Wenn sich ein Versicherungsvertreter ankündigt…

… dann schaffen „Meiner“ und ich es zum ersten Mal in diesen Frühlingsferien, vor den Kindern aus dem Bett zu kommen und ein paar ungestörte Minuten zum Tagesstart zu geniessen. 

…dann herrscht endlich wieder mal Ordnung im Haus, weil wir uns dazu gezwungen sehen, ein wenig aufzuräumen.

…dann diskutieren wir im Voraus darüber, ob wir glücklich sind mit unserer Krankenkasse, oder ob wir uns eine Neue aufschwatzen lassen sollen.

…dann legen wir eine Zeitlimite für das Gespräch fest, damit wir uns nicht wieder in den Beziehungsproblemen des Vertreters verheddern und ihm stundenlang zuhören müssen.

…dann wünschen wir uns, wir hätten nicht ja gesagt zu diesem Termin.

Und wenn dann der Herr Versicherungsvertreter einfach nicht erscheinen will, sitzen wir plötzlich in einer aufgeräumten Wohnung, vor uns ein nettes kleines Zeitgeschenk, das wir ganz nach unserem Belieben nutzen können. „Meiner“ hat sich dazu entschieden, das Esszimmer neu zu streichen und ich habe derweilen mit dem Umtopfen meiner unzähligen Tomatensetzlinge dafür gesorgt, dass die Wohnung nicht allzu lange sauber bleibt. Manchmal ist es eben doch nicht so schlecht, einen Versicherungsvertreter einzuladen. Ich hoffe bloss, er steht dann nicht morgen oder übermorgen vor der Tür…

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Der Mohr hat seine Schuldigkeit getan…

Gegeben habe ich, was immer ich konnte. Nicht immer soviel, wie gewünscht gewesen wäre, aber doch oftmals mehr, als ich eigentlich hätte geben können. Meist fiel es mir leicht, manchmal etwas schwerer, hin und wieder musste ich mich dazu zwingen. Doch es war nötig,  darum tat ich, was ich konnte. Und die Person lag mir ja auch am Herzen, trotz aller Schwierigkeiten. 

„Meiner“ war alles andere als begeistert davon, die Kinder waren ebenfalls skeptisch. Also versuchte ich, zu geben, ohne meine Familie zu verärgern. Das war nicht einfach, denn die Hilferufe kamen meist dann, wenn ich am wenigsten darauf vorbereitet war, oft auch dann, wenn der Zeitpunkt eigentlich ziemlich ungünstig war. Nicht immer schaffte ich es, zu helfen, ohne meine Familie in die Sache hineinzuziehen und es gab immer mal wieder Streit. Mit „Meinem“ und den Kindern, nicht mit der Hilfesuchenden, denn ich schützte sie vor dem Ärger meiner Liebsten.

Natürlich sagte ich auch immer mal wieder nein, aber weil bei jeder Begegnung mehrere Bedürfnisse zum Vorschein kamen, blieb meist zumindest ein kleines Ja an mir hängen. Ohne Erfolg versuchte ich „Meinem“ zu erklären, nach zehnmal Nein hätte ich diesen klitzekleinen Wunsch nicht auch noch ausschlagen können. Doch klitzekleine Wünsche können sich zu einem ziemlich grossen Haufen kumulieren, wenn einer nach dem anderen geäussert wird. Und so sah ich mich eines Tages dazu gezwungen, Einhalt zu gebieten.

Ich blieb nett, denn einen verletzten Menschen sollte man nicht noch mehr verletzen. Nur eine Grenze ziehen wollte ich, nicht eine Mauer aufbauen. Klar, es ist nie angenehm, von jemandem zu erfahren, dass es so nicht weitergehen kann, doch ich wählte schonende Worte und versicherte meine guten Absichten. Die Grenze sei nötig, damit ich nicht irgendwann anfangen würde, mich zu ärgern.

Eine Stunde später wurde die Grenze zum ersten Mal überschritten, ich reagierte ungehalten. Zum ersten Mal liess mich mein Wunsch nach Frieden und Harmonie im Stich. Danach hörte ich eine Woche lang nichts mehr. Heute ein kleines Dankeschön im Briefkasten, etwas später ein Anruf. So gehe es nicht mehr, sie brauche Distanz von mir. Noch einmal versuchte ich zu erklären, ich hätte wirklich keine Mauer bauen wollen, aber es half nichts. Es sei vorbei, lautete die Antwort auf meinen Versuch, den Faden nicht einfach abreissen zu lassen. Es war das kürzeste Gespräch, das wir je hatten.

