Rabeneltern

Was sind wir doch für Rabeneltern, „Meiner“ und ich. Weil wir es satt haben, zwischen Umzugskartons, vollen Abfallsäcken und Putzkesseln zu leben, beschliessen wir, unsere Kinder für einmal bereits morgens um 10 vor die Glotze zu setzen. Wegen dieser einen Ausnahme werden sie ja nicht gleich verblöden und irgendwann müssen wir ungestört arbeiten können, sonst stolpern wir an Weihnachten noch über Bücherberge und ausgemistete Kleider.

Was aber sollen wir mit dem Prinzchen tun, während die anderen Kinder glotzen? Beim Putzen helfen kann er noch nicht. Fernsehen sollte er in seinem zarten Alter noch nicht (Es genügt ja, wenn wir die anderen vier verderben). Herumkriechen kann er nicht, weil wir noch keine Zeit hatten, das Ameisenpulver aufzusaugen. Also ab mit ihm zu den Nachbarn. Karlsson und Luise haben die Ehre, den kleinen Prinzen in seinem Wägelchen zu chauffieren. Ob sie denn nicht auch bleiben möchten, will die Nachbarin wissen. Sie möchten ja schon, gestehen unsere beiden Grossen. „Aber Mama und Papa haben gesagt, wir müssen einen Film schauen und darum müssen wir jetzt gleich wieder nach Hause gehen.“

Zum Glück hat die Nachbarin Erbarmen mit unseren armen Knöpfen. So blieben Karlsson und Luise vor der Tortur des Filmeschauens verschont; den FeuerwehrRitterRömerPirat und den Zoowärter aber zwangen wir, sich das „Dschungelbuch“ anzuschauen. Sollte aus den beiden nie etwas werden, wird man zumindest wissen, warum…

Verbrüderung

Wir wissen nicht so genau, weshalb wir uns mit dem Personal verbrüdern, sobald wir an einem Ort sind, wo man sich bedienen lassen kann. Vielleicht ist es der Sozialist in uns, der es uns verbietet, Dienstleistungen von Ausgebeuteten ohne Gegenleistung anzunehmen.

Ich werde zum Beispiel nie jenen Hochzeitstag vergessen, an dem „Meiner“ und ich Lust auf indisches Essen hatten. Leider waren wir die einzigen Gäste im Restaurant und so kam es, dass wir uns schon bald angeregt mit der gelangweilten Kellnerin unterhielten. Es war ja wirklich interessant, mehr zu erfahren über die Beziehungen zwischen Indien und Pakistan, über die Unterschiede zwischen Muslimen aus dem Balkan und Muslimen aus Asie, über die miesen Arbeitsbedingungen im Gastgewerbe, den Stress, zwei Restaurants gleichzeitig zu führen und die Angst, dass das Kind dabei zu kurz kommt. Das Gespräch erweiterte wirklich unseren Horizont, doch leider hätten „Meiner“ und ich damals eher Scheuklappen gebraucht, um wiedermal Augen nur für uns beide zu haben. Doch es sollte nicht sein. Irgendwann fand die Kellnerin heraus, dass ich drei Kinder hatte. Entsetzt zeigte sie auf „Meinen“ und fragte: „Drei Kinder? Von dem hier?“. Muss ich erwähnen, dass das Restaurant an diesem Abend seine letzten Gäste verloren hat? Inzwischen isst man dort nicht mehr.

Ja, so sind „Meiner“ und ich. Wir ziehen die Sorgen und Nöte des Personals magisch an. So war es auch dieses Jahr im Hotel. Schon bald wussten wir, dass es ungemein anstrengend ist, wenn man alleine für die Frühstücksschicht zuständig ist und 80 unzufriedene Touristen zu bedienen hat. Wir hörten Klagen über müde Knochen und Grippen, die man in der Hochsaison nicht auskurieren kann und manch einer liess zwischen den Zeilen auch mal eine Kritik an einem mühsamen Arbeitskollegen hören.

Soweit war alles wie immer. „Meiner“ und ich hörten zu, zeigten Verständnis und lobten die gute Arbeit nach Kräften. Dass man uns aber verzweifelte und verschwörerische Blicke zuwarf, wenn die Oberkellnerin, dieser Drachen, einen jungen Mitarbeiter zur Schnecke machte, war neu. Und als die Kinderbetreuung uns bat, doch bitte den Chef durch die Blume wissen zu lassen, dass die Oberkellnerin nicht zum Aushalten sei, begannen wir uns zu fragen, ob wir hier Gäste oder Mediatoren waren.

