Hexenschuss

Nein, für einmal bin nicht ich diejenige, die flach liegt, sich krümmt vor Schmerzen und den ganzen Tag jammert. Nach all meinen Schwangerschaftsbeschwerden, gebrochenen Zehen, angerissenen Bändern, Brustentzündungen und Magen-Darm-Seuchen, wollte „Meiner“ mal wissen, wie es sich anfühlt, eine Grossfamilie zu versorgen und  sich dabei vor Schmerzen kaum auf den Beinen halten zu können. Und um das zu testen, hat er sich einen Hexenschuss zugezogen. Sind wir tatsächlich schon so alt?

Was soll ich sagen? „Meiner“ hält sich tapferer als jeder andere Mann, den ich kenne. Klar, er steht nachts ausnahmsweise nicht auf, um dem Prinzchen das Fläschchen zu reichen, er stöhnt, wenn er eine falsche Bewegung macht, aber sonst beisst er tapfer auf die Zähne und tut mit leicht verzerrtem Gesicht seine Pflicht. Der Mann beweist Hausfrauenqualitäten! Test bestanden: Er kann den Job haben…

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Mama badet mal wieder im Selbstmitleid

Da sitze ich mal wieder, tief unten in meinem Loch und bemitleide mich selber. Und das nach einem so schönen Tag. Aber das ist ja genau der Grund, weshalb ich mal wieder im Selbstmitleid bade. Doch fangen wir von Vorne an: Nach einer unglaublich mühsamen Woche als Vollzeithausfrau liess ich heute Mittag das ganze Chaos hinter mir und machte mich auf zur Weiterbildung, die „Meiner“ mir zum Geburtstag geschenkt hatte.

Die unaufgeräumten Kinderzimmer, die immer noch kaputte Waschmaschine, die Staubflusen unter dem Bett, das alles ist mir jetzt egal. Einen Nachmittag lang befasse ich mich nur damit, wie man besser vorliest, das Publikum mitnimmt auf eine Reise, es in fremde Welten eintauchen lässt. Einfach herrlich: Wiedermal etwas Neues lernen, sich vorstellen wie das Leben wäre, wenn man zwischendurch mal Profi sein dürfte und nicht alles halb erledigt liegen lassen müsste, weil es woanders wieder brennt, fachsimpeln über Themen, die zwar nicht lebenswichtig, aber dennoch für einen Kopfmenschen wie mich ausserordentlich spannend sind. Und dann erst noch sich selber beweisen, dass man es immer noch schafft, ohne grosse Vorbereitungen in einen Zug zu steigen, am richtigen Ort wieder auszusteigen, das richtige Tram zu finden, durch die Gegend zu gehen, als wäre man ein ganz normaler Mensch und nicht eine Mama am Rande des Nervenzusammenbruchs. Dinge, die nicht mehr selbstverständlich sind, wenn man an gewöhnlichen Tagen fast rund um die Uhr darum bemüht ist, das Chaos in Küche und Wohnzimmer nicht ausufern zu lassen.

Nicht dass ich das Leben mit meiner Familie nicht geniessen würde. Ich weiss nicht, wie viele beglückende Momente ich alleine in der vergangenen Woche mit meinen Kindern und „Meinem“ erlebt habe. Sie sind unzählbar. Doch wenn ich mal wieder einen Ausflug unternehme in dieses andere Leben, wiedermal spüre, was mich sonst noch lebendig macht, wiedermal erkenne, dass da noch Fähigkeiten sind, die brachliegen, dann wird mir wieder mit einem Schlag bewusst, was mein Leben zuweilen so schwierig macht: Ich bin eine überglückliche Ehefrau und Mutter und eine todunglückliche Hausfrau.

Und wenn ich dann heimkomme und sehe, wie grossartig „Meiner“ den Laden während meiner Abwesenheit schmeisst, kann ich nicht anders, als uns beide zu fragen, wie wir jemals so dumm sein konnten, in diese unsinnige Rollenteilung zu schlittern.

Aber wenn Mama schon im Selbstmitleid badet, dann mit Stil, nämlich mit „Honey Bee“ von „Lush“…

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Warum muss ich mich immer langweilen?

