Krank oder nicht krank, das ist hier die Frage

Okay, die Schweinegrippe, die uns letztes Jahr kurz vor Weihnachten in die Knie gezwungen hatte, war wahrlich kein Spass. Aber das, was wir dieses Jahr erleben, ist noch viel weniger lustig, auch wenn man um die diesjährigen Käfer ausnahmsweise mal kein grosses Geschrei macht. Nun gut, in diesem Jahr scheinen sie auch nicht allzu aggressiv zu sein, dafür aber umso mühsamer. Wer sie erwischt, weiss nämlich nie, ob er nun krank ist oder nicht. Zumindest ist das bei unseren Kindern so: Sie sind zu krank, um gesund zu sein und zu gesund, um krank zu sein. Alles klar? Vielleicht erkläre ich das mal ganz praktisch: Entscheidest du dich morgens, dass die Kinder wohl besser zu Hause bleiben, weil sie sich schlapp und elend fühlen, dann bereust du diesen Entscheid spätestens eine halbe Stunde später, wenn die eben noch so leidenden kleinen Menschen einander gegenseitig durch die Wohnung jagen und sich bei jeder Kleinigkeit in die Haare geraten. Entscheidest du dich aber, die Kinder dennoch aus dem Haus zu schicken, weil du den Eindruck hast, so krank seien sie dann auch wieder nicht, dann meldet sich spätestens bei ihrer Rückkehr das schlechte Gewissen: Was bist du doch für eine elende Rabenmutter, deine Kinder so blass, lustlos und mit fieberglänzenden Augen in die Schule oder in den Kindergarten gehen zu lassen?

Die Kinder wissen diesen Zustand zwischen Gesundheit und Krankheit natürlich weidlich auszunützen. Forderst du sie dazu auf, mal kurz das Wohnzimmer aufzuräumen, dann fühlen sie sich auf einmal wieder ganz elend, Bauch und Ohren tun weh, die Glieder sind schwer und der Schädel brummt. Sie brauchen ganz dringend einen Zitronenwickel, einen heissen Tee und eine warme Decke. Sehen sie ein paar Minuten später, dass draussen ein paar Klassenkameraden den Winter geniessen, sind sie plötzlich wieder vollkommen fit und glauben, es keine Sekunde länger in der Wohnung auszuhalten. Dann bist du natürlich einmal mehr die Böse, weil du darauf bestehst, dass die Kinder drinnen bleiben, weil sie krank sind. Willst du sie davon überzeugen, sie sollten sich ein wenig hinlegen und ausruhen, dann finden sie, sie seien doch schon längst wieder gesund und sich hinlegen sei etwas für Memmen. Schickst du sie nach einem Tag, an dem sich all die Halbkranken ohne Unterbruch gezankt und gerauft haben, etwas früher ins Bett, weil du vom vielen Schimpfen völlig fertig bist, dann stehen sie garantiert ein paar Minuten später wieder da und bitten dich mit leidendem Blick um eine Bauchmassage, weil sie sich „plötzlich wieder ganz fruchtbar krank“ fühlen.

So läuft das nun seit einer Woche und so langsam wäre ich froh, die Kinder würden sich endlich entscheiden, ob sie nun krank sein wollen oder nicht. Denn wenn das so weitergeht, werde ich noch krank. Vor lauter Ärger.

 

Sollen wir? Oder doch lieber nicht?

Morgen verreist unser Au-Pair in die Weihnachtsferien und so langsam muss ich der Tatsache ins Auge sehen, dass sich ihre Zeit bei uns ihrem Ende zuneigt. Im Januar wird sie noch einmal für ein paar Wochen zurückkommen, bevor es für sie und für uns weitergeht. Bis heute habe ich die Tatsache verdrängt, weil ich einfach nicht will, dass sie geht. Und die Kinder und „Meiner“ auch nicht. Und noch mehr als vor dem Ende ihrer Zeit bei uns graut mir vor dem Anfang mit einem neuen Au-Pair. Zweimal im Leben wird man ja wohl kaum das Glück haben, jemanden zu finden, der wie ein Puzzlestück ins verrückte Bild unseres Familienlebens passt.

Aber wie dem auch sei, eine Lösung muss her. Ohne fremde Hilfe schaffen „Meiner“ und ich es einfach nicht, Kinder, Jobs, Haushalt, Freizeit und Freunde zu jonglieren. Also wäre es nur logisch, wenn ich heute Abend mal wieder ein Familienprofil zusammenstelle, um ein neues Au-Pair zu finden. Aber wer denkt denn schon logisch, wenn es darum geht, einen Menschen zu sich einzuladen, der alles mit uns teilt? Der mein zerknittertes Gesicht in den frühen Morgenstunden zu sehen kriegt, der mich erlebt, wenn ich mal wieder mit den Nerven am Ende bin, der hin und wieder auch miterlebt, wie meiner und ich uns anschnauzen können, bevor wir uns wieder versöhnen. Was, wenn wir niemanden finden, der es mit uns aushält? Was, wenn wir jemanden erwischen, mit dem wir es nicht aushalten können? Ich vermute, ich werde mir all die Fragen noch etwas länger durch den Kopf gehen lassen, bevor ich mich entscheiden kann, ob wir wieder sollen oder nicht. Und bis diese Frage geklärt ist, werde ich mich eben einfach daran freuen, dass es bei diesem Mal so perfekt gepasst hat.

