Wir versuchen gerade, endlich in Herbstferienstimmung zu kommen, darum gibt’s heute nur den einen Text von mir und zwar auf hier, auf swissmom.ch.
Wir versuchen gerade, endlich in Herbstferienstimmung zu kommen, darum gibt’s heute nur den einen Text von mir und zwar auf hier, auf swissmom.ch.
Egal, ob Klassenlager oder Ferienwoche in der Toscana, einige Gebote sollten reisende Teenager beherzigen:
1. Du sollst keinen gestellten Wecker zurücklassen. Erst recht keinen, der ab fünf Uhr früh alle 30 Minuten aufs Neue losgeht. (Dieses Gebot gilt auch für Teenager mit erlesenem Musikgeschmack, die sich von Johann Sebastian Bach, Mahalia Jackson und anderen Grössen wecken lassen.)
2. Wenn du schon Gebot Nummer 1 nicht einhältst, dann sollst du deinen Eltern wenigstens den Code für dein Gerät geben, damit sie den Wecker bis zu deiner Rückkehr zum Schweigen bringen können.
3. Du sollst nicht die einzige sich im Haushalt befindliche volle Zahnpastatube mit in die Ferien nehmen.
4. Da du Gebot Nummer 3 ohnehin brichst: Du sollst nach deiner Rückkehr die jetzt natürlich nicht mehr ganz volle Zahnpastatube umgehend zurück ins Badezimmer stellen, damit sie der Tube, die deine Eltern in der Zwischenzeit gekauft haben, Gesellschaft leisten kann.
5. Da du dich selbstverständlich auch nicht an Gebot Nummer 4 hältst: Du sollst die jetzt natürlich nicht mehr ganz volle Zahnpastatube nicht bis zum nächsten Aufräumanfall in deinem Zimmer vergammeln lassen.
6. Du sollst nicht erst im letzten Moment vor der Abreise daran denken, dass du noch Kleider waschen musst.
7. Weil du Gebot Nummer 6 ohnehin übertreten wirst: Du sollst deinen Ärger über die zu langsam trocknende Wäsche nicht an deiner Mutter auslassen.
8. Du sollst erst recht nicht von deiner ziemlich grün eingestellten Mutter fordern, sie solle sich endlich einen Tumbler zulegen.
9. Du sollst nicht klammheimlich das Handykabel deines Bruders mitnehmen.
10. Du sollst die allerbeste, bei sämtlichen Familienmitgliedern beliebte Haarbürste zu Hause lassen.
11. Du sollst die Frage „Hast du uns vermisst?“ nicht wahrheitsgetreu beantworten, es sei denn, du hättest vor lauter Heimweh die ganze Woche nichts essen mögen.
12. Du sollst nicht behaupten, du hättest nichts mehr anzuziehen und müsstest ganz dringend shoppen gehen, ehe du deinen Koffer ausgepackt hast. (Dieses Gebot gilt auch dann, wenn dein Koffer drei Monate nach deiner Rückkehr noch immer in deinem Zimmer vor sich hin gammelt.)
13. Du sollst den Proviant, den du auf der Hinreise nicht hast aufessen mögen, nicht mehr mit nach Hause nehmen.
14. Du sollst keine Käfer und Seuchen aus dem Klassenlager mit nach Hause bringen.
15. Du sollst deine Packliste vor der Abreise sehr genau durchlesen und überprüfen, ob du alles dabei hast.
16. Weil du auch Gebot Nummer 16 missachtest: Du sollst nach deiner Heimkehr nicht jammern, du hättest es ohne Regenjacke, Sonnencreme und Shampoo kaum ausgehalten.
17. Du sollst dich nach der Rückkehr nicht über Schlafmangel beklagen. Es hat dir keiner befohlen, bis tief in die Nacht mit den anderen zu quatschen.

Sie können den Moment, in dem sie sich für ein paar Tage von dir verabschieden, kaum erwarten.
Sie finden es peinlich, wenn du sie noch einmal umarmen willst, bevor sie wegfahren.
Sie lachen dich aus, wenn du sagst, sie sollten gut auf sich aufpassen.
Sie lachen erst recht, wenn du fragst, ob sie dich vielleicht doch ein kleines bisschen vermissen werden.
Sie geben dir das Gefühl, ohne dich sei ihr Leben so viel spannender und lustiger.
Und doch greifen sie, kaum sind sie ein paar Stunden von zu Hause weg, zum Handy, um dir zu erzählen, was sie tagsüber alles erlebt haben.
