Nervensäge

„In deinem Alter ist man eigentlich nicht so richtig sich selber. Du kannst mir glauben, ich rede da aus Erfahrung.“

„Mach bloss keine Witze über mein Alter. Zweimal blinzeln und du bist auch schon vierzig.“

„Wenn du mal Kinder hast, wirst du mich verstehen.“

„Das nennst du modern? Genau so liefen wir in den Neunzigern auch rum.“

„Eines Tages wirst du wünschen, du hättest die viele Zeit noch, die du heute sinnlos vergeudest.“

„Du solltest dir wirklich Zeit nehmen für ein richtiges Frühstück. Glaub mir, der Tag wird so viel besser, wenn du etwas Gesundes im Magen hast. Wie? Du hast keine Zeit dafür? Dann steh doch einfach zehn Minuten früher auf.“

„Fang frühzeitig an zu lernen. Ich habe ja viel zu spät begriffen, was man mit Lernen alles erreichen kann, also mach nicht den gleichen Fehler wie ich.“

Manchmal, wenn ich mir beim Moralisieren zuhöre, sage ich nachher zu mir selber: „Ich glaube, wenn ich ein Teenager wäre, ginge ich mir ziemlich auf den Geist.“

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Lauter dummes Geschwätz

Mein Favorit beim Einkaufen: „Hallo. Bist du auch hier?“ (Ich? Hier? Nein, gewiss nicht. Siehst du mich etwa irgendwo?)

Noch besser, ebenfalls beim Einkaufen: „Was tust du denn hier?“ (Na, was wohl? Meine Zehennägel schneiden natürlich.)

Morgens um Viertel vor neun am Telefon: „Grüezi Frau Venditti. Ist Ihr Mann zu Hause? Ich müsste ihn in einer dringenden schulischen Angelegenheit sprechen.“ (Natürlich. Er sitzt neben mir am Frühstückstisch und liest die Zeitung, während seine Schüler das Schulzimmer auf den Kopf stellen.)

Noch einmal am Telefon: „Frau Venditti, Sie erinnern sich bestimmt noch an mich. Ich habe Sie vor einem halben Jahr schon einmal wegen unseres sensationellen Luftreinigungssystems angerufen und Sie haben mir damals gesagt, ich dürfe mich später noch einmal bei Ihnen melden. Wie ich Ihnen damals schon erklärt habe…“ (Himmel, die glaubt doch nicht im Ernst, ich wüsste noch, wer mich vor einem halben Jahr angerufen hat? Ist ja eine Ewigkeit her. War ich da überhaupt schon auf der Welt?)

Am Rand des Schwimmbeckens, wo die Kinder gerade unter fachkundiger Anleitung lernen, sich über Wasser zu halten: „Es tut mir jedes Mal weh, wenn ich die hundertsechzig Franken für den Schwimmkurs locker machen muss.“ (Ja ja, die Kunst, nicht abzusaufen ist eindeutig überbewertet…)

Zuweilen bekommt man auch ganz tolle Mails: „Dürfen wir Sie zu unserer Präsentation in Paris einladen? Wir freuen uns, Sie am kommenden Montag von 9:30 bis 11:30 im XVII-ième Arrondissement zu begrüssen, um Ihnen unsere Produkte vorzustellen.“ (Wissen die eigentlich, wie weit es von hier nach Paris ist? Da bin ich nie und nimmer rechtzeitig zurück, um das Mittagessen auf den Tisch zu bringen.)

Dann natürlich überall, ob in den sozialen Medien oder im direkten Gespräch, das Gejammer, das mich immer mehr auf die Palme treibt: „So ein Mist! Morgen soll es regnen. Und das im September. Wir sollten doch jetzt Sommerwetter haben!“ (Seit wann ist Regen im Sommer verboten? Und will man jetzt dem Sommer auch noch verbieten, sich in seinen allerletzten Tagen allmählich davonzuschleichen, um dem Herbst Platz zu machen? Und was habt ihr Sommerfanatiker eigentlich gegen Regenabende, an denen ihr es euch mit einem dicken Schmöker, einer Tasse Tee und einer weichen Decke gemütlich machen könnt?)

