Jetzt müssten nur noch die Kinder mitziehen…

Nachdem ich schon viel darüber gelesen hatte und hin und wieder gefragt worden bin, wie ich sie denn finde, hatte ich gestern endlich Gelegenheit, die neue Kinderkasse der Migros auszuprobieren. Das Prinzip ist einfach: Breiter, kinderwagentauglicher Zugang, keine Süssigkeiten, keine Werbung, dafür aber hinten und vorne ein Treppchen, damit die Kinder beim Aus- und Einpacken helfen können. So wenig braucht es, um uns Mütter glücklich und unseren Familienalltag entspannter zu machen. Da fragt man sich bloss, warum so etwas nicht längst Standard in allen Geschäften ist.

Wobei die Kinder offenbar weniger begeistert sind davon, dass sie beim Bezahlen nicht mehr in Versuchung geführt werden und ihre Eltern nicht mehr mit „Ich will jetzt ein Gummibärchen“-Gebrüll in den Wahnsinn treiben können. „Die schleppen die Süssigkeiten jetzt einfach von den benachbarten Kassen an“, erklärte mir die Verkäuferin. Und zerplatzt war mein Traum vom stressfreien Einkauf mit kleinen Kindern.

So kauft man Schuhe

Schuhe kaufen mit unseren Söhnen ist wirklich die einfachste Sache der Welt: Den Sinn für guten Stil ausschalten, auf das Regal mit den grässlichsten aller mit Blinklichtern ausgerüsteten Schuhe zusteuern, die richtige Grösse suchen und die Sache ist erledigt. Das Preisschild braucht man gar nicht erst zu konsultieren, denn die Dinger sind so stinkbillig, dass dich die Gewissensbisse teurer zu stehen kommen als das Schuhwerk für die drei Jüngsten. Bei Karlsson war es da deutlich komplizierter, zumindest solange er noch Grösse 38 trug. Elegant für Jungs, das gibt es einfach nicht im gewöhnlichen Schuhladen und für den aussergewöhnlichen fehlt uns das Kleingeld. Und elegant muss es sein, sonst macht der Herr nicht mit. Zum Glück ist er quasi über Nacht in die kleinste Herrenschuhgrösse hineingewachsen und seither ist auch der Schuhkauf für ihn innert Minuten abgewickelt: Herrengrösse 40 ansteuern, ein bezahlbares Paar in schwarz, poliert und elegant auswählen und schon ist unser Ältester der glücklichste Mensch auf Erden. Nach zwanzig Minuten sind die vier neu beschuht und solange keiner der Schuhe frühzeitig aus dem Leben scheidet, ist die Sache für die nächsten Monate wieder erledigt.

Ganz praktisch, ich geb’s ja zu, aber Schuhe kauft man doch eigentlich anders ein. Zuerst einmal sieht man sich eine halbe Stunde lang im Laden um, schlüpft in die grässlichsten High Heels, damit man endlich mal wieder Tränen lachen kann, macht sich lustig über den letzten Schrei der Saison und stülpt sich einen Moon Boot über den Kopf. Hat man all dies mit Erfolg getan – der Erfolg wird in diesem Fall an der Zahl der missbilligenden Blicke der Verkäuferin gemessen -, kommt die Schwerstarbeit: Die Auswahl für die engere Wahl. Dafür rechnet man eine bis unendlich viele Minuten, je nach Sortiment. Nach einer ersten Runde der Anprobe scheidet ein Grossteil der gewählten Modelle aus und dann wird es wirklich schwierig. Man kann nämlich nicht alle nehmen und deshalb beginnt der schmerzhafte Prozess des Aussortierens. „Dich kann ich leider nicht nehmen, weil du zu teuer bist. Würdest du die Hälfte kosten, ich hätte dich schon längst gekauft, aber mein Budget sagt leider nein. Du wärest auch ganz nett, aber leider verträgt sich dein Absatz nicht mit meinem Fersensporn und dir muss ich leider mitteilen, dass deine Schleife nicht ganz so hübsch ist, wie ich sie gerne hätte…“ So wandert ein Paar nach dem anderen zurück ins Regal und wenn man Glück hat, bleibt am Ende noch ein Paar, das mit nach Hause kommen darf. Wenn man Pech hat, wandert alles zurück ins Regal, aber zumindest hat man eine Menge Spass gehabt und im nächsten Laden geht der Spass in die zweite Runde.