 

Akku leer

So gegen Weihnachten ist es meistens so, dass der Akku unserer Kinder leer ist. Nun gut, der Akku von uns Eltern ist auch leer, aber darüber will ich heute ausnahmsweise nicht jammern, auch wenn ich schon könnte, wenn ich wollte. Aber reden wir über den Akku unserer Kinder. Bei Karlsson merkt man es meistens daran, dass er vermehrt kränklich wird und irgendwann im Bett landet. Auch Luise möchte im Bett bleiben, allerdings nicht, weil sie krank wäre, sondern weil sie es draussen einfach zu kalt, zu ungemütlich und zu blöd findet. Dementsprechend schlecht ist ihre Laune, wenn die Energie langsam abnimmt. Der Zoowärter kommt morgens schon gar nicht mehr vor zehn Uhr aus dem Bett und einzig das Prinzchen tut so, als hätte die Energie nie ein Ende. Egal, ob Sommer oder Winter, Morgen oder Abend, warm oder kalt, der kleine Mensch hüpft durchs Leben, als gebe es nichts Schöneres und damit hat er wohl auch Recht.

Ja, und dann ist da noch der FeuerwehrRitterRömerPirat. Das Kind, das noch kaum mal krank war. Bis auf eine Mittelohrentzündung im zarten Alter von sechs Monaten, die er mit solch stoischer Ruhe über sich ergehen liess, dass ich sie erst bemerkte, als ihm der Eiter schon aus dem Ohr floss – ich hatte wohl zu kinderlosen Zeiten allzu laut verkündet, meinem Kind würde so etwas nie passieren – war das Kind meistens kerngesund. Wenn der FeuerwehrRitterRömerPirat müde ist, ist auch nicht störrischer als gewöhnlich. Wie sollte er auch, wo er doch auch an gewöhnlichen Tagen bocken kann wie kein Zweiter? Und schlafen tut er auch nicht viel mehr.

Nein, wenn der Akku des FeuerwehrRitterRömerPiraten sich leert, dann wird der heldenhafte Kämpfer plötzlich butterweich und zart. Dass es mal wieder soweit ist, hätte mir gestern Abend schon auffallen können. Da sassen wir alle wie gebannt vor dem Bildschirm und genossen das Happy Ending der Emma-Verfilmung. Je romantischer es wurde, umso näher rückte unser Dritter zu mir und schliesslich sass er auf meinem Schoss. „Findest du den Film nicht langweilig“, fragte ich mein Kind, das gewöhnlich für „Wickie und die starken Männer“ schwärmt. „Nein Mama“, sagte er verträumt. „Ich mag eben nicht nur wilde Sachen.“

Heute Morgen dann, als es eigentlich Zeit gewesen wäre, in den Kindergarten zu gehen, kam er wieder zu mir auf den Schoss gekrochen. Ich glaube, wenn er einen Weg gefunden hätte, wäre er zurück in meinen Bauch geschlüpft. Da sass er und machte keinerlei Anstalten, sich ausgehfertig zu machen. Gewöhnlich spiele ich ja Tag für Tag den Drachen und kommandiere das arme Kind aus dem Haus, weil das Gesetz das einfach so vorschreibt, ob es ihm nun passt oder nicht. Heute aber war mir klar, dass er gar nicht gehen konnte, nicht, weil er krank war oder weil ihm etwas im Kindergarten nicht passte, sondern einfach, weil sein Akku leer war. Und ich glaube, es war nicht nur der Energie-Akku, der am unteren Limit angelangt war, es war auch der Mama-liebt -mich-über-alles-Akku, der ganz dringend mal wieder geladen werden musste.

So liess ich ihn eben gewähren, meinen liebesbedürftigen, übermüdeten FeuerwehrRitterRömerPiraten. Wie wir so endlos lange bei Kerzenschein auf dem Sofa sassen, spürte ich, wie der Akku sich langsam wieder füllte. Und zwar nicht nur derjenige meines Sohnes.

Reden wir mal über Geld

Okay, ich weiss, das Thema ist hoch unanständig und ich würde mich nicht darüber wundern, wenn ich den einen oder anderen Leser verliere, weil ich über solche Schweinereien schreibe. Aber nachdem sich in der Weihnachtszeit die Schlagzeilen zum Thema „Armut in der reichen Schweiz“ und „Working Poor“ wieder häufen und sich zudem zum  Jahresende die Rechnungen bei uns türmen, komme ich nicht umhin, mich mal wieder mit den schmutzigen Geheimnissen unseres Lebens zu befassen.

