Mehrwert

Mit Brummschädel kann man ja eigentlich nichts anderes lesen als Chick-Lit. Sonst ist das Zeug ja unerträglich seicht: Gut aussehende, chaotische, grenzenlos naive und liebenswerte Karrierefrau bringt alles durcheinander, verliebt sich hundertmal in den falschen Typen, verliebt sich auf Seite 356 endlich in den gebildeten, sanften, millionenschweren und gut aussehenden Bauarbeiter (wahlweise auch in den gut aussehenden, millionenschweren, gefühlvollen Banker, was aber seit der Finanzkrise immer weniger der Fall ist), von dem schon auf Seite 3 klar war, dass er der Auserwählte sein wird, schwebt zehn Seiten lang auf Wolke sieben, dann kommt es zum grossen Missverständnis und drei Zeilen vor Schluss fallen sich der gebildete, sanfte, millionenschwere und gut aussehende Bauarbeiter (oder der gut aussehende, millionenschwere, gefühlvolle Banker) und die gut aussehende, chaotische, grenzenlos naive und liebenswerte Karrierefrau in die Arme und alles wird gut. Einfach unerträglich, aber eben, mit Brummschädel erträgt man nichts anderes und so bleiben der angefangene Adrian Plass, die noch nicht angefangene Toni Morrison und der bereits Staub ansammelnde Charles Dickens vorerst ungelesen.

Einen Vorteil haben die seichten Romane aber: In letzter Zeit ist es in Mode gekommen, das Zeug mit Kochrezepten, die der seichten Story etwas mehr … ääähm etwas mehr öööhm, ja was eigentlich verleihen sollen? Egal, es hat jetzt manchmal Kochrezepte drin, die zur Story passen sollen und manchmal sind die Rezepte gar nicht so schlecht und deshalb gehe ich jetzt gleich den „Earl Grey Cake“ von Seite 247 backen.

Einen Nachteil haben die Kochrezepte alleridngs auch: Man kann die Bücher jetzt nicht mehr ins Altpapier schmeissen, wenn man sie fertig gelesen hat. Lose herumliegende Kochrezepte leben nämlich ein kurzes Leben in meinem Haushalt und deshalb muss ich das ganze Buch behalten, wenn ich das Rezept in drei Jahren wieder hervorkramen will. Was vielleicht wiederum gar nicht so schlecht ist, denn dann habe ich bei der nächsten Grippe, die bestimmt kommen wird, schon die geeignete Lektüre zur Hand. Da das Zeug immer gleich gestrickt ist, werde ich mit Brummschädel ohnehin nicht merken, dass ich es bereits gelesen habe.

Schluss jetzt damit!

Da sich meine Halsschmerzen partout nicht entscheiden können, ob sie schlimmer oder besser werden wollen, habe ich auch keinen Grund, zum Arzt zu gehen – ich will ja nicht wieder meine Hypochonder-Nummer abziehen – und deshalb habe ich heute früh folgenden Entschluss gefasst: Ich bin wieder gesund! Basta! Klar, mein Schädel brummt noch immer, mir tut noch immer jeder Knochen weh, mein Appetit ist noch immer gleich null und mein Hals…, ach, ich wiederhole mich. Aber weil Luise am Sonntag Geburtstag hat und ich unbedingt mit Kuchenbacken beginnen sollte und weil es draussen Frühling ist, habe ich jetzt genug vom Kranksein und deshalb tue ich jetzt einfach so, als wäre ich wieder gesund. Ich kann ja dann wieder zusammenbrechen, wenn Luises Geburtstag vorbei ist…

