Ein Ende in Sicht

Wie es unserer Küche gehe, wollte neulich jemand von mir wissen. Sie sei auf dem Wege der Besserung, antwortete ich und das ist sie tatsächlich.

Die Kühlgerät-Komödie hat ein gutes Ende gefunden. Das unnütze Ding, das nach wenigen Monaten bereits seinen Dienst verweigerte, ist auf Kosten der Firma abtransportiert und entsorgt. Das neue Gerät ist so wunderbar, dass mich jedesmal, wenn ich seine Türen öffne, leicht fröstelt, was ja bei einem Kühlschrank eigentlich normal ist, mich aber dennoch überwältigt, weil es sein Vorgänger nicht mehr unter die 10-Grad-Marke schaffte. 

Der Herd meiner Träume ist installiert, Schwiegermamas heilige Pfannen sind entsorgt uns seither wird nur noch in pinkfarbenen und hellgrünen Töpfen gekocht. Eine wahre Freude, die man allerdings immer nur ganz kurz geniessen kann, weil dieses Induktionszeug so wahnsinnig schnell ist.

Das Abwaschen in der Badewanne hat bereits vor einigen Wochen ein Ende gefunden und seit heute steht sogar wieder eine Maschine da, die uns bereitwillig die Arbeit abnimmt.

Wenn alles läuft wie geplant, sollten nächste Woche die Küchenmöbel fertig werden und dann ist er hoffentlich endlich Geschichte, der Umbau, der als eine der nervenaufreibendsten und zugleich eine der wunderbarsten Haushaltangelegenheiten in die Familiengeschichte eingehen wird. Nervenaufreibend, weil wir dabei Murphys Gesetz von vorne bis hinten und wieder zurück durchbuchstabiert haben. Wunderbar, weil immer dann, wenn wir uns nicht mehr zu helfen wussten, von irgendwo ein rettender Engel angeflogen kam, der uns aus der Patsche half. (Wo wir heute ohne diese Engel stünden, möchte ich mir lieber nicht ausmalen…)

Und so überwiegt jetzt, wo das Ende in Sicht ist, die Dankbarkeit, die die den Ärger allmählich verblassen lässt. Wobei er nicht gänzlich vergessen gehen soll, sonst kommen „Meiner“ und ich am Ende noch auf die Idee, uns ins nächste Abenteuer zu stürzen.

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Lest heute wiedermal anderswo

Wir versuchen gerade, endlich in Herbstferienstimmung zu kommen, darum gibt’s heute nur den einen Text von mir und zwar auf hier, auf swissmom.ch.

 

Die sind imfall schon fast erwachsen

Es ist zwar schon eine Weile her, aber die Sache geht mir trotzdem nicht aus dem Kopf. Da sitze ich mit Karlsson in dieser Infoveranstaltung. Scharenweise sind die Teenager gemeinsam mit ihren bereits leicht angegrauten Eltern in die Aula gekommen, um zu lauschen, was ein Lehrer über Auslandaufenthalte, Eigeninitiative und Projektarbeiten zu sagen hat. Wie bei solchen Veranstaltungen üblich, gibt es am Ende Gelegenheit, Fragen zu stellen. Ein Vater hebt die Hand und will wissen: „Können Sie garantieren, dass die Kinder bis zum Ende ihrer Schulzeit mit den gleichen Gspänli in der Klasse bleiben werden?“

Himmel, diese „Kinder“ und „Gspänli“ stehen an der Schwelle zum Erwachsenenalter, einige von ihnen werden vielleicht schon bald für ein paar Monate alleine ins Ausland gehen, manche sind alt genug, um sich ganz legal Bier zu kaufen. Wäre es da nicht allmählich an der Zeit, nicht mehr über sie zu reden, als hätten sie eben erst ihren ersten Kindergartentag hinter sich?

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Näher

Sie können den Moment, in dem sie sich für ein paar Tage von dir verabschieden, kaum erwarten.

Sie finden es peinlich, wenn du sie noch einmal umarmen willst, bevor sie wegfahren.

Sie lachen dich aus, wenn du sagst, sie sollten gut auf sich aufpassen.

Sie lachen erst recht, wenn du fragst, ob sie dich vielleicht doch ein kleines bisschen vermissen werden.

Sie geben dir das Gefühl, ohne dich sei ihr Leben so viel spannender und lustiger.

