Haben wir jetzt alle einen Knall?

Als ich noch nicht ganz zwölf war, fuhr ich täglich ins nächstgelegene Städtchen zur Schule. Meistens mit dem Velo, egal wie glatt die Strassen waren, oft in waghalsige Manöver mit meinen Mitschülerinnen verwickelt, fast immer ohne Vernunft und darum nicht selten bei Dunkelheit ohne Rücklicht. Später dann, als Busfahrplan und Stundenplan besser zusammen passten und ich für eine kurze Zeit in meinem Leben sehr besorgt war um meine Frisur, legte ich den Weg öfter mal mit dem Bus zurück. So alltäglich war das, dass meine Eltern nicht im Traum darauf gekommen wären, sich je um mich zu sorgen. Sie hupten höchstens mal verärgert, wenn sie zufällig auf der gleichen Strecke unterwegs waren und mich dabei erwischten, wie ich mich von einem Mitschüler, der den Weg motorisiert zurücklegte, mitziehen liess. 

Zu jenen Zeiten sorgten sich Eltern generell wenig um ihre Kinder. Vermutlich ist mir darum der eine Abend, an dem mich meine Mutter ziemlich besorgt und deshalb leicht angesäuert in Empfang nahm, so lebhaft in Erinnerung geblieben. Es war mir leider nicht in den Sinn gekommen, ein Lebenszeichen von mir zu geben, als ich mit „Meinem“ auf einer Velotour in ein heftiges Gewitter geriet. Ich konnte absolut nicht nachvollziehen, weshalb sie plötzlich so ein Aufhebens machte. Zu Hause anrufen mussten doch nur Söhne und Töchter überbesorgter Glucken. Also zum Beispiel „Meiner“…

Inzwischen ist der FeuerwehrRitterRömerPirat fast zwölf und heute zum ersten Mal alleine mit dem Bus in der Stadt. Nur zwei Bücher will er kaufen, mehr nicht, aber natürlich hat er nicht nur sein Portemonnaie dabei, sondern auch das von mir abgezählte Kleingeld für das Billett, mein Handy und eine Notiz mit den Abfahrtszeiten des Busses. Der Junge weiss genau, was er zu tun hat, er kennt den Weg, die Buchhandlung, die Stadt und mehr als eine Stunde wird er nicht weg sein. Dennoch überlege ich mir seit dem Moment, in dem die Tür hinter ihm ins Schloss gefallen ist, ob ich ihn nicht vielleicht kurz anrufen soll um zu fragen, ob alles in Ordnung ist.  

Peinlich. Und äusserst beunruhigend, denn für mein Verhalten kann es nur drei mögliche Gründe geben:

  1. Ich werde allmählich wie meine Schwiegermutter.
  2. Ich habe sonst irgend einen Knall.
  3. Die Möglichkeiten der mobilen Kommunikation machen aus allen Müttern überbesorgte Glucken.

Ich weiss noch nicht so recht, welchen dieser drei möglichen Gründe ich am beunruhigendsten finde. 

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Frühlingsferiengedanken

Bei Kindern, die am Montagmorgen der zweiten Frühlingsferienwoche belämmert vor dir stehen und sagen: „Warum hast du mich nicht geweckt? Ich muss doch zur Schule. Wir haben ja schon seit einer halben Ewigkeit Ferien“, besteht ganz offensichtlich kein akuter Erholungsbedarf. Ich plädiere deshalb für eine sofortige Rückkehr in die Schule. Die nicht benötigten Ferientage sind an die übermüdete Mama abzutreten.

Man darf Fantasy-Romane mögen, auch wenn man Sohn einer Mutter ist, die nach „Die unendliche Geschichte“ ein für alle Mal mit diesem Kapitel abgeschlossen hat. Was aber nicht geht: Sich bei Mama beklagen, der aktuelle Lieblingsroman sei ganz und gar unrealistisch. Entweder man mag Fantasy und schluckt das wirre Zeug klaglos, oder man lässt die Finger davon und wählt eine anständige realistische Lektüre.

Wenn die SBB mit ihren Spezialangeboten mitmachen, kannst du in der Schweiz jeden sonntags geöffneten Fabrikladen zum Familienausflugsziel deklarieren. Wenn dann auch noch das Regenwetter mitspielt, brauchst du dir nie mehr Sorgen zu machen, ob abends die Kasse stimmt.

