Kleine Erkenntnis zum Feierabend

Man glaubt ja zuweilen, wenn die Kinder grösser seien, dann würde es etwas einfacher mit dem Nachtschlaf, aber dann kommt die Nacht, in dem die eine zu heiss hat, der andere sich vor einem schlecht bearbeiteten Bild fürchtet, der Dritte noch etwas auf eBay gefunden hat, das Mama bestellen soll, der Vierte sich mit Sack und Pack ins Elternbett schleicht… Dann dämmert dir, dass du, solange du mit deinem Nachwuchs unter einem Dach lebst, wohl nie ungestört schlafen wirst.

(Und die Geschichte mit „Wo bleibt er/sie bloss? Wir haben doch Mitternacht vereinbart“, hat noch gar nicht erst begonnen.) 

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Badezimmer-Renovation in 10 Schritten

Schritt 1: Beim Baden mal die Mischbatterie etwas genauer unter die Lupe nehmen. Vielleicht könnte man das hässliche Ding ja mal ersetzen, wenn es sich ergibt.

Schritt 2: Den Fussboden gründlich schrubben und feststellen, dass das rein gar nichts bringt.

Schritt 3: Die Wand anstarren und dich fragen, ob ein Putzschwamm noch reicht, oder ob der Farbroller her muss.

Schritt 4: Am Regal rütteln. Nicht fest, nur gerade so viel, um zu überprüfen, wie lange es noch stehen wird.

Schritt 5: Mit „Deinem“ darüber philosophieren, weshalb ihr beide dazu neigt, Widrigkeiten wie verkalkte Wasserleitungen, schief hängende Duschstangen und hässliche Spiegelschränke als unverrückbare Gegebenheiten zu akzeptieren. (Es muss da irgend einen geheimnisvollen Zusammenhang geben zwischen deiner Kindheit in einem Renovationsobjekt und seiner Kindheit in einer Bruchbude.)

Schritt 6: Möbelkataloge anschauen und denken, wie schön dies und jenes doch wäre. 

Für Schritte 1 bis 6 sollte man mindestens ein Jahr, vielleicht auch zwei einplanen. 

Schritt 7: Das Regal tüchtig ausmisten. Einfach so, ohne Hintergedanken, versteht sich.

Schritt 8: Vor einem längeren Auslandaufenthalt präventiv den hässlichen Spiegelschrank von der Wand reissen und den Rollenhalter ruinieren. Zwei neue Regale und einen neuen Spiegelschrank kaufen und demonstrativ vor den Wohnungseingang stellen, damit du bei der Heimkehr gar nicht erst auf die Idee kommst, das Bad wieder so zu nehmen, wie es ist.

Für Schritte 7 und 8 sollte man noch einmal mit ca. einem halben Jahr rechnen. 

Schritt 9: Nach einem längeren Auslandaufenthalt nach Hause kommen, das Bad betreten und einen Schreikrampf bekommen.

Schritt 10: Alles demolieren, was raus muss. Alles aufbauen, was rein muss. Farbe an die Wand, Bodenplatten hinklatschen, Fugen neu, alter Duschvorhang runter, neuer Duschvorhang rauf, potthässliche Rollos weg, neue Klobürste, neuer Abfalleimer, neuer Rollenhalter, neues Waschbecken, sogar an ein neues WC denken und das alles bitte schön ein bisschen dalli! 

Schritte 9 und 10 dürfen auf gar keinen Fall mehr als drei Tage in Anspruch nehmen. In diesem Dreckloch kann ja kein Mensch hausen!

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Vive la lenteur!

