Kram

Es gibt Mütter – und ich meine jetzt nicht nur mich selber, ich kenne auch viele andere, die so sind -, die weder Zeit noch Lust haben, ihren Kindern alles hinterherzutragen. Klar, wenn sie merken, dass ein Kind überfordert ist, helfen sie, aber im Grossen und Ganzen erwarten sie von ihrem Nachwuchs, dass sie wissen, wann sie was brauchen und auch dran denken, die Dinge mitzunehmen. An manchen Tagen klappt das perfekt, dann schlägt das Kind frühmorgens die Augen auf und sagt: „Ich muss heute noch meine Schwimmsachen mitnehmen. Ich hol sie mir gleich aus der Waschküche.“ An anderen Tagen klappt das weniger gut, dann muss Mama sagen: „Denk dran, du hast heute Schwimmen. Hol dir noch die Sachen aus der Waschküche, ehe du aus dem Haus gehst.“ An gewissen Tagen klappt das ganz und gar nicht, da denken weder Kind noch Mama an den Schwimmunterricht, was die Lehrerin verständlicherweise nervt. Und darum heisst es bei Kindern, die so aufwachsen, beim Standortgespräch in schöner Regelmässigkeit: „Du musst unbedingt den Kopf besser bei der Sache haben. Wenn das so weitergeht mit dir, wirst du Schwierigkeiten haben, einen anständigen Job zu bekommen.“ Den Mamas, die beim Gespräch dabei sitzen, ist das dann meist ziemlich peinlich, denn sie wissen genau, dass der Vorwurf eigentlich ihnen gilt.

Dann gibt es auch Mütter, die bringen ihrem Kind das Turnzeug in die Schule, wenn es zu Hause liegen geblieben ist, obschon auf dem Stundenplan Turnen steht. Bevor das Kind aus dem Haus geht, wird noch schnell geprüft, ob es auch wirklich alles eingepackt hat. Kommt das Kind nach Hause, räumt Mama den Schulsack aus, damit kein vergessenes Pausenbrot darin schimmlig werden kann. An manchen Tagen kommt sie auch um zehn Uhr auf den Pausenhof gerannt, weil das Znüni auf dem Küchentisch liegen geblieben ist. Das alles nicht nur im Kindergarten oder in der ersten Klasse, sondern auch noch am Ende der Primarschule, manchmal sogar noch in der Oberstufe. Kinder solcher Mütter bekommen beim Standortgespräch nie zu hören, sie müssten den Kopf besser bei der Sache haben, wenn das so weitergehe, würden sie später, wenn sie einen Job suchen, einen furchtbar schlechten Eindruck machen. Diese Mamas müssen nie mit schamrotem Gesicht dabei sitzen, denn sie tun alles dafür, dass ihr Kind gut dasteht.

Fragt sich einfach, wie das Kind dereinst dastehen wird, wenn es eigentlich schon längst kein Kind mehr wäre und noch immer nicht gelernt hat, dass es selber für seinen Kram verantwortlich ist.

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Haushaltehre

Heute war ich mit dem FeuerwehrRitterRömerPiraten, dem Zoowärter und dem Prinzchen alleine und da habe ich gedacht, ich könnte sie ja mal in die Geheimnisse der korrekten Mithilfe im Haushalt einführen, da sie in dieser Hinsicht ein wenig, na ja, wie soll ich sagen…unkooperativ? bequem? denkfaul? sind. Also habe ich…

…ihnen erklärt, welche Funktion der Deckel einer Zahnpasta-Tube hat und warum ich darauf bestehe, dass der immer brav zurück auf die Tube kommt, wenn man sich Zahnpaste rausgedrückt hat.

…ihnen gezeigt, wie man „Kinetic Sand“ wieder wegräumt, nachdem man ihn sich genüsslich durch die Finger hat rieseln lassen.

…ihnen klare Anweisungen gegeben, wie ich den Tisch abgeräumt haben will, nämlich so: Teller sauber in der Küche aufstapeln, noch einmal zurück ins Esszimmer, um Pfannen und Getränke abzuräumen, Gläser leer trinken und ebenfalls in die Küche bringen.

