Ausgestellt

War das mal wieder ein Auftritt! Zuerst war ja alles glatt gelaufen: Die ganze Familie stand geputzt und gestriegelt zum Abmarsch bereit, – ich hatte sogar noch die Zeit gefunden, meine Ersatz-Tussischuhe anzuziehen, – und für einmal sah es ganz so aus, als würden wir  ohne Gehetze den Weg zur Bushaltestelle unter die Füsse nehmen können. Die glückliche Grossfamilie auf dem Weg zur Kirche. Sind sie nicht hinreissend?

Doch wie immer, wenn alles zu perfekt läuft, kommt etwas dazwischen. Diesmal wahren es Karlssons Finger, die zwischen die Tür kamen und deshalb verarztet werden mussten. Und so kam es, dass „Meiner“ nicht rechtzeitig fertig war und mit dem Auto zum Gottesdienst fuhr, während ich mich mit den fünf Rabauken im ÖV abplagte. Ja, und dann hatten wir eben unseren Auftritt. Nun ja, eigentlich hätte es „Meinem“ schon noch auf den Bus gereicht, doch da er kein Münz mehr im Portemonnaie hatte, musste er nochmals nach Hause rennen und da reichte es dann eben doch nicht mehr.

Und ausgerechnet heute musste  der Bus gerammelt voll sein mit Leuten, die entweder keine Kinder haben, oder die zwar mal Kinder hatten, die aber alles besser gemacht haben und die einem dies auch ohne Worte zu spüren geben. Allein die Tatsache, dass der Bus voll war,  ist  eine Unverschämtheit, denn der Neunuhr-Bus ist am Sonntag eigentlich reserviert für uns und unserer Freunde mit den vier Kindern. Die anderen sollen gefälligst früher oder später fahren. Doch weil  heute all die Unbefugten im Bus sassen, fanden unsere Kinder nicht auf Anhieb einen Sitzplatz und da ich ja nicht wildfremde Buspassagiere anbrüllen kann, musste ich eben meine Kinder anbellen, sie sollten sich endlich irgendwo hinsetzen. In der Hoffnung natürlich, dass irgend einer so nett wäre, meinem taumelnden Zoowärter einen Platz anzubieten. Was aber nicht geschah, so dass ich, auf meinen Keilabsätzen schwankend, mitten im Bus einen brüllenden Zoowärter auf dem Arm halten, des Prinzchens Karosse festhalten  und den anderen Fahrgästen Platz machen musste, weil diesen unmöglich zugemutet werden konnte, dass sie im vorderen Teil des Buses sitzen.

So standen wir da, ausgestellt auf dem Podest, auf die Kritik wartend, die da kommen würde. Und es dauerte tatsächlich nicht lange, bis eine ältere Frau mich darauf hinwies, dass der Zoowärter und der FeuerwehrRitterRömerPirat  noch etwas schmutzig seien im Gesicht. Ist doch nett, dass wenigstens jemand sich darum kümmert, dass unsere Kinder sauber zur Kirche gehen.  Auch die anderen Kritiker hielten sich nicht zurück, doch da sie sich auf böse Blicke und ein leises Tuscheln beschränkten, weiss ich leider nicht, was ich sonst noch alles falsch gemacht habe.

Dass ich nach so einer Busfahrt nicht mehr in der andächtigsten und frömmsten Stimmung war, ist ja wohl verständlich. Zum Glück glaube ich an einen Gott, der nichts dagegen hat, dass man von Zeit zu Zeit mal wütend wird, sonst müsste ich nächsten Sonntag mit Erbsen in den Schuhen zur Kirche pilgern. Was zwar unbequem und bei meinen Ersatz-Tussischuhen beinahe unmöglich wäre, aber immerhin den Eisbären nicht schaden würde.

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