Lehrgespräche unter Brüdern

Mal lehrt das Prinzchen den Zoowärter…

Prinzchen: „Mist! Ich glaube, das war Make-up, was ich mir da gerade ins Gesicht geschmiert habe.“

Zoowärter: „Was denn?“

Prinzchen: „Na, das Zeug da aus dieser sonderbaren Flasche.“

Zoowärter: „Lass mich auch mal.“

Prinzchen: „Nein, lass es lieber bleiben, ich glaube, das ist wirklich Make-up.“

Zoowärter: „Was ist Make-up?“

Prinzchen: „Ach, irgend so eine Crème, mit der man Pickel und solche Sachen zudeckt.“

Zoowärter: „Hä?“

Prinzchen: „Also, das gehört Mama, du nimmst es wirklich besser nicht. Ich glaube, Luise braucht das manchmal auch.“

Und jetzt endlich glaubt der Zoowärter, dass er wohl tatsächlich lieber die Finger von dem Zeug lassen sollte.

…mal lehr der Zoowärter das Prinzchen:

Zoowärter: „Schliess mal die Augen. Nur die Augen, nicht die Ohren.“

Prinzchen schliesst gehorsam die Augen, nicht aber die Ohren.

Zoowärter: „Und jetzt hörst du ganz gut hin. Liegen die Töne, die ich auf dem Cello spiele, nahe beieinander oder nicht?“

Prinzchen: „Hä?“

Zoowärter: „Du musst gut zuhören und mir sagen, ob die zwei Töne nahe beieinander liegen.“

Prinzchen: „Hä?“

Zoowärter: „Mach mal die Augen auf. Siehst du, du musst mir sagen, ob die Saiten der Töne nahe beieinander sind oder nicht. Verstanden? Dann schliess die Augen.“

Prinzchen schliesst wieder die Augen, Zoowärter spielt zwei Töne.

Zoowärter: „Und? Liegen die Töne nahe beieinander?“

Prinzchen: „Ja.“

Zoowärter: „Nein, aber kannst du mir jetzt noch sagen, wie die Saiten heissen, die ich gespielt habe?“

Das Prinzchen kann nicht, denn der Zoowärter hat vergessen zu sagen, dass die Saiten unterschiedlich heissen. 

la dignità; prettyvenditti.jetzt

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Lesegebrumm

Für eine neue Artikelserie wälze ich derzeit Erziehungsratgeber. Na ja, so richtige Ratgeber sind es nicht, mehr so Bücher, die einem ans Herz legen, eine enge Bindung zum Kind aufzubauen, anstatt starre Programme durchziehen zu wollen. Bücher also, die mir in vielerlei Hinsicht aus dem Herzen sprechen. Und doch rege ich mich zuweilen gewaltig auf bei der Lektüre. 

Zum Beispiel, wenn eine gut situierte Autorin wortreich beteuert, dieser Erziehungsstil sei nicht nur für Gutbetuchte und zwei Abschnitte weiter unten sagt sie, ihr Mann hätte seinen gut bezahlten Job sausen lassen um sich ganz den Kindern zu widmen, weil sie ja genug verdient, um die Familie alleine zu ernähren. Ich lese, überlege kurz, wie unser Kontostand damit fertig würde, wenn einer von uns beiden nur noch für die Familie da wäre und brumme „Nicht nur für Gutbetuchte, genau!“

Oder wenn mehrere Autoren dieser Sparte dafür plädieren, das Baby auch nur mal zum Nuckeln an die Brust zu legen, weil das so viel besser sei als jeder Nuggi. Ich brumme schon wieder: „Schön und gut, aber was ist mit Frauen, die wie ich damals schon ohne dauerndes Anlegen beinahe in der Milch ersaufen und deshalb pausenlos auf der Hut sein müssen vor der nächsten Brustentzündung?“ 

Oder wenn ein Autor rät, wenn Mama die Decke auf den Kopf falle und Baby pausenlos schreie, dann sollten sie doch einfach zusammen an den Strand gehen, ein wenig frische Luft und Wellenrauschen sei genau das Richtige in einem solchen Moment, bei ihnen hätte das jeweils Wunder gewirkt. „Ach so, an den Strand hätte ich gehen müssen. Wäre ja auch gar nicht soooo weit gewesen…“, brumme ich. 

