Hiiiiilfeeeeeeeeee!, Teil II

Sieht doch schon ganz anders aus:

Wenn auch nicht unbedingt besser…

Her mit meinem Auto! Aber ein bisschen schnell!

Können Sie sich Peter Pan als nadelgestreiften Banker vorstellen? Winnie Pooh im Tarnanzug? Schneewittchen auf einer Demo für Frauenrechte? Sie können es nicht?  Nun, Sie müssen aber. Denn sonst können Sie sich auch nicht Frau Venditti im Autocenter Emil Frey vorstellen. Und genau dies müssen Sie jetzt. Und zwar mit nassem Haar, ungeschminkt und mit einem barfüssigen Prinzchen – er hat sich mal wieder die Socken und Finken ausgezogen – auf dem Arm. Umgeben von Cadillacs und wie die Dinger alle heissen mögen. Unpassender geht’s nimmer. Aber ich will ja nur mal schnell mein Auto abholen, da spielt es keine Rolle, ob ich passe oder nicht.

Habe ich schnell gesagt? Als ich dies der Dame am Empfang sage, mustert sie mich abfällig. Wo denn mein Auto sei, will sie wissen. Als ich ihr sage, das wüsste ich nicht, mein Mann habe es vor drei Tagen abgegeben und ich müsse es jetzt einfach schnell abholen, wird sie ungeduldig. Ob ich denn nicht wüsste, wie viele Abteilungen sie hätten? Neuwagen? Occasionen? Unfallabteilung?Reparaturwerkstatt? Nein, weiss ich nicht. Ich habe ja nicht mal den eigenen Laden im Griff. Da kann ich doch nicht auch noch im Autocenter den Überblick behalten. Und überhaupt: Das ist ihr Job, nicht meiner. Also soll sie jetzt gefälligst mein Auto herausrücken. Ich habe zu tun.

Aber so geht das hier nicht. Die Frau will meine Autonummer wissen. Meine Autonummer? Ach, irgend etwas mit sieben, neun und null. Aber in welcher Reihenfolge? Keine Ahnung. Ich weiss ja manchmal kaum mehr, wie ich selber heisse. Reicht es denn nicht, dass ich weiss, dass unser Auto hellblau ist, mit Vornamen Sirion, mit Nachnamen Daihatsu heisst? Nein, es reicht anscheinend nicht. Die Frau beginnt herumzutelefonieren, das Prinzchen bekommt ein Puzzle in die Hand gedrückt, ich zwei Kaffeebons und dann werde ich ins Café geschickt. Himmel, was glaubt die denn, was ich arbeite? Ich bin Hausfrau. Nicht irgend ein überbezahlter und unterbeschäftigter Manager. Ich habe doch nicht mitten am Vormittag Zeit, herumzusitzen und Kaffee zu trinken. Das kann ich mir einfach nicht leisten, auch wenn der Kaffee gratis ist. Also nehme ich demonstrativ keinen, sonst meint die Dame noch, sie dürfe sich Zeit lassen.

Wenig später hat die Dame mein Auto endlich aufspüren können. Ein Mitarbeiter bekommt die Aufgabe, das Prinzchen und mich zur Unfallabteilung zu geleiten. Aber wir hatten doch gar keinen Unfall? Egal, Hauptsache, es geht vorwärts. Doch es soll nicht sein. Kaum hat mich der Herr, der für unser Auto zuständig ist begrüsst, hängt er auch schon an der Strippe und lässt das Prinzchen und mich warten. Eine halbe Ewigkeit. Bis sein Kollege sich meiner erbarmt, mit einen Fackel zum Unterschreiben hinhält, mir die horrende Summe nennt, die wir bezahlen müssen und mir den Schlüssel in die Hand drückt. Dann sind das Prinzchen und ich entlassen. Fast. Denn als ich losfahren will, rennt mir der Herr, der mich hat warten lassen, entgegen. Er wolle sich nur noch rasch entschuldigen, dass er mich habe warten lassen. Ist ja ganz nett, aber dafür habe ich nun wirklich keine Zeit. Zu Hause wartet ein Berg Arbeit auf mich.

Hiiiiilfeeeeeeeeee!

Ich will nicht!

Aber ich muss.

Die Putzfrau hat drei Wochen Ferien. Nein, ich übertreibe nicht: D-R-E-I. Und in zwei Wochen ist Weihnachten!

