Der Zoowärter will mit Luise, aber Luise will nicht mit dem Zoowärter, sondern mit dem Prinzchen, aber das Prinzchen will lieber mit dem FeuerwehrRitterRömerPiraten und der will auch mit dem Prinzchen, aber es geht trotzdem nicht, weil jetzt der Zoowärter mit dem FeuerwehrRitterRömerPiraten will, da ja Luise bekanntlich nicht mit dem Zoowärter will und Karlsson möchte auch irgendwie, aber er kann sich nicht entscheiden, ob er mit Luise und dem FeuerwehrRitterRömerPiraten will oder doch lieber nur mit Luise alleine, die aber nicht mit Karlsson will, weil sie sich immer noch erhofft, dass das Prinzchen dann vielleicht doch noch mit ihr will, wenn er die Nase voll hat vom FeuerwehrRitterRömerPiraten, aber Luise wartet vergeblich und darum entschliesst sie sich dazu, dem FeuerwehrRitterRömerPiraten eins überzubraten, um ihn so ausser Gefecht zu setzen, damit sie endlich mit dem Prinzchen kann, aber der will jetzt erst recht nicht mit Luise, weil diese ihm das schöne Spiel mit dem FeuerwehrRitterRömerPiraten vermasselt hat und darum brät das Prinzchen dem Zoowärter eins über, warum weiss niemand so richtig, vermutlich lag es nur daran, dass der Zoowärter gerade zur falschen Zeit am falschen Ort war. Jetzt will der Zoowärter erst recht zu Luise, denn die kann so schön trösten, aber Luise will momentan mit gar keinem mehr, denn sie ist eingeschnappt, dass das Prinzchen nicht mit ihr will. Karlsson entschliesst sich nun endlich dazu, dass er doch am liebsten nur mit Luise will, aber Luise muss zuerst noch eine Runde schmollen, bevor sie sich dazu entschliessen kann, mit Karlsson zu wollen. Und weil Karlsson und Luise plötzlich so viel Spass haben, wollen nun auch der FeuerwehrRitterRömerPirat und der Zoowärter mit ihnen, was erstaunlicherweise eine ganze Weile lang gut geht, bis der FeuerwehrRitterRömerPirat nur noch mit Karlsson und Luise, nicht aber mit dem Zoowärter will, worauf der Zoowärter eingeschnappt ist und sich von Luise, die nun unbedingt mit ihm will, trösten lässt, was wiederum Karlsson nicht passt, der eigentlich am liebsten nur mit Luise möchte und die andern nur hat mitmachen lassen, damit Luise auch will. Aber jetzt will Luise nicht mehr, der Zoowärter und der FeuerwehrRitterRömerPiraten wollen schon noch, aber nicht mehr miteinander, sondern nur noch einer von beiden, aber sie können sich nicht entscheiden, welcher denn ausscheiden muss, also befiehlt Karlsson, wer noch darf und wer nicht, worauf beide heulen und bald darauf heule alle durcheinander, obschon keiner wirklich zu wissen scheint, weshalb und weil das gemeinsame Geheul so schön ist, stimmt auch das Prinzchen mit ein und bald wollen alle nur noch das Eine: Zu Mama, und zwar bitteschön ohne diese lästigen Geschwister.
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Vandalen
Okay, als Mutter von fünf Kinder bin ich mir ja einiges an Zerstörungswut gewöhnt. Eingeschlagene Fensterscheiben, einarmige Playmobil-Figuren, enthauptete Barbies, Rutschautos, die auf den Felgen fahren, Bilderbücher mit zerfetzten Seiten, zerkratzte CDs… Alles nichts Neues. Aber wie ein Zweijähriger und ein Vierjähriger es zustande bringen, mit brachialer Gewalt einem Klavier fünf Tasten auszureissen – und ich meine damit wirklich ausreissen – dafür fehlt mir die Vorstellungskraft. Offen gestanden fehlt mir dafür auch das Verständnis und Karlsson, der eben erst mit Klavierspielen angefangen hat, ebenso.
Wo wir schon beim Vandalismus sind, muss ich euch aber auch gestehen, dass ich es doch tatsächlich geschafft habe, Kinderwagen Nummer 7, den ich eigentlich noch für meine Enkelkinder hätte brauchen wollen, zu überfahren. Ja, ihr habt richtig gelesen, ich habe das Ding tatsächlich mit unserem allerliebsten himmelblauen Auto überfahren und einige Meter mitgeschleppt, bevor ich realisierte, dass es nicht an der angezogenen Handbremse liegen konnte, dass das Auto einfach nicht vom Fleck kommen wollte. Die Sache ist ebenso ärgerlich wie die Sache mit dem Klavier, aber immerhin gibt es einen Grund dafür: Hausfrauenstress. Und wenn das kein Grund ist für Vandalismus – beabsichtigten und unbeabsichtigten – was denn sonst?