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Schluss mit den heiligen Pfannen

Bitte erzählt Schwiegermama nichts von dem Frevel, den ich heute begangen habe: Ich habe damit begonnen, ihre Pfannen auszumisten.

Jawohl, die heiligen Pfannen, die sie für viel Geld erstanden hat, um sie ihrem einzigen Sohn an seinem 15. Geburtstag zu überreichen. 

Die Pfannen, in denen eines Tages das nette italienische Mädchen, das er bestimmt irgendwann kennen lernen würde, Pasta Bolognese, Osso Buco und Frittata zubereiten würde, um dafür zu sorgen dass der viel zu dünne junge Mann endlich ein bisschen Fleisch auf die Knochen bekäme. 

Die Pfannen, die niemals in die Hände dieser kleinen, vorlauten Schweizerin hätten geraten dürfen, die sich standhaft weigerte, ausschliesslich italienische Kost darin zu kochen.

Die Pfannen, die gemäss dem Versprechen des Herstellers ein Leben lang halten sollten, die dann aber doch nach Jahren der intensiven Nutzung ihre Griffe fallen liessen. (Was vielleicht nur daran lag, dass sie in die Hände der falschen Frau geraten waren…)

Die Pfannen, die ich leidenschaftlich hasste, weil sie mir nicht gestatteten, so zu kochen, wie es mir entspricht. Und weil sie mich täglich daran erinnerten, wie sehr „Meiner“ und ich uns in den Anfängen unserer Beziehung um des lieben Friedens Willen durch Schwiegermama bevormunden liessen.

Die Pfannen also, die ich schon so lange gerne losgeworden wäre, die ich aber auf gar keinen Fall loswerden durfte, weil sie sozusagen die Mitgift waren, die „Meiner“ in die Ehe gebracht hat. (Wobei ich natürlich mit leeren Händen dastand, da meine Eltern nicht weitsichtig genug gewesen waren, mir zum Fünfzehnten ein Pfannenset zu schenken. Die schickten mich lieber in ein Austauschjahr.)

Es blieb mir also nichts anderes übrig, als mich mit den ungeliebten Pfannen zu arrangieren. 

Es sei denn, ich hätte eine Ausrede… 

Zum Beispiel einen Induktionsherd…

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Life Advice aus Mama Vendittis Küche

Fühlst du dich irgendwie unzufrieden? Fällt es dir schwer, dich an den kleinen Dingen im Leben zu freuen? Möchtest du endlich wieder so etwas wie ein Erfolgserlebnis haben? Dann habe ich heute eine kleine Übung für dich und die geht so:

  1. Sorge dafür, dass die Wasserversorgung in der Küche den Dienst quittiert. Auf welche Weise du das tust, ist mir eigentlich egal. Hauptsache, es wird wirklich mühsam, die alltäglichen Arbeiten zu erledigen.
  2. Ändere mindestens zwei Wochen lang nichts an diesem Zustand. 
  3. Entschliesse dich dazu, während dieser zwei Wochen möglichst viel einzumachen, komplizierte Gerichte zu kochen oder vielleicht sogar Gäste einzuladen. Du könntest auch den Geschirrspüler ausser Gefecht setzen, um den Lerneffekt der Übung zusätzlich zu steigern. 
  4. Wenn du diesen Zustand so richtig satt hast, sorge dafür, dass er sich noch mindestens drei oder vier Tage länger aufrecht erhalten lässt.
  5. Bring jetzt deine Wasserversorgung dazu, wieder das zu tun, was man von einer Wasserversorgung in westlichen Ländern gemeinhin erwartet. Ich verspreche dir, dass du dich wie neu geboren fühlen wirst. Du wirst wie auf Wolken durch deinen Alltag schweben, immer wieder staunend den Wasserstrahl bewundern, der dein Spülbecken im Nu füllt und alle werden dich fragen, warum du wie ein Honigkuchenpferd grinsend durch die Gegend läufst. 
  6. Falls du den Geschirrspüler ausser Gefecht gesetzt hast: Verzichte noch ein paar Tage ganz bewusst darauf, ihn wieder in Gang zu setzen, um endlich wieder einmal das unbeschreibliche Gefühl von ungetrübter Vorfreude zu erleben. 

