Kinderprogramm

Vielleicht sind hier doch nicht alle so nett. Ich zumindest finde es nicht besonders nett, wenn der Vergnügungs- und Kletterpark geschlossen ist und bis zum Tag unserer Abreise geschlossen bleiben wird, obschon auf dem Werbeprospekt steht, er sei bis zum 4. November täglich geöffnet. Ich finde es auch nicht nett, dass die Schlittschuhbahn ebenfalls den ganzen Oktober geschlossen ist, das Schwimmbad erst nachmittags um vier öffnet und die Minigolfanlage jeweils von acht Uhr abends bis zwei Uhr morgens offen ist. Nicht gerade die Tageszeit, zu der wir mit unseren Kindern unterwegs sind. Und ich finde es erst recht nicht nett, dass unsere Kinder im Café zurechtgewiesen werden, sie dürften die Spatzen nicht füttern, während der ältere Herr am Nebentisch dies ungestraft tun darf. Okay, wie bekommen dafür einen Schleckstengel geschenkt und der ältere Herr nicht, aber ob es nett war, Kindern Schleckstengel zu schenken, zeigt sich jeweils erst, wenn der Zahnarzt später auch keine Löcher in den Gebissen der Kinder findet.

Eigentlich weiss doch jeder, dass ein ansprechendes Kinderprogramm  das A und O eines gelungenen Ferientages ist. Weil dies heute aber partout nicht klappen will, müssen wir eben zum Erwachsenenprogramm übergehen: Tee und Törtchen in einer romantischen Konditorei. Sehr gemütlich. Bis Luise ihren Durst unter dem Tisch zu stillen beginnt. Das Personal soll ja nicht sehen, dass wir eine angefangene Limonadenflasche vom Mittagessen ins Lokal geschmuggelt haben. Dummerweise bemerkt der Zoowärter, dass er auch durstig ist, will aber nicht verstehen, dass er heute nur unter dem Tisch trinken darf. Wo es doch sonst immer heisst, er dürfe nicht unter dem Tisch essen und trinken. Da verstehe einer diese Eltern! Natürlich gibt es ein Geschrei, in welches alsbald das Prinzchen einstimmt, weil er hundemüde ist und ausserdem eine volle Windel hat. Gäste und Personal atmen hörbar auf, als wir das Lokal fluchtartig verlassen.

Das also war die erste Hälfte meines 35. Geburtstags. Bleibt zu hoffen, dass die zweite Hälfte besser wird. Immerhin ist es schon hart genug, dass ich mich jetzt endgültig nicht mehr jung nennen darf. Aber um diesen Schmerz zu lindern habe ich von „Meinem“ heute Morgen eine Mini-Weiterbildung und eine Flasche Tonic-Water geschenkt bekommen und das tröstet über Vieles hinweg…

042

Weit weg vom Alltag?

Eigentlich reist man ja in die Ferien, um mal wieder Ruhe zu haben vor allem, was im Alltag so lästig ist: Rechungen im Briefkasten, Vertreterbesuche, Versicherungsanträge, Werbeanrufe. Meistens gelingt das tadellos, man taucht ein in eine andere Welt, leistet sich Dinge, auf die man zu Hause verzichtet, vergisst den Alltagsstress. Herrliche Ruhe vor dem Telefon! Nicht so, wenn man mit Hapimag Ferien macht. Da läutet nämlich schon an Tag 3 das Telefon. Während des Abendessens! Ob wir nicht auch Hapimag-Aktien kaufen möchten? Oder zumindest an einer Präsentation teilnehmen möchten? Mit einer Engelsgeduld wimmelt „Meiner“ den Telefonverkäufer ab, erklärt ihm, dass er als fünffacher Vater und Primarlehrer wohl nicht ganz zur Zielgruppe von Hapimag gehört.

