nervenaufreibenden Stunden nicht hinkriege, schafft er innert Minuten. Nichts half, weder singen, kuscheln noch drohen. Das Prinzchen, der Zoowärter und der FeuerwehrRitterRömerPirat wollten heute Abend einfach keine Ruhe geben und irgendwann war es auch mit meiner Ruhe vorbei, so dass ich nicht mehr ganz die nette Mama war, die ihre Kinder singend in den Schlaf begleitet. Irgendwann war ich an dem Punkt, an dem ich nur noch lauthals schimpfen konnte, sogar mit dem FeuerwehrRitterRömerPiraten, der den ganzen Tag fiebernd auf dem Sofa gelegen hatte und dennoch abends so lieb war, mich bei meinen erfolglosen Versuchen, die zwei Jüngsten zum Schweigen zu bringen, zu unterstützen.

Ich war schon fast den Tränen nahe, weil es mal wieder ganz klar darauf hinauslief, dass ich erst die ganz böse Mama würde spielen müssen, ehe die übermüdeten Kinder endlich schlafen würden. Da hatte ich den rettenden Einfall, es mal wieder mit Johann Sebastian zu versuchen. Und siehe da, der alte Knabe hat unsere Söhne noch immer bestens im Griff. Kaum erklangen die ersten Takte, hörte das Prinzchen auf, mich mit kleinen, fiesen Schubsern zu provozieren, fünf Minuten später lag sein Kopf friedlich auf meinem Schoss und bald schon schlief er tief und fest. Auch der FeuerwehrRitterRömerPirat liess nur noch einen tiefen Seufzer hören, dann liess auch er sich von der Musik in den Schlaf lullen. Der Zoowärter brauchte etwas länger als seine zwei Brüder, was wenig verwunderlich ist, wo er doch heute Abend einer der drei Chipmunks war und meines Wissens sind die nicht wegen ihres phlegmatischen Wesens berühmt geworden. Aber auch der kleine Chipmunk wurde deutlich ruhiger und schon bald einmal verkündete er, er werde sich jetzt in seine Chipmunk-Höhle zurückziehen um tief und fest zu schlafen. 

Es gibt viele gute Gründe, Johann Sebastian zu verehren, in meinen Augen aber ist seine grösste Leistung eindeutig die, dass er es fertig bringt, unsere aufgedrehten Söhne abends zu beruhigen. Nun ja, eigentlich gibt es etwas, wofür ich ihn fast noch ein wenig mehr verehre: Er schafft es, auch mich wieder zu beruhigen, nachdem die aufgedrehten Söhne mich mal wieder zur Weissglut getrieben haben. Und glaubt mir, wenn ich mich mal aufrege, bin ich gar nicht so leicht zu beruhigen und deswegen bitte ich euch, dem guten alten Herrn Bach einen tosenden Applaus zu geben.

Armes Prinzchen

Allmählich nähert sich das Prinzchen seinem dritten Geburtstag und so langsam kommt bei mir das Mitleid auf, das ich immer empfinde für die Dreijährigen. Nun ja, es dauert noch gute drei Monate, bis der grosse Tag da ist, aber als jüngstes Kind ist das Prinzchen immer etwas schneller als die anderen es waren. Und darum zeichnet sich bei ihm jetzt schon ab, was früher oder später kommen muss: Die Schonzeit nähert sich ihrem Ende. 

Es fängt damit an, dass nicht mehr alle „ach, wie süüüüüüüüss“ kreischen, wenn das Prinzchen einem seiner Geschwister eins überbrät. Plötzlich heisst es „Prinzchen, du nervst!“ und der arme Junge ist ganz verdattert. Warum sind sie plötzlich nicht mehr entzückt, wenn er den Grossen zeigt, wer hier der Meister ist? Vielleicht hat es etwas damit zu tun, dass seine Schläge inzwischen ganz schön schmerzhaft sind und das ist nun mal nicht mehr besonders süss.

Ein weiteres Anzeichen, dass es für unseren Jüngsten langsam ernst gilt: Der Satz „Ach lass ihn doch. Er ist noch so klein und versteht noch gar nicht, dass er kein Eis haben darf, wenn er bereits Gummibärchen genascht hat“ fällt deutlich seltener. So langsam entwickelt unser Prinzchen ein Gefühl für den Tagesablauf und von einem Kind, das schon ziemlich gewieft mit den Begriffen „heute“ und „morgen“ jongliert, erwartet man automatisch, dass es damit leben kann, dass es erst morgen wieder etwas Süsses gibt. Natürlich weiss ich, dass der Junge trotz seiner grossen Worte noch keinen Zeitbegriff hat, aber wer sagt denn, dass Mütter sich immer schön brav an das halten, was sie wissen? Oh ja, es fällt mir durchaus schwer, bei dem herzigen Bengel konsequent zu bleiben, wo er doch im Vergleich zu seinen Geschwistern tatsächlich noch sehr klein ist, aber irgendwann muss er wohl lernen, dass er hier nicht im Schlaraffenland lebt. 

