Pessimistischer als auch schon

Nachdem wir 1/3 Sommer, 1 Herbst und fast 2/3 Winter warten mussten, bis der FeuerwehrRitterRömerPirat endlich sein neues Fenster bekam, bin ich bezüglich Wartefristen bei Handwerkern ziemlich pessimistisch geworden. So pessimistisch, dass ich bei dem Handwerker, den wir gestern für einen kleinen Auftrag angefragt haben, der heute bereits vorbeikam, um sich die Sache anzuschauen und morgen früh auf der Matte stehen wird, um zu tun, was wir gerne von ihm möchten, nur zu einem Gedanken fähig bin: Schnell, lasst uns ihn sofort mit allen Aufträgen, eindecken, die er in den nächsten Jahren eventuell für uns erledigen müsste. Einer, der nicht bis über beide Ohren in der Arbeit steckt, wird sich wohl kaum allzu lange über Wasser halten können. 

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Wie trinkt man bei euch Kaffee?

Meine lieben Deutschen Nachbarn, ich hätte da mal eine Frage: Falls ich an einem ganz gewöhnlichen Samstagnachmittag in einer eurer Innenstädte eine Tasse Kaffee trinken möchte – wie müsste ich das anstellen?

Wäre es sinnvoll, den Tisch im Café meiner Wahl bereits vier Monate im Voraus zu reservieren?

Wäre es besser, wenn wir eines unserer Kinder kurz nach Mittag in einem Kaffeehaus zurückliessen, damit es für uns ein paar Plätze freihalten kann?

Gibt es bei euch vielleicht sogar bestimmte Tageszeiten, zu denen jeder halbwegs vernünftige Mensch einen weiten Bogen um Cafés machen sollte, weil dann jeder und jede den unbändigen Wunsch nach Koffein stillen möchte?

Wäre es klüger, Kaffe und Kuchen sofort nach dem Mittagessen zu bestellen, weil man später als Ortsunkundiger keine Chance mehr hat, das einzige Kaffeehaus aufzuspüren, das nicht proppenvoll ist?

Oder würdet ihr mir raten, beim nächsten Mal meinen eigenen Kaffee in der Thermosflasche mitzunehmen, damit ich auf der verzweifelten Suche nach Koffein nicht irgendwann auf dem Zahnfleisch durch die Fussgängerzone irren muss?

Es würde mich von Herzen freuen, wenn jemand von euch so liebenswürdig wäre, mir die Grundregeln des Kaffeekonsums in unserem nördlichen Nachbarland zu erläutern. Ich glaube nämlich, wir haben uns heute vollkommen lächerlich gemacht, als wir glaubten, nachmittags um halb drei gäbe es noch irgendwo einen Winkel, in dem man mehr oder weniger spontan eine Kaffeepause einlegen könne.

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Die hohe Kunst der Menüplanung

Karlsson reicht es nicht mehr, mal spontan einen Blick in den Kühlschrank zu werfen und etwas zu kochen, wonach ihm gerade ist. Nein, jetzt wo er in Küchenangelegenheiten etwas erfahrener ist, fühlt er sich reif, die hohe Kunst des Menüplans zu erlernen. Wobei ihm natürlich bis anhin nicht bewusst war, dass es sich hierbei um eine hohe Kunst handelt. In seinen Augen sieht es offenbar nach einem puren Vergnügen aus, wenn ich mich einmal wöchentlich an den Esstisch setze, um Kochbücher, Apps und Websites nach Menüvorschlägen zu durchforsten.

Also tat er es mir gleich, setzte sich mit Papier, Stift und einem Stapel von Kochbüchern an den Tisch und fing an zu planen. Was ihm dabei nicht bewusst war: Die Gerichte, die es auf unseren Menüplan schaffen wollen, müssen

a) köstlich
b) bei möglichst vielen Familienmitgliedern beliebt
c) bezüglich Schärfe, Süsse, Würze – oder was auch immer – wandelbar
d) saisonal und auch sonst möglichst umweltverträglich
e) budgetfreundlich
f) ausgewogen und gesund
g) bezüglich Zubereitungsaufwand abgestimmt auf das jeweilige Tagesprogramm
h) vorwiegend vegetarisch oder ohne grossen Aufwand in ein vegetarisches Gericht umwandelbar
i) so hausgemacht wie nur immer möglich

sein und ausserdem

j) während sieben Tagen einen guten Mix aus bislang Unbekanntem, Altbewährtem, Internationalem und Einheimischem bieten. 