Oder wenn der gleiche Autor freudig davon berichtet, wie er und seine Frau die Kleinen eben auch noch als Dreijährige in der Trage gehabt hätten, wenn das Kind das gebraucht habe. Klar das Kind sei schon etwas grösser und schwerer in diesem Alter, aber damit komme man schon klar. Mein Gebrumm diesmal: „Der FeuerwehrRitterRömerPirat war mit drei wohl knapp einen Meter gross, ich bin eins dreiundfünfzig, wie ich den langen Kerl wohl stundenlang mit mir rumgetragen hätte?“ 

Oder wenn noch einmal dieser Autor ein paar Kapitel weiter hinten aufs Thema Schule zu reden kommt. Man müsse sich eben die Lehrpersonen vor dem Schuleintritt sehr genau anschauen und dann dafür sorgen, dass das Kind zu derjenigen komme, die am besten zum Kind passe. Und falls es trotzdem nicht klappen sollte, müsse man eben eine Schule wählen, die besser auf die Bedürfnisse des Kindes ausgerichtet sei. Und schon wieder brumme ich, etwas, was verdächtig nach „Vollidiot!“ klingt. Und dann schiebe ich hinterher: „Schon mal davon gehört, dass freie Schulwahl in gewissen Ländern nur für Menschen mit grossem Portemonnaie möglich ist?“

Erstaunlich viel Gebrumm für eine Lektüre, die mir in den Grundzügen durchaus zusagt. Ein Gebrumm, das deutlich leiser wäre, wenn die Autoren beim Schreiben etwas weniger Rosarot eingesetzt hätten. 

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Notfallgeplänkel

Gestern mal wieder sechs Stunden Notaufnahme. Der Warteraum voll mit keuchenden, blassen erschöpften Patienten, ein paar mit Herzproblemen, an meiner Seite die Schwiegermama, die in der Verwirrung des hohen Fiebers anderer Leute Cola austrinkt, dann noch ein oder zwei Bagatellfälle und eine Dame am Empfang, die sich vor lauter Kranken kaum mehr zu helfen weiss. Obschon immer mal wieder der eine oder andere tiefe Seufzer zu vernehmen ist, warten doch alle geduldig. Alle? Nein, natürlich nicht. Die Bagatellfälle belagern provokativ den Empfangsschalter, drängen zittrige, fiebernde Neuankömmlinge ab und verlangen alle paar Minuten lautstark nach dem Arzt, weil sie jetzt wirklich nicht mehr länger warten können, da es sonst zu Ende geht mit ihnen. 

Ich sitze da, beobachte das Treiben und denke einmal mehr: Gott sei Dank habe ich mich nie für eine Laufbahn im Gesundheitswesen entschieden. Müsste ich mich Tag für Tag mit solchen Menschen rumschlagen, würde ich sie wohl durchschütteln, bis sie wirklich Grund hätten, lautstark nach einem Arzt zu rufen. 

