So kauft man doch (k)ein Auto!

Wie die Geschichte mit dem kaputten Auto weitergegangen ist? Nun… ganz anders als Auto-Geschichten bei uns gewöhnlich laufen. Als bekennende Autohasser schieben „Meiner“ und ich jeden Autokauf so lange vor uns her, wie es nur geht, um uns dann, wenn die Karre schon fast schlapp gemacht hat, verzweifelt irgendwo einen fahrbaren Untersatz aufzutreiben. Weil wir von Autos nicht das Geringste verstehen, taugt das Ding dann meistens nicht besonders viel und so müssen wir uns ein paar Jahre später wieder mit der leidigen Angelegenheit herumschlagen

Diesmal war alles anders.

Diesmal sagte „Meiner“ zum Garagisten: „Suchen Sie uns doch bitte ein Auto, wir haben von Tuten und Blasen keine Ahnung.“ Er nannte ein paar Kriterien, die uns wichtig sind und vierundzwanzig Stunden später bekam ich mitten in einer Sitzung die Nachricht von meinem Herrn Gemahl: „Auto gekauft. Morgen können wir es abholen.“

Zugegeben, zuerst war ich ziemlich sauer, denn als ich Details erfahren wollte, konnte er mir gerade mal die Farbe (schwarz), den Kilometerstand (irgend eine Zahl, die mir ohnehin nichts sagt) und den Preis (an der unteren Grenze unseres Budgets) nennen. „Himmel, so kauft man doch kein Auto!“, seufzte ich und nahm mir vor, „Meinem“ am Abend tüchtig die Meinung zu sagen.

„Meiner“ hatte aber mal wieder Glück. Kaum war ich zu Hause angekommen, musste er auch schon wieder weg und während er weg war, hatte die Stimme der Vernunft sehr viel Zeit, beruhigend auf mich einzureden. „Früher habt ihr eure Autos immer selber ausgesucht…“, fing sie an. „Genau! So etwas macht man doch gemeinsam, wenn man verheiratet ist“,  unterbrach ich sie aufgebracht. „Ja, ihr habt das immer gemeinsam gemacht, aber wie ist das jeweils ausgegangen?“, sagte sie sanft und sah mich dabei an, wie man ein begriffsstutziges kleines Kind ansieht. „Na ja… nicht besonders gut…“, gestand ich kleinlaut. „Nicht besonders gut? Du untertreibst mal wieder, meine Liebe. Eine Katastrophe war das mit euch beiden. Erinnerst du dich an den Kia, der andauernd auf offener Strasse stehen blieb? Und an den Fiat, bei dem irgendwann ohne äussere Einwirkung die Fensterscheibe in tausend Scherben zersprang? Und wie war das nochmal mit der letzten Karre, die nach so kurzer Zeit bereits den Geist aufgegeben hat, obschon ihr sie für so perfekt gehalten habt? Ach ja, und dann war da noch…“ „Schon gut, ich habe verstanden“, sagte ich mit einem müden Lächeln. „Dann siehst du also ein, dass man dir und ‚Deinem‘ in Sachen Autokauf so gar nichts zutrauen kann?“ Ich nickte brav. „Siehst du auch ein, dass ihr jetzt erst recht wieder Mist gebaut hättet, weil ihr die komischen Motorengeräusche so lange überhört habt, bis ihr gar keine andere Wahl mehr hattet, als sofort ein neues Auto aufzutreiben?“ Ich nickte noch einmal brav. „Dann siehst du also bestimmt auch ein, dass es das Klügste war, euch aus der Sache rauszuhalten und die Suche einem Fachmann zu überlassen.“ Ich nickte ein drittes Mal brav und als „Meiner“ nach Hause kam, konnte ich ganz ehrlich sagen: „Ich habe zwar keine Ahnung, was wir für ein Auto bekommen, aber ich glaube, das hast du irgendwie doch ganz gut gemacht.“

Und das denke ich jetzt, wo ich das Auto zu Gesicht bekommen habe, noch immer. Obschon ich nie im Leben ein schwarzes Auto hätte fahren wollen.