Und doch greifen sie, kaum sind sie ein paar Stunden von zu Hause weg, zum Handy, um dir zu erzählen, was sie tagsüber alles erlebt haben. 

Manchmal bist du ihnen halt einfach näher, wenn sie etwas weiter weg sind.

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Die Glucke macht mal wieder Theater

Keine Angst, ich werde euch nicht wieder mit einer dieser endlosen GluckenDiskussionen langweilen. Ihr wisst ja inzwischen, wie wir zwei uns in die Haare geraten, wenn mal wieder loslassen gefragt ist. Der „arme kleine“ Karlsson – es geht bei der Glucke fast immer um ihn, denn als Ältester ist er gewöhnlich auch der Erste, der etwas Neues wagt – dieser „arme kleine“ Karlsson also ist ihrer Meinung nach stets vollkommen überfordert mit dem, was wir ihm zumuten. Viel lieber möchte er bei Mama und Papa bleiben, aber wir sind ja so kalt und herzlos und zwingen ihn dazu, hilflos flatternd das sichere Nest zu verlassen. Die ewig gleiche Leier halt…

Das aktuelle Theater dreht sich um Karlssons erste Auslandreise ohne elterliche Begleitung. Nach Italien? Eine ganze Woche lang? Ganz ohne Verwandte, nur in Begleitung von Lagerleitern, die selber fast alle noch grün hinter den Ohren sind? Wie können wir unserem armen Kleinen bloss so etwas zumuten?

Seit Tagen nun geht das schon so und heute hatte ich endgültig die Nase voll von ihrem Gejammer. „Vielleicht erinnerst du dich, dass ich exakt so alt war, wie Karlsson heute ist, als ich zu meinem Austauschjahr in die USA aufbrach. Ganz ohne Begleitung und mit damals noch ziemlich rudimentären Englischkenntnissen.“

Für einmal konnte mir die Glucke nichts entgegnen. Im Weggehen hörte ich sie aber brummen: „Ich hätte mich halt schon bei Karlssons Grosseltern etwas öfter einmischen müssen, dann würden ihn seine Eltern vielleicht jetzt nicht einfach so ziehen lassen.“

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Nervensäge

„In deinem Alter ist man eigentlich nicht so richtig sich selber. Du kannst mir glauben, ich rede da aus Erfahrung.“

„Mach bloss keine Witze über mein Alter. Zweimal blinzeln und du bist auch schon vierzig.“

„Wenn du mal Kinder hast, wirst du mich verstehen.“

„Das nennst du modern? Genau so liefen wir in den Neunzigern auch rum.“

„Eines Tages wirst du wünschen, du hättest die viele Zeit noch, die du heute sinnlos vergeudest.“

„Du solltest dir wirklich Zeit nehmen für ein richtiges Frühstück. Glaub mir, der Tag wird so viel besser, wenn du etwas Gesundes im Magen hast. Wie? Du hast keine Zeit dafür? Dann steh doch einfach zehn Minuten früher auf.“

„Fang frühzeitig an zu lernen. Ich habe ja viel zu spät begriffen, was man mit Lernen alles erreichen kann, also mach nicht den gleichen Fehler wie ich.“

Manchmal, wenn ich mir beim Moralisieren zuhöre, sage ich nachher zu mir selber: „Ich glaube, wenn ich ein Teenager wäre, ginge ich mir ziemlich auf den Geist.“

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Lauter dummes Geschwätz

Mein Favorit beim Einkaufen: „Hallo. Bist du auch hier?“ (Ich? Hier? Nein, gewiss nicht. Siehst du mich etwa irgendwo?)

Noch besser, ebenfalls beim Einkaufen: „Was tust du denn hier?“ (Na, was wohl? Meine Zehennägel schneiden natürlich.)

Morgens um Viertel vor neun am Telefon: „Grüezi Frau Venditti. Ist Ihr Mann zu Hause? Ich müsste ihn in einer dringenden schulischen Angelegenheit sprechen.“ (Natürlich. Er sitzt neben mir am Frühstückstisch und liest die Zeitung, während seine Schüler das Schulzimmer auf den Kopf stellen.)