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Geht doch…

Als Luise in der dritten Klasse zum ersten Mal Französischunterricht hatte, verflog die Freude schon nach kurzer Zeit. Weil die Kinder mit Spiel und Spass an die Sprache unserer Landsleute herangeführt werden sollten, verzichtete das Lehrmittel auf alles, was nur im Entferntesten an Büffeln erinnern könnte und so hatte unsere arme Tochter bald ein unglaubliches Wirrwarr im Kopf. Trotz grundsätzlicher Befürwortung des frühen Sprachunterrichts, begannen „Meiner“ und ich am Sinn der Französischlektionen zu zweifeln.

Beim FeuerwehrRitterRömerPiraten sah es leider nicht viel anders aus und so fing „Meiner“ an, kritische Fragen zu stellen. Er müsse dem Lehrmittel eben eine Chance geben, meinte die Lehrerin, dann werde sich der Lernerfolg schon einstellen. Wir blieben trotzdem skeptisch, denn es wollte uns nicht einleuchten, weshalb unsere Kinder zwar wussten, was „Lautmalerei“ und“Verkehrskreisel“ auf französisch heisst, jedoch nach zwei Jahren nicht sagen konnten, wie sie heissen, wo sie wohnen und was sie gerne tun. 

Beim Zoowärter sah es im ersten Jahr nicht viel anders aus. Das Kind erledigte seine Hausaufgaben mit Widerwillen, verstand kein Wort und hatte im Grunde genommen keine Ahnung, was das alles sollte. Dann bekam er eine neue Lehrerin und plötzlich kam Bewegung in die Sache. Wenn einer fragt, was das Wort „Cocktail“ bedeutet, weist er darauf hin, das müsse doch etwas mit „le coq“ zu tun haben, auf einfache Fragen weiss er eine Antwort und inzwischen sieht es gar so aus, als würde ein für die ganze Klasse verbindlicher Grundwortschatz aufgebaut. (Nein, so etwas ist leider nicht mehr selbstverständlich. Macht ja keinen Spass, Vokabeln zu büffeln.) Und weil er jetzt zu verstehen beginnt, was das alles soll, kommt allmählich die Freude an der Sprache auf. 

Sieht ganz danach aus, als könne man auch mit schlechten Lehrmitteln guten Frühfranzösich-Unterricht machen. 

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Von den schönen Dingen

Vor lauter Haushaltärger habe ich die schönen Dinge ein wenig aus den Augen verloren, dabei gibt es doch so vieles, worüber ich mich freuen kann:

Ein letztes Bad im Aarekanal, danach ein ausgedehntes Picknick mit lieben Freunden.

Das Prinzchen, das spät am Abend noch wach im Bett sitzt und aus voller Kehle seine selbst erfundenen Melodien schmettert.

Bekocht und umsorgt zu werden von herzensguten Menschen, die finden, wir hätten eine Auszeit vom Badewannen-Abwasch verdient.

Ein Abendspaziergang mit „Meinem“ und der Katze, die uns in der Dunkelheit nicht ohne ihren Schutz ziehen lassen will.

Die Artischockenernte, die zwar nicht überreich, aber doch reicher als erwartet ausgefallen ist. 

Karlsson, der sich an der neuen Schule fühlt, wie ein Fisch im Wasser.

Malven, Astern, Dahlien, Phlox, Herbstanemonen, Scabiosen und Prachtkerzen, die um die Wette blühen. 

Jede einzelne kostbare Minute, in der ich nichts über Pokémon hören muss.

Luise und der Zoowärter, die sich nach schwierigen Zeiten wieder aufgerappelt haben und zu ihrer alten Lebensfreude zurückfinden. 

Ein Birnbaum, den wir schon längst aufgegeben hatten, der nun zum ersten Mal in seinem Leben wunderschöne Früchte trägt. 