Romantiker
Ob wir es gesehen haben? Aber klar doch. Ihr habt doch nicht im Ernst geglaubt, dass wir das verpassen würden. Obschon, wenn es nach mir gegangen wäre, dann hätte ich ganz gerne darauf verzichtet. Nicht mal das kleine Mädchen tief in mir drinnen meldete das Bedürfnis an, nachzuholen was es damals, vor dreissig Jahren, verpasst hatte. Das kleine Mädchen und ich hätten eigentlich ganz gerne in Ruhe unser Mittagessen genossen und wenn mich nicht alles täuscht, verspürte auch Luise keinen unbändigen Drang, den Fernseher einzuschalten.
Nein, es war „Meiner“ der, kaum hatte er den letzten Bissen heruntergeschluckt, zum Fernseher rannte, mit der fadenscheinigen Ausrede, der Zoowärter und das Prinzchen seien heute so unausstehlich, er werde sie jetzt mal vor der Glotze parkieren. Ganz so, als ob es bei uns Brauch sei, die Kinder mit dem Fernseher ruhig zu stellen. Weil man ja als Eltern beim Fernsehen dabei sein muss, für den Fall, dass eine gefährliche Szene kommt und man den Kleinen die Augen zudecken muss, setzte sich „Meiner“ ein wenig zu ihnen. Er konnte ja nicht wissen, dass gerade die für Kinder völlig unbedenkliche Direktübertragung der Traumhochzeit des Jahrhunderts laufen würde und dass seine Anwesenheit vollkommen überflüssig war. Wusste ja keiner etwas von dieser Hochzeit…
Nun, es dauerte nicht lange, bis alle vor der Glotze versammelt waren. Alle, ausser ich. Ich wollte ja, wie bereits erwähnt, zuerst in Ruhe fertig essen, bevor ich mich zu den anderen gesellte. Und so wurde ich Zeuge davon, wie meine sonst ganz vernünftige Familie sich in einen Haufen romantischer Royalisten verwandelte. Angefangen beim Prinzchen, der sich bei all den Blaublütigen wohl ganz zu Hause fühlte und immer und immer wieder „den König“ sehen wollte, über Luise, die auf allen nur erdenklichen Wegen herauszukriegen versuchte, ob ihre Brüder auch unbedingt den Kuss sehen wollten, oder ob sie das vielleicht doch etwas doof finden würden, über Karlsson, der Prunk und Pomp nie abgeneigt ist und deshalb fast nicht mehr zur Schule gehen wollte bis hin zum FeuerwehrRitterRömerPiraten, der in Tränen ausbrach, als wir dann den Fernseher irgendwann doch ausschalteten, weil es abgesehen von winkenden Massen nichts mehr zu sehen gab. Nun ja, einer blieb von dem Ganzen mehr oder weniger unbeeindruckt: Der Zoowärter. Er beklagte sich bald einmal, dass er eigentlich lieber etwas Spannenderes sehen wollte, aber natürlich hörte niemand auf ihn, schon gar nicht „Meiner“, der sich ganz und gar seiner – auch an gewöhnlichen Tagen nur mangelhaft kaschierten – Leidenschaft für Klatsch und Tratsch hingab.
Nun wollt ihr natürlich wissen, ob es mir bei der Geschichte auch noch den Ärmel reingenommen hat. Immerhin hatte ich gestern ja noch von einem kleinen Mädchen berichtet, das dem grossen Ereignis nicht vollkommen ablehnend gegenüberstand. Nun, offen gestanden hat mich die Sache ziemlich kalt gelassen, kleines Mädchen hin oder her. Ich habe mir überlegt, woran das liegen könnte, bin ich doch im Allgemeinen Kitsch und Romantik gegenüber nicht abgeneigt. Aber ich glaube, genau das war es, was mir gefehlt hat: der Zuckerguss, die Gefühle, das Abgehobene. Wäre die Sache kitschiger und märchenhafter gewesen, ich hätte mich wohl mitreissen lassen, aber irgendwie war mir das Ganze zu realitätsnah und so wandte ich mich bald einmal wieder dem schmutzigen Geschirr zu. Wenn schon Realität, dann richtig.