Zum Glück hat Karlsson mir seinen Menüplan vorgelegt, ehe wir einkaufen gingen. Jetzt weiss er all das.

Und er weiss auch, dass seine vegetarische Mama – die für ihn schon voller Liebe und Abscheu Leber durch den Fleischwolf gedreht hat – es ganz und gar nicht schätzt, wenn ihr Sohn es versäumt, für die Tage, an denen es Luzerner Chügelipastete, hausgemachte Hamburger oder Zürcher Geschnetzeltes geben soll, eine vegetarische Variante einzuplanen. 

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Betreuungsintensiv

Wenn die Kinder allmählich grösser werden, fürchtet man ja zuweilen, man sei zu nichts mehr nutze. Wer braucht denn noch meine Fürsorge, wenn alle sich immer selbständiger durchschlagen können?

Nun, solange wir unsere Heizung im Keller haben, brauche ich wohl nicht zu befürchten, gänzlich in der Bedeutungslosigkeit zu versinken. Seit einigen Wochen verlangt sie nämlich alle paar Stunden nach meiner Aufmerksamkeit. Mal klagt sie, es gelinge ihr nicht, Pellets anzusaugen, mal hat sie Schwierigkeiten mit der Rostklappe, dann wieder fühlt sie sich durch zu viel Sauerstoff daran gehindert, ihre Arbeit zu verrichten. Manchmal reicht es, wenn ich ihr gut zurede und die richtigen Knöpfe drücke, meistens aber verlangt sie dann trotzdem bald darauf laut klagend nach einem Fachmann, der sich ihrer Nöte annimmt. So oder so verbringe ich derzeit unendlich viel Zeit fröstelnd im Heizkeller – entweder, weil ich verzweifelt versuche, die richtigen Köpfe zu finden, oder aber weil ich mir den Mund fusselig rede, um dem Fachmann, in dessen Anwesenheit sich unsere Heizung plötzlich wieder vorbildlich aufführt, begreiflich zu machen, dass wirklich etwas nicht stimmen kann, wenn das Ding alle paar Stunden einen Warnstreik einlegt. Nach einigem Suchen findet natürlich jeder anständige Fachmann eine Fehlerquelle und so weiss ich auch, was ich Ende Monat mit dem Geld, das ich in meinem derzeit ziemlich kühlen Home Office verdiene, anstellen soll.*

Unsere betreuungsintensive Heizung bewahrt mich nicht nur vor allzu viel Beschaulichkeit, sie führt auch unseren ach so selbständigen Kindern vor Augen, wie unverzichtbar ich trotz allem noch bin. Solange „Meiner“ nämlich fast pausenlos unterwegs ist, liegt es ganz in meiner Macht, für halbwegs warme Verhältnisse zu sorgen.

Wenn man die Dinge von dieser Warte betrachtet, müsste ich eigentlich dankbar sein für den ganzen Mist.

* Und das ausgerechnet in einem Winter, in dem wir bislang rekordverdächtig wenig für Heizmaterial ausgegeben haben.

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Später Snack

Abends gegen zehn: Ich ziehe ein frisches Brot aus dem Ofen. Fünf Minuten später steht ein hungriger FeuerwehrRitterRömerPirat in der Küche. Er habe heute Abend noch kaum etwas gegessen, ob er vielleicht ein wenig Brot haben dürfe? Weil Ferien sind, erlaube ich den späten Snack ausnahmsweise. Kurz darauf ist auch das Prinzchen da. Trotz Ferien sollte er eigentlich schon längst schlafen, aber wer könnte denn so ungerecht sein, ihm den Wunsch nach Brot abzuschlagen, wo sein Bruder doch gerade genüsslich in seine Scheibe beisst? Und natürlich bringe ich es auch nicht übers Herz, den Zoowärter leer ausgehen zu lassen, als er in die Küche geschlichen kommt.