So, meine Herren, kauft man Schuhe ein und nicht zack zack, damit man sich möglichst schnell vor die Flimmerkiste in der Kinderabteilung setzen kann. Zum Glück versteht zumindest eure Schwester etwas von der Sache und die schnappe ich mir morgen Nachmittag, damit wir zusammen all das nachholen können, was heute Nachmittag mit euch zu kurz gekommen ist. Wobei es eigentlich ganz gut ist, dass ihr euch schnell entschieden habt, denn etwas Langweiligeres als Schuhe für Jungs gibt es wohl nicht.

Nicht Discounter-tauglich

Die Discounter und ich, wir haben das Heu nicht auf der gleichen Bühne. Okay, gegen die Preise hätte mein Budget nichts einzuwenden, wäre da nicht meine Überzeugung, dass es da mit der Gerechtigkeit nicht weit her sein kann. Auch Sortimment  und Präsentation sagen mir nicht zu und so kommt es, dass ich im gewöhnlichen Leben einen weiten Bogen um Aldi, Lidl & Co. mache. Hier in den Ferien  bleibt mir aber keine andere Wahl, denn etwas anderes als Discount habe ich noch nicht getroffen. Und so kam es, dass ich heute Morgen bei Aldi – Pardon, ich meine natürlich  Hofer – einen Besuch abstattete.

Das erste Problem hatte ich bereits vor dem Laden. Da stand der Verkäufer einer Arbeitslosenzeitung verloren in der Kälte und wurde seine Ware nicht los. Gewöhnlich ist für  mich klar, dass die Zeitung gekauft wird, aber vor  einem Discounter? Hat das nicht einen schalen Beigeschmack von Ablasshandel? Ich beschloss, die Frage erst nach dem Einkauf zu klären und kramte meine Einkaufsliste hervor.

Und dann ging der Horror los. Zuerst einmal geriet  ich einem alten Ehepaar ins Gehege. Die zwei waren offenbar deutlich geübter  als ich im Durchkämmen der unübersichtlichen Warenauslage und so griffen sie immer exakt in dem Moment dazwischen, als ich endlich die ökologisch akzeptablen Karotten oder Äpfel  erspäht hatte. Eine Weile lang lieferten  wir uns einen zermürbenden Kampf um den vordersten Platz am Regal, dann bogen sie glücklicherweise in Richtung Kühltruhe ab.

Die zwei war ich also los, aber einfacher wurde das Einkaufen nicht. Warum müssen diese Ladeneinrichter immer das Wichtige & Gesunde mit  dem Überflüssigen & Ungesunden mischen? Nun gut, ich weiss natürlich schon, weshalb die das tun, aber wie soll ich da innert nützlicher Frist einen Einkauf erledigen, wenn ich mich durch Regale voller Chips und Schokoladenriegel kämpfen muss, bevor ich endlich bei den Freilandeiern lande? Und warum schreiben die ihre Preise so hoch oben an? Denken die nicht an uns Kurzgewachsenen?

Nach unendlicher Sucherei und unter grossem Ellbogeneinsatz – täusche ich mich, oder sind Discounter-Kunden ungeduldiger? – war meine Einkaufsliste endlich abgearbeitet. Es folgte der Kampf mit dem Tempo der Kassierin. Wenn du Glück hast, steht vor dir ein Kunde, der ein Problem hat, wodurch du die Zeit gewinnst, um deine Ware aufs Band zu legen. Steht keiner mit Problem vor dir, musst du aufpassen, dass die Lebensmittel, die du kaufen willst, nicht zerdrückt werden, wenn die Kassierin sie dir aus der Hand reisst. Wie um Himmels Willen stellt die Frau es an, dir mit der einen Hand die Ware aus der Hand zu reissen, mit der anderen die Artikel über den Scanner zu ziehen und mit dem Ellbogen das Gescannte auf  die zu kurz geratene Ablagefläche zu schieben? Und  was, bitte sehr, ist mein Part in diesem irren Tanz? Mir scheint, ich bin immer im Weg, ganz egal, was ich tue.

