Es wird heller

Luise, der Zoowärter und das Prinzchen sitzen in der Badewanne. Das Prinzchen patscht mit den Händchen im Wasser, die beiden Grossen tun es ihm gleich. Fröhliches Quietschen, ein paar Spritzer, die daneben gehen. Im Hintergrund erzählt Trudi Gerster in voller Lautstärke und mit viel Grunzen und Prusten die Geschichte von der Schneekönigin. Der FeuerwehrRitterRömerPirat hat das Sofa in die Mitte des Raumes geschoben, damit er sich dahinter ein gemütliches Nest schaffen konnte. Irgendwo hört man Karlsson aus voller Kehle singen. Ich sitze inmitten des Chaos und freue mich meines chaotischen Lebens. Und dies, obschon „Meiner“ den Samstagvormittag in der Schule verbringt, um mit den Eltern Gespräche zu führen und zwar am Ende einer Woche, die vollgepackt war mit Gesprächsterminen, was bedeutet, dass ich für einmal fast alleinerziehend war.

Wie ich so dasitze, völlig entspannt,  wird mir plötzlich bewusst, dass etwas anders geworden ist. Es ist noch kein Jahr her, da wäre eine solche Szene unmöglich gewesen. Das alles hätte mich komplett überfordert: Spritzer auf dem Badezimmerboden, herumgeschobene Möbel, Lärm. Die Kinder in der Badewanne, wenn „Meiner“ weg ist? Kommt nicht in Frage, das schaffe ich nicht. Zu viel Chaos. Zu viele Möglichkeiten, dass etwas schief gehen könnte und ich am Ende des Vormittags ein heulendes Wrack wäre. Ein Samstagmorgen ohne „Meinen“ und ich jammere nicht lauthals darüber, dass ich wieder den Laden alleine schmeissen muss? Vor Kurzem noch unmöglich. Zu dicht balancierte ich am Abgrund, als dass ich die Kraft aufgebracht hätte, mich noch ein paar Stunden länger zusammenzureissen. Märchen-CD in voller Lautstärke? Nicht bei uns. Okay, Trudi Gerster liebte ich, im Gegensatz zu Pingu und Papa Moll, schon immer. Aber es gab da eine Zeit, da mochte ich nicht mal ihrem Schnauben, Grunzen und Quietschen zuhören. Zu gross der Lärm der düsteren Gedanken in meinem Kopf, als dass ich noch mehr hätte ertragen können.

So ganz langsam scheine ich wieder festen Boden unter den Füssen zu bekommen. Schritt für Schritt nähere ich mich der Person an, die ich ursprünglich mal gewesen bin: Unbeschwert, optimistisch, bereit, den Stier bei den Hörnern zu packen anstatt verschüchtert in der Ecke zu kauern. Und inzwischen wage ich gar zu hoffen, dass eines Tages, in nicht allzu ferner Zukunft, die Kinder nicht mehr so oft leise und brav sein müssen, weil ihre Mama sonst mit ihrer Lebendigkeit überfordert ist.

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Na ja

Die vielen Komplimente gestern haben mich wohl etwas übermütig gemacht. So sehr, dass ich glaubte, beweisen zu müssen, dass noch mehr perfekte Hausfrau – oder Albtraum aller Mütter, wie andere dies nennen ;-),- in mir steckt. Und so sieht das Resultat aus:

Na ja. Es könnte schlimmer sein. Immerhin hat der Zoowärter seine Geburtstagskuchen als Winnie the Pooh erkannt. Die Farben haben es wohl verraten. Aber meine Träume, dass ich irgendwann auf der Hausfrauen-Karriereleiter steigen werde, begrabe ich wohl besser wieder. Ist wohl doch nichts für mich.

Wenn man bedenkt, ….