Nach der ersten Runde hätte ich wirklich gerne Feierabend, doch unsere Söhne sind anderer Meinung. So wunderbar sei das Brot, so viel besser als das Zeug aus der Bäckerei, so saftig und doch knusprig, schwärmen sie. Die Sache mit dem Feierabend könne ich glatt vergessen, wenn sie nicht mehr Brot bekämen.

Wie, um alles in der Welt, soll ich es bei dieser Schmeichelei fertig bringen, ihnen das spätabendliche Gelage übel zu nehmen und sie ohne einen weiteren Bissen Brot ins Bett zu schicken?

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Ziel verfehlt

Natürlich sollten unsere Kinder wissen, dass ich den AKW-Kühlturm, auf den wir freie Sicht „geniessen“, zutiefst verabscheue.

Sie sollten auch wissen, dass Atomenergie ziemlich viele Gefahren mit sich bringt.

Und wenn sie gross genug dazu waren, sollten sie häppchenweise erfahren, dass es ziemlich ins Auge gehen kann, wenn etwas schief geht.

Eines aber wollte ich auf gar keinen Fall: Ihnen Angst einflössen. Zu schlimm sind die Erinnerungen an die schlaflosen Nächte meiner Kindheit. Auf dem offenen Feld hinter unserem Haus wurden Sondierbohrungen durchgeführt, denn man wollte herausfinden, ob sich das Gelände als Atommüll-Endlager eigne. Natürlich verstand ich nicht, was das genau war, den Gesprächen meiner Eltern entnahm ich aber, dass es sich um eine fürchterlich gefährliche Sache handelte, mit der man besser nichts zu schaffen haben sollte. Wenn ich nachts von meinem Fenster aus die blinkenden Lichter des Bohrturms sah, packte mich deshalb jeweils die nackte Angst. 

Unsere Kinder sollten das nicht durchmachen müssen und so bemühte ich mich darum, keine Ängste zu schüren, wenn ich ihre vielen Fragen beantwortete. Ehrlich sollten sie sein, meine Antworten, aber nicht furchteinflössend. Bis vor Kurzem glaubte ich noch, das sei mir so halbwegs gelungen. Dann kam eines Tages Karlsson von der Schule nach Hause…

„Du bist ganz schön fies“, sagte er halb belustigt, halb vorwurfsvoll. „Die Eltern meiner Schulkollegen erzählten ihren Kindern jeweils, der Kühlturm sei eine Wolkenmaschine. Und was hast du gemacht? Hast uns erzählt, wie gefährlich das ganze Zeug ist und wie ihr wegen des Unglücks in Tschernobyl die Milch eurer Schafe nicht mehr trinken durftet. Alle anderen Kinder hatten diese romantische Vorstellung, nur ich sass jeweils abends am Fenster und malte mir aus, wie furchtbar es wäre, wenn das Ding in die Luft ginge.“

Tja, deutlicher kann man ein Erziehungsziel wohl kaum verfehlen.

Die Kehrseite meines Versagens: Immerhin scheint keines unserer Kinder eine innige Zuneigung zu AKWs entwickelt zu haben.

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Garteneile

Mein Gartenjahr, wie es normalerweise aussieht

Ende Januar: „Ich halte es keine Minute mehr aus ohne Gartenarbeit. Her mit dem Saatgut, aber schnell! Wenn doch bloss dieser elende Winter endlich zu Ende wäre, damit ich richtig loslegen könnte.“ Um mir meine Existenz halbwegs erträglich zu gestalten, fange ich an, Gartenratgeber zu wälzen. Gartenkataloge und einschlägige Online-Shops jedoch muss ich meiden, denn ich bin jetzt ausgesprochen anfällig dafür, dem Reiz geblümter Gummistiefel, überteuerter Werkzeuge und beheizbarer Frühbeete zu erliegen. 

Februar: Die Saatgut-Kiste ist zum Bersten voll, die ganze Wohnung ist überstellt mit Keimlingen und ich schimpfe pausenlos auf die Katzen, die meine Saatschalen als Klo missbrauchen und meinen zarten Pflänzchen Schaden zufügen. Immerhin gibt es jetzt ein paar Unterhaltsarbeiten, die erledigt werden wollen, ehe die Gartensaison beginnt. So bin ich wenigstens nicht dazu verdammt, meine Gartensehnsucht zu stillen, indem ich meinen Pflänzchen beim Wachsen zusehe.  