Der FeuerwehrRitterRömerPirat, der immer sogleich fühlt, wenn jemand Aufmunterung braucht. 

Nach sehr langer Zeit wieder mal eine neue Idee in meinem Kopf, die sich vielleicht eines Tages zu etwas Gutem weiterspinnen lässt.

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Teenager müsste man sein

„Warum kommt denn plötzlich so wenig Wasser aus dem Hahn?“, fragte eines meiner herzallerliebsten halbwüchsigen Kinder heute, als es sich zu später Stunde noch etwas kochen wollte. 

„Mein liebes Kind“, gab ich zur Antwort, „das ist nun schon seit zwei Wochen so. Hast du dich denn noch nie gefragt, warum Papa und ich seit einiger Zeit in der Badewanne abwaschen?“

„Doch, natürlich, aber ich habe mir dann gedacht, ihr macht das nur, weil es in der Badewanne schneller geht.“

Himmel, wie schafft man es, in diesem Haus zu leben, ohne die Leiden des Küchentrogs wahrzunehmen und das trotz regelmässigem Küchendienst? Und wie um alles in der Welt blendet man das mütterliche Dauergejammer über das Küchenelend* aus? So etwas schafft nur ein Teenager, der vor lauter Snapchat bloss noch am Rande mitkriegt, womit sich der Rest der Familie den lieben langen Tag so rumschlägt.

Glückliche Teenager…

 

* Ach, wo wir schon beim Küchenelend sind: „Meiner“ hat für einmal seine Nettigkeit in den Schrank gesperrt und die Leute, die uns das schadhafte Kühlgerät verkauft haben, so lange genervt, bis sie sich bereit erklärt haben, uns den vollen Verkaufspreis zu erstatten und das Monstrum aus unserer Küche zu entfernen. Vielleicht kommen doch wieder bessere Zeiten…

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Der Spass will einfach kein Ende nehmen…

Vielleicht hat meine geschätzte Leserschaft allmählich die Nase voll von meinen Küchendramen, aber da das Ganze nun wirklich groteske Züge annimmt, sehe ich mich verpflichtet, noch ein wenig weiter darüber zu berichten. Einerseits, damit das irgendwo dokumentiert ist, denn in ein paar Monaten glaube ich sonst die Sache selber nicht mehr. Andererseits, weil die Menschheit sehen soll, dass auch unser Leben im Luxus seine Tücken hat. 

Die Ausgangslage heute Morgen war so…

Ich rechnete fest damit, spätestens heute Mittag wieder über ein funktionierendes Kühlgerät zu verfügen, denn der Monteur, der mir vor zweienhalb Wochen hoch und heilig versprochen hatte, die Reparatur werde bestimmt nicht länger als sieben Tage auf sich warten lassen, hatte heute endlich Ersatzteile und Zeit, um sich der Sache anzunehmen. Die Telefonate, die „Meiner“ geführt hat, um diesen Termin zu bekommen, habe ich nicht gezählt, aber es waren viele.

Im Weiteren hatte ich die feste Zusage, dass am Montag der neue Herd geliefert werden soll. Vom gleichen Anbieter wie das Kühlgerät, diesmal aber wieder wie gewohnt mit Garantieverlängerung, da ich mich darum bemühe, den gleichen Fehler nur einmal im Leben zu machen. (Beim Kühlgerät hatten wir darauf verzichtet, weil man sich mit dem Geld, das wir über all die Jahre für ungenutzte Garantieverlängerungen bezahlt haben, eine  neue Luxusküche leisten könnte. Wie wir jetzt wissen, spüren die Geräte so etwas sofort und beschliessen, kurz nach Ablauf der regulären Garantiezeit in Streik zu treten.)

Ausserdem freute ich mich wie ein kleines Kind auf den nächsten Dienstag, denn dann soll derjenige kommen, der die verkalkten Leitungen reinigt. Wenn das Wasser erst mal wieder fliesst, können wir uns auch des defekten Geschirrspülers annehmen und dann bestehen gute Chancen, dass wir noch vor den Herbstferien wieder halbwegs normal kochen, abwaschen und kühlen. 

