Warum muss ich mich immer langweilen?

Dieser wundervolle Tag hat damit begonnen, das Luise pünktlich um sechs Uhr zu schreien begann, weil sie sich vor Räubern fürchtete. Worauf die pädagogisch versierte Mama nichts Besseres zu sagen wusste als: „Meine liebe Luise. Es ist sechs Uhr früh. Räuber kommen nur nachts. Du brauchst dir also keine Sorgen zu machen.“

Der wundervolle Tag ging weiter mit einer seeeeehr vollen Windel des Prinzchens. Um den zaghaften Anstieg der Geburtenrate nicht zu gefährden, verzichte ich an dieser Stelle auf weitere Details.

Als Nächstes folgte eine Auseinandersetzung mit dem FeuerwehrRitterRömerPiraten, der sich zwar unbändig auf den Kindergarten freute, diese Freude aber ausdrückte, indem er sich weigerte, die Schuhe anzuziehen und sich in der Vorratskammer versteckte.

Nächster Höhepunkt war der Start meines sechsten Jahres im Muki-Turnen, diesmal mit dem Zoowärter. Muki-Turnen finde ich eine tolle Sache, nur nicht unbedingt mit mir. In einer Turnhalle fühle ich mich ähnlich fehl am Platz wie Roger Köppel sich bei einer Hausbesetzung fühlen dürfte. Und Turnkleider passen zu mir etwa so gut, wie eine Burka zu Madonna. Wobei man bei Madonna nie wissen kann, welchem Spleen sie als nächstes verfällt.

Um die Spannung über Mittag aufrecht zu halten, kam der FeuerwehrRitterRömerPirat zu spät nach Hause, so dass ich Luise und ihre Freundin auf die Suche nach ihm schickte. Inzwischen tauchte der Gesuchte auf, die Mädchen blieben verschwunden, die Spaghetti dampften auf dem Tisch. Wunderbar. Da ich ahnte, dass der Tag noch schöner werden würde, stellte ich schon mal das Pepsi kalt. Damit ich abends meine Frust im Koffein ertränken könnte, sollte es denn nötig sein.

Ein weiteres Highlight waren die anderthalb Stunden, in denen ich acht Kinder alleine betreute, während „Meiner“ im Malkeller war. Zickenkrieg zwischen Luise und ihren Freundinnen, ein überdrehter Karlsson, ein Zoowärter, der Kalrssons Puzzleteilchen zerkaute, ein Prinzchen, das bei all dem Radau den Schlaf nicht fand, ein FeurwehrRitterRömerPirat, der sich sein Gesicht voll mit schwarzer Farbe geschmiert hatte. Und so ganz nebenbei haben wir mit Karlssons Freund ein 200-teiliges Puzzle fertiggestellt.

Um das Ganze abzurunden, durften wir vor der Schlafenszeit noch mit jedem Kind ausdiskutieren, weshalb sie jetzt unbedingt schlafen müssen, auch wenn das Bett auf der falschen Seite des Zimmers steht (FeuerwehrRitterRömerPirat), der kleine Bruder alle Stofftiere geklaut hat (Karlsson), die Grossmama unbedingt noch die wichtigsten News des Tages erfahren muss (Luise) und die Mama eine dumme Kuh ist (Zoowärter).

Um diesem wunderbaren Tag das Sahnehäubchen aufzusetzen, stellte ich abends um zwanzig nach acht fest, dass die Waschmaschine defekt ist.

Zum Glück hatte ich das Pepsi rechtzeitig kalt gestellt!

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Dicke Post

Dicke Couverts mit dem Absender der Krankenkasse verheissen nie etwas Gutes. Sie verkünden einem nämlich gegen Ende Jahr, wie viel man im kommenden Jahr bei der Krankenkasse abzuliefern hat. Nächstes Jahr wird es sehr viel sein, das weiss man ja bereits seit dem Frühjahr. Und deshalb blieb das dicke Couvert bei uns vorerst mal liegen. Weder „Meiner“ noch ich hatten das Bedürfnis zu wissen, wie viel man uns ab Januar aus der Tasche zieht. Doch weil man nicht ewig die Augen verschliessen kann vor der Realität, habe ich heute früh doch mal einen Blick auf die neue „Familiengruppierung“, wie das unsere Krankenkasse so schön nennt, geworfen.