Aber vielleicht achten Menschen, die etwas von Autos verstehen, auch nicht auf die Farbe…

Alltag halt…

Vor etwas mehr als einer Woche hätte ich darüber schreiben wollen, dass im Hause Venditti inzwischen unglaublich ruhige Zeiten angebrochen sind. So ruhig, dass Prinzchens zehnter Geburtstag schon drei Tage vor dem Fest perfekt organisiert und geplant war. Die Geschenke eingepackt, die Zutaten für Torte und Croissants eingekauft, die Gäste über alle nötigen Details informiert. 

Ich hätte darüber geschrieben, dass das einerseits ein unglaublich gutes Gefühl ist, weil man doch tatsächlich für einen Moment glaubt, man hätte nach vielen chaotischen Jahren die Dinge endlich im Griff, andererseits aber auch eine gefährliche Entwicklung, da – sobald man mal in etwas gemässigterem Tempo durchs Leben kurvt – sofort wieder der gute alte Perfektionismus das Kommando übernimmt, weil er denkt, er sei jetzt wieder gefragt.

Das alles habe ich nicht geschrieben und darüber bin ich ganz froh. Gut, im ersten Moment war ich ziemlich sauer, weil ich es einmal mehr nicht geschafft hatte, meine Sätze in die Tasten zu hauen, ehe sie im Dauergequassel meiner Kinder für immer verloren waren. Doch heute dämmert mir, dass dieser Text das Ende meines Blogs gewesen wäre. Das definitive Ende und nicht nur dieser unerträgliche „Eigentlich möchte ich ja schon bloggen, aber mir fehlt einfach die Ruhe dazu“-Zustand, in dem diese Seite sich momentan befindet.

Warum ein solcher Text das Ende gewesen wäre? Weil kein Mensch von Müttern lesen will, die ihr Leben im Griff haben, die drei Tage vor dem Geburtstag sämtliche Geschenke verpackt haben und die den Tortenboden auskühlen lassen können, ehe sie die Buttercreme drauf schmieren, weil sie so unglaublich gut organisiert sind, dass sie noch endlos viel Zeit haben, die Torte zu dekorieren, bevor die Gäste eintrudeln. Solche Mütter mag keiner, denn die geben einem das Gefühl, mit etwas mehr Anstrengung könnte man auch sein wie sie. Seien wir ehrlich: Von solchen Menschen will man doch nichts lesen. (Höchstens vielleicht ein Kochrezept, aber auch das führt meistens nur dazu, dass man am Ende völlig frustriert auf die unansehnliche Masse starrt, die so gar keine Ähnlichkeit mit der fünfstöckigen Torte haben will, die man dank  der „kinderleichten,  Anleitung mit Erfolgsgarantie“ angeblich im Handumdrehen hätte zaubern können sollen.)

Nun, wie man ahnt, ist mein Leben der Meinung, die Zeit sei noch nicht reif, um aus mir ein Vorbild für andere berufstätige Mütter mit gewissen häuslichen Ambitionen zu machen. Inzwischen ist bei uns wieder der ganz normale Alltag eingekehrt. Was im aktuellen Fall bedeutet: Auto mit irreparablem Motorschaden und zwar derart unverhofft, dass die Karre schon keinen Wank mehr tut, bevor „Meiner“ und ich noch die Gelegenheit hatten, die Nachricht des Garagisten zu verdauen, geschweige denn, einen Ersatzwagen zu organisieren.

