Schlafverschwendung

Früh aufstehen ist eine Qual, darin sind wir uns hoffentlich einig. (Nein, bitte lasst es mich NICHT wissen, wenn ihr das anders seht. Es würde meinem positiven Bild, das ich von euch da draussen habe, einen schlimmen Kratzer verpassen und ich weiss nicht, ob ich eure Kommentare danach noch freundlich beantworten könnte.) Also, früh aufstehen ist eine Qual und jede Sekunde, die man länger im Bett bleiben darf, ist ein kostbares Geschenk, das es mit Schnarchen und Kuscheln gebührend zu würdigen gilt. Lässt man seine Knöpfe also jeden Morgen so lange schlafen, wie es nur irgend möglich ist, ohne dass sie zu spät zur Schule kommen, erweist man ihnen einen wunderbaren Dienst, für den sie einem gefälligst auf den Knien danken sollen. 

So sehe ich das und darum war meine Erklärung für das allmorgendliche „Ich will nicht zur Schule“-Theater, das uns der FeuerwehrRitterRömerPirat seit Jahr und Tag aufführt, naheliegend: Das Kind hasst die frühen Morgenstunden ebenso sehr wie ich. Lassen wir ihn also so lange schlafen, wie es nur geht, dann kommt das schon gut. Es kam…na ja, wie soll ich sagen? Nicht so gut. Immer nur antreiben, mit Belohnungen ködern, drohen, neben ihm sitzen, damit er sich endlich anzieht… Das volle Programm, das im Erziehungsratgeber allerhöchstens unter der Rubrik „Auf gar keinen Fall so!“ auftaucht. Ein elender Teufelskreis, aus dem wir alle erst ausbrechen konnten, als „Meiner“ beschloss, nicht mehr mitzuspielen.

„Dann sieh doch selber, wie du in die Schule kommst“, sagte er eines Tages und weckte den Jungen fortan frühmorgens um sechs, also ganze neunzig Minuten bevor er aus dem Haus muss. (Wenn ihr mich fragt, grenzt so etwas an Kindesmisshandlung, aber mich fragt ja mal wieder keiner…) Und was tat unser bis anhin so störrische Dritte? Trödelte am Frühstückstisch. Trödelte beim Anziehen. Trödelte auf dem Sofa rum. Trödelte beim Zähneputzen. Trödelte neunzig Minuten lang fröhlich vor sich hin (und zog sich dabei mein „GEO Epoche“ über die RAF rein, weshalb er mich jetzt andauernd nach Menschen fragt, die er sich auf gar keinen Fall zum Vorbild machen soll). Trotzdem war er früher aus dem Haus als je zuvor, aufgedreht und fröhlich wie sonst noch nicht mal am ersten Schultag.

Bedenklich, finde ich, aber ich muss wohl lernen, damit zu leben, dass es Menschen gibt, die fröhlich auf fünfundvierzig Minuten kostbaren Schlafes verzichten, nur um eine geschlagene Viertelstunde damit vergeuden zu können, sich zwei Socken über die Füsse zu ziehen. 

l' heure bleue; prettyvenditti.jetzt

l‘ heure bleue; prettyvenditti.jetzt

Kleinigkeiten

Denkwürdiges hat sich ereignet an diesem letzten Erstklässler-Schnuppermorgen, den ich als Mutter im Hintergrund miterlebe. Nach aussen hin sah alles aus wie immer schon. Kurz nach acht verliess ein kleines Prinzchen mit stolzgeschwellter Brust und dem viel zu grossen Schulsack am Rücken das Haus, kurz vor zwölf kam er noch etwas stolzer, mir vor Aufregung glühenden Wangen und einer übergrossen Leuchtweste wieder zurück. Aus dem Schulsack zauberte er, was seine Geschwister an diesem wichtigen Tag jeweils ebenfalls gezaubert hatten: Die erste Hausaufgabe, einen Elternbrief und den Stundenplan. Soweit also nichts Besonderes. 

