Jugendfestvorbereitungen

Lass mal sehen… Luise braucht ein blaues T-Shirt und blaue Hosen, kann aber auch schwarzes T-Shirt und schwarze Hosen tragen, oder blaues T-Shirt mit schwarzer Hose, oder schwarzes T-Shirt mit… ach was, spielt ja keine Rolle. Hauptsache, der Aufdruck auf dem T-Shirt ist nicht zu auffällig. Der FeuerwehrRitterRömerPirat braucht noch eine blaue Hose. Das weisse T-Shirt hat er ja bereits. Hoffe, er findet das auch wieder in seinem Chaos…FeuerwehrRitterRömerPirat, was meinst du zu dieser blauen Hose? Nicht? Warum nicht? Ist doch perfekt… Und die hier? Auch nicht? Himmel, jetzt fang bitte nicht an, ein Theater zu machen, wir brauchen noch Sachen für das Prinzchen und für Karlsson. Was braucht eigentlich der Zoowärter? Ist da mal ein Brief nach Hause gekommen? Nicht, dass ich wüsste. Zoowärter, habt ihr mal einen Brief mitbekommen? Nein? Was müsst ihr denn am Jugendfest anziehen? Weiss. Okay, nur oben oder auch unten? Unten auch? Hmmmm, ich glaube, weisse Hosen haben wir keine mehr in deiner Grösse…Dann suchen wir die eben auch noch. Prinzchen, bist du dir wirklich sicher, dass du gelbe Hosen brauchst? Gelbe Hosen für Jungs? Wo in aller Welt sollen wir das jetzt noch finden? Haben ja immer nur so fade Kleider für Jungs hier… Schau mal, Zoowärter, hier hat’s eine weisse Hose für dich. Wie, du brauchst keine weisse Hose? Du hast doch gesagt… Ach so, nur das T-Shirt muss weiss sein. Gut, dann nehmen wir hier dieses weisse Hemd, dann können wir den Zoowärter abhaken. Aber sonst finde ich in diesem Laden nichts… „Meiner“, ich geh‘ dann mal rüber, vielleicht hat’s dort eine bessere Auswahl. Du kommst dann mit Luise nach? Okay, jetzt also noch blaue Hosen für den Zoow…, äh, nein, für den FeuerwehrRitterRömerPiraten, gelbe Hosen für das Prinzchen, die ganze Garnitur für Luise… für Karlsson hat „Meiner“ bereits gesorgt…Oh, sieh mal an, hier hat’s eine gelbe Hose für das Prinzchen und dann erst noch zum halben Preis und was meinst du zu dieser Hose FeuerwehrRitterRö…Nicht? Warum denn wieder nicht? Einfach so? Jetzt reicht’s mir dann aber allmählich. Und die hier? Guuuuuuuut, du nimmst sie! Welch ein Wunder…Wo wohl „Meiner“ bleibt? Ach, dort drüben ist er ja. Sieht danach aus, als hätte Luise nun auch etwas gefunden… Jungs, bleibt bitte hier! Ich will euch nicht wieder suchen müssen…Mist, ich muss dringend aufs WC. „Meiner“, übernimmst du mal die Kinder? Himmel, diese Schlange vor dem WC…Ja, selbstverständlich passe ich auf Ihr Baby auf, währenddem Sie auf dem WC sind. Hatte ja auch mal so kleine Kinder…Okay, mal sehen, ob ich „Meinen“ und die Kinder wieder finde…. Da sind sie ja…. Nein, Jungs, jetzt reicht es wirklich! Ihr könnt hier nicht…Wo ist „Meiner“ jetzt plötzlich hingekommen? Einfach weg, wie vom Erdboden verschluckt…HIMMEL! JUNGS! ES! REICHT! MIR!!!!! Müssen die mich so blöd anschauen? Haben die nie ihre Nerven verloren, als sie mit ihren Kinder im grössten Chaos…..Und wenn „Meiner“ nicht endlich auftaucht, nehmen wir den Bus… Eine Runde noch, wenn ich ihn dann nicht finde….Okay, nicht gefunden (nein, keiner von uns hat ein Handy dabei), Jungs, wir nehmen den Bus, ich geb’s auf…

Eine Stunde später:

„Meiner“ und Luise kommen nach Hause, schwer beladen mit Kleidern, die Luise ihrem Papa hat abschwatzen können. „Wo seid ihr gewesen? Wir haben euch überall gesucht?“ – „Wo seid ihr gewesen? Ihr könnt doch nicht einfach so verschwinden…“ Ach, was soll’s. Immerhin haben wir alles, was die Kinder am Samstag brauchen in den richtigen Farben gefunden.