Ja, und da wäre natürlich noch die Sache mit dem Chaos. So langsam ist es einfach nicht mehr süss, wenn das Prinzchen wie ein Wirbelsturm durch die Wohnung fegt. Er braucht gerade mal so lange, wie Mama auf dem WC sitzt, um den Küchenschrank leer zu räumen, eine halbe Tüte Mehl zu verschütten und den Brotteig mit bunten Zuckerstreuseln zu verzieren. Ja, ich weiss, ihr denkt jetzt, ich würde wohl den halben Vormittag im Badezimmer verbringen und glaubt mir, die Versuchung ist gross, eben dies zu tun, um das Durcheinander, das unser Jüngster innert Kürze anrichtet, nicht sehen zu müssen. Aber weil ich inzwischen die unzähmbare Neugierde unseres Jüngsten und deren desaströse Folgen für Mobiliar, Bastelarbeiten und Lebensmittelvorräte kenne, wage ich kaum mehr, die Tür zum Badezimmer zu schliessen, aus Angst, ich würde ausgerechnet in dem Moment weg sein, in dem er beschliesst, das iPad aus dem Fenster zu werfen oder Karlssons Zeugnis etwas bunter zu gestalten. Und sagt jetzt nicht, wir müssten die Dinge eben prinzchensicher verstauen. In den vergangenen Monaten mussten wir durch diverse schmerzhafte Erfahrungen lernen, dass es so etwas wie Prinzchensicherheit nicht gibt, das Kind kommt überall hin, wenn er es sich nur fest genug in den Kopf setzt. Und weil man ein solches Kind nicht bremst, indem man ihm sanft ins Ohr säuselt „Mein lieber kleiner Schatz, willst du das nicht lieber bleiben lassen? Mama ist ganz traurig, wenn du jetzt diesen Blumentopf vom Balkon schmeisst“, kommt es hin und wieder vor, dass wir ziemlich laut und ernst werden müssen, ehe er von seinem Tun ablässt.

Wenn ich lese, was ich bis jetzt geschrieben habe, frage ich mich, weshalb ich diesen Text mit „armes Prinzchen“ überschrieben habe. Sind nicht wir anderen die Armen? Immerhin versuchen wir den lieben langen Tag mit mässigem Erfolg zu verhindern, dass der kleine Lausebengel unser Leben noch vollends auf den Kopf stellt. Aber ich bleibe dabei, dass nicht wir die Armen sind, sondern er. Denn währenddem wir wissen, dass sich das alles wieder legen wird, wenn der Verstand des Prinzchens anfängt, mit seinem Können Schritt zu halten, hat er keine Ahnung, weshalb es immer öfters „Prinzchen neeeeeiiiiiiiin! Jetzt hörst du sofort auf damit!“ heisst und nicht mehr „Ach schau mal wie süss! Jetzt hat er schon wieder den ganzen Sirup ausgekippt, weil er versucht hat, sich selber einzuschenken.“

Mama, spielst du mit mir?

Eigentlich hätte ich auf die Frage vorbereitet sein müssen, nachdem ich am Samstag stundenlang mit dem FeuerwehrRitterRömerPiraten die Lego-Burg zusammengebaut hatte. „Mama, spielst du mit mir Lego?“, wollte er am Sonntag von mir wissen und mit spielen meinte er diesmal nicht zusammenbauen, sondern richtig spielen, mit Angriffen auf die feindliche Burg, Verfolgungsjagden und allem was sonst noch dazugehört. Ich hätte ja nur zu gerne ja gesagt, aber weil ich eine miserable Spielkameradin bin, musste ich meinen Sohn enttäuschen. Zusammenbauen? Liebend gerne. Abenteuerliche Geschichten von Zeitreisen ins Mittelalter vorlesen? Noch lieber. Tausendundeine Frage über die Ritterzeit beantworten? Nur zu. Aber spielen? Nicht mit mir. Denn spielen mit mir ist geradezu einschläfernd.