Noch einmal am Telefon: „Frau Venditti, Sie erinnern sich bestimmt noch an mich. Ich habe Sie vor einem halben Jahr schon einmal wegen unseres sensationellen Luftreinigungssystems angerufen und Sie haben mir damals gesagt, ich dürfe mich später noch einmal bei Ihnen melden. Wie ich Ihnen damals schon erklärt habe…“ (Himmel, die glaubt doch nicht im Ernst, ich wüsste noch, wer mich vor einem halben Jahr angerufen hat? Ist ja eine Ewigkeit her. War ich da überhaupt schon auf der Welt?)

Am Rand des Schwimmbeckens, wo die Kinder gerade unter fachkundiger Anleitung lernen, sich über Wasser zu halten: „Es tut mir jedes Mal weh, wenn ich die hundertsechzig Franken für den Schwimmkurs locker machen muss.“ (Ja ja, die Kunst, nicht abzusaufen ist eindeutig überbewertet…)

Zuweilen bekommt man auch ganz tolle Mails: „Dürfen wir Sie zu unserer Präsentation in Paris einladen? Wir freuen uns, Sie am kommenden Montag von 9:30 bis 11:30 im XVII-ième Arrondissement zu begrüssen, um Ihnen unsere Produkte vorzustellen.“ (Wissen die eigentlich, wie weit es von hier nach Paris ist? Da bin ich nie und nimmer rechtzeitig zurück, um das Mittagessen auf den Tisch zu bringen.)

Dann natürlich überall, ob in den sozialen Medien oder im direkten Gespräch, das Gejammer, das mich immer mehr auf die Palme treibt: „So ein Mist! Morgen soll es regnen. Und das im September. Wir sollten doch jetzt Sommerwetter haben!“ (Seit wann ist Regen im Sommer verboten? Und will man jetzt dem Sommer auch noch verbieten, sich in seinen allerletzten Tagen allmählich davonzuschleichen, um dem Herbst Platz zu machen? Und was habt ihr Sommerfanatiker eigentlich gegen Regenabende, an denen ihr es euch mit einem dicken Schmöker, einer Tasse Tee und einer weichen Decke gemütlich machen könnt?)

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Schluss mit den heiligen Pfannen

Bitte erzählt Schwiegermama nichts von dem Frevel, den ich heute begangen habe: Ich habe damit begonnen, ihre Pfannen auszumisten.

Jawohl, die heiligen Pfannen, die sie für viel Geld erstanden hat, um sie ihrem einzigen Sohn an seinem 15. Geburtstag zu überreichen. 

Die Pfannen, in denen eines Tages das nette italienische Mädchen, das er bestimmt irgendwann kennen lernen würde, Pasta Bolognese, Osso Buco und Frittata zubereiten würde, um dafür zu sorgen dass der viel zu dünne junge Mann endlich ein bisschen Fleisch auf die Knochen bekäme. 

Die Pfannen, die niemals in die Hände dieser kleinen, vorlauten Schweizerin hätten geraten dürfen, die sich standhaft weigerte, ausschliesslich italienische Kost darin zu kochen.

Die Pfannen, die gemäss dem Versprechen des Herstellers ein Leben lang halten sollten, die dann aber doch nach Jahren der intensiven Nutzung ihre Griffe fallen liessen. (Was vielleicht nur daran lag, dass sie in die Hände der falschen Frau geraten waren…)

Die Pfannen, die ich leidenschaftlich hasste, weil sie mir nicht gestatteten, so zu kochen, wie es mir entspricht. Und weil sie mich täglich daran erinnerten, wie sehr „Meiner“ und ich uns in den Anfängen unserer Beziehung um des lieben Friedens Willen durch Schwiegermama bevormunden liessen.

Die Pfannen also, die ich schon so lange gerne losgeworden wäre, die ich aber auf gar keinen Fall loswerden durfte, weil sie sozusagen die Mitgift waren, die „Meiner“ in die Ehe gebracht hat. (Wobei ich natürlich mit leeren Händen dastand, da meine Eltern nicht weitsichtig genug gewesen waren, mir zum Fünfzehnten ein Pfannenset zu schenken. Die schickten mich lieber in ein Austauschjahr.)

Es blieb mir also nichts anderes übrig, als mich mit den ungeliebten Pfannen zu arrangieren. 

Es sei denn, ich hätte eine Ausrede… 

Zum Beispiel einen Induktionsherd…

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Von den schönen Dingen

Vor lauter Haushaltärger habe ich die schönen Dinge ein wenig aus den Augen verloren, dabei gibt es doch so vieles, worüber ich mich freuen kann:

Ein letztes Bad im Aarekanal, danach ein ausgedehntes Picknick mit lieben Freunden.

