Seit drei Wochen nun schon das gleiche Muster: Montag bis Freitag das übliche Karussell mit kranken Kindern, Arbeit, Haushalt und nahezu verpassten Terminen, am Samstag der aufrichtige Versuch, trotz Aufräumwut und anderen Pflichten das Familien- und Eheleben zu geniessen, am Sonntag von Käfern belagert im Bett oder auf dem Sofa. Am Montag dann wieder aufrappeln, denn Dinge liegen lassen geht nun mal nicht. Okay, ich sehe ja durchaus auch die positiven Seiten an dieser Routine. Immerhin schaffe ich es so, die Sonntagspresse von vorne bis hinten durchzuackern. Und meiner Linie bekommt es auch nicht schlecht, wenn ich kaum einen Bissen herunterkriege. Aber wenn der FeuerwehrRitterRömerPirat vom Kindergottesdienst nach Hause kommt und seine schlafende Mama an die Stirn tippt um herauszufinden, ob sie noch lebt, dann ist das für mich ein Zeichen, dass es jetzt endlich reicht mit diesen elenden Seuchen. Also, meine lieben Käferchen, sucht euch endlich ein anderes Opfer, vorzugsweise eines ausserhalb meines Familienkreises, denn wenn ihr während der Woche meine lieben Kinderlein oder „Meinen“ attackiert, dann kann ich mir den Platz auf dem Sofa für nächsten Sonntag heute schon reservieren.
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Quote of the day
„Mama, leg dir wieder ein iPad zu, dann sitzt du nicht mehr den ganzen Tag vor dem Computer.“
Mist! Und ich hatte mir so sehr vorgenommen, heute mal wieder die Bilderbuch-Mama zu sein, die mit ihren Kindern das schöne Wetter geniesst, Frühlingslieder singt, gemütlich ins Dorf spaziert um ein paar Kleinigkeiten zu erledigen und abends ein vollwertiges Abendessen auf den Tisch zaubert. Stattdessen ein ungeduldiges Nervenbündel, das unbedingt vor Feierabend dieses Projekt – ironischerweise etwas für Kinder, das draussen stattfinden soll – in groben Zügen planen will, danach noch einen Text schreiben muss und dann lieber in die Luft anstatt an die frische Luft geht. Nun gut, immerhin hat „Meiner“ das mit dem vollwertigen Abendessen hingekriegt und für ein paar Frühlingslieder vor dem Schlafengehen hat es auch noch gereicht.
Netter Besuch
Am Dienstagabend – es war schon ziemlich spät – rief mich die Erkältung an. „Hör mal“, sprach sie, „hast du morgen Zeit für einen netten Schwatz? Wir haben uns seit Ewigkeiten nicht mehr gesehen…“ „Na ja, wie man’s nimmt. Mir scheint, wir haben uns eben erst gesehen“, unterbrach ich sie, aber die Erkältung überhörte meinen Einwand. „Ich finde, wir verbringen viel zu wenig Zeit miteinander. Immerhin sind wir beste Freundinnen.“ „Beste Freundinnen? Wir zwei?“, fragte ich, aber die Erkältung tat wieder so, als hätte sie mich nicht gehört. „Ich komme dann also morgen vorbei. So gegen sieben Uhr morgens, passt dir das?“ „Nein, das passt mir ganz und gar nicht. Am Vormittag muss ich zur Arbeit, am Nachmittag bin ich mit meinem Vater unterwegs und am Abend hat Karlsson seinen grossen Auftritt. Keine Chance, dass ich dich irgendwo dazwischen nehmen kann“, wehrte ich ab, aber die Erkältung hatte bereits wieder aufgelegt.