Wenn das so weiter geht, werden wir keine Ferien mehr buchen. Wir werden vielmehr unser Bewerbungsdossier bei diversen Hotels einreichen. Wir demolieren (Siehe „Das also ist der Haken“), spielen den Briefkastenonkel, beraten und coachen. Wer uns das beste All-Inclusive-Angebot für zwei Wochen bietet, darf unsere Dienstleistungen ganz ohne weitere Gegenleistungen zwei Wochen lang in Anspruch nehmen.

Freundinnen fürs Leben

Jetzt sind wir erst seit sieben Tagen hier und schon haben wir Freundschaften fürs Leben geschlossen. Die zwei, von denen hier die Rede ist, können sich kaum halten vor Begeisterung, wenn sie uns sehen.

Die eine ist das Zimmermädchen. Schon wenn sie uns von Weitem sieht, gibt sie ein freudiges Grunzen von sich. Ach, wie sie es liebt, jeden Morgen unser Zimmer aufzuräumen und uns mit frischen Handtüchern zu versorgen! Besonders, wenn wir sie jedesmal bei ihrer Arbeit unterbrechen, weil das Prinzchen ausgerechnet dann, wenn sie sich voller Begeisterung in unserem Zimmer zu schaffen machen will, sein Schläfchen halten muss. Und wie sie unsere Kinder vergöttert! Man muss wirklich aufpassen, dass sie nicht plötzlich eines von ihnen aus lauter Liebe in den Hintern tritt, weil es sich erfrecht hat, nach dem Bad mit nassen Füssen auf den Teppich zu treten.

Die andere Freundin serviert im Restaurant. Bereits am ersten Abend hat sie uns ins Herz geschlossen, als der FeuerwehrRitterRömerPirat und der Zoowärter unter dem Tisch auf Entdeckungsreise gingen. Nie wieder wolle sie unsere Buben unter dem Tisch antreffen, schärfte sie ihnen ein. Dort unten würden nämlich unglaubliche Gefahren lauern, die sie unseren kostbaren Söhnen nicht zumuten wolle. Ein paar Tage später stiegen wir noch mehr in ihrem Ansehen, als der Zoowärter einen Porzellan-Salzstreuer fallen liess. Das wertvolle Stück sei eine Rarität, erklärte sie und warf unserem Zweitjüngsten einen derart liebevollen Blick zu, dass das Kind vor lauter Freude fast in Tränen ausgebrochen wäre. Seither lässt sie keine Gelegenheit aus, unseren Nachwuchs ihre  Zuneigung spüren zu lassen. Man kann förmlich spüren, wie sehr sie sich darüber freut, dass der Wirt vor einigen Jahren beschlossen hat, das Hotel von einer Absteige für Senioren und Carreisende in ein Kinderhotel umzuwandeln.

Leider haben unsere Freundinnen zwischendurch auch mal frei. Dann müssen wir hilflos mitansehen, wie das Personal unsere armen Kinder mit Gummibärchen, Streicheleinheiten und Zulächeln misshandelt. Haben die denn noch nicht begriffen, was echte Gastfreundschaft ist?

Nicht schon wieder!

Wenn ich den Kerl erwische, der die Magen-Darm-Grippe in dieses Hotel eingeschleppt hat, muss er sich warm anziehen. Nicht mal zehn Tage im Jahr kann man das Leben geniessen, ohne an Viren, Bakterien und dergleichen denken zu müssen. Und das in einem Land, in dem man anscheinend noch nie etwas von Itinerol-Tabletten gehört hat. Dies zumindest behauptet die Apothekerin, die mich mit Kaugummis gegen Reiseübelkeit und einem Reisschleim für das Prinzchen in den Kampf gegen die Magen-Darm-Seuche ziehen lässt. Dass sie mir „Schönen Urlaub noch!“ hintendrein ruf, grenzt an Zynismus.

So kämpfen wir mit einer Familienpackung Cola, Weissbrot und Kaugummis gegen Übelkeit und Durchfall und probieren den Humor nicht zu verlieren. Immerhin sind noch alle Blinddärme ganz…

Das also ist der Haken

Irgend etwas kann da doch nicht stimmen. Für fast nichts verbringen wir hier zu siebt zehn erholsame Ferientage. Und zwar inklusive Essen, Wellness und Kinderbetreuung. Nun ja, der Hotelbesitzer hatte ja versucht, nach der Buchung den Preis von „fast nichts“ auf „ein kleines Bisschen“ zu erhöhen, aber „Meiner“ hat gekämpft wie ein Löwe und deshalb blieb es bei „fast nichts“.

