Einer ist immer in der Opposition

Ein volles Jahr lang liess sich der FeuerwehrRitterRömerPirat zu nichts bewegen, was wir von ihm wollten. Das vormals lammfromme Büblein schaltete auf stur, egal, ob es darum ging, die Zähne zu putzen, sein Zimmer aufzuräumen oder einen Bissen von seinem Mittagessen zu probieren. Es half kein Flehen, kein Drohen, kein Dessert-Entzug. Der FeuerwehrRitterRömerPirat war in der Opposition. Von seiner Sturheit hätte die SVP noch so Manches lernen können.

Dann plötzlich, von einem Tag auf den anderen, war alles  anders. Die Mama forderte ihn auf, sich anzuziehen und machte sich innerlich bereit für den gewohnten Kampf. Doch einen Augenblick später stand ein fertig angezogener FeuerwehrRitterRömerPirat da und putzte sich unaufgefordert auch noch die Zähne. Kein Kampf, kein Streit, kein Flehen auf den Knien. Himmlisch!

Dieser Zustand währte genau zwei Tage, dann trat Luise in die Opposition. Ein falsches Wort, ein harmloses Nein und schon knallte sie die Türen und schrie, dass die Wände wackelten. Man wusste nie genau, wann der Vulkan wieder ausbrechen würde, zitterte innerlich vor der nächsten Katastrophe. Doch so langsam scheint sich Luise wieder etwas zu beruhigen.

Zeit, dass Karlsson mal wieder den Aufstand probt. Ausgerechnet Karlsson, der sich in den letzten Monaten zu einem wirklich vernünftigen Kind entwickelt hatte, mit dem man Konflikte ganz zivilisiert durch lange Gespräche lösen konnte. Plötzlich fliegen die Fetzen, weil die Lieblingshose noch nicht gewaschen ist. Die Mama wird angebrüllt, weil sie es wagt, ihn darauf aufmerksam zu machen, dass es Zeit sei, in die Schule zu gehen und die Schwester bekommt eins übergebraten, weil sie es wagt, ihn schräg anzusehen.

Der FeuerwehrRitterRömerPirat beobachtet die Anfälle seiner Geschwister mit totaler Gelassenheit. Wie können die nur so stur sein? Es ist doch viel einfacher, zu tun, was die Eltern von einem wollen. Er, der uns mit seiner Opposition bis vor Kurzem täglich unzählige Male auf die Palme trieb, scheint jetzt das Wörtchen „Nein“ aus seinem Wortschatz gestrichen zu haben.

Wenn das so weiter geht mit ihm, wird er mal ein erfolgreicher Politiker.

Ausgang

Irgend einer findet sich immer, der etwas dagegen hat, dass Mama in den Ausgang geht. Mal sind es die Babysitter, die in letzter Minute absagen, mal machen die Kinder ein Geschrei, als begebe man sich für drei Jahre auf eine Weltreise, mal kommt ein unerwarteter Termin dazwischen. Und heute? Lange Zeit sah es wirklich gut aus für den gemütlichen Besuch beim Griechen um die Ecke. Ein netter Abend in angenehmer Gesellschaft. Wer könnte da etwas dagegen haben?

Mein Magen. Genau wie letztes Jahr, als mit den gleichen Leuten ein Besuch beim gleichen Griechen auf dem Programm stand. Wohl aus lauter Gewohnheit fand mein Magen, griechisches Essen sei nicht nach seinem Geschmack und deshalb rebellierte er schon am frühen Morgen. Als nach einem Liter ekligen Orangenjus-Backpulver-Gesöffs, einem Glas Cola und ein paar Schlucken Artischockengebräu der Magen noch immer nicht nachgeben wollte, hätte ich beinahe aufgegeben. Doch dann beschloss ich, mich zu widersetzen. Hat ein rebellisches Organ  das Recht, mir einen freien Abend zu vermiesen, auf den ich mich wochenlang gefreut habe? Nicht mit mir, dachte ich und ging trotz allem zum Griechen.