Ziemlich verschwitzt war ich, als die Ware endlich zurück im Wagen und bezahlt war. Jetzt nur noch der verzweifelte Versuch, all das Zeug  so schnell als möglich in die Einkaufstaschen zu schmeissen, bevor mich jemand unter  Knurren und Zähnefletschen von meinem Platz  am Einpacktisch vertrieb. Endlich draussen, war für mich  klar, dass ich dem armen Kerl, der noch immer fröstelnd im Eingang stand, die Zeitung abkaufen würde. Nicht, um mich von meinem arbeitsrechtlich und ökologisch unkorrekten Einkauf reinzuwaschen, sondern damit ich  eine anständige Lektüre hätte, wenn ich  mich für den Rest des Tages bei Tee und Waffeln von diesem Horror-Einkauf erholen würde.

Lieber pseudo-moderner Papa

Es ist ja ganz nett, dass du dir abends nach der Arbeit Zeit nimmst, um mit Frau und Söhnchen den Wocheneinkauf zu erledigen. Es ist nahezu rührend, wie du voller Stolz den Einkaufswagen mit der Babyschale vor dir herschiebst und damit den aktiven Papa markierst. Die Mutter deines Kindes ist bestimmt ganz froh darüber, dass du bei der Wahl des richtigen Joghurts mitredest. Fast könnte man meinen, du wärst ein moderner Papa, einer, der begriffen hat, dass Kind und Haushalt nicht einfach Frauensache sind.

Nun, ich muss dir leider sagen, dass ich dir das mit dem modernen Papa nicht abnehme. Warum nicht? Etwa, weil ich per Zufall mitgekriegt habe, wie du am Telefon deinem Kumpel voller Bedauern mitgeteilt hast, dass ihr bestimmt nicht bis Mitternacht bleiben könnt, weil der Kleine ins Bett muss? Nein, daran liegt es nicht, denn ich weiss, dass man trotz Kind hin und wieder gerne bis tief in die Nacht mit Freunden quatschen möchte. Entlarvt hat dich, dass du ungeniert telefonierend an der Käsetheke lehnst, aus der ich unseren Käsevorrat angeln will. Wie? Du verstehst nicht, wie ich anhand einer solchen Bagatelle erkennen will, dass dein „Seht mal her, wie fortschrittlich ich bin“-Gehabe nur Show ist?

Nun, ich werde es dir erklären: Wenn du fünfundvierzig Minuten vor Ladenschluss eine zerzauste Hausfrau mit tiefschwarzen Augenringen und einem übermüdeten Dreijährigen im voll beladenen Einkaufswagen siehst, dann solltest du eigentlich wissen, dass die Frau nicht aus reinem Vergnügen hier ist. Hättest du eine Ahnung von Kind und Haushalt, du würdest sofort aus dem Weg gehen, wenn diese Frau sich der Käsetheke nähert, die du dir als Rückenlehne ausgesucht hast. Du würdest nicht erst dann drei Millimeter zur Seite rücken, wenn sie dir unmissverständlich klar macht, dass sie an den Gruyère hinter dir will. Du würdest dich sofort in eine unwichtige Ecke verkrümeln – irgendwo zwischen Toilettenpapier und Besen – und ihr nicht einfach zwei Schritte weiter vorne den Zugang zum Raclette-Käse versperren und danach zum Reibkäse und dann auch noch zum Bergkäse. Vor allem aber würdest du die Frau nicht entnervt anschauen, wenn sie dich immer und immer wieder aus ihrem Jagdrevier vertreibt, denn du wüsstest, dass sie bei der Arbeit ist und deshalb keine Zeit hat für solche lächerlichen Spielchen.

Aber das alles weisst du nicht, weil du eben nur ein pseudo-moderner Papa bist, der zwar so tut, als wäre er dabei, der in Wirklichkeit aber die ganze Sache mit Kind und Haushalt noch immer als Weiberkram abtut.