…ihnen klargemacht, dass ich nach Feierabend keine herumliegenden Schuhe, Jacken, Legos und Schalen von Clementinen mehr dulde. 

…ihnen vorgeschrieben, die abgebrannten Zündhölzer, die sie zum Anzünden der Duftlampe verwenden haben, zu entsorgen. 

…ihnen die Unterschiede zwischen Staubsauger und Besen aufgezeigt. 

…ihnen gesagt, sie dürften ein Bad nehmen, wenn sie das Badezimmer danach wieder in Ordnung bringen. 

…ihnen auch sonst noch zwei oder drei Dinge zu vermitteln versucht und da ich irgendwo mal gelernt habe, man solle beim Unterrichten unterschiedliche Methoden wählen, habe ich mal sanft gesäuselt, mal unfreundlich geknurrt, mal laut gebrüllt, mal vorgezeigt, mal vormachen lassen, mal einen Dialog geführt, mal den Zeigefinger erhoben und mal einen auf Kumpel gemacht. Und was hat das alles gebracht? Nichts, ausser der Erkenntnis, dass Söhne im Alter von sieben bis elf Jahren offenbar nicht in der Lage sind, mütterliche Anweisungen zu verstehen, egal in welcher Form sie vorgetragen werden. 

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Die Leiden eines Home Office Computers

Da gehen wir also zusammen zur Sitzung, meine Besitzerin und ich, der Computer, auf dem die meisten dieser Texte entstehen. Ich bin ja so ein richtiges Home Office-Gerät, eines, dem man ansieht, dass sie sich mal mit ihrem Frühstück vor mich hinsetzt, mal neben dem Kochherd ein paar Mails checkt, mal die Kinder neben mir basteln lässt. Eigentlich bin ich ja wirklich stolz auf diese Spuren, mich dünkt, sie unterstreichen meine Wandlungsfähigkeit, aber das, was sie mir heute angetan hat, führt zu weit. 

Da macht sie sich also für diese Sitzung bereit, stellt sich unter die Dusche, sucht sich die saubersten Klamotten aus dem Schrank, anstatt bis kurz vor Mittag im Pyjama vor mir rumzuhängen, steckt sich einen halbwegs zur Kleidung passenden Ring an den Finger und schmiert sich gar mit Lippenstift voll, obschon sie von solchen Dingen nun wirklich keine Ahnung hat. Ich sitze daneben, schaue zu und denke, sie werde sich jetzt dann gleich mit dem Lappen an mir zu schaffen machen, weil wir ja schliesslich gemeinsam aus dem Haus gehen und einen guten Eindruck machen sollen. Aber sie tut nichts dergleichen, packt mich nur zusammen mit dem von der Babykatze angenagten Kabel in eine lausige Stofftasche und rennt zum Bahnhof. 

Tja, und im Sitzungszimmer stehe ich dann natürlich wieder blöd da mit meinen Krümeln zwischen den Tasten, den Fingerabdrücken und den Kaffeespritzern auf dem Bildschirm und dem undefinierbaren, eingetrockneten Zeugs auf dem Gehäuse. Zu Hause macht mir das ja wie gesagt nichts aus, aber hier in diesem piekfeinen Sitzungszimmer in Gesellschaft all dieser anderen Geräte ist mir das schon etwas peinlich. Meiner Besitzerin offenbar auch, denn sie fängt vor den Augen aller anderen damit an, wild an mir herum zu putzen und verschmiert dabei nur die Kaffeespritzer. Sie macht sich mit den Krümeln zu schaffen, kratzt Spuren vom Gehäuse und in mir steigt die Angst hoch, dass sie mir demnächst mit Spucke zu Leibe rückt, aber das traut sie sich Gott sei Dank nicht in dieser Umgebung. 

