Was haben wir damals gelacht, als meine älteste Schwester ihrem Mann, als er zur Arbeit gehen wollte, noch Nuschi und Schoppenflasche in die Hand drücken wollte. Damit auch Deutsche Leser mitlachen können, sei gesagt, dass es sich bei einem Nuschi um ein Schmusetuch und bei der Schoppenflasche um ein Babyfläschchen handelt. Und nicht etwa, wie unser Au-Pair neulich anmerkte, um ein Feierabendbier. In der Schweiz ist der Schoppen nämlich den Babys vorbehalten. Nun, wie dem auch sei, wir damals noch Kinderlosen fanden, unsere Schwester sei ganz schön durchgeknallt und bräuchte vielleicht mal wieder einen Szenenwechsel.
An dieses hochnäsige Urteil wurde ich heute Morgen mal wieder erinnert, als das Au-Pair sich und das Prinzchen ausgehfertig machte. Das Prinzchen war schon geputzt und gestriegelt – bis auf die Überreste seiner laufenden Nase, die er sich einfach nicht wegmachen lassen will, sondern lieber mit Stolz zur Schau trägt – und auch das Au-Pair musste sich nur noch eine Jacke anziehen. Während wir noch kurz den weiteren Ablauf des Tages besprachen und ich mich mit irgendwelchem Kleinkram beschäftigte, quälte sich das Au-Pair mit einem verklemmten Reissverschluss ab. Was in meinem Kopf offenbar sofort Alarm auslöste: „Achtung Achtung! Verklemmter Reissverschluss! Sofort helfend eingreifen, sonst kommt das Kind zu spät zur Schule. Oder schlimmer noch, es kriegt einen Tobsuchtanfall…“ Dass da vor mir kein Kind sondern eine äusserst selbständige junge Frau steht, wurde meinem Gehirn erst gemeldet, als ich schon die helfende Hand ausgestreckt und ein mütterliches „Soll ich dir helfen?“ ausgesprochen hatte.
Zum Glück hatte der Reissverschluss inzwischen seine Verklemmtheit abgelegt, sonst wäre unser armes Au-Pair in den Genuss einer Reissverschluss-Rettungsaktion à la Mama Venditti gekommen. Und die, so muss ich zu meiner Schande gestehen, enden meistens damit, dass der Reissverschluss im Eimer ist.