Eigentlich müsste ich erleichtert sein, doch ich bin es nicht. Ich wollte keinen Streit und erst recht keinen Kontaktabbruch. Ich wollte nur klar machen, dass ich nicht jede Lücke im Leben eines anderen Menschen füllen kann. In meiner Naivität hatte ich geglaubt, ich dürfte mir das erlauben, nach allem, was ich gegeben hatte, doch ich lag falsch. Jetzt stehe ich da als die Böse, von der man Distanz halten muss, weil sie zu einem armen, hilfsbedürftigen Menschen nicht nett ist. Dass mich das traurig stimmt, zeigt wohl, wie grenzenlos naiv ich bin. 

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Binge-Reading

Vergessen, dass heute Morgen jemand zum Tee kommt.

Vergessen, dass der FeuerwehrRitterRömerPirat um zehn einen Arzttermin gehabt hätte und ich deswegen „Meinen“ mit ihm hätte losschicken müssen, damit ich weiter hätte Tee trinken können.

Geglaubt, mein Arzttermin sei erst um elf, nicht bereits um halb elf. Um nicht noch später zu kommen, um zehn vor elf mit dem Auto hingefahren, anstatt gemütlich zu Fuss zu gehen.

Nach dem Arzttermin vergessen, dass ich mit dem Auto hingefahren bin. Erst wenige Meter vor der Haustüre festgestellt, dass das Auto noch auf dem Coop-Parkplatz steht. „Meiner“ musste es dann halt dort holen, ehe er weg musste.

Zum Einkauf keine Taschen mitgenommen. Und die zu entsorgenden PET-Flaschen im Eingang stehen gelassen.

Meine Familie den ganzen Tag mit Dünnhäutigkeit und Brummschädel genervt.

Kein Zweifel: In meinem fortgeschrittenen Alter liegt lesen bis zum Morgengrauen nicht mehr drin. Und weil das Buch grottenschlecht war, darf ich nicht mal jammern. Hätte ja aufhören können, als auf Seite 15 klar war, wie es ausgehen wird…

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Wettlesen

Obschon ich immer noch lieber gedruckte Bücher vom Buchhändler lese, bin ich ganz froh um die Möglichkeit, mir ab und zu ganz spontan Lektüre aufs iPad laden zu können. Zum Beispiel, wenn ich einen netten Film gesehen habe, der auf einem Buch basiert, das ich noch schnell lesen möchte, ehe ich den Film wieder vergessen habe. Oder wenn mir unterwegs der Lesestoff ausgeht. Oder wenn es das Buch gar nicht in gedruckter Form gibt. Oder wenn „Meiner“ schon schlafen, ich aber noch lesen will. Grundsätzlich kann ich also damit leben, dass auch das Buch im digitalen Zeitalter angekommen ist. Auf das neueste Update aber hätte ich ganz gerne verzichtet. Da erscheint doch am unteren Seitenrand stets der Hinweis, wie viele Minuten es noch dauert, bis ich am Ende des Buches angelangt bin. Manchmal heisst es auch, in einer Minute würde ich das Kapitel zu Ende gelesen haben und im allerschlimmsten Fall steht da: „Lesegeschwindigkeit wird ermittelt“.

Himmel, lasst mich in Ruhe lesen! Müssen die jetzt wirklich auch noch einen der gemütlichsten Lebensbereiche zu einem Wettlauf gegen die Zeit machen?

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Denen hab‘ ich’s aber gegeben…

Gäbe es kein Internet, hätte ich wohl einfach in der einen oder anderen Frauenrunde meinem Ärger Luft gemacht, manchmal hätte ich „Meinem“ die Ohren voll gejammert und irgendwann hätte ich die Sache wieder vergessen. Zumindest bis zum nächsten Kleider-Frust. Aber es gibt das Internet und darum ist es auch keine Sache mehr, die Modelabels zu kontaktieren, die diese wunderschönen Kleider für Frauen ohne Kurven schneidern. Und weil es keine Sache ist, habe ich den zwei Labels geschrieben, deren Kleider ich wirklich unglaublich gerne tragen würde. Gut, ich hätte natürlich auch eine Crash-Diät, eine Brustverkleinerung und Fett absaugen ins Auge fassen können, aber es schien mir einfacher, den Leuten mal gehörig die Meinung zu sagen.