Den Kindern ging es offenbar anders. Kaum war er aus der Schule zurück, wollte Karlsson auch schon wissen, ob er während seiner Abwesenheit etwas verpasst hätte und ob er die wichtigsten Szenen noch einmal sehen könnte. Abends vor dem Schlafengehen brauchten dann alle zusammen noch einmal eine kräftige Dosis Prinzenhochzeit. Was wir ihnen zur Feier des Tages auch gewährten. Und dabei stellte sich heraus, wer von uns allen der grösste Romantiker ist. Wie wir so auf dem Sofa sassen und den Blaublütigen beim Winken zusahen, seufzte einer tief und innig und meinte, wenn er doch bloss durch den Bildschirm kriechen könnte, um dort bei Kate und William auf dem Balkon zu stehen.
Es war der FeuerwehrRitterRömerPirat.
Mama, wo kommen denn die kleinen Häuser her?
Wie ich sie liebe, diese Einblicke in die Gehirne kleiner Menschen, diese Momente, in denen sie mir enthüllen, wie sie die Welt verstehen. Da fragt mich heute Morgen der Zoowärter auf dem Weg zur Spielgruppe, weshalb unsere Freunde dort wohnen würden, wo sie eben wohnen. „Weil sie sich dieses Haus gekauft haben“, antworte ich und meine natürlich in meiner erwachsenen Beschränktheit, für den Zoowärter sei nun alles klar. Ist es aber nicht: „Haben die denn die Tasche mit dem Haus drin einfach hier abgestellt und es dann ausgepackt?“, fragt er mich und kann überhaupt nicht verstehen, weshalb ich ihm zur Antwort gebe, er sei doch einfach ein unglaublich herziges kleines Menschlein, anstatt ihm zu erklären, wo in der Migros man die Häuser findet und wie man es schafft, sie einfach so schnell beim Wocheneinkauf an den Ort zu schaffen, an dem man sie haben möchte.
Nur ein einziges Mal…
… möchte ich es schaffen, das gemütliche Mama-Prinzchen-Programm, das ich für den Dienstagmorgen geplant habe, auch wirklich durchzuziehen. In meinen Träumen sah das Programm folgendermassen aus: Morgens um zehn vor neun würden wir den Zoowärter in der Spielgruppe abliefern. Danach würden wir einen kurzen Abstecher in die Migros machen, um den Kühlschrank, der über die Ostertage Opfer von Plünderern geworden war, wieder aufzufüllen. Schliesslich würden wir noch kurz im Gartencenter vorbeischauen, um Erde und Setzlinge zu kaufen und danach würden wir den Rest des Vormittags im Garten verbringen. Ich würde dem Prinzchen zeigen, wie man Tomaten pflanzt, ich würde ihm vollkommen unerschrocken einen Regenwurm unter die Nase halten, ich würde ihm helfen, wenn er voller Stolz mit der Giesskanne die Setzlinge begiessen würde und vielleicht, mit etwas Glück, würden wir eine Raupe oder einen Käfer finden, den wir gemeinsam beobachten könnten. Und am Ende des Morgens könnte ich mir voller Stolz auf die Schulter klopfen, weil ich so eine tolle Mama bin, die ihrem Kind die Natur näher bringt.
Das also war das Programm, aber wie immer, wenn ich ein Programm habe, wird es durch irgend einen kleinen Mist über den Haufen geworfen. Heute war es zuerst einmal der Autoschlüssel, der mit „Meinem“ zur Schule gegangen war, obschon „Meiner“ ihn dort gar nicht brauchte, da er sich per Fahrrad über den Berg begeben hatte. Wo denn der Ersatzschlüssel war, fragt ihr? Nun, der Ersatzschlüssel hat sich dazu entschieden, nur noch hin und wieder zur Verfügung zu stehen. Den Rest der Zeit ist er unauffindbar. Von Zeit zu Zeit taucht er aus dem Chaos auf und tut so, als wäre er schon immer da gewesen, doch dann verschwindet er wieder und lässt sich nicht mehr blicken, egal wie sehr man nach ihm sucht. Zum Glück steht für solche Momente zuweilen auch das Auto meiner Mutter zur Verfügung und so schaffte ich es immerhin, den Zoowärter beinahe rechtzeitig zur Spielgruppe zu bringen.