Wehe, die sagen am Samstag den Umzug ab! 

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Schon fast ein Feiertag

Wenn die Kinder mittags nach Hause kommen, herrscht bei uns erst mal buntes Chaos, bis alle erzählt haben, was sie unbedingt loswerden müssen. Oft nehme ich dabei die Rolle des Abfallkübels ein, der bis zum Rand angefüllt wird mit dem ganzen Mist, der sich am Vormittag angesammelt hat. Und weil keiner den anderen ausreden lässt, halte ich mir irgendwann die Ohren zu, um erst dann wieder etwas hören zu müssen, wenn alle satt und deshalb auch wieder halbwegs zufrieden sind. An gewissen Tagen aber kommen die Kinder in die Küche gestürmt und überhäufen mich mit guten Nachrichten. Zum Beispiel heute:

Karlsson (mit einem schlecht kaschierten Grinsen auf dem Gesicht): „Ich hab‘ heute den Mathetest zurückbekommen. Ist total mies herausgekommen.“

Ich: „Ach ja, darum strahlst du auch über dein ganzes Gesicht.“

Karlsson (jetzt ganz offensichtlich grinsend): „Nein, wirklich. Total mies. Ich hatte eine drei.“ (Für Leser aus Deutschland: 6 ist bei uns die beste Note, 1 die schlechteste.)

Ich: „Ach komm schon, sag endlich, was du wirklich hattest, sonst platzt du noch vor Glück.“

Karlsson: „Okay, es ist wirklich mies.“ Und dann nennt er mir eine Note, die irgendwo zwischen 5 und 6 liegt, also eine sensationelle Mathenote für einen Venditti.

Ehe ich mich fertig gefreut habe, kommt der Zoowärter angerannt und drückt mir ein Blatt Papier in die Hand. Ich brauche gar nicht erst zu lesen, um zu sehen, worum es geht. Der mit Leuchtstift markierte Name des Zoowärters sticht mir sofort ins Auge und ich weiss, dass er es geschafft hat, zu den 6 Schnellsten seines Jahrgangs zu gehören. Das heisst, er darf am Freitag am grossen Rennen mitmachen. Etwas, was vor ihm noch kein Venditti geschafft hat. Ausser Luise, doch dann wurde das Rennen wegen schlechten Wetters abgesagt.

Wieder komme ich kaum dazu, meiner Freude Ausdruck zu verleihen, denn jetzt steht Luise da: „Ich bin dabei! Ich war Drittschnellste. Und der Zoowärter ist auch dabei! Und in Sachkunde hatte ich eine…“ Sie nennt ebenfalls eine Note, die irgendwo zwischen 5 und 6 liegt und ich bringe vor lauter Staunen meinen Mund nicht zu, hatte ich doch beim Abfragen befürchtet, sie würde den Test in den Sand setzen. 

Momente später bekomme ich ein weiteres Blatt in die Hand gedrückt, diesmal vom Prinzchen. Es ist die Einladung zum Kindergarten-Abschlussfest. Das Fest, bei dem die Kinder von den Kindergärtnerinnen dazu verdonnert werden, zuerst allen Junk-Food aufzuessen, ehe sie Früchte und Gemüse bekommen. Und falls es warm ist, müssen sie sich eine richtig wilde Wasserschlacht liefern. Also noch einmal wunderbare Nachrichten. 

Einzig der FeuerwehrRitterRömerPirat kommt heute ohne freudige Überraschung nach Hause. In mir will schon leise Panik hochkommen, denn ich weiss, wie sensibel unser Dritter reagiert, wenn alle glücklich sind, nur er nicht. Doch dann kommt mir in den Sinn, dass der Pöstler einen bunten Brief für ihn gebracht hat. Ein Brief voller wunderbarer Gutscheine, von denen er einen gemeinsam mit seinem Cousin oder einem Freund einlösen darf. Also strahlt auch der FeuerwehrRitterRömerPirat. 