Misstrauisch, wie wir nun mal sind, rechneten wir damit, dass die Sache einen Haken haben würde. Doch wir konnten lange keinen finden. Das Essen ist gut und reichlich, das Kinderprogramm so toll, dass wir unsere Kinder zu vermissen beginnen, weil sie nichts mehr von uns wissen wollen, die Umgebung traumhaft, das Hallenbad neu und blitzsauber und die Sauna einfach perfekt. Nun ja, das Zimmer ist nicht gerade schön, zumindest nicht in den Augen von „Meinem“ und mir. Wir hätten nichts gegen eines der renovierten Zimmer gehabt. Aber die Kinder sind hin und weg von dem muffeligen Siebzigerjahre-Charme.

Ja, das Zimmer, das ist offenbar der Haken. Gleich nach unserer Ankunft hätten wir merken können, was der Wirt mit seinem Deal im Schilde führte: Luise verdunkelte das Zimmer und schon war das Rollo kaputt. Am nächsten Tag ging Luises Nachttischschublade drauf, am Übernächsten die Nachttischlampe, dann der Seifenspender und jetzt beginnt so langsam unser Bett zu wackeln. Die Überlegung ist glasklar: Wir, die Schweizer mit der Horde ungezogener Kinder, wohnen fast gratis. Im Gegenzug beginnen wir schon mal mit debm Abbruch des Mobiliars, damit im Winter die Renovation schneller vonstatten geht. Wir demolieren, sie renovieren. Clever, nicht wahr? Bloss finde ich das Ganze etwas unfair. Wir sind ja nicht zum Arbeiten da, sondern zum Ferienmachen.

Der Herr von Tisch fünf hat was durcheinander gebracht

Wie hiess sie nochmal, die alte Säuferwahreit? „Bier auf Wein, das lasse sein, Wein auf Bier…“ und den Rest weiss ich nicht mehr. Spielt für mich ja auch keine Rolle. Mir genügen ein paar Schlucke Holunderblütensekt zum elften Hochzeitstag und schon lache ich Tränen, bloss weil ich glaube, die Mutter am Nebentisch habe ihren Sohn „Pavian“ anstatt „Fabian“ gerufen. Oder weil die Chefin den Lehrling zum hundertsten Mal ermahnt: „Die Dame am Disch drai is´wegedorisch.“ Da lasse ich lieber die Finger von Bier und Wein, egal, in welcher Reihenfolge.

Nun, der Herr am Tisch fünf hätte sich vielleicht die alte Säuferwahrheit zu Herzen nehmen sollen. Bestellt hat er beides, Bier und Wein. In welcher Reihenfolge er das getrunken hat, weiss ich nicht, aber es war bestimmt falsch herum. Das merkt man schon bald. Zuerst weist er lauthals seine Söhne zurecht, dann demütigt er seine Frau so dass es alle hören: „Du bist die Einzige im ganzen Speisesaal, die sich nicht umgezogen hat. Das gehört sich nicht.“ Nun, erstens stimmt das nicht, ich trage auch noch das Gleiche wie am Morgen. Und zweitens hätte es keiner gemerkt, da ohnehin alle mit ihren Sprösslingen beschäftigt sind und jede Mama froh ist, dass die am Nebentisch noch übrenächtigter aussieht als sie selber. Doch das ist erst der Anfang. Bald schon brüllt er laut: „En Guete mitenand im schöne Schwizerland!“ und das etwa dreimal hintereinander. Hat der Kerl noch nicht gemerkt, dass wir hier in Österreich sind? Zumindest fügt er nicht noch an „de Tisch isch abenand“ sonst hätte ich ihm die Klappe zubinden müssen. Dafür beginnt er jetzt lauthals „Knowing you and knowing me“ von Abba zu singen und das um sieben Uhr abends, bevor seine Frau – ich nehme nicht an, dass er dabei behilflich ist – die Kinder zu Bett gebracht hat.

Wenn der Kerl doch bloss Russisch sprechen würde. Oder Mandarin. Dann würde ich sein  Geschwätz wenigstens nicht verstehen.

Hab´ ich´s nicht gesagt?