Dieser wundervolle Tag hat damit begonnen, das Luise pünktlich um sechs Uhr zu schreien begann, weil sie sich vor Räubern fürchtete. Worauf die pädagogisch versierte Mama nichts Besseres zu sagen wusste als: „Meine liebe Luise. Es ist sechs Uhr früh. Räuber kommen nur nachts. Du brauchst dir also keine Sorgen zu machen.“

Der wundervolle Tag ging weiter mit einer seeeeehr vollen Windel des Prinzchens. Um den zaghaften Anstieg der Geburtenrate nicht zu gefährden, verzichte ich an dieser Stelle auf weitere Details.

Als Nächstes folgte eine Auseinandersetzung mit dem FeuerwehrRitterRömerPiraten, der sich zwar unbändig auf den Kindergarten freute, diese Freude aber ausdrückte, indem er sich weigerte, die Schuhe anzuziehen und sich in der Vorratskammer versteckte.

Nächster Höhepunkt war der Start meines sechsten Jahres im Muki-Turnen, diesmal mit dem Zoowärter. Muki-Turnen finde ich eine tolle Sache, nur nicht unbedingt mit mir. In einer Turnhalle fühle ich mich ähnlich fehl am Platz wie Roger Köppel sich bei einer Hausbesetzung fühlen dürfte. Und Turnkleider passen zu mir etwa so gut, wie eine Burka zu Madonna. Wobei man bei Madonna nie wissen kann, welchem Spleen sie als nächstes verfällt.

Um die Spannung über Mittag aufrecht zu halten, kam der FeuerwehrRitterRömerPirat zu spät nach Hause, so dass ich Luise und ihre Freundin auf die Suche nach ihm schickte. Inzwischen tauchte der Gesuchte auf, die Mädchen blieben verschwunden, die Spaghetti dampften auf dem Tisch. Wunderbar. Da ich ahnte, dass der Tag noch schöner werden würde, stellte ich schon mal das Pepsi kalt. Damit ich abends meine Frust im Koffein ertränken könnte, sollte es denn nötig sein.

Ein weiteres Highlight waren die anderthalb Stunden, in denen ich acht Kinder alleine betreute, während „Meiner“ im Malkeller war. Zickenkrieg zwischen Luise und ihren Freundinnen, ein überdrehter Karlsson, ein Zoowärter, der Kalrssons Puzzleteilchen zerkaute, ein Prinzchen, das bei all dem Radau den Schlaf nicht fand, ein FeurwehrRitterRömerPirat, der sich sein Gesicht voll mit schwarzer Farbe geschmiert hatte. Und so ganz nebenbei haben wir mit Karlssons Freund ein 200-teiliges Puzzle fertiggestellt.

Um das Ganze abzurunden, durften wir vor der Schlafenszeit noch mit jedem Kind ausdiskutieren, weshalb sie jetzt unbedingt schlafen müssen, auch wenn das Bett auf der falschen Seite des Zimmers steht (FeuerwehrRitterRömerPirat), der kleine Bruder alle Stofftiere geklaut hat (Karlsson), die Grossmama unbedingt noch die wichtigsten News des Tages erfahren muss (Luise) und die Mama eine dumme Kuh ist (Zoowärter).

Um diesem wunderbaren Tag das Sahnehäubchen aufzusetzen, stellte ich abends um zwanzig nach acht fest, dass die Waschmaschine defekt ist.

Zum Glück hatte ich das Pepsi rechtzeitig kalt gestellt!

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Welcher Haushalt denn?

In letzter Zeit werde ich öfters gefragt, wie ich es überhaupt schaffen würde, so viel zu bloggen. Ich hätte daneben ja noch eine ziemlich grosse Familie zu versorgen. Nun, die Frage müsste eigentlich nicht lauten, wie ich es schaffe, soviel zu schreiben. Sie müsste lauten: „Wie sieht denn dien Haushalt aus?“ Worauf ich zurückfragen würde: „Welcher Haushalt denn? Ach so, du meinst jenes endlose Chaos aus herumliegenden Spielsachen, gefalteter Wäsche, die darauf wartet, endlich im Schrank zu verschwinden, Schuhen, die im Treppenhaus auf Partnersuche sind und Grünabfällen, die auf dem Balkon vor sich hin gammeln.“ Wenn mich der Fragende dann fragend ansehen würde, würde ich sagen: „Tja weisst du, als Hausfrau muss man eben Prioritäten setzen. Lieber ein chaotischer Haushalt mit einer halbwegs zufriedenen Hausfrau als ein perfekt aufgeräumter Haushalt mit einer Kratzbürste.“