Am liebsten hätte ich mich an ihr gerächt, einen gewaltigen Absturz produziert oder mitten im Meeting irgend einen peinlichen Song aus der Playlist zum besten gegeben, aber   so etwas verbietet mir mein Arbeitsethos. Natürlich aber habe ich es mir nicht nehmen lassen, mit den anderen im Raum anwesenden Geräten so richtig vom Leder zu ziehen, als die Sitzungsteilnehmer in die Mittagspause verschwanden. Meine Kolleginnen behaupteten doch tatsächlich, ihnen ginge es keinen Deut besser als mir, aber ich weiss nicht, ob sie das nur gesagt haben, damit ich mich besser fühle. Mein Bildschirm war nämlich vor lauter Fingerabdrücken so blind, dass ich an den anderen nicht die geringsten Home Office-Spuren erkennen konnte. 

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Nichts für Kinder

„Saukalt mit diesem Schnee“, sagen wir Erwachsenen gern, „und dann auch dieser Matsch, sobald es etwas wärmer wird. Schrecklich. Aber für die Kinder ist es halt schon toll.“ Und genau in diesem letzten Punkt irren wir gewaltig. Ein elender Stress ist er für unsere Kinder, dieser Schnee. Erst mal ist da die Panik, dass er schon wieder weg sein könnte, bevor man es geschafft hat, den Schlitten aus der Garage zu holen. Und dann jeden Tag dieses Affentheater auf dem Pausenhof. Eissplitter in den Schneebällen, Fieslinge, die trotz ausdrücklichem Verbot auf den Kopf zielen, hinterhältige Attacken in der schneeballfreien Zone. Dazu natürlich eiskalte Finger und die ewigen Schimpftiraden, weil man vergessen hat, die Schuhe zu säubern, bevor man zurück ins Haus gegangen ist. Nicht mal die Kinder, die sich aus den Kämpfen raushalten und stattdessen einen Schneemann bauen, können die Sache geniessen. Mal sind die Handschuhe durchnässt, dann wieder ist der Schnee zu pulverig und falls doch mal alles stimmt, hat Mama ganz bestimmt kein Rüebli mehr im Kühlschrank, das als Nase herhalten könnte.

Nein, Schnee ist definitiv nichts für Kinder. Dafür aber für erwachsene Romantiker, die vergessen haben, wie es wirklich ist dort draussen in der Kälte und darum aus der warmen Stube mit verklärtem Blick den Flocken beim Tanzen zuschauen. 

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Aber sie hat doch Fortschritte gemacht…

Nein, sie ist ganz und gar nicht zufrieden mit sich selber. Fast zwei Kilo hat sie in der vergangenen Woche zugelegt, dabei hat sie doch so darauf geachtet, was sie isst. Okay, die Smarties hätte sie vielleicht besser bleiben lassen und dann hat sie sich auch nicht so viel bewegt, wie sie eigentlich müsste. Aber sie hat halt so viel gearbeitet, da blieb nicht viel Zeit für Sport. Na ja, immerhin trägt sie jetzt nicht mehr  Kleidergrösse fünfzig. Noch ein paar Kilos runter und dann passt sie vielleicht schon bald in Grösse vierundvierzig. Aber eben, so einfach ist es leider nicht, wo sie doch letzte Woche trotz aller Disziplin wieder zugelegt hat. Sie will ja kein Klappergestell werden, aber halt einfach etwas schlanker als jetzt. Wenn es doch bloss einfacher wäre. Doch wo soll man die Zeit hernehmen, um sich zu bewegen, wenn man den ganzen Tag arbeiten muss? Und dann die Smarties… Dabei hatte sie es sogar über Weihnachten geschafft, ihr Gewicht zu halten und jetzt ist alles wieder im Eimer. 

So klagt sie eine ganze Busfahrt lang, lässt sich nicht trösten durch ihre Leidensgenossin, die noch ganz am Anfang steht, lässt sich auch nicht gut zureden, es sei doch schon eine gewaltige Leistung, von über hundert auf knapp achtzig Kilo runterzukommen. Nein, das alles zählt nicht, sie ist enttäuscht. 

Dabei hätte sie doch allen Grund, stolz auf sich zu sein, finde ich. Als ich sie vor vielen Jahren schon einmal belauscht habe im Bus, klagte sie noch, bei ihrem Schuldenberg würden Kinder nicht drinliegen, heute aber kann sie sich Weight Watchers-Treffen leisten. Und die sind weiss Gott nicht billig, wie sie mehrmals betont. 