Manchmal bist du ihnen halt einfach näher, wenn sie etwas weiter weg sind.

Keine Angst, ich werde euch nicht wieder mit einer dieser endlosen Glucken–Diskussionen langweilen. Ihr wisst ja inzwischen, wie wir zwei uns in die Haare geraten, wenn mal wieder loslassen gefragt ist. Der „arme kleine“ Karlsson – es geht bei der Glucke fast immer um ihn, denn als Ältester ist er gewöhnlich auch der Erste, der etwas Neues wagt – dieser „arme kleine“ Karlsson also ist ihrer Meinung nach stets vollkommen überfordert mit dem, was wir ihm zumuten. Viel lieber möchte er bei Mama und Papa bleiben, aber wir sind ja so kalt und herzlos und zwingen ihn dazu, hilflos flatternd das sichere Nest zu verlassen. Die ewig gleiche Leier halt…
Das aktuelle Theater dreht sich um Karlssons erste Auslandreise ohne elterliche Begleitung. Nach Italien? Eine ganze Woche lang? Ganz ohne Verwandte, nur in Begleitung von Lagerleitern, die selber fast alle noch grün hinter den Ohren sind? Wie können wir unserem armen Kleinen bloss so etwas zumuten?
Seit Tagen nun geht das schon so und heute hatte ich endgültig die Nase voll von ihrem Gejammer. „Vielleicht erinnerst du dich, dass ich exakt so alt war, wie Karlsson heute ist, als ich zu meinem Austauschjahr in die USA aufbrach. Ganz ohne Begleitung und mit damals noch ziemlich rudimentären Englischkenntnissen.“
Für einmal konnte mir die Glucke nichts entgegnen. Im Weggehen hörte ich sie aber brummen: „Ich hätte mich halt schon bei Karlssons Grosseltern etwas öfter einmischen müssen, dann würden ihn seine Eltern vielleicht jetzt nicht einfach so ziehen lassen.“

Schwimmkurs-Saison, wie wir sie uns vorstellen:
Am späten Mittwochnachmittag karren wir die Kinder, die noch Schwimmunterricht benötigen, zum Schwimmbad, sorgen dafür, dass sie sich umziehen und machen uns dann aus dem Staub, um zu erledigen, was sich innerhalb von vierzig Minuten eben so erledigen lässt. Pünktlich zum Kursende sind wir wieder zurück, um die nassen Kinder in Empfang zu nehmen. Vielleicht schaffen wir es gelegentlich auch mal ein paar Minuten früher, so dass wir kurz zuschauen können, wie das so läuft im Schwimmkurs.
Schwimmkurs-Saison, wie sie sich das Prinzchen – unser letzter Nochnichtganzschwimmer – vorstellt:
Am späten Mittwochnachmittag karren „Meiner“ und ich das Prinzchen zum Schwimmbad, begleiten ihn zum Umziehen, setzen uns dann zu allen anderen Eltern an den Rand des Schwimmbeckens, um jede einzelne Bewegung unseres selbstverständlich überaus talentierten und zum Olympiasieger prädestinierten Wunderkindes zu bewundern. Nach dem Kurs gibts haufenweise Lob und ein Brötchen für den völlig entkräfteten zukünftigen Superstar.
Wie der Kompromiss aussieht:
„Meiner“ lädt mich auf dem Weg zum Schwimmbad bei der Migros ab, damit ich schon mal mit dem Wocheneinkauf anfangen kann und karrt dann das Prinzchen zum Kursort, wo das Kind sich selbständig umziehen und in die Schwimmhalle begeben muss. Danach kaufen „Meiner“ und ich gemeinsam ein und weil wir inzwischen so geübt sind darin, unseren Einkaufswagen mit dem Nötigen zu füllen, schaffen wir es gerade noch, während der letzten zehn Minuten des Schwimmkurses mit allen anderen Eltern am Beckenrand zu sitzen, um so zu tun, als würden wir jede einzelne Bewegung unseres ganz und gar durchschnittlich begabten Nochnichtganzschwimmers zu bewundern.
Das Prinzchen ist glücklich mit diesem Kompromiss, denn so muss er nicht das einzige Kind in der Gruppe sein, das ohne elterliche Bewunderung schwimmen lernt. Wir hingegen fühlen uns wie die letzten Deppen, weil wir eigentlich der Meinung sind, unser Kind könne auch ohne unser andauerndes „Bravo, gut gemacht, Prinzchen!“ lernen, sich über Wasser zu halten.