… dass ich gestern vor lauter Bloggen beinahe vergessen hätte, dem Zoowärter eine Geburtstagstorte für die Spielgruppe zu backen,

dass ich um elf Uhr abends alle Zutaten, die das Pech hatten, mir über den Weg zu laufen, zusammengemixt habe,

dass ich den Kuchen dann nachts um halb eins aus dem Ofen gezogen habe,

dass ich heute früh gemerkt habe, dass Glasur rosarot wird, wenn man den Puderzucker mit Blutorangensaft mischt,

dass ich, weil der Kuchen jetzt schweinchenrosa war, spontan entschieden habe, eine Piglet-Torte daraus zu machen,

dass ich zwischen Frühstück servieren, Geschirrspüler ausräumen und Windeln wechseln im Internet schnell nach einem Piglet-Bild gesucht habe und das Tier dann aus Marzipan, den ich zufällig noch vorrätig hatte, ausgeschnitten habe,

dass ich dann sogar noch drei Kerzen aufgetrieben habe, obschon ich vergessen hatte, welche zu kaufen,

dass Karlsson findet, er möchte an seinem nächsten Geburtstag auch so eine Torte haben, einfach nicht mit einem Piglet drauf, und ihr wisst ja, Karlsson ist anspruchsvoll,

dass ich pünktlich um neun Uhr mit einem glücklichen Zoowärter und einer fast perfekten Piglet-Torte in Schweinchenrosa in der Spielgruppe aufkreuzte,

dass den  Kindern die Torte ganz offensichtlich geschmeckt hat,

dann müsste man zum Schluss kommen, dass ich doch nicht eine vollkommen missratene Hausfrau bin. Und dann klopfe ich mir für einmal voller Stolz auf die Schulter, auch wenn ich bezüglich perfekte Hausfrau nicht allzu grosse Ambitionen hege. Wenn man aber bedenkt, dass ich ausgerechnet an dem Tag, an dem ich einmal beweisen könnte, dass trotz allem tief in meinem Inneren eine perfekte Hausfrau schlummert, wenn ich genau an diesem Tag die Kamera nicht finden kann, um ein Bild meines Prachtsexemplars zu schiessen, dann ist das doch einfach eine Gemeinheit. Wenn es Misserfolge zu dokumentieren gibt, dann ist sie immer zur Stelle, die Kamera, aber kaum gibt es mal einen Erfolg zu vermelden, macht sie sich aus dem Staub, das fiese Ding. Und darum habe ich, nachdem die Torte gegessen und die Kamera wieder gefunden war,  ganz schnell ein neues Piglet gebastelt, um der Welt zu zeigen, dass auch ein blindes Huhn manchmal ein Körnchen findet.

Zuckerschaum und Milchschokolade

Das war mal wieder ein Spektakel. Das Prinzchen, der Zoowärter und ich in der Migros. Eigentlich nichts Aussergewöhnliches, aber offenbar für das Publikum dermassen anstrengend, dass am Ende alles erleichtert aufatmete, als wir den Laden endlich verliessen. Ich kann zwar nicht verstehen, warum das Publikum am Ende erschöpft war, den Stress hatten nämlich wir. Ich hatte mich vom Zoowärter weichklopfen lassen, ihn in eines jener unsäglichen Auto-Einkaufswägelchen zu setzen. Ist ja eigentlich nur etwas, worauf Neu-Eltern reinfallen, alle anderen wissen, dass man mit den Dingern unmöglich um die Regale kurven kann. Aber weil ich der Meinung bin, dass meine jüngeren Kinder nicht unter meiner Desillusionierung leiden sollen, habe ich eben für einmal nachgegeben. Und so hat mein Image schon von Anfang an einen Kratzer: Achtung, da kommt sie, die unerfahrene Mama, die nicht weiss, worauf sie sich eingelassen hat. Wann immer wir einer zittrigen alten Dame den Weg abschneiden oder einem gehetzten Rentner versehentlich das Auto in die Wade rammen, ernten wir böse Blicke. Aber was kann ich denn dafür, dass diese Autos eine komplette Fehlkonstruktion sind?

Während meine beiden Jüngsten anfangs recht brav sind, falle nur ich auf, wie ich schimpfend das Ungetüm durch den Laden zu manövrieren versuche. Irgendwann aber fängt sich das Prinzchen an zu langweilen und schnappt sich eine Schachtel, die mit „Zuckerschaum, Milchschokolade und Waffel“ angeschrieben ist. Das sind die Dinger,  die in der Schweiz politisch völlig inkorrekt noch immer „Mohrenkopf“ genannt werden. Fröhlich beisst das Prinzchen auf der Verpackung herum und mir käme nicht im Traum im Sinn, dass der blondgelockte Engel damit etwas im Schilde führt. Erst als er plötzlich so ein „Zuckerschaum, Milchschokolade und Waffel“-Dings in der Hand hält, dämmert mir, dass des Prinzchens unschuldige Spielerei nur Tarnung war und dass der Kleine sehr wohl wusste, warum er sich diese Schachtel geschnappt hat und nicht jene mit den Batterien drin. Und weil ich dem Kerlchen sein grossartiges Erfolgserlebnis nicht versauen will, lasse ich es schweren Herzens zu, dass er das klebrige Zeugs in sich reinstopft. Ich will ja nicht, dass er später mal völlig ohne Ambitionen vor sich hin gammelt, bloss weil ich ihm seinen ersten grossen Erfolg nicht habe gönnen mögen.