Das war schon immer so. Ich war keines jener Kinder, die sich stundenlang rollenspielend in einer Fantasiewelt tummeln konnten. Lesend und später auch schreibend ja, aber spielend? Nein, dazu war ich viel zu bodenständig. Klar, auch ich spielte mit Puppen und Playmobil, aber diese Spiele mussten immer nahe an der Realität sein. Ich erinnere mich noch lebhaft daran, wie ich meine Schwester dazu überreden wollte, dass unsere Puppen sich mal ganz heftig in die Haare geraten sollten, weil man im richtigen Leben ja auch hin und wieder streitet. Es kam dann auch tatsächlich zum Streit, aber nicht zwischen den Puppen, sondern zwischen uns Schwestern, weil die Gute einfach nicht einsehen wollte, weshalb unser Spiel das wahre Leben spiegeln sollte. Rückblickend verstehe ich nur zu gut, dass meine Schwester nur selten Lust hatte, mit mir zu spielen. Wer will denn schon die doofsten Seiten des Kinderalltags nachspielen?

Auch heute kommt es selten gut, wenn die Kinder versuchen, mich in ihr Spiel hineinzuziehen. Nehmen wir mal an, die Kinder würden mit mir Einkaufsladen spielen wollen. „Mama, du wärest jetzt die Kundin, die noch kurz vor dem Mittagessen eine Büchse Ravioli kaufen möchte“, würden die Kinder zum Beispiel sagen. „Müssen es denn unbedingt Ravioli sein?“, würde ich dann protestieren. „Ihr wisst doch, dass ich nie so etwas Ungesundes auf den Tisch bringen würde. Ich könnte doch auch die Kundin sein, die kurz vor dem Mittagessen noch Tofubratlinge und einen grünen Salat einkaufen möchte.“ „Aber nein Mama, das ist doof. Du sollst jetzt diese blöde Kundin sein, die ihren Kindern nie etwas Anständiges kocht und die immer erst in letzter Minute in den Laden gerannt kommt. Und dann schimpfst du mit der Verkäuferin, weil sie keine Dosenravioli mehr hat“, würden dann die Kinder sagen. „Aber die arme Verkäuferin kann doch auch nichts dafür, dass es keine Dosenravioli mehr hat. Wo doch alle Mütter zu faul waren, etwas Anständiges einzukaufen. Da kann die Kundin doch nicht mit der Verkäuferin schimpfen. Also ich würde viel lieber Tofubratlinge…“ „Nein Mama, Tofubratlinge gibt es in diesem Laden nicht! Ravioli sollst du kaufen!“ „Aber ich will keine Ravioli kaufen…“ „Dann spielst du eben nicht mit, Mama. Mit dir zu spielen macht überhaupt keinen Spass. Luise, spiel du die doofe Kundin und ich spiele die Verkäuferin, die ….“

Zugegeben, die Szene ist frei erfunden, aber nur, weil unsere Kinder schon längst begriffen haben, dass mit Mama spielen keinen Spass macht. Nun ja, die meisten haben es begriffen, der FeuerwehrRitterRömerPirat will noch immer nicht glauben, dass die Mama, die mit Leib und Seele dabei ist, wenn es etwas Aufzubauen gilt, völlig unbrauchbar ist, wenn eine Burg eingenommen werden soll. Ich fürchte, ich werde demnächst einmal mitspielen müssen, damit er sieht, wovon ich rede, wenn ich ihm versichere, dass es öde ist, mit mir zu spielen.

Ich nehme an, dass einige meiner Leser mich jetzt ganz furchtbar herzlos finden. Bin ich aber nicht. Zwar bin ich keine Spielkameradin für meine Kinder, dafür habe ich in enger Zusammenarbeit mit „Meinem“ dafür gesorgt, dass es an Spielkameraden nie mangelt, auch dann nicht, wenn sämtliche Freunde und Nachbarn in den Ferien sind. Und glaubt mir, das war kein Kinderspiel, sondern knochenharte Arbeit, besonders dann, als es galt, diese Spielkameraden zu gebären.

Ein klitzekleiner Wunsch

Liebe Mitarbeitende sämtlicher Kindernotfallstationen auf diesem Planeten

Verzeiht mir, wenn ich etwas direkt bin, aber das, was ich hier schreibe, muss jetzt einfach mal raus. Könntet ihr bitte etwas netter sein mit uns Eltern, wenn wir voller Panik zum Telefon greifen, um von euch zu erfahren, ob mit unserem Kind noch alles in Ordnung ist, oder ob wir gleich eine Ambulanz bestellen sollen. Sätze wie „38 Grad Fieber sind nun wirklich nicht viel!“ sind irgendwie deplaziert, wenn man soeben erklärt hat, dass das Kind sich kaum mehr auf den Beinen halten kann, eine eitrige Wunde am Arm hat und nicht mehr fähig ist, alleine aufs WC zu gehen. Ich weiss ja selber auch, dass 38 Grad Fieber nicht viel sind, aber das ist ja nur einer von mehrerenFaktoren in dieser ganzen Geschichte. Und ausserdem reden Sie hier mit einer Frau, die selbst bei einem Tischtennisballgrossen Abszess nicht mehr als 38,5 Grad Fieber zustande bringt, warum also sollte die Tochter da so anders sein. Aber das brauche ich Ihnen nicht zu erzählen, es geht ja nicht um mich hier. 

