Life around the clock

Später Abend, „Meiner“ und ich wären allmählich für Feierabend zu haben, aber in Zoowärters Zimmer tobt noch immer das Leben. Weil Schulferien sind, sehen die drei jüngeren Kinder nicht ein, weshalb sie schlafen sollten. Nach einem kleineren Donnerwetter kehrt dann doch Ruhe ein.

Gegen Mitternacht gehen „Meiner“ und ich ins Bett. Die Ruhe im Haus ist nicht von Dauer, denn bald macht sich Luise auf die Suche nach einem gemütlicheren Schlafplatz. Aus unerfindlichen Gründen sagt ihr das eigene Bett heute nicht zu und sie kann den Tag erst abschliessen, als sie es sich auf dem Sofa bequem gemacht hat. 

Einige Stunden Schlaf. Um fünf Uhr früh wird „Meiner“ wach, weil aus dem Badezimmer Kinderlachen zu vernehmen ist. Prinzchen und Zoowärter nehmen ein Bad. „Der Zoowärter hat geglaubt, es sei Morgen“, erklärt das Prinzchen. 

Noch einmal zwei Stunden Schlaf, dann geht der Wecker. Eigentlich hätten „Meiner“ und ich die Stille des Morgens zum Arbeiten brauchen wollen, aber nach der kurzen Nacht fällt das Aufstehen schwer. Der Wecker lärmt weiter, wird aber ignoriert. 

Nachdem der Wecker endlich schweigt, herrscht einige Minuten lang Stille, dann rumort es oben in Karlssons Zimmer. Heute haben wir Glück. Er bearbeitet zuerst das Cembalo in seinem Zimmer und lässt das Klavier im Wohnzimmer vorerst in Ruhe. Das bedeutet, dass sich die Tagwache noch ein paar Momente hinauszögern lässt. 

Eine halbe Stunde später hat Karlsson genug vom Cembalo, er muss jetzt einfach ans Klavier. Damit ist definitiv Tagwache. „Meiner“ und ich kommen aus dem Bett gekrochen. 

Wenig später kommen die zwei, die seit ihrem frühmorgendlichen Bad kein Auge mehr zugetan haben, runter ins Wohnzimmer. Luise schreckt sofort vom Sofa hoch, als die kleinen Brüder zu spielen anfangen. (Karlssons Klavierspiel hat sie erstaunlicherweise nicht zu wecken vermocht.) Also bekommen der Zoowärter und das Prinzchen ihren vollen morgendlichen Zorn zu spüren. Was fällt den beiden eigentlich ein, sie vor dem Mittagessen zu wecken? 

Nun lässt sich der Tag definitiv nicht mehr aufhalten und so tun wir eben, was Vendittis so tun, wenn Schulferien sind.

Na ja, immerhin kommt der Feierabend heute etwas früher. Luise, der Zoowärter und das Prinzchen haben noch verpassten Schlaf nachzuholen.

Karlsson klimpert derweilen noch ein wenig auf dem Cembalo…

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Ich mach‘ mir die Welt, wie sie mir viel besser gefällt…

 

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Man nehme das aktuelle Weltgeschehen,…

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forme daraus ein Töpfchen,….

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säe etwas Gutes an….

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und freue sich am Kleinen.

Nicht mehr reine Elternsache

Anfangs konnten sie noch nicht viel mehr als schreien, die Windeln füllen, trinken und schlafen. Dann wurden sie grösser, fingen an, an unserer Hand ihre Welt zu erforschen und zu imitieren, was wir ihnen vormachten. Sie lebten mit uns unser Leben, liessen sich ihren Alltag durch uns gestalten, fanden normal, was wir normal finden und lehnten ab, was wir ablehnten. Als sie noch grösser wurden, lernten sie, die Dinge zu reflektieren, ihren eigenen Alltag zu gestalten und manchmal auch in Frage zu stellen, was wir ihnen mitgegeben haben. Sie begannen, ihre eigenen Interessen zu verfolgen, vertieften ihr Wissen und fingen an, ihre Fähigkeiten einzusetzen. Inzwischen kommt es immer öfter vor, dass sie sagen: „Warum machen wir es eigentlich immer so? Wir könnten doch auch mal…“ Zuweilen fühlt es sich an, als nähmen sie uns bei der Hand, um uns zu zeigen, wie unser Zusammensein auch noch sein könnte. 

Ich liebe es, wenn Familienleben nicht mehr reine Elternsache ist. 

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Romantisch

Bin heute zufällig der Romantik begegnet und da habe ich natürlich sofort die Gelegenheit beim Schopf gepackt und ein Interview durchgeführt. Mehr dazu auf swissmom.ch.