Jetzt, wo alle für einmal überglücklich und vollkommen friedfertig sind, kann ich endlich auch erzählen, was mich heute Vormittag fast hat platzen lassen vor lauter Freude: Zwei noch ganz winzige Schwalbenschwanzraupen, die auf meinem Fenchel das Licht der Welt erblickt haben. Ich weiss nicht, wie viele Jahre ich auf dieses kleine Wunder gewartet habe, aber jetzt ist es endlich eingetroffen. 

Eigentlich wäre heute Mittag ein Festessen fällig gewesen.

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Sommerfaulheit

Die Johannisbeeren wollen zu Gelée werden, die Lindenblüten zu Sirup. Die Wachteln warten auf das grosse Ausmisten, der Kompost aufs Umgraben. Die Dreckwäsche weiss nicht, wie sie ohne meine Hilfe in die Waschküche kommen soll, die saubere Wäsche wiederum fragt sich, wann ich ihr endlich die Treppe hoch helfe. Die Tomaten wünschen, dass ich den Löwenzahn entferne, der sich zu ihren Füssen niedergelassen hat, die Melonen müssen in die Schranken gewiesen werden. Karlssons Violine soll in die Reparatur, für den Zoowärter und Luise müssen Cellos her. Die Kinder sollten ihre Joker-Tage beziehen, weil sie Ende Schuljahr verfallen, meine Arbeitstage werden von katholischen Feiertagen und ihren Brückentagen aufgefressen. 

Ich müsste mich jetzt ganz dringend einmal aufraffen, doch die Sommerferienlaune hindert mich mit allen Mitteln daran. 

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Ein paar kleine Absurditäten

Da hat vor ein paar Tagen ein – gelangweilter? – Journalist ein altes Bild von Angelina Jolie hervorgekramt und festgestellt, dass die „schon als 15-Jährige“ „unverkennbar grosse blaue Augen“ hatte. Unglaublich! Die Augen der gewöhnlichen Menschenjungen öffnen sich ja erst so etwa um den 18. Geburtstag herum und natürlich bleibt auch die blaue Farbe nur bei den Allerwenigsten erhalten. Wenn Angelina Jolie also bereits im zarten Teenager-Alter grosse, blaue Augen hatte und diese sogar behalten hat, grenzt dies an ein Wunder und ich frage mich, weshalb es diese Nachricht nicht auf die Frontseite geschafft hat.

Vorletzte Woche brachte der Zoowärter einen Elternbrief nach Hause. Am nächsten Tag gehe es auf die Schulreise, wir sollten dafür sorgen, dass das Kind gutes Schuhwerk trage. Warum, so fragte ich mich, informieren die so weit im Voraus. Es würde doch auch reichen, am Morgen fünfzehn Minuten vor Abmarsch ein Rundtelefon zu starten. Da Kinderfüsse kaum wachsen, hat bestimmt jede Familie ein gut eingelaufenes Paar Wanderschuhe, in die das Kind schlüpfen kann. Und der mit Leckereien vollgestopfte Rucksack steht selbstverständlich auch jederzeit bereit.

Neulich ging ich mit Karlsson an einem Lokal vorbei, dessen Besitzer mit grossen Plakaten auf eine Neuerung hinwies: „Neu! Fumoir für Raucher!“ Wie gut, dass die Raucher nicht länger im Fumoir der Nichtraucher sitzen müssen, denn dort stinkt es bestimmt ganz gewaltig nach Nichtrauch.

Vor einiger Zeit verspürte ich das grosse Bedürfnis, ein wenig zu jammern und da ich zufälligerweise gerade jemandem in die Arme lief, legte ich los mit meinem Geklöne. Nachdem ich mein Problem geschildert hatte, meinte meine Gesprächspartnerin: „Oh je, das war bei mir auch mal so. Glaub mir, es hat Jahre gedauert, bis ich das hinter mir lassen konnte. J-A-H-R-E! Das war die mühsamste Zeit meines Lebens.“ Hach, wie hat mir dieses Gespräch doch gutgetan. So frisch entmutigt liess es sich gleich wieder viel beschwingter leben.