Must-have

Wenn es um all die Gadgets geht, die der moderne Mensch haben „muss“, dann sind „Meiner“ und ich relativ bescheiden, zumindest in westlichen Augen. Unsere „Soundanlage“ besteht aus einem billigen CD-Player, den der FeuerwehrRitterRömerPirat zum letzten Geburtstag geschenkt bekommen hat und einem äääh, Dings… ääääh, wie heisst es nochmal, das kleine Ding mit den weissen Kopfhörern? Ach ja klar, iPod. Hat „Meiner“ mal geschenkt bekommen und seitdem er vor einiger Zeit endlich herausgefunden hat, wie man ihn in Betrieb nimmt, benützt er ihn manchmal, wenn er mein Gequatsche nicht mehr hören mag. Mobiltelefonisch bin ich zurzeit nicht erreichbar, da alles, was von meinem Handy übrig geblieben ist, der Chip ist, der darauf wartet, in ein neues Handy transplantiert zu werden. Das Handy von „Meinem“ ist ein vorsintflutliches Ding und ich meine jetzt wirklich vorsintflutlich. Man kann nicht mal fotografieren damit und demnächst wird das Museum für Kommunikation anfragen, ob sie dieses antike Stück in ihre Sammlung aufnehmen dürfen und dann werden wir reich. Unser Fernseher weiss noch nicht mal, dass es Flachbildschirme gibt, weil es die noch nicht gab, als er im Laden stand  und wenn wir „10 vor 10“ schauen, schimmert das Bild in der Ecke oben rechts so eigenartig grün. Sieht zuweilen richtig künstlerisch aus. Man sieht also: „Meiner“ und scheren uns einen Dreck darum, ob wir „in“ sind oder nicht.

Zumindest, was die Technik betrifft. Wenn es um die angesagten Krankheiten geht, dann gehören wir immer zu den Ersten, die dabei sein wollen. Ob Schweinegrippe, – war da mal was? – Magen-Darm-Grippe, Windpocken oder schlimme Erkältungen, wir kämpfen immer mit Ellbogen und Fusstritten darum, auch etwas davon abzukriegen. Und wir geben nicht auf, bevor wir eine Portion Krankheitserreger für uns haben ergattern können. Diesmal aber haben wir schon befürchtet, wir würden leer ausgehen. Seit Wochen schon stehen wir auf der Warteliste für die Scharlach-Epidemie, die gerade in der Region grassiert, aber nie wollte es klappen mit einer Ansteckung. So langsam begann ich mich zu sorgen: Was sollte bloss aus unserem Ruf als Trendsetter werden, wenn wir nicht mal einen Anflug von Scharlach unser Eigen nennen könnten? Werden wir dann schräg angeschaut im Kreise der Familien? Oder wird man uns bei der nächsten Krankheits-Runde überspringen, weil alle glauben, wir seien nicht mehr dabei?

Heute aber kann ich aufatmen: Meine Grippe scheint zwar langsam abzuklingen, doch mein Hals beginnt zu schmerzen. Halsschmerzen sind zwar nicht Scharlach, aber was nicht ist, kann ja noch werden und dann sind wir wieder dabei. Bevor die Seuche schon wieder out und eine andere in ist.

Niedergestreckt

Da soll noch einer behaupten, Krankheitserreger seien fiese kleine Biester. Sind sie überhaupt nicht.  Die warten artig ab,  bis der Sonntagsbrunch überstanden und halbwegs verdaut ist, bevor sie zuschlagen. Okay, vielleicht ist es nicht gerade besonders nett, die Mama am Sonntagabend niederzustrecken, wo sie doch am Montagmorgen den Laden wieder alleine schmeissen sollte. Aber immerhin haben die Viren der Mama einen netten Sonntag gelassen, bevor sie sie mit  Übelkeit, Bauchschmerzen, heftigen Gliederschmerzen und Kopfweh ins Bett gezwungen haben. Und Luise, mit Ohrenschmerzen versehen, gleich dazu. Gibt es einen besseren Start in die neue Woche?