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Vernünftig

Am späten Nachmittag schaut meine älteste Schwester kurz bei uns vorbei, um mir etwas zu erzählen und mich zu fragen, was ich von der Sache halte. Der FeuerwerhRitterRömerPirat sitzt im Wohnzimmer und lauscht unserer Unterhaltung. Als meine Schwester wieder weg ist, hat er eine wichtige Frage:

„Mama, könnte es sein, dass Menschen vernünftiger werden, wenn sie erwachsen sind?“

„Nun ja, das ist nicht immer der Fall, aber bei manchen Menschen ist das schon so. Warum meinst du?“

„Ich habe gehört, dass deine grosse Schwester dich nach deiner Meinung gefragt hat.“ 

„Das stimmt, aber was hat das jetzt mit deiner Frage zu tun?“

„Deine Schwester ist doch viel älter als du…“

„Ja, das ist sie, aber ich verstehe immer noch nicht ganz, worauf du hinaus willst…“

„Tja, weisst du, Karlsson und Luise würden mich nie nach meiner Meinung fragen, also nehme ich an, dass nur Erwachsene vernünftig genug sind, auch mal ihre jüngeren Geschwister um Rat zu fragen.“

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Was tun?

Vor wenigen Monaten noch hätte sich wohl keiner von uns vorstellen können, wie schnell scheinbar Selbstverständliches ins Wanken geraten kann. Immer öfter reiben wir uns am Morgen erstaunt die Augen, weil die Welt schon wieder eine andere ist, als sie am Abend zuvor noch war. Noch bevor wir die Ereignisse halbwegs verdaut und eingeordnet haben, kommt schon die nächste Sache, die uns verwirrt, verunsichert, verängstigt… Und weil wir  nicht zu denen gehören wollen, die später, wenn unsere Gegenwart Geschichte ist, von ihren Kindern vorwurfsvoll gefragt werden, warum sie tatenlos zugeschaut haben, quält uns die Frage, was wir denn überhaupt tun können.

Ich weiss es offen gestanden noch nicht. Zu sehr plagt mich im Moment das Gefühl, wir seien nichts weiter als Statisten in dem weltumspannenden Drama, zu dem sich der Vorhang eben erst gehoben hat. Ich weiss nur, dass mich das Ganze dazu anstachelt, noch mehr darauf zu achten, das kritische Denken nicht zu verlernen, noch mehr danach zu streben, den einzelnen Menschen mit seiner Geschichte zu sehen und nicht das Etikett, das an ihm haftet, noch mehr nach Gelegenheiten zu suchen, im Kleinen Gutes zu bewirken, weil ich gar nicht die Wege und Mittel dazu habe, im Grossen etwas zu bewegen, noch mehr darauf zu achten, den Kindern beizubringen, wie wichtig Nächstenliebe ist, auch wenn uns gerade ganz viele weis machen wollen, am sichersten sei es, alle zu fürchten und keinem zu trauen.

Mich dünkt, mehr könne ich im Moment nicht tun.

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Das geht ja noch dümmer…

Bis heute früh war ich der Meinung, ich hätte in den vergangenen 16 Jahren so ziemlich jeden Mist mitgehört und mitgesehen, der für Kinder produziert wird. Klaglos habe ich „Pingu“ über mich ergehen lassen, das dümmliche „Murmeli“ mit seinem beschränkten Grossvater habe ich immer und immer wieder laufen lassen, sogar „Papa Moll“ habe ich zähneknirschend geduldet. Ich habe „Hanni und Nanni“ vorgelesen, obschon jede einzelne Seite eine Qual war, habe „Käpt’n Sharky“ eine Chance gegeben und sogar „Globi“ durfte durchs Kinderzimmer dröhnen. Es ist mir gar gelungen, meinen unbändigen Drang zu unterdrücken, die CD mit Emil Steinbergers fürchterlichem „Michel aus Lönneberga“-Verschnitt zu zerkratzen. Im Kindertheater habe ich abgestandene Scherze über mich ergehen lassen, im Kino bin ich meinen Kindern zuliebe sogar bei „Prinzessin Lilifee“ wach geblieben und weiss darum sehr genau, dass ich nichts verpasst hätte, wenn ich meiner Müdigkeit nachgegeben und tief und fest geschlafen hätte. „Ich kenne alles, mich überrascht nichts mehr“, hätte ich gestern Abend noch aus tiefster Überzeugung verkündet.