Am frühen Mittwochmorgen stand sie tatsächlich vor der Tür. „Verschwinde“, knurrte ich missmutig, aber sie liess sich durch meine Unfreundlichkeit nicht beeindrucken. „Schönen guten Morgen“, rief sie fröhlich und fiel mir um den Hals. „Wie habe ich dich doch vermisst. Komm, setz dich aufs Sofa, dann können wir ein wenig quatschen. Schau mal, was ich dir mitgebracht habe: Einen Brummschädel, eine erstklassige Triefnase und diesen netten Reizhusten. Glaub mir, das Ding ist der letzte Schrei.“ „Ich gehe nicht mit der Mode, du kannst deine Geschenke wieder einpacken“, raunzte ich die Erkältung an und begab mich in die Küche, wo fünf kleine Vendittis auf das Frühstück warteten. „Darf ich mich zu euch setzen?“, fragte die Erkältung, die mir in die Küche gefolgt war. „Nein, darfst du nicht. Siehst du denn nicht, dass kein Platz mehr frei ist?“, sagte ich und von da an ignorierte ich meinen ungebetenen Gast konsequent. Sie folgte mir zur Arbeit, wich den ganzen Nachmittag nicht von meiner Seite und Abends im Konzert fütterte sie mir den Reizhusten, den sie mir mitgebracht hatte in kleinen, mundgerechten Portionen. Ich tat so, als bemerkte ich nichts von alldem und ging abends, als die Kinder im Bett waren, noch einmal zur Arbeit, nur um ihr eins auszuwischen.
Heute Morgen sass die Erkältung bereits auf meiner Bettkante, als ich die Augen aufschlug. „Du bist immer noch da?“, fragte ich verschlafen. „Ich hab‘ dir doch gesagt, dass ich keine Zeit habe für dich.“ „Heute schon“, entgegnete die Erkältung, „heute musst du nicht zur Arbeit.“ „Heute muss ich aber putzen. Also mach, dass du fortkommst“, brummte ich. Ich versuchte, aus dem Bett zu kommen, musste aber feststellen, dass mir die Erkältung über Nacht ein weiteres Mitbringsel besorgt hatte. „Sind sie nicht toll, diese Gliederschmerzen?“, fragte die sie mit strahlendem Gesicht. „Die habe ich eigens für dich besorgt. War gar nicht so einfach, die zu bekommen, denn die will jetzt jeder haben. Aber für dich scheue ich keine Mühen. Komm, leg dich wieder hin, die grossen Kinder sind aus dem Haus und das Prinzchen schläft. Wollen wir ein wenig von den guten alten Zeiten quatschen?“ „Wie oft muss ich dir noch sagen, dass ich keine Zeit habe? Ich muss putzen, verstanden?“ Jetzt wurde die Erkältung richtig böse. „Ich weiss genau, wie sehr du das Putzen hasst, also versuche nicht, mir weis zu machen, dass du heute so versessen bist darauf. Du Du willst mich bloss loswerden.“ „Natürlich will ich dich loswerden“, schrie ich und versuchte, mich von ihr loszureissen, doch sie packte mich an den Schultern, drückte mich ins Kissen hinein und zog mir die Decke über den Kopf. „Schlaf jetzt“, flüsterte sie, plötzlich wieder ganz sanft und liebevoll. „Das Putzen kann warten.“
Zwei Stunden später, als ich wieder wach war und mich endlich in die Kleider gezwängt hatte, sass sie fröhlich grinsend am Tisch. „So schnell wirst du mich nicht los. Wie lange kann ich bleiben?“ „Du kannst nicht bleiben“, gab ich missmutig zurück. „Heute muss ich den ganzen Tag lang putzen, am Abend muss ich den Wocheneinkauf erledigen und morgen wartet ein Berg von Arbeit im Büro.“ „Nie hast du Zeit für mich“, maulte die Erkältung. „Wie sieht’s übermorgen aus?“ „Übermorgen? Auf gar keinen Fall. Dann gehe ich zu dem Frauentag, auf den ich mich seit mehr als einem Monat freue. Glaub bloss nicht, dass ich mir diesen Spass von dir nehmen lasse“, gab ich zur Antwort. Die Erkältung sah mich mit Mitleid erregendem Hundeblick an: „Darf ich mitkommen zum Frauentag? Ich bin ja auch ein weibliches Wesen.“ „Ha! Wenn ich dich mitnehme, dann schmeissen die mich gleich wieder raus beim Frauentag. Wir Frauen können uns keine Erkältungen leisten, da werde ich doch nicht so blöd sein, dich mitzuschleppen“, ereiferte ich mich. Als ich sah, dass die Erkältung den Tränen nahe war, packte mich doch noch das Mitleid. Ist ja auch nicht schön, wenn man nirgendwo willkommen ist. „Hör mal“, sagte ich, „am Sonntagnachmittag, da hätte ich Zeit für dich. Ich schnappe mir ein paar Sonntagszeitungen, eine Tasse Tee und eine warme Decke und dann setzen wir uns aufs Sofa und reden über Gott und die Welt. Wie gefällt dir das?“ Die Erkältung strahlte. „Ich hab’s doch gewusst, dass du mich magst. Lass dich umarmen!“ Sie zog mich an ihre Brust, drückte mich fest an sich und einen Augenblick später lag ich mit einer Extraportion Triefnase, Brummschädel, Reizhusten und Gliederschmerzen auf dem Sofa. An Putzen war nicht mehr zu denken, aber ob Erkältung oder putzen ist eigentlich einerlei, ich kann auf beides verzichten.