Bald schon sitzt das Kerlchen mit zuckerschaum- und milchschokoladeverschmiertem Gesicht im Wagen und der Zoowärter brüllt, weil er auf sein „Zuckerschaum, Milchschokolade und Waffel“-Dings warten muss, bis die Mama bezahlt hat. Die Leute drehen sich entsetzt nach uns um. So also sehen diese Unterschichten-Mamas aus, die ihre Kinder schon am frühen Morgen mit Süssigkeiten vollstopfen und unfähig sind, das Gebrüll ihrer Brut auf Knopfdruck abzustellen. Die ersten Zuschauer suchen verstohlen nach ihren Handys, um der Super-Nanny mitzuteilen, dass sie ein wahres Prachtsexemplar von einer schlampigen Mama in freier Wildbahn entdeckt haben.

Bei der Kasse dann kommt es zum Eklat: Das verschmierte Prinzchen ist in seinem Sitzchen aufgestanden und ich bemerke natürlich nichts davon, weil ich zu sehr damit beschäftigt bin, meine Einkäufe einzupacken. Um mich herum rufen Leute, aber ich habe keine Zeit, mich darum zu kümmern. Bis eine giftige Alte von der Kasse nebenan mich anschnauzt: „Das Kind könnte herunterfallen! Hören Sie denn nicht, dass die Leute schon rufen?“ Da stehe ich also, die gleichgültige Rabenmutter, die sich einen Dreck darum schert, wenn ihre Kinder vor die Hunde gehen. Die Menge geifert. Solche Mütter sieht man sonst nur bei RTL oder wie das heisst. Endlich haben sie mal wieder etwas, worüber sie beim Kaffeeklatsch lästern können.

Das nächste Mal, wenn ich einkaufen gehe, verlange ich Eintritt. Die Leute sollen nicht glauben, sie könnten sich gratis unterhalten, während ich und meine Kinder uns abmühen, ihnen eine perfekte Vorstellung zu liefern…

Auf zur zweiten Runde!

Noro ist zurück. Oder war er etwa noch gar nicht weg? Auch egal. Nicht egal ist aber, dass der Zoowärter sein Abendessen wieder von sich gegeben hat, obschon er Erbrechen doch „schteigruusig“ findet. Aber mich geht das ja eigentlich wenig an. Seitdem sich „Meiner“ damit brüstet, die einzig wahre Technik zum Aufwischen von Erbrochenem entwickelt zu haben, kümmere ich mich nur noch ums Trösten der Kinder. Und nein, ihr könnt „Meinen“ nicht ausleihen, damit er das Erbrochene eurer Kinder auch beseitigt. Bei uns zu Hause gibt’s genug aufzuwischen.

Führungsschwach

Wenn Mama Venditti eine junge Frau im Hause hat, die ihr dabei hilft, das Chaos zu beseitigen, dann schämt sie sich fürchterlich dafür, dass ihre Kinder nicht so brav sind wie im Erziehungsratgeber, dass man der Wohnung ansieht, dass übers Wochenende alle krank waren, dass die Wäscheberge herumliegen. Mama Venditti entschuldigt sich dafür, dass nicht alles perfekt ist, und vergisst dabei a) dass sie ja Hilfe geholt hat, weil sie die Berge beseitigen will, b) dass es der jungen Frau wohl ziemlich egal ist, wie es bei Vendittis aussieht, weil sie ja zum Arbeiten gekommen ist und nicht weil es so schön ist hier, und c) dass die junge Frau irgendwann vielleicht froh sein wird, sich daran erinnern zu können, dass bei Vendittis auch nicht alles perfekt war, als die Kinder klein waren.