Da lässt sich doch heute ein Politiker in der Tageszeitung mit dem Satz zitieren, die Familien in der Schweiz würden schon mehr als genug Vergünstigungen erhalten, da müsse man nicht auch noch die Kinderzulage von der Bundessteuer befreien. Seitdem ich diesen Satz gelesen habe, suche ich mein Familienleben verzweifelt nach den vielen Vergünstigungen ab, von denen der geschätzte Herr Politiker faselt, doch bisher habe ich noch keine einzige gefunden. Na ja, vielleicht kann ich die Chips für Prinzchens Kindergartenreise, die ich in der Migros zum halben Preis erstanden habe, als Vergünstigung ansehen, damit ich mich nicht so schrecklich unvergünstigt fühlen muss.

Kaum zu glauben, aber der FeuerwehrRitterRömerPirat nimmt es mir tatsächlich übel, dass er erst dann ein Eis bekommt, wenn es wieder gefroren und nicht mehr von der Autofahrt aufgeweicht ist. Dabei kann er doch während der Wartezeit so schön seine Hausaufgaben erledigen…

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Zur Kenntnisnahme

Früher Morgen, die Kontaktlinse will auch beim zwanzigsten Anlauf nicht in Karlssons rechtes Auge und allmählich wird der Junge nervös, weil gleich die Schule beginnt. Damit er keinen Rüffel kassiert, wenn er ein paar Minuten zu spät kommt, gebe ich ihm ein Brieflein für den Lehrer mit, als die Linse endlich im Auge ist. „Problem mit Kontaktlinse, darum zu spät, bitte entschuldigen Sie, bla bla bla…“

Naiv, wie ich bin, glaube ich, die Sache sei damit erledigt, doch ich irre mal wieder. Karlsson bringt nämlich einen Zettel nach Hause, den wir Eltern gefälligst unterzeichnen sollen. Als Zeichen, dass wir das verspätete Erscheinen unseres Sohnes zur Kenntnis genommen haben. Dieser Zettel wird in Karlssons Sündenregister abgelegt, nachdem auch die Klassenlehrerin über das Vergehen unseres Sohnes ins Bild gesetzt worden ist. 

Obwohl selber auch Lehrer, will „Meiner“ nicht einsehen, weshalb wir Eltern unterzeichnen müssen, was wir bereits begründet haben. Er will auch nicht verstehen, weshalb es einen Eintrag ins Sündenregister gibt, wenn es eine plausible – wenn auch sehr banale – Erklärung für die sieben Minuten Verspätung gibt. Weil ich die Meinung meines Herrn Gemahl teile, entschliessen wir uns, den Fackel zwar zu unterschreiben, gleichzeitig aber nachzufragen, weshalb das Entschuldigungsbrieflein, das ich in meiner schönsten Handschrift am frühen Morgen zwischen Kakaotassen, Hausaufgabenblättern und Einzelsocken verfasst habe, nichts gilt. Karlsson überbringt uns die Antwort mündlich. Irgend etwas mit „Wenn ich wegen dieser Verspätung einen Zeugniseintrag bekäme, würde der Zettel gelöscht, aber sonst bleibt er, weil man ja wissen muss, wie oft ich zu spät gekommen bin.“

Nun gut, es mag sein, dass Karlsson die Antwort des Lehrers nicht ganz wortgetreu übermittelt hat, eins aber steht unmissverständlich fest: Als Mittel zur Lehrerbesänftigung hat das elterliche Entschuldigungsbrieflein ausgedient.

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Der Elternbrief unter der Lupe

Meine verehrten Pädagogen der Fachhochschule Nordwestschweiz

Sie möchten sich gerne unsere Erst- und Zweitklässler etwas genauer anschauen, um herauszufinden, wie Sie verhaltensauffälligen Kindern besser helfen können. Natürlich tun Sie dies nur, wenn wir Eltern unser Einverständnis dazu geben und weil ich mich gewöhnlich ziemlich kooperativ verhalte, habe ich den Fackel unterschrieben. Im Gegenzug habe ich mir die Freiheit herausgenommen, Ihren Brief etwas genauer anzuschauen. Ich gehe sogar noch einen Schritt weiter und erlaube mir, meinen Lesern zur allgemeinen Erheiterung ein wenig daraus zu zitieren. Gut, der Fairness halber hätte ich Sie vielleicht auch zuerst um Ihr Einverständnis bitten sollen, aber eigentlich sind Sie selber schuld, wenn Sie uns einen unkorrigierten Entwurf ins Haus schicken. Sie schreiben in dem Brief zum Beispiel…