Wie wir überhaupt zu Ferien mit Hapimag gekommen sind? Nun, das war ein Geschenk, das letztes Jahr bei der Heizölbestellung inbegriffen war. Für einmal bescherte uns die Heizöllieferung mehr als bloss ein schlechtes Gewissen, dass wir unsere Ölheizung noch immer nicht gegen ein umweltfreundlicheres Modell eingetauscht haben. Dass wir als Gegenleistung für das Geschenk auch in den Ferien Werbeanrufe würden abwimmeln müssen, hat uns natürlich keiner gesagt. Wir hätten gedacht, die würden dann erst zu Hause wieder versuchen, uns Ferienaktien aufzuschwatzen. Dabei ist doch sonnenklar, dass wir nicht die Zielgruppe von Hapimag sind. Kaum bläst Karlsson auf dem Balkon stolz in seine Tröte, steht auch schon der Nachbar auf der Matte. Pöbel wie wir hat hier definitiv nichts verloren.

032

Souvenirjagd

Irgendwann, vor etwa drei Jahren, hat es sich in unserer Familie eingebürgert, dass jedes Kind pro Urlaub ein Souvenir auswählen darf. Eines, nicht zwei, drei oder vier, wie Karlsson jeweils wünschte. Meistens überlegen sich die Kinder bereits auf der Hinreise, was sie auswählen werden, obschon sie das landestypische Sortiment an Kitsch noch gar nicht kennen. Kaum ist man dann  angekommen, möchten sie die Läden stürmen. Doch „Meiner“ und ich sind da jeweils strikte dagegen. Die Kinder sollen zuerst vergleichen, was es auf dem Markt gibt. So ein Souvenirkauf muss wohlüberlegt sein. Man könnte es sonst später bitter bereuen, dass man sich zu früh zu einem Kauf entschieden hat. Zumal es ja, wie bereits erwähnt, nur ein Souvenir gibt.

Dieses Mal schafften wir es, die Souvenirjagd bis Montag herauszuzögern. Als ich aber heute im Supermarché Nachschub für unseren Kühlschrank besorgen musste, gab es für die Kinder kein Halten mehr. Zwei volle Ferientage ohne Souvenirshopping, das war einfach zu viel des Guten. Der Erste, der sein Herz an etwas hängte, war der FeuerwehrRitterRömerPirat. Eine hässliche Blechbox mit diesem dämlichen McQueen von Disney drauf für 6 Euro sollte es sein. Wie sollte ich ihm das bloss wieder ausreden? Theoretisch ist es nämlich so, dass „Meiner“ und ich unseren Kindern im Rahmen des Budgets freie Hand lassen beim Souvenirkauf. Deshalb kommt es nicht in Frage, dass wir einfach plump nein sagen zu einem Wunsch. Da müssen schon diplomatischere Künste her. Mein erstes Argument, dass es diesen Mist auch zu Hause gebe, zog nicht. Er habe noch nie so etwas gesehen in der Migros, entgegnete mir ein zu allem entschlossener FeuerwehrRitterRömerPirat. Auch das Argument, er solle sich doch zuerst die anderen Sachen ansehen, bevor er sich entschliesse, zog nicht. Deshalb musste dann eben doch ein Nein sein. Ich kenne doch meinen Dritten:  Sobald er etwas anderes sieht, das sein Herz begehrt, schaut er mich treuherzig an und murmelt, er hätte noch gar kein richtiges Souvenir gekauft. McQueen gebe es ja auch in der Schweiz. Und ehe ich es verhindern kann, hat der Schlaumeier zwei Souvenirs. Und wenn er zwei bekommt, braucht Karlsson auch ein Zweites,  und Luise auch.

Irgendwie schaffte ich es, einen traurigen FeuerwehrRitterRömerPiraten aus dem Laden zu lotsen. Das war auch dringend nötig, denn Luise hatte sich bereits auf die Auslage im Geschäft gegenüber gestürzt. Für sie sollte es ein Picknick-Korb sein. So einen, wie sie „schon immer“ gewollt hatte. Eine gute Wahl, bloss etwas teurer als die Limite von 10 Euro, die ich mir gesetzt hatte. Aber weil Luise ja ihr ganzen Leben nichts anderes begehrt hatte als diesen einen Picknick-Korb, konnte ich ihr den Wunsch nicht abschlagen. Den in Souvenirfragen noch ziemlich anspruchslosen Zoowärter beglückte ich im gleichen Laden mit sechs kanllbunten Badeenten und schon war die Hälfte des Einkaufs getätigt.