Und trotzdem sitzen wir da und starren mit verzücktem Lächeln aufs Wasser…

„In deinem Alter ist man eigentlich nicht so richtig sich selber. Du kannst mir glauben, ich rede da aus Erfahrung.“
„Mach bloss keine Witze über mein Alter. Zweimal blinzeln und du bist auch schon vierzig.“
„Wenn du mal Kinder hast, wirst du mich verstehen.“
„Das nennst du modern? Genau so liefen wir in den Neunzigern auch rum.“
„Eines Tages wirst du wünschen, du hättest die viele Zeit noch, die du heute sinnlos vergeudest.“
„Du solltest dir wirklich Zeit nehmen für ein richtiges Frühstück. Glaub mir, der Tag wird so viel besser, wenn du etwas Gesundes im Magen hast. Wie? Du hast keine Zeit dafür? Dann steh doch einfach zehn Minuten früher auf.“
„Fang frühzeitig an zu lernen. Ich habe ja viel zu spät begriffen, was man mit Lernen alles erreichen kann, also mach nicht den gleichen Fehler wie ich.“
Manchmal, wenn ich mir beim Moralisieren zuhöre, sage ich nachher zu mir selber: „Ich glaube, wenn ich ein Teenager wäre, ginge ich mir ziemlich auf den Geist.“

Mein Favorit beim Einkaufen: „Hallo. Bist du auch hier?“ (Ich? Hier? Nein, gewiss nicht. Siehst du mich etwa irgendwo?)
Noch besser, ebenfalls beim Einkaufen: „Was tust du denn hier?“ (Na, was wohl? Meine Zehennägel schneiden natürlich.)
Morgens um Viertel vor neun am Telefon: „Grüezi Frau Venditti. Ist Ihr Mann zu Hause? Ich müsste ihn in einer dringenden schulischen Angelegenheit sprechen.“ (Natürlich. Er sitzt neben mir am Frühstückstisch und liest die Zeitung, während seine Schüler das Schulzimmer auf den Kopf stellen.)
Noch einmal am Telefon: „Frau Venditti, Sie erinnern sich bestimmt noch an mich. Ich habe Sie vor einem halben Jahr schon einmal wegen unseres sensationellen Luftreinigungssystems angerufen und Sie haben mir damals gesagt, ich dürfe mich später noch einmal bei Ihnen melden. Wie ich Ihnen damals schon erklärt habe…“ (Himmel, die glaubt doch nicht im Ernst, ich wüsste noch, wer mich vor einem halben Jahr angerufen hat? Ist ja eine Ewigkeit her. War ich da überhaupt schon auf der Welt?)
Am Rand des Schwimmbeckens, wo die Kinder gerade unter fachkundiger Anleitung lernen, sich über Wasser zu halten: „Es tut mir jedes Mal weh, wenn ich die hundertsechzig Franken für den Schwimmkurs locker machen muss.“ (Ja ja, die Kunst, nicht abzusaufen ist eindeutig überbewertet…)
Zuweilen bekommt man auch ganz tolle Mails: „Dürfen wir Sie zu unserer Präsentation in Paris einladen? Wir freuen uns, Sie am kommenden Montag von 9:30 bis 11:30 im XVII-ième Arrondissement zu begrüssen, um Ihnen unsere Produkte vorzustellen.“ (Wissen die eigentlich, wie weit es von hier nach Paris ist? Da bin ich nie und nimmer rechtzeitig zurück, um das Mittagessen auf den Tisch zu bringen.)
Dann natürlich überall, ob in den sozialen Medien oder im direkten Gespräch, das Gejammer, das mich immer mehr auf die Palme treibt: „So ein Mist! Morgen soll es regnen. Und das im September. Wir sollten doch jetzt Sommerwetter haben!“ (Seit wann ist Regen im Sommer verboten? Und will man jetzt dem Sommer auch noch verbieten, sich in seinen allerletzten Tagen allmählich davonzuschleichen, um dem Herbst Platz zu machen? Und was habt ihr Sommerfanatiker eigentlich gegen Regenabende, an denen ihr es euch mit einem dicken Schmöker, einer Tasse Tee und einer weichen Decke gemütlich machen könnt?)

Vor lauter Haushaltärger habe ich die schönen Dinge ein wenig aus den Augen verloren, dabei gibt es doch so vieles, worüber ich mich freuen kann:
Ein letztes Bad im Aarekanal, danach ein ausgedehntes Picknick mit lieben Freunden.
Das Prinzchen, das spät am Abend noch wach im Bett sitzt und aus voller Kehle seine selbst erfundenen Melodien schmettert.