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Fühlt euch bitte, als wäret ihr unsere Gäste

Zu Hause:

„FeuerwehrRitterRömerPirat, Zoowärter, Prinzchen, räumt bitte eure Zimmer auf.“ 

Zwanzig Minuten später: „Ich will, dass ihr jetzt eure Zimmer aufräumt.“

Eine halbe Stunde später: „Okay, ich sehe, dass ihr angefangen habt, aber fertig seid ihr noch lange nicht.“ 

Vierzig Minuten später: „Nein, ihr dürft jetzt nicht ans iPad. Eure Zimmer sind noch immer nicht fertig.

Eine Stunde später: „Okay. Eine halbe Stunde raus in den Schnee, austoben und dann weitermachen.“

Noch eine Stunde später: „Ja, ihr müsst weitermachen. Ja, ich weiss, dass ihr keine Lust habt dazu, aber das Zimmer muss jetzt einfach gemacht werden.“

Und so immer weiter, bis irgendwann, gefühlte hundert Tage später, alle drei Zimmer soweit aufgeräumt sind, dass man ohne Schneepflug durchkommt. 

Bei Freunden und Verwandten:

„Meiner“ & Ich: „FeuerwehrRitterRömerPirat, Zoowärter, Prinzchen, wir gehen in einer halben Stunde nach Hause. Räumt bitte die Spielsachen weg, mit denen ihr gespielt habt.“

Die drei im Chor: „Ist schon erledigt! Wir haben alles wieder weggeräumt.“

Und wenn einer hochgeht, um nachzusehen, ob sie wirklich getan haben, was man von ihnen erwartet, ist tatsächlich alles wieder dort, wo es hingehört. 

Ich glaube, ich sagen denen jetzt dann mal, sie sollen sich zu Hause bitte so fühlen, als wären sie unsere Gäste, vielleicht klappt’s ja dann.  

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Die Zaubermaus und der Filzstift

Da bunkert man sich einmal einen ganzen Tag lang in seinem Büro ein, hängt abends noch eine Sitzung an und am nächsten Morgen findet man im Kinderzimmer ein Prinzchen mit violetter Filzstift-Kriegsbemalung im Gesicht. Gewöhnlich habe ich ganz und gar nichts gegen Filzstift-Kriegsbemalungen, meistens nehme ich sie nicht mal mehr zur Kenntnis, weil sie halt einfach entstehen, wo Kind, Filzstift und Fantasie sich treffen. Mit der Zeit wäscht sich das ja schon wieder aus und wenn ich mir Karlsson ansehe, der früher gerne mit blauen Sams-Wunschpunkten am ganzen Körper experimentiert hat, kann ich getrost sagen, dass sich die Faszination für temporäre Körpermalereien irgendwann auch auswächst.  

Mitten im Gesicht eines kleinen Jungen, der demnächst auf einem Pausenhof aufkreuzen soll, auf dem man dem Mobbing keineswegs abgeneigt ist, erscheinen mir Filzstiftverzierungen aber doch etwas gewagt, also beschliesse ich, den Prinzen ein wenig sauber zu machen. Bloss wie? Stahlwolle geht ja kaum und Nagellackentferner – so ich denn welchen hätte – erscheint mir auch nicht unbedingt besonders hautfreundlich. Also konsultiere ich Dr. Google und lande in einem „Du meine Güte, was soll ich bloss tun?!“-Forum. Dort berichtet eine panische Mama, sie hätte ihre kleine Zaubermaus – vielleicht war es auch die Zuckerbohne oder die Zimtprinzessin, auf alle Fälle etwas Weibliches – über und über mit Filzstiftspuren verziert im Bett vorgefunden und möchte nun zu gerne wissen, wie sie das Kindchen wieder zart und rosig kriegt. 