Vergleicht man den Lebensstandard von uns Schweizern mit dem Lebensstandard eines Grossteils der Weltbevölkerung, dann muss man gestehen, dass hierzulande wohl kaum einer weiss, was es bedeutet, richtig arm zu sein. Also arm im Sinne von kein Dach über dem Kopf, keine warmen Kleider, keine Gewissheit, ob man morgen wieder etwas zum Essen haben wird. Diese Art von Armut kennen die Wenigsten von uns und wenn unsere Kinder jeweils wissen wollen, ob wir arm oder reich seien, erkläre ich ihnen genau dies: Dass wir, verglichen mit den meisten Menschen auf diesem Planeten, steinreich sind. Und es stimmt ja auch, wir haben mehr als genug. Ein Haus, Schränke voller Kleider, mehr als genug zu Essen und dann noch sehr viele Dinge, von denen die meisten Menschen nicht mal träumen können. Zum Beispiel, um nur etwas zu nennen, diesen Computer, in dessen Tasten ich jeweils meine Texte haue. Nein, arm sind wir wirklich nicht.

Und doch gibt es da dieses Gefühl von Ohnmacht, wenn an einem Tag wie heute die Krankenkasse mitteilt, dass sie uns hunderte von Franken an Leistungen zuviel ausbezahlt hätten, die wir nun gefälligst zurückzahlen sollten. Zur gleichen Zeit lassen sie uns wissen, wie hoch der Betrag sein wird, den wir ab nächstem Jahr zu bezahlen hätten und „Meiner“ und ich schauen uns nur noch schweigend an, weil wir uns fragen, wie wir das alles bezahlen sollen. Wo wir doch genau wissen, dass die Prämienverbilligung, die uns dabei hilft, die Krankenkassenprämien zu bezahlen, erst im Laufe des nächsten Jahres ausbezahlt wird. Wir wissen auch, dass neben den Krankenkassenrechnungen noch ganz viele weitere Rechnungen darauf warten, beglichen zu werden. Rechnungen, die einfach so ins Haus flattern, ohne dass wir einen Einfluss darauf hätten. Weil das Leben in der Schweiz eben etwas kostet. Und zwar ziemlich viel.

So viel, dass wir reichen Leute nicht umhin kommen, uns bei der Fülle an Auslagen, die wir kaum oder gar nicht beeinflussen können, zuweilen sehr arm fühlen. Diese Überforderung, sich abzurackern und doch nie genug zu haben, diese Angst vor unvorhergesehenen Auslagen, welche das Ganze Budget aus dem Lot zu bringen drohen, dieses Gefühl von Ohnmacht, weil der Reichtum, in dem der Durchschnittsschweizer lebt, einen sehr hohen Preis hat, das alles kann einem ganz schön zusetzen. Nein, ich will nicht jammern, zumal man mir sofort den Vorwurf machen würde, wir hätten eben nicht so viele Kinder haben sollen. Ich will dankbar sein für alles, was wir haben, aber zuweilen wünsche ich mir eine Verschnaufpause in dem endlosen, unglaublich kräfteraubenden Spiel von Geld einnehmen und Löcher stopfen. Hin und wieder träume ich von einem Leben, in dem die Angst vor dem finanziellen Abgrund nicht existiert.

Und dann träume ich auch von einem Leben, in dem es nicht als unanständig gilt, über solche Dinge zu reden. Wie viele von uns reichen Schweizern fühlen sich als absolute Versager, weil sie glauben, sie seien die Einzigen, die es einfach nicht schaffen, etwas für Notzeiten auf die Seite zu legen? Wie viele von uns machen sich selber schwere Vorwürfe, wenn ihnen die Monatsabrechnung mal wieder die Tränen in die Augen treibt? Wie viele von uns fürchten sich hin und wieder vor dem Tag, an dem sie den Kindern Winterschuhe kaufen müssen, weil sie nicht wissen, ob bis dahin wieder genug Geld auf dem Konto ist? Wenn ich mich in meinem Bekanntenkreis umsehe, habe ich jeweils das Gefühl, wir seien die Einzigen, denen es so geht. Wenn ich aber die Statistiken anschaue, wird mir bewusst, dass es noch ganz vielen anderen ähnlich gehen wird, dass aber jeder sich schämt, darüber zu reden, weil er glaubt, wenn er sich nur etwas mehr anstrengen würde, sähe es anders aus mit seinen Finanzen

Nein, ich will nicht klagen, denn bei uns ist es am Ende immer irgendwie aufgegangen. Manchmal besser, manchmal schlechter, aber irgendwie kommen wir immer über die Runden. Aber ich wünschte schon, dass ich nicht jeden Luxus, den wir uns hin und wieder leisten, später wieder bereuen müsste, wenn ich merke, dass das Geld dafür nicht gereicht hätte, wenn ich gewusst hätte, welche Rechnung demnächst wieder bei uns eintreffen würde. Und manchmal wünschte ich auch, dass andere Leute offener über die schmutzigen Geheimnisse in ihrem Leben reden würden. Damit wir uns nicht immer wie die einzigen Deppen in unserem reichen Land fühlen müssen.