Glauben Sie mir, wir Eltern greifen nicht aus lauter Langeweile morgens um halb sechs zum Telefon. Nein, wir müssen uns nicht ein wenig die Zeit vertreiben bis zum nächsten Pediküre-Termin. Wir haben auch nicht zufällig Ihre Nummer gewählt, als wir eigentlich unsere beste Freundin anrufen wollten, weil wir ihr unbedingt von diesem sa-gen-haf-ten Restaurant erzählen wollten, das wir neulich kennen gelernt haben. Wir haben tatsächlich Sie anrufen wollen, weil wir uns um unser Kind sorgten. Mag ja sein, dass unsere Sorge übertrieben ist, aber glaubt mir, würden wir nicht anrufen und es stellte sich Stunden später heraus, dass es doch ein Notfall war, dann würde man uns genau dies unter die Nase reiben: „Warum sind sie denn nicht früher gekommen? Haben Sie denn nicht gesehen, wie elend es Ihrem Kind geht?“ 

Ja, ich weiss, Sie haben eine strenge Nacht mit vielen Fehlalarmen hinter sich und ich kann ja sehr gut verstehen, dass Sie die Nase gestrichen voll haben von Eltern, die wegen einer Dornwarze mitten in der Nacht auf der Notfallstation auftauchen. Ich weiss, dass die ewigen „Mein Kind hat seit drei Wochen diesen leichten Schnupfen und da haben wir gedacht, dass wir mal schnell nachts um drei bei Ihnen vorbeischauen könnten, wo Sie doch ohnehin offen haben“-Patienten nerven. Aber ich kann Ihnen versichern, dass die Eltern, die freiwillig zur Notfallstation kommen, äusserst dünn gesät sind, auch wenn man hin und wieder das Gegenteil vermuten könnte bei all den Bagatellen. Ja, ich verstehe, dass Sie genervt sind nach einer anstrengenden Nacht auf der Notfallstation, aber bitte denken Sie daran, dass die Eltern, die im Morgengrauen bei Ihnen anrufen eine nicht minder anstrengende Nacht hinter sich haben. Auch wir haben uns eine Nacht lang mit diversen Sorgen und Nöten herumgeschlagen, die einen Bagatellfälle wie „Ich brauche eine warme Milch“ oder „Mein Teddy ist aus dem Bett gefallen“, die anderen ernst zu nehmende Sorgen wie „Mama, meine Wunde schmerzt so sehr und es wird immer schlimmer.“

Im Grunde wollen weder Sie noch wir, dass wir ohne Anlass auf der Notfallstation aufkreuzen, aber glauben Sie mir, wenn ich sicher wäre, dass kein Anlass besteht, dann würde ich Sie nicht anrufen. Ich greife wirklich nur dann zum Telefon, wenn ich Angst habe um mein Kind und wenn ich Angst habe, bin ich ziemlich dünnhäutig. Im Grunde genommen macht es mir nichts aus, wenn Sie mir sagen, dass ich nicht zu kommen brauche mit meinem Kind, eigentlich möchte ich genau dies hören, aber es ist nicht besonders nett, wenn Sie mich anschnauzen. Immerhin bin ich höflich genug, zuerst anzurufen, anstatt plötzlich unangemeldet auf der Matte zu stehen. Also lassen Sie in Zukunft bitte diese doofen Kommentare wie „Woher wollen Sie denn wissen, ob das schlimm ist oder nicht.“ Verbindlichsten Dank und bis zum nächsten Mal, das hoffentlich noch lange auf sich warten lässt.

Ich geh‘ dann mal zur Kinderärztin mit unserer Luise.

Antworten auf nicht gestellte Fragen

In letzter Zeit habe ich öfters mal drauflos gebloggt, ohne meinen Lesern später auch die Fortsetzung oder das Ende der Geschichte zu liefern. Mein Leben rast weiter, bringt mir weitere Absurditäten, Tiefschläge, Höhenflüge und Stolpersteine über die ich schreiben will und ich denke nicht weiter an die losen Enden, bis jemand aus meinem Leserkreis mich auf diese oder jene Geschichte anspricht und wissen möchte, wie die Sache denn ausgegangen sei. Heute also ein kleiner Aufwisch über Ferienlager, Rattenbesuche und dergleichen:

  • Ja, wir haben das Schuljahresende mehr oder weniger schadlos überstanden, die Lehrerinnen haben alle ihr Geschenk gekriegt, Luises Brille ist wieder aufgetaucht und ihr Schmusetier auch. Soweit ist also alles wieder in Butter, wir müssen jetzt nur noch endlich all die Schulhefte und Kinderzeichnungen archivieren, die ausgelatschten Finken – nein, nicht die Vögel, die Hausschuhe – entsorgen und die Turnkleider aussortieren, dann können wir das Schuljahr 2010/11 endgültig abschliessen und uns dem Schuljahr 2011/12 widmen, d. h. neue Finken kaufen, zu klein gewordene Turnkleider durch grössere Turnkleider ersetzen und das, was noch brauchbar ist, dem kleinen Bruder weiterreichen, Stundenpläne aktualisieren, mit Musiklehrern und Therapeuten verhandeln, welches Venditti-Kind wann noch ein freies Zeitfenster für den Unterricht hat, Karlsson davon überzeugen, dass ihm der neue Lehrer nicht den Kopf abreissen wird, dem FeuerwehrRitterRömerPiraten versichern, dass er mit seinen Lehrerinnen bestimmt gut klarkommen wird, auch wenn Luise in ihrem Temperament nicht nur nette Dinge über sie gesagt hat, dem Zoowärter klarmachen, dass der Kindergarten eine ganz tolle Sache ist, auch wenn er jetzt zwei Jahre lang jeden Tag miterleben musste, wie die Mama den widerstrebenden FeuerwehrRitterRömerPiraten aus dem Haus getrieben hat… Aber was erzähle ich da von all den Dingen, die noch vor uns liegen? Ich wollte doch Altes aufwischen, nicht Neues anreissen. Dann also weiter mit den losen Enden:
  • Ja, Karlsson und Luise sind gut zu Hause angekommen. Okay, der eine oder andere Kratzer sieht etwas schlimm aus, aber was wäre ein Zeltlager ohne ein paar blaue Flecken und Kratzer? Karlsson hatte hin und wieder Heimweh, Luise nicht. Dafür zieht sich Karlsson jetzt, wo er uns wieder hat, gerne in die Ruhe seines Zimmers zurück, während Luise die Nähe, die sie nicht vermisst hat, jetzt umso mehr sucht. Also alles bestens, die beiden lieben uns noch immer, einfach jeder auf seine eigene Art. Die Glucke hat die Woche übrigens auch ziemlich gut überstanden, sie scheint sich so langsam mit dem Gedanken anzufreunden, dass Kinder gewöhnlich keinen Schaden nehmen, wenn sie einmal ein paar Tage ohne Mama und Papa auskommen müssen. Oder dürfen.
  • Die Ratte ward seit einigen Wochen nicht mehr gesehen. Was noch lange nicht heissen muss, dass sie nicht mehr da ist. Aber seitdem wir kein Au Pair mehr haben, ist auch niemand mehr im Haus, der sie sehen könnte, denn meistens kam das Vieh ja vormittags. Ich rede mir jetzt einfach mal ein, sie habe sich aus dem Staub gemacht und hoffe, dass ich eines Morgens nicht eines Besseren belehrt werde. Wie? Ihr fragt, ob denn der Kammerjäger nichts habe ausrichten können? Ach ja, der Kammerjäger. Den hätte ich beinahe vergessen. Der kam mal schnell, schaute sich unseren Balkon an, lief einmal um unser Haus, brummte dann, da könne er nun wirklich nichts tun und weg war er. Nun ja, zumindest hat er keine Rechnung geschickt…
  • Ach ja, und dann war da noch die Sache mit den Katzen, die der Ratte den Garaus machen sollten. Inzwischen habe ich mir sagen lassen, dass sich Ratten einen Dreck um die Anwesenheit einer Katze scheren, aber wir haben dennoch beschlossen, uns zwei anzuschaffen, denn eigentlich war das mit dem Rattenvertreiben  ohnehin nur ein Vorwand, um endlich eine Ausrede zu haben, uns Katzen zuzulegen. Morgen gehen wir sie zum ersten Mal besuchen. Luise und ich können den Augenblick kaum erwarten, die anderen sehen das etwas gelassener, aber sogar „Meiner“ musste gestehen, dass sie auf den Bildern wirklich zum Anbeissen aussehen.
  • Und dann noch kurz dies: Nein, die Kinder gönnen uns die Nachtruhe noch immer nicht, in diesem Moment schlafen drei Stück in unserem Schlafzimmer, nur zwei in ihren eigenen Betten, nein, das Schreiben kommt leider nicht so voran, wie ich mir dies wünschen würde und unser Umbauprojekt „neue Arbeitsteilung“ stockt weiterhin,  ja, die Ferien sind inzwischen mehr oder weniger fertig geplant und wenn alles gut kommt, reisen wir am Samstagmorgen ab, nein, der Zoowärter hat noch nicht vergessen, dass er in Prag ein neues Schwert bekommen soll und ja, in unserer Wohnung herrscht noch immer das pure Chaos, aber wir arbeiten dran, ohne Unterbruch und man sieht dennoch nichts davon…
Damit bin ich am Ende meines Aufwisches angelangt. Sollte ich etwas nicht erwähnt haben, fragt bitte nicht nach, denn wahrscheinlich habe ich nichts davon geschrieben, weil ich die Sache verdrängt habe…