Wenn Mama Venditti eine junge Frau im Hause hat, die ihr dabei hilft, das Chaos zu beseitigen, dann erteilt sie die Anweisungen so:

„Hättest du vielleicht schnell Zeit, auf das Prinzchen aufzupassen? Ich muss schnell in den Keller gehen.“

Oder so: „Würde es dir etwas ausmachen, mit den Kindern ein Spiel zu spielen? Du kannst aber auch diesen Schrank hier aufräumen, wenn du lieber möchtest.“

Oder so: „Stört es dich, wenn ich das hier schnell erledige, währenddem du mit Karlsson das Zimmer aufräumst?“


Wenn Mama Venditti eine junge Frau im Hause hat, die ihr dabei hilft, das Chaos zu beseitigen, dann delegiert sie nichts, aber auch gar nichts. Warum nicht? Weil sie alles selber machen will, damit es perfekt ist? Nein, weil sie dabei immer wieder denkt: „So eine elende Drecksarbeit kannst du niemandem zumuten. Das musst du selber machen. Die junge Frau ist ja nicht dein Sklave, der jeden Mist für dich erledigen muss.“

Noch irgendwelche Fragen, weshalb es Mama Venditti beruflich auf keinen grünen Zweig gebracht hat?

Die Nacht der Nächte

Wer sich mit dem Gedanken trägt, sich demnächst fortzupflanzen, soll jetzt bitte nicht weiterlesen. Es wird nicht mein romantischster Blogeintrag. Andererseits kann es ja nichts schaden, mit offenen Augen an das Abenteuer Kinder heranzugehen. Also, ihr noch-Kinderlosen: Entscheidet selbst, ob ihr euch diesen Post über die schlimmste Nacht meines Lebens antun wollt. Aber gebt danach nicht mir die Schuld, wenn ihr euch gegen Kinder entscheidet. Ihr habt euch selber fürs Lesen entschieden.

Nachdem wir gestern völlig unerwartet vom Norovirus heimgesucht wurden, hing schon bald auch ich über der Kloschüssel. Unwesentlich später war auch „Meiner“ dran, und dazwischen immer mal wieder Luise. War das ein Gedränge! Ich entschied mich, auf dem Sofa zu nächtigen, um einen Vorsprung aufs WC zu haben. Was dazu führte, dass ich zur ersten Anlaufstelle wurde für alle, die etwas loswerden wollten. Um ein Uhr nachts stand Luise da, kreideweiss und völlig elend. Ich schickte sie zu Papa ins Bett, weil ihr Bett…., nun ja, nennen wir es leicht schmutzig, war. Vierzig Minuten später war der FeuerwehrRitterRömerPirat da, von oben bis unten vollgekotzt. Irgendwie schaffte ich es, mich vom Sofa aufzurappeln, sein Bett sauber zu machen und ihm ein neues Pyjama zu bringen. Wiederum zwanzig Minuten später stand der Zoowärter heulend auf der Matte und verlangte, eine CD hören zu dürfen. Durfte er aber nicht. Nachts um halb drei machen wir das gewöhnlich nicht. Dafür aber durfte der Zoowärter sich vollkommen entkleiden und eine Dusche nehmen, weil seine Windel…. Nun ja, sie war mehr als voll, wenn ihr wisst, was ich meine. Während ich den Zoowärter reinigte, hing „Meiner“ mal wieder über der Kloschüssel.

Danach herrschte Ruhe. Bis gegen sechs Uhr früh Karlsson erschien. Er, der seit langer Zeit nichts mehr dergleichen tut, hatte sein Bett nass gemacht. Ab in die Badewanne mit dem Jungen und weiter dösen. Bis ein leichenblasser FeuerwehrRitterRömerPirat wünschte, neben Mama weiterzuschlafen. Etwas später dann ein Prinzchen mit ebenfalls viel zu voller Windel, dann wieder ein Zoowärter, ebenfalls nicht im saubersten Zustand. Dazu eine jammernde Luise und ein ziemlich lädierter „Meiner“, der es aber immerhin schaffte auf die Füsse zu kommen, was mir wegen der elenden Gliederschmerzen nicht mehr gelingen wollte. Na ja, irgendwie hatte ich mir das Wochenende etwas anders vorgestellt. Zumindest hat uns „Meiner“ inzwischen mit Cola und Zwieback eindecken können.