März: Ob ich auch wirklich genug angesät habe? Ist wohl besser, wenn ich noch ein paar Sorten mehr ziehe. Im Haus wird’s allmählich eng, weil die meisten Setzlinge zwar bereits eine stattliche Grösse erreicht haben, aber noch nicht nach draussen dürfen. Immer öfter ertappe ich mich bei dem Gedanken, ob ich es nicht vielleicht doch wagen soll… Die Stimme der Vernunft schafft es aber noch, mich zurückzuhalten: „Denk an den Frost…“, mahnt sie eins ums andere Mal. Um die Wartezeit zu verkürzen, streife ich trübselig durch Gartenabteilungen und ärgere mich, dass die mir nichts Anständiges zu bieten haben.

April: Alles, was schon irgendwie kann, geht nach draussen, drinnen wird aber weiterhin fleissig angesät. Könnte ja sein, dass ich trotzdem nicht genügend Setzlinge habe…

Mai: Kurz vor den Eisheiligen hält mich nichts mehr, die Pflanzen müssen raus. Worauf der Himmel in schöner Regelmässigkeit beschliesst, mir mit ein paar Frösten einen Denkzettel zu verpassen. Was meist wirkungslos bleibt, denn erstens hat unser Garten eine ausgesprochen günstige Südlage und zweitens hätte ich noch mehr als genug Setzlinge, falls trotzdem mal etwas erfrieren sollte. 

Juni: „Kannst du vielleicht ein paar Setzlinge gebrauchen?“, frage ich jeden, der mir über den Weg läuft. „Ich habe mal wieder zu viel gezogen…“ Weil ich nicht alles los werde, es aber auch nicht übers Herz bringe, unschuldige kleine Pflänzchen im Kompostkübel zu entsorgen, wird jeder freie Winkel im Garten bepflanzt. Natürlich bilde ich mir trotzdem ein, diesmal würde ich bestimmt den Überblick behalten über meine Pflanzen. 

Juli: Es wuchert…

August: … und wuchert…

September: … und wuchert. Dazwischen wird laufend geerntet, so sich denn das reife Zeug im Gestrüpp noch finden lässt. Weil ich zwischen dem Verblühen der letzten Pfingstrose und dem Erblühen der ersten Nachtkerze plötzlich das Gefühl hatte, mein Garten sei so leer und fade, besorge ich schon wieder neues Saatgut – auf dass das nächste Gartenjahr bunter werde. Zuweilen ist die Leere so unerträglich, dass ich mich in die Gärtnerei schleiche, um blühende Stauden zu kaufen.

Oktober: Wenn ich nicht am Ernten bin, drücke ich Blumenzwiebeln in den Boden, denn ich habe natürlich längst vergessen, wie zahlreich Tulpen, Krokusse, Narzissen, Schneeglöckchen, Hyazinthen, etc. in meinem Garten bereits vertreten sind. 

November: „Ich werde nie wieder gärtnern. Ich mein’s ernst. Diese Plackerei kann mir gestohlen bleiben.“

Dezember: „Ich werde zwar mit grosser Wahrscheinlichkeit nie wieder gärtnern, aber vielleicht könnte ich mir doch die eine oder andere Sache für den Garten zu Weihnachten wünschen.“

Und im Januar geht es wieder von vorne los, Jahr für Jahr für Jahr…

Doch dann begann eines Tages das…

…Gartenjahr 2018

Januar 2018: Eben erst habe ich mein neues Saatgut in der Box verstaut und die wichtigsten Termine in der Garten-App eingetragen, als ich Krokus, Winterling und Veilchen mindestens einen Monat zu früh beim Erblühen ertappe. Der Aprikosenbaum macht den Eindruck, als wäre er auch bald soweit, so dass ich mich gezwungen sehe, umgehend zur Baumschere zu greifen, um wenigstens das Allernötigste zu stutzen, ehe der Frühling über uns hereinbricht. Sogar die Narzissen tragen bereits deutlich erkennbare Knospen. Am schlimmsten aber treiben es die Vögel. Morgen für Morgen das gleiche Lied: „Wenn du jetzt nicht endlich loslegst, verpennst du die ganze Gartensaison“, drängen sie mich, obschon sie solches Zeug um diese Jahreszeit noch gar nicht von sich geben dürften.  