Hätte ich das bloss nicht getan. Am Anfang ging alles noch gut. Doch als beim dritten Gang der Wirt bemerkte, dass ich eine einzige Kartoffel im Teller hatte, während alle anderen ihr Fleisch genossen, wurde es brenzlig. Sollte ich mich jetzt als wählerische Zicke geben, der nichts gut genug ist? Zu sagen, mir sei schlecht, wäre eine Beleidigung gewesen. Also gestand ich dem Wirt, dass ich Vegetarierin bin. Was tat der Wirt? Offerierte er Lamm, weil das kein Fleisch ist? Warf er mich aus dem Restaurant? Aber nicht doch! Er servierte mir Erbsen und mit Käse gefüllte Auberginen und zwar eine riesige Portion. Eigentlich hätte mir die Kartoffel vollauf genügt. Aber weil das Essen wunderbar war und man als Vegetarierin dankbar sein muss, wenn man überhaupt etwas zu essen bekommt, ass ich brav fast alles alleine auf. Die anderen waren ja auch schon pappsatt vom vielen Fleisch.

Eines ist sicher: Beim nächsten Mal wird mein Magen härteres Geschütz auffahren, um mich an einem Besuch beim Griechen zu hindern. Mal sehen, wer dann der Stärkere ist.

Schlaraffenland

Schon seit Jahren träume ich vom italienischen Schlaraffenland. Vom Vulkan, der Gnocchi speit, die dann, siedend heiss, über Abhänge voller Parmesan rollen. Um dem Traum ein wenig näher zu kommen, habe ich vor vielen Jahren eine riesiege Servierschüssel gekauft, die eines Tages randvoll mit frischen Gnocchi sein sollte. Ganz selten unternehme ich auch einen zaghaften Versuch, den Traum unzusetzen.

Heute war es wieder mal so weit. Ich habe alles in meiner Macht stehende getan, um die perfekten Gnocchi auf den Tisch zu zaubern. Doch leider scheint meine Macht sehr beschränkt zu sein. Hätte „Meiner“ den Teug nicht gerettet, der Besuch hätte hungrig wieder von dannen ziehen müssen. So gab es eine halbwegs passable Mahlzeit, die Stunden später noch schwer im Magen liegt.

So langsam scheinen auch die Kinder nicht nur an meinen Qualitäten als Hausfrau, sondern auch an meinen Kochkünsten zu zweifeln. So sprach heute Luise, als die Gnocchi auf dem Tisch standen, folgendes Tischgebet: „Lieber Gott, mach bitte, dass das Essen gut ist. Mach, dass wir es alle gern haben und dass es nicht wieder ‚abverheit‘ ist. Amen.“

Danke, liebe Lusie. Das macht mir wirklich Mut.

Junk Food

Fleischkäse ist gesund. Wie, Sie glauben mir nicht? Bis vor einigen Tagen sah ich das auch noch anders. Ich schaute  immer zuerst nach allen Seiten, bevor ich es wagte, Fleischkäse in den Einkaufswagen zu legen. Wenn ich sicher war, dass mich niemand beobachtet, schlug ich zu. Warum das? Nun ja, ich kenne das auch. Beim Warten an der Kasse schaue ich, was die Leute vor mir aufs Band legen und ohne es zu wollen, bilde ich mir ein Urteil über sie. Und die anderen machen das bei mir wohl auch. Seit einigen Tagen aber hat die Heimlichtuerei ein Ende. Jetzt stehe ich ganz ungeniert dazu, dass ich meinen Kindern Fleischkäse kaufe.

Woher dieser Gesinnungswandel? Nun, von Zeit zu Zeit gibt es an der Schule unserer Kinder ein „gesundes Znüni“. Letztes Mal gab’s Gemüsespiessli mit Fleischkäse. Fleischkäse ist also von der Schule offiziell für gesund erklärt. Wie soll ich jetzt noch behaupten können, er sei ungesund? Deshalb ist er ab sofort von der Junk-Food-Liste gestrichen.

Auch Gläschenbrei gehörte für mich lange zu den verbotenen Nahrungsmitteln. Nicht, weil er ungesund ist, doch eine Mutter, die etwas auf ihre Kochkünste gibt, verzichtet auf Fertigprodukte, auch für das Baby. Leider ist es aber so, dass ich bei jedem Kind etwas weniger Zeit zum Breikochen habe und deshalb habe ich mir angewöhnt, für ganz dringende Fälle ein paar Gläschen vorrätig zu haben. Damit abgefunden habe ich mich aber noch nicht ganz. Und so ertappte ich mich neulich dabei, wie ich die Gläschen so rasch als möglich verschwinden liess, als der Versicherungsvertreter vorbeikam. Der Mann ist knapp aus den Windeln und weiss vermutlich nicht einmal, dass Babys Brei essen und ich verstecke den Gläschenbrei!

