Wir müssen reden…

„Frau Venditti, Ihr Sohn hat gestern…“

„Da müssen wir wirklich mal über die Bücher, Frau Venditti. Es läuft mit ihm einfach nicht, wie es sollte.“

„Frau Venditti, könnten Sie bitte dafür sorgen, dass er…“

„So kommen wir nicht weiter, Frau Venditti. Er sollte unbedingt…“

Was auch immer wir tun, die Sätze, die wir zu hören bekommen, ähneln sich alle irgendwie. Richten wir unser Augenmerk auf die eine Sache, läuft es in einem anderen Bereich schief und wenn wir glauben, jetzt sei mal alles in Butter, erfahren wir, dass dennoch etwas krumm gelaufen ist. Er fühlt sich schlecht, weil wir wieder schimpfen, wir fühlen uns schlecht, weil wir wieder dastehen, als würden wir uns nicht kümmern. Es will einfach nicht gelingen, weder ihm noch uns, darum fange ich an, sie zu fürchten, diese „Frau Venditti, wir müssen reden“-Sätze.

Was bin ich froh, dass in diesen Tagen vorzugsweise „Meiner“ ans Telefon geht. Irgendwie befreiend, wenn es zur Abwechslung mal heisst: „Herr Venditti, wir müssen reden…“

(Ach ja, was ich noch sagen wollte: Wir glauben trotzdem an ihn. Da gäbe es nämlich auch Qualitäten zu entdecken, nicht nur Probleme.)

 

10 Kommentare zu “Wir müssen reden…

  1. Oh wie schön dass du das sagst. Wir kennen diese Gespräche auch nur zu gut und denken jedes mal: Seht doch mal hin! Der kleine Mann hat so viele tolle Seiten und seine Kernkompetenz ist halt eher im sozialen als im schulischen Bereich zu suchen. Und wenn ich noch einmal das Wort „Zeitmanagment“ im Zusammenhang mit nem achtjährigen Jungen höre, schreie ich. Aber das ist ein langes Thema. Ich wünsche Dir viel viel Luft zum langsamen Ausatmen 😉😉😉😉 Lg Betty

    • Danke, gleichfalls! Zeitmanagement mit acht? Himmel, ich kenne allzu viele Erwachsene, die von Zeitmanagement nicht die leiseste Ahnung haben. (Unter anderem gewisse Lehrer, die korrigierte Prüfungen erst dann zurückgeben, wenn das Thema schon längst passé ist…)

      • Momentan ist das Thema Schule und Lehrer in unserem Hause hochexplosiv …. Nur wo noch Gleichgesinnte finden? Viele Eltern möchten nichts sagen, weil sie Angst haben, dass die Lehrer es an ihren Kindern wieder auslassen. Tricky die Situation. Lg Betty

      • Finde ich auch ganz schwierig. Bei uns ist jedes zweite Jahr Lehrerwechsel, das heisst, dass die meisten Eltern im ersten Jahr noch halbwegs zufrieden sind, im Zweiten allmählich die Geduld verlieren und dann, wenn sie bereit wären, ernsthaft das Gespräch zu suchen, ist Lehrerwechsel und die Sache ist vergessen. So ändert sich natürlich bei etwas.

  2. Ichkenneesichkenneesichkennees…

    Irgendwie tröstlich, dass es nicht nur bei uns so läuft, auch wenn dies nicht schön ist. Ich könnte manchmal auch einfach nur noch schreien… Da werden kleine Persönlichkeiten nötigenfalls fast kaputtgemacht, nur damit sie ins Schema passen.