Arbeit frisst Leben

Vor einiger Zeit habe ich ja damit geprahlt, dass der Adventsstress in diesem Jahr nichts wissen will von mir. Das ist auch weiterhin so geblieben, aber erst heute ist mir endlich klar geworden, weshalb das so ist. Vor lauter Arbeit habe ich nämlich noch gar nicht realisiert, dass am Sonntag der dritte Advent ist und dass es so langsam aber sicher an der Zeit wäre, in Weihnachtsstimmung zu kommen. Aber wie soll man denn in Weihnachtsstimmung kommen, wenn die Arbeit, die man bis anhin noch ziemlich gut vom Familienleben hatte trennen können, sich mehr und mehr in den Alltag frisst?

Heute Morgen war mal wieder ein klassisches Beispiel dafür. Nach einer anstrengenden Sitzung und einer halbdurchwachten Nacht war ich heute Morgen reif für ein wenig Faulenzen mit Duftkerzen, Schwarztee, ein paar Weihnachtsguetzli und ausgiebiger Zeitungslektüre. Und für einmal schien das Familienleben meinem Ansinnen wohlgesinnt zu sein: Karlsson und Luise machten sich pünktlich auf den Weg und sogar der FeuerwehrRitterRömerPirat verliess heute das Haus bevor der Kindergarten angefangen hatte. Der Zoowärter verschlief den ganzen Morgen, das Tageskind kam ausnahmsweise später und einzig ein sehr gut gelauntes Prinzchen sorgte für gerade genug Leben in der Bude, damit mir nicht langweilig würde. Alles war perfekt für ein fröhliches Tête-à-Tête bei Tee und Kakao mit meinem Jüngsten. Ach ja, und wo wir schon dabei waren, könnten wir uns doch gleich noch einen gemütlichen Schwatz mit dem Au-Pair gönnen. Vielleicht könnten wir ja endlich besprechen, wer war zu Weihnachten bekommen soll.

Und dann kam der erste Anruf, kurz darauf der Zweite und als ich den Dritten entgegennahm, klingelte gleichzeitig auch noch das Arbeitshandy.  Dazwischen zwei oder drei E-Mails, die ganz dringend beantwortet werden mussten. Das Au-Pair tat inzwischen, was ich eigentlich so gerne getan hätte: Sie quatschte mit dem Prinzchen, freute sich an seinen Fortschritten und sorgte dafür, dass er die Mama, die schon wieder an der Strippe hing, nicht zu sehr störte. Dabei hätte ich doch noch so gerne von ihm gestört werden wollen, lechzte ich doch nach einer ziemlich anstrengenden (Arbeits)woche richtiggehend nach Zeit mit meinem Jüngsten. Aber am Ende kam doch wieder die Arbeit zuerst, auch wenn das Au-Pair mich davon zu überzeugen versuchte, ich solle doch beim nächsten Mal das Telefon einfach läuten lassen. Irgendwann war ich so frustriert über meinen verpatzten vorweihnachtlichen Mama-Sohn-Morgen, dass dieser eine Anruf mehr nicht weiter ins Gewicht fiel. Ausserdem war es jetzt ohnehin Zeit, mit Luise zur Kinderärztin zu fahren, um die Fäden aus ihrer Bauchnaht zu entfernen.

Auf dem Weg zur Ärztin, als wir an unglaublich vielen Samichläusen, Lichterketten und dekorierten Tannenbäumen vorbeifuhren, wurde mir endlich klar, dass ich mich jetzt ganz dringend mal dem Advent und allem, was er so an Schönem mit sich bringen kann, widmen muss. Denn tue ich das nicht, steht am Ende doch noch der Adventsstress vor der Tür, weil ich vor lauter Arbeit das Backen, das Dekorieren, das Singen, das Geschenkemachen, das Geniessen und die Stille auf den letzen Moment aufgeschoben habe.

Home sweet home?

Luise ist wieder zu Hause, was ich als fürsorgliche Mutter natürlich begrüsse. Ich meine, es gibt doch nichts Besseres für ein Kind, als in seiner vertrauten Umgebung gesund zu werden. Dort, wo die Menschen sind, die sie lieben und die sie liebt. Dort, wo sie all ihre Sachen, ihr gewohntes Essen und auch die Ruhe hat, die sie im Spitalzimmer, das sie mit einer fünfzehnjährigen Quasselstrippe teilen musste, vergeblich herbeisehnte. Ist doch einfach schön, dass man heute die Kinder nicht mehr unnötig lange im Krankenhaus behält, wo sie sich vor lauter Schläuchen und Apparaturen kränker fühlen, als sie wirklich sind. So sehe ich das, theoretisch zumindest.