Der Marshmallow-Test für übermüdete Mütter: Willst du JETZT!!!! SOFORT!!!! ein paar lausige Ferientage an einem zweitklassigen Ort verbringen, der mit irgend einer billigen Masche um eine Handvoll Gäste wirbt? Oder bist du reif genug, all die Lockvogelangebote – und die tollen Frühlngsferienfotos, mit denen deine Facebook-Freunde ihre Pinnwände vollpflastern – zu ignorieren, um im Sommer dann genügend Geld für wunderbare Ferien am Ort deiner Träume beisammen zu haben? (Dass dein Durchhaltevermögen dann auch tatsächlich belohnt wird, kann dir leider keiner garantieren, denn das Gelingen von Familienferien hängt fast ausschliesslich von der Laune der Famileinmitglieder ab.)

So richtig Ferienbetrieb herrscht in unserer Familie eigentlich erst, wenn sämtliche Physio-, Ergo- und Sonstwas-Therapeuten auch Ferien machen. Was diese Woche erstaunlicherweise der Fall ist. Ob die sich untereinander abgesprochen haben?

Unsere Kinder nehmen die Sache mit dem Küchendienst so bierernst, dass sie es sogar in den Schulferien durchziehen wollen. Jetzt muss ich mir doch tatsächlich spätestens bis Mittag im Klaren sein, welchen Tag wir haben, damit ich nicht den Falschen zum Tischdecken verknurre.

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Alters…. äääh… Familienausflug

Das Prinzchen möchte die Welt im Sturm erobern und versteht darum beim besten Willen nicht, weshalb die anderen nicht endlich vorwärts machen. Ausserdem will er ganz dringend ein Taschenmesser haben, auch wenn das Taschengeld schon längst aufgebraucht ist, was natürlich ganz schrecklich unfair ist.

Der Zoowärter möchte die Welt eigentlich auch im Sturm erobern, kann das aber nicht, weil sein Bauch – oder, wie sich inzwischen zeigt, wohl eher seine Hüfte – nicht mitmacht und darum ist er genervt, weil alle anderen so schnell sind. Ausserdem hat er Hunger und wenn er Hunger hat, ist er reizbar. Sehr reizbar.

Der FeuerwehrRitterRömerPirat ist rundum zufrieden mit dem Programm, das wir bieten. Zu seinem Glück fehlt ihm nur noch ein neues Taschenmesser und weil er nicht nur mehr bekommt als das Prinzchen, sondern in letzter Zeit auch brav gespart hat, könnte er sich seinen Traum auf der Stelle verwirklichen. Wenn denn der Papa endlich mit ihm ins Geschäft käme, anstatt sich um alle anderen zu kümmern.

Luise wäre eigentlich lieber nicht dabei, aber weil sie gerade nichts Besseres zu tun hat und wir Kleinkarierten darauf bestanden haben, dass sie mitkommt, hat sie keine andere Wahl. Mit Karlsson ist es ja noch ganz witzig, mit den Eltern geht’s auch so halbwegs, aber die kleinen Geschwister nerven. Irgendwann tut auch noch der Kopf weh und damit wird der Nachmittag zur Qual.

Karlsson ist – wie fast immer – mit sich selber und der Welt, die ihn umgibt, im Reinen. Das Programm haut ihn zwar nicht gerade aus den Socken, aber einer wie Karlsson findet überall etwas, worüber er sich freuen kann. Nun ja, die kleinen Geschwister dürften schon etwas kooperativer sein…

Nachdem wir diesen Trupp fünf Stunden lang bei fast schon sommerlicher Wärme durch das von Touristen überlaufene Luzern geführt haben, sind „Meiner“ und ich so geschafft, dass wir uns fragen, ob man sowas noch Familienausflug nennen kann. Irgendwie hat es sich angefühlt, als wären wir mit einer Gruppe Senioren unterwegs…

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Wenn ich mich daran erinnere,…

…könnte ich noch heute im Boden versinken vor lauter Scham. (Nach der Lektüre versteht ihr bestimmt, weshalb ich heute ausnahmsweise sogar auf die Decknamen unserer Kinder verzichte.)