Nun, was macht Mama, wenn sie sich vor lauter Elend nicht mehr rühren kann? Na, was wohl? Verzweifeln natürlich.  Oder darüber staunen, dass „Ihrer“ ohne mit der Wimper zu zucken morgens um sechs das Mittagessen vorbereitet und danach  die Kinder in die Schule schickt – und selber zu spät zur Arbeit kommt. Und dankbar sein, dass es (Gross)mütter gibt, die einspringen, bis Hilfe eingetroffen ist. Und sich darüber freuen, dass es auf dieser Welt trotz aller Abscheulichkeiten, die sich „Christen“ leisten, auch Christen gibt, die zu leben versuchen, was ihnen einer vor mehr als 2000 Jahren vorgelebt hat. Und weil Mama das grosse Glück hat, zu einer Kirche solcher Chriristen zu gehören, genügt ein Anruf und schon ist jemand da, um den Kindern Geschichten vorzulesen, Luise einen Zwiebelwickel zu machen und den Tisch zu decken. Mama kann sich freuen, dass da ein Netz ist, das trägt, wenn alle Stricke reissen. Und dass da eine halbwegs genesene Luise ist, die Mama nach Strich und Faden verwöhnt. Und dass es obendrein Laptops gibt, so dass Mama die Welt trotz Gliederschmerzen & Co. an ihren Gedanken teilhaben lassen kann (als ob die Welt darauf gewartet hätte…).

Ja, wenn die Umstände stimmen, ist es kein Problem, wenn  Mama montags krank ist. Was aber, wenn die Umstände nicht stimmen?

Sonntagsbrunch

Zwei Jahre lang hing es an unserer Pinnwand, das Ticket zu Aaraus Sonntagsbrunch-Paradies: Ein Gutschein im Wert von 50 Franken für den Sonntagmorgen-Familientreffpunkt. Das Lokal biete eine sensationelle Auswahl, eine gemütliche Einrichtung, (kinder)freundliches Personal, frische Zutaten, sei kinderwagentauglich und jeden Sonntag voll besetzt, sagte man uns. Zwei Wochen vorher müsse man reservieren, wenn man sonntags dort schlemmen wolle. Und weil wir selten zwei Wochen im Voraus wissen, was der übernächste Sonntag bringen wird, – Magen-Darm-Grippen, Schwiegertanten aus Italien und durchwachte Nächte mit nachfolgendem Brummschädel melden ihre Besuche selten an – blieb der Gutschein lange uneingelöst. Vor zwei Wochen nun war unser Optimismus endlich gross genug, damit wir uns einen Tisch reservierten. Und siehe da: Keine Magen-Darm-Grippe, keine Schwiegertante aus Italien und keine durchwachte Nacht mit nachfolgendem Brummschädel stand unserem Glück im Wege.

Und so sassen wir heute um Viertel nach elf mit unserer Horde inmitten von Singles, kinderlosen Paaren und Einbaby-Familien – wo waren bloss all die Familien mit grösseren Kindern? – und störten deren ausgedehntes Sonntagsfrühstück. Mal nahm das Prinzchen Reissaus, weil er am Nachbartisch einen interessanten Menschen entdeckt hatte, dann wieder musste Luise, eskortiert von ihren Brüdern, die Toilette aufsuchen. Oder der Zoowärter meldete seine unstillbare Lust auf Melonen an, kaum waren wir mit vollbeladenen Tellern, jedoch ohne Melonen, vom Buffet zurückgekehrt. Oder Karlsson musste unbedingt noch eine Scheibe von der „allerbesten Pastete, die er je in seinem Leben gegessen hat“ holen. Und sassen endlich mal alle für drei Sekunden gemeinsam am Tisch, wollte sich der FeuerwehrRitterRömerPirat die Häschendekoration auf dem Fensterbrett aus der Nähe ansehen, ohne dabei seine Semmel aus den Händen zu geben.

Kurz: Die Sache war das reinste Spektakel und ich bin sicher, dass einige junge Paare heute den endgültigen Entschluss gefasst haben, nie und unter gar keinen Umständen eigene Kinder zu bekommen. Und falls sie dennoch welche bekommen sollten, haben sie sich bestimmt geschworen, dass ihre Kinder nie so werden wie unsere. (Wir werden dann ja sehen… So naiv waren wie auch mal, vor vielen vielen Jahren.) Wir aber  liessen uns von den irritierten Blicken nicht beirren und genossen unseren Sonntagsbrunch in vollen Zügen und bis zum letzten Krümel. Wenn wir schon mal auswärts essen, dann richtig.