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Gluckenfreie Zone

Bei Luise hat die Glucke nichts zu melden, das weiss ich schon, lange und spüren tue ich es noch viel länger, vielleicht schon seit jenem Tag, an dem sie wie ein Champagnerkorken aus mir rausgeflogen kam und mit wachem Blick aus grossen, himmelblauen Augen den Gebärsaal inspizierte. Klar, auch Luise ist Sentimentalitäten gegenüber nicht ganz abgeneigt, aber den Zeitpunkt für solche Dinge bestimmt sie und dann sind wir gefälligst gemeinsam sentimental. Aber dass Mama einfach so ein wenig die Glucke loslässt, bloss weil Töchterchen für ein paar Tage ins Ski- oder Jungscharlager fährt, sowas geht bei Luise nicht. Und weil man bei so einer Glucke nie ganz sicher sein kann, ob sie nicht doch noch im dümmsten Moment angerannt kommt, tanzt Luise in den Tagen von der Abreise so gekonnt auf meinen Nerven rum, dass sie am Vorabend ganz vergnügt zu mir sagen kann: „Mama, bist du nicht froh, mich für ein paar Tage los zu werden?“ und offen gestanden wäre mir das eine oder andere Mal schon fast ein „Ja, eigentlich schon“ rausgerutscht. Dieses Verhalten bringt durchaus auch Vorteile mit sich, denn ist es Luise erst mal gelungen, die Glucke in ihre Schranken zu weisen, darf ich meine Tochter nicht nur zum Reisecar begleiten – etwas, was mir Karlsson nie erlaubt hätte -, ich darf sie sogar vor den Augen ihrer versammelten Schulklasse umarmen. 

Was Luise nicht weiss und was ich ihr auch ganz bestimmt nie sagen werde: Die Glucke ist sehr wohl dabei, wenn ich meine Tochter verabschiede, sie hält sich einfach so lange wie nötig still. „Du lässt zu, dass Luise mit einem Reisecar verreist?“, fragte sie heute früh ganz entsetzt. „Du weisst aber schon, was passieren kann, wenn so ein Chauffeur nicht richtig gut aufpasst?“

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Karlsson verstehen, schwer gemacht

Okay, Karlsson, jetzt nochmal von vorn: Du hast mir keine Gartenhandschuhe aus der Migros gebracht, weil du mir eigentlich Hässliche in Schlammgrün hättest kaufen wollen, um dir einen Scherz zu erlauben. Aber es hatte keine Hässlichen in Schlammgrün, sondern nur Hübsche, geblümte, von denen du sicher warst, dass sie mir gefallen würden. Aber wenn du mir die gekauft hättest, wäre dein Scherz im Eimer gewesen, also hast du nur die von mir verlange Gartenschere gekauft. Und um mir den Wind aus den Segeln zu nehmen, hast du dir auf dem Nachhauseweg noch kurz das Argument mit der Rohstoffverschwendung ausgedacht, weil ich ja angeblich irgendwo noch tonnenweise Gartenhandschuhe horte.

Und wie, mein lieber Sohn, soll ich das jetzt meinen von Brombeerdornen geschundenen Fingern erklären?

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Statistenrolle

Das Gefühl kenne ich noch bestens aus Baby- und Kleinkinderjahren: Die Ohnmacht, im eigenen Leben nur noch eine Statistenrolle zu spielen, der Frust, eigentlich nichts mehr zu melden zu haben, sondern einfach nur noch zu reagieren. Einziges Mittel, um mit diesen Ohnmachtsgefühlen fertig zu werden, war der Gedanke, dass wir uns das selber ausgesucht haben. „Wir haben Kinder gewollt und zwar mehr als eins, also Augen zu und durch, wenn immer möglich mit einem Lächeln auf den Lippen“, sagte ich wohl unzählige Male zu mir selber und auch wenn das nicht immer eine sofortige Wirkung zeigte, so half mir dieser Gedanke doch durch viele Tage und Nächte, die anders waren, als ich mir das eigentlich vorgestellt hatte. 