Praktisch ist es leider so, dass in den Augen eines kleinen Bruders die grosse Schwester, die einen Infusionsschlauch hinter sich herzieht, ein schutzbedürftiger Mensch ist. Auf eine grosse Schwester aber, die zwar noch etwas müde und blass, sonst aber wieder ganz die Alte ist, muss man doch nicht sonderlich Rücksicht nehmen, nicht wahr? Jetzt ist sie ja wieder da, also kann man sich wieder wie gewohnt mit ihr streiten. Wegen dieser klitzekleinen Wunde am Bauch soll die doch kein Geschrei machen. Ist doch alles halb so wild. Dann will sie auch noch ganz alleine mit Mama Guetzli backen, bloss weil sie nicht dabei war, als die anderen das Lebkuchenhaus bauten. Und das, nachdem sie Mama einen Tag und zwei Nächte lang ganz für sich alleine haben durfte. So ein Affentheater, bloss wegen diesem kleinen Blinddarm.

Aber auch für uns Eltern ist es im Alltag gar nicht so einfach, Luise die Ruhe zu bieten, die sie eben auch jetzt noch braucht, obschon sie zwischendurch schon ganz fit und munter ist. Liegt dein Kind im Krankenhausbett, klein, hilflos und müde, dann wird dir bewusst, wie sehr sie auf dich angewiesen ist. Liegt dein Kind zu Hause auf dem Sofa, musst du aufpassen, dass du überhaupt mal Zeit findest, dich um sie zu kümmern. Zwischen dem schrillenden Telefon, den anderen Kindern, die jetzt auch wieder Aufmerksamkeit brauchen, zwischen Abwasch, kochen und Aufwischen geht ein krankes Kind zuweilen fast vergessen. Und dies, obschon sie auch jetzt noch ganz viel Zuwendung bräuchte, um wieder ganz auf die Beine zu kommen.

Mag sein, dass Luise sich zu Hause wohler fühlt, aber ich bin mir fast sicher, dass ihr ein weiterer Ruhetag im Krankenhaus dennoch ganz gut getan hätte. Auch wenn ich theoretisch weiterhin der Meinung bin, dass man zu Hause schneller gesund wird.

Da waren’s nur noch drei…

Drei Blinddärme, meine ich natürlich, die uns nächtens auf die Notfallsation treiben könnten, mit der bangen Frage im Kopf, ob der Kerl nun entzündet, bereits geplatzt oder völlig gesund ist. Zumindest bei zwei Kindern werden wir in Zukunft sagen können, dass es garantiert nicht der Blinddarm ist, der Kind und Eltern Bauchschmerzen bereitet. Luise ist den Ihren nämlich vergangene Nacht losgeworden. Jetzt liegt sie da und erholt sich, währenddem ich an ihrer Seite abwechslungsweise Handschuhe stricke, den Laden zu Hause via Fernsteuerung – auch unter dem Namen Handy bekannt – halbwegs unter Kontrolle zu halten versuche und die Welt an unserem neuesten Abenteuer teilhaben lasse.

Und ich muss gestehen: Auch wenn ich gerne auf das Drama verzichtet und Luise die Operation erspart hätte, es ist dennoch ganz schön, wieder einmal nur für ein einziges Kind da zu sein, es zu trösten, zu ermutigen und zu hätscheln. Und sich halb krank zu lachen über den Humor, den die unverwüstliche Luise gleich nach dem Aufwachen wieder entwickelt hat. Einfach köstlich, ihr dabei zuzusehen, wie sie mit gefährlichem Blitzen in den Augen und einem frechen Spruch auf den Lippen in ihrem Krankenbett auf und ab fährt.

Wenn ich zurückdenke an die ersten Stunden nach Karlssons Blinddarmoperation, dann wird mir klar, dass einiges anders ist als damals. Was nicht bloss daran liegt, dass Karlssons Blinddarm bereits seit zwei Tagen geplatzt war, bevor unser Erstgeborener endlich so richtig zu jammern begann, während Luises Blinddarm erst leicht entzündet war, als sie bereits weinte vor lauter Schmerz. Was übrigens nichts über den Umgang der beiden Kinder mit Schmerzen im Allgemeinen aussagt, denn oft ist Luise viel härterem Nehmen als Karlsson. Es liegt auch nicht nur daran, dass Karlsson damals von der Ambulanz im Hotel abgeholt werden musste, in dem wir die Ferien verbrachten, während Luise und ich gestern Abend viele Wartestunden hatten, in denen wir uns damit abfinden konnten, dass der Blinddarm weg muss. Und auch die Tatsache, dass ich damals schwanger und deswegen überempfindlich war, fällt nicht so sehr ins Gewicht.