„Die Lehrperson darf aber nur teilnehmen, wenn Sie, liebe Eltern, damit Einverstanden sind, dass…“ 

Ich weiss, dass sich in der Rechtschreibung einige Dinge geändert haben, seitdem ich die Schulbank gedrückt habe, aber meines Wissens gilt „einverstanden“ weiterhin als Adjektiv und Adjektive schreibt man wie? Ja, genau, die schreibt man klein!

Ein weiteres Beispiel gefällig?

„…die Lehrperson einen kurzen, anonymen Fragebogen zum verhalten des Kindes in der Klasse ausfüllt.“

Schauen wir uns doch mal das Wort „verhalten“ genauer an. Fällt Ihnen etwas auf? Jawohl, der Herr Duden kennt das Wort „verhalten“ sowohl als Adjektiv, als starkes Verb oder als Nomen. Aber was genau ist es in diesem Satz? Ein Nomen, genau. Und wie schreiben wir die Nomen? Sehr gut! Die Nomen, die schreiben wir GROSS. 

Jetzt, wo wir das geklärt haben, können wir zu einer etwas komplizierteren Sache übergehen, nämlich zur Kommasetzung. Sie schreiben:

„Nur so, können wir sagen, ob die Weiterbildung etwas bewirkt.“

Ich persönlich finde ja, der Satz gewinne durch diesen gewagten Einschub so etwas wie Pfiff, aber ich glaube nicht, dass der Herr Duden meine Meinung in diesem Punkt teilt. 

Kommen wir nun zum Thema Wiederholungen:

„Wir bitten Sie, die untenstehende Einverständniserklärung zu unterschreiben. Geben Sie bitte die Einverständniserklärung Ihrem Kind bis spätestens in einer Woche in die Schule mit. Die Teilnahme ist freiwillig, doch kann das Projekt nur gelingen, wenn möglichst alle Eltern Ihr Einverständnis zur Teilnahme an der Studie geben.“ (Die Hervorhebungen gehen auf meine Kappe.)

Eigentlich ist es ja eine beachtliche Leistung, die drei doch eher sperrigen Worte „Einverständniserklärung“, „Teilnahme“ und „Einverständnis“ in drei kurzen Sätzen in einer derartigen Häufung unterzubringen. Im Schulaufsatz hätte das trotzdem einige schöne rote Wellenlinien, wenn nicht gar eine schlechte Note gegeben. Ach ja, und dann ist Ihnen auch noch eine Höflichkeitsform reingerutscht, die da nicht hingehört, aber das haben wir im Unterricht noch nicht behandelt. Äääähm, ich meine, das fällt bestimmt niemandem auf. 

Bevor ich schliesse, hätte ich noch eine kleine Anmerkung zum Stil. Ihr Bemühen, die Sätze kurz und unkompliziert zu halten, ist grundsätzlich lobenswert. Dies zeigt, dass Sie beim Verfassen des Briefes daran gedacht haben, dass für einige Eltern Deutsch eine Fremdsprache ist. Verlieren Sie aber bitte darob nicht uns Deutschsprachigen aus den Augen. Einige von uns fühlen sich nämlich, als müssten sie einen Lesetext für die 2. Klasse durchackern, wenn sie Folgendes lesen:

„An der Pädagogischen Hochschule Solothurn haben wir den FOKUS-Ansatz entwickelt. Zu diesem Ansatz führen wir eine Studie durch. Diese Studie wird vom Bundesamt für Gesundheit finanziert.“ 

Ich hoffe doch sehr, Sie kennen sich mit verhaltensauffälligen Kindern besser aus als mit Rechtschreibung, Grammatik und Stil, sonst müsste man befürchten, das Bundesamt für Gesundheit schmeisse mit der Finanzierung Ihrer Studie einen ganzen Haufen Geld aus dem Fenster.

Na ja, ich fürchte, das tut es ohnehin. 