Weiter also zu Karlssons Traumladen, „100 000 Souvenirs“ genannt. Doch oh weh, der Laden ist montags geschlossen. Weil aber Karlsson keine weitere Minute ohne sein Souvenir leben konnte, musste schnell gehandelt werden. Zum Glück gab es ein paar Schritte weiter vorn einen weiteren Einkaufstempel. Leider wurde dieser gerade von einer Horde italienischer Senioren überfallen, so dass ich mich nicht mehr voll und ganz auf die Einkäufe meiner Söhne konzentrieren konnte. Ich brauchte nämlich meine ganze Energie dafür, mit Ellbogen und bösen Blicken meinen Platz in der Warteschlange zu verteidigen. Und ehe ich mir’s versah, waren Karlsson und der FeuerwehrRitterRömerPirat zu stolzen Besitzern von zwei Tröten aus echtem Kuhhorn geworden.

Ich möchte bloss wissen, wer ihnen diesen Mist gekauft hat. Haben die Jungs denn keine Mama, die ihnen beim Einkauf ein wenig auf die Finger schaut?

044

Liebesbrief an die moderne Technologie

Immer, wenn  wir in die Ferien verreisen gilt meine erste Sorge dem Internetanschluss. Nicht dass ich mich in der Illusion wiege, meine Leser könnten nicht ein paar Tage ohne neues Gebrabbel meinersteits auskommen. Ob ich das allerdings  überstehen würde, ist eine andere Frage. Diesmal aber war es besonders wichtig, denn ich hatte den Abgabetermin meiner Kolumne bereits verschieben müssen, weil ich Donnerstag und Freitag im Spital mit Warten vertrödelt hatte. Die Zeit drängte also, als wir in Chamonix ankamen. Undwie immer, wenn die Zeit drängt, lief alles schief.

Zuerst mal funktionierte das Modem nicht, das mir die Réception zur Verfügung gestellt hatte. Also begann ich ohne Internetverbindung zu schreiben. Irgendwann stellte ich mit Schrecken fest, dass das Schreibbprogramm des Laptops zwar Wörter, nicht aber Zeichen und Leerschläge zählt. Also begannen „Meiner“ und ich zu zählen. Dies aber passte dem Laptop nicht, weshalb er zu protestieren begann, sein Akku werde demnächst leer sein, was dazu führte, dass „Meiner“ und ich panisch begannen, den Text von Hand abzuschreiben, denn der Adapter für ausländische Steckdosen war mal wieder zu Hause geblieben und die Réception war inzwischen geschlossen. Also ab zum Computer in der Lobby, der aber aus unerfindlichen Gründen etwas gegen mich hat und alles tat, nur nicht das, was ich will.

Irgend wann gab ich auf, stürmte entnervt in die Ferienwohnung, wo ich einen hefitgen Streit mit „Meinem“ vom Zaun brach. Wenn ich schon keinen an der Réception zur Schnecke machen konnte, musste eben „Meiner“ dranglauben. Und man sagt ja, die meisten Paare würden in den  Ferien streiten, weshalb also sollten wir eine Ausnahme machen?

Wie die Kolumne dann doch fertig geworden ist? Nun, heute früh – und ich meine wirklich früh – funktionierte alles wieder tadellos. Und zum Zeichen der Versöhnung hat mir „Meiner“ sogar ein  anderes Modem geholt an der Réception. Somit fanden meine von Hand abgezählten 3000 Zeichen inklusive Leerschläge gerade noch rechtzeitig den Weg nach Aarau. Ob der Text gut ist? Keine Ahnung. Bei so viel Zählen konnte ich mich nicht auch noch auf den Inhalt konzentrieren…

Und jetzt starten wir einen neuen Anlauf, das süsse Leben hier zu geniessen.

023

Freundinnen fürs Leben

Jetzt sind wir erst seit sieben Tagen hier und schon haben wir Freundschaften fürs Leben geschlossen. Die zwei, von denen hier die Rede ist, können sich kaum halten vor Begeisterung, wenn sie uns sehen.