Nein, der allergrößte Unterschied liegt darin, dass diesmal eben nicht alles neu und deswegen beängstigend war. Klar, auch in dieser Nacht brachte ich kein Auge zu, ehe meine geliebte Luise nicht wieder bei mir war. Und natürlich kamen auch diesmal Erinnerungen an Geschichten hoch, die man irgendwo gelesen hatte. Geschichten von Routineeingriffen, die in einem Drama endeten. Aber dank der Erfahrung, dass Karlsson damals eine weitaus schlimmere Blinddarmgeschichte unbeschadet überstanden hat, half mir, die düsteren Gedanken besser in Schach zu halten. Wir sind im Umgang mit dem Routineeingriff also einiges routinierter als auch schon. Auch wenn keine Geschichte gleich verläuft wie die andere, ruhiger ist man dennoch, wenn man zumindest ein bisschen weiß, worum es geht.

Den nächsten entzündeten Blinddarm werden wir dann wohl erkennen, bevor das Kind überhaupt Bauchschmerzen kriegt und den Übernächsten lassen wir präventiv entfernen, damit er gar nicht erst auf dumme Gedanken kommt.

Ach ja, und dankbar, dass das geliebte Kind wieder auf dem Wege der Besserung ist, bleibt man, egal, wie oft man schon größere und kleinere Dramen durchgestanden hat.

Wo bleibt er denn nur?

Was läuft hier bloss wieder falsch? Ich kann ihn umwerben wie ich will, zu mir will er in diesem Jahr einfach nicht kommen. Landauf landab klagen die Mütter, in diesem Jahr sei es besonders schlimm mit ihm, sie wüssten ihm fast nicht mehr zu wehren, aber von mir will er einfach nichts wissen. Andere Mütter werden in diesen Tagen belästigt mit Adventssingen, Adventsbasteln, Adventsbacken, Adventsshopping, Adventsichweissnichwassonstnoch, aber bei mir herrscht noch heute, am Tag nach dem ersten Advent, gespenstische Ruhe. Klar, am Samstag haben wir auch Adventskränze gebastelt, aber das war kein Stress, weil jemand anders die Sache perfekt organisiert hatte. Ach ja, und die Kinder machen natürlich auch bei so einer Art Krippenspiel mit, aber dieser eine zusätzliche Termin war nun wirklich nicht so schlimm, zumal unser Samstagnachmittag mit weniger Kindern dafür umso ruhiger verlief. Auch die zwei anderen adventsbedingten Termine, die bis Weihnachten noch in unserem Kalender stehen, fallen auch nicht gross ins Gewicht.

Und so kommt es, dass ich in diesen Tagen wohl eine der wenigen Mütter bin, die allen Ernstes vorschlägt: „Lass uns doch im Dezember mal wieder Kaffee trinken. Mein Kalender ist noch ziemlich leer. Wann hättest du denn Zeit?“ Warum bloss zückt bei dieser freundlichen Einladung die andere Person nicht sogleich die Agenda? Warum bloss schaut sie mich an, als hätte ich da eben eine furchtbar ketzerische Frage gestellt? Warum bloss zweifeln einige gar an meinem Verstand, wenn ich frage, ob sie bald einmal wieder Zeit für einen Schwatz hätten?

Nun ja, ich weiss nur zu gut, warum das so ist. Klage ich doch gewöhnlich auch über den Adventsstress, der mich daran hindert, Ruhe und Besinnung zu finden. Was ich aber nicht weiss: Warum bloss ist es in diesem Jahr anders bei mir? Habe ich ein besonders gutes Jahr erwischt, in dem sämtliche Lehrkräfte meiner Kinder adventsmüde sind und deswegen auf zusätzliche Termine verzichten? Sind unsere Kinder in diesem Jahr besonders bescheiden und belästigen uns nicht mit unerfüllbaren Wünschen? Oder habe ich in den vergangenen Wochen in derart hohem Tempo gelebt, dass ich mich jetzt, wo es arbeitsmässig etwas ruhiger wird, nicht mehr so leicht aus der Ruhe bringen lasse?

Vielleicht aber – und das befürchte ich fast – spielt der Adventsstress in diesem Jahr ein besonders heimtückisches Spiel mit mir: Er kündigt seinen Besuch nicht wie üblich weit im Voraus an, sondern wartet, bis wir glauben, er habe und in diesem Jahr vergessen weshalb wir es uns mit Glühmost und Guetzli gemütlich machen, und dann schlägt er aus dem Hinterhalt zu, wenn wir am wenigsten mit ihm rechnen.

Schlafräuber

Zuweilen erstaunt es mich ja schon, dass ich auch nach zehn Jahren Familienerfahrung noch immer nicht fähig bin, einzuschätzen, woher der Stress kommen könnte. Da bibbere ich während Tagen der Nacht entgegen, in der fünf zehnjährige Geburtstagsgäste bei Karlsson übernachten werden. Und wer raubt „Meinem“ und mir am Ende den Schlaf? Die Gäste? Aber nicht doch! Die führen sich alle vorbildlich auf. Wer aber die Nacht zum Tag  macht ist das Prinzchen.