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Im Alter geirrt

Wenn…

  • …. im Morgengrauen ein heftiger Streit um  zwei verkohlte Toastscheiben entbrennt…
  • ….der Zoowärter aus der Haut fährt, weil das Prinzchen sich anmasst, seinen ehemaligen Lieblingspullover, aus dem er herausgewachsen ist, anzuziehen…
  • ….der Zoowärter sich auch nicht besänftigen lässt, als ich ihn darauf hinweise, dass er selber Karlssons ehemaligen Lieblingspulli trägt….
  • ….der FeuerwehrRitterRömerPirat heult, weil ich ihm verbiete, nachmittags die Schule zu schwänzen….
  • …. Karlsson und Luise einander piesacken wie damals, als sie noch ganz klein und unvernünftig waren und auch nicht damit aufhören, als ich anfange herumzubrüllen wie damals, als sie noch ganz klein und unvernünftig waren….
  • …..es wieder einmal „der andere“ war, der Karlssons Süssigkeiten aus seinem Zimmer entwendet und aufgegessen hat….
  • ….Luise die Krise schiebt, weil sie die Tiere nicht nur füttern, sondern ihnen auch noch frisches Wasser hinstellen muss….
  • ….Töchterchen nach dem Abendessen auf unserem Bett einschläft….
  • ….wir wiedermal eine mit Tinte verschmierte Wand entdecken….
  • .…sie wie die Irren über die Strasse hetzen….
  • ….ich andauernd die armen Katzen vor übermütigen Kindern schützen muss….
  • ….man in jedem Zimmer angebissene Äpfel und halb volle Joghurtbecher findet….
  • ….ich das Gefühl habe, ich dürfte die Fünf keinen Moment aus den Augen lassen, weil sie sonst wieder etwas anstellen….

….dann frage ich mich, ob ich mich vielleicht im Alter unserer Kinder geirrt habe. In diesen Tagen kommt es mir so vor, als wären sie alle etwa drei Jahre alt.

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Donnerstag, 27.3.2014

  • Fünfmal Schulbesuch inklusive Kürzest-Elterngespräche und Small-Talk mit einer Person, mit der ich lieber nicht smalltalken möchte. (Ja, ich weiss, ich hätte eigentlich nicht in den Kindergarten gehen dürfen. Aber wie um alles in der Welt hätte ich dem Prinzchen erklären sollen, dass ich zu allen gehe, nur nicht zu ihm?)
  • Dreimal Migros (Zuerst Mittagessen, dann Schokolade für meine Schwester, später noch Grosseinkauf)
  • Einmal private Kirchturmführung weil eine Bekannte sich spontan bereit erklärte, il Cugino das Bijou unseres Dorfes zu zeigen. Il Cugino kam mit glänzenden Augen vom Turm runter und war einmal mehr überzeugt, dass es der richtige Entscheid gewesen war, hierher zu kommen.
  • Einmal Besuch bei meiner Schwester. Vor der Rückfahrt noch kurz Wasserpflanzen pflücken, weil unser Teich gerade welche braucht und meine Schwester zu viele hat. 
  • Wasserpflanzen anpflanzen. 
  • Zweimal Tiere gefüttert.
  • Einmal gekocht.
  • Menüplan für die kommende Woche zusammengestellt. (Nein, es gibt nicht jeden Tag das Gleiche…)
  • Grosseinkauf hochgeschleppt.
  • Mit Kater Leone geschäkert.
  • Mit zitternden Knien dabei zugesehen, wie der Backofen ein paar Funken sprühte, zu rauchen begann und dann den Geist vollends aufgab.
  •  Sehr viele (zu viele?) Rechnungen bezahlt.
  • Frühlingsblumen bewundert.
  • Mit Kindern, „Meinem“, il Cugino und einigen Müttern gequatscht (und ein wenig gemotzt).
  • …und dann sonst noch ein paar Kleinigkeiten…

Kann mir bitte jemand erklären, wie es mir gelungen ist, alle diese Dinge in einen einzigen, kleinkarierten Donnerstag zu quetschen?

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Ein- oder ausgeladen?