Und dann folgte der nächste Stolperstein: Eine volle Prinzchenwindel, die gewechselt werden wollte, bevor wir einkaufen konnten. Danach verzögerte der Lohn, der offenbar noch nicht auf dem Konto angekommen war, weshalb wir zu einem von Baustellen übersäten Umweg zur Bank gezwungen waren, unser weiteres Fortkommen. Und dann musste das Eis ganz dringend in die Kühltruhe, bevor wir zum Gartencenter fahren konnten. Schliesslich, als das Auto endlich mit Erde und Setzlingen – Zuckermelone, Gurken und Butternut-Kürbisse – beladen war, war es Zeit, den Zoowärter wieder von der Spielgruppe abzuholen.
Das heutige Mama-Prinzchen-Programm war also einmal mehr eine einzige Hetzerei zwischen Tiefgarage, Bancomat, Einkaufswagen und Warterei an der roten Ampel. Während ich mich einmal mehr in bester Müttermanier mit Vorwürfen ob des missratenen Morgens eindecke, scheint das Prinzchen aber kein Problem damit zu haben, dass der Vormittag anders aussah als geplant. Für ihn zählt einzig und alleine der Erfolg, der bei ihm so aussieht, dass er mir dabei helfen durfte, siebzig Liter Erde auf dem Gepäckroller hinters Haus zu karren. Was kümmert es ihn, dass er weder Regenwürmer noch Raupen noch Käfer gesehen hat? Was schert es ihn, dass er noch immer nicht weiss, wie man Tomaten pflanzt? Hauptsache, er kann jedem voller Stolz erzählen, dass er „Mami ganz fest gholfe“ hat.
Hasenärger
Über meine Gewissensbisse, meinen Kindern das Märchen vom Osterhasen zu erzählen, habe ich ja schon öfters berichtet. Zum Beispiel hier, hier und hier. So elend wie heute habe ich mich aber noch nie gefühlt bei der ganzen Gaukelei. Karlsson, Luise und den FeuerwehrRitterRömerPiraten in der Sache anzulügen, war nicht so schlimm, denn irgendwie schienen die drei schon von Anfang an zu ahnen, dass das alles erstunken und erlogen ist. Beim Zoowärter aber sieht die Sache etwas anders aus. Für ein Kind, das Tag für Tag in einer von Winnie the Pooh, Drachengefährlichermachern, Rittern, Snoopy und dem Riesen Goliath bevölkerten Welt lebt, ist der Osterhase kein Märchen, sondern eine willkommene Ergänzung für sein ohnehin schon sehr lebhaftes Fantansie-Universum. Wenn man dann einem solchen Kind erklärt, dass nur die Mama den Osterhasen sehen könnte, weil er eben so früh am Morgen angehoppelt komme, dass noch keiner sonst wach sei, dann würde man sich am liebsten selber die Zunge abbeissen. Wie kann man bloss so gemein sein, die Gutgläubigkeit eines Vierjährigen zu missbrauchen? Mir bricht es fast das Herz, wenn ich mir ausmale, dass der arme Kleine in nicht allzu ferner Zukunft wird erkennen müssen, dass ich ihm einen riesigen Bären – etwa zehnmal grösser als der grösste Pooh in seiner Sammlung – aufgebunden habe. Ich darf gar nicht daran denken, wie enttäuscht er dereinst sein wird, sonst fange ich gleich hier und jetzt an zu heulen.
Als ob meine eigenen Gewissensbisse nicht schon schlimm genug wären, muss ich heute in einer der zahlreichen Sonntagszeitungen lesen, dass Eltern, die ihren Kindern vom Osterhasen erzählen, damit ernsthaft riskieren, ihren Nachwuchs zu verwirren. „Die Erwachsenen erlangen Macht und Kontrolle über das Kind, indem sie eine irreale Instanz erschaffen“, steht da schwarz auf weiss. Mist! Was sind wir doch für miese, hinterhältige Eltern, die den armen Zoowärter so sehr verwirren, dass am Ende gar sein Selbstvertrauen darunter leiden wird, wie ich in dem Artikel weiter lese. Gut, der Artikel zitiert auch andere Stimmen, die behaupten, das alles sei gar nicht so schlimm und die Kinder würden solche Geschichten ja so sehr lieben.