Wäre da nicht die Stimme der Vernunft, die mir mit letzter Kraft ins Ohr flüstert: „Glaub mir, der nächste Frost kommt bestimmt…“, würden in meinem Garten im März 2018 die ersten Tomatenpflanzen kläglich erfrieren. 

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Zweiergespann

Wenn ich für ein paar Tage ausser Hause gehe, sagt man zu mir: „Wie schön, dass ‚Deiner‘ dir das ermöglicht. Aber du hast bestimmt alle Hände voll zu tun vor der Abreise, damit daheim trotz deiner Abwesenheit alles läuft wie gewohnt.“ 

Dass ein Mann den Laden problemlos mal ein paar Tage ohne seine Frau schmeissen kann, scheint für manche Menschen auch im Jahr 2018 noch unvorstellbar zu sein.

Wenn „Meiner“ mehrere Kurse hintereinander durchführt und darum für einige Tage ausser Hause ist, sagt man zu mir: „Wie schön, dass er mal ein paar Abende ganz für sich hat. Das hat er sich verdient.“ Natürlich widerspreche ich nicht, denn auch ich finde, die freie Zeit stehe ihm zu. Ein wenig verwundert bin ich dennoch, dass keiner fragt, was er im Voraus alles erledigen muss, damit er Kinder und Haushalt mehr oder weniger beruhigt mit mir alleine lassen kann.

Wo doch unser Karren schon längst im Dreck stecken geblieben wäre, wenn er nicht ebenso tatkräftig ziehen würde wie ich. 

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Weckdienst

Morgen für Morgen das gleiche Theater mit dem Wecken, ganz egal, wie toll es an der neuen Schule auch sein mag.

Drei-, vier- oder gar fünfmal die Treppe hoch und runter, weil ihm schon wieder die Augen zugefallen sind.

Aufmunternde Worte, Ermahnungen, Witze – alles ohne Wirkung

Manchmal auch Streit und totale Verweigerung

Und dann plötzlich gestern Abend: „Ich will um die gleiche Zeit aufstehen wie Karlsson.“

„Der ist aber schon um sechs Uhr auf den Beinen…“

„Mir egal. Karlsson, weckst du mich morgen früh?“

Heute früh dann erst mal keine Spur vom FeuerwehrRitterRömerPiraten, obschon Karlsson den Weckdienst pflichtbewusst ausgeführt hat. Doch wenig später steht unser Morgenmuffel plötzlich in der Küche, ohne dass ich ein einziges Mal bei ihm im Zimmer gewesen wäre. Obendrein ist er auch noch ausgesprochen gut gelaunt.

Ich bin baff: „Was ist bloss in dich gefahren?“

„Weisst du, ich sehe Karlsson inzwischen so selten, dass ich morgens früher aufstehen muss, wenn ich ihn sehen will.“

Karlsson also… Vielleicht sollten wir ihm die Erziehungsberechtigung für den eigenwilligen jüngeren Bruder übertragen. Zumindest am frühen Morgen.

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Jetzt kommt alles auf den Tisch

Soziale Gerechtigkeit – Sexismus – die „Me too“-Debatte – Donald Trump – das WEF – Links- und Rechtsextremismus – Frauenqouten – Rassismus – Machtgier – vegane Ernährung – die Rodung der Regenwälder – fliegen oder nicht fliegen – die Frage, ob alle Männer Mistkerle sind – die Frage, ob Frauen es denn eigentlich besser machen würden, wenn sie an der Macht wären

Das alles bei einem einzigen Abendessen, je nach Altersstufe sehr differenziert oder ganz in Schwarz-Weiss. So schnell wechseln die Themen, dass man es kaum schafft, auf einzelne Aspekte einzugehen. Essen wird zur Nebensache, denn da ist eine Welt, die gerettet werden will.

Wenn sich die sieben Idealisten bloss darauf einigen könnten, wo der grösste Handlungsbedarf besteht.