Es ist wie immer: Der Hotelprospekt verspricht dir Wireless-Lan im Zimmer, du glaubt den ganzen Mist und schleppst neben Schönwetterkleidung, Schlechtwetterkleidung, Badehhosen, Reiseapotheke, Stofftieren, Reisespielen und Windeln auch deinen Laptop mit. Das Handbuch für Besucher bestätigt dir noch einmal, dass du vom Hotelzimmer aus gratis Zugang zum Internet hast. Alles was du tun müssest sei, an der Reception dein Passwort azubholen. Hoffnungsfroh schickst du „Deinen“ zur Reception, wärhrend du mit den grossen Kindern im kalten Hallenbad am Planschen bist. „Deiner“ findet derweil heraus, dass leider leider der Internetzugang in den Zimmern ausser Betrieb sei. Doch selbstverständlich dürfe man den Computer in der Lobby jederzeit gratis benützen. „Blah blah blah!“, denkst du. Denn du weisst ja, dass dieser Computer entweder kaputt oder von Workaholics belagert ist.

Doch siehe da: Der Computer ist neu, er funktioniert und es hat weit und breit keine Workaholics. Mal abgesehen von dieser Schweizerin mit den fünf Kindern, die es nicht mal vierundzwanzig Stunden ohne Internetzugang aushält…

Uffffff!

So, die Koffer sind schon fast gepackt, die letzen Post-its abgeräumt (natürlich erst nachdem alles erledigt ist), die Akkus aufgeladen, die Kleider gewaschen, der Abfall entsorgt und und und. Jetzt muss nur noch der Laptop abgeräumt werden, denn der kommt natürlich mit. Ob ich in Österreich dann aber auch wirklich bloggen kann, hängt davon ab, ob der im Reiseprospekt versprochene gratis-Internetzugang auch tatsächlich existiert.

Meist wird ja viel versprochen. Doch wenn man ankommt, entpuppt sich der versprochene Internetzugang als klapprige alte Kiste in der Lobby, die sich im Dauerstreik befindet. Sollte sie zufälligrweise mal für ein paar Stunden funktionieren, wird sie sofort von irgendwelchen Workaholics in Beschlag genommen, die ihre Arbeit verrichten, vor der sie eigentlich hatten flüchten wollen. Am Tag vor der Abreise findet man dann per Zufall heraus, dass da noch so ein klitzekleiner Anschluss im Zimmer versteckt gewesen wäre. Aber dann ist es ja schon zu spät.

Also dann, mal sehen. Wenn der Reiseprospekt sein Versprechen hält, wird weiter gebloggt. Ansonsten haben meine Leser zehn Tage Ruhe vor mir und meiner Bande.

Auf dem Zahnfleisch

Man könnte ja glauben, uns würde nichts mehr aus den Socken hauen. Immerhin haben wir ja Erfahrung. Was ist schon eine Geburtstagsparty mit acht Zwei- bis Sechsjährigen? Immerhin hat Karlsson auch schon eine Fete mit vier überdrehten Freunden gefeiert, die bei uns übernachteten. Und dies knappe zwei Wochen nach der Geburt des Prinzchens. Ein ander Mal überstanden wir eine Geburtstagsparty mit zwei Autopannen und drei Stunden in einer Turnhalle. Auch die Prinzessinnenparty mit zwei kranken Gästen, von denen sich eine am Ende übergeben musste, haben wir ohne weitere Schäden hinter uns gebracht.

Ob wir aber je wieder eine Party mit einer Gruppe von Vorschulkindern feiern werden, ist fraglich. Es ist nicht etwa so, dass sich die Buben daneben benommen hätten. Nein, sie waren alle äusserst lieb. Doch wer einmal an einem sehr heissen Sommertag eine Horde  von testosteronstrotzenden kleinen Jungen gehütet hat, weiss, dass diese sich nicht besonders auffällig benehmen müssen, um einen an den Rand des Nervenzusammenbruchs zu treiben. Jeder ist der Schnellste, der Stärkste, der Beste, der Schönste, der Klügste. Jeder braucht eine Waffe. Und wenn die Gastgeber so blöd sind, vor dem grossen Umzugstermin alle Spielzeugwaffen in den Keller zu räumen, müssen eben Stecken, Bananen und Schwingbesen als Waffen herhalten. Sollte es trotz unserer heutigen Erschöpfung ein nächstes Mal geben, lassen wir nur noch Bewaffnete ins Haus.