Auf dem Papier ist es unmissverständlich: Am Donnerstag, 27. und Freitag, 28. März sind die „Tage der offenen Volksschule“. Das Bildungsdepartement, der Verband der Schulleiter, der Lehrerverband und der Verband Solothurner Einwohnergemeinde – sie alle wünschen, dass wir kommen und sehen, wie die Schule heute ist. „Wir freuen uns auf Sie, denn Sie sind unsere wichtigsten Partnerinnen und Partner im Zusammenhang mit unserem Bildungsauftrag“, steht auf der Einladung, die mir das Prinzchen überreicht, als er vom Kindergarten nach Hause kommt.

Ich lese und fange an, mir Gedanken zu machen, wie ich es diesmal schaffen soll, mich fünfzuteilen, um jedem Kind die ihm zustehende Aufmerksamkeit zu schenken. Und dies nur am Donnerstag, denn am Freitag habe ich einen Termin, den ich nicht schon wieder absagen kann.“Am Morgen muss ich Karlsson, den FeuerwehrRitterRömerPiraten und den Zoowärter schaffen, denn die haben am Nachmittag frei. Luise und das Prinzchen kann ich auf nach dem Mittagessen verschieben“, überlege ich noch, als ich den grünen Zettel bemerke, den die Kindergärtnerinnen dem Einladungsbrief beigelegt haben.

Wir Eltern sollten doch bitte nicht an diesen zwei Tagen in den Kindergarten kommen, steht da. Wir könnten ja jederzeit zu Besuch kommen und da wäre es ungünstig, wenn alle gleichzeitig in den nicht allzu grossen Räumen herumstünden. „Mir soll’s recht sein“, sage ich, fühle mich aber trotzdem leicht düpiert, weil man mich, kaum eingeladen, gleich wieder ausgeladen hat. „Hoffentlich ist das Prinzchen nicht traurig, wenn ich zu allen gehe ausser zu ihm“, denke ich, als Luise nach Hause kommt. Sie würden am 28. mit der Klasse einen Ausflug machen. „Einen Ausflug? Am 28.? Bist du dir ganz sicher? Dann ist doch Besuchstag“, frage ich und Luise lässt sich von mir verunsichern. Vielleicht habe sie tatsächlich nicht so recht aufgepasst, meint sie. Doch zwei Tage später ist sie sich ganz sicher: Sie gehen am Freitag., mit dem Velo und zwar dann, wenn eigentlich Werken auf dem Stundenplan stünde. Also schon wieder eine Art Ausladung, wenn auch keine, die mich betrifft. Am Freitag kann ich ja bekanntlich nicht…

Drei Stunden später erfahre ich, dass ich am Donnerstag noch weniger muss, als ich erwartet hätte. Bei Karlsson stehen die Schulhaustüren nämlich schon am Mittwoch – dafür aber nicht am Freitag, was mir immer noch egal sein kann – offen. Ich kann ihn also bereits am 25. abhaken, allerdings in Begleitung des Prinzchens, der mittwochs zu Hause ist. Karlsson möchte aber gar nicht unbedingt abgehakt werden. Wenn es nach ihm ginge, dürfte ich getrost zu Hause bleiben, lässt er mich wissen. Also noch einmal eine Ausladung. Eine, die ich auf gar keinen Fall akzeptieren werde. Der Junge glaubt doch nicht im Ernst, ich würde ihm die Peinlichkeit ersparen, dass seine zerzauste Mama mit dem Jüngsten im Schlepptau sieben Minuten nach Unterrichtsbeginn ins Zimmer platzt? Ich lasse mir doch von einem Halbwüchsigen nicht vorschreiben, wie peinlich ich sein darf. 

Mein derzeitiger Plan für die anstehenden Besuchstage sieht also jetzt folgendermassen aus:

Mittwoch um sieben nach neun bei Karlsson in die Mathematikstunde platzen, ihm beim Zimmerwechsel ein paar dumme Fragen stellen, eine halbe Stunde im Französisch sitzen und dann mitten drin mit Getöse abrauschen, weil ich Mittagessen kochen muss. Am Donnerstagvormittag werde ich so pünktlich wie nur immer möglich beim FeuerwehrRitterRömerPiraten auf der Matte stehen, damit seine Lehrerin sieht, dass er das mit dem Zuspätkommen nicht von mir hat. Danach werde ich dem Zoowärter beim Schulbankträumen zuschauen und wieder mittendrin abrauschen, weil das Mittagessen… ach, ich wiederhole mich. Am Donnerstagnachmittag schliesslich werde ich bei Luise überprüfen, ob der Frühenglisch-Unterricht mehr taugt als der Frühfranzösisch-Unterricht, den sie letztes Jahr hatte.