Als „Meiner“ und ich wie immer kurz nach Mitternacht ins Bett sinken, ist das Kerlchen hellwach und will aus dem Fenster schauen, weil er hofft, dass dort draussen noch immer der Kran ist, der gestern in Nachbars Garten die massakrierten Bäume über den Gartenzaun gehoben hatte. Der Kran ist natürlich nicht mehr da, der „schläft schon“, wie ich dem enntäsuchten Prinzchen zu erklären versuche.  Brüder, Schwester und Gäste schlafen  auch schon und Mama und Papa würden eigentlich auch gerne schlafen, wenn  denn Ihro Majestät so gütig wäre, sich auf ihr Nachtlager zu begeben. Aber Ihro Majestät hat anderes im Sinn, klettert wieder und wieder aus dem Bett, steigt der Mama, die zwischenzeitlich einen Moment eingedöst ist, auf dem Kopf herum und begibt sich schliesslich in die Küche, wo es Tiefkühl-Croissants zu bestaunen gibt, die am Morgen die hungrigen Gäste sättigen sollen.

Insgesamt drei stunden lang ist das Kerlchen wach und hindert uns daran, Kräfte für die zweite Hälfte der Geburtstagsparty zu sammeln. Als endlich gegen vier Uhr morgens Ruhe einkehrt, geht es mir durch den Kopf, dass wir das Ganze schon einmal  ähnlich erlebt haben und zwar insegsamt zwei Jahre lang. Damals machte Luise die Nacht zum Tag, schlief jeweils von abends um sieben bis ein Uhr nachts und dann erst wieder etwa morgens um sechs. Dazwischen setzte sie wahlweise die Küche unter Wasser, verfütterte ihren schlaftrunkenen Brüdern Schokolade oder stattete der Grossmama im Erdgeschoss nachts um zwei einen Besuch ab. Wir Eltern versuchten damals alles, um das  Kind zum Schlafen zu bringen: Beruhigungstees, Baldrian, Zimmer umstellen, ein Schlafsack, der sich an der Matratze befestigen liess (worauf das schlaue Kind einfach mit der Matratze auf dem Rücken aus dem Bett kam), ein  neues Bett, Belohnungen – pro zehn Nächte Schlaf eine Barbie – bei Mama und Papa schlafen und noch einige Dinge mehr. Das Kind schlief trotzdem nicht und eines Tages sass ich heulend bei der Kinderärztin und wusste mir nicht mehr zu helfen. Die Kinderärztin tat ihr Bestes, mich zu verstehen, helfen konnte sie  aber auch nicht, denn Luise hatte bald herausgefunden, dass der Baldriansirup, den die Kinderärztin verschrieben hatte, schrecklich schmeckt und verweigerte ihn standhaft.

Geholfen hat dann ein anderer: Der Zoowärter. Kaum war er auf der Welt, hatten die nächtlichen Eskapaden ein Ende und Luise schlief wie ein Murmeltier. An all dies erinnerte ich mich, als ich heute in den frühen Morgenstunden den  Schlaf suchte. Und ehe ich ganz ins Land der Träume entschwand, dachte ich bei mir, dass diese eine schlaflose Nacht hoffentlich ein einmaliger Ausrutscher des Prinzchens war. Denn ich glaube nicht, dass  wir uns noch einmal so ein  Schlafmittel leisten können, wie jenes, das bei Luise endlich die erwünschte Wirkung gebracht hatte.

Nervensäge

Manchmal ist das Leben eine elende Nervensäge. Zum Beispiel heute. Angefangen hat es schon früh am Morgen, als das Prinzchen seinen Schoppen verlangte und mir meine müden Glieder meldeten, dass sie sich noch nicht fit genug fühlten, sich aus dem Bett zu quälen. Also wollte ich liegenbleiben, aber das Leben machte mir klar, dass daraus nichts wird: „Du kannst doch nicht schon wieder ‚Deinen‘ mit den Kindern alleine lassen. Marsch, aus dem Bett aber schnell!“ „Aber ich bin krank“, jammerte ich. „Du kannst mich doch nicht zum Aufstehen zwingen, wo mir doch jeder Knochen schmerzt.“ „Und ob ich dich zwingen kann“, gab das Leben zurück. Also kroch ich grummelnd aus dem Bett und hörte im Hinausgehen noch, wie das Leben vor sich hin murmelte. Etwas von „Und ob du kannst… dir werd‘ ich’s zeigen…“