Die Erste, die sich zu Wort meldet, kann leider nur sagen, wie man es nicht machen soll, denn die erinnert sich noch lebhaft daran, wie ihre Mutter ihr mal mit Wundbenzin, Seife und Nagelbürste  zu Leibe gerückt ist, als sie es mit den Filzern zu bunt getrieben hatte. Nach so einer schlimmen Geschichte kann man natürlich keine brauchbaren Tipps mehr erwarten, denn jetzt müssen sich die Mamas erst mal darüber auslassen, wie schrecklich herzlos man mit unserer Generation noch umgesprungen ist und  wie sie es nie übers Herz brächten, ihre Sahnetrüffelchen, Schnuffelbären und Herzkäferchern derart lieblos zu behandeln. Gut, die eine oder andere  merkt vielleicht nebenbei an, man könne es ja mal mit Babyöl oder Feuchttüchern ausprobieren, aber so richtig überzeugend kommen diese Ratschläge nicht rüber. 

Dies ist aber nicht weiter schlimm, denn die Mama, die eigentlich wissen wollte, wie sie ihr Töchterchen wieder rosig kriegt, hat jetzt ein anderes Anliegen. Es würde sie so furchtbar wundernehmen, wie denn diejenige, die sich mit Nagelbürste, Seife und Wundbenzin behandeln lassen musste, ihr Leben so gemeistert hat in den vergangenen vierzig Jahren. Eine astrologisch bewanderte Person habe nämlich schon kurz nach der Geburt vorausgesagt, die Zaubermaus – oder Zuckerbohne oder Zimtprinzessin – werde mal viele Flausen im Kopf haben, das würden die Sterne ganz deutlich sagen und es wolle ihr fast so vorkommen, als hätte die Wundbenzin-Nagelbürsten-Seifen-Schreiberin als Kind auch viele Flausen im Kopf gehabt und da möchte sie doch zu gerne wissen, wie sich das im Laufe der Zeit so weiter entwickelt, ob da vielleicht später mal was Kreatives draus werden könnte.

Ich habe dann nicht mehr weitergelesen, denn das Prinzchen war ja noch immer kriegsbemalt, die Zeit weit fortgeschritten und ein brauchbarer Tipp war weit und breit nicht in Sicht. Bevor ich zu einer Seite mit echten Hausmitteln wechselte, bekam ich aber noch mit, dass die Zaubermaus – oder Zuckerbohne oder Zimtprinzessin – unbedingt wieder sauber werden musste, weil die Mama der Modelagentur neue Bilder ihres Töchterchens liefern sollte und zwar so schnell als möglich, aber vielleicht sei die Aktion mit den Filzstiften ja auch eine unterbewusste Rebellion gegen das Modeln gewesen. Wer weiss? 

Ich hab dann das Prinzchen mit Olivenöl und Zucker halbwegs sauber gepeelt und mich dabei in Grund und Boden geschämt, weil andere Mütter alles tun, um ihrem Kind eine anständige Karriere zu ermöglichen, während ich den Filzstiftspuren nur dann zu Leibe rücke, wenn Gefahr besteht, dass mein Sohn ihretwegen auf dem Pausenhof eins auf den Deckel bekommt. 

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Rätsel

Die Ausgangslage: Zoowärter war es gestern Nachmittag speiübel, weshalb er zu Hause blieb. Nach Schulschluss bekamen zwei Mitschüler den Auftrag, ihm den Schulsack mit den Hausaufgaben zu bringen. Die Kinder kamen zu unserem Haus, sahen Zoowärters Grossmama im Garten und überreichten ihr den Schulsack, der dann still und unbemerkt bei uns im Treppenhaus darauf wartete, bis sich Zoowärter wieder wohl fühlte. Von alldem bekamen wir nichts mit, da die Kinder nicht daran dachten, meine Mutter darauf aufmerksam zu machen, dass da noch Hausaufgaben zu erledigen wären.