Wie sich die Lage präsentierte, als der Monteur da war…

Die Gute Nachricht wie immer zuerst: Der Termin mit dem „Leitungsreiniger“ steht weiterhin, es besteht also durchaus Hoffnung, dass wir in einer Woche nicht mehr in der Badewanne abwaschen.

Der ganze Rest aber ist Sch…

Das Kühlgerät, so weiss ich jetzt, ist nicht mehr zu retten. Verlust von Kühlflüssigkeit, Rost, Reparatur wäre teurer als eine Neuanschaffung bla bla bla. Und das ein gutes Jahr nach dem Kauf. Okay, man hat uns damals das Ganze als Ausstellungsmodell vergünstigt angeboten, aber billig war es deswegen noch lange nicht. Ausserdem „absolut vertrauenswürdige Marke, beste Qualität, Sie werden lange Freude haben daran“ und was die einem sonst noch so sagen, wenn sie einen zum Kauf bewegen wollen. Heute dann so: „Solche Geräte stehen monatelang irgendwo herum, vielleicht schon mal bei einem Kunden als Ersatzgerät im Einsatz, keiner schaut, ob wirklich alles in Ordnung ist.“ Also alles, was sie so sagen, wenn keiner die Schuld auf sich nehmen will.

Nun gut, die Schuld liegt natürlich ohnehin bei mir, denn ich war ja, wie gesagt, einmal – ein EINZIGES Mal-  in meinem Leben fahrlässig genug, um auf die Garantieverlängerung zu verzichten und dafür soll ich jetzt tüchtig Busse tun. Ich soll ihnen gefälligst auf Knien danken, dass sie so kulant sind, mir ein sensationell gutes, noch nie gebrauchtes und ganz bestimmt perfekt durchgestyltes Gerät zum sagenhaften Preis von 1500 Franken zu offerieren. Und natürlich soll ich auch keine Minute lang überlegen, ob ich das will und kann, denn so ein Angebot bekomme ich nie wieder im Leben. Ob ich denn wirklich mehr Entgegenkommen erwarten hätte? (Wie gierig die Hausfrauen heutzutage sind… Tssss!)

Während ich am Telefon verhandle, steht hinter mir ein fassungsloser Monteur der findet, Kulanz sähe anders aus. Was ich natürlich auch finde und deshalb dem aalglatten Typen am Telefon – der es nicht fassen kann, dass ich ob seines Angebots nicht in dankbaren Jubel ausbreche – so unmissverständlich klar mache, dass meine Freunde, die mir immer vorwerfen, ich sei zu nett, wahrlich stolz auf mich wären. (Okay, sie würden vielleicht sagen, ich hätte mich am Ende nicht für meinen Ausbruch entschuldigen sollen, aber immerhin war da ein Ausbruch.) 

Wie sich die Lage jetzt, wo ich das alles weiss, präsentiert…

Kühlgerät:

  • Entweder wir toben so lange, bis sich in dem Saftladen, in dem wir das Gerät erstanden haben, ein anständiger Mensch findet, der weiss, was das Wort „Kulanz“ bedeutet,…
  • … „Meiner“ und ich sind blöd genug, um das „sensationelle Angebot“ anzunehmen und zwacken die 1500 Franken – die wir bei der Küchenrenovation nicht budgetiert haben, da wir nicht auf ein neues Kühlgerät eingestellt waren – irgendwo sonst ab,…
  • … oder wir strecken die Waffen, bestehen darauf, dass die wenigstens kostenlos das defekte Gerät aus unserer Wohnung befördern und entsorgen und machen uns bei einem hoffentlich vertrauenswürdigeren Händler auf die Suche nach einem neuen Gerät. 