Lego-Welten

Einer von unzähligen Gründen, weshalb ich so gerne die Mama des FeuerwehrRitterRömerPiraten bin: Nachdem ich seit frühester Kindheit nichts mit Legosteinen anzufangen wusste, habe ich heute, an seinem Geburtstag, gelernt, dass es richtig viel Spass machen kann, aus den kleinen Steinen Ritterburgen zu bauen. Nun ja, vielleicht war es weniger das Bauen als die gemeinsame Zeit mit unserem Dritten. Diese Begeisterung für ein Geschenk, das er sich seit Wochen gewünscht hatte, diese Spannung, wie die Konstruktion wohl am Ende aussehen würde, die „Mama, du hast ja keine Ahnung, wie man Legos zusammenbaut“-Kommentare. Wieder einmal habe ich erlebt, wie schön eine bis anhin fremde Welt sein kann, wenn man sie mit einem geliebten Kind entdeckt. Schön, dass er mich in seine Welt mitgenommen hat, schön, dass er unser Leben bereichert. Seit sieben Jahren schon. 

Amtsschimmel & Glucke

Glaubt mir, ich habe keinen Vorwand gesucht, um meine Kinder im Jungscharlager besuchen zu können. Im Gegenteil, ich hatte mir fest vorgenommen, unseren zwei Ältesten die Woche ohne Mama, Papa und kleine Brüder zu gönnen. Klar, es fiel mir schwer, aber ich habe mir sagen lassen, dass Kinder jeweils von schrecklichem Heimweh geplagt sind, wenn die Eltern mal kurz in der Mitte der Woche zu Besuch kommen, um zu sehen, ob alles in Ordnung ist. Hätte uns nicht der Schweizer Amtsschimmel dazu gezwungen, hätten wir das also bleiben lassen, ganz ehrlich. Aber der Amtsschimmel wollte für ein amtliches Dokument die Unterschriften von Karlsson und Luise und weil es Ende Woche nicht mehr gereicht hätte, musste die Unterschrift der beiden her und zwar sofort. Ist ja schon absurd: Unterschreiben dürfen die zwei noch gar nichts, aber für gewissen Dokumente geht es doch nicht ohne die typischen krakeligen Kinderunterschriften. Was blieb uns da anderes übrig, als heute mal kurz im Lager vorbeizuschauen, bewaffnet mit schwarzem Stift, den zu unterschreibenden Dokumenten, zwei Kilo Schokolade für die Leiter und ein paar Süssigkeiten für unsere beiden Grossen?

Wir blieben wirklich nur ganz kurz, aber es reichte doch, um der Glucke in mir zu beweisen, dass für die Kinder bestens gesorgt ist. Ihr könnt mir glauben, eine derart gut ausgerüstete Zeltstadt habe ich in meinem Leben noch nie gesehen. Okay, so viele habe ich noch nicht gesehen, aber immerhin habe ich auch ein paar Jahre Jungscharerfahrung und daher eine blasse Ahnung davon, wie Zeltstädte auch noch aussehen könnten. Eine mit Wasserturm, Solaranlage und Dusche gab es zu unseren Zeiten auf alle Fälle noch nicht. Das allein hat die Glucke schon mächtig beeindruckt. Als sie dann sah, dass Karlsson und Luise nicht nur wohlgenährt und verletzungsfrei, sondern auch sehr zufrieden sind, atmete sie hörbar auf. Und als man ihr auch noch erzählte, in der Nacht, in welcher ein heftiges Gewitter über das Land gezogen ist, hätten die Kinder auf dem nahe gelegenen Bauernhof übernachtet, da war sie derart erleichtert, dass sie sich ohne den geringsten Widerstand vom Zeltplatz führen liess.