Dienstag, 6. 4. 2015, Supermarché Saint-Rémy-de-Provence: „Himmel, das dauert ja eine Ewigkeit an dieser Kasse. Schläft die Kassiererin vielleicht? Nicht dass ich im Stress wäre, aber irgendwann möchte man ja auch wieder aus diesem Laden rauskommen.“

Ein paar Tage später, wieder an der gleichen Kasse aber mit einer anderen Kassiererin: „Schon wieder so eine Schlaftablette. Und jetzt fängt sie auch noch an, mit der Arbeitskollegin zu quatschen. Das kann dauern…“

Wieder ein paar Tage später, anderer Supermarkt, andere Kassiererin, gleiche Langsamkeit: „Scheint hierzulande üblich zu sein, dass man sich Zeit lässt an der Kasse. Na ja, ist nicht weiter schlimm…“

Nach ein paar Wochen, wieder so ein gigantischer Laden mit langer Warteschlange vor der Kasse: „Ist eigentlich noch ganz spannend, hier zu stehen und die Leute zu beobachten. Wollen wir den Grosspapa vorlassen? Der hat kaum etwas in seinem Korb und wir sind ja nicht in Eile.“

Irgendwann kurz vor der Abreise, irgendwo an irgendeiner Kasse: „Stell dich doch schon mal in die Schlange, ich hole noch ein paar Sachen. Dauert ja ohnehin noch eine Weile bis wir dran sind.“

Montag, 8. 6. 2015, Migros: „Himmel, was ist bloss mit dieser Verkäuferin los? Ist die auf der Flucht, oder was? Die hat ein Tempo drauf, dass mir beinahe schwindlig wird. Ach so, stimmt, so läuft das hierzulande. Immer diese elende Hetze…“

prendi la rabbia; prettyvenditti.jetzt

prendi la rabbia; prettyvenditti.jetzt

Potential

Nach acht Wochen Provence und einer Woche Paris heute Abend die Ankunft in der dritten Behausung. Viel kann ich noch nicht sagen, aber der erste Eindruck ist schon mal nicht schlecht. Ruhige Lage, breite Treppe, die nicht bei jedem Tritt knarrt, grosse, helle Räume, anständiger Umschwung, für jedes Kind ein Zimmer… Die Nachbarn, die ich bis jetzt getroffen habe, sind äusserst nett, mir scheint, sie mögen sogar unsere Kinder. Und es gibt Katzen hier. Drei Stück, hat man mir gesagt, obschon wir erst zwei getroffen haben. Ganz ansprechend, würde ich sagen. 

Gut, das Badezimmer ist etwas in die Jahre gekommen und müsste dringend renoviert werden. Im Garten gäbe es auch das eine oder andere zu tun. Die Küchenschränke dürften sie auch mal ausmisten hier und ein neuer Anstrich in den Zimmern könnte nicht schaden. Perfekt ist es nicht, das Haus, aber es hat durchaus Potential. Das sehe ich auf den ersten Blick. Würde es mir gehören, ich hätte da so die eine oder andere Idee.

Fällt mir ein: Es gehört ja mir…

  

Freundschaft, mehr ist da nicht

Auf die Gefahr hin, ein paar wirklich liebe Menschen vor den Kopf zu stossen, sage ich heute etwas, was man eigentlich gar nicht sagen darf. Weil ich aber versuche, ein ehrlicher Mensch zu sein, sage ich es trotzdem: Auch jetzt, wo sich mein zweiter Besuch seinem Ende zuneigt, finde ich Paris… na ja, wie soll ich es nennen? Ganz okay? Nein, das ist vielleicht ein wenig untertrieben. Wunderschön? Na ja, teilweise schon, aber so als Gesamturteil wäre mir das zu dick aufgetragen. Ich glaube fast, ich muss mich mit dem Etikett „nett“ zufrieden geben.

Wie jetzt? Nur nett? Die Stadt der Liebe? Der Romantik? Der Kunst? Der Mode? Die Stadt der Träume schlechthin? Nichts weiter als nett? Ja, tut mir leid, alles in allem ist Paris für mich wie ein Mensch, mit dem ich gerne ein paar Tage verbringe und mit dem ich mich bestens unterhalte, der mir aber nicht fehlt, wenn er nicht da ist.