Wobei: Eine Kratzbürste bin ich auch dann, wenn ich halbwegs zufrieden bin…

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Vollzeithausfrauenfrusttag

Heute war mal wieder Vollziethausfrauenfrusttag. Einer jener Tage, an denen du es so satt hast, fünfmal das gleiche Geschirr in die Finger zu nehmen, mal schmutzig, mal sauber. Einer jener Tage, an denen du mit dem Besen mehr Körperkontakt hast als mit deinem Mann, weil du unzählige Male die gleichen Böden sauber machen musst. Einer jener Tage, an denen du die Kinder anbrüllst, sie sollten endlich aufhören zu brüllen, weil du sonst dein eigenes Gebrüll nicht mehr verstehen kannst. Kurz: Ein wunderbarer Tag. Ein Tag, um dir Gedanken zu machen, was du an deinem Leben ändern könntest, damit es besser wird.

Du könntest zum Beispiel damit anfangen, die Duplosteine der Kinder in der Waschmaschine zu waschen. Muss anscheinend ziemlich befriedigend sein. Ich jedenfalls werde nie das Strahlen in den Augen der jungen Mutter vergessen, die mir vor Jahren einmal erzählt hat, sie wasche die Duplosteine ihres Sohnes regelmässig. Mache zwar ein wenig Lärm, aber die Steine seien danach wirklich wieder sauber.

Oder du könntest ab morgen sämtliche Unterwäsche deiner Kinder bügeln. Wenn du noch weisst, wo das Bügeleisen ist und wie es zu bedienen ist. Und wenn du schon am Bügeln bist, könntest du gleich noch durchsetzen, dass die ganze Familie auf die Grippesaison hin nur noch Stofftaschentücher benützt. Damit du noch etwas mehr zum Bügeln hast, falls dir die Unterwäsche ausgehen sollte.

Oder du könntest damit anfangen, Adventsdekorationen zu basteln. Und wenn du schon am Basteln bist, gleich noch für Ostern vorbereiten und  für den nächsten Kindergeburtstag.

Wie, meine Vorschläge sind doof? Aber natürlich sind sie das. Doch wenn ich mir die Frauen ansehe, die in ihrer Rolle als Vollzeithausfrau völlig aufgehen, sehe ich, dass sie all dies und noch viel mehr tun. Und sie sind glücklich dabei. Vielleicht wäre ich das ja auch, wenn ich mich nur endlich dazu durchringen könnte, eine richtige Hausfrau zu werden. Vielleicht aber auch nicht…

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Das ist ganz schön hart

Neun Jahre lang habe ich geglaubt, ich würde ein anstrengendes Leben führen. Wenig Schlaf, viel Arbeit, quengelnde Kinder, Wäscheberge, Wocheneinkäufe, die man mit dem Sattelschlepper nach Hause fahren muss, endloses Putzen und was sonst noch alles dazu gehört. Seit heute Abend aber weiss ich, dass andere Frauen viel mehr zu tragen haben.

Weil ich zu faul war, meinen Hintern vom Sofa zu schwingen, als „Meiner“ mal wieder „Glanz und Gloria“ geschaut hat, weiss ich jetzt endlich, dass die Miss Schweiz-Finalistinnen ein viel härteres Los gezogen haben als wir Hausfrauen alle miteinander. Die armen Frauen müssen nämlich den ganzen Tag in High Heels herumstöckeln und das ist wirklich anstrengend und „total hart“, wie die Finalistinnen einhellig bestätigen. So hart, dass einige dieser Frauen vor laufender Kamera in Tränen ausbrechen, auch wenn sie sich geschworen haben, dies erst im Hotelzimmer zu tun. Sie halten es einfach nicht mehr aus, die Armen. Das Leben ist so unfair!

Seitdem ich das gesehen habe, schäme ich mich natürlich zutiefst, dass ich jemals gejammert habe über meinen Knochenjob. Aber damals habe ich eben noch nicht gewusst, wie hart es andere Frauen trifft. Und das Gemeinste am Ganzen ist: Währenddem ich mich aus vollkommen freien Stücken für das anstrengende Leben mit fünf Kindern habe entscheiden dürfen, sind die armen Miss Schweiz-Finalistinnen allesamt erbarmungswürdige Opfer. Denn welche junge Frau meldet sich schon freiwillig zu einer solchen Wahl an? Die werden ja immer alle zwangsangemeldet von überambitionierten Müttern, missgünstigen Freundinnen und Verlobten, die sich aus dem Staub machen, kaum hat man das Krönchen und all die Lasten, die es mit sich bringt.