Dann werde ich mir vornehmen, bald einmal das Prinzchen im Kindergarten zu besuchen, doch das werde ich immer wieder vergessen und wenn ich endlich daran denke, werden sie im Kindergarten Muttertagsgeschenke basteln, weshalb mein Besuch wieder nicht erwünscht sein wird und dann wird das Schuljahr um sein und im kommenden Schuljahr werde ich mir wieder vornehmen, endlich diesen Besuch zu machen, aber es werden mir wieder zig Dinge dazwischen kommen und weil ich am Besuchstag nicht willkommen sein werde, werde ich es noch weiter aufschieben müssen und dann werden schon wieder die Muttertagsgeschenke dran sein und dann wird das Prinzchen in die Schule kommen und mir vorwerfen, ich sei nicht ein einziges Mal zu einem richtigen Besuch in den Kindergarten gekommen.

Und wer ist Schuld daran? Ich ganz alleine, weil ich so blöd bin, mich ausladen zu lassen, wo ich mir doch so schön zurechtgelegt habe, wie ich jedem meiner Kinder am „Tag der offenen Volksschule“ einen Besuch abstatten werde. Und wo ich doch diese hoch offizielle Einladung vom Bildungsdepartement, dem Schulleiterverband, dem… ach was, ihr wisst schon. Und falls ihr nicht mehr wisst, müsst ihr eben oben noch einmal nachlesen. 

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Da kommt wahrlich keine Routine auf

Endlich, nach vier Wochen Dauerbetrieb, waren wir heute Morgen wieder einmal alleine zu Hause, meine Gedanken und ich. Und wie es so geht, wenn auf einmal himmlische Ruhe herrscht, meldeten sich meine Gedanken sogleich mit heftigen Vorwürfen zu Worte. Saublöd hätte ich mich aufgeführt in den vergangenen vier Wochen, stets dieses Gejammer über mangelnde Ruhe und Tagesstruktur, dabei sei ich selber Schuld am ganzen Schlamassel, ich hätte mich ja vollkommen gehen lassen. Das sei doch keine Art, meinen Liebsten einfach so mitten ins Gesicht zu sagen, sie würden mich nerven mit ihrem ewigen Gezänke. Und dann auch noch diese unsägliche Aussage, ich sei froh, wenn sie alle wieder eine Beschäftigung hätten. Eine egoistische, undankbare Kuh sei ich, die eine solche Familie nicht verdient hätte. Ich solle mich gefälligst gehörig schämen… 

Das tat ich dann auch schön folgsam und ich beschloss, mich zu bessern. Kein Gejammer mehr über meine geliebten Familienmitglieder, die meine sauber geplanten Tagesstrukturen ins Wanken und schliesslich zum Einstürzen bringen, das schwor ich mir. 

Tja, und dann kamen sie wieder nach Hause und brachten Zettel von der Schule mit: Am Donnerstag schulfrei ab 10 Uhr, weil die Schüler nach dem Fasnachtsauftakt am frühen Morgen nicht mehr bildungsfähig sind. Kein Englisch für Luise am 6. März, schulinterne Weiterbildung am 19. oder so, fünf Schulwochen bis zu den Frühlingsferien und danach die üblichen Feiertage… Bis zum Ende des Schuljahres wird kaum eine Woche so sein, wie es auf dem Stundenplan steht.

„Nicht jammern“, ermahnte ich mich selber, als ich einen Zettel nach dem anderen las. „Lass dir auf gar keinen Fall anmerken, dass du dich nervst, für die Kinder sind schulfreie Tage ja wirklich eine tolle Sache.“ Ich hätte es geschafft, nichts zu sagen, hätte nicht Karlsson auch noch irgendeine Verschiebung angekündigt, die nicht auf den Zetteln stand. Da brach es schliesslich doch noch aus mir heraus: „Himmel, habt ihr überhaupt irgendwann Schule, oder muss ich mich darauf einstellen, wieder rund um die Uhr im Einsatz zu sein?“

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