Ich will aber wirklich nicht…

Weihnachtsengel

Darauf hat die Welt gewartet:

Wie? Ihr seht nicht was an diesem Pfefferkuchen-Engel besonders sein soll? Nein, es ist nicht der abgeschnittene Kopf, obschon der auch ganz originell ist. Diese leichte Abschrägung, ist sie nicht einmalig? Aber natürlich ist sie das, denn es handelt sich bei diesem Kunstwerk um den allerersten Pfefferkuchen, den das Prinzchen gemacht hat. Völlig freiwillig, weil er nicht mehr länger zusehen mochte, wie die grossen Geschwister ihren Spass haben. Und fast ohne meine Hilfe. Ist er nicht ein Genie? Aber klar ist er das. In zwanzig Jahren kann Sprüngli zusammenpacken mit seinen Luxemburgerli. Dann kommt das Prinzchen. Und ich kann mir endlich gratis den Bauch vollschlagen.

Vorausgesetzt, das Prinzchen bleibt bei seienr Berufung und wird nicht Anwalt oder Bauarbeiter, sondern der weltbeste Konditor. Ganz, wie die Mama wollte…

Sentimental

Was bin ich doch für ein sentimentaler Narr! Breche beinahe in Tränen aus, als ich die letzten Babykleidchen zum Weggeben bereit mache. Halte jedes einzelne Stück seufzend in den Händen und wünsche mir, eines meiner Kinder möchte doch noch einmal ganz klein sein. So klein, dass es in Grösse 50 passt. Schaue mit schwerem Herzen dem Prinzchen zu, wie er auf steifen Beinchen durch die Wohnung stakst und dabei alle paar Meter auf dem Hintern landet. Und natürlich sofort wieder aufsteht, um sein Training fortzusetzen.

Klar, ich freue mich, dass er solche Fortschritte macht. Dass er mir jedes Wort nachzuplappern versucht, dass er jeden Tag ein kleines bisschen selbständiger wird. Ich freue mich natürlich auch, dass der Zoowärter schon ganze Geschichten erzählen kann, der FeuerwehrRitterRömerPirat sich selber das Lesen und Schreiben beibringt, Luise ihre erste Ballettaufführung hat und Karlsson schon so vernünftig ist, dass ich mir selber zuweilen richtig kindisch vorkomme neben ihm. Ja, ich will, dass meine Kinder gross werden.

Und doch geht es mir manchmal zu schnell. Wie oft jammere ich über volle Windelkübel, unaufgeräumte Zimmer, ständig unterbrochene Nächte. Und doch kann ich mir das Leben nicht mehr anders vorstellen, habe ich mich so daran gewöhnt, von kleinen Menschen umgeben zu sein, dass ich mich manchmal ganz verloren fühle ohne sie. Was bin ich doch nur für eine Glucke geworden. Ausgerechnet ich, die ich mir früher ein Leben ohne Kinder ganz gut hätte vorstellen können. Ausgerechnet ich, die ich vor etwas mehr als einem Jahr noch Rotz und Wasser geheult hatte, weil ich noch einmal ganz von vorne anfangen musste. Und jetzt bekomme ich feuchte Augen, wenn ich ein Neugeborenes sehe. Wenn das so weitergeht mit mir, werde ich eine jener Frauen, die sich Puppen kaufen, die aussehen wie echte Babys. Oder eine, die neugeboreren Müttern das Baby fast aus dem Arm reisst, um wiedermal das unbeschreibliche Gefühl zu erleben, ein frisches Menschlein zu halten. Und dass man sich damit nicht bleiebt macht, weiss ich ja.

Einen schönen guten Morgen allerseits

Und das, noch bevor ich Zeit hatte, zu frühstücken. Ratet mal, warum ich heute keinen rechten Appetit hatte. Und wie oft ich heute früh schon die Tür geknallt habe.

Wie das passiert ist? Da fragt man ab besten das Prinzchen und den Zoowärter. Mir selber ist es nämlich ein wenig zu schnell gegangen, als dass ich die Details rekonstruieren könnte. Es hat irgend etwas zu tun mit dem Prinzchen, das  auf den Esstisch geklettert war und dem Zoowärter, der damit nicht einverstanden war.