Ich versuchte, der Episode in den frühen Morgenstunden keine allzu grosse Bedeutung beizumessen und half „Meinem“ unter Jammern und Stöhnen beim Bereitmachen der Kinder, die heute übrigens deutlich weniger kooperativ waren als gestern, was aber ganz bestimmt einzig und alleine daran lag, dass es heute nicht schneite. Gegen halb acht kam das Au Pair, um „Meinem“ und mir bei unseren Pflichten beizustehen. Aber ganz so fit wie gewöhnlich war auch sie nicht. Doch wie wir Frauen nun mal sind, bissen wir beide tapfer auf die Zähne und erledigten brav unsere Arbeit, auch dann, als „Meiner“ zur Arbeit gefahren und die Kinder zur Schule gegangen waren. Und weil unser Au Pair ein sehr netter Mensch ist, brachte sie schliesslich den Zoowärter in die Spielgruppe und kümmerte sich um das Prinzchen. Ganz wohl dabei war mir nicht, denn ich wusste ja, dass es ihr nicht viel besser geht als mir. Dennoch gab ich schliesslich dem Drängen meiner müden Knochen nach und zog mich auf mein Krankenlager zurück. Um das Gemotze des Lebens, das mir hinterherrief, ich solle gefälligst zuerst den Abfallsack vor die Tür bringen, die Küche fertig aufräumen und das Badezimmer sauber machen, ignorierte ich. „Darf man denn nie krank sein“, murmelte ich, bevor ich in einen tiefen Schlaf fiel.

Zwei Stunden später waren Zoowärter, Prinzchen und Au Pair zurück. Das Au Pair so blass und abgekämpft, dass sie sich schliesslich ergab und ins Bett zurückzog. „Das hast du ja mal wieder grandios eingerichtet“, herrschte ich das Leben an. „Zuerst lässt du mich krank werden und dann musst du dich auch noch auf das Au Pair stürzen. Hättest du nicht wenigstens warten können, bis ich wieder ganz gesund bin?“ „Hätte ich schon tun können“, gab das Leben gleichmütig zurück. „Aber du glaubst doch nicht im Ernst, dass ich mich um solche Kleinigkeiten einen Dreck schere? So gut solltest du mich inzwischen kennen, dass du so viel Rücksichtnahme nicht von mir erwartest. Und zudem habe ich dich jetzt einen ganzen und einen halben Tag krank machen lassen und obendrein habe ich dir heute Morgen noch diese zwei Stunden zusätzlichen Schlafs gegönnt. Kannst du denn nicht zufrieden sein damit? Du weisst doch, dass die Zeit, die du krank auf dem Sofa liegen konntest, purer Luxus war.“ „Klar weiss ich das“, entgegnete ich. „Aber siehst du denn nicht, dass ich noch nicht fit genug bin, um den Karren aus dem Dreck zu ziehen. Und ausserdem bekomme ich jetzt auch noch Ohrenweh und du weisst doch, wie mühsam das sein kann.“ „Wozu hat man denn Medikamente erfunden?“ Wer braucht denn Ruhe, wenn er sich ebenso gut bis obenhin mit Medikamenten vollstopfen könnte?“, fragte das Leben zynisch. „Ja, aber du weisst doch, dass ich es hasse, wenn ich die Käfer mit Medikamenten in Schach halten muss…“, jammerte ich und das war wohl ein Gejammer zu viel. Denn jetzt fasste das Leben den Entschluss, mir es so richtig zu zeigen.

„Komm mal her, Prinzchen“, sagte das Leben. „Siehst du diese Dose hier? Schüttle sie doch mal ganz kräftig. Ja, genau so. Hübsch, wie die rasselt, nicht wahr? Willst du sie nicht aufmachen? Ja, sehr gut, mein Kleiner. Oh, schau mal, da hat’s ja ganz viele Pistazien drin. Komm, ich zeige dir, wie schön die hüpfen, wenn man sie auf den Boden schmeisst. Hihi, das ist lustig, willst du auch mal probieren? Prima, wie du das machst! Versuch‘ doch mal, ob du auch eine ganze Handvoll davon auf den Fussboden schmeissen kannst…“ Und bald lagen die Pistazien überall, wo sie nicht liegen sollten und das Leben kam so richtig in Fahrt: „He Zoowärter“, rief es. „Hast du gesehen, das Prinzchen hat deinen Bären geschnappt. Wenn ich du wäre, würde ich den sofort zurückholen. Nein, macht nichts, wenn das Priznchen heult, die Mama wird das schon wieder richten. Ach so, die Mama versucht gerade Mittagessen zu kochen? Auch gut, dann hol doch mal bitte dieses Verbandsmaterial im Spiegelschrank, Prinzchen. Wie, wozu das gut sein soll? Frag‘ doch nicht so blöd, mach es einfach, aber schnell, bevor die Mama die Hände frei hat, um es dir wegzunehmen, bevor du den ganzen Verband abgerollt hast. Mist! Jetzt war sie doch schneller. Also, mein Prinzchen, dann schlage ich jetzt vor, dass du dir den Schemel holst, die Tür aufschliesst und abhaust und du, Zoowärter, kannst dich derweilen mit diesem Popcorn vergnügen, das dein Papa gestern Abend hat rumstehen lassen…“

Es dauerte keine zehn Minuten, bis die Küche im Chaos versank und ich ein herumbrüllendes, abgekämpftes Wrack war, das sich schleunigst ein paar Medikamente einwarf, um den Rest dieses elenden Tages wenn schon nicht gesund, so doch wenigstens schmerzfrei zu überstehen.