Bekocht und umsorgt zu werden von herzensguten Menschen, die finden, wir hätten eine Auszeit vom Badewannen-Abwasch verdient.
Ein Abendspaziergang mit „Meinem“ und der Katze, die uns in der Dunkelheit nicht ohne ihren Schutz ziehen lassen will.
Die Artischockenernte, die zwar nicht überreich, aber doch reicher als erwartet ausgefallen ist.
Karlsson, der sich an der neuen Schule fühlt, wie ein Fisch im Wasser.
Malven, Astern, Dahlien, Phlox, Herbstanemonen, Scabiosen und Prachtkerzen, die um die Wette blühen.
Jede einzelne kostbare Minute, in der ich nichts über Pokémon hören muss.
Luise und der Zoowärter, die sich nach schwierigen Zeiten wieder aufgerappelt haben und zu ihrer alten Lebensfreude zurückfinden.
Ein Birnbaum, den wir schon längst aufgegeben hatten, der nun zum ersten Mal in seinem Leben wunderschöne Früchte trägt.
Der FeuerwehrRitterRömerPirat, der immer sogleich fühlt, wenn jemand Aufmunterung braucht.
Nach sehr langer Zeit wieder mal eine neue Idee in meinem Kopf, die sich vielleicht eines Tages zu etwas Gutem weiterspinnen lässt.

Der schulische Informationsanlass, den Karlsson und ich heute gemeinsam besuchten, war erstens erstaunlich früh fertig und bot zweitens ziemlich viel Gesprächsstoff. Also beschlossen wir, uns in einem Strassencafé in Ruhe über das Gehörte zu unterhalten. Da mein bevorzugtes Café mal wieder bis auf den letzten Platz besetzt war, liessen wir uns ein paar Schritte weiter vorne nieder. Dort anwesend: Eine Handvoll Gäste, die meisten bereits satt und nur noch am Austrinken, eine Kellnerin, ein Kellner (vermutlich der Chef) und später ein weiterer Kellner.
20:30 Da sitzen wir also, Karlsson und ich. Kellnerin und Chef registrieren zwar unsere Anwesenheit, machen aber keine Anstalten, uns zu grüssen oder gar nach unseren Wünschen zu fragen.
20:35 Wir werden noch immer ignoriert.
20:40 Die Kellnerin nähert sich allmählich unserem Tisch.
20:42 Die Kellnerin wischt den Tisch zu unserer Rechten, grüsst uns knapp.
20:43 Die Kellnerin starrt mich erwartungsvoll an.
20:44 „Essen Sie, oder wollen sie nur etwas trinken?“, fragt die Kellnerin jetzt endlich. „Nur etwas trinken und vielleicht ein Dessert für meinen Sohn“, antworte ich.“ Der Chef, der offenbar mitgehört hat, obschon er so getan hat, als ignoriere er uns weiterhin, eilt sofort zu unserem Tisch und überreicht mir die Dessertkarte.
20:46 Karlsson und ich wären jetzt bereit, etwas zu bestellen, aber man ignoriert uns wieder.
20:50 Wir werden weiterhin ignoriert.
20:55 Die Kellnerin macht sich jetzt am Tisch zu unserer Linken zu schaffen, lächelt mir kurz zu und ich denke schon, sie werde gleich kommen, um die Bestellung aufzunehmen.
20:56 Die Kellnerin verschwindet im Lokal. Ohne unsere Bestellung, natürlich.
21:00 Karlsson und ich überlegen, ob wir gehen sollen. „Jetzt kommt sie dann gleich mit ihren Gläsern vorbei“, sage ich. „Wenn sie uns diesmal wieder ignoriert, sind wir weg.“
21:01 Plötzlich viel Action. Die Kellnerin wetzt an unserem Tisch vorbei und verschwindet wieder im Lokal. „Gehen wir“, sagt Karlsson, doch wie aus dem Nichts erscheint plötzlich der dritte Kellner neben unserem Tisch. Ob wir schon bedient würden? Nicht? Na, zum Glück sei jetzt gerade seine Pause vorbei. Wir können also endlich unsere Wünsche anbringen. Kaum ist er weg, kommt der Chef. Ob wir schon bestellt hätten? Er geht, die Kellnerin kommt, auf dem Tablett zwei Tassen Kaffee. „Wie, die sind nicht für Sie?“ Ganz bestimmt nicht. Wo sie uns doch gar nie die Chance gegeben hat, etwas bei ihr zu bestellen.