Aber was rege ich mich denn auf? Zumindest ist alles farblich abgestimmt…

Totales Versagen

Genau so, wie zum Familienleben die Sternstunden gehören, gehören auch die Zeiten des totalen Versagens dazu. Zeiten, in denen ich die Art von Mutter bin, die ich nie hätte sein wollen. Eine ungeduldige, herumbrüllende, herzlose, Türen knallende Mutter mit vor Wut verzerrtem Gesicht. Eine, die die Türe nicht nur einmal knallt, sondern gleich zwei, drei, viermal. Und das alles in Anwesenheit meiner Mutter, der Frau, die in ihrem ganzen Leben wohl noch nie das Bedürfnis verspürt hat, eine Tür zu knallen. Der Frau, von der ich zwar die Liebe zu Kindern, nicht aber das ausgeglichene, friedliche Temperament geerbt habe. Wenn ich dann in einem solchen Moment auch noch an die vierfache Mutter denke, die ich gestern im Schwimmbad dabei beobachtet habe, wie sie ganz still, liebevoll und geduldig mit ihren störrischen Kindern sprach, dann fühle ich mich einfach nur noch elend. Als die totale Versagerin eben.

Nicht, dass ich immer nur ausgeglichen und ruhig sein möchte. Ich liebe es, mal laut, mal leise, mal emotional, mal vor Lachen brüllend, mal ganz ernst zu sein. Aber muss es denn gleich so laut, so emotional sein? Ja, ich weiss, dass an der Explosion nicht ich alleine Schuld war. Dass Luise sich vor Wut auf dem Boden gewälzt hat, weil sie ihren zweiten Stiefel nicht finden konnte und sich weigerte, die Gummistiefel zu tragen, war auch nicht gerade erbauend. Auch die Tatsache, dass der FeuerwehrRitterRömerPirat einmal mehr seine Kindergartentasche im Nirgendwo hat liegen lassen und sich nicht eher vom Fleck bewegte, als dass ich ihm die Tasche hervorgezaubert hätte, trug nicht zu meiner guten Laune bei. Auch nicht, dass ich um Viertel nach neun mit dem Prinzchen beim Kinderarzt sein musste, vorher noch den Zoowärter in der Spielgruppe abliefern musste und mich dazu noch darüber ärgern musste, dass „Meiner“, als er heute früh das Auto in die Garage brachte, alle Kindersitze dort abgeliefert hat. Dass in all dem Chaos noch meine Hormone verrückt spielen, macht es nicht gerade einfacher, die Fassung zu behalten.

Ja, es gibt durchaus Gründe, warum ich heute nicht das Bild der stets geduldigen, stets liebevollen, stets ausgeglichenen Mutter abgeben konnte. Und ich will dieses Bild ja auch gar nicht abgeben, denn es hat mit der Realität der meisten Mütter nur wenig zu tun. Und dennoch weiss ich, dass ich versagt habe, dass ich zu laut war, zu unfair, zu wütend. Und deshalb fühle ich mich miserabel. Das Einzige, was mir in solchen Momenten hilft, ist, mich festzuklammern an der Idee der Gnade, der Idee der zweiten, der dritten, der vierhundertachtzehnten, der tausenddreihundertelften Chance. Allein dieser Glaube bringt mich in solchen Momenten wieder auf die Füsse und hilft mir, es immerhin zu versuchen, das nächste Mal alles besser zu machen, die Hoffnung auf weitere Sternstunden und weniger Zeiten des totalen Versagens nicht zu verlieren.

Mein lieber Samichlaus

Nachdem du gestern durchs Land gezogen bist und sämtlichen Kindern die Leviten gelesen hast, ist es Zeit, dass ich mal ein ernstes Wort mit dir rede. Nicht, dass ich ein grundlegendes Problem hätte mit dir. Ich finde dich eigentlich ganz nett und du darfst gerne nächstes Jahr wieder kommen, unter einer Bedingung: Du bringst uns keine Erdnüsse mehr. Ist dir eigentlich bewusst, was du mit deinen Besuchen jeweils anrichtest? Nein, ich meine jetzt nicht die ewigen Diskussionen darüber, ob es dich nun gibt oder nicht. Nicht meine erfolglosen Bemühungen, Karlsson davon abzuhalten, dem Zoowärter zu sagen, dass du bloss ein völlig normaler verkleideter Mann bist. Nein, ich rede einzig von den Erdnüssen.

Von mir aus darfst du alles bringen. Mandarinen, Schokolade, Lebkuchen, Baumnüsse. Aber lass doch bitte endlich die Erdnüsse weg. Hast du überhaupt eine Ahnung davon, wie mühsam es ist, einem fast Dreijährigen beizubringen, die Schalen nicht überall herumliegen zu lassen? Weisst du, wie frustrierend es ist, diese Schalen vom Boden auflesen zu müssen, kaum hat die Putzfrau es geschafft, so etwas wie Sauberkeit in unsere Wohnung zu zaubern? Und hast du noch nie davon gehört, dass unter Dreijährige noch gar keine Erdnüsse essen sollten wegen der Erstickungsgefahr? Das ist wie mit dem Spielzeug, verstehst du? Was denkst du dir überhaupt dabei, wenn du deinen Sack packst?

