Gibt es ihn, oder gibt es ihn nicht? Natürlich gibt es ihn nicht, und in der grauen Vorzeit, als man noch keine Kinder hatte, war man sich sicher, dass man ihnen nie und nimmer einen solchen Mist erzählen würde. Die Kleinen sollten zu nüchtern denkenden Menschen erzogen werden, die nicht irgendwann, etwa im Alter von 14 Jahren, entsetzt feststellen sollten, dass ihre Eltern sie schamlos angelogen hatten. Kinder wollen ernst genommen werden, so dachte man, und deshalb lieben sie es gar nicht, wenn man ihnen etwas vormacht.
Am Anfang ging dies tatsächlich noch gut. Es gab ihn nicht, aber man kaufte trotzdem einen, und zwar einen aus Schokolade, keinen aus Nougat. Dann aber kam das „magische Alter“, oder wie die Pädagogen dies auch immer nennen mögen. Die Zeit, in der die Kinder alles mögliche glauben wollen. Und mit dem magischen Alter kam der Kindergarten mit all den wunderbaren Geschichten, die die Kinder dort erzählt bekommen. Ja, und plötzlich gab es ihn, ob man wollte, oder nicht. Er brachte die bunten Eier, die Überraschungen, die Süssigkeiten.
Und jetzt kommt das grosse Dilemma: Während die einen Kinder erst gerade im „magischen Alter“ angekommen sind, ist der ältere Bruder bereits wieder daran, für alles eine Erklärung zu suchen, einen Blick hinter die Kulissen zu werfen. Der Jüngste hat von allem noch gar keine Ahnung, ist glücklich, solange er das grösste Stück Schokolade bekommt. Richtet man sich nun nach dem Ältesten und sagt, es gebe ihn nicht, zerstört man die Träume der Kleineren. Natürlich sind diese bloss Illusionen, aber verleihen nicht gerade diese der Kindheit ihren Zauber? Richtet man sich nach den Jüngeren, fühlt sich der Älteste für dumm verkauft. Richtet man sich nach dem Jüngsten, dann artet die Sache in ein grosses Fressen aus, was ja auch nicht gerade der Sinn der Sache ist.
Und so stehen sie, die Eltern, vor der grossen Frage: Gibt es ihn bei uns, den Osterhasen? Wenn nein, wie sag ich’s meinem Kinde? Wenn ja, wie können wir uns selbst noch treu bleiben?

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