Ich stellte ein paar interessierte Fragen, sah mir die Blätter genauer an und dann stockte mir der Atem. Was sah ich da? Ein kleines, buntes Clipart auf dem Stundenplan. Gar zwei kleine, bunte Cliparts auf dem Hausaufgabenblatt, dazu noch die Worte „Ich freue mich auf Dich!“ Noch nie – ich schwöre es – noch gar nie in meiner Karriere als Mutter habe ich nach einem Schnuppermorgen in der ersten Klasse solche Dinge gesehen. In der Dritten schon, in der Fünften auch, ab und zu sogar in der Oberstufe, nicht aber in der Ersten. Dort gab es bis jetzt nur nüchterne Tabellen in Schwarzweiss, der Begleitbrief für Kinder und Eltern sogar noch nüchterner. Die Kleinen hätten sonst ja noch auf die Idee kommen können, in der Schule gehe es so bunt und fröhlich weiter wie im Kindergarten.

„Alles nur Äusserlichkeiten“, brummt jetzt vielleicht der eine oder andere Zyniker und ich wünschte, es wäre so. Doch die Nüchternheit herrschte nicht nur auf dem Papier, sondern auch im Unterricht. Auch in Situationen, wo eine Prise Empathie oder ein Hauch von Humor nicht geschadet hätten. So war das nicht nur bei Karlsson, Luise, dem FeuerwehrRitterRömerPiraten und dem Zoowärter, sondern auch bei vielen anderen Kindern, die schnell einmal die Begeisterung des Schnuppermorgens ablegten und sich mit mehr oder weniger Verbissenheit durch die ersten zwei Schuljahre kämpften. 

„Du gibst dich aber mit wenig zufrieden. So ein Clipart sagt doch noch überhaupt nichts aus“, mögen mir andere entgegenhalten und das stimmt natürlich. Dennoch lassen mich diese Kleinigkeiten hoffen, dass das Prinzchen etwas fröhlicher in die Schule einsteigt als seine grossen Geschwister. 

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Wir müssen reden…

„Frau Venditti, Ihr Sohn hat gestern…“

„Da müssen wir wirklich mal über die Bücher, Frau Venditti. Es läuft mit ihm einfach nicht, wie es sollte.“

„Frau Venditti, könnten Sie bitte dafür sorgen, dass er…“

„So kommen wir nicht weiter, Frau Venditti. Er sollte unbedingt…“

Was auch immer wir tun, die Sätze, die wir zu hören bekommen, ähneln sich alle irgendwie. Richten wir unser Augenmerk auf die eine Sache, läuft es in einem anderen Bereich schief und wenn wir glauben, jetzt sei mal alles in Butter, erfahren wir, dass dennoch etwas krumm gelaufen ist. Er fühlt sich schlecht, weil wir wieder schimpfen, wir fühlen uns schlecht, weil wir wieder dastehen, als würden wir uns nicht kümmern. Es will einfach nicht gelingen, weder ihm noch uns, darum fange ich an, sie zu fürchten, diese „Frau Venditti, wir müssen reden“-Sätze.

Was bin ich froh, dass in diesen Tagen vorzugsweise „Meiner“ ans Telefon geht. Irgendwie befreiend, wenn es zur Abwechslung mal heisst: „Herr Venditti, wir müssen reden…“

(Ach ja, was ich noch sagen wollte: Wir glauben trotzdem an ihn. Da gäbe es nämlich auch Qualitäten zu entdecken, nicht nur Probleme.)

 

Theoretisch

Schon als kleines Kind sah ich mir immer und immer wieder einen Bildband zum Thema an. Mehr oder weniger heimlich, weil ich irgendwie ahnte, dass die schrecklichen Bilder nicht für Kinderaugen vorgesehen waren.

Seit ich lesen kann, habe ich immer wieder Bücher darüber gelesen, lese auch heute noch. Biographien, Erlebnisberichte, wissenschaftliche Abhandlungen, Fiktion, auch ein paar Werke, die hitzige Debatten unter Historikern ausgelöst haben.

Am Gymnasium habe ich mal eine Arbeit darüber geschrieben. Auf italienisch, zu einem Aspekt, der nach Meinung des Geschichtslehrers gar keiner war. Eine Meinung, die sich nach ausgiebiger Lektüre als falsch herausstellte, was für mich trotz des traurigen Themas ein Glück war, denn sonst hätte ich noch einmal von vorne anfangen müssen mit meiner Arbeit – die allererste übrigens, die ich am Computer verfasst habe. 