Wie auch immer die Sache ausgeht, wir werden auf alle Fälle noch wochenlang ohne anständiges Kühlgerät leben müssen. Wir werden weiterhin verzweifelt versuchen, unser Kühlgut irgendwie in den winzigen Kühlschrank, den wir Gott sei Dank noch im Keller hatten, zu stopfen. Und wir werden leider immer mal wieder verdorbene Lebensmittel entsorgen müssen, weil a) schlicht keine Möglichkeit besteht, Resten zu kühlen und b) in dem Kühlschränkchen alles drunter- und drüber liegt, so dass man allzu leicht etwas übersehen kann. 

Und natürlich hat das auch Konsequenzen für den Ofen, der am Montag geliefert werden soll, denn nicht mal ich bin naiv genug, dieser Firma noch einmal mein Vertrauen – und viel Geld – zu schenken, Garantieverlängerung hin oder her. Dabei wäre es der Ofen meiner Träume gewesen. Und das Kochen auf drei Platten geht mir allmählich auch auf den Geist.

Aber ich kann mich wenigstens noch auf den „Leitungsreiniger“ freuen…

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Schweizer Gastfreundschaft

Der schulische Informationsanlass, den Karlsson und ich heute gemeinsam besuchten, war erstens erstaunlich früh fertig und bot zweitens ziemlich viel Gesprächsstoff. Also beschlossen wir, uns in einem Strassencafé in Ruhe über das Gehörte zu unterhalten. Da mein bevorzugtes Café mal wieder bis auf den letzten Platz besetzt war, liessen wir uns ein paar Schritte weiter vorne nieder. Dort anwesend: Eine Handvoll Gäste, die meisten bereits satt und nur noch am Austrinken, eine Kellnerin, ein Kellner (vermutlich der Chef) und später ein weiterer Kellner.

20:30 Da sitzen wir also, Karlsson und ich. Kellnerin und Chef registrieren zwar unsere Anwesenheit, machen aber keine Anstalten, uns zu grüssen oder gar nach unseren Wünschen zu fragen. 

20:35 Wir werden noch immer ignoriert.

20:40 Die Kellnerin nähert sich allmählich unserem Tisch.

20:42 Die Kellnerin wischt den Tisch zu unserer Rechten, grüsst uns knapp.

20:43 Die Kellnerin starrt mich erwartungsvoll an.

20:44 „Essen Sie, oder wollen sie nur etwas trinken?“, fragt die Kellnerin jetzt endlich. „Nur etwas trinken und vielleicht ein Dessert für meinen Sohn“, antworte ich.“ Der Chef, der offenbar mitgehört hat, obschon er so getan hat, als ignoriere er uns weiterhin, eilt sofort zu unserem Tisch und überreicht mir die Dessertkarte.

20:46 Karlsson und ich wären jetzt bereit, etwas zu bestellen, aber man ignoriert uns wieder.

20:50 Wir werden weiterhin ignoriert.

20:55 Die Kellnerin macht sich jetzt am Tisch zu unserer Linken zu schaffen, lächelt mir kurz zu und ich denke schon, sie werde gleich kommen, um die Bestellung aufzunehmen.

20:56 Die Kellnerin verschwindet im Lokal. Ohne unsere Bestellung, natürlich. 

21:00 Karlsson und ich überlegen, ob wir gehen sollen. „Jetzt kommt sie dann gleich mit ihren Gläsern vorbei“, sage ich. „Wenn sie uns diesmal wieder ignoriert, sind wir weg.“

21:01 Plötzlich viel Action. Die Kellnerin wetzt an unserem Tisch vorbei und verschwindet wieder im Lokal. „Gehen wir“, sagt Karlsson, doch wie aus dem Nichts erscheint plötzlich der dritte Kellner neben unserem Tisch. Ob wir schon bedient würden? Nicht? Na, zum Glück sei jetzt gerade seine Pause vorbei. Wir können also endlich unsere Wünsche anbringen. Kaum ist er weg, kommt der Chef. Ob wir schon bestellt hätten? Er geht, die Kellnerin kommt, auf dem Tablett zwei Tassen Kaffee. „Wie, die sind nicht für Sie?“ Ganz bestimmt nicht. Wo sie uns doch gar nie die Chance gegeben hat, etwas bei ihr zu bestellen.