Wenn man mir heute am Telefon sagt: „Der Termin ist am Dienstagnachmittag, wir erwarten Sie um drei. Nein, es geht nicht ohne Sie, es muss jemand dabei sein, der Deutsch spricht“, dann kommen ganz ähnliche Gefühle wie damals auf. „Kann man denn einfach so über mich verfügen?“, grummle ich und weil sich Solches und Ähnliches mehrmals pro Woche so zuträgt, grummle ich viel. Sehr viel. Und dummerweise ist da kein „Wir haben es ja so gewollt…“, das mir hilft, die Sache zu nehmen, wie sie eben ist. Da ist höchstens ein „Was kann ich denn dafür, dass sie nie richtig Deutsch gelernt hat?“ oder ein „Nur, weil ich ihren Sohn geheiratet habe, heisst das noch lange nicht, dass das Spital mich herumkommandieren kann“ und manchmal auch ein „Warum ausgerechnet jetzt, wo die Kinder endlich aus dem Gröbsten raus sind?“ 

Diese Gedanken sind nicht nett, sie ändern auch nichts an der Lage und ich suche immer wieder brav nach Wegen, um doch einigermassen wohlwollend geben zu können, was man von mir erwartet. Dass diese Gedanken kommen, ist aber wohl ebenso unausweichlich wie die Ohnmachtsgefühle, die ich zuweilen empfand, als Luise über mehrere Jahre hinweg die Nacht zum Tag machte. 

rifiuti; prettyvenditti.jetzt

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ICH – WILL – ABER – JETZT!!!

Karlsson will ein neues Handy. Am besten schon vorgestern und natürlich das Beste, das derzeit auf dem Markt ist. Oder zumindest das Zweitbeste.

Luise will einen neuen Koffer. Sie braucht einen Skihelm, eine Skibrille und Skistöcke. Dann noch neue Finken. Und zwei Paar Handschuhe. Und neue Hosen. Und wenn sie das alles nicht jetzt gleich bekommt, zeigt sie uns, wie gut sie schon pubertieren kann. 

Der FeuerwehrRitterRömerPirat muss sein Taschengeld loswerden, bevor er es bekommen hat, denn Geld wird bekanntlich sehr schnell schlecht, wenn man es nicht rechtzeitig loswird. Und dann hat er noch ein oder zwei Bücher zugute. Einen Gutschein sollte er auch noch endlich einlösen, der liegt doch tatsächlich schon einige Wochen unberührt rum.

Der Zoowärter muss diesen Lego-Roboter haben. Vor drei Tagen noch wusste er nichts von dessen Existenz, aber jetzt kann er keine Stunde länger mehr ohne sein, sonst verliert er seine ganze Lebensfreude.

Das Prinzchen braucht einen Haufen Süssigkeiten. Nicht etwa, um sie jetzt zu essen, sondern um sie in den Kindergarten zu schleppen, wo die Kinder während der Fastenzeit alles Süsse, das sie bekommen, in ein Säcklein legen. An Ostern bekommen sie dann den ganzen Haufen zurück, aber weil Prinzchen eine Mutter hat, die nicht einfach so Süssigkeiten kauft, ist er der Einzige, der noch keinen anständigen Haufen beisammen hat. Mit dem staubtrockenen Caramel-Gebäck, das ihm der alte Nachbar jeweils zusteckt, lässt sich natürlich nicht auftrumpfen, also muss das Prinzchen jetzt ganz dringend auch mal etwas mehr Zuckerzeug haben. 

Und was will ich? Keine Ahnung. Bei dem andauernden „ICH WILL ABER JETZT!!!!“-Geschrei (nicht nur von Seiten der Kinder) kann ich meine eigenen Gedanken schon längst nicht mehr hören. 

azione; prettyvenditti.jetzt

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Reifezeichen

Karlsson, der Luise zurechtweist, weil sie abends um halb zehn noch immer fröhlich auf meinen arg strapazierten Nerven rumtanzt. „Wie oft muss Mama noch sagen, dass sie es nicht mehr lustig findet? Kannst du das nicht mal endlich respektieren?“

Luise, die mir dabei zusieht, wie ich ihren kleinen Brüdern die Läuse aus dem Haar kämme und plötzlich sagt: „Also, ich glaube nicht, dass ich so viel Geduld hätte wie du, wenn ich das bei meinen Kindern machen müsste.“ Und dies ganz und gar frei von Ironie, obschon ich eben erst den FeuerwehrRitterRömerPiraten aufs Ärgste zusammengestaucht habe, weil er nie stillsitzen will und bei jedem kleinsten Ziepen losheult.