Aber als pflichtbewusste Mama weiss ich natürlich, auf welche Stimme ich zu hören habe und wie ich mich nach der Lektüre eines solchen Artikels zu verhalten habe: Ich streiche alle Passagen, die mir Vorwürfe machen, mit Leuchtstift an und lerne sie auswendig, auf dass ich sie nie wieder vergesse. Danach stelle ich mich vor den Spiegel, blicke mir fest in die Augen und sage mir hundert Mal vor, was für eine elende Lügnerin ich doch bin. Danach ziehe ich mich ins Büro zurück, um einen Sparplan zusammenzustellen, auf dass ich dereinst, wenn der Zoowärter meinetwegen auf der Couch des Psychiaters landet, genug Geld auf der Seite habe, um die Kosten für die Therapie zu begleichen. Zum Schluss begebe ich mich in die Küche, wo ich einen Schokoladenhasen verzehre. Denn eigentlich ist er ja Schuld an dem ganzen Schlamassel und darum hat er nichts anderes verdient, als aufgegessen zu werden.
Verehrter Herr Doktor
Der Götterhimmel des FeuerwehrRitterRömerPiraten ist um eine Figur reicher geworden. Neben Julius Cäsar, König David und irgend einer Figur aus Star Wars, die weder ich noch er kennen, wird seit einigen Wochen auch der Herr Doktor verehrt, der die Sehne, die Luise ihrem jüngeren Bruder angeschnitten hatte, wieder zusammengeflickt hat. Ich persönlich habe diesen Herrn Doktor ja nie zu Gesicht bekommen, denn bei den Arztbesuchen war jeweils „Meiner“ zugegen. Dem Vernehmen nach muss er ein wahrer Held sein, kompetent und braungebrannt zugleich. Also der ideale Held für den FeuerwehrRitterRömerPiraten, der sowohl auf Intelligenz, als auch auf gutes Aussehen viel Wert legt. Wohl darum hat er neulich beschlossen, dass er das gleiche werden will wie der Herr Doktor, der ihn geflickt hat. Das lässt er sich auch von Luise nicht ausreden, die ihn schon mehrmals gewarnt hat: „Wenn du das werden willst, musst du zwölf Jahre lang studieren. Stell dir das mal vor! Zwölf Jahre. Da solltest du doch lieber mit mir auf der Wochenbettstation arbeiten kommen.“
Der FeuerwehrRitterRömerPirat lässt sich durch Luises Warnung sein grosses Ziel nicht ausreden. Obschon er vorerst noch ein wichtigeres vor Augen hat, nämlich, den Herrn Doktor zu seiner Geburtstagsparty einzuladen. Bis dahin dauert es zwar noch eine ganze Weile – wenn auch nicht ganz so lange wie ein Medizinstudium mit Assistenzzeit – dennoch hat unser Dritter gestern dem Herrn Doktor eine „Geburceinladung“ mitgebracht, als er zum letzten Mal bei ihm vorbeischauen durfte. Ich hoffe doch sehr, dass der Herr Doktor die Einladung annimmt, denn sonst, so fürchte ich, wird sich der FeuerwehrRitterRömerPirat eigenhändig eine Sehne zerschneiden. Nur, damit er einen Grund hat, den verehrten Herrn Doktor weiterhin zu besuchen.
Ob ich schon mal vorsorglich alle Messer aus dem Haushalt entfernen soll?
Das gilt auch für dich, kleiner Prinz
Nun gut, mein Prinzchen, du bist ja wirklich zum Anbeissen, wenn du etwas ausgefressen hast. Du brauchst bloss dein Köpfchen schief zu legen, schelmisch zu grinsen und zu sagen „Bin i Luusbueb“ (Ich bin ein Lausbub) und schon ist dir alles verziehen. Ich fürchte gar, dass ich deinem Charme schon viel zu oft erlegen bin, als dass du meine halbherzigen Standpauken noch ernst nehmen würdest. Und ich höre sie heute schon, deine grossen Geschwister, wie sie mir dereinst vorwerfen werden: „Mit dem Prinzchen warst du nie so streng wie mit uns…“
Aber glaub mir, mein Prinzchen, selbst für dich gibt es Dinge, die „Meiner“ und ich nicht durchgehen lassen, so süss du auch lächeln magst, wenn man dich erwischt. Wenn am späten Abend, zu einer Zeit, da alle Minderjährigen im Hause Venditti schon längst schlafen sollten, auf einmal flackerndes Licht und Cartoon-Geschwätz aus dem Büro dringen und wir dich dabei erwischen, wie du dir am Computer die Abenteuer von Snoopy, Charlie Brown und Co. reinziehst, dann gibt’s auch für dich nur Eines: Computer ausschalten, eine frische Windel und Marsch ins Bett. Egal wie oft du mir versichert, du hättest schon „gut geschlafen“ und dürftest deswegen getrost noch etwas mehr Zeit mit den Peanuts verbringen. Du weisst doch, dass man viereckige Augen kriegt, wenn man zu viel fernsieht.