Wird langsam Zeit, dass ich ein etwas entspannteres Verhältnis zu Fertigprodukten und Junk Food entwickle. Nicht ganz so entspannt jedoch wie jene Leute, die denken, sie hätten selber gekocht, wenn sie Stocki mit Fischstäbchen zubereitet haben.

Kunst

Es ist sein bis anhin bestes Werk. Man sieht, dass er sich so richtig ins Zeug gelegt hat. Diese schwungvolle Eleganz des Piratenschiffes, der Ausguck hoch oben auf dem Masten und dann natürlich die beiden grimmig grinsenden Piraten. Dem Betrachter des Bildes läuft es kalt über den Rücken. Das soll dem FeuerwehrRitterRömerPiraten mal einer nachmachen. Und sein eifriger Schüler, der Zoowärter, hat für die passende Umrahmung gesorgt. Mit seinen grossflächigen abstrakten Mustern verleiht er dem realistischen Meisterwerk einen modernen Touch.

Wer möchte, darf das Bild gerne in unserem Wohnzimmer bewundern, denn der Transport in eine Galerie gestaltet sich etwas schwierig. Leider ist das Wek noch unverkäuflich, denn irgendwo müssen  wir auch noch sitzen. Die beiden Künstler haben nämlich instinktiv gespürt, dass nur eine ganz besondere Leinwand ihr Meisterwerk so richtig zur Geltung bringt: Das knallorange „Klippan“- Sofa, das vor einem halben Jahr bei uns eingezogen ist. Als wahre Künstler haben sie natürlich auch dafür gesorgt, dass ihr Werk unsterblich ist. Alle bisherigen Versuche von uns Kulturbanausen, es zu entfernen, sind fehlgeschlagen. Und so bleibt uns nichts anderes übrig, als mit dem Werk so richtig Kohle zu machen, damit wir bald ein neues „Klippan“ anschaffen können. Kennt vielleicht jemand einen gewieften Agenten, der uns bei der Vermarktung unserer beiden Nachwuchskünstler hilft?

Unschuldig

Ich schwör’s, ich habe ihm nichts getan. Und auch „Meiner“ nicht. Wir sind nicht laut geworden, haben nicht geschimpft und sind erst recht nicht handgreiflich geworden. Im Gegenteil, wir haben ihm frische Milch gebracht, haben ihn gefragt, was ihm fehle und ihm übers Haar gestrichen. Warum müssen wir uns dann bei ihm entschuldigen?

Laut brüllend liegt der Zoowärter im Bett, schreit „Ich well brüele!“ und wenn wir ihm helfen wollen, beruhigt er sich nicht eher, als dass wir uns bei ihm entschuldigt haben. Fast müsste man eingeschnappt sein. Aber nur fast. Denn plötzlich ruft er uns zurück ans Bett, schaut uns treuherzig an und brummt: „Scholdigong, Mami! Scholdigong Papa!“

Wer hat jetzt wem was angetan und wer muss sich bei wem wofür entschuldigen? Keine Ahnung, aber offenbar ist alles wieder gut.  Der Zoowärter will nicht mehr brüllen. Stattdessen singt er sich lauthals in den Schlaf des Gerechten, der weiss, dass er wieder mit allen im Frieden lebt.

Ich soll gestresst sein?

Man wird schon ein wenig weltfremd, wenn man nur noch selten mit dem Auto unterwegs ist. So vergisst man zum Beispiel, dass es so etwas wie ein Parkplatzproblem gibt. Und so kommt es, dass man am Dienstag zum Mutter-Kind-Morgen fahren will und nicht darauf vorbereitet ist, dass das am nächsten gelegene Parkhaus an einem gewöhnlichen Wektag voll sein könnte. Es gibt also tatsächlich noch Menschen, die trotz Wirtschaftskrise eine Arbeit haben. Könnte man gar nicht denken, bei all den schlechten Schlagzeilen. Es gibt sogar welche, die mit dem Auto zur Arbeit fahren. Also nichts gewesen mit einem Parkplatz in bequemer Nähe zur Kirche. Zurück zum Stadtausgang.