Da war zuerst einmal die Episode mit dem Nachbarskind, das sich so ganz alleine mit seiner Mama manchmal sehr einsam fühlte und darum gerne zu uns zum Spielen kam. Vordergründig lief alles ganz gut, doch als sich die Kinder mal unbeobachtet fühlten, hörte ich, wie eines der unseren gönnerhaft meinte: „Ach weisst du, Carmen, wir wissen eben, wie man das macht, aber du hast davon keine Ahnung, denn du bist halt ein Einzelkind.“

Leider war dies nicht die einzige peinliche Begegnung, die diese Familie mit uns hatte. Einmal war unsere ganze Horde zu Carmens Geburtstagsparty eingeladen. Die Mutter, eine ausgesprochen herzliche und sehr füllige Frau, scheute keinen Aufwand, unsere Kinder zu verwöhnen. Und wie dankten sie es ihr? Indem eines von ihnen in ihrer Anwesenheit laut vernehmlich fragte: „Mama, warum hat Carmens Mutter eigentlich immer so riesige Kleider an? Weil sie so dick ist?“

Aber natürlich verstanden es unsere Kinder auch bei anderen Gelegenheiten, mich blöd dastehen zu lassen. Einmal zum Beispiel bei einem Untersuch. Die Ärztin bat einen unserer Söhne – damals etwa sechs Jahre alt – seine Hose auszuziehen. Der Junge zögerte ungewöhnlich lange. Ob er die Anweisung nicht gehört hatte? Ich wiederholte, was die Ärztin gesagt hatte, doch mein Sohn machte weiterhin keine Anstalten, zu tun, wozu man ihn aufgefordert hatte. Als sich die Aufforderung nicht mehr länger ignorieren liess, erklärte er, was sein Problem war: „Ich kann meine Hose nicht ausziehen, denn ich habe vergessen, eine Unterhose anzuziehen.“ (Na ja, immerhin war er frisch gebadet.)

Und dann war da noch die Sache mit dem Kind, das zu seiner Lehrerin sagte: „Meine Mutter könnte das in der Hälfte der Zeit und erst noch besser erklären.“

Der absolute Tiefpunkt aber war der Abend, an dem Windpocken, ein wunder Po und eine Magen-Darm-Grippe einen Zweijärigen dazu brachten… Ach nein, ich glaube, die Geschichte erspare ich euch. Die war nämlich nicht nur peinlich, sondern auch furchtbar eklig. 

  

Träume…

Früher hatte ich noch grosse Träume. Eine gerechtere Welt. Ferne Länder bereisen. Etwas Grosses aufbauen. Positive Spuren hinterlassen. Erfolgreich schreiben. Und wenn aus all dem nichts wird, dann wenigstens eine richtig tolle Küche haben. Mal abgesehen davon, dass ich eine ziemlich grosse Familie aufgebaut habe, ist aus diesen Träumen herzlich wenig geworden. Das Träumen aber habe ich nicht aufgegeben. Nur der Inhalt hat sich leicht geändert. Heute träume ich…

…davon, mich einfach mal aufs WC setzen zu können, ohne vorher überprüfen zu müssen, ob der Vorgänger wirklich alles so hinterlassen hat, wie man es schon tausendmal gepredigt hat.

…dass der Wäscheberg uns mal ein paar Tage in Ruhe lässt. Also, ich meine jetzt nicht diese trügerische Ruhe, die herrscht, wenn man einfach so tut, als wäre er nicht da und er derweilen ungehindert weiterwächst, sondern die himmlische Ruhe, die wir hätten, wenn er sich mal für eine Weile von uns fernhalten würde.

…davon, mindestens eine Woche lang keinen einzigen Anruf aus dem Schulhaus zu bekommen.

…davon, auf Facebook nicht andauernd über Fallfehler und andere Scheusslichkeiten stolpern zu müssen. (Okay, da gibt es auch ziemlich viele inhaltliche Dinge, über die ich nicht stolpern möchte, aber wir wollen mal nicht übertreiben mit den Wünschen.)

…davon, wenigstens einen Tag lang keinem einzigen Legostein in die Quere zu kommen. 

…dass Bibliotheksbücher an dem Tag, an dem sie zurück ins Schulhaus müssen, morgens unaufgefordert aus ihren Verstecken hervorgekrochen kommen.

…von einer papierlosen Kommunikation mit der Schule. Und wenn das nicht geht, dann wenigstens von einer strikten räumlichen Trennung zwischen vollen Kakaotassen und Elternbriefen, die unterschrieben in die Schule zurück müssen. 