Nun, umgehauen hat mich die Summe in der unteren rechten Ecke der „Familiengruppierung“ nicht. Es könnte schlimmer sein. Und dennoch: Die Erhöhung der Kinderzulagen, die am Anfang dieses Jahres endlich in Kraft getreten ist, wird nächstes Jahr von der Krankenkassenprämie wieder weggefressen. Soviel zu der Behauptung gewisser Leute, die Erhöhung der Kinderzulage sei „Abzockerei par excellence“ gewesen. Und wer jetzt findet, hohe Krankenkassenprämien seien für Unsereins kein Problem, da wir ja Prämienvergünstigung bekämen, darf nicht vergessen, dass die Vergünstigung frühestens im Juni ausbezahlt wird und dass wir, zusammen mit allen anderen Familien, bis dahin werden schauen müssen, wie wir durchkommen.

Ich mache mir keine Sorgen, dass wir die Krankenkassenprämien nächstes Jahr nicht werden bezahlen können. Irgendwie schafft man es immer, dass das Geld reicht. Manchmal staune ich ja selbst darüber, woher plötzlich im richtigen Moment wieder das Geld kommt, das wir gerade benötigen. Aber auch wenn das Geld immer reicht, so reicht es mir dennoch langsam, dass in diesem Land bestraft wird, wer es wagt, Kinder auf die Welt zu stellen.

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Montagmorgen

Kaum waren heute Morgen Karlsson, Luise und der FeuwerwherRitterRömerPirat aus dem Haus, schnappte ich mir den Zoowärter und das Prinzchen und machte mich aus dem Staub, was durchaus wörtlich zu verstehen ist. Nichts wie weg aus diesem Chaos! Nach der vergangenen Woche, in der ich rund um die Uhr damit beschäftigt gewesen war, die Unordnung einzudämmen und die Kinder davon abzuhalten, sich die Köpfe einzuschlagen, musste ich einfach wieder mal weg. Und weil ich inzwischen ziemlich sicher bin, dass des Prinzchens schlaflose Nacht durch Kälte hervorgerufen wurde, das arme Kind aber über keinen ganzen Schlafsack mehr verfügt, war ein Spontanausflug zu H & M das Einzige, was den Montagmorgen noch retten konnte. Dazu muss man noch wissen, dass montags sonst immer die Putzfrau kommt. Doch diese Woche macht sie Ferien. Weswegen ich heute Putzdienst hatte, was doch eindeutig zu viel ist für  einer Vollzeithausfrau, nicht wahr?

Also ab zu H & M. Dort herrscht am Montagmorgen bestimmt himmlische Ruhe. Dachte ich. Doch nichts da: Die Kinderabteilung war voller Eltern  mit quengelnden Babys und Kleinkindern. Meine Putzfrau ist wohl nicht die Einzige, die derzeit Ferien macht. Andere Eltern mussten wohl auch vor dem Chaos flüchten. Dennoch wurde es ein ganz vergnüglicher Einkauf. Weil ich ausnahmsweise nur zwei Kinder zu beaufsichtigen hatte, die ausserdem völlig friedlich im Wagen sassen, hatte ich mal wieder Zeit, Eltern zu belauschen. Folgende Szene hat mich besonders amüsiert:

Mama sucht eine Winterjacke für das anderthalbjährige Töchterlein, das sich nicht im Geringsten für das Thema interessiert. Papa scheint auch nicht gerade mit Feuereifer bei der Sache zu sein.

Mama, zuckersüss: „Willst du die hier?“

Töchterlein schüttelt trotzig den Kopf, Papa steht gelangweilt daneben.

Mama, etwas weniger süss: „Und die hier?“

Töchterlein schüttelt wieder trotzig den Kopf, Papa steht noch immer gelangweilt daneben.

Mama, etwas ungeduldig: „Und die hier? Die ist doch schön.“

Töchterlein schüttelt noch immer trotzig den Kopf, Papa schaut sich jetzt auch Jacken an, unterhält sich mit Mama.

Mama und Papa, leicht genervt: „Aber die hier ist wirklich schön. Willst du die?“

Töchterlein schüttelt weiterhin trotzig den Kopf.