Also ist da kein Fahrzeug, das gross und fahrtüchtig genug wäre, um das Prinzchen und seine kleinen Partygäste über steile Hügel und kurvenreiche Waldwege zum nachträglichen Geburtstagsvergnügen zu bringen. Eigentlich wäre da auch gar keine Zeit für nachträgliches Geburtstagsvergnügen, denn die Schulleitung hat mal wieder ohne ersichtlichen Grund einen stinknormalen Arbeitstag für schulfrei erklärt, so dass es auch ohne Partygäste schon kompliziert genug wäre, die Ansprüche von Kindern und Arbeitgeber irgendwie aneinander vorbeizubringen. Natürlich ist der Kühlschrank ausgerechnet an einem solchen Tag so leer, dass ein Einkauf zu Fuss nur möglich ist, wenn man die Hälfte der Dinge, die auf dem Einkaufszettel stehen, doch nicht kauft, weil man schlicht nicht die Konstitution hat, um das alles nach Hause zu schleppen. Und weil das alles doch etwas gar langweilig wäre, streut man dazwischen noch ein paar Kleinigkeiten, die auch ein wenig Aufmerksamkeit verdient hätten: Mit dem Nachbarskind abgetauschter Instrumentalunterricht, den man auf keinen Fall vergessen darf, ein Kunstprojekt für die Schule, das auf dem Fussboden seine Spuren hinterlässt, Rechnungen, die sofort bezahlt werden müssen, ein neues Handy, das augenblicklich in Betrieb genommen werden muss, weil sonst der Teenager nie wieder glücklich wird… Das alles natürlich kräftig gewürzt mit viel Herumgerenne, Improvisation und Drama. Alltag halt, wie man ihn im Hause Venditti kennt.

Alltag, wie ich ihn mir eigentlich nicht wünsche, aber wie ich ihn vielleicht brauche, um abends sagen zu können: Wenn ich das nicht irgendwo niederschreiben kann, werde ich verrückt. 

 

Die nächste Generation übernimmt

Es gab mal eine Zeit in meinem Leben, da hatte ich so etwas wie Autorität. Da konnte ich sagen: „Glaubt bloss nicht, ich würde heute die Möbel aufbauen, die wir gestern gekauft haben. Es ist Sonntag, da gebe ich mich ganz bestimmt nicht mit Hammer und Schraubenzieher ab.“ Die Kinder gehorchten, die Schachteln aus dem schwedischen Möbelhaus blieben im Auto und wir alle hatten unsere Ruhe.

Dass diese Zeiten vorbei sind, zeichnete sich schon ab, als Luise damit begann, ihre Möbel selber aufzubauen. Allerdings liess ich mich dadurch nicht verunsichern, denn unsere zupackende Tochter bekommt ja nicht alle Tage ein neues Bett oder einen Schrank. 

Auch als gestern der FeuerwehrRitterRömerPirat am späten Abend noch die Schachteln, die wir am Nachmittag gekauft hatten, aus dem Auto holte und seine neuen Regale aufbaute, beunruhigte mich dies noch nicht sonderlich. Immerhin ist der Junge in der Pubertät, da muss man sich doch einfach über mütterliche Anweisungen hinwegsetzen.

Seit heute Nachmittag aber weiss ich, dass ich in diesem Haus nicht mehr allzu viel zu melden habe. Trotz meines Verbots schleppte das Prinzchen sein neues Bücherregal Einzelstück für Einzelstück in die Wohnung und wenig später hatte er nicht nur ohne elterliche Hilfe sein Regal aufgebaut, sondern auch ein paar alte Möbel ins Treppenhaus verfrachtet und sein Zimmer komplett auf den Kopf gestellt. Das alles an einem Sonntag, an dem ich eigentlich der ganzen Familie Ruhe und Beschaulichkeit verordnet hatte.

Man sieht also, dass meine Autorität mehr als bloss angeschlagen ist. 

Was aber auch seine Vorteile hat. 

Immerhin kann ich mich in Zukunft gemütlich zurücklehnen, wenn es mal wieder ein Möbel aufzubauen gibt. Jetzt, wo sogar der Jüngste bewiesen hat, wie gut das ohne mich geht, sehe ich keinen Grund, warum ich mich weiter mit komplizierten Anleitungen und fehlenden Schrauben herumschlagen sollte. 

Dahlienliebe

Vor ein paar Tagen ging ich mit einer Bekannten durch unseren Garten. Als wir zu den Dahlien kamen, bemerkte eine von uns beiden: „Was habe ich Dahlien doch früher immer gehasst!“ „Ich auch“, meinte die andere, „richtige Altweiberblumen, fand ich.“ „Genau, so sah ich das auch. Ich dachte immer, die seien so furchtbar verstaubt und altmodisch.“

Im Weitergehen erzählten wir einander, wie sich unsere Abneigung im Laufe der Jahre allmählich in eine leidenschaftliche Zuneigung verwandelt hatte und bemerkten dabei nicht, was wir mit unserem Reden bestätigten: Frau muss wohl tatsächlich ein gewisses Alter erreichen, ehe sie Dahlien lieben lernen kann. 