Was soll ich bloss anziehen?
Es gibt Zeiten im Leben, da läuft nichts, aber auch gar nichts so, wie man es gerne hätte. Es ist, als hätte jemand ein Schalter umgekippt und plötzlich läuft alles irgendwie krumm. Nicht richtig krumm, Gott sei Dank, aber so krumm, dass du stets das Gefühl hast, gegen eine unsichtbare Wand zu stossen. Über Nacht bekommen all deine Lieblingskleider Löcher, das iPad gibt den Geist auf, der Computer will auch nicht mehr so richtig, im Kühlschrank vergammeln Lebensmittel, die ihr Verfalldatum noch längst nicht überschritten haben, Arbeiten, die du erledigt hast, kommen wieder zu dir zurück, weil du eine winzige Kleinigkeit übersehen hast, Termine werden um genau so viele Minuten verschoben, dass sie mit dem nächsten Termin kollidieren, die Kinder stellen sich genau dann quer, wenn du es am wenigsten erwartet hättest, die Rechnungen flattern alle gleichzeitig ins Haus, dafür aber lassen Zahlungen, die eintreffen sollten, auf sich warten.
Das Leben ist wie ein schlecht sitzendes Kleid, bei jeder Bewegung spannt es irgendwo, es verrutscht und entblösst dabei Problemzonen und wenn du nicht ganz gut aufpasst, reisst eine Naht. Nun gut, immerhin hat man etwas Anzuziehen, aber so richtig wohl fühlt man sich in dem Fumel nicht. Und so schaut man voller Neid auf jene, bei denen der Anzug wie angegossen passt. Oder zu passen scheint, denn ob dem anderen der Hosenbund spannt oder die Schuhe zu eng sind, lässt sich ja nicht so leicht beurteilen.
Was also tun? Sich etwas passenderes anziehen? Oder vielleicht doch eher schrumpfen, bis das Kleid wieder richtig sitzt? Oder einfach ausharren und sich damit abfinden, dass man eben zurzeit nichts Passendes anzuziehen hat? Oder sich eingestehen, dass man trotz allem noch weitaus besser dasteht als die meisten Menschen auf diesem Planeten, weil man immerhin nicht nackt dasteht?
Gesucht: Meine Nische
Irgendwo muss es sie doch geben, diese Nische, in die ich passe. Dieser Ort, an dem ich meine Fähigkeiten einbringen kann, wo aber meine Unfähigkeiten nicht so sehr ins Gewicht fallen, dass alles, was gut läuft gleich wieder aufgehoben wird. Ein Ort, wo ich mitwirken kann, ohne mich vollends zu verausgaben. Es sollte doch nicht so schwer sein, irgendwo unterzukommen, wo ich weder unter- noch überqualifiziert, sondern genau richtig bin.
Und doch bin ich einmal mehr ratlos, ob es diesen Ort für mich gibt. Manchmal denke ich, ich hätte die Nische erspäht, aber dann finden andere, ich würde nicht passen. Dann wieder denken wohlmeinende Menschen, mich in eine Richtung drängen zu müssen, von der ich spüre, dass es das nicht sein kann. Ein ander Mal lasse ich mich nieder, nur um zu merken, dass ich dorthin nicht gehöre und wenn ich glaube, ich sei angekommen, verhindern die Umstände, dass ich es mir bequem machen kann. Und schon wieder muss ich mich aufmachen, erneut auf der Suche nach meiner Nische.