Wundert sich noch jemand, dass ich jeglicher Art von Fäkal-„Kunst“ nichts abgewinnen kann? Die „Künstler“, die meinen, sie müssten mit dem Verschmieren von Körpersäften und Fäkalien provozieren sollen sich bitte ein paar Kinder anschaffen. Dann werden sie bald erkennen, dass man damit niemanden provoziert. Zumindest nicht so provoziert, wie sie zu provozieren meinen.

Ach und übrigens: Herzlichen Dank für alle guten Wünsche. Im Moment sind wir noch nicht auf dem Damm, aber wir arbeiten dran…

Protokoll

7:00 Uhr: zum ersten Mal des Zoowärters Gekotztes aufgeputzt und nebenbei den anderen das Frühstück serviert

8:15 Uhr: Krach mit dem FeuerwehrRitterRömerPiraten, der sich, anstatt in den Kindergarten zu gehen, hinter dem Kleiderständer versteckt hat

8:30 Uhr: Zoowärter in seine neue Winnie the Pooh-Latzhose gesteckt. Zoowärter sieht zum Anbeissen aus!

8:45 Uhr: Zoowärter wegen akuten Durchfalls wieder aus der Latzhose geschält. Zoowärter sieht jetzt nicht mehr zum Anbeissen aus.

8:50 Uhr: Zoowärter und Prinzchen nehmen ein „Dreckspatz-Bad“ mit Rose und Vanille. Hach, wie die zwei duften!

9:10 Uhr: Zoowärter kotzt. Duftet nicht mehr.

9:15 Uhr: Lese folgendes Zitat auf der Frontseite der Tageszeitung: „Unsere geschätzten Patientenzahlen waren zwar zu hoch, aber nicht völlig daneben.“ Patrick Mathys, Bundesamt für Gesundheit, über die eigenen Voraussagen zur Schweinegrippe vom vergangenen Sommer

9:20 Uhr: Während ich das frisch gebadete Prinzchen aus seiner eben noch sauberen Kleidung schäle und ihn danach dusche, um die Spuren seines akuten Durchfalls zu beseitigen, zerbreche ich mir den Kopf darüber, warum man ein solches Geschrei gemacht hat um H1N1, wo doch Noro viel mühsamer ist.

10:00 Uhr: Prinzchen schläft, Zoowäter schläft fast, ich lese  im „Beobachter“ folgende Sätze zum Thema Managerlöhne: „Genauso lehnt Hostettler fixe Obergrenzen ab. ‚Sie hinterlassen ein dumpfes Gefühl der Eingeschränktheit und durchbrechen das positive Prinzip des Mehrs.‘ Mehr zu wollen und sich nicht mit dem Status quo zufriedenzugeben sei schliesslich das Erfolgsmodell, auf dem unserer Wirtschaftsordnung fusse. Dieses Prinzip dürfe wergen der jüngsten Lohnexzesse nicht leichtfertig geopfert werden.“ Ich verdrücke ein paar Tränchen für die armen Manager, die darum fürchten müssen, an einem „dumpfen Gefühl der Eingeschränktheit“ leiden zu müssen.

11:00 Uhr: Der Zoowärter ist wieder fit und will singen. Das heisst, der Zoowärter wählt das Bild aus und ich singe dazu. 10 mal „Backe backe Kuchen“, fünf Mal „Heut‘ ist ein Fest bei den Fröschen am See“, drei Mal „Auf unsrer Wiese gehet was“, ein halbes Mal „Lobe den Herren“, acht Mal „Chämifäger schwarze Maa“ und dazwischen wird gekocht, aufgeräumt und gewickelt. Der Zoowärter ist traurig, dass der Winnie the Pooh auf der Windel nichts mehr sieht, wenn er in der Hose eingesperrt wird.

12:00 Uhr: Das Essen steht auf dem Tisch, Karlsson, Luise, das Prinzchen, der Zoowärter und ich starren hungrig auf die Schüsseln, doch der FeuerwehrRitterRömerPirat ist nicht da.

12:15 Uhr: Noch immer keine Spur von FeuerwehrRitterRömerPiraten. Karlsson und Luise gehen ihn suchen.

12:20 Uhr: Draussen heult der FeuerwehrRitterRömerPirat, weil Luise ihm eine übergebraten hat, weil er sich mit seinem Freund eine Schneeballschlacht geliefert hat, anstatt nach Hause zu kommen.