Die eine ist das Zimmermädchen. Schon wenn sie uns von Weitem sieht, gibt sie ein freudiges Grunzen von sich. Ach, wie sie es liebt, jeden Morgen unser Zimmer aufzuräumen und uns mit frischen Handtüchern zu versorgen! Besonders, wenn wir sie jedesmal bei ihrer Arbeit unterbrechen, weil das Prinzchen ausgerechnet dann, wenn sie sich voller Begeisterung in unserem Zimmer zu schaffen machen will, sein Schläfchen halten muss. Und wie sie unsere Kinder vergöttert! Man muss wirklich aufpassen, dass sie nicht plötzlich eines von ihnen aus lauter Liebe in den Hintern tritt, weil es sich erfrecht hat, nach dem Bad mit nassen Füssen auf den Teppich zu treten.

Die andere Freundin serviert im Restaurant. Bereits am ersten Abend hat sie uns ins Herz geschlossen, als der FeuerwehrRitterRömerPirat und der Zoowärter unter dem Tisch auf Entdeckungsreise gingen. Nie wieder wolle sie unsere Buben unter dem Tisch antreffen, schärfte sie ihnen ein. Dort unten würden nämlich unglaubliche Gefahren lauern, die sie unseren kostbaren Söhnen nicht zumuten wolle. Ein paar Tage später stiegen wir noch mehr in ihrem Ansehen, als der Zoowärter einen Porzellan-Salzstreuer fallen liess. Das wertvolle Stück sei eine Rarität, erklärte sie und warf unserem Zweitjüngsten einen derart liebevollen Blick zu, dass das Kind vor lauter Freude fast in Tränen ausgebrochen wäre. Seither lässt sie keine Gelegenheit aus, unseren Nachwuchs ihre  Zuneigung spüren zu lassen. Man kann förmlich spüren, wie sehr sie sich darüber freut, dass der Wirt vor einigen Jahren beschlossen hat, das Hotel von einer Absteige für Senioren und Carreisende in ein Kinderhotel umzuwandeln.

Leider haben unsere Freundinnen zwischendurch auch mal frei. Dann müssen wir hilflos mitansehen, wie das Personal unsere armen Kinder mit Gummibärchen, Streicheleinheiten und Zulächeln misshandelt. Haben die denn noch nicht begriffen, was echte Gastfreundschaft ist?

Das also ist der Haken

Irgend etwas kann da doch nicht stimmen. Für fast nichts verbringen wir hier zu siebt zehn erholsame Ferientage. Und zwar inklusive Essen, Wellness und Kinderbetreuung. Nun ja, der Hotelbesitzer hatte ja versucht, nach der Buchung den Preis von „fast nichts“ auf „ein kleines Bisschen“ zu erhöhen, aber „Meiner“ hat gekämpft wie ein Löwe und deshalb blieb es bei „fast nichts“.

Misstrauisch, wie wir nun mal sind, rechneten wir damit, dass die Sache einen Haken haben würde. Doch wir konnten lange keinen finden. Das Essen ist gut und reichlich, das Kinderprogramm so toll, dass wir unsere Kinder zu vermissen beginnen, weil sie nichts mehr von uns wissen wollen, die Umgebung traumhaft, das Hallenbad neu und blitzsauber und die Sauna einfach perfekt. Nun ja, das Zimmer ist nicht gerade schön, zumindest nicht in den Augen von „Meinem“ und mir. Wir hätten nichts gegen eines der renovierten Zimmer gehabt. Aber die Kinder sind hin und weg von dem muffeligen Siebzigerjahre-Charme.

Ja, das Zimmer, das ist offenbar der Haken. Gleich nach unserer Ankunft hätten wir merken können, was der Wirt mit seinem Deal im Schilde führte: Luise verdunkelte das Zimmer und schon war das Rollo kaputt. Am nächsten Tag ging Luises Nachttischschublade drauf, am Übernächsten die Nachttischlampe, dann der Seifenspender und jetzt beginnt so langsam unser Bett zu wackeln. Die Überlegung ist glasklar: Wir, die Schweizer mit der Horde ungezogener Kinder, wohnen fast gratis. Im Gegenzug beginnen wir schon mal mit debm Abbruch des Mobiliars, damit im Winter die Renovation schneller vonstatten geht. Wir demolieren, sie renovieren. Clever, nicht wahr? Bloss finde ich das Ganze etwas unfair. Wir sind ja nicht zum Arbeiten da, sondern zum Ferienmachen.