In meinem Inneren weiss ich genau, wie sie aussehen müsste, meine Nische, aber ich bin nicht so sehr versessen darauf, diese eine zu finden, dass ich nicht bereit wäre, mich auch anderswo niederzulassen. Ob genau dies der Fehler ist? Müsste ich vielleicht konsequenter nur diese eine Ziel ansteuern? Oder umgekehrt: Einfach nehmen, was kommt, egal, ob es meinen Wünschen entspricht? Wobei ich genau dies schon so oft getan habe und am Ende zur bitteren Erkenntnis gelangen musste, dass ein einseitig begabter Mensch wie ich eben nicht beliebig eingesetzt werden kann, weil da schnell einmal auch Unfähigkeiten ins Spiel kommen.
Oh ja, ich weiss, das alles ist Gejammer auf hohem Niveau, denn imerhin habe ich eine wunderbare Familie und sonst noch einige unschätzbar wertvolle Dinge in meinem Leben. Dennoch wäre ich dankbar, wenn ich endlich einmal ankommen dürfte, zumindest in dem einen oder anderen Lebensbereich, denn eigentlich ist es ja Herausforderung genug, dass das Familienleben stets in Bewegung bleibt.
Kindersorgen – Mamasorgen
Luise fiebert vor sich hin und sorgt sich. Ob sie die Hausaufgaben noch vor den Ferien schafft. Wo ihr Zahlenbuch hingekomen ist. Ob sie bei der nächsten Prüfung eine sechs schafft (Ja, ihr lieben Deutschen, bei uns wollen die Kinder Sechsen schreiben, weil eine Eins eine Katastrophe wäre). Und schliesslich sorgt sie sich, ob sie am Freitag wieder gesund ist, damit sie den Film in der Schule nicht verpasst.
Armes kleines Mädchen, sorgt sich um die Schule, wo sie doch nur gesund werden sollte. Ich mache das ja ganz anders, wenn ich krank bin. Ich ziehe mir seichte Schnulzen rein, lese den Spiegel, blogge ein paar Kleinigkeiten und verschwende keinen Gedanken an meinen Alltag. Und dazwischen döse ich ein, träume von der unerledigten Arbeit auf meinem Schreibtisch, von der gähnenden Leere auf dem Konto, von dem Schmutz auf dem Küchenfussboden, von verstopften Strassen, die mich daran hindern, rechtzeitig an mein Ziel zu kommen und davon, dass wir die Kindergeburtstagsparty des Zoowärters vergessen. Aber das zählt nicht als Sorgen. Ist ja alles nur ein Traum. Nicht wahr?
Mein geliebtes Leben
Ich hätte da mal eine kleine Bitte an dich und zwar wünsche ich mir, dass du mir mal eine Verschnaufpause gewährst. Nein, ich meine jetzt nicht ein paar Tage im Ländli oder eine Woche Erholungsferien mit der ganzen Familie. Das alles ist ja ganz nett, aber was hilft es denn, wenn ich, kaum zu Hause angekommen, wieder im selben Schlamassel stecke?
Nein, was ich mir wünsche ist, dass das Karussell mal wieder etwas langsamer dreht. Zum Beispiel, indem das ewige Gezanke in den frühen Morgenstunden aufhört. Ich träume davon, dass wir sieben Vendittis unsere Tage friedlicher beginnen können, denn so allmählich bin ich des ewigen Kämpfens um jede Bagatelle müde.
Ich wünsche mir, dass die Arbeitszeit reicht, um zu erledigen, was getan werden muss. Dass die Pendenzenliste kürzer und nicht stetig länger wird.
Ich wünsche mir mein altes Gedächtnis zurück, denn um so oft am Tag gestehen zu müssen „Mist, das habe ich vergessen!“ bin ich eindeutig noch zu jung.
Ich wünsche mir, dass die Legosteine und Playmobil-Helme, die meinen Weg vom Bad ins Schlafzimmer zum Büsserweg machen, sich von selbst in die Spielkiste begeben.
Ich wünsche mir, dass die nächste Tortenplatte, die ich erstehe, länger als zwei Wochen ganz bleibt.