Was ich ihnen geschrieben habe? Na ja, was frau eben so schreibt, wenn sie sich darüber ärgert, dass ein Kleid, welches eigentlich für erwachsenen Frauen gedacht wäre, der elfjährigen Tochter passen würde. Zuerst habe ich natürlich geschmeichelt und geschrieben, ich hätte noch nie so schöne Kleider gesehen, was ja auch stimmt. Dann habe ich erzählt, wie frustriert ich gewesen sei, als mir keines der Kleider passen wollte. Schliesslich wurde ich zynisch und fragte, ob ich denn wie eine Elfjährige aussehen müsste, um das tragen zu können, was bei ihnen als Übergrösse angeschrieben ist. Zum Schluss bat ich, sie möchten doch in Zukunft bitte Kleider für richtige Frauen schneidern.

Was ich mir von der Sache erhoffe? Nichts. Aber immerhin kann ich mir einreden, ich hätte mich für uns normalen Frauen gewehrt. 

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Schon schön, aber…

Klar doch, ich liebe es auch, unter dem blühenden Kirschbaum zu stehen und den wolkenlosen Himmel zu betrachten. Ich freue mich über die Bienen, die zahlreicher herumsummen als in den letzten Jahren. Mehrmals am Tag mache ich eine kurze Runde ums Haus, um die Osterglocken zu bewundern, die Aurikel, die Veilchen, den Löwenzahn… Manchmal bin ich meinen Kindern peinlich, weil ich mit allem rede, was da spriesst und gedeiht, zum Beispiel mit der Brennessel, die ich zwar in meinem Garten haben will, aber nicht dort, wo sie zu wachsen beliebt, weshalb ich sie zum Umzug auffordern muss. Und natürlich schlägt mein Herz höher, wenn ich wieder mit nackten Füssen in der kühlen Erde stehen kann.

Doch kühle Erde hat es nur dort, wo ich das Beet frisch aufgefüllt habe. Die Erde, die vom letzten Jahr noch da ist, fühlt sich staubtrocken an, egal, wie oft ich sie befeuchte. Auch wenn ich tiefer grabe, finde ich keine Feuchtigkeit, es sei denn, ich erwische einen Katzendreck. (Nebenbei gesagt: Wann begreift dieser Gottegris endlich, dass eine Katze nie in den eigenen, sondern stets in Nachbars Garten macht?) Jeden Abend mache ich die Runde mit der Giesskanne, zweimal habe ich gar den Gartenschlauch hervorgeholt, gerade so, als hätten wir Hochsommer.

Nein, ich will mich nicht über den Sonnenschein, das Vogelgezwitscher und die Blütenpracht beklagen. Zu Denken gibt mir die andauernde Trockenheit aber trotzdem.

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Im Alter geirrt

Wenn…

  • …. im Morgengrauen ein heftiger Streit um  zwei verkohlte Toastscheiben entbrennt…
  • ….der Zoowärter aus der Haut fährt, weil das Prinzchen sich anmasst, seinen ehemaligen Lieblingspullover, aus dem er herausgewachsen ist, anzuziehen…
  • ….der Zoowärter sich auch nicht besänftigen lässt, als ich ihn darauf hinweise, dass er selber Karlssons ehemaligen Lieblingspulli trägt….
  • ….der FeuerwehrRitterRömerPirat heult, weil ich ihm verbiete, nachmittags die Schule zu schwänzen….
  • …. Karlsson und Luise einander piesacken wie damals, als sie noch ganz klein und unvernünftig waren und auch nicht damit aufhören, als ich anfange herumzubrüllen wie damals, als sie noch ganz klein und unvernünftig waren….
  • …..es wieder einmal „der andere“ war, der Karlssons Süssigkeiten aus seinem Zimmer entwendet und aufgegessen hat….
  • ….Luise die Krise schiebt, weil sie die Tiere nicht nur füttern, sondern ihnen auch noch frisches Wasser hinstellen muss….
  • ….Töchterchen nach dem Abendessen auf unserem Bett einschläft….
  • ….wir wiedermal eine mit Tinte verschmierte Wand entdecken….
  • .…sie wie die Irren über die Strasse hetzen….
  • ….ich andauernd die armen Katzen vor übermütigen Kindern schützen muss….
  • ….man in jedem Zimmer angebissene Äpfel und halb volle Joghurtbecher findet….
  • ….ich das Gefühl habe, ich dürfte die Fünf keinen Moment aus den Augen lassen, weil sie sonst wieder etwas anstellen….