Wage jetzt nicht einzuwenden, ich würde ja die Säcklein selber füllen, es gebe dich nämlich gar nicht. So leicht kannst du dich nicht aus der Verantwortung stehlen. Ich weiss, dass es dich gibt, wenn auch nicht so, wie die Kinder glauben. Was hilft es, wenn ich  meinen Kindern Erdnuss-freie Säcklein mache. Du findest einfach einen anderen Weg, die Dinger bei uns einzuschleusen. Du jubelst sie den Kindern im Kindergarten unter, im Einkaufszentrum, ja, sogar in der Kirche. Du findest immer einen Weg, mich zu ärgern. Wenn das nicht aufhört, mein lieber Samichlaus, dann kannst du nächstes Jahr nach deinem Besuch gleich hier bleiben und mir beim Auflesen der Schalen und dem Überwachen des Prinzchens helfen. Das wird dich lehren, meinen Kindern Erdnüsse zu schenken!

Bildung

Eigentlich hätte ich heute Abend ja nichts mehr schreiben wollen, aber nach dem „Meiner“ und ich uns nun eine Stunde lang köstlich amüsiert haben, muss ich meine Leserinnen und Leser auch an unserem Spass teilhaben lassen. Wir haben nämlich Schularbeiten von Fünftklässlern korrigiert. Arbeiten, mit denen getestet wird, wie fit die Kinder für die Oberstufe sind. Hier ein paar Muster, wie fit sie sind:

Frage: Wie nennt man die Zähne, die dir schon ausgefallen sind?

Antwort: Mehlzähne

Frage: Warum stehen Atomkraftwerke meist am Wasser?

Schüler 1: Weil so weiss man, wenn ein Schiff kommt.

Schüler 2: Damit sie nicht fallen.

Schüler 3: Weil in der nähe Militär ist.

Frage: Wie heissen junge Wildschweine?

Antwort: Eber

Wie heisst die männliche Ente?

auch Eber

Junge Wildschweine heissen übrigens wahlweise auch Kalb oder Wildferkel, männliche Enten auch Papa oder Gans.

Frage: Welches ist die grösste Stadt der Schweiz?

Antwort: Deutschland

Frage: Welchen Erdteil hat Kolumbus entdeckt?

Antwort: Bö (Wahlweise auch Spanien)

Frage: Welche Kraft macht, dass Dinge auf den Boden fallen, wenn man sie loslässt?

Schüler 1: Erdenergy

Schüler 2: Kran

Schüler 3: Blanet

Schüler 4: sie Fahren

Frage: In welche Richtung fliegen Zugvögel im Winter?

Antwort: Noders

Frage: Zu welchem Volk gehören Asterix und Obelix?

Schüler 1 – 10: Römer (Da kann man nur sagen: „Die spinnen, die Schüler!“)

Schüler 11: Comiks

Aufgabe: Nenne drei Lebensmittel, die man kühl lagern muss.

Lösung: Milch, Cola, Mineral

Frage: Was ist ein Vegetarier?

Schüler 1: Gemüse

Schüler 2: Lebensmittel (Hoffentlich laufe ich dem nie über den Weg, sonst frisst er mich mit Haut und Haar…)

Frage: Wer erbaute das Amphitheater in Windisch?

Antwort: Julius Cäsar (Und zwar ganz alleine. Gestorben ist er dann wegen der vielen Schwielen, die er an den Händen hatte.)

Frage: Was brauchst du noch zum Spaghettikochen?

Antwort: Nein

Frage: Woraus bestehen Wolken?

Schüler 1: getrocknetem Regen

Schüler 2: Himmel

Frage: Spitzname für ein Kind, das sehr viel liest?

Schüler 1: Spitzbub

Schüler 2: Härry

Schüler 3: dicke

Frage: Womit wird eine Dampflokomotive betrieben?

Antwort: Mit Steinen

Frage: Wie nennt man einen Musiker, der neue Musikstücke schreibt?

Antwort: Kopietnierer

Frage: Was muss ein Musicaldarsteller können?