Prinzchens Grosseinkauf

Ein sehr überdrehtes Prinzchen und eine sehr übermüdete Mama gehen am Donnerstagabend eine knappe Stunde vor Ladenschluss einkaufen. Hauptziel dieses Einkaufs: Das Prinzchen so richtig müde zu machen, damit der Feierabend endlich kommen kann. Weitere Ziele: Den ziemlich leeren Kühlschrank wieder auffüllen, Koffeinnachschub besorgen, den einen oder anderen kleinen Frustkauf tätigen, weil das Leben gerade so anstrengend ist. Nun ja, das zumindest sind die Ziele aus mütterlicher Sicht, diejenigen des Prinzchens sehen etwas anders aus: Möglichst alles, was Mama sonst nie kauft, in den Einkaufswagen schmuggeln, dabei alles ohne Mamas Hilfe schaffen und so ganz nebenbei noch all die „Ach, ist der Kleine aber süss“-Kommentare  ernten, die es so kurz vor Feierabend noch zu holen gibt. Dreimal raten, wer seine Ziele zuerst erreicht hat…

Man muss aber auch sagen, dass das Prinzchen alles gegeben hat und seinen Sieg voll und ganz verdient hat. Das soll ihm zuerst mal einer nachmachen, wie er wagemutig vom Einkaufswagen auf den Rand des Kühlers kletterte und mich dabei konstant beschwatzte, bis ich ihm seufzend erlaubte, die Vanille- und Schokoladencrème, zu der er sich so hartnäckig hochgekämpft hatte, in den Wagen zu legen. Seine Parodie auf sämtliche einkaufenden Mamas war schon nahezu bühnenreif. Da stand der Dreikäsehoch vor dem Wurstregal und brummte: „Wurst haben wir auch keine mehr. Dann nehmen wir doch die und dann noch die…“ Ich weiss nicht, wann wir zuletzt so viel Wurst gekauft haben, aber kann man denn einem, der mit so viel Eifer bei der Sache ist, die Wurst verbieten? Und dann erst sein Versuch, aus der ganzen Spielwarenauslage das perfekte Geschenk für jeden herauszupicken: „Das hier wünsche ich mir und das auch und das auch und das auch, nein, das nicht, das wünscht sich bestimmt Luise, aber das wünsche ich mir und das und das und das wünscht sich der Zoowärter und ich natürlich auch und der FeuerwehrRitterRömerPirat auch und das wünsche ich mir und das auch noch und das ist für Karlsson und das für mich und das auch für mich und das auch noch…“ Damit zauberte er auch noch der griesgrämigsten, abgekämpftesten und ungeduldigsten Hausfrau, die an diesem trüben Donnerstagabend ihren Einkauf so schnell als möglich hinter sich bringen wollte, ein Lächeln ins Gesicht. Also auch seiner eigenen Mutter…

 

Mama, lass mich schlafen!

Da habe ich mich doch wieder mal für besonders schlau gehalten heute. „Glaube bloss nicht, dass du mich heute wieder mit deiner ‚ich gönne mir um halb fünf einen ausgiebiges Schläfchen und Haue dann bis Mitternacht auf die Pauke‘-Phase stressen kannst“, sagte ich zum Prinzchen, als er sich am späten Nachmittag verdächtig die Augen rieb und nach Kakao verlangte. „Heute schläfst du dann, wann ich es will und darum kommst du jetzt mit mir einkaufen.“ Das Prinzchen war nicht sonderlich begeistert, was mich nicht weiter hätte wundern sollen, wo mir doch Luise bereits im zarten Alter von drei Jahren erklärt hatte, dass „nur wir Frauen gerne einkaufen“.

Nun, ich halte mich nicht an solche Klischees und so musste das Prinzchen eben mit. Als wir drei Minuten später in der Migros ankamen, schlief das Kind tief und fest. „Na warte, mein Kleiner. Du wirst jetzt schön brav wieder aufwachen und in den Einkaufswagen sitzen. Dort ist es so unbequem, dass dir die Lust am Schlafen vergeht“, brummte ich vor mich hin und hob das inzwischen halb wache Kind in den Sitz, der schon bald zu eng sein wird für ihn. Dort behielt er tatsächlich dreissig Sekunden lang die Augen offen, dann fielen sie ihm wieder zu und wenige Momente später schlief er so tief, dass alles Kitzeln und „Komm Prinzchen, mach die Augen auf und schau dir diesen schönen Samichlaus an“ nicht mehr half.