Das Prinzchen, das spät am Abend noch wach im Bett sitzt und aus voller Kehle seine selbst erfundenen Melodien schmettert.

Bekocht und umsorgt zu werden von herzensguten Menschen, die finden, wir hätten eine Auszeit vom Badewannen-Abwasch verdient.

Ein Abendspaziergang mit „Meinem“ und der Katze, die uns in der Dunkelheit nicht ohne ihren Schutz ziehen lassen will.

Die Artischockenernte, die zwar nicht überreich, aber doch reicher als erwartet ausgefallen ist. 

Karlsson, der sich an der neuen Schule fühlt, wie ein Fisch im Wasser.

Malven, Astern, Dahlien, Phlox, Herbstanemonen, Scabiosen und Prachtkerzen, die um die Wette blühen. 

Jede einzelne kostbare Minute, in der ich nichts über Pokémon hören muss.

Luise und der Zoowärter, die sich nach schwierigen Zeiten wieder aufgerappelt haben und zu ihrer alten Lebensfreude zurückfinden. 

Ein Birnbaum, den wir schon längst aufgegeben hatten, der nun zum ersten Mal in seinem Leben wunderschöne Früchte trägt. 

Der FeuerwehrRitterRömerPirat, der immer sogleich fühlt, wenn jemand Aufmunterung braucht. 

Nach sehr langer Zeit wieder mal eine neue Idee in meinem Kopf, die sich vielleicht eines Tages zu etwas Gutem weiterspinnen lässt.

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Eigenartige Einstellung

In der Schule haben sie sich mühselig mit der Schnüerlischrift abgeplagt und noch heute geben sie der gestrengen Lehrerin von damals die Schuld an ihrer schlecht leserlichen Klaue. Wenn aber den eigenen Kindern „nur“ noch Basisschrift beigebracht wird, sind sie entsetzt, weil die Jugend von heute nicht mehr „richtig schön“ schreiben lernt. Wo, so fragen sie, bleibt da die Disziplin?

Die endlosen Nachmittage, an denen sie über sinnlosen Hausaufgaben gebrütet haben, sind ihnen in schlechtester Erinnerung geblieben. Wie viel lieber hätten sie draussen gespielt. Wenn aber ihre eigenen Kinder weniger, dafür sinnvollere Hausaufgaben bekommen, beschweren sie sich, die Knöpfe würden total verweichlicht. 

Grammatik und Rechtschreibung haben sie zutiefst gehasst und noch heute will ihnen kaum ein korrekter Satz gelingen. Dennoch sind nicht selten sie diejenigen, die sich beklagen, heutzutage würden die Kinder nicht mehr richtig lesen und schreiben lernen. 

Die ruppige Behandlung durch den Klassenlehrer haben sie bis heute nicht richtig verdaut. Wäre er nicht gewesen, hätten sie es bestimmt viel weiter gebracht im Leben, aber sie hatten ja so furchtbar Angst vor ihm und konnten deshalb nichts lernen. Am Elternabend aber kritisieren sie, die Kinder würden viel zu sanft angefasst, nur mit einer gehörigen Portion Strenge könne etwas aus ihnen werden.

Der Drill im Sportunterricht war ganz schrecklich für sie. Noch heute scheuen sie jede Anstrengung. Das hindert sie aber nicht daran, kritisch zu bemerken, ihre Kinder müssten im Turnunterricht ja rein gar nichts mehr leisten, da müsse man sich nicht wundern, wenn sie immer dicker würden.

Immerhin in einem Punkt sind diese Eltern konsequent: Sie wählen mit Vorliebe Politiker, die mit allen Mitteln versuchen,  die Bildung zu Tode zu sparen. Auf dass den Lehrern ihrer Kinder nichts anders übrig bleibe, als die Schultage mit öder Paukerei – welche die Eltern zwar gehasst haben, aber immerhin kennen – totzuschlagen. Am liebsten noch mit den Schulbüchern von anno dazumal, denn dann lernt man auch etwas Rechtes.

(Wobei mich beim einen oder anderen modernen Oeuvre auch das Gefühl beschleicht, man hätte sich das Papier, auf dem es gedruckt ist, sparen können…)

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