An diesem Punkt musste ich das Geschäft fluchtartig verlassen, sonst hätte ich gebrüllt: „Um Himmels willen, kauft dem Kind die Jacke, die euch gefällt! Jetzt ist ihr nämlich noch völlig egal, was sie trägt. Doch bald schon wird sie bestimmen, was sie anzieht. Also kauft, solange ihr euer sauer verdientes Geld noch nicht für ‚Hello Kitty‘, ‚Disney Princesses‘ und ‚Hannah Montana‘ ausgeben müsst!“

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Hier steh‘ ich nun…

… und darf nicht anders. Darf mich nicht setzen und schon gar nicht hinlegen. Denn wenn ich das tue, geht das Gebrüll wieder los. Dann schreit er wieder, windet sich auf meinem Arm, schlägt um sich und weckt am Ende noch die ganze Familie. Und dann bekäme meine afrikanische Zimmernachbarin  doch noch Recht. Die herzensgute Frau, an die ich mich immer gern erinnere, weil sie die erste wirklich interessante Gesprächspartnerin war, mit der ich nach meinen Geburten im Spital das Zimmer teilte,  hatte mir nämlich vor bald einem Jahr prophezeit, das Prinzchen werde ein „Petit Prince“, der die ganze Familie ermüden würde.

Dass „Meiner“ und ich des Prinzchens wegen seit drei Wochen auf dem Zahnfleisch gehen stimmt, aber der Rest der Familie hat davon zum Glück noch nichts mitbekommen. Die schlafen auch so zu wenig, weil sie zu später Stunde noch spielen müssen, oder streiten, oder die Mama etwas gaaaaanz Wichtiges fragen.

Ich übertreibe nicht, wenn ich behaupte, die vergangene Nacht sei, abgesehen von den Nächten, in denen ich geboren habe, die anstrengendste Nacht meiner Karriere als Mutter gewesen. Das Prinzchen mochte noch so verzweifelt nach Schlaf suchen, er blieb ohne Erfolg. Er schrie und wimmerte und jammerte dass es uns fast das Herz brach. Und um den Verstand brachte. Denn wir konnten einfach keinen Grund für sein Verhalten finden. Wir hatten alles abgecheckt, wie dies frischgebackene Eltern eben tun. Doch einen Grund fanden wir nicht.

Und so stand ich da, mit dem übermüdeten Prinzchen auf dem Arm, vor lauter Müdigkeit nicht einmal mehr im Stande, mich aufzuregen. Was ein Segen war. Denn früher hätte ich bei solcher Gelegenheit Schoppenflaschen an die Wand geschmissen oder Türen geknallt. Jetzt aber empfand ich nur noch Mitleid mit dem kleinen Menschlein auf meinem Arm. Und mit mir selber, die ich nicht einmal sitzen durfte, weil sonst das Prinzchen wieder entrüstet aufschreien würde. Und mit „Meinem“, der irgendwann angefangen hatte, Prüfungen seiner Schüler zu korrigieren, weil er bei dem Gebrüll nicht schlafen konnte und das Prinzchen seine Hilfe noch heftiger ablehnte als meine.

Irgendwann, gegen sechs Uhr, schlief das Menschlein endlich ein auf meinem Arm. Da lag er, unschuldig wie ein kleiner Barockengel. Als wäre nie etwas gewesen. Endlich durfte ich mich hinsetzen, was er zwar auch im Tiefschlaf mit einem heftigen Zappeln quittierte. Doch das war mir jetzt egal. Irgendwann war er dann so weggetreten, dass ich ihn in sein Bettchen legen konnte. Aber da war auch schon der Tag angebrochen, vier weitere übermüdete Kinder warteten auf uns.

Schönen Sonntag allerseits!

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Welcher Haushalt denn?

In letzter Zeit werde ich öfters gefragt, wie ich es überhaupt schaffen würde, so viel zu bloggen. Ich hätte daneben ja noch eine ziemlich grosse Familie zu versorgen. Nun, die Frage müsste eigentlich nicht lauten, wie ich es schaffe, soviel zu schreiben. Sie müsste lauten: „Wie sieht denn dien Haushalt aus?“ Worauf ich zurückfragen würde: „Welcher Haushalt denn? Ach so, du meinst jenes endlose Chaos aus herumliegenden Spielsachen, gefalteter Wäsche, die darauf wartet, endlich im Schrank zu verschwinden, Schuhen, die im Treppenhaus auf Partnersuche sind und Grünabfällen, die auf dem Balkon vor sich hin gammeln.“ Wenn mich der Fragende dann fragend ansehen würde, würde ich sagen: „Tja weisst du, als Hausfrau muss man eben Prioritäten setzen. Lieber ein chaotischer Haushalt mit einer halbwegs zufriedenen Hausfrau als ein perfekt aufgeräumter Haushalt mit einer Kratzbürste.“