…dass ich ein offenes Buch, dem ich für eine Weile den Rücken kehren muss, noch an der genau gleichen Stelle geöffnet vorfinde, wenn ich mich ihm wieder zuwende. (Ach, wo wir schon von Büchern sprechen: Wäre nett, wenn ich mit dem Knausgård noch in diesem Jahrzehnt fertig würde.)

Wie, ihr findet, ich sei bescheiden geworden? Aber nicht doch. Die Dinge, die ich mir früher gewünscht habe, waren weitaus realistischer als die Luftschlösser, die ich heute baue.

  

Alte Zöpfe?

Heute stellt sich ja die Frage, ob man sich überhaupt noch an die heiligen Tage halten soll. Oder muss man sagen: „Hört mal, Pankratius, Servatius, Bonifatius und Sophie, über lange Zeit habe ich euch geehrt und geachtet. Ich habe mich eurem harten Regime gebeugt und versucht, nach eurer Pfeife zu tanzen. Heute aber, in diesen klimaerwärmten Zeiten, erscheint es mir einfach nicht mehr zeitgemäss, mich auf euren Hokuspokus zu verlassen.“

Erlaubt es der Klimawandel, diesen alten Zopf abzuschneiden und die bedingt frostharten Pflänzchen schon ins Freiland lassen, oder fordert man mit diesem frevelhaften Tun die Eisheiligen geradezu auf, den Frost, der fast den ganzen Winter ausgeblieben ist, doch noch über den Garten hereinbrechen zu lassen? Soll man den gestrengen Heiligen nicht einfach eine lange Nase drehen und die Artischocken in den Boden buddeln? Man wäre ja blöd, würde man Wärme und Sonnenschein nicht jetzt schon nutzen…

Was aber, wenn es nun doch noch einmal kalt wird?

Na ja, dann hole ich eben die Deckäste wieder hervor, die noch vom Winter, der aus temperaturgründen abgesagt worden ist, herumliegen.

Und weil die Eisheiligen den Artischocken im wettergeschützten Halbrundbeet ohnehin nicht viel anhaben können, habe ich heute Nachmittag mutig gesagt: „Ihr könnt mich mal, Pankratius, Servatius, Bonifatius und Sophie!“ Mal sehen, wie die das hinnehmen…

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Kritisieren um des Kritisierens Willen

Man darf von mir aus gerne kritisch hinschauen bei der Schule. Tue ich ja auch. Einfach nur kritisch hinschauen, damit man etwas zum Schimpfen hat – so wie heute ein Vater am Besuchstag -, finde ich aber ziemlich daneben:

Die Stunde fängt an, die Hälfte der Klasse führt sich anständig auf, die andere sieht keinen Grund, sich in irgend einer Form auf Unterricht einzulassen. Warum auch? Ist ja kein Promotionsfach. Der Vater knurrt irgend etwas, das verdächtig wie „absolut unfähig, diese Lehrerin“ klingt. Irgendwann ist es dann doch halbwegs still im Zimmer, die Lehrerin erklärt, was zu tun ist und kommt dann nach hinten zu den Eltern.

„Was ist das Lernziel dieser Arbeit?“, fragt der Vater mürrisch. Die Lehrerin erläutert, unter welchem Oberthema das Ganze steht, in welche Arbeitsschritte die Aufgabe gegliedert ist, welche Fertigkeiten bei jedem einzelnen Arbeitsschritt im Zentrum stehen und welches Resultat am Ende erwartet wird. Ich bin beeindruckt. Ziemlich durchdacht, wenn man bedenkt, dass es sich um eines der „unwichtigen“ Schulfächer handelt.

Der Vater neben mir sieht das anders: „Und wie wollen Sie überprüfen, ob ein Schüler sein Ziel erreicht hat?“ Da die Arbeit in vier klar definierte Schritte gegliedert sei, könne sie ziemlich genau beurteilen, ob vom ersten bis zum letzten Schritt eine Entwicklung stattgefunden habe, erklärt die Lehrerin. Das Talent des Schülers falle bei dieser Arbeit weniger ins Gewicht als ein klar erkennbarer Versuch, das Gelernte umzusetzen. „Nach dieser Antwort wird er ja wohl zufrieden sein“, denke ich, aber natürlich irre ich.

„Was ist, wenn ein Kind gefehlt hat und deshalb weniger Zeit hatte für die Arbeit?“, will er wissen. Das werde bei der Beurteilung berücksichtigt, versichert die Lehrerin. Sie halte wenig davon, solche Arbeiten zum Fertigstellen mit nach Hause zu geben, denn dann trügen sie nachher meist die Handschrift der Eltern und das sei ja nicht das Ziel.