Okay, auf dem Heimweg hat sie dann doch noch ein wenig gejammert, die Glucke. Sie beklagte sich darüber, dass Luise nicht das geringste Anzeichen von Heimweh gezeigt hat. Karlsson tat ihr immerhin den Gefallen, zu erzählen, er hätte bereits alle seine Heimweh-Bonbons aufgegessen, aber Luise sagte nur mal knapp hallo und verschwand dann wieder so schnell sie konnte. Ziemlich hart für die Glucke, das muss ich zugeben. Zumal sie ziemlich darunter zu leiden scheint, dass sie eine ganze Woche lang die einzige Henne unter vier Hähnen sein muss. 

Networking

Man meint ja, nur in der Politik und in der Karriere sei es wichtig, Netzwerke zu knüpfen, die einem das Fortkommen erleichtern. Dabei ist es im Familienleben ebenso wichtig, wenn nicht noch wichtiger. Denn wie um Himmels Willen will man denn je fortkommen – und dies im wahrsten Sinne des Wortes – wenn man nicht ein Netz an Freunden und Verwandten hat, die einem hin und wieder die Kinder abnehmen? Was schon wichtig ist bei einem oder zwei Kindern, wird geradezu überlebenswichtig, wenn man drei, vier oder mehr hat. Eins oder zwei kann man ja noch relativ einfach unterbringen, zumindest wenn man Eltern hat, die dem Hüten von Enkelkindern nicht ganz abgeneigt sind, aber ab dreien wird’s richtig schwierig. Nun würde ich natürlich nie behaupten, man solle seine Freunde danach aussuchen, ob sie grossherzig genug sind, einem hin und wieder die Kinder zu hüten. Ich habe eine ziemlich ausgeprägte Abneigung gegen Beziehungen, in denen es allein um den gegenseitigen Nutzen geht. Aber gegen Freundschaften, in denen man die verschiedensten Aspekte des Lebens teilt, darunter hin und wieder auch die Kinder, dagegen habe ich nichts einzuwenden.

Okay, das schlechte Gewissen regte sich natürlich schon, als uns unsere Freunde fragten, ob wir ihnen einen Tag und eine Nacht lang ihre Jüngste hüten würden, jetzt, wo ihre drei Grossen alle verreist seien. Im Gegenzug würden sie dann einen Tag und eine Nacht lang unsere drei Jüngsten hüten, damit auch wir mal wieder ausspannen könnten. Unausgeglichener geht’s wohl kaum, zumal ich weiss, wie hoch es hergehen kann, wenn drei kleine Venditti-Jungs so richtig in Fahrt geraten. Glaubt mir, ich tat alles, um mich gegen diesen für unsere Freunde so unfairen Deal zu wehren, aber alles, was ich herausschlagen konnte war, dass das Prinzchen zu Hause übernachtet. Wer aus der Phase der stets unterbrochenen Nächte herausgewachsen ist, soll sich nicht mit einem Prinzchen herumschlagen müssen, der durchaus in der Lage ist, sich mitten in der Nacht in den Kopf setzen kann, jetzt gleich zur Bushaltestelle gehen zu müssen. Ich hab‘ euch ja davon erzählt und ich vermute, ihr versteht meinen Entscheid, ihn nicht bei Eltern nächtigen zu lassen, die die Nachtruhe mehr als verdient haben. Zumal das Prinzchen noch nie eine Nacht von Mama und Papa getrennt war, mal abgesehen von der einen Nacht im Spital, als ich das arme Baby nicht mehr länger dem Geschnarche unserer Zimmernachbarin aussetzen wollte.

Trotz heftigstem Wehren konnte ich also nicht verhindern, dass der FeuerwehrRitterRömerPirat und der Zoowärter gestern Nachmittag uns Eltern ganz alleine zurückliessen und erst heute Nachmittag wieder glücklich und äusserst unausgeschlafen zurückkamen. Und das Prinzchen kam gestern nur gerade mal zum Schlafen nach Hause und war heute Morgen gleich wieder weg, als ob er damit nicht noch mindestens dreizehn Jahre zu früh dran wäre. Was konnten „Meiner“ und ich da anderes tun, als die freie Zeit in vollen Zügen zu geniessen?

Protokoll einer heissen Juli-Nacht

21 Uhr: Alle Kinder sind im Bett, es sieht ganz danach aus, als könnte heute noch ein Film drin liegen. Ein ganzer, ohne Unterbrüche.

21:10 Uhr: Der FeuerwehrRitterRömerPirat kann nicht schlafen. Warum, weiss ich auch nicht, also darf er noch Wasser trinken.

21:55 Uhr: In den Kinderzimmern herrscht jetzt absolute Ruhe. Ob wir jetzt den Film schauem sollen?