Wobei: Eine Kratzbürste bin ich auch dann, wenn ich halbwegs zufrieden bin…

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Vollzeithausfrauenfrusttag

Heute war mal wieder Vollziethausfrauenfrusttag. Einer jener Tage, an denen du es so satt hast, fünfmal das gleiche Geschirr in die Finger zu nehmen, mal schmutzig, mal sauber. Einer jener Tage, an denen du mit dem Besen mehr Körperkontakt hast als mit deinem Mann, weil du unzählige Male die gleichen Böden sauber machen musst. Einer jener Tage, an denen du die Kinder anbrüllst, sie sollten endlich aufhören zu brüllen, weil du sonst dein eigenes Gebrüll nicht mehr verstehen kannst. Kurz: Ein wunderbarer Tag. Ein Tag, um dir Gedanken zu machen, was du an deinem Leben ändern könntest, damit es besser wird.

Du könntest zum Beispiel damit anfangen, die Duplosteine der Kinder in der Waschmaschine zu waschen. Muss anscheinend ziemlich befriedigend sein. Ich jedenfalls werde nie das Strahlen in den Augen der jungen Mutter vergessen, die mir vor Jahren einmal erzählt hat, sie wasche die Duplosteine ihres Sohnes regelmässig. Mache zwar ein wenig Lärm, aber die Steine seien danach wirklich wieder sauber.

Oder du könntest ab morgen sämtliche Unterwäsche deiner Kinder bügeln. Wenn du noch weisst, wo das Bügeleisen ist und wie es zu bedienen ist. Und wenn du schon am Bügeln bist, könntest du gleich noch durchsetzen, dass die ganze Familie auf die Grippesaison hin nur noch Stofftaschentücher benützt. Damit du noch etwas mehr zum Bügeln hast, falls dir die Unterwäsche ausgehen sollte.

Oder du könntest damit anfangen, Adventsdekorationen zu basteln. Und wenn du schon am Basteln bist, gleich noch für Ostern vorbereiten und  für den nächsten Kindergeburtstag.

Wie, meine Vorschläge sind doof? Aber natürlich sind sie das. Doch wenn ich mir die Frauen ansehe, die in ihrer Rolle als Vollzeithausfrau völlig aufgehen, sehe ich, dass sie all dies und noch viel mehr tun. Und sie sind glücklich dabei. Vielleicht wäre ich das ja auch, wenn ich mich nur endlich dazu durchringen könnte, eine richtige Hausfrau zu werden. Vielleicht aber auch nicht…

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Beunruhigende Nachrichten

Nach einer laaaangen Abwesenheit von einer Woche weiss man ja gar nicht mehr, was so alles läuft in der Schweiz. So hatten wir zum Beispiel von der Diskussion um die Minarett-Plakate überhaupt nichts mitbekommen. Um unsere Wissenslücken wieder aufzufüllen, schauten „Meiner“ und ich deswegen zu später Stunde die Spätausgabe der Tagesschau. Die Stunde war so spät, dass „Meiner“ nach fünf Minuten laut vor sich hin schnarchte. Ich aber habe durchgehalten bis zum bitteren Ende.

Was auch gut war, denn sonst hätte ich die wirklich beunruhigenden Nachrichten verpasst: Drei Spieler der Fussball-Nationalmannschaft sind an einer Magen-Darm-Grippe erkrankt. Das sind wirklich schlechte Nachrichten! Mit besorgter Miene spricht Trainer Othmar Hitzfeld – so heisst er doch, oder? – über den Zustand seiner Spieler. Und was man zu hören bekommt, ist wirklich hart: Einer der drei hat doch tatsächlich das Spiel gegen Luxemburg bestreiten müssen, als ihm bereits schlecht war. Und den drei Männern ging es wirklich gaaaanz gaaaaanz schlecht. Doch es gibt auch einen Hoffnungsschimmer: Einer ist bereits auf dem Weg der Besserung und die anderen werden bis zum nächsten Spiel auch wieder fit sein. Ach, was sind wir doch erleichtert! Wo doch die medizinische Versorgung von Fussballspielern äusserst dürftig ist.