Ob der Vater nun endlich zufrieden ist? Vermutlich nicht, aber die Lehrerin hat jetzt keine Zeit mehr für weitere Fragen. Einige Schüler fühlen sich nämlich durch die Anwesenheit der Besucher erst recht dazu angestachelt, sich von ihrer herausforderndsten Seite zu zeigen und darum ist Einschreiten gefragt. Kaum ist die Lehrerin ausser Hörweite, fängt der Vater schon wieder an zu knurren: „Wie kann man der Fantasie bloss durch derart eng formulierte Lernziele solche Grenzen setzen?“

Wer war das nochmal, der vor fünf Minuten nach klar formulierten Lernzielen gefragt hat?

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Dinge, die ich in den letzten Tagen gelernt habe

  • Der Satz „Die Eltern kennen ihr Kind am besten“ gilt bei gewissen Ärzten nur, solange Mama und Papa mit ihrer Einschätzung auf ihrer Linie liegen. Allzu starke Abweichungen von der ärztlichen Meinung darf sich das elterliche Bauchgefühl nicht erlauben, sonst wird es schnell einmal schwierig.
  • Es gibt auf diesem Planeten mindestens einen Spitalclown, der so umwerfend komisch ist, dass er selbst meine miese Laune zu vertreiben vermag. Der Kerl hätte vermutlich sogar unserem Bundespräsidenten den Anflug eines Lächelns aufs Gesicht gezaubert. 
  • Manche Menschen fühlen sich offenbar durch ihren Titel dazu berechtigt, ein neunjähriges Kind in Abwesenheit seiner Mutter zu fragen, ob es manchmal so verzweifelt sei, dass es nicht mehr leben wolle. Bin mir immer noch unschlüssig, ob ich es dabei belassen soll, das verwirrte Kind wieder gerade zu rücken, oder ob ich doch eine bissige Rückmeldung geben soll. (Nein, drängt mich bitte nicht dazu. Das Erstgespräch war schon eher…na ja… schwierig und ich weiss nicht ob ich mich noch einmal auf so etwas einlassen mag.)
  • Trotz allem gibt es noch ein paar ganz anständige Ärzte da draussen, mit denen sich ein Konsens finden lässt. Vielleicht hat es geholfen, dass ich irgendwann gesagt habe: „Ich lechze nicht nach Ihrer Aufmerksamkeit, ich brauche auch nicht unbedingt eine Diagnose, ich will nur, dass es meinem Kind endlich wieder besser geht.“
  • Ich brauche wirklich keine Diagnose, um glücklich zu sein. Wenn man mich endlich halbwegs ernst nimmt und zumindest versucht, den festgefahrenen Pfad zu verlassen und einen neuen zu suchen, bin ich schon ganz zufrieden. Erst recht, wenn wir diesen Pfad mehrheitlich zu Hause weitergehen können und nicht mehr in diesem engen Zimmerchen eingesperrt bleiben müssen.
  • Wobei anzumerken wäre: In diesem engen Zimmerchen ist es sehr viel erträglicher, wenn es von zwei Grossfamilienkindern geteilt wird, die sich trotz drei Jahren Altersunterschied blendend verstehen. Dieser Zoowärter findet doch einfach überall, wo er hingeht, einen Freund, mit dem er sich schieflachen kann. 
  • Bauchschmerzen sind auch so ein Thema, zu dem jeder eine Meinung hat. Eine Meinung, die übrigens meist deckungsgleich ist mit der Meinung, die diese Person über Kopfschmerzen hat. 
  • Ich brauche jetzt ganz dringend ein paar Gartentage. Also, sobald ich die verpasste Arbeitszeit nachgeholt und den Haushalt wieder im Griff habe…

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Karlsson-freies Osterwochenende

Das ist einfach nicht fair. Den anderen wird das Geld in den Hintern geschoben und mir knöpfen sie noch den letzten Rest ab. Während bei ihnen jeder investierte Rappen ein Mehrfaches an Gewinn bringt, schreibe ich einen Verlust nach dem anderen. Als ob das nicht schlimm genug wäre, regnet das Glück in Strömen auf sie hinab, meine Pechsträhne aber will kein Ende nehmen. Der kleinste Hoffnungsschimmer auf bessere Zeiten erlischt sogleich, wenn wieder irgend so ein Abzocker daherkommt und mit fiesem Grinsen eine unverschämte Forderung stellt, der ich natürlich umgehend nachkommen muss, ganz egal, wie klamm ich bin. Sollte mir das Glück doch einmal einen Augenblick lang hold sein, schlägt das Schicksal einen miesen Haken und ich stehe schlechter da als zuvor. Am Ende weiss ich nicht mehr, ob ich heulen oder ausrasten soll. 