Die Vorlesungen an der Uni waren immer bis auf den allerletzten Platz besetzt, wenn es um diese elenden Jahre der Menschheitsgeschichte ging und als eine, die zur Uni pendelte, musste ich immer sehr früh aufstehen, damit ich mich auch noch irgendwo in die vollen Reihen quetschen konnte. 

Die Artikel zum Thema sind der Hauptgrund, warum ich mir ein vollkommen überteuertes „Spiegel“-Abo auf dem iPad leiste. 

Kein Zweifel, ich weiss ziemlich viel über diese Zeit und doch musste ich heute im Kalender nachschauen, weshalb der 8. Mai in Frankreich ein Feiertag ist. Vermutlich, weil ich aus einem Land stamme, in dem man sich so leicht einreden kann, das Schreckliche, das vor 70 Jahren Gott sei Dank zu Ende gegangen ist, habe sich auf irgend einem fremden Stern abgespielt und darum habe dieser Tag für uns keine allzu grosse Bedeutung. 

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Kinderlose Kinderexperten

Meine kinderlosen Freundinnen sind Gold wert. Mit ihnen kann ich über die Dinge quatschen, die sich außerhalb meiner Mamawelt abspielen. Sie erfahren von mir, was sie ohne Kinder verpassen (und was nicht), ich lerne von ihnen, wie man die Dinge auch noch sehen könnte, wenn man sie nicht immer im Hinblick auf die eigenen Kinder betrachtete. Bei ihnen kann ich auch mal ungehemmt darüber lästern, wie sehr mir der Tanz ums goldene Kind, den manche Mütter veranstalten, auf den Geist geht. Im Gegenzug berichten sie mir schonungslos offen über die Abgründe des „Single-WG-wie soll meine Zukunft aussehen?“-Lebens. Kurzum, sie sind eine echte Bereicherung, diese Frauen. 

Was ich hingegen nicht ertragen kann, sind kinderlose Menschen, die Kinder und Teenager nur vom Hörensagen und vor allem aus den Medien kennen und sich dennoch für Experten halten. Menschen, mit denen man solche Gespräche führt (Dieses hier ist übrigens fiktiv, leider aber nicht frei erfunden.): 

Ich: „Meine Tochter ist in den Ferien jeweils sehr viel experimentierfreudiger mit ihrem Kleiderstil. Dann trägt sie Dinge, die sie für die Schule nie anziehen würde.“

Mein Gegenüber seufzt tief, legt die Stirn in sorgenvolle Falten und sagt: „Ja, das ist heutzutage einfach schlimm mit diesem Markenwahn. Die Kinder trauen sich ja nicht mehr aus dem Haus, wenn sie nicht die richtigen Klamotten tragen…“

„So habe ich das nicht gemeint“, unterbreche ich, um mir nicht den ganzen Markenkleider-Sermon, den ich inzwischen in- und auswendig kenne, anhören zu müssen. „An unserer Schule ist das eigentlich kein Problem…“

Weiter komme ich nicht, bevor mein Gegenüber ins Wort fällt: „Nein, glaub mir, die Kids leiden richtig. Wenn die die falschen Schuhe an den Füssen haben, werden die verprügelt. Ich habe neulich diesen Artikel gelesen…“

Jetzt ist es an mir, unhöflich zu sein: „Ich weiss, an manchen Schulen läuft das tatsächlich so, aber bei uns schlagen wir uns mit anderen Themen rum. Meine Tochter ist halt jetzt einfach in dem Alter, in dem man nicht auffallen will…“

„Das ist es genau, was ich meine“, unterbricht mich mein Gegenüber schon wieder. „In dem Artikel haben sie diese bekannte Jugendpsychologin zitiert…wie heisst sie nochmal?… Ach, ist ja auch egal, aber auf alle Fälle hat sie gesagt, die Kids wollten auf gar keinen Fall mehr auffallen, weil sie sonst…“

So geht das dann so lange weiter, bis die Person meine Aussage über Luises Kleiderstil so weit zurechtgebogen hat, dass sie als Beleg für die Thesen aus dem Zeitungsartikel herhalten kann. Und bis ich mir überlege, ob ich der Person einen Praktikumsplatz bei uns zu Hause anbieten soll, damit sie mal Kinder und Teenager in freier Wildbahn erleben kann. 