Was aber im ganzen Beitrag keiner erwähnt hat, ist der wirklich beunruhigende Aspekt: Was, wenn die drei Fussballer Noroviren in die Schweiz geschmuggelt haben? Dann sind wieder wir Eltern die Leidtragenden, müssen unseren Alltag mit dem Aufputzen von Erbrochenem und  mit Teekochen bestreiten. Und das alles, währenddem uns speiübel ist. Viel schlimmer, als so ein kleines Länderspiel. Ist nämlich nach neunzig Minuten noch lange nicht vorbei. Und hat den fiesen Nebeneffekt, dass man die Krankheit beliebig oft wiederholen kann. Und auf der Ersatzbank sitzt keiner,  der für uns einspringen kann, wenn wir erbrechen müssen. Das, meine Damen und Herren der Tagesschau, das sind die schlechten Nachrichten.

Deshalb meine Forderung: Sperrt um Himmels Willen diese Fussballspieler ein, solange sie das Virus noch verbreiten können! Und erfindet endlich virtuelle Fussballspiele, damit die elende Reiserei, bloss um einem Ball nachzurennen, endlich aufhört! Wir wollen doch nicht schon wieder kotzen, bloss weil die Schweizer sich um alles in der Welt bei dieser WM blamieren wollen. Am Ende bringen die von Südafrika doch keinen Pokal nach Hause, dafür aber wieder viele kleine Noroviren und dann geht alles wieder von Vorne los. Bei uns zu Hause natürlich.

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Eingeschlossen

Wenn das so weitergeht, gehe ich gar nicht mehr aus dem Haus. Nachdem das Prinzchen und ich gestern vor verschlossener Haustüre warten mussten, bis der Rest unserer geliebten Familie nach Hause kam, war ich heute mit Karlsson, dem FeuerwehrRitterRömerPiraten und dem Zoowärter im Parkhaus eingeschlossen. Dabei hatte ich alles richtig gemacht. Das Ticket entwertet, die Parkgebühr bezahlt, das Ticket an der richtigen Stelle wieder eingeführt. Und dann blieb diese Barriere einfach unten. Ausgerechnet an einem Sonntagmorgen, wenn kein Mensch weit und breit zu sehen ist, der einem helfen könnte. Und natürlich funktioniert die Ticketausgabe bei der Einfahrt auch nicht mehr, so dass ich keinen Ausweg aus dem Parkhaus mehr sehe.

Das heisst, einen Ausweg gibt es noch: Den Notfallknopf. Aber auch diesen drücke ich mehrmals vergeblich, bis plötzlich eine Männerstimme aus dem Automaten dröhnt: „Bitte bewahren Sie Ruhe. Ihr Anruf wird weitergeleitet.“ Warum mahnt der mich, die Ruhe zu bewahren? Ich habe doch noch gar kein Handy auf den Boden geschmissen. Und in die Autotüre getreten habe ich auch nicht. Nicht einmal die Kinder habe ich angeschnauzt. Ich bin also sozusagen die Ruhe in Person heute.

Nachdem der Automat mich etwas zwanzig Mal ermahnt hat, nimmt endlich eine Frau meinen Anruf entgegen. „Dieses versch…. Parkaus“, entfährt es ihr, als ich ihr mein Problem schildere, Sekunden später geht die Barriere auf. Und zwar auf der Einfahrtsseite. Bis ich es geschafft habe, mein Auto im Rückwärtsgang aus der Ausfahrt zu manövrieren und zur Einfahrt zu fahren, ist die Barriere wieder unten. Das Ganze also nochmals von Vorne: „Bitte bewahren Sie Ruhe. Bla bla bla…“, Frau nimmt den Anruf entgegen, Barriere öffnet sich, meine Söhne und ich sind wieder frei, zu gehen wohin wir wollen. Bis zur nächsten Panne, die für die nötige Würze in unserem ach so beschaulichen Leben sorgt…

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Ausgeschlossen

Ich liebe Ferien, aber wenn die Koffer mal für die Heimreise gepackt sind, will ich nur noch Eines: Nach Hause und zwar so schnell wie möglich. Die Bahnfahrt,  – diesmal alleine mit dem schlafenden Prinzchen, weil sich die anderen noch Schloss Chillon ansehen wollten, – war zwar äusserst gemütlich, der Zug beinahe leer. Das Beste, was einer vielbeschäftigten Mama passieren kann, bevor sie sich wieder in den Alltag stürzen muss.