Der FeuerwehrRitterRömerPirat, der nicht nur brav nickt, wenn ich ihm sage, er dürfe noch eine halbe Stunde ans iPad, müsse danach aber sogleich seine Hausaufgaben erledigen, sondern dies dann auch ohne jegliche Ermahnung so durchzieht und obendrein noch Trompete übt. 

Täusche ich mich, oder zeigen unsere drei grössten Kinder in letzter Zeit beunruhigende Anzeichen von Reife? 

deux, prettyvenditti.jetzt

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Déformation maternelle

Auf dem Einladungszettel fürs Kasperlitheater lese ich den Satz „Kinder unter 8 Jahren bitte nur in Begleitung eines Erwachsenen, Dankeschön.“ und vor meinem inneren Auge sehe ich, wie die Organisatorinnen des Anlasses bei Kaffee und trockenen Guezli am Sitzungstisch sitzen und darüber diskutieren, wie man es hinkriegen soll, dass die faulen Mütter nicht einfach ihre Kinder deponieren, um sich einen schönen Nachmittag zu machen:

„Also letztes Jahr ist das gar nicht gut gelaufen“, spricht die Erste das Thema an. „Da gab es doch tatsächlich Mütter, die ihre Kinder bei uns abgegeben haben und dann verschwunden sind. Sowas geht nicht, wir sind doch hier nicht der Kinderhütedienst.“

„Sonjas Kleiner hat ja andauernd geschrien, der hatte so schreckliche Angst vor dem bösen Wolf. Man kann doch so ein kleines Kind nicht einfach alleine im Theater lassen. Ist doch vollkommen verantwortungslos“, pflichtet eine andere bei.

„Na ja, Sonjas ‚Kleiner‘ ist auch schon sechs. Wenn ihr mich fragt, ist mit dem Kind etwas nicht in Ordnung. In dem Alter fürchtet man sich doch nicht mehr vor dem bösen Wolf“, zickt eine Dritte.

„Okay, Sonjas Sohn ist wohl ein wenig speziell. Aber Brigitte hat ihre Goofen auch einfach hier abgeladen und ist shoppen gegangen. Die hat das noch ganz stolz rumerzählt, als sie nach der Vorstellung mit zwanzig Minuten Verspätung endlich kam, um die Kinder abzuholen. Sowas geht doch einfach nicht“, gibt diejenige, die das Thema angeschnitten hat, zurück.

„Und Sara hat es nicht mal für nötig gehalten, auszusteigen. Die hat ihre Brut einfach aus dem Auto gejagt und ist weggefahren. Ich durfte dann dafür schauen, dass die ihre Eintrittskarten bekommen und zu ihren Plätzen finden. Und dann haben die ja auch immer die Aufführung gestört…“, schaltet sich eine Vierte ein.

„Hast du ihr eigentlich mal gesagt, dass du das nicht so okay findest?“, will ihre Sitznachbarin wissen. „Du wolltest doch mal noch mit ihr darüber reden.“

„Ich hab’s versucht, aber dann hat sie wieder davon angefangen, dass mein Ramon mal angeblich ihrer Svenja das Trottinett kaputt gemacht haben soll….“

„Ach so, jetzt war’s also dein Ramon, der das gemacht haben soll. Eben erst war es noch meine Lia. Dabei weiss jeder, dass Svenja wie eine Irre im Quartier rumflitzt und alles kaputt macht“, wirft ein anderes Mitglied der Runde ein.

„Ladies, wir kommen vom Thema ab“, mahnt diejenige, die Erste. „Wie wollen wir das jetzt hinkriegen, dass wir nicht als billiger Kinderhütedienst missbraucht werden?“

„Ich schlage vor, wir lassen Kinder nur in Begleitung Erwachsener rein“, meint eine Anwesende. 