Nur etwas nimmt mich noch Wunder, bevor du dich aufmachst ins Land der Träume: Wie um alles in der Welt hast du es geschafft, den Film zum Laufen zu bringen?
Nur das Nötigste
In einer Grossfamilie kann man nicht früh genug damit anfangen, die Kinder zu lehren, ihre eigenen Koffer zu packen. Damit dies auch klappt, drucke ich den grösseren Kindern gewöhnlich eine Liste mit Bildern aus, die sie als Gedankenstütze beim Kofferpacken verwenden können. Diesmal war leider die Druckerpatrone leer und weil ich keine Zeit zum Zeichnen hatte, musste eben ein handgeschriebener Spickzettel reichen. Weil der FeuerwehrRitterRömerPirat noch nicht ganz flüssig liest, ging ich mit ihm die Liste noch einmal durch. Bald darauf erschien er mit gepacktem Koffer. Meine Frage, ob er alles dabei hätte, bejahte er.
In der Ferienwohnung angekommen, stellte sich rasch heraus, dass der Junge an alles gedacht hatte, was ihm wichtig erschien, nämlich:
1 lange Hose
1 kurze Hose
1 Paar Socken
7 Unterhosen
1 Zahnbürste
1 T-Shirt
1 Pullover
1 Buch mit dem Titel „Zum Glück bist du nicht Tutanchamun“
Mehr braucht man nun wirklich nicht, wenn man für eine Woche wegfährt, nicht wahr?
Ferienweisheiten
Man braucht kein asiatischer Tourist zu sein, um in Sandalen auf einem abschüssigen Wanderweg zu landen. Es reicht, wenn man Venditti heisst und sich ohne vertiefte Vorbereitung in den Greyerzer Hügeln wiederfindet.
Die Schonzeit für „Meinen“ und mich neigt sich dem Ende zu. Karlsson, Luise und der FeuerwehrRitterRömerPirat fangen an, hinter unserem Rücken zu tuscheln. Nicht mehr lange, und wir werden ihnen peinlich sein. Was mich nicht weiter verwundert. Denn Menschen, die nach zehn Minuten Zugluft bereits über Nackenstarre jammern sind einfach peinlich.
Wenn Karlsson, Luise und der FeuerwehrRitterRömerPirat auf der Wanderung motzen, sie würden keinen weiteren Schritt mehr gehen und wenn wir ihnen 1000 Franken bieten würden, dann heisst das nicht, dass sie nicht eine Stunde später den steilsten Hügel im Dorf erklimmen werden.
Es gibt Momente, da verzichtet man liebend gerne auf Sauce Hollandaise zu den frischen Artischocken. Zum Beispiel dann, wenn Mama Venditti in den Ferien zu faul ist, zwanzig Minuten Sauce-rührend am Herd zu stehen und deshalb für einmal auf den Beutel zurückgreift. Und dann lieber Mayonnaise nimmt, weil sie die Pampe aus dem Beutel nicht runterkriegt.
Der Sonnenbrand ist eine Realität, die wir so erfolgreich verdrängt haben, dass wir uns jetzt, wo wir alle krebsrot sind im Gesicht, erstaunt die Augen reiben und uns fragen, wie wir bloss so dumm sein konnten, uns auf das Risiko einzulassen, ohne Sonnenschutz einen ausgedehnten Spaziergang zu machen. Nun ja, wir sind eben Kinder unserer Zeit und somit bestens damit vertraut, „Restrisiken“ auszublenden.
Es ist zwar nicht ganz einfach, aber man kann durchaus auch ohne Internetverbindung überleben. Zumindest solange, bis „Meiner“ die Zeit gefunden hat, auf dem Tourismusbüro nachzufragen, was mit dem im Prospekt versprochenen Drahtlosnetzwerk los sei. Seine Frau werde allmählich ungeniessbar, wenn sie nicht endlich wieder online sein könne…
Es kommt zwar selten vor, aber hin und wieder ist das Leben netter als man denkt und so kommt es, dass sich meine Halsschmerzen nun doch zurückgezogen haben, ohne weiteren Schaden anzurichten. Wenn das so weitergeht, haben wir am Ende nicht mal einen Grund zum Jammern, wenn wir nach Hause kommen.