Noch Fragen, warum ich solche Menschen nicht zu meinem Freundeskreis zähle?

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Schulsack

Ein letztes Mal mit einem zukünftigen Erstklässler auf Schulsack-Suche. Ein letztes Mal „Nimm doch lieber den mit den Elefanten, der mit dem Flugzeug ist langweilig.“ Ein letztes Mal: „Nein, nimm den nicht. Mit dem schämst du dich, wenn du in der Dritten oder in der Vierten bist.“ Ein letztes Mal Gegensteuer geben, weil das Verkaufspersonal die Kinder mit grellen Extras ködern will, Extras, die im Schulalltag ganz schnell an Glanz verlieren und dann hat man ihn, den langweiligsten Schulsack aller Zeiten. Ein letztes Mal die Diskussion, ob man dazu auch noch ein Znüniböxli braucht, eine Trinkflasche und den passenden Turnsack. Ein letztes Mal „Möchtest du ein Sugus?“, bevor das Geld einkassiert wird. Ein letztes Mal Luft anhalten, weil das Zeug immer ein halbes Vermögen kostet. (Ja, ich hab‘ die Luft angehalten, auch wenn diesmal nicht unser Konto belastet wird.) Ein letztes Mal die Spannung der Geschwister: „Zeig her, was hast du gewählt?“ Ein letztes Mal der Gedanke, dass ich ja einen anderen genommen hätte, aber dass das Kind trotzdem ziemlich guten Geschmack bewiesen hat. 

Aber ganz bestimmt nicht zum letzen Mal der Gedanke: „Himmel, könnte mal bitte einer die Zeit anhalten? Mir geht das irgendwie alles zu schnell.“

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Schülerkonzertgedanken

Was mir an einem Schülerkonzert so alles durch den Kopf geht:

Ich glaube, das mit der Yellow Submarine haben sich die Beatles ein wenig anders vorgestellt.

Sind sie nicht wunderbar, meine musizierenden Kinder?

Eines Tages wird die Menschenrechtskonvention erkennen, dass die Musik von Ludovico Einaudi zu Folterzwecken missbraucht werden kann und deswegen verboten gehört.

Ich weiss, dass meine Kinder nicht wunderbarer sind als alle anderen Kinder auch, aber sind sie nicht wunderbar?

Gibt es einen herzerwärmenderen Anblick als ausgewachsene Teenager, die mit Begeisterung ihre Musikinstrumente traktieren?

Ist er nicht wunderbar, mein kleiner Prinz, der andauernd auf einem imaginären Klavier spielt, währenddem er zuhört, wie die anderen musizieren?

Gibt es einen herzerwärmenderen Anblick als ein Kleinkind, das bei jedem Musikvortrag – egal, ob klassisch, rockig oder sonst was -, vor lauter Begeisterung nicht mehr an sich halten kann?

Ist er nicht wunderbar, mein Zoowärter, der im Publikum sitzt und mir erklärt, die Musik, die da gespielt werde, sei der perfekte Soundtrack zu dem, was in seiner Phantasie gerade ablaufe?

Schon eigenartig, dass man bei solchen Anlässen seit Jahren schon immer die gleichen Familien sieht. Und andere Familien nie. 

Himmel, ja, sie sind wunderbar, deine Kinder, aber kannst du jetzt mal aufhören mit deiner Schwärmerei, du elende Glucke?

Gar nicht schlecht, die Idee, das Programm ein wenig zu straffen und das Publikum ins Dunkle zu setzen. So herrscht endlich mal Ruhe im Saal und die Kinder müssen nicht gegen das ewige Geschwätz anspielen. 

Schweig, Glucke, ich will dich nicht mehr hören!

Wäre das ein Sportanlass, hätte es bestimmt etwas mehr Dorfprominenz hier.

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Schulbesuchstag, 785. Ausgabe (oder so)

Eigentlich müsste ich ja gar nicht mehr hingehen. Ich kenne die Lehrer, die Lehrer kennen mich und der Unterricht ist wie er immer schon war, mal spannender, mal langweiliger. Prinzchen, Zoowärter und FeuerwehrRitterRömerPirat aber wünschen sehnlichst meine Anwesenheit, und sei sie noch so kurz, weil ich fünf Besuche in zwei Tage quetschen muss.