„Also das kannst du jetzt auch nicht verlangen“, protestiert eine Mehrfachmutter. „Glaubst du, ich will meinen Drittklässler zu Kasperli begleiten?“

„Und wie willst du das dann mit dem Eintritt handhaben? Sollen Mütter bezahlen müssen, die eigentlich nur da sind, weil ihr Kind nicht alleine kommen darf?“, pflichtet ihr eine andere bei.

„Dann schreiben wir eben, Kinder unter sechs Jahren dürften nur in Begleitung eines Erwachsenen rein“, schlägt jemand vor.

„Saras Kinder sind alle älter als sechs und wissen trotzdem nicht, wie man sich benimmt…“, meint Ramons Mutter, die eigentlich ganz gerne noch ein wenig länger über die Sache mit dem Trottinett geredet hätte. 

„Dann eben Kinder unter acht Jahren“, sagt die Erste.

„Das finde ich jetzt ziemlich extrem“, kritisiert die Mehrfachmutter. „Achtjährige wollen doch nicht mehr ins Kasperlitheater…“

„Meine ist elf und liebt den Kasperli noch immer heiss und innig“, bemerkt ihre Sitznachbarin spitz.

„Echt jetzt?“, fragt eine andere mit nur schlecht kaschiertem Spott in der Stimme. „Mein Kleiner findet das jetzt schon zum Gähnen und er wird erst vier.“

„Dürfen Kinder denn nicht mehr Kinder sein, solange sie wollen?“, fragt die Mutter der Elfjährigen beleidigt.

„Laaaaaadies, zurück zum Thema“, mahnt die Erste mit ungeduldigem Singsang. Die Mutter der Kasperli-liebenden Elfährigen und die Mutter des Kasperli-verachtenden Vierjährigen tuscheln weiter, die Stimmung zwischen ihnen spürbar angespannt, aber die übrigen Sitzungsteilnehmerinnen sind wieder beim ursprünglichen Thema.

„Also, wir schreiben jetzt einfach, Kinder unter sieben…“ sagt die Erste.

„Kinder unter acht“, unterbricht eine.

„Okay, Kinder unter acht müssten in Begleitung eines Erwachsenen sein“, fährt die Erste fort.

„Das klingt jetzt aber etwas gar fordernd“, kritisiert eine Letzte, die noch immer nicht genug hat und so kommt es, dass der Forderung auf der Einladung noch ein „Dankeschön“ hinterhergeschoben wird. Inzwischen ist es kurz vor elf Uhr abends und endlich können die Frauen zu Traktandum Nummer 6 (Rückblick auf die Fasnacht) übergehen.

Warum ich so genau weiss, wie dieser Satz zustande gekommen ist? Glaubt mir, ich war dabei. Nicht bei dieser Sitzung, aber bei vielen anderen, wo genau solche Dinge in abendfüllender Länge diskutiert wurden. 

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Musikkritik

Seit Jahren schwelt zwischen „Meinem“ und mir ein nicht offen ausgetragener Streit um die Frage, was schöne Musik ist. Ohne es zu wissen, hat das Prinzchen diesen Streit heute entschieden. Zu meinen Gunsten:

Prinzchen: „Mama, was ist klassische Musik?“

Ich (nach kurzem Überlegen, wie ich das kurz zusammenfassen soll): „Damit meint man die Musik, die zum Beispiel von einem Orchester gespielt wird und die….“

Prinzchen (unterbricht mich): „Du meinst also, schöne Musik.“

Ich: „Ja, also…“

Prinzchen: „Diese schöne Musik, die du jeweils hörst?“

Ich: „Ja, also…“

Prinzchen: „…und nicht diese hässliche Musik, die Papa gefällt?“

Na ja, wenn du’s so sagst, werde ich dir bestimmt nicht widersprechen. 

trois; prettyvenditti.jetzt

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