Ich wünsche mir, dass ich wieder Zeit und Nerven habe, einen Menüplan zu machen. Und vor allem, dass ich mich dann auch an den Plan zu halten, anstatt immer mal wieder Brot und Käse aufzutischen, währenddem die Schwarzwurzeln, auf die wir uns alle so gefreut haben, in der Vorratskammer vergammeln.
Ich wünsche mir, dass das Prinzchen endlich damit aufhört, das Duschgel gleich flaschenweise in die Badewanne zu schütten. Und überhaupt, wenn wir schon beim Baden sind, mein liebes Leben: Könntest du nicht bitte dafür sorgen, dass unsere Söhne endlich begreifen, dass das Wasser in die Wanne gehört und nicht daneben?
Ich wünsche mir, dass ich endlich wieder wie eine ganz normale Frau – eine mit Kindern, Job etc. – unterwegs sein darf und nicht wie ein aufgescheuchtes Huhn, das sich den Mantel falsch zugeknöpft hat.
Ich wünsche mir, dass meine Energie am Ende des Tages für mehr reicht als nur für einige Levels „My kingdom for the Princess“. Die ich übrigens nicht mal in meinem eigenen Namen spiele, sondern im Namen der Kinder, die es trotz aller Anstrengungen nicht schaffen, das Schloss zu erweitern.
Dies alles und noch ein paar Dinge mehr wünsche ich mir, mein geliebtes Leben. Glaubst du, du kriegst das vor meiner Pensionierung hin, oder soll ich mir da erst mal keine Hoffnungen machen?
Lieber pseudo-moderner Papa
Es ist ja ganz nett, dass du dir abends nach der Arbeit Zeit nimmst, um mit Frau und Söhnchen den Wocheneinkauf zu erledigen. Es ist nahezu rührend, wie du voller Stolz den Einkaufswagen mit der Babyschale vor dir herschiebst und damit den aktiven Papa markierst. Die Mutter deines Kindes ist bestimmt ganz froh darüber, dass du bei der Wahl des richtigen Joghurts mitredest. Fast könnte man meinen, du wärst ein moderner Papa, einer, der begriffen hat, dass Kind und Haushalt nicht einfach Frauensache sind.
Nun, ich muss dir leider sagen, dass ich dir das mit dem modernen Papa nicht abnehme. Warum nicht? Etwa, weil ich per Zufall mitgekriegt habe, wie du am Telefon deinem Kumpel voller Bedauern mitgeteilt hast, dass ihr bestimmt nicht bis Mitternacht bleiben könnt, weil der Kleine ins Bett muss? Nein, daran liegt es nicht, denn ich weiss, dass man trotz Kind hin und wieder gerne bis tief in die Nacht mit Freunden quatschen möchte. Entlarvt hat dich, dass du ungeniert telefonierend an der Käsetheke lehnst, aus der ich unseren Käsevorrat angeln will. Wie? Du verstehst nicht, wie ich anhand einer solchen Bagatelle erkennen will, dass dein „Seht mal her, wie fortschrittlich ich bin“-Gehabe nur Show ist?
Nun, ich werde es dir erklären: Wenn du fünfundvierzig Minuten vor Ladenschluss eine zerzauste Hausfrau mit tiefschwarzen Augenringen und einem übermüdeten Dreijährigen im voll beladenen Einkaufswagen siehst, dann solltest du eigentlich wissen, dass die Frau nicht aus reinem Vergnügen hier ist. Hättest du eine Ahnung von Kind und Haushalt, du würdest sofort aus dem Weg gehen, wenn diese Frau sich der Käsetheke nähert, die du dir als Rückenlehne ausgesucht hast. Du würdest nicht erst dann drei Millimeter zur Seite rücken, wenn sie dir unmissverständlich klar macht, dass sie an den Gruyère hinter dir will. Du würdest dich sofort in eine unwichtige Ecke verkrümeln – irgendwo zwischen Toilettenpapier und Besen – und ihr nicht einfach zwei Schritte weiter vorne den Zugang zum Raclette-Käse versperren und danach zum Reibkäse und dann auch noch zum Bergkäse. Vor allem aber würdest du die Frau nicht entnervt anschauen, wenn sie dich immer und immer wieder aus ihrem Jagdrevier vertreibt, denn du wüsstest, dass sie bei der Arbeit ist und deshalb keine Zeit hat für solche lächerlichen Spielchen.