Hab´ ich´s nicht gesagt?

Es ist wie immer: Der Hotelprospekt verspricht dir Wireless-Lan im Zimmer, du glaubt den ganzen Mist und schleppst neben Schönwetterkleidung, Schlechtwetterkleidung, Badehhosen, Reiseapotheke, Stofftieren, Reisespielen und Windeln auch deinen Laptop mit. Das Handbuch für Besucher bestätigt dir noch einmal, dass du vom Hotelzimmer aus gratis Zugang zum Internet hast. Alles was du tun müssest sei, an der Reception dein Passwort azubholen. Hoffnungsfroh schickst du „Deinen“ zur Reception, wärhrend du mit den grossen Kindern im kalten Hallenbad am Planschen bist. „Deiner“ findet derweil heraus, dass leider leider der Internetzugang in den Zimmern ausser Betrieb sei. Doch selbstverständlich dürfe man den Computer in der Lobby jederzeit gratis benützen. „Blah blah blah!“, denkst du. Denn du weisst ja, dass dieser Computer entweder kaputt oder von Workaholics belagert ist.

Doch siehe da: Der Computer ist neu, er funktioniert und es hat weit und breit keine Workaholics. Mal abgesehen von dieser Schweizerin mit den fünf Kindern, die es nicht mal vierundzwanzig Stunden ohne Internetzugang aushält…

Uffffff!

So, die Koffer sind schon fast gepackt, die letzen Post-its abgeräumt (natürlich erst nachdem alles erledigt ist), die Akkus aufgeladen, die Kleider gewaschen, der Abfall entsorgt und und und. Jetzt muss nur noch der Laptop abgeräumt werden, denn der kommt natürlich mit. Ob ich in Österreich dann aber auch wirklich bloggen kann, hängt davon ab, ob der im Reiseprospekt versprochene gratis-Internetzugang auch tatsächlich existiert.

Meist wird ja viel versprochen. Doch wenn man ankommt, entpuppt sich der versprochene Internetzugang als klapprige alte Kiste in der Lobby, die sich im Dauerstreik befindet. Sollte sie zufälligrweise mal für ein paar Stunden funktionieren, wird sie sofort von irgendwelchen Workaholics in Beschlag genommen, die ihre Arbeit verrichten, vor der sie eigentlich hatten flüchten wollen. Am Tag vor der Abreise findet man dann per Zufall heraus, dass da noch so ein klitzekleiner Anschluss im Zimmer versteckt gewesen wäre. Aber dann ist es ja schon zu spät.

Also dann, mal sehen. Wenn der Reiseprospekt sein Versprechen hält, wird weiter gebloggt. Ansonsten haben meine Leser zehn Tage Ruhe vor mir und meiner Bande.

Kleine Absurditäten

Gibt es etwas Beschaulicheres als Ferien in einem Österreichischen Kaff? Die kulturellen Unterschiede zur Schweiz sind so minim, dass man sich nicht gross auf die Reise vorbereiten muss. So kann man sich vor Ort eingehend mit den kleinen Absurditäten befassen.