Ich glaube, ich werde heute Abend eine Kerze anzünden für all die armen Finalistinnen. Vielleicht werde ich auch noch ein bisschen weinen. Und sollte mir morgen die Arbeit mal wieder zu schwer werden, denke ich einfach an die armen Missen auf ihren High Heels und schon wird es mir wieder besser gehen. Und zum Büssen für all mein bisheriges Jammern über meine Arbeit werde ich in Zukunft meinen Job in High Heels verrichten. Damit ich wenigstens eine leise Ahnung davon bekomme, was andere Frauen durchstehen müssen.

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Tag der frustrierten Hausfrau

Heute war der Tag der frustrierten Hausfrau. Das ist der Tag, an dem sich die Vollzeithausfrau einmal mehr bewusst wird, dass eine glückliche Mutter nicht automatisch auch eine glückliche Hausfrau ist. Der Tag, an dem sie ihrer Fähigkeiten gedenkt, die sie früher einmal einsetzen konnte, die ihr heute aber keiner mehr zutraut. Der Tag, an dem sie sich hundertmal sagt, dass die Kinder nicht Schuld sind daran, dass ihr manchmal einfach alles zuviel wird und sie diese trotzdem anschnauzt, weil sie mit ihrer Fröhlichkeit vom Trübsalblasen ablenken.

Ich weiss nicht, wie andere frustrierte Hausfrauen diesen Tag begehen. Bei mir beginnt er für gewöhnlich damit, dass Karlsson morgens um Viertel vor sieben brüllt, er wolle jetzt endlich aufstehen und mir mit seinem Gebrüll dreissig Minuten wertvollster Schlafenszeit raubt. Weiter geht so ein Tag mit einem Arzttermin, bei dem festgestellt wird, dass Luise auf dem rechten Auge nur halb so viel sieht wie auf dem Linken, weil sie am Montag einen Stecken ins Auge bekommen hat. Nächste Station ist der Schuhladen, wo wiedermal eine Umtauschaktion vorgenommen werden muss. Luises „Qualitätsschuh“ (Siehe „Immer diese Schuhe“) hat nun, nach bloss zwei Wochen, ebenfalls das Zeitliche gesegnet. Mit neuen „Qualitätsschuhen“ und einer Verspätung von vierzig Minuten hetzt man nach Hause, um ein versalzenes Mittagessen auf den Tisch zu zaubern.

Zur Feier des Tages gibt es am Nachmittag eine freie Stunde. Zeit, um sich in einen frustrierenden Roman zu vertiefen. Darin dreht sich alles um ein Frau, die noch keine frustrierte Hausfrau ist, die aber alles daran setzt, so schnell als möglich eine zu werden. Für das Sahnehäubchen sorgt schliesslich die Tageszeitung. Einmal mehr wird einem bei der Lektüre bewusst, dass man bei dieser Wirtschaftslage wohl noch länger die frustrierte Hausfrau bleiben wird.

One-Woman-Show

Morgens um sieben tritt sie auf die grosse Bühne des Familientheaters. Für ein paar Momente wird sie die Rolle der Verschlafenen spielen, doch schon Minuten später wird die Verschlafene verdrängt von der Hellwachen, der Motivatorin, die den beiden grössten Kindern zu einem fröhlichen Start in den Tag verhilft, und sei der Himmel noch so grau.

Während diese beiden Rollen täglich die Gleichen sind, ist alles, was danach folgt, reine Improvisation und zwar auf höchstem Niveau. Aus der Trösterin, die Luise versichert, dass sie auf der Kindergartenreise einen ganzen Tag ohne Mama klarkommen wird, wird blitzschnell die Schiedsrichterin, die dafür sorgt, dass Karlsson und Luise sich ohne Blutvergiessen darüber einigen, wer wo am Frühstückstisch sitzt. Inzwischen ist das Prinzchen erwacht. Und schon hat sie die Rolle wieder gewechselt. Jetzt steht sie als Futterquelle auf der Bühne, um Augenblicke später als Kammerzofe für des Zoowärters saubere Kleidung zu sorgen. Um schliesslich auch noch dem morgenmuffeligen FeuerwehrRitterRömerPiraten zu einem sonnigen Tagesstart zu verhelfen, mutiert sie mal ganz kurz zur Minnesängerin, worauf sie als Einpeitscherin dafür sorgt, dass Karlsson und Luise nicht zu spät kommen.