Aber das alles weisst du nicht, weil du eben nur ein pseudo-moderner Papa bist, der zwar so tut, als wäre er dabei, der in Wirklichkeit aber die ganze Sache mit Kind und Haushalt noch immer als Weiberkram abtut.
Hamsterrad-Tag
Heute hatte ich mal wieder einen jener schrecklichen IchKannNichtsBinBlödUndHässlichUndÜberfordert-Tage. Das Schreiben meiner neuen Kolumne ein stundenlanges Ringen um Wörter, die sich gestern in meinem Kopf noch so schön zu netten Sätzen zusammengefügt hatten, jeder Blick in den Spiegel ein Ärgernis, jeder zweite Gedanke negativ. Ein Tag wie in einem Hamsterrad.
Wie gut, dass sich das Prinzchen von meiner miesen Stimmung nicht anstecken liess. Abends, als ich mich eigentlich gerne in meine Höhle zurückgezogen hätte, bat er mich, ihn zum Spiegel hochzuheben, damit wir uns gemeinsam bewundern könnten. „Muss das sein?“, dachte ich, aber ich tat trotzdem, was er von mir wünschte. Im Spiegel sah ich zwei Gesichter, das eine hübsch und pausbackig, das andere müde und verkniffen. Das Prinzchen sah offenbar etwas ganz anderes als ich. „Du bist so toll und ich bin so speziell“, sagte er vollkommen zufrieden mit sich selbst und der Frau, die ihn geboren hatte.
Ach, Prinzchen, dein Selbstbewusstsein und deinen rosaroten Blick auf deine Mama möchte ich haben.
Prinzchen-Weisheit
Obschon er schon längst wüsste, wie es geht, macht das Prinzchen keine Anstalten, endlich von der Windel aufs WC zu wechseln. Und weil wir Eltern das Wickeln so langsam satt haben, hört unser Jüngster bei jedem Windelwechsel die Frage weshalb er denn nicht aufs WC gegangen sei. Seine Antwort bleibt stets die Gleiche: „Wenn ich muss, dann muss ich und wenn ich nicht muss, dann muss ich nicht.“ Was wohl stimmen mag, bloss, was hat diese Antwort mit unserer Frage zu tun?
Noch einmal die Windel-Diskussion. Das Prinzchen stellt fest, dass nur Babys Windeln brauchen. „Dann brauchst du ja jetzt keine Windeln mehr. Du bist nun wirklich ein grosser Junge“, sagt die Mama. „Ja, aber weisst du, Mama. Als ich in deinem Bauch war, war ich ein Baby und darum muss ich nicht aufs WC.“ Okay nicht ganz logisch, aber warum erzählt er eigentlich danach jedes Mal, dass der Zoowärter ein Töpfchen hatte, das Musik machte. Will er damit etwa sagen, dass er für einen gewissen Preis zum Grosswerden bereit wäre?
Samstagsmorgen, irgendwann zwischen acht und neun. Mama sollte ganz dringend noch einkaufen gehen, bevor sie um zehn zur Arbeit gehen muss und wie das so ist, wenn Mama nach einer schlechten Nacht ganz viel zu erledigen hat, fallen bald einmal die üblichen Sprüche: „Mist, ich komme bestimmt noch zu spät. Jetzt nicht auch das noch, sonst schaffe ich es wirklich nicht rechtzeitig. Prinzchen, kannst du mal den Papa wecken, sonst werde ich hier nie fertig.“ Anstatt den Papa wecken zu gehen, fragt das Prinzchen ganz erstaunt, wohin es denn heute gehen soll. „Du musst nirgendwo hin. Ich muss weg, aber du darfst zu Hause bleiben du Glücklicher. Doch jetzt muss ich mich wirklich beeilen…“ Das Prinzchen schaut die Mama nachdenklich an und meint: „Nur wenn man weggeht, muss man pressieren. Wenn man zu Hause bleibt, kommt man nicht zu spät.“
„Das wünsche ich mir, wenn ich an Weihnachten Geburtstag habe zu meinem Weihnachtsgeburtstag.“