Nach zwei Stunden Party sind „Meiner“ und ich nudelfertig, während für die Kinder die Fete erst so richtig in Schwung kommt. Immerhin haben „Meiner“ und ich im Teamwork so ziemlich alle bisherigen brenzligen Situationen gemeistert: Das Feuer, das zuerst nicht brennen wollte, die Eistorte, die trotz Smarties nicht bei allen Kindern ankam, das Würstchen, das noch nicht gar war, der Gast, der sich für den Allerstärksten hält und dies den anderen Allerstärksten beweisen muss. Doch jetzt, wo ich so ziemlich auf dem Zahnfleisch gehe und nur noch sehnsüchtig nach der Uhr schiele, macht sich „Meiner“ aus dem Staub. Zahnarzttermin. Ich soll die Meute noch eine halbe Stunde lang alleine bändigen, währenddem er es sich auf dem Zahnarztsessel wohlsein lassen kann! Immer hat er den ganzen Spass und ich muss schuften!

Wie? Behauptet hier jemand, er würde lieber hundert Parties mit acht Kleinkindern feiern, als eine Stunde beim Zahnarzt zu verbringen? Wer das glaubt, ist herzlich eingeladen, die Party zu schmeissen, wenn der Zoowärter vier wird. Spätestens nach einer Stunde wird er seinen Zahnarzt  auf den Knien anflehen, ob er nicht jetzt gleich einen Termin für eine Wurzelbehandlung haben könne…

Viele viele bunte Smarties-Kuchen

Eigentlich wäre der Terminplan während der Post-it-Tage ja bereits randvoll. Da würde man liebend gerne auf Geburtstagsparties verzichten. Doch weil der FeuerwehrRitterRömerPirat eines jener bedauernswerten Kinder ist, die mitten in den Sommerferien Geburtstag haben, müssen wir eben vorfeiern. Ja, ich weiss, ich mache mich damit schuldig. Ich zwinge andere Mütter dazu, ein Geschenk zu besorgen, sich einen weiteren Termin zu merken, ein weiteres Post-it aufzukleben. Und dies zwischen Schulschlussfeiern, Jugendfesten, Ferienvorbereitungen und Sommerschlussverkauf.

Aber was soll ich tun? Ich kann doch den Geburtstag des FeuerwehrRitterRömerPiraten nicht einfach ignorieren. Immerhin ist nicht er schuld daran, dass er im Juli zur Welt gekommen ist. Jetzt müssen „Meiner“ und ich eben ausbaden, dass wir damals nicht besser geplant haben. Eine Bedingung habe ich dem FeuerwehrRitterRömerPiraten – und übrigens auch allen anderen Kindern – gestellt: Ich backe keinen Smarties-Kuchen. Da mögen sie mich beknien so lange sie wollen, Smarties-Kuchen gibt es nicht. Wenn sie Smarties-Kuchen wollen, müssen sie ihn selber backen oder sich eine andere Mutter suchen.

Was ich gegen Smarties-Kuchen habe? Eigentlich nichts. Aber fragen Sie mal ihr Kind nach einer Geburtstagsfeier im Kindergarten oder in der Schule, was denn das Geburtstagskind mitgebracht habe. In 99,9 Prozent aller Fälle wird das Kind antworten: „Smarties-Kuchen natürlich!“. So zumindest tönt es bei uns und dies schon seit vier Jahren. Ach ja, manchmal gibt es als Variation auch Smarties-Muffins, oder vielleicht M&M’s-Kuchen. Aber das war’s dann auch schon mit der Abwechslung.

Natürlich, die Kinder mögen Smarties und es sieht ja auch ganz hübsch aus. Aber denkt denn niemand an die armen Lehrerinnen, die vor lauter Smarties den Kuchen nicht mehr sehen mögen? Nun ja, es hat sich noch nie eine Lehrerin bei mir beklagt. Aber ich stelle mir vor, dass es doch ziemlich öde sein muss, zwanzig bis dreissig Mal im Jahr Smarties-Kuchen zu essen. Da stehe ich doch lieber morgens um halb sieben auf und backe Laugenbrötchen für den FeuerwehrRitterRömerPiraten. Sieht zwar nicht besonders festlich aus, ist aber garantiert Smarties-frei. Und morgen gibt’s gar keinen Kuchen, sondern eine Ritterburg aus Vanille- und Aprikosenglace. Womit ich die dekoriere? Mit Smarties natürlich. Es sind ja keine Lehrerinnen eingeladen.