Tja, und dann sah ich mich heute Morgen dazu gezwungen, eine ganze Episode „Die Abenteuer von Super Mario Bros.“über mich ergehen zu lassen. 

Dümmer geht scheinbar tatsächlich immer…

Irgend etwas muss doch keimen

Wenn dich ein Käfer nach dem anderen überfällt und du keine andere Wahl mehr hast, als dich immer und immer wieder im Bett zu verkriechen, die Tage mit schlafen, Netflix und schlechten Nachrichten aus aller Welt hinter dich zu bringen, anstatt dich um deine Familie zu kümmern und deiner Arbeit nachzugehen, dann kannst du irgendwann nur noch eines tun: Eine ganze Menge Saatgut bestellen.

Irgendwann muss dieser elende Seuchenwinter ja ein Ende haben. Und gegen Weltuntergangsstimmung – das soll schon der alte Luther gewusst haben – hilft ohnehin nur das Pflanzen und da in unserem Garten kein Platz mehr für weitere Apfelbäume ist, müssen es eben Auberginen, Tomaten und Blumenkohl sein, die die Hoffnung auf bessere Zeiten wieder keimen lassen. 

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Worauf es im Leben ankommt

Er war Inhalt von so manchem „Frau Venditti, wir müssen reden“-Gespräch…

Die eine oder andere Lehrerin fühlte sich durch ihn veranlasst, an den Erziehungsfähigkeiten von „Meinem“ und mir zu zweifeln.

Die praktischen Anforderungen des Schulalltags zwangen ihn beinahe in die Knie. 

Tönten wir bei Elterngesprächen an, er habe wohl deutlich mehr auf dem Kasten, als seine Schulnoten vermuten liessen, wurden wir mitleidig belächelt.

Ich wünschte, seine ehemaligen Lehrerinnen hätten ihn heute sehen können, wie er ergründete, was wahre Nächstenliebe bedeutet, wie wenig der Mensch eigentlich bräuchte, um wahrhaft glücklich zu sein, warum die Welt nicht besser wird, wenn wir alle immer mehr besitzen wollen und weshalb es in seinen Augen ökologisch fragwürdig ist, ein anderes Transportmittel als die eigenen Füsse zu benützen. 

Die Pädagoginnen, die in ihm stets nur den störrischen, schweigsamen Jungen mit der schlechten Handschrift und dem nicht ganz sauberen Pullover gesehen haben, hätten ihn wohl kaum wieder erkannt, wie er mir lückenlos und ausgesprochen wortgewandt seine Überzeugungen darlegte. Aber vielleicht hätten sie ihm auch gar nicht zugehört, denn vermutlich war sein Pullover auch heute nicht ganz sauber und natürlich war er mehr oder weniger ungekämmt. Und das ist es ja, worauf es im Leben ankommt und nicht etwa die Frage, die ihn so antreibt, nämlich, wie man verhindern könnte, dass die Welt gänzlich vor die Hunde geht.

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Computergenies

Die zwei jungen Katzen, die im November bei uns eingezogen sind, haben sich als wahre Computergenies entpuppt. Innert kürzester Zeit haben sie gelernt

… die Musik zum Laufen zu bringen,

… die Voice Over-Funktion zu aktivieren, 

… das Gerät auf stumm zu schalten (was den Vorteil hat, dass man das Voice Over-Gequatsche nicht mehr hört), 

… Ordner neu zu benennen („Diverse Artikel“ heisst seit heute Nachmittag „$$$$$$$$$sfdgg“, den Ordner mit den Fotos haben sie kurz und knapp in „s’4“ umbenannt.)

… kryptische Nachrichten in angefangenen Dokumenten zu hinterlassen,

… die Bildschirmhelligkeit anzupassen, 

… die Backspace-Taste aus ihrer Verankerung zu lösen

 und mein Zeiterfassungssystem zu aktivieren.

Und weil sie wirklich nette Katzen sind, haben sie auch mir ein paar Dinge beigebracht. Sie haben

… mich darauf aufmerksam gemacht, dass mein Computer eine Voice Over-Funktion besitzt,

…. mich dazu gezwungen, herauszufinden, wie man die Voice Over-Funktion wieder deaktiviert

und mir die ausgesprochen  herausfordernde Aufgabe übertragen, die Backspace-Taste wieder fest zu verankern. 

Vorausgesetzt, sie behalten ihr rasantes Lerntempo bei, kann ich mich schätzungsweise im Juli zur Ruhe setzen. Bis dahin werden sie ja wohl herausgefunden haben, wie man einen halbwegs anständigen Text in die Tasten haut.

Wer braucht denn schon Roboter, wenn er Katzen hat?

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