Eines aber beschäftigt uns nach unserem Besuch: Die Lobeshymnen auf die Auswahl, die Gemütlichkeit und die Frische der Speisen waren keineswegs übertrieben gewesen. Es war wirklich wunderbar. Doch wie in aller Welt bekommt ein Lokal von Eltern das Prädikat familienfreundlich verliehen, wenn die Einrichtung für Kinder aus gerade mal einem Kinderhochstuhl besteht, um den man sich mit anderen Eltern prügeln muss, weil der zweite Kinderhochstuhl, den das Lokal noch hätte,  gerade in Reparatur ist? Kein Wunder, ist die Schweiz noch immer eine Wüste der Kinderunfreundlichkeit, wenn Eltern sich mit so wenig Service schon zufrieden geben.

Warum bloss?

Alles ist friedlich. Die Kinder spielen vergnügt, die Wohnung ist mehr oder weniger aufgeräumt und ich bin in bester Stimmung. Dann fällt die Tür hinter „Meinem“, Karlsson und Luise ins Schloss und ich freue mich auf einen ruhigen Tagesabschluss mit „nur“ drei Kindern. Keine fünf Minuten später heult das Prinzchen, auf dem Küchenfussboden breitet sich eine Lache aus Apfelsaft aus, die der Zoowärter und der FeuerwehrRitterRömerPirat aufzulecken versuchen. Und schon bin ich nicht mehr in bester Stimmung, sondern schreie herum, weil der Apfelsaft nicht mehr in der Flasche ist. Und weil ich – nennt mich ruhig konservativ – nicht will, dass meine Kinder Saft vom Boden auflecken. Und weil jetzt die ganze Idylle verflogen ist.

Nach einer Weile hat sich der Sturm wieder gelegt, die Apfelsaft-Lache ist beseitigt, die Kinder stecken im Bett. Und ich frage mich einmal mehr: Warum passieren solche Sachen immer nur dann, wenn es a) Freitagabend ist, b) „Meiner“ ausnahmsweise abends arbeiten muss und c) ich mich darüber gefreut habe, wie idyllisch unser Familienleben sein kann, wenn es denn nur will?

Ketzerisch

Als ich neulich meine Leserinnen und Leser an meinen Gedanken zur „Privatsache Kind“ teilhaben liess, warnte mich eine Freundin, dass ich mich auf gefährliches Terrain begeben würde, womit sie wohl Recht hatte. Heute nun begebe ich mich auf noch gefährlicheres Terrain, ja, ich riskiere gar, unter den Eltern als Ketzerin zu gelten. Ich stelle nämlich die Frage, ob es denn wirklich so wichtig sei, dass ein Kind immer esse, was auf den Tisch kommt. Ich bin neulich hin und wieder auf Ratschläge gestossen, die mir nun nicht mehr aus dem Kopf wollen. Ich lese von Müttern, die ihre Kinder hemmungslos anlügen, um sie dazu zu bringen, Gemüse zu essen. Ich sehe Fotos von belegten Brötchen mit Smiley-Gesichtern. Ich bekomme Tipps, wie dafür gesorgt werden kann, dass ein Kind, das Fleisch verabscheut, dennoch Fleisch isst. Jede Familie kämpft mit dem Problem, wie sie ihre Kinder dazu bringt, alles zu essen, was auf den Tisch kommt; viele sind gestresst wegen der Sache. Doch keiner fragt: Ist es das ganze Theater überhaupt Wert?

Versteht mich bitte nicht falsch. Ich finde ausgewogene Ernährung eine sehr wichtige Sache. Aber ist es denn wirklich ein Problem, wenn der FeuerwehrRitterRömerPirat seine fünf Portionen Grünzeug am Tag in Form von zwei Äpfeln, einer Banane und zwei rohen Karotten zu sich nimmt, anstatt zu gekochtem Fenchel, gefüllten Peperoni und grünem Salat zu greifen? Ist es denn eine Tragödie, wenn Karlsson sich auch nach dem zwanzigsten Mal Probieren noch immer nicht dazu durchringen kann, Champignons zu mögen? Ich muss doch nicht jedes Mal mit dem Kind kämpfen, wenn das Zeug auf den Tisch kommt. Solange er Steinpilze, Pfifferlinge und Morcheln – die Morcheln natürlich am allerliebsten – isst, darf er doch ungeniert dazu stehen, dass er keine Champignons mag.