13:10 Uhr: Luise muss jetzt augenblicklich ein Tütü haben. Weil das alte tatsächlich zu klein ist, bestelle ich ihr jetzt augenblicklich eines und bezahle am Ende mehr fürs Porto als fürs Tütü

14:30 Uhr: Der FeuerwehrRitterRömerPirat landet für längere Zeit mit einem Buch auf dem Sofa, wo er bleiben muss, bis er sich beruhigt hat. Was er getan hat? Nun, die Reihenfolge weiss ich nicht mehr, ich weiss nur noch, dass das Prinzchen, Luise, Luises Freundin und der Zoowärter wegen ihm geheult haben. Und dann hat er noch eine Bastelarbeit von Luise zerstört und die Salontische umgechmissen. Das reicht.

16:00 Uhr: Karlsson will mit „Google Earth“ auf Reisen gehen. Ich bin „die beste Mama der Welt“, weil ich mitmache und mit ihm die Freiheitsstatue und Ayers Rock ansehe.

16:50 Uhr: Luise kotzt zum ersten Mal.

17:10 Uhr: „Meiner“ kommt nach Hause und überrascht mich mit einem Gutschein zum Kaffeetrinken. Damit ich morgen mal ausspannen kann.

18:00 Uhr: Abendessen. Luise will unbedingt Broccoli essen. Wir sagen ihr, sie solle es für einmal besser bleiben lassen.

18:05 Uhr: Wir haben kein Pepsi mehr und die Magen-Darm-Seuche ist gerade erst ausgebrochen

18:15 Uhr: Luise kotzt.

18:30 Uhr: Luise kotzt noch einmal.

18:45 Uhr: Luise kotzt noch einmal.

19:00 Uhr: Drei Kapitel „Kinder aus Bullerbü“. Der Zoowärter ist schon auf dem Sofa eingeschlafen.

19:30 Uhr: Ich erwache völlig benebelt auf dem Sofa. Wo sind all die Kinder? Und warum hat „Meiner“ die Küche ohne mich aufgeräumt? Und was für ein Tag ist heute überhaupt?

20:00 Uhr: Luise kotzt wieder.

20:10 Uhr: Der FeuerwehrRitterRömerPirat klagt über Bauchschmerzen.

20:15 Uhr: „Komm lieber Mai und mache“ für Karlsson, „Schlaf mein Kind, ich wieg‘ dich leise“ für den FeuerwehrRitterRömerPiraten

20:35 Uhr: Luise kotzt wieder.

20:55 Uhr: Mir ist kalt. Und übel. Und ich habe Bauchschmerzen. Was das wohl sein könnte?

Begegnung

Neulich hatte ich nichts mehr anzuziehen. Und zwar nicht so, dass ich vor dem vollen Schrank stand und mit nichts zufrieden war, sondern so, dass alles entweder zu eng, zu weit, zu lang, zu kurz, zu löchrig oder zu abgetragen war. In der Verzweiflung griff ich zu den einzigen Kleidern, die irgendwie noch passten: Ein magentafarbener Rock mit orangefarbenem Abschluss, dazu eine knallbunt gemusterte Bluse, hauptsächlich in Violett und Orange gehalten und eine pinkfarbene Strumpfhose. Ich schlüpfte in die Kleider und plötzlich sah ich im Spiegel nicht mehr mich, sondern mich.

Zuerst war ich ein wenig baff ob meines Anblicks, doch als ich die Fassung wieder erlangt hatte, fragte ich mich mit leisem Vorwurf in der Stimme: „Wo hast du all die Jahre bloss gesteckt? Ich habe dich bestimmt seit sechzehn Jahren nicht mehr gesehen.“ „Und das verwundert dich?“, fragte ich ziemlich eingeschnappt zurück und fuhr dann, ohne eine Antwort von mir zu erwarten, fort: „Das war ja nicht mehr auszuhalten mit dir. Du hast das Versprechen gebrochen. Du bist nicht die, die ich sein wollte.“ „Versprechen? Welche Versprechen denn?“, wollte ich wissen. „Erinnerst du dich vielleicht noch an die Zeit, als es mein ganz grosser Stolz war, dass in meinem Schrank kein einziges schwarzes Kleidungsstück hing? Und an das Versprechen, dass es auch so bleiben würde. Auch dann, wenn ich Hausfrau und Mutter sein würde? Und was ist daraus geworden? Hä? Dein Schrank quillt über vor braunen Pullovern, schwarzen Hosen und dunkelblauen T-Shirts. Ja, du hast sogar einen schwarzen Mantel.“Der ist grau“, warf ich zu meiner Verteidigung ein. „Grau? Noch schlimmer! Du weisst genau, was ich von Grau halte“, entrüstete ich michIch errötete. Ja, ich hatte Recht, es war anders gewesen, damals, als ich noch jung und idealistisch war. Doch auch wenn ich die Wahrheit sagte, es war dennoch nicht fair von mir, dass ich mir solche Vorwürfe machte und deshalb verteidigte ich mich mit ziemlich weinerlicher Stimme: „Du weisst ja gar nicht, was ich durchgemacht habe in den letzten Jahren. Endloser Stress, keine Zeit für mich, finanzielle Engpässe, Depression, Hausfrauenfrust,Glaubenskrisen …“