….dann frage ich mich, ob ich mich vielleicht im Alter unserer Kinder geirrt habe. In diesen Tagen kommt es mir so vor, als wären sie alle etwa drei Jahre alt.

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Bittersüss

Für etwas mehr Gemüsegartenfläche bin ich immer gern zu haben. Habe ja auch unzählige Keimlinge, die bald einen Platz zum Wachsen finden sollen. Die zusätzliche Fläche war diesmal schnell bereit: Holzdeckel weg, zwei morsche Bretter entfernen, sieben Sack Erde und zwei Sack Kompost – fertig war das neue Beet. Eigentlich hätte ich jubeln müssen, doch stattdessen betrachtete ich mein Tagewerk mit einem Kloss im Hals. Dort, wo bald schon Fenchel, Karotten und Schwarzwurzeln wachsen werden, buken unsere Kinder Sommer für Sommer ihre Sandkuchen. Eine Zeit lang waren es ganz viele Sandkuchen, dann wurden es weniger, bis die Produktion letzten Sommer fast ganz eingestellt wurde. Zeit also, den Sandkasten anderweitig zu nutzen.

Wehmütig betrachtete ich die wenigen Förmchen, die noch zurückgeblieben waren. Ich dachte zurück an jenen Frühlingsnachmittag, an dem Karlsson und seine um zwei Jahre ältere Cousine mit einer Schaufel eine riesige Hausspinne totschlugen und sich dann einen Saison lang nur in den Sandkasten trauten, wenn ich ihn vorher auf Spinnen abgesucht hatte. Ich erinnerte mich an die Flusslandschaften, die der FeuerwehrRitterRömerPirat jeweils mit grosser Ausdauer erschuf. Ich versuchte nachzurechnen, wie viele Kinder in diesem kleinen Quadrat glückliche Stunden verbracht hatten. Ja, ich freue mich über mein neues Gartenbeet, aber es schmerzt mich, das Kapitel „Sandkasten“ abzuschliessen.

Als ich den schweren Deckel des Sandkastens wegtrug, traf ich meine Mutter, die dabei war, den Gartenweg zu kehren. Plötzlich erinnerte ich mich daran, wie sie in dem Rund, in dem wir als Kinder unzählige glückliche Sand-Stunden verbracht hatten, Fetthennen anpflanzte, nachdem wir dem Sandkasten entwachsen waren. Gut fünfzehn Jahre später legte sie in ihrem neuen Zuhause, das heute auch unser Zuhause ist, einen Sandkasten für ihre zahlreichen Enkel an. Auch eine Schaukel bekamen die Enkel und eine Rutschbahn, ja, sogar ein liebevoll eingerichtetes Spielzimmer, das mit allem ausgestattet ist, was Kinderherzen höher schlagen lässt.

Der Anblick meiner Mutter tröstete mich über den Abschiedsschmerz hinweg. Irgendwann – so hoffe ich – wird es bei uns wieder einen Sandkasten geben, vielleicht auch eine Schaukel, eine Rutschbahn und ein Spielzimmer. Darüber freue ich mich.

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Wenn die Kleider immer schlanker werden…

Wieder steht eine Hochzeit bevor und wieder habe ich meinen Vorsatz, mich rechtzeitig um das richtige Kleid zu kümmern, nicht eingehalten. Diesmal kein Problem, dachte ich, als ich mir die Auswahl anschaute. Kleider nach meinem Geschmack gibt es nämlich für einmal in Hülle und Fülle. Romantisch, verspielt, bunt, fantasievoll. Endlich würde ich zu einem Fest etwas anziehen können, was mir richtig gefällt. Ich träumte schon davon, wie ich an dieser Hochzeit aufkreuzen würde, herausgeputzt und dennoch ganz ich selber. Doch dann kam das Paket und damit die bittere Erkenntnis: Festliche Kleider nach meinem Geschmack werden nicht für Frauen wie mich geschneidert.