Ich hasse es, wenn „Meiner“ und ich mit Luise Monopoly spielen müssen, damit sie die Karlsson-freien Ostertage irgendwie übersteht. 

  

So schlimm sind sie gar nicht, die kleinen Monster

Hört man sich ein wenig um, wie die Kinder von heute so sind, könnte man glauben, sie seien allesamt gefühllose, verwöhnte Monster, die beim Spielen sinnentleerter Games allmählich verblöden und nichts als Konsum und Mobbing im Kopf haben. Natürlich gibt manche, die sich in diese Richtung bewegen, ein paar Beispiele aus dem Leben unserer Kinder lassen aber auch vermuten, dass es ganz so schlimm nicht sein kann mit der heutigen Jugend:

  • Prinzchen und seine Schulfreunde liegen sich derzeit in den Haaren, weil jeder behauptet, er sei als einziger in der Lage, an einem Tag ein ganzes Buch zu verschlingen, was die anderen natürlich nicht glauben wollen. Wenn sie fertig gestritten haben, versuchen sie, einander gegenseitig mit ihrem grossen Allgemeinwissen zu übertrumpfen. Natürlich ist das nicht besonders nett, aber allzu verblödet kommen mir diese Erstklässler nicht vor.
  • Seitdem der Zoowärter mit seinen Bauchschmerzen zu Hause ist, klingelt es öfter mal um die Mittagszeit an unserer Tür. Kinder, von denen ich teilweise nicht mal den Namen kenne, weil sie noch nie zum Spielen bei uns waren, fragen mich, wie es ihm denn geht, ob sie ihn mal besuchen dürfen und wann er endlich wieder zur Schule komme, es sei so langweilig ohne ihn. Schafft er es mal, für ein paar Stunden den Unterricht zu besuchen, jubeln seine Freunde, das sei der schönste Tag der Woche. Zwei oder drei Mädchen – in diesem Alter ja nicht gerade interessiert an doofen Jungs – liessen sich sogar dazu hinreissen, den Brief, den sie ihm alle zusammen geschrieben haben, mit Herzchen zu unterschreiben. Alles andere als gefühllos also, diese Knöpfe.
  • Der FeuerwehrRitterRömerPirat, an dem Luise seit einiger Zeit kaum ein gutes Haar lässt, bastelt im Werkunterricht für seine Schwester in liebevoller Kleinarbeit ein schillerndes Osterei, das er ihr als verspätetes Geburtstagsgeschenk überreicht. So schön ist es geworden, dass sie gar nicht anders kann als zu erkennen, wie sehr der nervige jüngere Bruder sie insgeheim mag. Sie haben eben doch ein Herz, diese kleinen Monster.
  • Luise ist im Moment eigentlich alles andere als gut zu sprechen auf die zwei Menschen, die sie gezeugt haben. Dennoch sind wir ihr ganz und gar nicht egal. „Ich sehe doch, dass du traurig bist, also sag nicht, es sei nichts, wenn ich dich frage, was los ist“, raunzte sie neulich und brachte mich dazu, ihr, die ja laut der gängigen Meinung über die Jugend von heute nur an ihrem Smartphone und der neuesten Jeans interessiert sein dürfte, mein Leid zu klagen. (Okay, ich geb’s zu, ich musste mich ganz schön kurz fassen zwischen all den Nachrichten, die in der Zeit auf ihrem Handy eingegangen sind, aber sie hat mir tatsächlich zugehört.)
  • Die Jugendlichen, die gelegentlich bei uns ins Haus kommen, um mit Karlsson an Schulprojekten zu arbeiten, sind so anständig, nett und fleissig, dass ich mich in ihrer Gegenwart wie ein vergammelter Hippie fühle, der ganz dringend sein Leben in den Griff kriegen und seine Höhle aufräumen müsste. (Bis jetzt ist es mir zum Glück noch gelungen, sie mit Selbstgebackenem daran zu hindern, mir das Sozialamt auf den Hals zu hetzen.)

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