Klar, Montmartre, Louvre, Orsay, die Brücken, die Märkte, die Seine, die Ausstellungen, Cafés, Parks, Quartiere,… sind wirklich wunderbar, die Ferienwohnung ist gar besser als alles, was wir bisher gemietet haben, aber irgendwie will mein Herz einfach nicht höher schlagen, wenn von Frankreichs Hauptstadt die Rede ist. Es gefällt mir hier, mehr nicht. Reise ich ab, tue ich das nicht mit Wehmut, sondern eher so mit einem „Schön, dass wir uns mal wieder getroffen haben. Hat wirklich Spass gemacht. Wir bleiben in Kontakt, ja?“

Ich wünschte, ich könnte fühlen, was andere Menschen fühlen, wenn sie an Paris denken, aber zwischen uns will einfach nicht mehr werden als eine nette, aber leicht distanzierte Freundschaft. Bei meinem ersten Besuch konnte ich noch sagen: „Na ja, war halt Februar. Ausserdem hatten ‚Meiner‘ und ich Krach. Da kann man wohl nicht zu viel erwarten“, aber jetz, wo der Himmel blau ist und man den Café au Lait auf dem Trottoir schlürft, hätte ich von mir selber schon etwas mehr Gefühlsduselei erwartet. Zumal ich ja ganz und gar nichts dagegen gehabt hätte, mich endlich so heftig in Paris zu verlieben, wie ich mir das als Teenager jeweils erträumt hatte.

 

Gääääääähn! 

Heute zehn Stunden lang in Gesellschaft von unzähligen begeisterten Italienern, mit vier Kindern und ohne „Meinen“ – dafür mit einer Schere, die ich ganz ohne böse Absicht an der Sicherheitskontrolle vorbei geschmuggelt habe – bei Mickey, Donald & Co. Need I say more? 

  

Nie im Leben

„Diesmal gehe ich vielleicht rauf“, sagte ich vor einigen Wochen, als Paris noch ein ferner Gedanke war. „Ganz sicher bin ich mir zwar nicht, aber einmal im Leben sollte man schon oben gewesen sein.“

„Diesmal gehe ich wirklich rauf“, sagte ich gestern, als wir ihn vom Boot aus sahen. „Sooooo hoch ist er ja wirklich nicht. Und einmal im Leben sollte man wirklich oben gewesen sein.“

„Ich komme mit“, sagte ich heute Vormittag, als wir den Tag planten. „Ein wenig mulmig ist mir zwar schon, aber einmal im Leben sollte man oben gewesen sein.“

Tja, und dann stand ich unter ihm, blickte nach oben, zu dem gigantischen Tennisball, der dort gerade hängt, sah den Glasboden der ersten Etage und wusste: Nie im Leben gehe ich dort hoch. Mag sein, dass man einmal im Leben oben gewesen sein sollte, mich aber bringt man um nichts in der Welt dazu, den Lift zu besteigen, geschweige denn die Stufen zu erklimmen. Also blieb ich unten und sah mit ungutem Gefühl dabei zu, wie meine sechs Lieblingsmenschen das Ungetüm erklommen.

Zwei Stunden lang sassen wir da, ich und meine Höhenangst, blickten so wenig wie möglich nach oben und warteten, bis der Rest der Familie endlich wieder Vernunft annahm. Mag sein, dass ich etwas verpasst habe, dafür sind die Höhenangst und ich jetzt wieder bestens miteinander vertraut und ich werde mir nicht so schnell wieder einreden, sooooo hoch sei der Kerl ja nicht.

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Paris

Fährst du nach Paris, dann warnen sie dich vor allem möglichen. Vor Taschendieben, vor kaltschnäuzigen Grossstädtern, vor den Touristenmassen, vor überteuerten Unterkünften, vor… Ach, was soll ich auch weitermachen mit meiner Aufzählung? Ihr wisst ja selbst, wovor sie einen alle warnen, bevor man die Koffer packt und fährt. So viel warnen sie, dass man sich irgendwann fragt, ob man überhaupt hingehen soll. Muss sich ja seit dem letzten Besuch sehr zum Schlechten verändert haben, dieses Paris. 