Dort findet man zwar einen Parkplatz, dafür stellt man mit Schrecken fest, dass man den Kinderwagen zu Hause gelassen hat. Man hat ja auch nicht mit einem zehnminütigen Fussmarsch gerechnet, als man zu Hause losgefahren ist. Schon gar nicht mit einem Fussmarsch auf zu hohen Absätzen (Diese elenden Tussi-Schuhe! Wer hat mir die bloss aufgeschwatzt?), mit zwei Kleinkindern im Schlepptau und einem frisch geimpften, fast acht Kilo schweren Prinzchen auf dem Arm.

So kommt man ziemlich erschöpft beim Mutter-Kind-Morgen an. Wenigstens glauben mir so alle, dass ich tatsächlich fünf Kinder habe. Und so ist man schon bald mitten im Gespräch mit lauter Frauen, mit denen man sich schon lange einmal etwas eingehender unterhalten hätte. Keine „Petit-Beurre und volle Windeln Probleme“ heute (Siehe Beitrag „Sorgen“ vom 7. 5. ), sondern ein lebhafter Austausch zwischen Müttern in den unterschiedlichsten Lebenslagen. Ein richtig gemütlicher Vormittag also.

Etwas zu gemütlich, leider. Denn so bleibt man länger sitzen als vorgesehen. Natürlich denkt man nicht mehr dran, dass man wieder den ganzen Weg zum Auto zurücklaufen muss, diesmal mit einem Prinzchen, das nicht nur frisch geimpft, sondern auch müde und hungrig ist. Dazu auch noch mit einem nicht mehr ganz taufrischen Zoowärter und einem überdrehten FeuerwehrRitterRömerPirat. Und mit einer gestressten Mama, die schon vor sich sieht,  wie ein besorgter Karlsson und eine weinende Luise vor verschlossener Türe warten.

Natürlich kommt es genau so, wie man befürchtet hat. Aber es ist ja nicht die erste stressige Situation, die man erlebt. Und so schafft man es irgendwie, Essen zu kochen, die Grossen zu beruhigen, das Prinzchen zu füttern und die  wichtigsten Ereignisse des Morgens zu erfahren. Eine Stunde später ist alles wieder ruhig und schon beinahe vergessen.  Hoffentlich vergesse ich nicht, das nächste Mal den Bus zu nehmen.

Prinz Faultier

Keine Angst, es gibt nicht schon wieder eine Namensänderung. Dies ist auch kein Klagelied über die Faulheit unseres Jüngsten. Zwar räumt er noch immer nicht sein Geschirr weg, wenn er seinen Brei gefuttert hat und auch seine Socken lässt er in der ganzen Wohnung herumliegen, doch deswegen kann man ihn wohl noch nicht als faul bezeichnen.

In seinen Bewegungen aber gleicht er sich immer mehr einem Faultier an. Hält man ihm den Arm hin, wenn er auf dem Rücken liegt, packt er mit Händen und Füssen so stark zu, dass man sich kaum mehr befreien kann. Würde man den Versuch wagen, den Arm zu heben, er würde sich wohl einfach weiter festkrallen, wie ein Faultier eben. Vielleicht wird es langsam Zeit, dass wir irgendwo einen Ast einrichten, wo unser Prinz Faultier sich hängen lassen kann.

Schlechter Einfluss

So langsam müssen wir uns darüber Gedanken machen, ob wir nicht sämtliche Asterix-Bände auf den familieninternen Index setzen müssen. Der schlechte Einfluss ist einfach bedenklich. Zum Glück sind bis jetzt noch keine Römer durch die Luft geflogen, doch das ist bald das Einzige, was unsere Bande noch nicht ausprobiert hat.

So zelebrierten die drei Älteren am Samstagnachmittag, als die Eltern mal wieder im Garten am Graben waren, eine Heisswasserstunde wie sie im Buche steht. Dass dazu auch „ein Tropfen von Milch“ ins heisse Wasser gehörte, versteht sich von selbst. Zum Glück konnte man im Nachhinein nicht mehr genau eruieren, wie viele Tropfen von teurer Bio-Milch bei der Fete draufgegangen waren. Die riesige Lache auf dem Fussboden liess aber auf eine ziemliche Menge schliessen.