Vor einigen Jahren – so scheint mir – durfte Frau noch Busen und einige Kilos zu viel auf den Rippen haben, wenn sie sich nicht gerade in Kleidchen zwängen wollte, die eigentlich in der Kinderabteilung hängen müssten. Was dem Geschmack von Frauen über 35 entsprach, war auch angepasst auf den Körper einer Frau über 35. Klar, auch früher gab es schon Geschäfte, in denen ein Kleidungsstück, das mit Grösse 38 angeschrieben war, in Wirklichkeit knapp der Grösse 32 entsprach, doch solche Geschäfte habe ich zu meiden gelernt.

Ich mag mich nämlich nicht frustrieren lassen wegen eines vollkommen kranken Schönheitsideals, das in meinen Augen so gar nicht schön ist. Ich mag mich auch nicht kasteien, bis man meinem Körper die paar Schwangerschaften und einige ziemlich anstrengende Jahre nicht mehr ansieht (obschon ich nichts dagegen hätte, ein paar Kilos loszuwerden, aber alles mit Mass, wenn ich bitten darf). Wenn man nun aber für Kleider, die ganz offensichtlich nicht für „OMG! Ich hab‘ heute schon 200 Kalorien zu mir genommen“-Frauen geschneidert sind, weder Busen noch Hintern haben darf, schmerzt mich das. Vor allem, wenn die Dinger nicht mal dann passen, wenn ich sie zur Sicherheit eine Grösse grösser bestellt habe, als ich sie üblicherweise trage.

Morgen schicke ich meine Traumkleider schweren Herzens zurück ans Versandgeschäft. Wieder werde ich an einer Hochzeit in irgend etwas aufkreuzen, das mir nicht wirklich gefällt, aber immerhin halbwegs anständig aussieht. Um meinen Frust etwas zu dämpfen und wenigstens etwas richtig Schönes  tragen zu können, habe ich mir heute ein Paar getupfte Schuhe mit schwindelerregend hohem Absatz gekauft. Das Geld dafür habe ich mir übrigens mit einem Interview zum Thema Bettnässen verdient. Frauen wie ich entsprechen zwar nicht dem gängigen Schönheitsideal, dafür haben wir gelernt, auch noch dem unangenehmsten Thema etwas Schönes abzugewinnen. 

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Donnerstag, 27.3.2014

  • Fünfmal Schulbesuch inklusive Kürzest-Elterngespräche und Small-Talk mit einer Person, mit der ich lieber nicht smalltalken möchte. (Ja, ich weiss, ich hätte eigentlich nicht in den Kindergarten gehen dürfen. Aber wie um alles in der Welt hätte ich dem Prinzchen erklären sollen, dass ich zu allen gehe, nur nicht zu ihm?)
  • Dreimal Migros (Zuerst Mittagessen, dann Schokolade für meine Schwester, später noch Grosseinkauf)
  • Einmal private Kirchturmführung weil eine Bekannte sich spontan bereit erklärte, il Cugino das Bijou unseres Dorfes zu zeigen. Il Cugino kam mit glänzenden Augen vom Turm runter und war einmal mehr überzeugt, dass es der richtige Entscheid gewesen war, hierher zu kommen.
  • Einmal Besuch bei meiner Schwester. Vor der Rückfahrt noch kurz Wasserpflanzen pflücken, weil unser Teich gerade welche braucht und meine Schwester zu viele hat. 
  • Wasserpflanzen anpflanzen. 
  • Zweimal Tiere gefüttert.
  • Einmal gekocht.
  • Menüplan für die kommende Woche zusammengestellt. (Nein, es gibt nicht jeden Tag das Gleiche…)
  • Grosseinkauf hochgeschleppt.
  • Mit Kater Leone geschäkert.
  • Mit zitternden Knien dabei zugesehen, wie der Backofen ein paar Funken sprühte, zu rauchen begann und dann den Geist vollends aufgab.
  •  Sehr viele (zu viele?) Rechnungen bezahlt.
  • Frühlingsblumen bewundert.
  • Mit Kindern, „Meinem“, il Cugino und einigen Müttern gequatscht (und ein wenig gemotzt).
  • …und dann sonst noch ein paar Kleinigkeiten…

Kann mir bitte jemand erklären, wie es mir gelungen ist, alle diese Dinge in einen einzigen, kleinkarierten Donnerstag zu quetschen?

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