Und wieder einmal musste ich einsehen, dass ein Kind, wenn es gerade eine Phase durchmacht, sich nichts, aber auch gar nichts von Mama sagen lässt. Immerhin bekam ich mal wieder ein paar „Ach, wie süß“-Kommentare zu hören. Etwas, was ich wohl schon bald nicht mehr erleben werde, hat mich doch meine Erfahrung gelehrt, dass kleine Jungen spätestens wenn sie vier sind nicht mehr als süss gelten, auch wenn sie es noch immer sind.

 

Es tut sich was

Dass ich das auf meine alten Tage als Mutter von Vorschulkindern noch erleben darf: Die Migros führt in ausgewählten Filialen Familienkassen ein, also Kassen, die breit genug sind für Kinderwägen und – was noch viel wichtiger ist – bei denen auf all die Süssigkeiten verzichtet wird, die jeden Einkauf mit Kind zur Tortur werden lassen. Nun gut, die ausgewählten Filialen liegen nicht in meinem Futter-Jagdrevier, aber man denkt offenbar bereits darüber nach, den Versuch auf weitere Regionen auszuweiten. Wenn das so weitergeht, besteht Hoffnung, dass ich dereinst mit meinem ersten Enkelkind völlig stressfrei werde einkaufen können. Was eigentlich nicht ganz fair ist, denn ist es nicht das Privileg aller Grossmütter, den Enkeln all den Mist zu kaufen, den sie ihren Kindern nie und nimmer gekauft hätten?

Jetzt bloss nichts vertauschen

Endlich sind auch meine Wahlzettel für die National-und Ständeratswahlen ausgefüllt. Wie das bei uns Hausfrauen so ist, erledige ich mehrere Dinge gleichzeitig und so kommt es, dass Einkaufs- und Wahlzettel parallel ausgefüllt werden. Auf den einen Zettel kommen Abfallsäcke, Katzensand, Fond de Teint und Streichhölzer, auf den anderen die Evangelischen und die Sozialdemokraten. Jetzt nur noch aufpassen, dass die zwei Zettel nicht vertauscht werden. Ich will ja keine Müllschlucker, Vertuscher und Brandstifter nach Bern wählen und dass ich die Evangelischen und die Sozialdemokraten im Regal bei der Migros finde, bezweifle ich doch sehr. 

Etiam si omnes, ego non?

Es war nur  ein klitzekleiner Zwischendurcheinkauf, das Nötigste, um den Tag zu überstehen. Die Schlange an der Kasse war ziemlich lang, vor mir ein Paar, das offensichtlich den Wocheneinkauf getätigt hatte: Eine Grosspackung panierter Käse, eine Grosspackung Pain au Chocolat, Chips, Würstchen, Schokoladenriegel, Nussgipfel, Weissbrot, Ketchup, Käse. „Die ernähren sich aber ausgewogen“, dachte ich bei mir und schüttelte innerlich den Kopf. „Wo bleibt da der Salat? Das Obst? Die Karotten? Also ich könnte ja so nicht leben…“

Das Förderband  bewegte sich langsam aber stetig vorwärts und bald sah ich nicht mehr die Waren des Paars, sondern meinen eigenen Einkauf: Zwei Schachteln Eis für die Kinder,  eine Cola für „Meinen“, eine Cola light für mich.

Nur das Nötigste eben, um den Tag zu überstehen…

 

Lasst mich auch mitreden!