„Halt!“, schrie ich und stopfte mir die Finger in die Ohren. „Ich mag dein Gejammer nicht mehr hören. Natürlich hattest du es nicht immer leicht in den vergangenen Jahren. Aber musst du dich denn deswegen gleich derartig gehen lassen, dass man dir die frustrierte Hausfrau schon aus zehn Kilometern Distanz ansieht? Und das, was man von aussen sieht, spiegelt nur das wider, was in dir steckt: Eine Frau, die sich selber verloren hat.“ Das sass. „Mag ja sein, dass du Recht hast“, gab ich etwas kleinlaut zu. „Aber es war wirklich nicht immer einfach, ich zu sein, während so Vieles anders lief, als ich es mir vorgestellt hatte. Und ich habe mir in den vergangenen Monaten wirklich Mühe gegeben, wieder mehr ich zu werden.“ „Darum bin ich ja zurückgekommen“, sagte ich. „Komm, wir gehen Shoppen!“. Ich zog mich zum Computer, loggte uns bei La Redoute ein und bestellte grüne Strumpfhosen, einen knallroten Mantel, violette Hosen, und orangefarbene Unterwäsche.

„So gefällst du mir schon besser“, sagte ich zu mir, als heute Morgen die Kleider geliefert wurden. „Wenn du es jetzt auch noch schaffst, das Innere mit den Äusseren abzustimmen, dann passen ich und du wieder zusammen. Dann bist du wieder ich und ich erkenne mich in dir wieder.“

Das Ganze war ein wenig verwirrend, aber ich glaube, die Begegnung mit mir hat mir gut getan.

Wehrt euch, Papas!

Da wage ich zu erwähnen, dass Papas sogleich Hilfe angeboten bekommen, kaum zeichnet sich ab, dass Mama mal ein paar Stunden ausser Hause ist. Und was bekomme ich zu hören von allen Frauen im Umkreis von 1000 Kilometern? Zig Geschichten von Schwägerinnen, Tanten, ledigen Arbeitskolleginnen und dergleichen, die über Jahre hinweg ungerührt dabei zugesehen haben, wie Mama am Anschlag läuft und die dann, wenn Papa den Laden mal alleine schmeissen sollte, jede erdenkliche Hilfe anbieten: Zoobesuche, Essen vorkochen, Kinder zum Übernachten einladen und  dergleichen. Ja, man munkelt gar von (Schwieger)müttern, die ihrem (Schwieger)sohn sofort zu Hilfe eilen,  damit er nicht alleine Windeln wechseln, Mittagessen kochen, Böden fegen und – Gott bewahre! – Erborchenes aufputzen muss, während sie bei der (Schwieger)tochter das alles ganz normal fanden und ihr höchstens ein paar doofe Ratschläge um die Ohren hauten, wenn sie mal wieder erin wenig jammern wollte. Sonderbarerweise habe ich noch nie von einem Mann gehört, der es für nötig gehalten hätte, einem vorübergehenden Single-Papa unter die Arme zu greifen…

Wäre ich ein Papa, ich wäre zutiefst beleidigt, dass man mich für unfähig hält, mein  eigenes Fleisch und Blut liebevoll zu umsorgen. Deshalb würde ich mutig hinstehen und sämtliche Hilfsangebote ablehnen, um zu beweisen, dass ich sehr wohl im Stande bin, den Job ebenso gut zu machen wie Mama. Und natürlich würde ich den Helferinnen sagen, sie seien herzlich willkommen, mitzuhelfen. Später dann. Wenn Mama wieder zurück ist…