So nimmt das Familientheater seinen Lauf, zwei bis vier Kostümwechsel inbegriffen. Geht sie einkaufen, rangeln die Geizige und die Grosszügige um die Aufmerksamkeit auf der Bühne. Paradoxerweise gibt die Grosszügie meist dann ihre beste Vorstellung, wenn das Budget am knappsten ist. Läutet das Telefon, geht wahlweise die verständnisvolle Freundin, die knallharte Neinsagerin, die jeden Telefonverkäufer das Fürchten lehrt, oder die schnippische Lehrersgattin, die „Ihren“ vor Zusatzarbeit schützt, an den Apparat. Wobei die Rolle der Telefonistin ihre besonderen Tücken hat, muss sie doch immer auch gleichzeitig die strenge Erzieherin sein, die verhindert, dass das Haus während des Telefonats in Schutt und Asche gelegt wird. Beim Mittagessen wird dann von den Kindern oft die Komödiantin verlangt. Je nach Tagesform schafft es diese, dass die Kinder vor Lachen unter dem Tisch liegen. Manchmal aber zaubert sie den Kleinen bloss ein müdes Lächeln aufs Gesicht. Abends dann, wenn die Kinder im Bett sind, wäre die Leidenschaftliche gefragt, die Unterhaltsame, die lebhafte Gesprächsparterin. Doch leider bringt sie es nicht immer fertig, ihr Publikum zu begeistern. So sie es denn überhaupt auf die Bühne schafft.

Im Familientheater wird es ihr nie langweilig und es gibt durchaus Tage, an denen die Rollenwechsel reibungslos klappen und das Ganze ihr unglaublichen Spass bereitet. An anderen Tagen geht es nicht so glatt und dann steht plötzlich die Zornige auf der Bühne, wo eigentlich die Einfühlsame gefragt wäre. Oder die Übermüdete sinkt zu einem Mittagsschläfchen aufs Sofa, wenn doch die besonders Wachsame gerade ihren Auftritt haben sollte. Und manchmal lässt es sich nicht verhindern, dass diejenigen, die erst viel viel später, so in zwei drei Jahren, dranwären, hinter Vorhang hervorlugen. Die Sehnsüchtige, die Eigensinnige und die Träumerin schaffen es immer wieder, die Vorführung mit ihren unbedachten Auftritten zu stören und alles aus der Bahn zu werfen. An gewissen Tagen drängt sich auch die Verzweifelte ins Rampenlicht, was meistens zu Tränen führt. Des langen Wartens müde, sind die Berufstätige und die Erfolgreiche im Begriff, sich aus der Show zu stehlen und die Regie muss aufpassen, dass nicht irgendwann die frustrierte Hausfrau die Hauptrolle an sich reisst.

Ja, die Regie. Die macht es ihr nicht immer einfach. Allein schon, herauszufinden, wer gerade auf dem Regiestuhl sitzt, ist zuweilen fast unmöglich. Sind es die Kinder, ist es „Meiner“, ist es der Glaube, ist es der Terminplan, ist es der Telefonverkäufer, ist es das Wetter, ist es die Schulleiterin, ist es der leere Kühlschrank?  Oder gar alle miteinander?

Manchmal wäre es hilfreich, sie könnte wiedermal das Theaterstück lesen, um herauszufinden, was das Ganze überhaupt soll. Sie könnte dann ihre verschiedenen Rollen auch mit viel mehr Überzeugung spielen. Es würde ihr auch leichter fallen, unpassende Rollen aus dem Stück zu streichen. Doch leider macht sich die Nachdenkliche immer rarer, das Karussell der Rollen dreht sich immer schneller und manchmal bekommt sie Angst, dass sie eines Tages ihre Auftritte nicht mehr hinkriegt. Wer schaut dann, dass das Familientheater nicht vollkommen aus den Fugen gerät?

Ungezieferalarm

Grundsätzlich bin ich ja ein mehr oder weniger tierliebender Mensch. Ich esse kein Fleisch, ich denke wehmütig an meine Kindheit zurück, als wir die Lämmchen mit der Schoppenflasche grosszogen, ich grüsse jede Katze, die mir über den Weg läuft und wenn ich auf einem Spaziergang einem Schmetterling begegne, gebe ich mir jede erdenkliche Mühe, das Tier nicht zu verscheuchen. Aber Tiere im Haus? Nicht mit mir! Eine Katze oder eine Schildkröte könnte ich zur Not noch tolerieren, aber mehr nicht.