Es war wieder mal typisch. Am Eingang zur Migros stand eine nette Dame, welche die Kunden nach der Kasse abfing, um von ihnen die Meinung über das Sortiment, die Einrichtung des Ladens und die Freundlichkeit des Personals zu erfahren. Es war kurz vor Feierabend und die meisten Kunden wollten nur eins: So rasch als möglich nach Hause gehen und deswegen erteilten sie alle der netten Dame eine Absage. Während ich dabei zusah, wie die Dame verzweifelt nach Opfern suchte, sah ich meine Chancen steigen, dass man endlich einmal mich befragen würde. Nun mögt ihr euch vielleicht an den Kopf fassen und euch fragen, ob ich denn nun vollends durchgeknallt sei. Und das bin ich ja vermutlich auch, denn ich gehöre zu dieser verschwinden kleinen Minderheit in der westlichen Welt, die gerne Fragebogen ausfüllt. Hach, wie ich es liebe, meine Kreuzchen setzen zu dürfen! Wie ich es geniesse, wenn ich endlich mal das zu Papier bringen darf, ob ich mit der Vielfalt des Bio-Angebots zufrieden bin, ob der Laden den Bedürfnissen von Familien gerecht wird, ob ich den Käse lieber abgepackt oder im Offenverkauf kaufen möchte. Ja, so bin ich tatsächlich. Zu den Dingen, die mir wichtig sind, möchte ich gerne meine Meinung sagen und da mir gutes und gesundes Essen heilig ist, habe ich auch zu ziemlich jeder Frage, die den Einkauf betrifft, eine Meinung, die ich den Verantwortlichen gerne mitteilen möchte.

Natürlich ist das nicht das einzige Thema, das mich interessiert. Ich würde mich auch liebend gerne dazu äussern, welcher Partei ich bei den Wahlen im Herbst meine Stimme geben werde, ob ich für oder gegen eine Einheitskrankenkasse bin und ob ich wünsche, dass die Schweiz sofort aus der Atomenergie aussteigt. Diese Umfragen werden gemacht, ich weiss es ganz genau. Wie sonst könnte man dann in der Zeitung schreiben, dass soundsoviele Prozent der Schweizer Bevölkerung der Meinung sind, dass man die Einfuhr von ausländischen Kartoffeln per sofort verbieten soll? Und jedes Mal, wenn ich so ein Umfrageergebnis sehe, frage ich mich, weshalb die mich nicht gefragt haben. Weil ich doch so gerne Fragebogen ausfülle. Und weil ich den Verantwortlichen so gerne den einen oder anderen Tritt gegen das Schienbein verpassen möchte.

Nicht, dass ich nie die Gelegenheit hätte, bei Umfragen mitzumachen. Im Gegenteil, in meiner Mailbox landet fast jede Woche ein Fragebogen. Aber was will man dort von mir wissen? „Welches der genannten Waschmittel duftet Ihrer Meinung nach am frischesten?“ oder „Wie zufrieden sind Sie mit dem Grauton, den Ihre Bank für den neuen Werbeprospekt gewählt hat?“ oder „Welche Vorsorgeeinrichtung hat Ihrer Meinung nach den überzeugendsten Internetauftritt?“ Lauter solchen Mist fragen die mich, aber zu den entscheidenden Fragen des Lebens fragen sie immer die anderen und dann muss ich mich wieder darüber aufregen, dass die Mehrheit der Befragten so anders denkt als ich. Gut, wenn ich hätte mitmachen dürfen, sähe das Resultat wohl nicht viel anders aus, weil ich ja nur eine von vielen Befragten wäre, aber immerhin hätte ich dann das Gefühl, dass ich mich darum bemüht habe, eine andere Meinung zu vertreten. Aber wenn man mich nicht mal mitreden lässt…

Heute aber beim Einkauf war ich mir ziemlich sicher, dass ich für einmal mitreden dürfte. Damit die verzweifelte Dame, die kein Opfer finden konnte, auch bestimmt auf mich zukommen würde, machte ich ein besonders freundliches Gesicht und liess mir sehr viel Zeit beim Einpacken. Gut, allzu schnell ging es ohnehin nicht vorwärts, da der Zoowärter versuchte, mir zu helfen, was die ganze Packerei erheblich verlangsamte. Doch während wir beide am Einpacken waren, geschah das Unvorstellbare: Die Dame mit den Fragebogen konnte sich auf einmal der Opfer nicht mehr erwehren und als ich mich zum Gehen wandte, sassen da vier Kundinnen am Tisch, die alle eifrig ihre Fragebogen ausfüllten und für mich war kein Platz mehr. Einmal mehr durften alle anderen ihren Spass haben, nur ich durfte wieder keine Kreuzchen auf den Fragebogen setzen, um meine Meinung kundzutun. Dabei rede ich doch so gerne mit.

Noch irgendwelche Fragen, weshalb ich fast jeden Tag blogge?