21:05 An unserem Tisch ist wieder Ruhe eingekehrt, Karlsson und ich warten. 

21:15 Karlsson bekommt seinen alkoholfreien Drink, ich meinen Milchkaffee. „Wie gewünscht ungesüsst“, säuselt der Kellner und legt mir zwei Beutelchen Zucker neben die Tasse. Der Kaffee ist lauwarm, aber das erfährt nur Karlsson, denn ich rechne nicht damit, noch einmal die Aufmerksamkeit des Personals zu bekommen, ehe das Gebräu gänzlich erkaltet ist. 

21:25 Meine Tasse ist leer, Karlssons Glas ist halbleer (An diesem Ort kann man nun wirklich nicht Optimist genug sein, um es halbvoll zu nennen). Karlssons Dessert wird serviert. Sieht nicht sehr gefroren aus, das Eis. 

21:40 Zeit, nach Hause zu gehen. Zum ersten Mal an diesem Abend müssen wir uns nicht um die Aufmerksamkeit des Personals bemühen. Ich glaube, der Kellner hatte sein Portemonnaie schon offen, bevor ich meines überhaupt aus der Tasche hervorgekramt hatte. Dabei wäre doch jetzt ein Bekannter zu uns gestossen, mit dem wir uns so nett unterhalten, dass wir ganz gut noch eine Weile auf die Rechnung warten könnten. 

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Eigenartige Einstellung

In der Schule haben sie sich mühselig mit der Schnüerlischrift abgeplagt und noch heute geben sie der gestrengen Lehrerin von damals die Schuld an ihrer schlecht leserlichen Klaue. Wenn aber den eigenen Kindern „nur“ noch Basisschrift beigebracht wird, sind sie entsetzt, weil die Jugend von heute nicht mehr „richtig schön“ schreiben lernt. Wo, so fragen sie, bleibt da die Disziplin?

Die endlosen Nachmittage, an denen sie über sinnlosen Hausaufgaben gebrütet haben, sind ihnen in schlechtester Erinnerung geblieben. Wie viel lieber hätten sie draussen gespielt. Wenn aber ihre eigenen Kinder weniger, dafür sinnvollere Hausaufgaben bekommen, beschweren sie sich, die Knöpfe würden total verweichlicht. 

Grammatik und Rechtschreibung haben sie zutiefst gehasst und noch heute will ihnen kaum ein korrekter Satz gelingen. Dennoch sind nicht selten sie diejenigen, die sich beklagen, heutzutage würden die Kinder nicht mehr richtig lesen und schreiben lernen. 

Die ruppige Behandlung durch den Klassenlehrer haben sie bis heute nicht richtig verdaut. Wäre er nicht gewesen, hätten sie es bestimmt viel weiter gebracht im Leben, aber sie hatten ja so furchtbar Angst vor ihm und konnten deshalb nichts lernen. Am Elternabend aber kritisieren sie, die Kinder würden viel zu sanft angefasst, nur mit einer gehörigen Portion Strenge könne etwas aus ihnen werden.

Der Drill im Sportunterricht war ganz schrecklich für sie. Noch heute scheuen sie jede Anstrengung. Das hindert sie aber nicht daran, kritisch zu bemerken, ihre Kinder müssten im Turnunterricht ja rein gar nichts mehr leisten, da müsse man sich nicht wundern, wenn sie immer dicker würden.

Immerhin in einem Punkt sind diese Eltern konsequent: Sie wählen mit Vorliebe Politiker, die mit allen Mitteln versuchen,  die Bildung zu Tode zu sparen. Auf dass den Lehrern ihrer Kinder nichts anders übrig bleibe, als die Schultage mit öder Paukerei – welche die Eltern zwar gehasst haben, aber immerhin kennen – totzuschlagen. Am liebsten noch mit den Schulbüchern von anno dazumal, denn dann lernt man auch etwas Rechtes.

(Wobei mich beim einen oder anderen modernen Oeuvre auch das Gefühl beschleicht, man hätte sich das Papier, auf dem es gedruckt ist, sparen können…)

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