Luise hingegen will auf gar keinen Fall, dass ich komme. Der Besuch bei ihr ist also eine heilige Pflicht, denn die einzige Rolle, die sie mich in ihrem Leben noch spielen lässt, ist jene der peinlichen Mutter und dieses Engagement nehme ich sehr ernst. (Wie ernst? So ernst, dass ich im Englischunterricht beinahe aufgestreckt hätte, um einen Adverb-Fehler auf dem Arbeitsblatt zu korrigieren, aber ich hab’s dann bleiben lassen, weil die Lehrerin ihre Sache sonst ganz gut macht.)

Na ja, und Karlsson – der mir ganz gerne seine Lehrer präsentiert – hätte eigentlich gewünscht, ich wäre bereits am Montag gekommen, damit er seine lineare Erörterung nicht schreiben muss, aber diesen Gefallen konnte ich ihm beim besten Willen nicht tun, denn sonst würden unsere Gespräche noch länger im folgenden Muster verlaufen: „Welches Thema soll ich denn nehmen, Mama?“ – „Nimm doch….“ – „Nein, das ist Scheisse.“ – „Dann nimm halt…“ – „Nein, haben wir im Unterricht schon gemacht.“ – „Dann eben….“ – „Sicher nicht! Das machen schon alle anderen.“ – „Und warum nicht…?“ – „Auf gar keinen Fall. Ist ja total bescheuert.“

Man sieht also, meine Gründe für mein andauerndes Rumhängen in Schulzimmern sind so vielfältig wie unsere Kinder. Und wenn man erst mal dort ist, wird’s ganz amüsant, weil man endlich mal mit den Müttern quatschen kann, die man sonst nie sieht. Dann stehen wir in der Ecke rum, tratschen über dies und jenes und fragen uns, ob die Kinder es überhaupt noch wahrnehmen, wenn die Lehrerin alle zwei Minuten entnervt „Schhhhhhhh“ macht.

Okay, es hat eine Weile gedauert, bis ich einen auffälligen Zusammenhang zwischen ihrem „Schhhhhhhh“ und meinem Kichern erkannt habe. Ich bin dann ein Zimmer weiter gezogen, um den Unterricht nicht länger zu stören. 

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Wenn Papa mitmischt,…

…dann ist das grundsätzlich eine ganz und gar gute Sache. Väter sind in meinen Augen ebenso wichtig wie Mütter und ich könnte und wollte den Karren nicht ohne „Meinen“ aus dem Dreck ziehen. Eine klarere Abgrenzung, wer wofür zuständig ist und wer zu welchem Zeitpunkt von wem übernimmt, wäre aber zuweilen wünschenswert. Zum Beispiel in der Sache mit dem Velo.

„Am Montag, 23. März müssen die Kinder mit dem Velo zur Schule kommen. Bringen Sie das Fahrzeug vorher noch zum Mechaniker, damit alles in Schuss ist“, so oder so ähnlich sprach die Lehrerin zu „Meinem“, als er vor drei Wochen zum Elterngespräch antrabte. „Wird gemacht“, versprach „Meiner“ und vereinbarte auf dem Heimweg mit dem Kind, dass es das Rad selber zum Mechaniker bringen würde.

Von alldem bekam ich nichts mit, ich erfuhr erst vor etwa neun Tagen von der Sache, als das Kind zu mir sagte: „Papa sagt, ich soll das Velo zum Mechaniker bringen, damit am übernächsten Montag alles in Ordnung ist.“ „Okay, tu das“, antwortete ich. „Kann ich auch erst morgen gehen?“, fragte das Kind. „Von mir aus, hast ja noch genug Zeit“, gab ich zurück. Dann hörte ich nichts mehr von der Sache, mal abgesehen von den Gesprächsfetzen zwischen „Meinem“ und dem Kind. „Die scheinen die Sache im Griff zu haben“, murmelte ich und kümmerte mich um andere Angelegenheiten.