Nun möchte ich natürlich keineswegs behaupten, alle diese Warnungen seien ganz und gar aus der Luft gegriffen. Immerhin haben die ja neulich aus Protest gegen die Taschendiebe einen ganzen Tag lang den Eiffelturm geschlossen. Aber in Paris können sie auch anders. Da passiert es dir zum Beispiel, dass dir im Bus die eine Dame erklärt, wo du die günstigsten ÖV-Tickets bekommst, während die andere ihren Sitzplatz für dein Kind hergibt und die Dritte dir zeigt, wo du dein Busticket entwerten musst. Die Atmosphäre ist eindeutig freundlicher als bei uns zu Hause im Bus Nummer drei und es kommt einem fast vor, als bestehe ein heimlicher Wettstreit, wer am häufigsten seinen Platz für einen Älteren, Jüngeren oder sonst irgendwie Schwächeren räumt. 

Oh ja, ich weiss, was ihr jetzt denkt, ihr Zyniker da draussen. „Hilfsbereitschaft? In Paris? Hast du schon überprüft, ob dein Portemonnaie noch da ist?“ Ich versichere euch, es ist noch da. Zusammen mit der Gewissheit, dass sich nicht hinter jeder freundlichen Handlung Betrug verbirgt. Auch in Paris nicht. 

(Von der nicht nur bezahlbaren, sondern richtig tollen Unterkunft und dem Vermieter, der sich sonntags umgehend aufs Velo schwingt, wenn ein Problem auftaucht, erzähle ich dann ein andermal.)  

Abreisegedanken

Wenn eine begrenzte Anzahl Menschen mit einer begrenzten Anzahl Socken in einem räumlich ziemlich stark begrenzten Haus für eine begrenzte Zeit lebt, müsste es dann nicht fast ausgeschlossen sein, dass am Ende dieser Zeit zehn verzweifelte Einzelsocken auf Partnersuche sind?

Wenn drei dieser Menschen eine begrenzte Anzahl Legosteine mitnehmen und mit diesen Legosteinen nur in einem einzigen Raum des räumlich ziemlich stark begrenzten Hauses spielen, wie kommt es dann, dass man beim Aufräumen in fast jedem Winkel des Hauses Legosteine findet? 

Wenn der ganze Krempel, den diese Menschen mitgeschleppt haben, kurz nach der Ankunft bereits im ganzen Haus verteilt war, dann müsste dieser Krempel vor der Abreise doch eigentlich ebenso schnell wieder zurück in die Koffer und Taschen wandern.

Wenn diese Menschen gewöhnlich für eine viel begrenztere Zeit verreisen,  dürften sie doch eigentlich nach acht Wochen nicht sagen: „In einer Woche fahren wir schon wieder nach Hause.“

 

Tischgespräch mit Teenagern

Wenn wir ausnahmsweise mal nur zu viert essen, Karlsson, Luise, „Meiner“ und ich, dann bekommen wir Eltern Folgendes zu hören: „Ihr müsst halt die Kleinen an die kurze Leine nehmen. Abends eine Stunde lang Hörbuch und wenn dann keine Ruhe herrscht, am nächsten Abend keine Geschichte…“ „Genau! Und jeder in sein eigenes Bett, wenn sie nicht ruhig sind. So, wie bei uns früher.“ „Und am nächsten Tag keine Glace, wenn sie nicht parieren!“ „Ihr seid einfach zu wenig streng mit ihnen. Bei uns wusstet ihr noch, wie man den Tarif durchgibt. Aber die Kleinen, die machen bis spätabends Party.“  Das alles nicht etwa vorwurfsvoll, sondern im Tonfall eines besorgten Familienbegleiters, der einen Erziehungsratgeber verschluckt hat. Gerade so, als stünden wir am Rande des Nervenzusammenbruchs, weil wir unseren jüngeren Kindern nicht mehr beizukommen wissen.  Dabei sind wir nicht etwa verzweifelter als früher, unsere Grossen sind inzwischen einfach dem Glauben verfallen, als sie noch klein waren, hätte noch so etwas wie Zucht und Ordnung geherrscht in dieser Familie. Vermutlich behaupten sie demnächst, sie hätten jeweils jeden Abend um acht tief und fest geschlafen.