    Und dann noch die Diskrepanz zwischen den Erwartungen an die Schüler (Null-Fehler-Toleranz) im Vergleich zu den Leistungen der Lehrer (welche es z. T. nicht zustande bringen, jemals ein Infoblatt an die Eltern fehlerfrei zu verfassen, als Deutschlehrer, wohlverstanden). Aktuellstes Beispiel: nächste Woche haben die Kinder Projektwoche. Laut Plan habe ich es so aufgefasst, dass am Montag die gesamte Schule den Tag zusammen verbringt – entweder mit der Schön- oder der Schlechtwetter-Variante. Gestern kam Kind 1 mit der Info *Schlechtwetter*. Kind 2 *Schönwetter*. Kind 3 *Schlechtwetter*. Kind 4 brachte einen Zettel mit dem Hinweis *Schönwetter*. Kind 5 wiederum kam mit der Info *Schlechtwetter* (welche vorhin mittels Kettentelefon auf *Schönwetter* geändert wurde). Bei Kind 1 hat mein Mann gestern nachmittag via Kunden herausgefunden, dass nach der Herausgabe der *Schlechtwetter*-Info diese noch geändert wurde, leider hatte da aber die Klasse von Kind 1 schon Schulschluss (ist eine Drei-Jahrgangsklasse) und nachinformiert wurde nicht. Da frage ich mich dann jeweils schon, wie man an 7/8-jährige SchülerInnen Erwartungen stellen kann, welche nicht einmal Erwachsene zu erfüllen vermögen.

    Und leider ist es so, dass soziale Kompetenzen gleich null bewertet werden, dafür eine schöne Schrift extrem viel zählt…

    Ach, das ist ein Thema, da könnte ich noch seitenweise weiterschreiben (wie Du merkst). Und ändern kann ich nichts… Da ist man so hilflos als Eltern, ich habe es gerade gestern wieder zu meinem Mann gesagt.

    Ich wünsche Dir und den Deinen trotzdem ein ganz schönes Wochenende und drücke Dich! Liebe Grüsse * Céline.

    • Wie ich das kenne… Das mit der Schrift hatten wir auch gerade mal wieder. Wenn eine erfahrene Lehrerin darauf hingewiesen werden muss, dass „Schnüerlischrift“ für manche Linkshänder eine ziemlich herausfordernde Sache sein kann, dann könnte ich vor lauter Frust laut aufschreien. Wenn man dann noch wagt, die Basisschrift zu erwähnen, dann ist fertig lustig…

      • Und dann gibt es bei uns noch die Variante *schöne Schrift, aber nicht schnell genug* (in der 1. Klasse). *Es wäre halt schon gut, wenn er in die Ergotherapie gehen würde! Es ist ganz Euer Entscheid, aber es wäre wirklich gut…* – und dies wird bei jedem zufälligen Treffen wieder erwähnt. Und nein, er wird NICHT in die Ergotherapie gehen!

        Kind 3, der mit Schreiben extrem Mühe hatte, wurde nun in der 3. Klasse von der neuen Klassenlehrerin endlich davon erlöst, auf biegen und brechen die Schnüerlischrift zu erlernen (er ist zwar nicht Linkshänder, ist aber feinmotorisch noch nicht reif). Und plötzlich beginnt das Kind gerne zu schreiben – siehe da! Für mich war gerade bei Kind 3 extrem auffällig, wie viel von den jeweiligen Lehrpersonen und auch deren Zusammenspiel abhängt. Unser Kind wurde vom verängstigten, verschüchterten Schüler ohne Selbstvertrauen zu einem selbständigen Schüler, der sich wieder etwas zutraut. Innerhalb weniger Monate. Er hat immer noch *Mankos*, aber diese werden kleiner und es besteht grosse Hoffnung, dass er trotz den unglaublichen Startschwierigkeiten eine einigermassen *normale* Schullaufbahn durchlaufen wird.

        E‘ ganz schöne Obe u e‘ liebe Gruess * Céline.

      • Ach, wie mir das doch alles bekannt vorkommt. Dabei hat man doch, gerade wenn man mehrere Kinder hat, irgendwann ein ziemlich gutes Gespür dafür, ob ein Kind Therapie braucht, oder ob sich die Sache auswachsen wird.

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