Ich hörte erst heute früh wieder davon, als das Kind mit tränenüberströmtem Gesicht vor mir stand: „Das Velo hat einen Plattfuss und beim Mechaniker waren wir auch nicht und ich hab Papa doch gesagt, dass ich mich nicht traue, alleine hinzugehen“, heulte das Kind. „Einen Helm habe ich auch nicht mehr“, schluchzte es dann noch leise, doch das ging in meiner Schimpftirade fast schon unter. Mein Zorn war erst gerade am Hochköcheln, als die Lehrerin anrief. Sie war natürlich vollkommen ausser sich und das zu Recht, stand sie doch mit einem Trupp Viertklässler abfahrbereit auf dem Pausenhof und wartete auf mein Kind, das mal wieder darauf gehofft hatte, das Problem würde sich in Luft auflösen, wenn man es nur lange genug vor sich herschiebt. 

Nun, das Problem hatte sich natürlich nicht aufgelöst, es stand plattfüssig und ohne funktionierendes Hinterlicht bei uns im Garten und wartete darauf, Luft in seinen Hinterreifen gepumpt zu bekommen. Bloss wie, wo doch das Ventil kaputt gegangen war – vermutlich, als das Kind versucht hatte, den Reifen selber zu pumpen? Ich tat, was alle schlechten Mütter in einem solchen Moment tun: Ich fuhr aus der Haut. Das volle Programm, so laut, dass es wohl die ganze Nachbarschaft gehört hat. Ich erspare euch die Details, küren wir die Szene doch einfach zum erzieherischen Tiefstpunkt des Monats, der im absolut herzlosen Ausruf „Heulen bringt jetzt auch nichts mehr! Hättest du mich früher um Hilfe gebeten, hätte ich dir helfen können, aber jetzt ist es zu spät“ gipfelte.

Das Kind ging traurig weg. Zu Fuss, weil das Ersatzvelo zu gross und auch nicht ganz im Schuss ist. Und ich? War traurig, weil ich es schon im Morgengrauen ganz gewaltig vergeigt habe. Wütend, weil „Meiner“ die Sache nur angerissen, nicht aber zu Ende geführt hat. Verärgert, weil ich nicht gespürt hatte, dass das vermehrte „Ich hab‘ Bauchweh“ des Kindes wohl ein versteckter Hinweis auf die Velo-Geschichte gewesen wäre. Und beschämt, weil ich jetzt wieder als die Mama dastehe, die sich nicht kümmert, denn genau das denken die Lehrer, wenn solche Dinge passieren. Auch dann, wenn der Papa im Familienleben mitmischt und darum ebenso viel zum Guten und zum Schlechten beiträgt wie die Mama. 

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Lehrerfortbildung

„Meiner“ befindet sich derzeit bekanntlich in einer längeren Lehrerweiterbildung und da mir in den letzten Jahren ein kritischer Blick auf die Schule zur Gewohnheit geworden ist, kann ich mir eine gewisse Belustigung nicht verkneifen, wenn der Herr Gemahl mir abends von seinem „Schultag“ berichtet. (Von den Bastelarbeiten, die er nach Hause bringt, reden wir an dieser Stelle nicht. Ich frage mich einfach, ob man die auch über Jahre aufbewahren muss, weil sie – na ja, wie soll ich sagen? – sich nur geringfügig von Prinzchens Kindergartenbasteleien unterscheiden.) Am Dienstag zum Beispiel werden die gestressten Lehrkräfte jeweils mit Entspannungsmethoden bekannt gemacht, die ihnen helfen sollen, im Schulzimmer kühlen Kopf zu bewahren und nicht auszubrennen. Heute früh auf dem Programm: Yoga.

Gerade so, als wäre das eine revolutionäre neue Sache, von der hierzulande noch keiner je gehört hat. Als würde sich nicht bereits jetzt die Hälfte aller Lehrkräfte nach der wöchentlichen Endlossitzung ins Yogastudio flüchten. Als würden die alten Hasen nicht vor Langeweile einschlafen, wenn sie einen Vormittag lang so tun müssen, als wären sie blutige Anfänger. Als wüssten die Organisatoren nicht, dass heutzutage einzig die Menschen kein Yoga machen, die kein Yoga machen wollen

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