Als ich noch nicht lange Mutter war, machte ich mir einen grossen Stress aus der Sache mit dem Essen. Nicht, weil ich der Meinung war, dass man das müsse, sondern einfach darum, weil andere Familien einen grossen Stress daraus machten. Wenn bei Freunden die Regel galt, dass die Kinder alles essen mussten, was auf den Tisch kam, fühlte ich mich elend, weil ich nicht den Nerv hatte, das durchzuziehen. Wenn eine Familie darauf bestand, dass jedes Kind nur zwei Nahrungsmittel auswählen durfte, die es nicht essen muss, glaubte ich, dies auch tun zu müssen. Wenn Freunde mir sagten, dass ihre Kinder immer den Teller leer essen müssen, fühlte ich mich als Versagerin, weil ich es nicht schaffte, so konsequent zu sein.

Bis ich merkte, dass das alles gar nicht zu uns passt. Bis ich erkannte, dass das Ganze eigentlich ein Luxusproblem ist. Wie viele Menschen auf unserem Planeten können sich denn überhaupt Gedanken machen darüber, wie sie ihre Kinder dazu bringen sollen, aus der Fülle von Lebensmitteln, die ihnen zur Verfügung stehen,  von allem zu essen?  Und weil es ein Luxusproblem ist, habe ich für mich und meine Familie beschlossen, dass ich mir deswegen nicht weiter das Leben erschweren will. Und deshalb gelten bei uns nur noch diese fünf „Regeln“:

1. Der Überfluss, den wir haben, ist ein unglaubliches Privileg, als sei dankbar für das, was du essen darfst.
2. Es wird nicht gemotzt. Irgend jemand auf der Welt würde das, was ich nicht mag, mit Freuden essen. Und irgend jemand – meistens ich – hat sich viel Mühe gegeben, das Essen zuzubereiten. Also wird nicht herumgemäkelt.
3. Es wird von allem probiert, was aber nicht heisst, dass man auch alles ausessen muss. Man darf Dinge nicht mögen. Ich esse ja auch keine Fleisch.
4. Die Ernährung muss ausgewogen sein, doch wie diese Ausgewogenheit zustande kommt, ist mir eigentlich egal.
5. Essen ist eine wunderschöne Sache, also versaut mir nicht den Genuss!

Das Verrückte an der Sache ist: Je weniger Stress ich aus der Sache mache, umso experimentierfreudiger werden unsere Kinder. Und weil er nicht mehr unbedingt muss,  isst der FeuerwehrRitterRömerPirat inzwischen sogar Randensalat…

Everlasting Love

Gestern

Name: Liebes Kissen
Gattung: Kuschelkissen
Alter: ca. 35 Jahre und 5 Monate
Name der Besitzerin: Mama
Neupreis: ca. Fr. 5
Heutiger Wert: für Mama: unbezahlbar, für alle anderen: „Wie? Braucht die Frau noch immer ein Schmusekissen?!“
Anzahl neue Bezüge: ca. 20
Mit Suchaktionen nach dem verlorenen Kissen verbrachte Zeit: aber aber, Mama verliert doch nie ihre Sachen… 😉
Bereiste Länder: Frankreich (ca. 6 mal), England (ca. 6 mal), Italien (ca. 4 mal), USA, Griechenland, Ungarn, Tschechische Republik (3 mal), Slowakei, Malta, Deutschland (ca. 4 mal) , Österreich (ca. 4 mal)
Anzahl anvertraute Geheimnisse: Unzählige
Aufenthalte in der Waschmaschine: Unzählige