Oder nehmen wir die Fische. Jeder weiss, dass man Forellen nicht schuppt, wenn man sie blaukochen will. Aber Verleihnix schuppt seine Fische, Fische schuppen sieht cool aus, folglich müssen die Forellen auch geschuppt werden. Alle Einwände, Verleihnix verstehe nichts von Fischen, sind zwecklos. Noch Tage später kleben überall winzige Schüppchen, die sich kaum mehr wegkratzen lassen.

Und dann erst der Zaubertrank! Was da alles schon verschwendet wurde! Ekliges Gebräu aus Ketchup, Schwarztee, Orangenjus und Salz. Mist, jetzt habe ich das Rezept verraten. Aber hätten die Gallier dieses Zeug gesoffen, wären ihre Abenteuer schon nach der ersten Seite zu Ende gewesen.

Was aber an der ganzen Asterix-Euphorie am ungerechtesten ist, ist dass sie mich nicht mitmachen lassen.  Als ich am Muttertag frühmorgens an den gedeckten Frühstückstisch geschlurft kam und brummte „Schalut schuschammen! Gibtsch hier wasch schu Trinken?“, starrten mich alle entgeistert an. Die wollen mich also nur, weil ich so dekorativ bin und deshalb halte ich jetzt die Luft an, bis sie mich auch mitspielen lassen. Sonst fliegen die Abenteuer von Asterix dem Gallier aus dem Fenster.

Nie wieder Brownies

Da hat man wiedermal den Beweis. Ich bin eine miserable Hausfrau. Nicht einmal kochen und backen kann ich, dabei ist es die einzige Hausarbeit, die ich mit Leidenschaft erledige. Noch nie, aber wirkch nie, ist es mir gelungen, anständige Brownies zu backen. Egal, welches Rezept, egal, welche Zutaten, meine Brownies gelingen nie. Nicht mal mit Martha Stewart will es klappen. Jedes Mal die gleiche klebrige Masse, jedes Mal die gleichen Würfel, die aussehen, als hätte eine Kuh darauf rumgekaut. Zumindest ist diesmal der Teig nicht an die Wand geflogen. Die Flecken vom letzten Mal sieht man nämlich auch nach zehn Monaten noch.

Es ist einfach frustrierend. Dabei brauchte ich dringed ein Erfolgserlebnis. „Meiner“ holt nämlich langsam auf. Da quält man sich eine ganze Schulzeit lang durch Handarbeitsunterricht, Kochschule und Hauswirtschaftsstunden, belegt sogar freiwillig Geometrie, um dem ungeliebten Haushaltsunterricht zu entgehen. Danach plagt man sich acht Jahre lang als Vollzeithausfrau ab und muss sich eines Tages eingestehen, dass man es, egal, wieviel Mühe man sich gibt, auf keinen grünen Zweig bringt.

Das wäre alles kein Problem, wäre da nicht „Meiner“, ein geborener Hausmann, der ohne die klitzekleinste Anleitung und ohne eine einzige Stunde Unterricht alles hinkriegt: Hosen kürzen, Kuchen backen, die Wohnung in Ordnung halten. Bloss bei der Wäsche hapert es noch, aber auch dort bessert er sich. Und jetzt wagt er sich sogar bereits an die Sauce Hollandaise. So wie ich „Meinen“ kenne, wird er auch das innert Kürze im Griff haben. Auch dies wäre kein Problem, hätten wir nicht vor Jahren den schwerwiegenden Fehler gemacht, uns für eine traditionelle Rollenteilung zu entschieden. Aus dieser Falle wieder herauszukommen, ist in der Wirtschaftskrise gar nicht so einfach.

So kommt es, dass ich weiterhin diejenige bin, die die Brownies backt. Und „Meiner“ ist nicht einmal bereit, für mich zu lügen und zu behaupten, er hätte sie gemacht. Wäre ja auch zwecklos, es würde ihm ohnehin keiner glauben. Inzwischen hat sich nämlich längst herumgesprochen, wer bei Vendittis den Haushalt schmeisst. Fragt sich bloss, womit ich derweil meine Zeit totschlage, denn haushalten kann man das nicht nennen, was ich den ganzen Tag mache.