Dahlie

Grenzen der Toleranz

Weil ich ein toleranter Mensch bin,…

… oder vielleicht einfach nur ausgesprochen harmoniebedürftig,…

… oder möglicherweise auch schlicht ein Feigling,…

halte ich mich in der Regel zurück, wenn einer meiner Zeitgenossen gewaltig nervt. 

So habe ich zum Beispiel heute den Kerl in Frieden gelassen, der im voll besetzten Bus seinem geliebten Rucksack einen bequemen Sitzplatz anbot. Ich verkniff mir ein Augenrollen, als er nicht nur seine Freunde, sondern den halben Bus wissen liess, dass er neulich vollkommen verladen war, als er am frühen Morgen seinen Dienst auf der Baustelle antrat. Auch als er uns alle bald darauf an einem Abenteuer teilhaben liess, in das ganz viele Bierdosen, ein Bordellbesitzer und ein Notarzt involviert waren, behielt ich meinen Unmut über sein dummes Geschwätz für mich. 

Am Ende eines langen Arbeitstages, an dem ich vor lauter Gedankefutter kaum mehr wusste, wo mir der Kopf stand, war einer wie er zwar nur äusserst schwer zu ertragen, aber vermutlich hatte er einen ebenso anstrengenden Tag hinter sich und da soll man mal nicht so streng sein. 

Dann aber überspannte er den Bogen. Nachdem er eine Weile lang betrübt und zu unser aller Freude schweigend aus dem Fenster gestarrt hatte, erhob er seine unüberhörbare Stimme leider erneut: „Scheissregen! Ich glaub’s nicht, Alter! Immer dieser Scheissregen!“

Glaubt mir, der Kerl kann wirklich froh und dankbar sein, dass der Bus ausgerechnet in diesem Moment an meiner Station hielt. Hätte ich noch eine Minute länger mit ihm im gleichen Fahrzeug unterwegs sein müssen, hätte er mich von meiner unfreundlichen Seite kennen gelernt. 

Auch meine Toleranz kennt ihre Grenzen und die ist definitiv überschritten, wenn einer es wagt, nach diesem staubtrockenen Sommer in meiner Gegenwart über den Regen herzuziehen.

tierli

 

 

Frohe Weihnachten allerseits!

Als unsere Kinder noch kleiner waren, wunderte ich mich stets darüber, dass spätestens ab Mitte August Andrew Bonds „Zimetschtern hani gern“ aus dem Kinderzimmer schallte. Wie, um Himmels willen, kamen die bei 30 Grad Hitze auf die Idee, die CD mit den Weihnachtsliedern aus dem Schrank zu holen? Und das noch bevor das viel zu frühe vorweihnachtliche Theater in den Läden losging?

Nun, ich weiss bis heute nicht, was unsere Knöpfe dazu getrieben hat, mitten im Hochsommer Weihnachtsstimmung zu verbreiten. Aber ich ahne zumindest, wer die Geschwister dazu angestiftet hat: Es muss Karlsson gewesen sein. Den packt nämlich heute noch bei sommerlichen Temperaturen die Sehnsucht nach dem Fest der Liebe. Gut, er kramt nicht mehr Andrew Bond aus dem Schrank. Aber er setzt sich ans Klavier und klimpert sein weihnachtliches Repertoire: O du fröhliche, I Heard The Bells On Christmas Day, Stille Nacht, We Wish You A Merry Christmas, Leise rieselt der Schnee – und das alles natürlich bei offenem Fenster, auf dass auch die Nachbarschaft bald in Feststimmung komme.