Wenn Mama etwas genossen hat, landet sie meistens besonders hart auf dem Boden der Realität. In diesem Fall war es eine verschlossene Haustür. Mein Schlüssel war in der Wohnung eingeschlossen, der Ersatzschlüssel zusammen mit „Meinem“ noch weit weit weg von zu Hause. So sassen wir also vor der verschlossenen Haustüre, das Prinzchen und ich, und warteten. Ich innerlich kochend vor Wut, das Prinzchen glücklich wie kleine Prinzen eben sind. Warum ich nicht bei den Nachbarn Unterschlupf gesucht habe? Nun, erstens sind die Nachbarn, die mich auch ertragen können, wenn ich koche vor Wut, in die Ferien verreist. Und zweitens war des Prinzchens Windel während der Busfahrt verrutscht, was zur Folge hatte, dass wir beide aussahen und rochen wie eine Bahnhoftoilette. Und überhaupt: Wenn ich mies drauf bin, dann bin ich mies drauf und dann will ich gar nicht, dass mich einer aus meiner Schmollecke rettet.

Die nächsten siebzig Minuten verbrachten das Prinzchen und ich auf sehr unterschiedliche Art und Weise. Ich, indem ich vor mich hin grummelte, gegen den Randstein trat und das Handy auf den Boden schmiss, er indem er Steinchen in den Mund nahm, sich Himbeeren ins Gesicht schmierte und strahlte, als gebe es nichts Schöneres auf der Welt, als an einem feucht-kalten Oktobernachmittag mit voller Blase vor der verschlossenen Haustüre zu sitzen.

Wobei des Prinzchens Blase natürlich längst nicht mehr voll war. Er hatte ja eine Windel an, wenn auch eine Verrutschte. Und hätte ich gewusst, dass drinnen als verspätetes Geburtstagsgeschenk eine Schachtel voller Luxemburgerli auf mich wartet, ich hätte wohl die Türe eingetreten…

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The Baby-Whisperer oder ein Loblied auf „Meinen“

Wie macht er das bloss? Da plage ich mich Stunde für Stunde mit einem schlaflosen Prinzchen ab, suche Nuggis, Schmusetücher  und Schoppenflaschen, flüstere beruhigende Worte, streichle ihm übers Haar und das Prinzchen heult weiter. Wer mich kennt, weiss, dass ich in Sachen schlaflose Babys vollkommen unerfahren bin und dies trotz fünf Kindern. Da bin ich also, völlig entnervt, mitten in der Nacht und weiss nicht mehr ein noch aus. Die volle Windel ist entsorgt, das Prinzchen wieder trocken angezogen, pappsatt und bestens umsorgt. Und dennoch heult der Kleine weiter.

Bis „Meiner“ die Szene betritt. Er, der wegen seines heutigen Geburttags eigentlich gar nicht aufstehen dürfte, bringt dem Baby eine Gummiente, murmelt ein paar nette Worte und das Prinzchen ist still. Solange, bis er merkt, dass Papa wieder weg ist. Dann geht das Geheul wieder los. Bis „Meiner“ wieder da ist. So geht das immer weiter, bis der Morgen graut und „Meiner“ das Prinzchen zu einem Frühspaziergang mitnimmt.

Ja, er ist ein wahrer Superman, „Meiner“. Und dieses Prachtsexemplar von einem Mann feiert heute seinen 35. Geburtstag. Endlich – sonst müsste ich mir noch lange die doofen Sprüche über mein forttgeschrittenes Alter anhören. Weil „Meiner“ also heute Geburtstag hat, hier mein Loblied: Ohne ihn hätte ich nicht so viele Kinder. Nicht bloss, weil kein anderer dazu bereit gewesen wäre, so viele mit mir zu zeugen, sondern, weil kein anderer ein so guter Vater wäre. Und vor allem,  weil kein anderer es schaffen würde, mir immer wieder auszuhelfen, wenn ich mal wieder mit den Nerven am Ende bin, mir immer wieder zu bestätigen, dass noch mehr in mir steckt als eine Mama, die nicht alles im Griff hat.

Aber natürlich hat auch Superman seine Schattenseite: Hätte „Meiner“ gestern Abend den richtigen Sauger auf des Prinzchens Flasche geschraubt, wäre das Baby heute nacht auch nicht so nass geworden und wir hätten uns das ganze Drama sparen können. Aber wir wollen nicht kleinlich sein, sondern zu Ehren des Tages alle Fehlerchen übersehen und „Meinen“ so richtig feiern. Er hat es verdient.

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