Heute Morgen war die Übelkeit wie weggeblasen, Zoowärter und Schulsack gingen zur Schule, kamen bald darauf aber wieder nach Hause zurück, denn die Hausaufgaben, von denen wir ja nichts wussten, waren nicht erledigt. Also griff ich zu Papier und Stift, um der Lehrerin den Sachverhalt zu erklären. Zoowärter und Schulsack gingen wieder zur Schule, ein paar Minuten später klingelte das Telefon. Natürlich hätten die Kinder die Hausaufgaben vorbei gebracht, sagte die Lehrerin, der Zoowärter hätte also sehr genau gewusst, was zu erledigen gewesen wäre. „Ich war aber den ganzen Tag im Haus und geklingelt hat keiner“, erklärte ich trotzig, worauf Zoowärters Schulkameraden, die offenbar beim Telefongespräch mithören durften, der Lehrerin die Sache mit meiner Mutter und dem Schulsack erzählten. Damit war Zoowärter aber noch nicht aus dem Schneider, warum, habe ich nicht ganz verstanden. 

Soweit der Sachverhalt. Da mich die Angelegenheit ziemlich verunsichert hat, möchte ich von euch, liebe Mitlesende wissen, wer eurer Meinung nach dafür verantwortlich ist, dass der Zoowärter seine Hausaufgaben nicht gemacht hat:

Schulmüde

Individualisierung

„In diesem Alter muss er das einfach können. Da können wir jetzt keine Rücksicht mehr nehmen.“

Spezielle Förderung

„Wir haben leider nicht die Kapazität, jedem die Hilfe zu geben, die er bräuchte.“

Die Stärken stärken.

„Er kann dies nicht, macht jenes nicht gut genug und da liegt er ganz klar unter dem Durchschnitt. Ja, in diesem Bereich ist er sehr gut, aber das zählt leider nicht.“

Kompetenzen stärken

„Er hat da ein paar Blätter, die noch immer nicht ausgefüllt sind. Das muss bis Freitag erledigt sein, sonst hat er am Ende des Schuljahres Lücken im Ordner und das gibt einen Notenabzug.“

Sozialkompetenz ist wichtig

„Wenn das auf dem Schulweg passiert ist, geht uns das nichts an.“

Schule und Elternhaus sind Partner

„Da müssen Sie schon selber schauen.“

Ich weiss echt nicht, wie weit meine Geduld noch reicht…

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Ratschläge

Begegnung Nr. 1

„Wie geht’s denn eigentlich Luise?“

„Na ja, nicht so besonders. Sie hat noch immer heftige…“

„Ihr müsst unbedingt zum Osteopathen mit ihr. Bei meiner Schwägerin hat das wahre Wunder gewirkt.“

Begegnung Nr. 2

„Wie geht’s denn eigentlich Luise?“

„Na ja, nicht so besonders. Sie hat noch immer heftige….“

„Ich sag dir, Akupunktur ist einfach das Beste in diesem Fall. Alles andere kannst du vergessen.“

Begegnung Nr. 3

„Wie geht’s denn eigentlich Luise?“

„Na ja, nicht so besonders. Sie hat noch immer heftige…“

„Also, wenn ich euch wäre, hätte ich es schon längst mit Bachblüten probiert.“

Begegnung Nr. 4

„Wie geht’s denn eigentlich Luise?“

„Na ja, nicht so besonders. Sie hat noch immer heftige…“

„Ich kenne einen guten Chiropraktiker. Der bringt das in Nullkommanix wieder in Ordnung. Willst du seine Nummer?“

Begegnung Nr. 5

„Wie geht’s denn eigentlich Luise?“

„Na ja, nicht so besonders. Sie hat noch immer heftige….“

„Massage! Ich sag dir, Massage ist das Allerbeste in so einem Fall.“

Begegnung Nr. 6

„Wie geht’s denn eigentlich Luise?“

„Na ja, nicht so besonders. Sie hat noch immer heftige…“

„Ich habe gute Erfahrungen mit Cranio-Sacral-Therapie gemacht. Müsst ihr unbedingt auch ausprobieren.“

Begegnung Nr. 7

Die findet hoffentlich nie statt, denn die würde vermutlich so verlaufen:

„Wie geht’s denn eigentlich Luise?“

„Komm mir bloss nicht mit irgendwelchen Sch….ratschlägen, wir hängen auch so schon genug in Wartezimmern rum!“

Und dabei weiss ich doch, dass sie es alle nur gut meinen.

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