Heute

Name: David
Gattung: Eisbär
Alter: 8 Jahre, 3 Monate und 20 Tage
Name des Besitzers: Karlsson
Neupreis: Fr. 58
Heutiger Wert: für Karlsson: unbezahlbar, für alle anderen: „Wann schmeisst du das Ding endlich weg? Oder soll ich versuchen, es zu reparieren?“
Anzahl Operationen: ca. 15
Mit Suchaktionen nach dem verlorenen David verbrachte Zeit: gefühlte 2 Jahre, in Wirklichkeit wahrscheinlich etwa 2 Tage
Bereiste Länder: England (2 mal), Frankreich (1 mal), Malta (1 mal), Italien (2 mal), Österreich (4 mal, einmal davon mit Spitalaufenthalt), Deutschland (3 mal), Tschechische Republik (1 mal)
Anzahl anvertraute Geheimnisse: Unzählige
Aufenthalte in der Waschmaschine: Unzählige, bis das Waschen für David irgendwann zu einer lebensgefährlichen Angelegenheit wurde


Name: Äli
Gattung: Schmusetuch mit Häschenkopf
Alter: ca. 6 Jahre und 9 Monate
Name der Besitzerin: Luise
Neupreis: ca. Fr. 20
Heutiger Wert: für Luise: unbezahlbar, für alle anderen: „Was um Himmels Willen soll das sein? Ein Vampir?“
Anzahl Operationen: ca. 15
Mit Suchaktionen nach dem verlorenen Äli verbrachte Zeit: gefühlte 100 Jahre, in Wirklichkeit wahrscheinlich etwa zehn Tage
Bereiste Länder: England (1 mal), Frankreich (1 mal), Malta (1 mal), Italien (1 mal), Österreich (4 mal), Deutschland (2 mal)
Anzahl anvertraute Geheimnisse: Unzählige
Aufenthalte in der Waschmaschine: Unzählige, bis das Waschen für Äli irgendwann zu einer lebensgefährlichen Angelegenheit wurde

Und morgen?

Name: Bä!
Gattung: Teddybär
Alter: 5 Monate und 7 Tage
Name des Besitzers: Prinzchen
Bereiste Länder: noch keine
Operationen, Waschgänge, Suchaktionen, anvertraute Geheimnisse: Noch keine, wobei man bei den Geheimnissen nie ganz sicher sein kann…

Peinlich…

Als wir vor bald zwei Jahren herausfanden, dass wir bald Eltern von fünf Kindern sein würden, sprach uns eine erfahrene Mutter von vielen Kindern mit folgenden Worten Mut zu: „Wisst ihr, was das Schöne ist, wenn man eine grosse Familie hat? Man wird nur noch von Menschen eingeladen, die einen wirklich lieben.“ Diese Aussage kommt mir immer wieder in den Sinn, wenn wir eingeladen werden, was erstaunlich oft geschieht. Ganz offensichtlich gibt es in unserem Umfeld viele Menschen, die uns lieben.

Manchmal jedoch habe ich das Gefühl, dass wir die Liebe unserer Mitmenschen etwas zu arg strapazieren. Heute Nachmittag zum Beispiel, als wir im Nachbardorf zu Kaffee und Kuchen eingeladen waren. Es fing damit an, dass Karlsson seinen Veloschlüssel nicht finden konnte, weshalb die ganze Meute zu spät kam. Wir wurden von unseren Gastgebern trotz unserer Verspätung freundlich ins Haus gebeten, wo sich unsere Kinder ihrer Jacken und Schuhe entledigten – und es sich herausstellte, dass Karlsson keine Socken trug. Barfuss bei minus fünf Grad, wo heute sogar ich Strümpfe trug! Ich hätte im Boden versinken können. Die Gastgeberin holte ohne mit der Wimper zu zucken ein paar Socken für Karlsson und ich hoffte, dass wir den Rest des Nachmittags ohne weitere Peinlichkeiten hinter uns bringen würden. Was anfangs auch mehr oder weniger der Fall war, wenn man mal davon absieht, dass sich Karlsson und Luise um die letzten Reste der Beeren zankten und  der FeuerwehrRitterRömerPirat in seine Zopf-Scheibe ein Loch bohrte und sie dann achtlos liegen liess.