Auch keine Ameise. Und erst recht keine Ameisen. Und schon gar keine kleinen Ameisen, die man kaum sieht. Und deren Strasse ausgerechnet über unseren schwarzen Küchenboden führt. Man sucht und sucht, doch man findet das Einfallstor nicht. Folglich kann man ihnen nicht beikommen, muss sogar den Hermann vor ihnen schützen und  aufpassen, dass die  Biester nicht über das Frühstücksbrot herfallen. Ich gebe gerne zu, dass so ein Ameisenstaat eine beeindruckende Sache ist, doch ich lasse mich lieber draussen beeindrucken als drinnen. Und überhaupt: Wer ist eigentlich der Chef hier drinnen?!

Aus bitterer Erfahrung weiss ich, dass nach den Ameisen bereits die nächsten Invasoren lauern, die Maden. Einem oder zwei dieser ekligen Geschöpfe liesse sich ja noch beikommen. Doch bei uns treten die Dinger jeweils in rauhen Mengen auf. Nie werde ich jenen sonnigen Sonntagmorgen vergessen, an dem hunderte von Fliegenmaden unter der Sonntagszeitung hervorkgekrochen kamen, aus den Bodenritzen und unter den Putzlappen hervor. Nach zwei Stunden waren die meisten tot. Leider nur die meisten. Als wir ein paar Tage später von einem Ausflug zurückkehrten, war der Fussboden übersät mit toten Fliegen, die sich an den Giftstreifen am Fenster vollgefressen hatten.

Als ob Ameisen, Maden und Fliegen nicht genug des Ungeziefers wären, sorgt Karlsson hie und da für einen weiteren  Kick: Sind die Strassen draussen nass, muss ich jederzeit darauf vorbereitet sein, dass er mir ein Handvoll frischer Nacktschnecken nach Hause bringt. Und falls er mir mal eine ganz grosse Freude bereiten  will, küsst er, der nicht mal seine Mama küsst, jede einzelne Nacktschnecke auf die Fühler.

Entsorgt

Der Säufer ist weg. Nun ja, so ein Haushaltgerät mit Alkoholproblem ist wirklich kein Vorbild für kleine Kinder. Kaum hatte er seinen Rausch ausgeschlafen, ging’s in den nächstgelegenen MMM. Dort gab der Kerl allerdings noch seine letzte peinliche Vorstellung. Tropfte einfach noch eine Lache von abgestandenem Wein auf den Boden, bevor ihn der Verkäufer in den Container hieven konnte. Also wirklich, hat der sich denn gar nicht mehr im Griff? Zum Glück sind wir ihn los!

Der Ersatz war schnell ausgesucht. Und Dank eines Kredits von der Mutter, die in solchen Situationen gerne hilft, auch schnell bezahlt. Der Säufer hätte sich für sein Ableben nämlich keinen schlechteren Zeitpunkt aussuchen können. Sonderbar war nur, dass der Verkäufer  mehrmals darauf hinwies, dass das neue Gerät auf keinen Fall mit Flüssigkeit in Kontakt kommen dürfe. Als ob man solche Ermahnungen nötig hätte. Immerhin ist man Hausfrau und käme nie auf den Gedanken, einem Staubsauger auch nur einen Tropfen Flüssiges zuzumuten. Das gestern war ja nur ein kleiner Ausrutscher. Und ausserdem war der Sauger ganz selber Schuld. Warum musste der Gierhals auch all den Wein in sich hineinsaufen, wo er doch eigentlich die Scherben hätte fressen sollen?
Doch vergessen wir die leidige Angelegenheit und wenden wir uns noch kurz etwas anderem zu, nämlich dem Adler. Der war nun vielleicht doch keiner. Unsere Tochter meinte heute Morgen, es könnte sich auch um eine Krähe gehandelt haben. Also war es vermutlich ein Kolibri. Denn wenn aus einem  Adler über Nacht eine Krähe wird, war das Tier in Wirklichkeit wohl noch viel kleiner. Fragt sich nur, wie sich ein Kolibri in unsere Breitengrade verirren sollte. Aber da wir die Sache wohl nie genau werden ergründen können, bleiben wir  bei der ursprünglichen Version mit dem Adler. Irgendwie müssen Legenden ja entstehen.