Warum er das tut? Angeblich, weil er die Meinung vertritt, man könne Weihnachtslieder spielen, wann immer man die Lust dazu verspüre – ob es nun August, September oder Dezember sei. Ich vermute aber, dass dahinter noch ein anderer Grund steckt: Unser Ältester geht mit dem Klimawandel und übt schon mal, wie es sich anfühlt, schweissüberströmt bitterkalte Winternächte zu besingen.

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Verschlossen

Grossfamilienleben – schön, abwechslungsreich und manchmal auch ganz schön anstrengend, wenn man sich im Gewirr der vielen Stimmen Gehör verschaffen will. Dass es oft mehr als ein sanftes Säuseln braucht, um sich gegen die anderen durchzusetzen, versteht sich von selbst. Eines der wirkungsvollsten Mittel im Kampf um die allgemeine Aufmerksamkeit: Die verschlossene Badezimmertür. 

In ihrer mildesten Form kommt sie zur Anwendung, wenn einer findet, er habe jetzt genug Küchendienst geleistet. Flugs wird eine volle Blase vorgetäuscht und schon hat man sich eine Auszeit von der Schinderei verschafft. Natürlich gibt man vor, sich zu beeilen, kommt aber erst wieder raus, wenn das Ende der Arbeit absehbar ist und man höchstens noch einen Teller wegräumen oder einen Lappen in den Wäschekorb werfen muss. Klar, die Vorwürfe, die man zu hören bekommt, wenn man endlich das Bad verlässt, sind nicht besonders nett, aber immerhin hat man der ganzen Familie bewiesen, dass man sich durchaus zur Wehr setzen kann, wenn die Eltern mal wieder zu viel Einsatz verlangen. 

Die verschlossene Badezimmertür ist auch ein wirkungsvolles Mittel, wenn man der älteren Schwester, die in Diskussionen stets die Oberhand behält, vor Augen führen will, dass man sich trotz ihrer Wortgewandtheit nicht klein kriegen lässt. Kaum hat sie ihren Putzdienst angetreten, verschwindet man im Bad, um ausgiebig zu duschen. So ausgiebig, dass die Tür  noch immer verschlossen ist, wenn sie ganz dringend rein müsste, um den Putzkessel zu holen. Als wäre man ganz plötzlich von einem Hygienefimmel gepackt worden, zieht man das Haarewaschen, das Eincremen und das Anziehen so sehr in die Länge, bis die Schwester wutschnaubend von dannen stapft. Solange der jüngere Bruder kein Einsehen kennt, ist an ein Ende der Putzarbeiten nicht zu denken, also ist sie gezwungen, eine Pause einzulegen. Doch kaum hat sie es sich auf dem Sofa bequem gemacht, öffnet sich die Badezimmertür wie von Zauberhand. „Da hast du deinen doofen Putzkessel. Musst du mich immer so hetzen, wenn ich am Duschen bin?“, raunzt der nunmehr blitzsaubere Bruder und zieht sich hochzufrieden in sein Zimmer zurück. 

Die fieseste Methode aber ist es, im Bad zu verschwinden, wenn einer frühmorgens ganz dringend den Zug erwischen müsste, aber die Zähne noch nicht geputzt hat. Welch ein erhebendes Gefühl, endlos lange auf dem WC zu sitzen und zuzuhören, wie Eltern und Geschwister panisch gegen die Tür poltern und brüllen, man solle gefälligst aufschliessen, der Bruder verpasse sonst seinen Zug! So viel Macht hat man selten über seine Liebsten. Und so sehr man seine Liebsten auch lieben mag – an manchen Tagen muss man ihnen doch einfach zeigen, wer hier der Chef ist.

Wer nun denkt, das Problem mit der verschlossenen Badezimmertür liesse sich ganz einfach umgehen, indem man im Haus mehrere Bäder einbaut, der irrt leider. In unserem Haus gibt es drei Bäder, aber nur eine der drei Türen hat die Macht, den Familienfrieden ernsthaft zu beeinträchtigen, denn das Bad ist so günstig gelegen, dass immer einer in der Nähe ist, der das Drama mitbekommt. 

Keine andere Tür in unserem Haus ist so oft verschlossen wie diese. 

hus