Dann aber verkündete der Zoowärter, er müsse aufs Klo. Der Zoowärter aufs Klo? Hat er etwa ausgerechnet heute Nachmittag entschieden, dass er jetzt wirklich zu alt ist für Windeln? Leider nicht. Als die Gastgeberin ihn aufs WC begleitet, stellt sich heraus, dass seine Hose nass ist. Ob die Windel wohl undicht war, frage ich mich, als ich mich auch zum Badezimmer begebe. Aber nein, die Windel traf keine Schuld an dem Malheur. Denn die Windel lag bei uns zu Hause auf dem Fussboden und wartete artig darauf, bis der Zoowärter in sie schlüpfen würde. Der Zoowärter stand derweilen ohne Windel, lediglich mit einer tropfnassen Strumpfhose und einer tropfnassen Jeans bekleidet im Badezimmer unserer Gastgeber. „Meiner“ hatte in der Eile nicht bemerkt, dass das Kind gar keine Windel trug, als wir aus dem Haus gingen. Ersatzkleidung hatten wir natürlich auch nicht dabei. Aber immerhin Ersatzwindeln, in die wir das Kind stecken konnten.

Dann wurde es ruhiger. Die Kinder spielten mehr oder weniger friedlich  und wir unterhielten uns mit unseren Gastgebern. Schliesslich war es Zeit, nach Hause zu gehen. Wir räumten artig alle Spielsachen auf, die unsere Kinder über den Fussboden verteilt hatten, verabschiedeten uns und zum Dank für die nette Bewirtung streckte der FeuerwehrRitterRömerPirat dem Gastgeber die Zunge raus.

Was bin ich froh, dass unsere Gastgeber vor vielen Jahren auch mal kleine Kinder hatten….

Acht Sätze, die man nicht zu mir sagen sollte,…

… wenn man unter zwanzig Jahre alt ist und bei mir in Lohn und Brot steht:

1. „Ich habe heute Nacht nur sieben Stunden geschlafen. Ich bin soooooooo müde“  – Und ich habe heute nacht nur sieben Minuten geschlafen oder zumindest fühlt es sich so an, also hör auf zu jammern!

2. „Ich habe heute Nacht nur sieben Stunden geschlafen, weil ich bis vier Uhr morgens gechattet habe und mich meine Mutter schon um elf Uhr geweckt hat.“ – Ich habe heute Nacht auch bis vier Uhr morgens gechattet, mit meinem Prinzchen, das nicht schlafen wollte. Und morgens um sieben musste ich wieder aus den Federn. Und Mütter haben immer Recht, die dürfen einen wecken, wann immer sie Lust dazu haben!

3. „Schau mal, die ist soooooooooo fett. Die trägt Grösse 38. Echt!“ „Ich trage auch Grösse 38.“ „Ach, bei dir ist das etwas anderes. Du hast ja fünf Kinder geboren und da darf man alt und hässlich sein.“

4. „Deine Kinder waren heute unmöglich. Die haben mich so fürchterlich genervt.“ – Ja, meine Kinder sind manchmal nervig, und zwar furchtbar. Aber das darf nur ich sagen und vielleicht noch „Meiner“. Und sonst niemand! Verstanden?

5. (belehrender Unterton): „Ich habe dir das mal in Ordnung gebracht. Willst du das nicht immer so machen wie ich?“ – Nein, will ich nicht und wenn du noch so sehr Recht hättest! Irgendwo muss auch ich noch das Sagen haben, wo mir doch so schon alle auf der Nase herumtanzen.

6. „Iiiiih! Bei euch stinkt’s!“ – Danke, ich weiss, aber würdest du mir mal bitte dabei helfen, die zwei vollgekackten Kinder zu säubern?

7. „Heute Nachmittag verputze ich meinen ganzen Lohn für Kosmetik und neue Schuhe.“ – Das kannst du von mir aus machen, ist ja dein Geld. Aber reibe  bitte nicht mir unter die Nase, was du mit meinem sauer verdienten Geld machst.

8. „Schau mal, die bezahlen viel mehr Lohn als du.“ – Ich habe dir ja gesagt, dass du bei mir nicht fürstlich entlöhnt wirst. Aber immerhin hast du einen Lohn…

Das alles darf man getrost sagen. Zu jedem. Ausser zu mir!