22:05 Uhr: Karlsson kann nicht schlafen. Ich schlage ihm vor, etwas zu lesen, aber dazu ist er zu müde. Dann soll er eben eine CD oder eine Schallplatte hören, aber das will er auch nicht. Dann eben singen? Nein, will er auch nicht. Dann soll er sich doch einfach ins Bett legen und Schäfchen zählen. Hat bei mir zwar auch nie gewirkt, aber ich will jetzt endlich Feierabend haben. Karlsson zieht sich in sein Zimmer zurück.

22:06 Uhr: Ob wir jetzt den Film schauen sollen?

22:08 Uhr: Karlsson ist wieder da. Er hat drei Minuten lang Schäfchen gezählt und kann noch immer nicht schlafen. Ich sage lange Zeit nichts, höre in mich hinein, um herauszufinden, ob ich jetzt schon explodieren soll, oder ob ich das erst beim nächsten Mal, wenn Karlsson wieder runter kommt, tun soll. Schweren Herzens entschliesse ich mich gegen das sofortige Explodieren und sage – ganz nett und aufrichtig übrigens – Karlsson solle sich doch auf die Matratze in unserem Zimmer legen und dort schlafen. Karlsson findet das eine gute Idee, holt sich Decke, Kissen und Eisbär David und legt sich in unser Zimmer.

22:15 Uhr: Karlsson muss nur noch schnell aufs WC und einen Schluck Wasser trinken, dann herrscht tatsächlich Ruhe, aber zum Film schauen sind wir jetzt zu müde.

23:59 Uhr: Ich weiss zwar nicht so genau weshalb, aber irgendwie haben „Meiner“ und ich uns die Stunden bis Mitternacht um die Ohren geschlagen. Vielleicht ist es einfach nur unter unserer Würde, noch am gleichen Tag zu Bett zu gehen, an dem wir morgens aus dem Bett gekrochen sind.

00:15 Uhr: Alles schläft….

00:30 Uhr: Luise kommt ins Elternschlafzimmer geschlichen. Sie hat Angst. Ich rücke an den Bettrand, damit sie sich zwischen „Meinen“ und mich quetschen kann. 

01:13 Uhr: Luise steht auf, um sich aufs Sofa zu legen, weil es ihr zu heiss ist zwischen „Meinem“ und mir.

01:25 Uhr: Luise ist wieder zurück. Auf dem Sofa hat sie die Angst wieder gepackt. Dann schon lieber heiss als ängstlich. Aber so heiss wie vorher auch wieder nicht. Mal sehen, ob sie beim Prinzchen unterkommt. Aber das Prinzchen will Luise nicht in seinem Bett haben. Luise, die weiss. wie sie ihren jüngsten Bruder rumkriegen kann, versucht es zuerst mit Betteln und weil dies nichts bringt, redet sie ihm ins Gewissen: „Du bist ein ganz böses Prinzchen, wenn ich nicht zu dir ins Bett kommen darf.“ Ich habe ja nicht gewusst, dass man flüsternd überhaupt schimpfen kann, aber Luise kann es und zwar so wirkungsvoll, dass das Prinzchen schliesslich widerwillig zur Seite rückt und der grossen Schwester Platz macht.

01:40 Uhr: Alles schläft…

06:10 Uhr: Von allen ausser von Karlsson unbemerkt kommt der FeuerwehrRitterRömerPirat ins Elternschlafzimmer geschlichen. Später, als ich den Jungen nicht finden kann, wird Karlsson zu Protokoll geben, dass der FeuerwehrRitterRömerPirat im Zimmer einen Schlafplatz suchte und sich, als er sah, dass nichts mehr frei war, aufs Sofa zurückgezogen hat. Dort fand ich ihn dann tatsächlich auch, später, als ich mich endlich von meinem Kissen losgerissen hatte.

06:45 Uhr: Tagwache. Luise schläft quer in Prinzchens Bett, die Beine an die Wand gelehnt, als sei sie bei der Gymnastik eingeschlafen. Das Prinzchen reibt sich verdutzt die Augen, weil plötzlich die halbe Familie im Zimmer ist. Karlsson drängt „Meinen“ und mich dazu, endlich aufzustehen und ich versuche vergeblich, ihm klar zu machen, dass ich ebenso grosse Mühe mit dem Wachwerden habe, wie er jeweils mit dem Einschlafen. 

07:30 Uhr: Die ganze Familie sitzt am Frühstückstisch. Die Ganze Familie? Nein! Ein unbeugsamer kleiner Zoowärter hat sich dem Gruppendruck widersetzt und die ganze Nacht in seinem eigenen Bett geschlafen. Und weil es sich dort weitaus besser schläft als eng aneinander gedrängt in einem stickigen Schlafzimmer, ist er der Einzige, der morgens nicht verzweifelt aus dem Bett geflüchtet ist, sondern sich noch eine weitere halbe Stunde Schlaf gönnt.