21:05 An unserem Tisch ist wieder Ruhe eingekehrt, Karlsson und ich warten.
21:15 Karlsson bekommt seinen alkoholfreien Drink, ich meinen Milchkaffee. „Wie gewünscht ungesüsst“, säuselt der Kellner und legt mir zwei Beutelchen Zucker neben die Tasse. Der Kaffee ist lauwarm, aber das erfährt nur Karlsson, denn ich rechne nicht damit, noch einmal die Aufmerksamkeit des Personals zu bekommen, ehe das Gebräu gänzlich erkaltet ist.
21:25 Meine Tasse ist leer, Karlssons Glas ist halbleer (An diesem Ort kann man nun wirklich nicht Optimist genug sein, um es halbvoll zu nennen). Karlssons Dessert wird serviert. Sieht nicht sehr gefroren aus, das Eis.
21:40 Zeit, nach Hause zu gehen. Zum ersten Mal an diesem Abend müssen wir uns nicht um die Aufmerksamkeit des Personals bemühen. Ich glaube, der Kellner hatte sein Portemonnaie schon offen, bevor ich meines überhaupt aus der Tasche hervorgekramt hatte. Dabei wäre doch jetzt ein Bekannter zu uns gestossen, mit dem wir uns so nett unterhalten, dass wir ganz gut noch eine Weile auf die Rechnung warten könnten.

Neben meinem Bett stapeln sich wieder Bücher. Richtige Bücher. Also Lektüre, deren Inhalt man durchaus mal in ein angeregtes Gespräch einfliessen lassen darf, ohne dabei zu erröten. Nicht mehr dieser oberflächliche Kram, mit dem ich mich während der Kleinkinderjahre über Wasser gehalten habe, weil ich fürchtete, ich würde das Lesen am Ende noch verlernen. Ich fürchte mich vor dem Tag, an dem ich meine Bücherregale ausmisten muss, weil ich dann die ganzen Peinlichkeiten noch einmal in die Hand nehmen muss, um sie im Altpapier zu entsorgen. (Jawohl, so schlecht waren die Bücher, dass ich, die ich gewöhnlich keine Bücher wegschmeisse, genau dies tun werde, ohne mit einer Wimper zu zucken.)
An heissen Tagen spazieren wir nicht mehr mit sehnsüchtigem Blick der Aare entlang und malen uns aus, wie erfrischend es doch wäre, sich im Fluss treiben zu lassen. Stattdessen lassen wir keine Gelegenheit aus, mit allen Kindern, die gerade Zeit und Lust haben, in den Kanal zu steigen. Mal mit allen fünf, mal nur mit dem FeuerwehrRitterRömerPiraten, mal mit den drei Jüngsten, mal mit den zwei Ältesten, aber stets äusserst zufrieden, weil wir jetzt tun können, was noch vor einem Jahr nahezu unvorstellbar gewesen wäre.
Familienausflüge werden wieder bezahlbar, weil Karlsson und Luise kein Interesse mehr haben an Zoo, Zirkus & Co. Nur mit den drei Jüngsten im Schlepptau sind wir wieder ganz und gar familientickettauglich. Und weil diese Besuche nach einer langen Dürreperiode von „Das ist alles viel zu teuer und ausserdem sind wir viel zu müde, um sonntags noch auszufliegen“ stattfinden, sind das Prinzchen, der Zoowärter und der FeuerwehrRitterRömerPirat ungemein begeisterungsfähig. Auch „Meinem“ und mir hat die Pause gut getan. Wir seufzen jetzt nicht mehr: „Schon wieder Zirkus…“, sondern sind dankbar, dass wir für ein paar Stunden in eine ganz und gar kindliche Welt ohne Pubertätsdramen abtauchen dürfen.
Auch der Menüplan verändert sich, wenn auch erst schrittchenweise. Das Prinzchen und der FeuerwehrRitterRömerPirat verharren zwar stur in ihrer „Was der Bauer nicht kennt…“-Haltung, aber dem Rest der Familie kann ich Auberginen und Pilze vorsetzen, ohne sie bis zur Unkenntlichkeit verarbeiten zu müssen. Als der FeuerwehrRitterRömerPirat neulich meinte, er könne die Kürbissaison kaum erwarten, wusste ich, dass auch sein Lieblingsessen nicht für immer und ewig Pasta mit Ketchup bleiben wird.
Ach ja, natürlich singe ich abends auch keine Schlaflieder mehr, eine Veränderung die mir, im Gegensatz zu den oben genannten, ganz und gar nicht willkommen ist.