Schüler 1: schreiben, denken

Schüler 2: spielen, komunieren

Frage: Eine halbe Glatze hat 100 Haare. Wie viele hat eine ganze Glatze?

Antwort: 1 Million

Aufgabe: Schreibe drei Mannschaftssportarten auf.

Schüler 1: Basel, YB, Zürich

Schüler 2: Juventus, Galastaray, Young Boys (Für Schreibfehler stehe ich nicht gerade. Ich habe alles so abgeschrieben, wie es da stand. Im Gegensatz zu den Schülern kenne ich mit Mannschaftsspotrarten nämlich nicht so aus…)

Bei solchen Antworten muss man sich doch wirklich keine Sorgen machen um den Bildungsstand der heutigen Jugend. Zumindest an Originalität sind sie kaum zu übertreffen. Und atmen tun die Kinder übrigens wahlweise mit der Leber, der Luftröhre oder dem Herzen. Wie schon Antoine de Saint-Exupéry wusste:Man atmet nur mit dem Herzen gut.“

Ganz normal

Wie meine regelmässigen Leserinnen und Leser wissen, vergöttere ich „Meinen“. Und deshalb ist es auch durchaus legitim, dass ich mal wieder auf einige seiner Macken zu sprechen komme. Sonst meint er noch, er sei perfekt und das ist nicht einmal er. Heute zum Beispiel waren wir mal wieder im Auto unterwegs. Plötzlich auf der Ausserortsstrecke hören wir ein klapperndes Geräusch, eigenartig blechig und so laut, dass wir die „Musig Sunne“, die wir heute etwa viereinhalbmal gehört haben, kaum mehr hören konnten. Weil das Klappern nicht aufhören will, beginne ich mich zu sorgen. Was, wenn wir mit den beiden Jüngsten in Dunkelheit und Regen stehenbleiben? Wir haben ja nicht mal ein Handy dabei. Besorgt schaue ich in den Seitenspiegel und sehe sofort, woher das Klappern kommt: Der Autoschlüssel steckt im Türschloss und schlägt im Fahrtwind gegen die Autotür. Das kann nur „Meiner“ gewesen sein. Denn er ist wohl der letzte Erdenbürger der, wenn er einen altmodischen Schlüssel und eine moderne Fernbedienung zur Verfügung hat, den altmodischen Schlüssel vorzieht. Und sich dann darüber aufregt, dass ich nicht mitten auf der Strasse anhalte, um den Schlüssel aus dem Schloss zu ziehen…

Ein weiteres Beispiel seiner Macken gefällig? Nun, „Meiner“ liebt es, Kleider im Brockenhaus zu kaufen. Je billiger ein Hemd, umso stolzer präsentiert er es allen, die ihn darauf ansprechen. Je hässlicher das Muster, umso schriller kombiniert er das Teil. Neulich kam er mit einem blütenweissen „Hemd“ nach Hause, noch kaum je getragen und originell geschnitten. Stolz berichtet er mir, er habe nur einen Franken dafür bezahlt, und dabei passe es ihm wie angegossen. Nun ja, in meinen Augen hat es ein wenig zu viel Stoff dran und auch die Seitenschlitze habe ich noch bei keinem Hemd gesehen. Aber ich bin ja kein Experte.  Stutzig wird „Meiner“ erst, als er sich das Label anschaut: Seit wann gibt es von „Bébéworld“ auch Männerhemden? Die gibt es natürlich nicht. „Meiner“ hat sich eine Umstandsbluse erstanden. Er hat sich wohl gedacht, dass er jetzt, wo ich der Umstandskleidung endgültig entwachsen bin, auch endlich all die wundervollen Kreationen der Umstandmodeschöpfer tragen darf. Da hoffe ich doch bloss, dass er sich keinen Bauch wachsen lässt.

Ach ja, und dann isst er beim Mittagessen drei, vier Knoblauchzehen und wundert sich, dass alle finden, er rieche heute ein wenig streng. Und neulich hat er sich doch tatsächlich alle Folgen einer Talentshow am italienischen Fernsehen angeschaut. Und gerade jetzt, wo ich diese Zeilen schreibe, ignoriert er geflissentlich, dass der Zoowärter und der FeuerwehrRitterRömerPirat sich im oberen Stock ein heisses Rennen liefern, obschon sie doch längst im Bett sein sollten. Aber ich ignoriere sie ja auch, ist also gar keine Macke.

Und auch die weiteren Macken von „Meinem“ sind nicht weiter schlimm. Eigentlich ist er nämlich ganz normal. Wirklich.