Da betreibt zum Beispiel eine gewisse Maria ein kleines Café im Ort. Tja, und diese Maria hat ein ernsthaftes Problem mit Apostrophen. Die Frau sollte dringend einen Germanisten aufsuchen, doch das wagt ihr wohl keiner zu sagen. Ihr Lokal heisst „Maria’s s’Café“ und während der Sommermonate sind bei Maria „Milchshak’s“ der Renner.
Auch der Spitalalltag bietet für uns Schweizer einiges an Absurditäten. Ärzte sind hier noch echte Autoritäten. Nur sie haben die Berechtigung, Infusionen zu stecken. Als unserem Sohn bereits der zweite Schlauch herausgefallen ist, muss ein Neuer her. Die erste Ärztin versucht ohne Erfolg, eine passende Stelle für den Einstich zu finden. Sie holt eine andere Ärztin. Diese stochert ohne Erfolg in Arm des inzwischen etwas panischen Kindes herum. Also muss eine weitere Ärztin her. Als auch diese nichts ausrichten kann, murmelt sie: „Mal schauen, ob ich einen Oberarzt erreichen kann“. Wie bitte? Soll jetzt noch einer auf unser Kind losgelassen werden? Bei uns hätte man wohl schon längst eine Hebamme geholt, weil die angeblich am besten Infusionen stecken können. Und hier soll ein Oberarzt her, der bis jetzt das Kind kaum eines Blickes gewürdigt hat. Doch zum Glück hat der Mann viel zu tun und so steht ein paar Miunten später eine Ärztin mit einem Löffel da. Das Kind darf die Medikamente ab sofort schlucken. Was den Oberarzt nicht daran hindert, am nächsten Morgen bei der Visite zu verkünden, heute bekäme der Junge seine letzte Infusion. Dass der Bub schon längst keinen Schlauch mehr im Arm hat, bemerkt er nicht. Wie auch, wo doch der Arzt den Jungen auch heute keines Blickes würdigt?
Nicht bloss absurd sondern geradezu erschreckend ist die Gewohnheit gewisser Österreicher, die Leute mit einem fröhlichen „Heil!“ zu verabschieden. Mag sein, dass die Leute hier nicht automatisch an Hitler denken, wenn sie diesen Gruss hören. Aber es hat doch ziemlich viele Touristen hier in der Gegend. Und da sind wir wohl nicht die einzigen, die zusammenzucken, wenn uns einer beim Verlassen eines Geschäftes ein überschwengliches „Heil!“ hinterherschickt.

Touristenfalle

Nach ein paar kinderfreien Tagen, die man krankheitsbedingt zwischen Bett, Speisesaal und Sauna verbracht hat, ist es wohl normal, dass einem die Decke auf den Kopf fällt. Irgendwie ist alles ganz anders, als man es sich vorgestellt hatte, man mag die fetten alten Männer in der Sauna nicht mehr sehen. Diese Männer, die noch nicht begriffen haben, dass ihr Anblick nicht mehr besonders ästhetisch ist und dass sie deswegen beim Saunagang ruhig etwas mehr Diskretion walten lassen dürften. Immerhin begegnet man sich ein paar Stunden später wieder beim Buffet.

So nimmt man nach drei Tagen den Bus, um etwas anderes zu sehen. Man könnte wieder mal Shoppen. Die Kinder warten ja auch auf Souvenirs. Nach zwanzig Minuten Busfahrt kommt man im nächst gelegenen Städtchen an. Städtchen? Wohl eher eine Touristenfalle, die den Besuchern eine heile Schwarzwälder Welt vorgaukeln soll. Souvenirshop reiht sich an Souvenirshop, dazwischen Kaffeehäuser mit riesigen Torten in der Auslage, ab und zu ein "Fremdenzimmer", für die Fremden, die hier bitte ihr Geld abgeben sollen, sonst aber fremd bleiben sollen. Der ganze Ort ist überlaufen von Schweizern der übelsten Sorte: Ältere Semester auf der Suche nach dem billigsten Schnaps, dem schönsten Dirndl, dem grössten Schnitzel. Dazwischen ein paar Japaner, die auch nicht besser sind, die man aber zum Glück nicht versteht.

Nach fünfzehn Minuten hat mans gesehen, der nächste Bus fährt aber erst in einer Stunde. Immerhin erstehen wir zwei Souvenirs für die Kinder: Eine Glitzerkugel mit einem Clown drin und einen Holzsäbel, der den kampfbegeisterten Dritten in helle Aufregung setzten wird. Leider vergisst die Verkäuferin, das Ding in eine Tüte zu stecken. So ziehen wir säbelschwingend durch die Idylle und träumen davon, all die Souvenirshops kurz und klein zu schlagen.

Vielleicht wird man unvernünftig, wenn keine Kinder da, sind, die einen dazu zwingen, erwachsen zu sein?